Popper Objektive Erkenntnis II Für und Wieder des Alltagsverstandes

Nylen
Zitat:
Original von Zanderdan
Hallo Nylen,

Zitat:
Die Beobachtung, bzw. der Beobachtungssatz, welcher eine Theorie falsifiziert, wird letztlich bei Popper nicht genug hinterfragt. Das könnte dazu führen das wir eine richtige Theorie aufgrund einer falschen Falsifikation fallenlassen. Ich würde Theorien niemals so leichtfertig verwerfen wie Popper das fordert, da man aus ihnen sicherlich etwas lernen kann, und wenn es ist wie es nicht ist und warum es nicht so ist.


Hm...könntest du das mal ausführen? Mir leuchtet eigentlich ein, dass Popper bei der Falsifikation strenge Massstäbe anlegen muss. Sonst würden die Konsequenzen aus einer Beobachtung, die sich im Widerstreit mit der Theorie befinden, von deiner, evtl. interessegeleiiteten ("hoffe, noch was zu lernen" zB) Entscheidung abhängen. Da kommt doch ein irrationales und recht subjektives Element hreingeschlichen? Rationalismus und Objektivität kommen doch dadurch zustande, dass bei Dissonanz mit der Wirklichkeit quasi automatisch falsifiziert wird.

Obwohl mit noch nicht klar ist, was bei einer Falsifizierung -nach Popper- eigentlich passieren soll: wird die Theorie als Ganzes aufgegeben? Werden nur einzelne Hypothesen aufgegeben? Die Randbedingungen geprüft? Darf mit Hilfshypothesen modifiziert werden? Aber wenn ja, stellt sich für auch wieder die Frage: ist das dann eigentlich noch eine (strenge) Methode, oder ist das anything goes (im Sinne von ex Falsifikation quodlibet)?

Gruss


Zum Teil müsste ich das selber nachlesen bei Popper. Werde auf das Thema bei gelegenheit zurückkommen, aber gehört in den Teil 1 Thread weil nämlich in diesem Thread die Metaphysik Poppers im Vordergrund stehen soll, nicht seine Wissenschaftstheorie (obwohl die überall reinspielt).

Wollte hier den weiteren Verlauf von Poppers Denken verfolgen, und wir kommen auch bald zu dem was mir wesentlich ist an Poppers Epistemologie.

Der Realismus bei Popper
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Popper ist Realist. Der Antirealismus in vielfältigen Formen hatte Hochkonjunktur im 20. Jahrhundert, und Popper wurde belächelt weil er sich deren Argumenten nicht beugte.

Popper argumentiert das der Realismus unserem Alltagsverstand entspricht. Der Alltagsverstand unterscheidet zwischen "erscheinung" und "Wirklichkeit".

Zu den "wirklichen" Dingen gehören beispielsweise Nahrungsmittel, aber auch der Geschmack von Nahrungsmitteln ist etwas wirkliches.

Auch Zahnschmerz ist wirklich, oder aber auch Kraftfelder in der Physik.

Der Realismus ist über die Jahrhunderte immer wieder angegriffen worden, vor allem in Bezug auf die Wirklichkeit von Qualitäten etc.

"Ist unsere Alltagswelt nicht blos ein Traum??" ist die naive Frage des Idealismus und ihre Propageten wälzen sich darin, dass man sie nicht wiederlegen kann. Natürlich kann mann ihn schon gar nicht beweisen.

Der Realismus ist ebenfalls nicht beweissbar oder wiederlegbar. Er ist eine metaphysische Position.
Popper hat oft darauf hingewiesen das etwas mit Theorien nicht stimmen kann welche sich mit Immunisierungsstrategien gegen wiederlegung schützen. Das ist ein Einwand gegen den Idealismus.

Ansonsten versucht Popper Argumente für den Realismus zu geben.

1) Der Realismus ist Teil des Alltagsverstandes 2) Alle Argumente gegen den Realismus sind philosophisch im negativsten Sinn des Wortes, und sie stützen sich (bei Berkeley u.a) auf eine falsche erkenntnistheorie des Alltagsverstand, welche Popper als Kübeltheorie des Geistes tituliert.

3) Unsere Physikalischen Theorien wie sie sind implizieren das der Realismus wahr ist, wenn sie wahr sind.

4) Alle Theorien über die welt müssen in Sprache formuliert werden. Und zwar in deskriptiver und argumentativer Sprache. Solche Beschreibungen sind stets realistisch. Sie beschreiben Etwas, und dieses Etwas soll ein realer Sachverhalt sein.

4) Der Idealismus muss die absurde These aufrecht erhalten, dass ich persönlich es bin, der diese Welt geschaffen hat. Nun bin ich Nylen mir sicher den zweiten Weltkrieg nicht verursacht zu haben, und auch die Werke Pink Floyds sind sicherlich nicht meinem Geist entsprungen. Die Welt ist mitnichten mein Traum.

"Ich fasse zusammen: Ich schlage vor, den Realismus als die einzige vernünftige Hypothese zu akzeptieren - als eine Vermutung, zu der noch nie eine vernünftige Alternative angegeben worden ist. Ich möchte in dieser Sache nicht dogmatischer sein als in irgendeiner anderen. Ich glaube aber, daß ich alle erkenntnistheoretischen Argumente kenne - es sind hauptsächlich subjektivistische -, die zugunsten von Alternativen zum Realismus angeführt worden sind, wie der Positivismus, der Idealismus, der Phänomenalismus, die Phänomenologie und so weiter, und obwohl ich kein kein Feind von Diskussionen über Ismen in der Philosophie bin, halte ich doch alle mir bekannten philosophischen Argumente für einen dieser Ismen für eindeutig falsch. Die meisten entspringen aus der abwegigen Suche nach Gewissheit, nach sicheren Grundlagen. Und alle sind typisch philosophische Fehler im schlechtesten Sinne des Wortes: Sie leiten sich alle aus einer falschen Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes ab, die keiner ernsthaften Kritik standhält"

Popper weisst erneut auf sein Ziel hin von einer subjektivistischen erkenntnistheorie zu einer objektivistischen zu kommen.
Zanderdan
...das Ziel gefällt mir. Rest...naja. Wenn ich solche Zitate lese, kann ich mir gut vorstellen, daß Popper bei den Philosophen nicht gut ankam. Wenn ich mich jahrzehntelang mit Berkeley beschäftigt hätte, würde ich mir auch nicht gerne von irgendeinem Popperlümmel anhören müssen, dass der alles darüber weiss und obendrein noch, dass das alles nur Blödsinn ist. Ehrlich gesagt, finde ich das Zitat auch etwas borniert. Obeindrein scheint es mir auf die Aussage hinauszulaufen: "Vernünftig ist, was wir mit unsrem Alltagsverstand als vernünftig empfinden, sparen wir uns doch einfach jede weitergehende Diskussion". Ich habe jetzt auch mal was von Popper gelesen ("Wissenschaftlehre..."), und da scheint mir dieses Programm auch konsequent umgesetzt zu sein. Großartige Begriffsarchitektonik spart sich Popper und macht auch keine weitschweifigen Ausflüge ins Abstrakte. Alles gut lesbar, aber irgendwie läuft das dann folgerichtig auf eine einigermassen gelehrte Plauderei hinaus. Irgendwie will er eine Theorie aufbauen, ohne eine Theorie aufzubauen. Als wollte er nur in Worte fassen, was wir doch alle eh schon wissen. So zumindest mein Eindruck.

Dass Idealismus bedeutet, dass alles nur geträumt ist, halte ich für Quatsch. Dass evtl. alles nur ein Traum ist, das hat ein Rationalist gesagt. Ebenso falsch, dass der Idealismus den Dingen die Wirklichkeit absprechen will. Wenn man solche wakeligen Strohmänner aufbaut ist das natürlich ein Leichtes, die wieder umzukloppen.

Zum Ziel der objektiven Erkenntnistheorie habe ich auch mal Zitate:

"Meine These ist, dass es ein ungemein wichtiger ist, ein Schritt über den Abgrund sozusagen, der von meinem unausgesprochenen Gedanken: "Heute wird es regnen" zu dem selben, aber ausgesprochenen Satz "Heute wird es regnen" führt. [...] die sprachliche Formulierung bedeutet, dass etwas, das vorher Teil meiner Persönlichkeit, meiner Erwartungen und vielleicht Befürchtungen war, nunmehr objektiv vorliegt und damit der allgemeinen kritischen Diskussion zugänglich wird."

Der alte Subjektgedanke mit der ganzen Innen/Aussen-Metaphorik steht in diesem Zitat noch in voller Blüte. Nix ists mit der Spätwittgensteinschen Intersubjektivität. Objektiv, das heisst bei Popper offenbar, dass mir etwas aus dem Kopf herausformuliert wird und dann offen auf dem Tisch liegt. Objektiv = ausgesprochen. Und warum ist das wichtig? Hierzu noch ein für meinen Geschmack etwas schrulliges Zitat:

"Die Frage: worin liegt der entscheidende Unterschied zwischen der Amöbe und Einstein, kann also wie folgt beantwortet werden:
Die Amöbe flieht vor der Falsifikation: Ihre Erwartung ist ein Teil von ihr, und vorwissenschaftliche Träger von Erwartungen oder Hypothesen werden oft durch Widerlegung der Hypothese vernichtet. Einstein dagegen hat seine Hypothese objektiviert. Die Hypothese ist etwas ausserhalb von ihm; und der Wissenschaftler kann seine Hypothese durch seine Kritik vernichten, ohne selbst mit ihr zu Grunde zu gehen."

Solche Aussagen bringen den Popper bei mir schnell wieder zurück ins Regal. Objektivität ermöglicht also die aktive Falsifikation. Man sollte ja denken, dass er auch noch erwähnt, dass solche objektivierten = ausformulierten Hypothesen schlicht und einfach von mehreren Köpfen bearbeitet werden können, was einen Vorteil gegenüber der Amöbenhypothese bedeutet. Das sagt er aber (an dieser Stelle) nicht.

Naja, ich kann nur hoffen, dass da noch irgendwas spannendes kommt.

Gruss

Zanderdan - der nicht versteht, was am Popper so toll sein soll
Nylen
Auch diesen Thread möchte ich nochmal hochpushen und gerne weiter diskutieren. Auch hier nochmal eine Gesamtzusammenfassung. Alles bereitet einen neuen Thread vor. die Fortsetzung der bereits vorhandenen zwei.

Zwei Seiten des Alltagsverstandes

Popper kommt nun zu einem weiteren wichtigen vorbereitenden Punkt. Untertitel seines Kapitels ist: ein Plädoyer für den Realismus des Alltagsverstandes und gegen die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes.
Popper eröffnet sein Buch mit einer Entschuldigung warum er sich die Mühe macht den Realismus zu verteidigen, der doch wohl überholt scheint, jedenfalls wieder einmal zur Zeit der Entstehung des Textes.
Popper "Meiner Auffassung nach ist es der größte Skandal der Philosophie: Während um uns herum die Natur - und nicht nur sie - zugrunde geht, reden die Philosophen weiter darüber - manchmal gescheit, manchmal nicht -, ob diese Welt existiert."

Das solche Philosophie einen Anti-Intellektismus herrvorruft ist ganz natürlich.
Popper:"Wir haben alle unsere Philosophien, ob wir dessen gewahr werden oder nicht, und sie taugen nicht viel. Aber ihre Auswirkungen auf unser Handeln und unser Leben sind oft verheerend. Deshalb ist der Versuch notwendig, unsere Philosophien durch Kritik zu verbessern. Das ist meine einzige Entschuldigung dafür, daß es überhaupt noch Philosophie gibt."
Popper sagt das alle Wissenschaft oder auch Philosophie beim Alltagsverstand anfangen müssen. Ich habe Alltagsverstand bereits als das Gemeinhin angenommene bezeichnet.
Popper "Wie kann so etwas Vages und Unsicheres wie der Alltagsverstand einen Ausgangspunkt abgeben? Meine Antwort ist, weil wir kein sicheres System auf diesen "Grundlagen" aufbauen wollen."
Unzählige Philosophen haben genau dies versucht. Eine gesicherte Grundlage für unseren Glauben an etwas zu rechtfertigen. Sie gingen von unwiederlegbaren Erstprinzipien aus (Rationalisten) oder untrügerischen wiederholten Beobachtungen (Empirismus)
Popper verwirft den Gedanken es gäbe sichere Grundlagen als Ausgangspunkt der Erkenntnis, und sagt man müsse vom gemeinhin angenommenen ausgehen.
Gemeinhin wurde angenommen dass die Erde flach sei. Doch bessere, überzeugendere Theorien lösten diese Vorstellung ab, und veränderten unseren Alltagsverstand.
Komplexe Theorien können wahr sein (ohne das wir das wissen können) ohne je in den Alltagsverstand aufgenommen zu werden. Quantenmechanik z.B. oder Einsteins Raum-Zeit Vorstellung.
Popper "Alle Wissenschaft und alle Philosophie sind aufgeklärter Alltagsverstand"
Ausgangspunkt bleibt also der vage Alltagsverstand. Dieses Fundament ist wackelig und unsicher, aber wir können vorankommen. Wir können aus Fehlern lernen und daraus, dass wir Fehler machen!!
Das mächtigste Werkzeug des Erkenntnisfortschritts ist nun aber die Kritik so Popper. Weil Popper sie dafür hält, nennt man seine Lehren "Kritischen Rationalismus". Doch darauf kommen wir noch öfter zurück.
Popper: "sobald wir konkurrierende Theorien haben, gibt es ein weites Betätigungsfeld für kritische oder rationale Diskussion; wir untersuchen die Konsequenzen der Theorien, und wir suchen besonders mach ihren schwachen Punkten - daß heißt nach Konsequenzen, die wir für falsch halten......Das Grundproblem der Erkenntnistheorie ist die Klärung und Untersuchung dieses Vorgangs (rationale und kritische Diskussion), durch den, wie ich behaupte, unsere Theorien sich entwickeln und verbessern können."
Popper untersucht nun den Unterschied zu anderen Ansätzen.

Descartes war für ihn einer der ersten welche "sichere" Grundlagen unserer Ereknntnis finden wollte. DEscartes ging so vor, dass er erstmal begann alle Erkenntnis zu bezweifeln. Er kam dann aber zu dem Punkt, dass er seine eigene Existenz nicht bezweifeln könne. Cogito, ergo sum. Ich denke (nehme wahr, fühle etc) also existiere ich.
Dazu ist folgendes zu sagen. Natürlich kann ich es als "gesichert" ansehen, dass ich existiere. Als Basis für eine Erkenntnistheorie ist das aber zu schmal.
Ich errinere mich amüsement daran, wie ich eine lange Diskussion mit Hansi führte, wo er stockfest behauptete, er könne behaupten, daß er nicht existiere. Ich antwortete er könne das aber nicht wirklich glauben.
Ich denke aber ein Psychotiker kann das sehr wohl glauben und Popper bringt das Beispiel eines Sherpa am Mt. Everest der stock und steif behauptete tot zu sein.
Ausserdem gesteht ja wohl jeder zu das seine Exsistenz enden wird, jedenfalls seine physische, und das dadurch die Welt nicht aufhört zu existieren.
Descartes Versuch ist also weder völlig Unzweifelhaft, noch Ausreichend als Basis für das was er vorhat, nämlich zu zeigen das der Realismus korrekt ist, nämlich die These das was wir wahrnehmen wirklich ist.
In der Nachfolge Descartes wurden andere Versuche unternommen, aber sie teilten die Auffassung, das der subjektiven Einsicht und Erkenntnis höchste Priorität zukomme. Das also die subjektive Beobachtung als sichere und und unmittelbare Basis gelten könne.
Popper: "Im Gegensatz dazu bin ich der Auffassung, daß es nichts Unmittelbares in unserer Erfahrung gibt: Wir müssen lernen, daß wir ein Ich haben, das sich in der Zeit erstreckt und auch während des Schlafes und völliger Bewusstlosigkeit weiterbesteht, und wir müssen die Eigenschaften unseres und anderer Körper kennenlernen"
und weiter "Die Suche nach der Gewißheit, nach einer sicheren Grundlage der Erkenntnis muß aufgegeben werden."

Der Realismus

Der Realismus ist ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Wir wären kaum in der Lage normal zu funktionieren, wenn wir uns verhielten, als wäre die Welt nicht wirklich. Menschen haben schon früh in ihrer Geschichte unterschieden zwischen Wirklichkeit und Erscheinung.
So erscheint der Fernsehmoderator im fernseher zu sitzen. Doch in Wirklichkeit sitzt er Kilometer weit weg in einem Studio.
Oder jeder kennt diesen Argumentationsstrang. Die Tasse vor mir erscheint ein festes Objekt zu sein, aber in Wirklichkeit besteht er aus Atomen und damit zu 99% aus Nichts.
Es scheint also eine Oberflächenwirklichkeit zu geben und eine Tiefenwirklichkeit.

Popper behauptet nun das der Realismus, also der Glaube an die Wirklichkeit unserer Weltwahrnehmung, weder beweissbar noch wiederlegbar ist. Es ist also eine Metaphysische Position und keine durch Wissenschaft zu klärende Frage. Er kann zwar nicht bewiesen werden doch gibt es zahlreiche Argumente für ihn. Starke Argumente. Stärkere Argumente als für die Gegenposition, nämlich das die Welt evt. nichts als ein Taum sei, also niemals wirklich, sondern Erscheinung durch und durch, jedenfalls soweit es menschliche Wahrnehmung betrifft.
Wie viele in Diskussionen schon festgestellt haben ist der Idealismus unwiedrlegbar. Lieblingsargument der Realisten ist. "lass dir in die Fresse hauen", dann weisst du was real ist. Antwort des Idealisten: "Ich könnte ja träumen, daß mir in die Fresse geschlagen wird". Wir kennen diese Spiele.
Popper:"Doch es gibt Argumente zugunsten des Realismus oder vielmehr gegen den Idealismus. Das vielleicht stärkste Argument besteht aus der Verbindung zweier Argumente: a) Der Realismus ist Teil des Alltagsverstandes, und b) alle angeblichen Argumente gegen ihn sind nicht nur philosophisch im schlechtesten Sinne des Wortes, sondern stützen sich auch auf einen unkritisch akzeptierten Teil des Alltagsverstandes, nämlich auf den falschen Teil der Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes, den ich "Kübeltheorie des Geistes" genannt habe"

Hier wird erstmal die Bedeutung von Poppers Kapitelüberschrift deutlich. Er bejaht zwar den Realismus des Alltagsverstandes, lehnt aber die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes, es sei nichts in uns was nicht zuvor über Sinne hineingekommen ist, ab.
Ein Argument für den Realismus sieht Popper darin, dass wenn die wissenschaftlichen Theorien Annäherungen an die Wahrheit sind, sie den Realismus stützen. Deshalb sprechen einige auch von "wissenschaftlichen Realismus". Popper lehnt diese Charakterisierung aber ab, und spricht lieber vom metaphysischen Realismus. Grund ist wie erwähnt das Popper den Realismus für unwiederlegbar hält. Wissenschaft grenzt sich ja für Popper von Metaphysik dadurch ab, dass erstere nur thematisiert was im Prinzip wiederlegbar sein muss. Eine frühere Position von Popper war, dass metaphysische Behauptungen nicht rational diskutierbar seien, dies legte er jedoch später zu den Akten. Im Gegensatz zu anderen Philosophen lehnt Popper Metaphysik nicht als unnütz ab, aber als ungeklärt und unaufgeklärt.
Sein drittes Argument für den Realismus ist die Tatsache das Sprache wesentlich deskriptiv, also Wirklichkeitsbeschreibend ist. Eine eindeutige Beschreibung ist immer realistisch.
Popper: "Rationalität, Sprache, Beschreibung, Argument - alle handeln von einer Wirklichkeit und wenden sich an ein Publikum. All das setzt den Realismus vorraus. Logisch ist dieses Argument natürlich nicht zwingender als irgendein anderes; ich könnte ja bloß träumen, daß ich eine deskriptive Sprache und Argumente gebrauche; doch dieses Argument für den Realismus ist trotzdem stark und rational. Es ist so stark wie die Vernunft selbst."

Dann folgen Argumente gegen den Idealismus. Wäre der Idealismus war, dass alles nur mein Traum sei, dann wäre ich Schöpfer meiner Welt. Ich mag zwar Schöpfer meiner Wahrnehmung der Welt sein, doch sicher nicht Schöpfer der Welt die Ursächlich ist für meine Wahrnehmung.
Hätte der Idealismus recht, wäre alle Wissenschaft zum Scheitern verurteilt, da die Frage nach Wahrheit und Falschheit von Theorien gegenstandslos würde, wenn alles nur Träume wären.
Popper schlägt also vor sich für den Realismus zu entscheiden, was eine Glaubensfrage ist. Und ich habe ja gesagt das wir Verantwortung für unsere Erkenntnistheorie übernehmen müssen. Wir können den Realismus nicht beweisen, aber wir entscheiden uns für ihn, weil die Entscheidung für den Idealismus zur Verantwortungslosigkeit führt. Wenn alles nicht real ist, dann ist es egal was ich tue oder nicht tue, und ich muss alle Verantwortung ablehnen.

Soviel erstmal zum Realismus und warum wir ihn als Hypothese akzeptieren sollten.

Hier finde ich es nun angebracht drei Gedanken anzubringen.

1. Gedanke: Die modernste Form des Idealismus ist der Film Matrix. Jeder von uns kennt den Film. Dort wird vermittelt das wir alle in einer Matrix leben, es aber einige Aussergewöhnlich intelligente Menschen gibt (Idealisten) die wissen das die Matrix nur eine Matrix ist und deshalb aus ihr auszusteigen bereit sind.
Das hat ja fast schon religiöse Konnotationen, und Neo wird ja auch zur Messiasgestalt.
Würden wir in einer Matrix leben so könnten wir das nie erfahren. Wir müssten dazu einen Standpunkt oder Blickpunkt jenseits der Matrix bereits haben, und vielleicht sogar jenseits dieser Aussenwelt ausserhalb der Matrix. Wir müssten den Blickwinkel Gottes einnehmen. Diese Einsichten verdanke ich Hillary Putnam.

2. Gedanke: Popper verweisst die Frage der Wahrheit von Realismus und Idealismus komplett in die Metaphysik. Gemäss seinem Abgrenzungskriterium, das unwiederlegbare Theorien Metaphysik bleiben müssen. Wittgenstein ist ein Solipsist und Idealist. (Die Grenzen unserer Welt, sind die Grenzen unserer Sprache). Er ist aber Realist was die Naturwissenschaften angeht. Das Abgrenzungskriterium bei Wittgenstein, ist die Methode der Verifikation. Dass heisst er scheidet sinnvolle Sätze (naturwissenschaftliche) von unsinnigen (metaphysischen) Sätzen ab, indem er von einem sinnvollen Satz verlangt, dass man angeben kann mit welcher Methode man den Satz verifiziert. Wie gesagt äussert sich Wittgenstein einerseits naiv Realistisch, andererseits oft sehr Idealistisch und sogar Solipsistisch. Bös gesagt geht ihm Poppers Klarheit im Denken ab Nicht das ich Wittgenstein nicht ehren würde. Wittgenstein würde Popper vermutlich zustimmen das die Frage nach dem Realismus und Idealismus in den Bereich unsinniger Sätze und Thorien gehören würde. Und gemäss seiner Leitermetapher würde sich dieser Streit als Scheinproblem auflösen.
Es ist hier nicht einfach aber ich denke Poppers Ansatz ist ehrlicher. Er versucht den Glauben an den Realismus zu rechtfertigen. Wittgenstein versucht das Problem verschwinden zu lassen, in dem er die Augen verschliesst. Metaphysische Fragen sind aber kein Unsinn, sondern nur Fragen welche mit Naturwissenschaft nicht geklärt werden können, wie z.B. Fragen der Logik, der Mathematik, und der Sprache natürlich.
Übrigens gibt Wittgenstein ja zu das sein ganzes Werk ein metaphysisches ist, welches wir nach Gebracuh weglegen können. Das gilt aber für jedes metaphysische Werk auch Poppers. Auch Popper bietet eine Leiter, eine Treppe genauer, in Stein gemeisselt. Er will das jeder hier hochkann.

3. Gedanke: Kant wollte den Versuch unternehmen die Metaphysik zwisschen den Unmöglichkeiten des Dogmatismus und des Skeptizismus hindurchführen. Er sagte das wir obgleich wir mit der Vernunft in Antinomien verfallen, dass heisst zu Theorien kommen welche weder beweissbar noch wiederlegbar sind, wir doch die Fragen der Metaphysik nicht ablegen können, da der Mensch von Natur aus dazu neigt sich solche Fragen zu stellen. Wittgensteins Doktrin Metaphysik verschwinden zu lassen, nützt dem Menschen also nicht. Er kann sich dem metaphysischen Denken nicht entziehen. Popper dagegen sagt immer das metaphysische Positionen nützlich sein können, und sogar bei Fortschreiten der Wissenschaft ihren Status als unwiederlegbare Theorien verlieren können. So war Demokrits Atomtheorie metaphysisch, wurde aber am Anfang des 20. Jahrhunderts Wissenschaft.

Wahrheit

Popper spricht nun im folgenden über das Wahrheitsproblem. Wir wollen Theorien finden welche wahr sein könnten. Er sagt wir bräuchten nicht zwischen wahren Theorien und wahren Behauptunssätzen unterscheiden, wo ich ihm nicht ganz zustimmen kann. Sätze sind nur wahr im Rückgriff auf andere Theorien und nicht schon alleine aufgrund von Tatsachen.
Als ethische Pflicht formuliert Popper Klarheit der Sprache und unserer Theorien.
Popper stellt sich hinter Traskis Rettung der Korrespondenztheorie der Wahrheit. Also der These das unsere Theorien mit unseren Wahrnehmungen korespondieren, und sie dadurch wahr werden.

http://plato.stanford.edu/entries/tarski-truth/

Tarski unterscheidet Objekt- und Metasprachen. Eine Objektsprache ist eine Sprache mit der wir etwas über die Welt aussagen. Eine Metasprache benutzen wir um über eine Objektsprache zu sprechen.

In einer Metasprache können wir nun sagen, das ein Objektsprachlciher Satz wahr sei. Zur Deutlichkeit benutze ich als Objektsprache das englische.
Der Satz "Caesar was killed by Brutus" ist wahr, dann und nur dann, wenn Caesar von Brutus ermordet wurde.
Oder einfacher, eine Aussage ist dann und nur dann wahr, wenn sie mit den Tatsachen übereinstimmt.

Popper: "Das ist wie Tarski betont, ein objektivistischer oder absolutistischer Wahrheitsbegriff, aber nicht in dem Sinne, daß wir mit absoluter Sicherheit oder Gewißheit reden können: Er liefert kein Wahrheitskriterium. " und weiter "Die Idee der Wahrheit ist also absolut, aber es kann keine absolute Gewßheit geben. Wir suchen nach Wahrheit, aber wir besitzen sie nicht"

Desweiteren weisst Popper auf folgendes hin. ZU jeder wahren Behauptung oder Theorie gibt es natürlich auch eine Negation, also falsche Behauptungen und Theorien. Die Menge aller möglichen wahren und falschen Theorien oder Behauptungen bilden das Ganze dessen was wir denken und sagen können. Natürlich kommen immer auch neue wahre (und damit falsche Theorien) hinzu.

Popper "Um zu klären, was wir tun, wenn wir eine nach der Wahrheit suchen, müssen wir wenigstens in einigen Fällen Gründe für die intuitive Behauptung angeben können, daß wir der Wahrheit nähergekommen sind oder daß eine Theorie 1 von einer Theorie 2 überwunden worden ist, weil Theorie 2 der Wahrheit näherkommt."

Diese Annäherung an die Wahrheit ist (teils zu recht) von Philosphen abgestritten worden. Popper begründet die Annäherung an die Wahrheit nun:

Popper :"Um diese Zweifel zu beschwichtigen, habe ich einen logischen Begriff der Wahrheitsähnlichkeit als Kombination zweier ursprünglich von Tarski eingeführter Begriffe gebildet: (a) des Begriffs der Wahrheit und (b) des Begriffs des logischen Gehalts einer Aussage, das heisst der Klasse aller Aussagen, die logisch aus ihr folgen"

Tautologien (immer wahre Sätze, wie "Tische sind Tische") oder analytische Sätze haben keinen Gehalt oder eine Folgerungsmenge wie Tarski gesagt hätte. Ihr Gehalt ist leer.
Nicht tautologische Aussagen und Theorien haben dagegen einen Gehalt wahrer und falscher Folgerungen. Die Menge der wahren Folgerungen einer Theorie können wir nun als ihren Wahrheitsgehalt benennen. Wahrheitsähnlichkeit steigt nun mit dem Wahrheitsgehalt einer Theorie und sinkt mit dem Falscheitsgehalt, also den falschen Konsequenzen einer Theorie.

Popper schreibt nun sehr Laienunverständlich weiter in dem er die moderne Logik benutzt um dieses zu erläutern, was wir uns hier sparen werden. Wir müssen akzeptieren das Popper mehr Ahnung davon hat als ich, oder die meisten meines Publikums.

Zur Wahrheitsähnlichkeit schreibt Popper nun:

"Mit Hilfe dieser Begriffe können wir jetzt deutlicher erklären, was wir intuitiv mit Wahrheitsähnlichkeit meinen. Intuitiv hat eine Theorie 1 weniger Wahrheitsähnlichkeit als eine Theorie 2 genau dann, wenn (a) ihre Wahrheits- und Falscheheitsgehalte vergleichbar sind und entweder (b) der Wahrheitsgehalt-, aber nicht der Falschheitsgehalt von Theorie 1 kleiner ist als der von Theorie 2 oder (c) der Falschheitsgehalt,- aber nicht der Wahrheitsgehalt von Theorie 1 grösser ist als der von Theorie 2."

Kurz wir bevorzugen Theorien deren Wahrheitsgehalt grösser ist, also aus der mehr wahre als falsche Folgerungen kommen.

Nicht immer sind wir in der Lage das festszustellen, aber beim Beispiel von Newtons Mechaik und Einsteins Mechanik wird das ganze deutlich. Newtons Theorie hat weniger wahre Folgerungen und mehr falsche, als Einsteins Theorie.

Theorien sollten Gehaltvoll sein. "Tische sind Tische" ist eine Tautologie und deshalb ohne jeden Gehalt. Eine Theorie wie Einsteins Raum-Zeit Theorie ist dagegen sehr gehaltvoll und könnte unzählige wahre und falsche Folgerungen beinhalten.

Wir suchen nach Wahrheit also über den Weg der Wahrheitsähnlichkeit. Wir können nie sicher sein, die Wahrheit zu kennen, aber wir können gehaltvolle von gehaltlosen und schlechte von besseren Theorien unterscheiden und nähern uns so der WWahrheit an. Wahrheit bleibt unser Ideal, auch wenn wir ihm nie gerecht werden könnnen. So ist das ja mit allen Idealen, wie dem des Gut seins, oder dem des Gottähnlich seins.

Formale Sprachen wie die der modernen Logik helfen uns die Fehler der Vergangenheit zu umschiffen, welche in missverständlichem Gebrauch der Sprachlichen Zeichen bestand.

Popper geht zwar nicht so weit wie der junge Wittgenstein oder der Wiener Kreis, man müsse alle Alltagssprache in formale Sprachen transformieren, aber er betont das wir deutlich und klar sprechen müssen, ein Ideal dem ich auch immer nachstrebte, es aber nie erreichen konnte.

Die falsche Theorie des Alltagsverstandes

Hier kommen wir zu einem der zentralen Teile des Buches. Der kritik an der gemeinhin angenommen Auffassung alles Wissen käme von aussen.

Popper :"Die Theorie des Alltagsverstandes ist einfach. Wenn jemand etwas noch Unbekanntes über die Welt wissen möchte, muß er nur seine Augen aufmachen, ebenso die Ohren, um insbesondere solche Geräusche zu hören, die andere Menschen machen. Unsere Sinne sind also die Quellen unserer Erkenntnis; die Eingangspforten in unser Bewußtsein."

Popper nennt dies oft auch die Kübeltheorie des Geistes. Anfangs leer, füllt sie sich im Laufe des Lebens Meistz beharren die Verfechter dieser Auffassung auch das bei Geburt der menschliche Geist eine Tabula Rasa sei, also eine leere Tafel auf der erst dann sich die Informationen gravieren.

Popper "Die entscheidende These der Kübeltheorie ist, daß wir so guit wie alles, was wir lernen, durch den Eintritt der Erfahrung in unsere Sinnesöffnungen lernen, so daß alles Wissen aus Informationen besteht, die wir durch unsere Sinne erhalten haben, das heißt durch unsere Erfahrung."

Popper hält diese Theorie des Alltagsverstandes für grundsätzlich falsch. Und zwar aus den folgenden Gründen.

1. Wissen wird vorgestellt, als Ideen, als Abbilder der Sinne, als Eindrücke, als gespeicherte Sinnesdaten, Elementäre Erfahrungen, und so weiter und so fort.
2. Wissen ist vor allem IN uns.
3. Es gibt unmittelbares oder direktes Wissen, das ist unreflektierte und unverdaute Erfahrung oder Information.
Punkt drei geht also von der uninterpretierten Erfahrung aus, und unsere falschen Theorien kommen von falscher Interpretation.
Punkt drei sagt auch das unmittelbares Wissen passiv von uns aufgenommen wurde, und unsere Interpreation aktiv dazu kommt, und sie verfälscht.
Was sich zeigt ist also immmer sicherer als was sich sagen lässt, um Wittgenstein hier zu erwähnen.
4. Wir benötigen Erwartungen zum praktischen überleben so das wir Sinnesdaten mit zu erwartenden Dingen in zusammenhang bringen. Dies wird durch Assoziation der Ideen erreicht.
5. Assoziation erfolgt wenn Dinge gemeinsam auftreten, Verstärkt wird sie durch Wiederholung.
6. Erwartungen entstehen wenn eine Assoziation bererits vorlag. Sah ich a oft im Zusammenhang mit b, so lässt a mich b erwarten.
7. Ebenso bildet sich ein Glaube. Wahrer Glaube ist es wenn die Assoziation immer gelingt.

Popper charakterisiert mit diesen Punkten was er für die weithin angenommene THeorie der Erkenntnis ansieht, und hält sie nahezu komplett für falsch.

An der geschildetrten Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes ist also nach Popper nahezu alles falsch, vor allem aber die Suche nach Gewissheit in den Quellen unserer Erkenntnis. Dies führte zum Beispiel beim Wiener Kreis zum Herauslösen von Sinnesdaten als gesicherter Grundlage, doch das sind sie nicht. Sie sind sogar so Popper Erfindungen von Philosophen.

Popper: "Das Erlernender Entschlüsselung der Nacxhrichten, die auf uns zukommen, ist äusserst kompliziert. Es beruht auf angeborenen Dispositionen. Ich vermute, daß wir angeborenermaßen dzu neigen, Nachrichten auf ein zusammenhängendes und teilweise regelmäßiges oder geordnetes Sy<stem zu beziehen: "die Wirklichkeit" . Mit anderen Worten, unser subjektives Wissen von der Wirklichkeit besteht aus reifenden angeborenen Dispositionen, ... Wir lernen das entschlüsseln durch versuch und Fehlerelimination: wir erlangen zwar eine hervorragende Fähigkeit, die entschlüsselte Nachhricht als "unmittelbar" oder "gegeben" zu empfinden, aber es kommen immer wieder Fehler vor, ....."

Die Theorie die Popper kritisiert geht zudem von der Passivität unserer Wahrnehmung aus. So sagt z.B. Heidegger das Sein wese uns an. oder Russel "Der Beobachter, der einen Stein zu beobachten glaubt, beobachtet in Wirklichkeit die Wirkung des Steins auf ihn"

Popper hält diese Darstellung des Sachverhaltes für falsch. Warum wird er im weiteren Verlauf des Textes noch offenlegen und es wird klar sobald er seine Gegenposition aufbaut. Hier sei nur kurz gesagt das Popper die Passivität der Wahrnehmung ablehnt und von aktiver Wahrnehmung ausgeht.


Er betont nun erstmal den vordarwinistischen Charakter der Positionen welche er kritisiert,bevor er eine nach darwinistischen Entwurf skizziert.. Den mit Darwins Theorien müsste eigentlich klar sein, dass wir nicht als leere Tafeln in die Weltkommen, oder auch nur mit rudimentären Erwartungen und Dispositionen. Im Gegenteil sind viele Dispositionen angeboren. Genetisch a priori sozusagen.

Nun führt Popper erstmals in seinem Buch eine ihm und mir fundamental wichtige Trennung ein:

Popper:
(1) Es gibt Erkenntnis im subjektiven Sinne, die aus Dispositionen und Erwartungen besteht.
(2) Es gibt aber auch Erkenntnis im objektiven Sinne; sie besteht aus sprachlich formulierten Erwartungen, die der kritischen Diskussion ausgesetzt sind"

Ich würde sagen zugänglich sind. Sie sind meist gar nicht der Kritik ausgesetzt, aber sie sind es, wenn wir das zulassen.

Subjektive Erkenntnis unterliegt keiner Kritik, (ausser evt. der eigenen aber selbst das ist selten) und ändert sich meist mit fatalen Folgen für den Träger der Erkenntnis. Habe ich z.B. die subjektive Erkenntnis Fliegen zu können, wird die Welt mich schnell eines besseren belehren. Subjektive Erkenntnis kann sich natürlich entwickeln und durch Mutation und Auslese zu immer besseren Ergebnissen kommen.

Objektive Erkenntnis, welche wahrscheinlich nur dem Menschen zu eigen ist, zeichnet sich dagegen dadurch aus, dass sie Kritik anbringen kann, das ist rationale Bestätigung oder Widerlegung. Der Träger der Erkenntnis muss nicht sterben, sondern kann die Erkenntnis problemlos korrigieren, ohne tödliche oder ähnlich dramatische Konsequenzen für den Träger.
Auch ist hier Selbstkritik einfacher und wir können Vermutungen fallenlassen, und sollten das auch tun, statt uns an erkannt falschem festzuhalten aus Gewohnheit.

Der entscheidende Unterschied ist, daß sprachlich formulierte Theorien kritisch diskutiert werden können.

Die kritisierte Theorie also verkennt die Wichtigkeit dieser Unterscheidung!!

Weitere Fehler sind für Popper:

Wie erwähnt die Passivität der Erkenntnisgewinnung in diesen Ansichten. Damit wäre dann nämlich auch Erkenntnisfortschritt weitgehend passiv. Grade in dieser Hinsicht sieht Popper diese Sicht als völlig verfehlt an.

Er hält desweiteren wie auch schon erwähnt, die Tabula Rasa-These für falsch, also das bei Geburt nichts in unserem Geiste sei, was nicht von aussen hineingekommt. Zu Geburt sind wir wie eine leere Wachstafel.

Popper schreibt "Die tabula rasa Theorie ist vordarwinistisch: Jedem der auch nur ein bischen biologisches Gefühl hat, muß klar sein, daß die meisten unserer Dispositionen angeboren sind, entweder in dem Sinne, daß wir mit ihnen geboren werden, oder in dem Sinne, daß im Verlauf der Reifung die Diposition durch die Umgebeung zur Entwicklung angeregt wird."

Doch Popper sagt das selbst wenn die Tabula Rasa Theorie abgelehnt wird, und man annimmt in der Metapher des Kübels der sich passiv füllt, er wäre bei Geburt schon halb voll, ändert das nichts am Grundproblem. Der Passivität der Erkenntnisgewinnung.

Popper beginnt nun seinen Gegenentwurf zu skizzieren, eine sogenannte "evolutonäre Erkenntnistheorie"

Wie lässt sich eine Theorie rechtfertigen, daß heisst die Behauptung sie sei eine Annäherung an die Wahrheit. Dazu haben wir schon einiges gehört, aber wichtig ist der Unterschied zu genetischen, historischen und psychologischen Fragen.

Die alten Theorien gingen davon aus, das die Unmittelbarkeit und Evidenz wahrer Theorien sich zeige, und sie damit unsere Theorien rechtfertigten.

Popper "nach meiner Auffassung halten wir manchmal Theorien für wahr oder sogar "unmittelbar einleuchtend", weil sie wahr sind und unser geistiger Apparat ihrem Schwierigkeitsniveau gut angepasst ist."

Ein Beispiel ist folgendes. Ich sehe die Tasse vor mir, und es erscheint mir völlig evident, d.i einleuchtend das diese Tasse real ist und das es eine Tasse ist. Dies liegt aber daran daß mein geistiger Apparat wie Popper es nennt, darauf ausgelegt ist die Tasse ALS Tasse wahrzunehmen. Das funktioniert aber nur bei solch einfachen Beispielen, und unter anderem deshalb sind solche unmittelbaren oder direkten Erfahrungen kein hinreichendes Kriterium für Wahrheit.

Hierzu passt auch was ich immer betone. Ich vermute, daß es Menschen gibt die wirklich mit Gott gesprochen haben. Aber ich vermute es gibt keinen Gott. Ich vermute es gibt Menschen, welche wirklich Ufos gesehen haben, bzw Ausserirdische, aber ich glaube weder an Ufos noch an Ausserirdische. (Natürlich glaube ich an unidentifizierte Flugobjekte, aber keine unirdischen)

Popper sagt: "Doch die Unmittelbarkeit oder Direktheit zum hinreichenden Kriterium für die Wahrheit zu machen, daß ist der Grundfehler des Idealismus."

Eins scheint klar. Wären unsere auf Disüpositionen beruhenden Handlungen und Reaktionen der Umwelt schlecht angepasst, könnten wir nur schwerlich überleben.
Biologischer Erfolg ist aber kein Garant, wie zahlreiche ausgerottete Tiere zeigen.

Man kann sagen das viele unserer Praxisnahen Erwartungen, wie das Brot ernährt, oder das Vitamine gut für uns sind, zwar nicht verlässlich wahr oder völlig gewiss sind, aber sicherlich kein schlechter Ausgangspunkt für Annahmen.

Für praktische Zwecke kann es auch nützlich sein bereits wiederlegte Theorien zu behalten. So gelten die Newtonschen Gesetze immer noch, obwohl sie theoretisch falsch sind, wie Einstein zeigte. In unser Alltagspraxis zeigt sich das nicht sondern nur im kosmischen Maßstab.

Darwins Theorie sagt uns, das gut angepasste Organismen überleben. Das verwundert nicht den gut angepasst heisst ja überlebensfähig. Dieser Teil Darwins Theorie ist also logisch und sogar tautologisch.

Aber Organismen müssen durch Mutation, und Fehlerelimination zu dieser Anpassung gekommen sein. Man kann aber sagen das Versuch und Fehlerelimination eine logische Methode sind. Es gibt eine Logik der Situation in der dieser Anpasssungsmechanismus stattfindet.

Jetzt wird so Popper deutlich weshalb Geist, dass ist eine deskritive (beschreibende) und argumentative (begründende) Sprache ein evolutionärer Vorteil sind. Sie ermöglichen die Objektivierung der Problemstellung, und den Versuch und die Fehlerelimination ohne Auschaltung des Trägers.

Popper :" Der Unterschied zwischen einer Amöbe und Einstein besteht darin, daß beide zwar die Methode von Versuch und Irrtumselimination anwenden, aber die Amöbe nicht gern irrt, während Einstein gerade davon angezogen wird: Er sucht bewusst nach seinen fehlern, in der Hoffnung, aus ihrer Entdeckung und Elimination etwas zu lernen. "

Die Methode die Popper beschreibt, ist die kritische, d.h. die Methode kühn Theorien zu formulieren und dann gezielt ihre Fehler zu suchen. Eine evolutionäre Erkenntnistheorie geht also von Fortschritt aus, durch Anwendung einer Methode die der Evolution eigen ist, und in ihrer objektivierten Form Grundlage aller Wissenschaften ist, unabhängig von anderen Methoden die z.B. in der Geschichtswissenschaft zur Anwendung kommen.

Die Tabula Rasa Theorie muss u.a. falsch sein weil zu jeder Lebensphase einschliesslich kurz nach der Geburt der Organismus gewisse Dispositionen und Erwartungen haben muss.
Popper schreibt "Demgemäss besteht jeder Erkenntnisfortschritt in der Veränderung bisherigen Wissens - entweder in seiner Wandlung oder seiner weitgehenden Verwerfung. Die Erkenntnis fängt nie am Nullpunkt an, sondern immer mit einem Hintergrundwissen - das augenblicklich als unproblematisch angenommen wird - und gewissen Schwierigkeiten, gewissen Problemen. Diese entstehen in der Regel aus Unstimmigkeiten zwischen Erwartungen, die dem Hintergrundwissen entsprechen, und neuen Befunden wie Beobachtungen oder durch sie angeregten Hypothesen"

Das Hintergrundwissen das Popper da anspricht, sieht er teilweise biologistisch. Er spricht von angeborenen Theorien, und damit meint er sicherlich nicht sprachlich formulierte Theorien.

Popper formuliert die kühne Behauptung 99,9 % unseres Wissens seien angeboren und nur etwa 0,1 % seinen Veränderungen dieses angeborenen Wissens. Wie kann er so etwas behaupten. Ich denke er schreibt hier sehr missverständlich und oder aber bewusst provokant, was leider nach hinten losgeht.

Der Organismus Tier, oder auch der Organismus Mensch, hat angeborenes Wissen. So weiss er wie Nahrung zu verdauen ist, oder er weiss wie der Arm zu bewegen ist, um etwas zu ergreifen und so weiter. Diese Sprechweise von biologischem Wissen eines Organismus, muss vom objektiven Geist des Menschen getrennt werden.

Popper : "Alles erworbene Wissen, alles Lernen besteht in der Veränderung (möglicherweise Verwerfung) irgendeines Wissens oder einer Disposition, die schon vorhanden waren; und letzten Endes in der Veränderung angeborener Dispositionen" ..."Aller Erkenntnisfortschritt besteht in der Verbesserung des vorhandenen Wissens in der Hoffnung, der Wahrheit näherzukommen"

Popper sieht alle unsere Erwartungen und Dispositionen auch die biologischen als "Theoriegetränkt" an. Theorie wird hier also in einem viel weiteren Zusammenhang gedacht als das im normalen Sprachgebrauch üblich ist, ähnlich wie ich die Wörter Geist und Bewusstsein viel weiter fasse als gemeinhin üblich.

Popper "Es gibt kein Sinnesorgan, in das nicht antizipierende Theorien genetisch eingebaut wären"

und weiter "Die Tatsache, daß alle unsere Sinne in dieser Weise theoriegetränkt sind, demonstriert sehr klar das völlige Versagen der Kübeltheorie und mit ihr aller jener Theorien, die unsere Erkenntnis auf Beobachtungen zurückführen möchten, auf die Eingabegrössen für die Organismen. Im Gegenteil: Was als bedeutsame Eingabegrösse aufgenommen wird und was als irrelevant übergangen wird, das hängt völlig von der angeborenen Struktur (Dem Programm) des Organismus ab"

Ich glaube das Poppers Thesen eng verwandt sind mit der Memetik!

http://de.wikipedia.org/wiki/Memetik

Erkenntnis im objektiven Sinne

Haben wir uns erstmal daran gewöhnt, das subjektive Beobachtungen und Erfahrungen keine besonders verlässliche oder gar gewisse, unmittelbare Erkenntnis liefern, spricht nichts mehr dagegen sie soweit zu rehabilitieren das sie einen geeigneten Ausgangspunkt liefern.

Popper "Solange wir kritisch bleiben, macht es nicht viel aus, wo oder wie wir anfangen. Wenn wir aber hier (bei den Beobachtungen) anfangen, so kommen wir durch Physik und Biologie (die Wissenschaften) zu dem ergebnis, daß unsere Beobachtungen hochkomplexe und nicht durchweg verlässliche, wenn auch erstaunlich gute Entschlüsselungen der Signale sind, die uns aus der Umwelt erreichen."

Als Ausgangspunkt geeignet eignen sie sich aber nicht als Massstab der Wahrheit, wie das die Subjektivisten gerne hätten.
Wir brauchen also eine Erkenntznistheorie in der das Subjkekt zwar eine gewichtige Rolle spielt, welche aber doch sehr beschränkt bleibt. Eine objektivistische Erkenntnistheorie.

Popper: "Ich möchte nun zwischen zwei Arten der "Erkenntnis" unterscheiden: der subjektiven Erkenntnis (die besser organismische Erkenntnis heissen sollte, da sie aus Dispositionen von Organismen besteht) und der objektiven Erkenntnis oder Erkenntnis im objektiven Sinne, die aus dem logischen Gehalt unserer Theorien und Vermutungen besteht (und, wenn man will, aus dem logischen gehalt unseres genetischen Kodes). Beispiele für objektive Erkenntnis sind Theorien, die in Zeitschriften oder Büchern veröffentlicht und in Bibliotheken aufgenommen worden sind...."

Hier möchte ichj weil Popper das nicht tut auf den Unterschied hinweisen zwischen absoluter Wahrheit und objektiver Wahrheit, bzw. zwischen absoluter Erkenntnis und objektiver Erkenntnis.
Als absolut versteht man etwas, das losgelöst ist. Losgelöst von Wiederlegung etwa, oder losgelöst von einem Subjekt. Objektives ist niemals losgelöst in diesem Sinne, sondern nur etwas Gegenständliches.

absolut-losgelöst Objekt-entgegenstehend oder gegenstand.

Popper will also nicht sagen das unsere Erkenntnis so sie denn objektiviert wurde, in Form von Sprache und Schrift absolut sei, aber sie ist nun diskutierbar. Sie ist zu einem Objekt geworden das die Zeiten überdauert, so zum Beispiel den Autor des Geschriebenen (wenn er dieses Glück hat)

Popper führt nun zum ersten Male in diesem Buch die drei Welten-Theorie vor, das ist die These man solle unterscheiden zwischen:


•Welt 1 - die physikalische Welt

•Welt 2 - die Welt unserer bewussten Erlebnisse

•Welt 3 - die Welt der logischen Gehalte von Büchern, Bibliotheken, Informationsspeichern von PCs etc



Hier verweise ich gerne auf den Eintrag dazu in der deutschen Wikipedia (und nur da) den ich selber verfasst habe, obwohl er seitdem viel Anpassung erfuhr, ohne das inhaltlich gross etwas verändert wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper...heorie.E2.80.9C

Ich habe damals erwähnt das Poppers dreiteilung historisch ist, so bei den Griechen, Römern und bei Kant, was Popper nie tut. Er verweisst nur auf Platon und Hegel um sich von ihnen abzugrenzen.

Ich bin sogar noch radkaler als Popper, bzw. viel unvorsichtiger. Ich bezeichne Wlet 1 als physikalsiche Welt, Welt 2 als Bewusstsein per se, und Welt 3 als Geist per se. Ich weiss das ich damit oft annecke, weil eben diese begriffe so abgenutzt und so vielschichtig sind, und grade deshalb meidet Popper sie ja auch.

Zu Welt 3, offeriert Popper nun folgende Thesen:

1. Wir können innerhalb der Welt 3 auf Probleme stossen die in ihr bereits vorhanden waren bevor sie entdeckt wurden. So erfanden die Menschen zwar wahrscheinlich die Zahlenreihe, doch die Primzahlen haben sie in dieser entdeckt und nicht erfunden. Und mit der Primzahlentdeckung schufen wir ein WEelt 3 Problem, nämlich ob und welches die höchste Primzal ist, oder ob es unendlich viele gibt.

2. Die Welt 3 ist in dieser Hinsicht also autonom. So wie wir in der Welt 1 geographische Entdeckungen machen können, so können wir auch in der Welt drei Probleme entdecken die zuvor noch nie jemandem bewusst waren, das heisst ein Welt 2 Erlebnis.

3. Und das ist seine Haupthese wie er sagt:

Popper schreibt :" Fast unser gesamtes bewusstes subjektives Wissen (Welt 2-Wissen) hängt von Welt 3 ab, das heißt von (wenigstens der Möglichkeit nach) sprachlich formulierten Theorien."

und "Ich möchte begaupten, daß volle Selbstbewusstsein von allen diesen Theorien (Welt 3) abhängt und das Tiere zwar Gefühle, Empfindungen, Gedächtnis und damit Bewusstsein haben können, aber nicht das volle Selbstbewußtsein, das eines der Ergebnisse der menschlcihen Sprache und der Entwicklung der spezifischen menschlcihen Welt 3 sind."

Zwischenbemerkung. Der Wittgenstein des Traktates ging so gesprochen davon aus, das die Grenzen meiner Welt übereinstimmen mit den Grenzen meiner Welt 3 (der Sprache wie Wittgenstein sagt). Wir haben so Wittgenstein gar keinen Zugang zu Welt 1 sondern nur zu Welt 2 und 3. Genau in dieser Hinsicht ist Wittgenstein ein Solipsist.

An diesem Punkt nun überspringe ich mehrere Seiten im Buche, welche das schon gesagte nur vertiefen, oder mögliche Kritiken beantworten und möchte wie Popper auch am ende hier nocheinmal die Positionen die Popper kritisiert und seine eigene gegenüberstellen.

F. steht für frühere und von Popper kritiserte Ansichten und P. für Poppers Ansichten


•F. Die Wahl unseres Ausgangspunktes ist von entscheidender Bedeutung. Wir wollen nicht auf unsichere Fundamente bauen.

•P. Die Wahl unseres Ausgangspunktes ist nicht entscheidend, da er wie alles kritisiert und verändert werden kann.



•F. Unser Ausgangspunkt sollte möglichst wahr und sicher sein.

•P. Einen solchen sicheren und wahren Ausgangspunkt gibt es nicht



•F. Dieser Ausgangspunkt lässt sich in der persönlichen Erfahrung des Bewusstseins finden (Subjektivismus) oder aber im beobachtbaren Verahlten (Behaviourismus).

•P. Beide eignen sich nicht als sichere Ausgangspunkte, nichtsdestotrotz können wir bei ihnen beginnen solange wir kritisch vorgehen.



•F. Philosophen die Subjektivismus oder Behaviourismus als sicheren Ausgangspunkt akzeptieren, akzeptieren unkritisch die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes

•P. Es ist nicht verkehrt beim Alltagsverstand zu beginnen, solange man kritisch vorgeht, und kritisch bleibt bei allem was der Alltagsverstand erzeugt.



•F. Die Subjektivisten und Behaviouristen gehen davon aus, die sicherste Erkenntnis sei, die selbstgemachte oder Wahrnehmungserfahrung.

•P. Unsere Wahrnehmungen und subjektiven Erfahrungen sind Theoriegetränkt und haben bestenfalls Vermutungscharakter.



•F. Es gibt harte Tatsachen, auf die erkenntnis gegründet werden kann, etwa direkte oder unmittelbare Erfahrungen.

•P. Da alle Erkenntnis Theoriegetränkt ist, ist sie völligst auf Sand gebaut. Doch der Grund kann durch kritisches Tiefergraben verbessert werden, nicht aber dadurch das bestimmte Daten als unproblematisch angenommen werden.



•F. Das zeigt die Verlässlichkeit der Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes.

•P. Die Erkenntnisteorie scheitert an diesem Punkt, daß sie übersieht das Erfahrung indirekt ist und vermutungscharakter hat. Alle Wahrnehmungen sind Theoriegetränkt und fehlbar, wenn auch bei gesunden Organismen Fehler seltener vorkommen als bei defekten Organismen.



•F. Die Erknntnistheorie des Alltagsverstandes beginnt immer als eine Form des Realismus endet aber in einem Idealismus oder Operationalimus.

•P. Wir erkennen an das der Realismus nur eine Vermutung, aber dem Idealismus weit überlegen ist.



•F. Die Erkenntnistheorie die mit dem Realismus begonnen hat und im Subjektivismus endet, wiederlegt sich selbst (Kants Position)

•P. Die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes erwist sich als widersprüchlich, doch das trifft nicht die Theorie des Alltagsverstandes von der Welt, also den Realismus.



Wie gesagt habe ich einige Seiten übersprungen vor allem was die Aufarbeitung Kants angeht, da dies meines erachtens zu weit führen würde, und hier auch nichts zur Sache tut.

Zusammenfassend kann man also sagen das Popper die Theorie des Alltagsverstandes, das subjkektive erfahrung die sichere Basis unserer Erkenntnis ist ablehnt, doch den Realismus, das heisst die Theorie die Welt sei real und erfahrbar rettet.
karlchen
Hallo Nylen, ich machs mir bequem und kommentiere mit Farbe einfach in den Text rein ... smile

Zitat:
Original von Nylen
.
Popper: "sobald wir konkurrierende Theorien haben, gibt es ein weites Betätigungsfeld für kritische oder rationale Diskussion; wir untersuchen die Konsequenzen der Theorien, und wir suchen besonders mach ihren schwachen Punkten - daß heißt nach Konsequenzen, die wir für falsch halten......Das Grundproblem der Erkenntnistheorie ist die Klärung und Untersuchung dieses Vorgangs (rationale und kritische Diskussion), durch den, wie ich behaupte, unsere Theorien sich entwickeln und verbessern können."
Popper untersucht nun den Unterschied zu anderen Ansätzen.

Hier klingt er ein bißchen wie die Dialektiker der "Frankfurter Schule".

Wittgenstein ist ein Solipsist und Idealist. (Die Grenzen unserer Welt, sind die Grenzen unserer Sprache). Er ist aber Realist was die Naturwissenschaften angeht. Das Abgrenzungskriterium bei Wittgenstein, ist die Methode der Verifikation. Dass heisst er scheidet sinnvolle Sätze (naturwissenschaftliche) von unsinnigen (metaphysischen) Sätzen ab, indem er von einem sinnvollen Satz verlangt, dass man angeben kann mit welcher Methode man den Satz verifiziert. Wie gesagt äussert sich Wittgenstein einerseits naiv Realistisch, andererseits oft sehr Idealistisch und sogar Solipsistisch. Bös gesagt geht ihm Poppers Klarheit im Denken ab Nicht das ich Wittgenstein nicht ehren würde. Wittgenstein würde Popper vermutlich zustimmen das die Frage nach dem Realismus und Idealismus in den Bereich unsinniger Sätze und Thorien gehören würde. Und gemäss seiner Leitermetapher würde sich dieser Streit als Scheinproblem auflösen.
Es ist hier nicht einfach aber ich denke Poppers Ansatz ist ehrlicher. Er versucht den Glauben an den Realismus zu rechtfertigen. Wittgenstein versucht das Problem verschwinden zu lassen, in dem er die Augen verschliesst. Metaphysische Fragen sind aber kein Unsinn, sondern nur Fragen welche mit Naturwissenschaft nicht geklärt werden können, wie z.B. Fragen der Logik, der Mathematik, und der Sprache natürlich.

Logik und Mathematik lassen sich meisten formal beweisen oder widerlegen, bei Sprachverstehen und -funktionen sind Veri- oder Falsifikation von Thesen oder Theorien oft schwieriger.


Wahrheit

Popper spricht nun im folgenden über das Wahrheitsproblem. Wir wollen Theorien finden welche wahr sein könnten. Er sagt wir bräuchten nicht zwischen wahren Theorien und wahren Behauptunssätzen unterscheiden, wo ich ihm nicht ganz zustimmen kann. Sätze sind nur wahr im Rückgriff auf andere Theorien und nicht schon alleine aufgrund von Tatsachen.
Als ethische Pflicht formuliert Popper Klarheit der Sprache und unserer Theorien.
Popper stellt sich hinter Traskis Rettung der Korrespondenztheorie der Wahrheit. Also der These das unsere Theorien mit unseren Wahrnehmungen korespondieren, und sie dadurch wahr werden.

http://plato.stanford.edu/entries/tarski-truth/

Tarski unterscheidet Objekt- und Metasprachen. Eine Objektsprache ist eine Sprache mit der wir etwas über die Welt aussagen. Eine Metasprache benutzen wir um über eine Objektsprache zu sprechen.

In einer Metasprache können wir nun sagen, das ein Objektsprachlciher Satz wahr sei. Zur Deutlichkeit benutze ich als Objektsprache das englische.
Der Satz "Caesar was killed by Brutus" ist wahr, dann und nur dann, wenn Caesar von Brutus ermordet wurde.
Oder einfacher, eine Aussage ist dann und nur dann wahr, wenn sie mit den Tatsachen übereinstimmt.

Finde, man sollte eigentlich immer zwischen einem formellen "richtig" und einem erkenntnistheoretischem bzw. kognitiven "wahr" unterscheiden. Generell wäre aber vorher zu fragen unter welchen Bedingungen dieses Urteil gelte, also welche Teile bräuchte eine Aussage, um formell überhaupt richtig oder wahr sein zu können.

Popper: "Das ist wie Tarski betont, ein objektivistischer oder absolutistischer Wahrheitsbegriff, aber nicht in dem Sinne, daß wir mit absoluter Sicherheit oder Gewißheit reden können: Er liefert kein Wahrheitskriterium. " und weiter "Die Idee der Wahrheit ist also absolut, aber es kann keine absolute Gewßheit geben. Wir suchen nach Wahrheit, aber wir besitzen sie nicht"

Desweiteren weisst Popper auf folgendes hin. ZU jeder wahren Behauptung oder Theorie gibt es natürlich auch eine Negation, also falsche Behauptungen und Theorien. Die Menge aller möglichen wahren und falschen Theorien oder Behauptungen bilden das Ganze dessen was wir denken und sagen können. Natürlich kommen immer auch neue wahre (und damit falsche Theorien) hinzu.

Popper "Um zu klären, was wir tun, wenn wir eine (eine WAS ?? ist das Zitat hier vollständig ?) nach der Wahrheit suchen, müssen wir wenigstens in einigen Fällen Gründe für die intuitive Behauptung angeben können, daß wir der Wahrheit nähergekommen sind oder daß eine Theorie 1 von einer Theorie 2 überwunden worden ist, weil Theorie 2 der Wahrheit näherkommt."

Diese Annäherung an die Wahrheit ist (teils zu recht) von Philosphen abgestritten worden. Popper begründet die Annäherung an die Wahrheit nun:

Popper :"Um diese Zweifel zu beschwichtigen, habe ich einen logischen Begriff der Wahrheitsähnlichkeit als Kombination zweier ursprünglich von Tarski eingeführter Begriffe gebildet: (a) des Begriffs der Wahrheit und (b) des Begriffs des logischen Gehalts einer Aussage, das heisst der Klasse aller Aussagen, die logisch aus ihr folgen"

Tautologien (immer wahre Sätze, wie "Tische sind Tische") oder analytische Sätze haben keinen Gehalt oder eine Folgerungsmenge wie Tarski gesagt hätte. Ihr Gehalt ist leer.
Nicht tautologische Aussagen und Theorien haben dagegen einen Gehalt wahrer und falscher Folgerungen. Die Menge der wahren Folgerungen einer Theorie können wir nun als ihren Wahrheitsgehalt benennen. Wahrheitsähnlichkeit steigt nun mit dem Wahrheitsgehalt einer Theorie und sinkt mit dem Falscheitsgehalt, also den falschen Konsequenzen einer Theorie.

Popper schreibt nun sehr Laienunverständlich weiter in dem er die moderne Logik benutzt um dieses zu erläutern, was wir uns hier sparen werden. Wir müssen akzeptieren das Popper mehr Ahnung davon hat als ich, oder die meisten meines Publikums.

Zur Wahrheitsähnlichkeit schreibt Popper nun:

"Mit Hilfe dieser Begriffe können wir jetzt deutlicher erklären, was wir intuitiv mit Wahrheitsähnlichkeit meinen. Intuitiv hat eine Theorie 1 weniger Wahrheitsähnlichkeit als eine Theorie 2 genau dann, wenn (a) ihre Wahrheits- und Falscheheitsgehalte vergleichbar sind und entweder (b) der Wahrheitsgehalt-, aber nicht der Falschheitsgehalt von Theorie 1 kleiner ist als der von Theorie 2 oder (c) der Falschheitsgehalt,- aber nicht der Wahrheitsgehalt von Theorie 1 grösser ist als der von Theorie 2."

Kurz wir bevorzugen Theorien deren Wahrheitsgehalt grösser ist, also aus der mehr wahre als falsche Folgerungen kommen.

Nicht immer sind wir in der Lage das festszustellen, aber beim Beispiel von Newtons Mechaik und Einsteins Mechanik wird das ganze deutlich. Newtons Theorie hat weniger wahre Folgerungen und mehr falsche, als Einsteins Theorie.

Theorien sollten Gehaltvoll sein. "Tische sind Tische" ist eine Tautologie und deshalb ohne jeden Gehalt. Eine Theorie wie Einsteins Raum-Zeit Theorie ist dagegen sehr gehaltvoll und könnte unzählige wahre und falsche Folgerungen beinhalten.

Wir suchen nach Wahrheit (nach meiner Ansicht: Richtigkeit) also über den Weg der Wahrheitsähnlichkeit. Wir können nie sicher sein, die Wahrheit zu kennen, aber wir können gehaltvolle von gehaltlosen und schlechte von besseren Theorien unterscheiden und nähern uns so der WWahrheit an. Wahrheit bleibt unser Ideal, auch wenn wir ihm nie gerecht werden könnnen. So ist das ja mit allen Idealen, wie dem des Gut seins, oder dem des Gottähnlich seins.

Formale Sprachen wie die der modernen Logik helfen uns die Fehler der Vergangenheit zu umschiffen, welche in missverständlichem Gebrauch der Sprachlichen Zeichen bestand.

Popper geht zwar nicht so weit wie der junge Wittgenstein oder der Wiener Kreis, man müsse alle Alltagssprache in formale Sprachen transformieren, aber er betont das wir deutlich und klar sprechen müssen, ein Ideal dem ich auch immer nachstrebte, es aber nie erreichen konnte.

Die falsche Theorie des Alltagsverstandes

Hier kommen wir zu einem der zentralen Teile des Buches. Der kritik an der gemeinhin angenommen Auffassung alles Wissen käme von aussen.

Popper :"Die Theorie des Alltagsverstandes ist einfach. Wenn jemand etwas noch Unbekanntes über die Welt wissen möchte, muß er nur seine Augen aufmachen, ebenso die Ohren, um insbesondere solche Geräusche zu hören, die andere Menschen machen. Unsere Sinne sind also die Quellen unserer Erkenntnis; die Eingangspforten in unser Bewußtsein."

Popper nennt dies oft auch die Kübeltheorie des Geistes. Anfangs leer, füllt sie sich im Laufe des Lebens Meistz beharren die Verfechter dieser Auffassung auch das bei Geburt der menschliche Geist eine Tabula Rasa sei, also eine leere Tafel auf der erst dann sich die Informationen gravieren.

Popper "Die entscheidende These der Kübeltheorie ist, daß wir so guit wie alles, was wir lernen, durch den Eintritt der Erfahrung in unsere Sinnesöffnungen lernen, so daß alles Wissen aus Informationen besteht, die wir durch unsere Sinne erhalten haben, das heißt durch unsere Erfahrung."

Popper hält diese Theorie des Alltagsverstandes für grundsätzlich falsch. Und zwar aus den folgenden Gründen.

1. Wissen wird vorgestellt, als Ideen, als Abbilder der Sinne, als Eindrücke, als gespeicherte Sinnesdaten, Elementäre Erfahrungen, und so weiter und so fort.
2. Wissen ist vor allem IN uns.
3. Es gibt unmittelbares oder direktes Wissen, das ist unreflektierte und unverdaute Erfahrung oder Information.
Punkt drei geht also von der uninterpretierten Erfahrung aus, und unsere falschen Theorien kommen von falscher Interpretation.
Punkt drei sagt auch das unmittelbares Wissen passiv von uns aufgenommen wurde, und unsere Interpreation aktiv dazu kommt, und sie verfälscht.
Was sich zeigt ist also immmer sicherer als was sich sagen lässt, um Wittgenstein hier zu erwähnen.
4. Wir benötigen Erwartungen zum praktischen überleben so das wir Sinnesdaten mit zu erwartenden Dingen in zusammenhang bringen. Dies wird durch Assoziation der Ideen erreicht.
5. Assoziation erfolgt wenn Dinge gemeinsam auftreten, Verstärkt wird sie durch Wiederholung.
6. Erwartungen entstehen wenn eine Assoziation bererits vorlag. Sah ich a oft im Zusammenhang mit b, so lässt a mich b erwarten.
7. Ebenso bildet sich ein Glaube. Wahrer Glaube ist es wenn die Assoziation immer gelingt.

Popper charakterisiert mit diesen Punkten was er für die weithin angenommene THeorie der Erkenntnis ansieht, und hält sie nahezu komplett für falsch.

An der geschildetrten Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes ist also nach Popper nahezu alles falsch, vor allem aber die Suche nach Gewissheit in den Quellen unserer Erkenntnis. Dies führte zum Beispiel beim Wiener Kreis zum Herauslösen von Sinnesdaten als gesicherter Grundlage, doch das sind sie nicht. Sie sind sogar so Popper Erfindungen von Philosophen.

Popper: "Das Erlernender Entschlüsselung der Nacxhrichten, die auf uns zukommen, ist äusserst kompliziert. Es beruht auf angeborenen Dispositionen. Ich vermute, daß wir angeborenermaßen dzu neigen, Nachrichten auf ein zusammenhängendes und teilweise regelmäßiges oder geordnetes Sy<stem zu beziehen: "die Wirklichkeit" . Mit anderen Worten, unser subjektives Wissen von der Wirklichkeit besteht aus reifenden angeborenen Dispositionen (aber nicht nur ... sonst könnte man schwerlich die späteren, oft unglaublichen Wissensunterschiede erklären !), ... Wir lernen das entschlüsseln durch versuch und Fehlerelimination: wir erlangen zwar eine hervorragende Fähigkeit, die entschlüsselte Nachhricht als "unmittelbar" oder "gegeben" zu empfinden, aber es kommen immer wieder Fehler vor, ....."



Die Theorie die Popper kritisiert geht zudem von der Passivität unserer Wahrnehmung aus. So sagt z.B. Heidegger das Sein wese uns an. oder Russel "Der Beobachter, der einen Stein zu beobachten glaubt, beobachtet in Wirklichkeit die Wirkung des Steins auf ihn"

Popper hält diese Darstellung des Sachverhaltes für falsch. Warum wird er im weiteren Verlauf des Textes noch offenlegen und es wird klar sobald er seine Gegenposition aufbaut. Hier sei nur kurz gesagt das Popper die Passivität der Wahrnehmung ablehnt und von aktiver Wahrnehmung ausgeht.


Er betont nun erstmal den vordarwinistischen Charakter der Positionen welche er kritisiert,bevor er eine nach darwinistischen Entwurf skizziert.. Den mit Darwins Theorien müsste eigentlich klar sein, dass wir nicht als leere Tafeln in die Weltkommen, oder auch nur mit rudimentären Erwartungen und Dispositionen. Im Gegenteil sind viele Dispositionen angeboren. Genetisch a priori sozusagen. (inwiefern ???)

Nun führt Popper erstmals in seinem Buch eine ihm und mir fundamental wichtige Trennung ein:

Popper:
(1) Es gibt Erkenntnis im subjektiven Sinne, die aus Dispositionen und Erwartungen besteht. (wohl auch aus Erfahrungen !!?)
(2) Es gibt aber auch Erkenntnis im objektiven Sinne; sie besteht aus sprachlich formulierten Erwartungen, die der kritischen Diskussion ausgesetzt sind"

Ich würde sagen zugänglich sind. Sie sind meist gar nicht der Kritik ausgesetzt, aber sie sind es, wenn wir das zulassen.

Subjektive Erkenntnis unterliegt keiner Kritik, (ausser evt. der eigenen aber selbst das ist selten) und ändert sich meist mit fatalen Folgen für den Träger der Erkenntnis. Habe ich z.B. die subjektive Erkenntnis Fliegen zu können, wird die Welt mich schnell eines besseren belehren. Subjektive Erkenntnis kann sich natürlich entwickeln und durch Mutation und Auslese zu immer besseren Ergebnissen kommen. Dann ist sie aber nicht mehr subjektiv ... Hier ist die Verwendung subjektiv/objektiv mehrdeutig und damit unscharf !! Es wäre besser von individuell zu sprechen. Dann sind aber Mutation und Auslese falsche Begriffe, try-und-error träfe dann z.B. besser zu ...

Objektive (also besser: rationale!) Erkenntnis, welche wahrscheinlich nur dem Menschen zu eigen ist, zeichnet sich dagegen dadurch aus, dass sie Kritik anbringen kann, das ist rationale Bestätigung oder Widerlegung. Der Träger der Erkenntnis muss nicht sterben, sondern kann die Erkenntnis problemlos korrigieren, ohne tödliche oder ähnlich dramatische Konsequenzen für den Träger.
Auch ist hier Selbstkritik einfacher und wir können Vermutungen fallenlassen, und sollten das auch tun, statt uns an erkannt falschem festzuhalten aus Gewohnheit.

Der entscheidende Unterschied ist, daß sprachlich formulierte Theorien kritisch diskutiert werden können.

Die kritisierte Theorie also verkennt die Wichtigkeit dieser Unterscheidung!!

Weitere Fehler sind für Popper:

Wie erwähnt die Passivität der Erkenntnisgewinnung in diesen Ansichten. Damit wäre dann nämlich auch Erkenntnisfortschritt weitgehend passiv. Grade in dieser Hinsicht sieht Popper diese Sicht als völlig verfehlt an.

Er hält desweiteren wie auch schon erwähnt, die Tabula Rasa-These für falsch, also das bei Geburt nichts in unserem Geiste sei, was nicht von aussen hineingekommt. Zu Geburt sind wir wie eine leere Wachstafel.

Popper schreibt "Die tabula rasa Theorie ist vordarwinistisch: Jedem der auch nur ein bischen biologisches Gefühl hat, muß klar sein, daß die meisten unserer Dispositionen angeboren sind, entweder in dem Sinne, daß wir mit ihnen geboren werden, oder in dem Sinne, daß im Verlauf der Reifung die Diposition durch die Umgebeung zur Entwicklung angeregt wird."

(hier wären schon ein paar Beispiele angebracht ... )

Doch Popper sagt das selbst wenn die Tabula Rasa Theorie abgelehnt wird, und man annimmt in der Metapher des Kübels der sich passiv füllt, er wäre bei Geburt schon halb voll, ändert das nichts am Grundproblem. Der Passivität der Erkenntnisgewinnung.

Popper beginnt nun seinen Gegenentwurf zu skizzieren, eine sogenannte "evolutonäre Erkenntnistheorie"

Wie lässt sich eine Theorie rechtfertigen, daß heisst die Behauptung sie sei eine Annäherung an die Wahrheit. Dazu haben wir schon einiges gehört, aber wichtig ist der Unterschied zu genetischen, historischen und psychologischen Fragen.

Die alten Theorien gingen davon aus, das die Unmittelbarkeit und Evidenz wahrer Theorien sich zeige, und sie damit unsere Theorien rechtfertigten.

Popper "nach meiner Auffassung halten wir manchmal Theorien für wahr oder sogar "unmittelbar einleuchtend", weil sie wahr sind und unser geistiger Apparat ihrem Schwierigkeitsniveau gut angepasst ist."

Ein Beispiel ist folgendes. Ich sehe die Tasse vor mir, und es erscheint mir völlig evident, d.i einleuchtend das diese Tasse real ist und das es eine Tasse ist. Dies liegt aber daran daß mein geistiger Apparat wie Popper es nennt, darauf ausgelegt ist die Tasse ALS Tasse wahrzunehmen. Das funktioniert aber nur bei solch einfachen Beispielen, und unter anderem deshalb sind solche unmittelbaren oder direkten Erfahrungen kein hinreichendes Kriterium für Wahrheit.

Hierzu passt auch was ich immer betone. Ich vermute, daß es Menschen gibt die wirklich mit Gott gesprochen haben. Aber ich vermute es gibt keinen Gott. Ich vermute es gibt Menschen, welche wirklich Ufos gesehen haben, bzw Ausserirdische, aber ich glaube weder an Ufos noch an Ausserirdische. (Natürlich glaube ich an unidentifizierte Flugobjekte, aber keine unirdischen)

Popper sagt: "Doch die Unmittelbarkeit oder Direktheit zum hinreichenden Kriterium für die Wahrheit zu machen, daß ist der Grundfehler des Idealismus."

Eins scheint klar. Wären unsere auf Disüpositionen beruhenden Handlungen und Reaktionen der Umwelt schlecht angepasst, könnten wir nur schwerlich überleben. (Da sich diese u.U. aber auch sehr schnell verändern kann, ist es doch sehr fraglich, ob alle Möglichkeiten in den Grunddispositionen schon vorgeformt vorliegen ???)
Biologischer Erfolg ist aber kein Garant, wie zahlreiche ausgerottete Tiere zeigen.

Man kann sagen das viele unserer Praxisnahen Erwartungen, wie das Brot ernährt, oder das Vitamine gut für uns sind, zwar nicht verlässlich wahr oder völlig gewiss sind, aber sicherlich kein schlechter Ausgangspunkt für Annahmen.

Für praktische Zwecke kann es auch nützlich sein bereits wiederlegte Theorien zu behalten. So gelten die Newtonschen Gesetze immer noch, obwohl sie theoretisch falsch sind, wie Einstein zeigte. In unser Alltagspraxis zeigt sich das nicht sondern nur im kosmischen Maßstab.

Darwins Theorie sagt uns, das gut angepasste Organismen überleben. Das verwundert nicht den gut angepasst heisst ja überlebensfähig. Dieser Teil Darwins Theorie ist also logisch und sogar tautologisch.

Aber Organismen müssen durch Mutation, und Fehlerelimination zu dieser Anpassung gekommen sein. Man kann aber sagen das Versuch und Fehlerelimination eine logische Methode sind. (es sind aber grundsätzlich zwei ganz logischen Ebenen liegende Phänomene unter vielen weiteren für genetischen oder individuellen Erolg wichtigen !!) Es gibt (somit mehrere Logiken ...) eine Logik der Situation in der dieser Anpasssungsmechanismus (diese Anpassungsmechanismen !) stattfindet.

Jetzt wird so Popper deutlich weshalb Geist, dass ist eine deskritive (beschreibende) und argumentative (begründende) Sprache ein evolutionärer Vorteil sind. Sie ermöglichen die Objektivierung der Problemstellung, und den Versuch und die Fehlerelimination ohne Auschaltung des Trägers.

Popper :" Der Unterschied zwischen einer Amöbe und Einstein besteht darin, daß beide zwar die Methode von Versuch und Irrtumselimination anwenden, aber die Amöbe nicht gern irrt, während Einstein gerade davon angezogen wird: Er sucht bewusst nach seinen fehlern, in der Hoffnung, aus ihrer Entdeckung und Elimination etwas zu lernen. "

Die Methode die Popper beschreibt, ist die kritische, d.h. die Methode kühn Theorien zu formulieren und dann gezielt ihre Fehler zu suchen. Eine evolutionäre Erkenntnistheorie geht also von Fortschritt aus, durch Anwendung einer Methode die der Evolution eigen ist, und in ihrer objektivierten Form Grundlage aller Wissenschaften ist, unabhängig von anderen Methoden die z.B. in der Geschichtswissenschaft zur Anwendung kommen. Man könnte die betreffende Erkenntnistheorie auch einfach human oder anthropogen nennen und das sprachliche Vermögen ist Grundlage auch der Geisteswissenschaft.

Die Tabula Rasa Theorie muss u.a. falsch sein weil zu jeder Lebensphase einschliesslich kurz nach der Geburt der Organismus gewisse Dispositionen und Erwartungen haben muss.
Popper schreibt "Demgemäss besteht jeder Erkenntnisfortschritt in der Veränderung bisherigen Wissens - entweder in seiner Wandlung oder seiner weitgehenden Verwerfung. Die Erkenntnis fängt nie am Nullpunkt an, sondern immer mit einem Hintergrundwissen - das augenblicklich als unproblematisch angenommen wird - und gewissen Schwierigkeiten, gewissen Problemen. Diese entstehen in der Regel aus Unstimmigkeiten zwischen Erwartungen, die dem Hintergrundwissen entsprechen, und neuen Befunden wie Beobachtungen oder durch sie angeregten Hypothesen"

Oder aus primären Gefühlen, Gefühls- oder Verarbeitungskonflikten, unzulänglichen Wahrnehmungs- oder Interpretationsvermögen und ... und ...

Das Hintergrundwissen das Popper da anspricht, sieht er teilweise biologistisch. Er spricht von angeborenen Theorien, und damit meint er sicherlich nicht sprachlich formulierte Theorien.

Popper formuliert die kühne Behauptung 99,9 % unseres Wissens seien angeboren und nur etwa 0,1 % seinen Veränderungen dieses angeborenen Wissens. Wie kann er so etwas behaupten. Ich denke er schreibt hier sehr missverständlich und oder aber bewusst provokant, was leider nach hinten losgeht.

Der Organismus Tier, oder auch der Organismus Mensch, hat angeborenes Wissen. So weiss er wie Nahrung zu verdauen ist, oder er weiss wie der Arm zu bewegen ist, um etwas zu ergreifen und so weiter. Diese Sprechweise von biologischem Wissen eines Organismus, muss vom objektiven Geist des Menschen getrennt werden.

Hier muss viel mehr vom Körper gelernt werden als Du beschreibst ... z.B. muss er erst lernen ein Immunsystem aufzubauen, Bewegungen zu koordinieren (ohne Übung läuft da nix !) usw ...

Popper : "Alles erworbene Wissen, alles Lernen besteht in der Veränderung (möglicherweise Verwerfung) irgendeines Wissens oder einer Disposition, die schon vorhanden waren; und letzten Endes in der Veränderung angeborener Dispositionen" ..."Aller Erkenntnisfortschritt besteht in der Verbesserung des vorhandenen Wissens in der Hoffnung, der Wahrheit näherzukommen"

Popper sieht alle unsere Erwartungen und Dispositionen auch die biologischen als "Theoriegetränkt" an. Theorie wird hier also in einem viel weiteren Zusammenhang gedacht als das im normalen Sprachgebrauch üblich ist, ähnlich wie ich die Wörter Geist und Bewusstsein viel weiter fasse als gemeinhin üblich.

Popper "Es gibt kein Sinnesorgan, in das nicht antizipierende Theorien genetisch eingebaut wären"

und weiter "Die Tatsache, daß alle unsere Sinne in dieser Weise theoriegetränkt sind, demonstriert sehr klar das völlige Versagen der Kübeltheorie und mit ihr aller jener Theorien, die unsere Erkenntnis auf Beobachtungen zurückführen möchten, auf die Eingabegrössen für die Organismen. Im Gegenteil: Was als bedeutsame Eingabegrösse aufgenommen wird und was als irrelevant übergangen wird, das hängt völlig von der angeborenen Struktur (Dem Programm) des Organismus ab"

(nein, nicht völlig !! sonst ließen sich die großen Unterschiede darin nicht erklären !)

Ich glaube das Poppers Thesen eng verwandt sind mit der Memetik!

(hier verfällt er dann aber selber einem reduktionistischem Paradigma !!)

http://de.wikipedia.org/wiki/Memetik

Erkenntnis im objektiven Sinne

Haben wir uns erstmal daran gewöhnt, das subjektive Beobachtungen und Erfahrungen keine besonders verlässliche oder gar gewisse, unmittelbare Erkenntnis liefern, spricht nichts mehr dagegen sie soweit zu rehabilitieren das sie einen geeigneten Ausgangspunkt liefern.

Popper "Solange wir kritisch bleiben, macht es nicht viel aus, wo oder wie wir anfangen. Wenn wir aber hier (bei den Beobachtungen) anfangen, so kommen wir durch Physik und Biologie (die Wissenschaften) zu dem ergebnis, daß unsere Beobachtungen hochkomplexe und nicht durchweg verlässliche, wenn auch erstaunlich gute Entschlüsselungen der Signale sind, die uns aus der Umwelt erreichen."

Als Ausgangspunkt geeignet eignen sie sich aber nicht als Massstab der Wahrheit, wie das die Subjektivisten gerne hätten.
Wir brauchen also eine Erkenntznistheorie in der das Subjkekt zwar eine gewichtige Rolle spielt, welche aber doch sehr beschränkt bleibt. Eine objektivistische Erkenntnistheorie.

Popper: "Ich möchte nun zwischen zwei Arten der "Erkenntnis" unterscheiden: der subjektiven Erkenntnis (die besser organismische Erkenntnis heissen sollte, da sie aus Dispositionen von Organismen besteht) und der objektiven Erkenntnis oder Erkenntnis im objektiven Sinne, die aus dem logischen Gehalt unserer Theorien und Vermutungen besteht (und, wenn man will, aus dem logischen gehalt unseres genetischen Kodes Das gehörte gerade zur ERSTEN Kategorie !!). Beispiele für objektive Erkenntnis sind Theorien, die in Zeitschriften oder Büchern veröffentlicht und in Bibliotheken aufgenommen worden sind...."

Hier möchte ichj weil Popper das nicht tut auf den Unterschied hinweisen zwischen absoluter Wahrheit und objektiver Wahrheit, bzw. zwischen absoluter Erkenntnis und objektiver Erkenntnis.
Als absolut versteht man etwas, das losgelöst ist (also wohl etwas Metaphysisches ). Losgelöst von Wiederlegung etwa, oder losgelöst von einem Subjekt. Objektives ist niemals losgelöst in diesem Sinne, sondern nur etwas Gegenständliches.

absolut-losgelöst (=metaphysisch !) Objekt-entgegenstehend oder gegenstand.

Popper will also nicht sagen das unsere (sprachliche !) Erkenntnis so sie denn objektiviert wurde, in Form von Sprache und Schrift absolut sei, aber sie ist nun diskutierbar. Sie ist zu einem Objekt geworden das die Zeiten überdauert, so zum Beispiel den Autor des Geschriebenen (wenn er dieses Glück hat)

Popper führt nun zum ersten Male in diesem Buch die drei Welten-Theorie vor, das ist die These man solle unterscheiden zwischen:


•Welt 1 - die physikalische Welt

•Welt 2 - die Welt unserer bewussten Erlebnisse

•Welt 3 - die Welt der logischen Gehalte von Büchern, Bibliotheken, Informationsspeichern von PCs etc



Hier verweise ich gerne auf den Eintrag dazu in der deutschen Wikipedia (und nur da) den ich selber verfasst habe, obwohl er seitdem viel Anpassung erfuhr, ohne das inhaltlich gross etwas verändert wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper...heorie.E2.80.9C

Ich habe damals erwähnt das Poppers dreiteilung historisch ist, so bei den Griechen, Römern und bei Kant, was Popper nie tut. Er verweisst nur auf Platon und Hegel um sich von ihnen abzugrenzen.

Ich bin sogar noch radkaler als Popper, bzw. viel unvorsichtiger. Ich bezeichne Wlet 1 als physikalsiche Welt, Welt 2 als Bewusstsein per se, und Welt 3 als Geist per se. Ich weiss das ich damit oft annecke, weil eben diese begriffe so abgenutzt und so vielschichtig sind, und grade deshalb meidet Popper sie ja auch.

Zu Welt 3, offeriert Popper nun folgende Thesen:

1. Wir können innerhalb der Welt 3 auf Probleme stossen die in ihr bereits vorhanden waren bevor sie entdeckt wurden. So erfanden die Menschen zwar wahrscheinlich die Zahlenreihe, doch die Primzahlen haben sie in dieser entdeckt und nicht erfunden. Und mit der Primzahlentdeckung schufen wir ein WEelt 3 Problem, nämlich ob und welches die höchste Primzal ist, oder ob es unendlich viele gibt.

2. Die Welt 3 ist in dieser Hinsicht also autonom. So wie wir in der Welt 1 geographische Entdeckungen machen können, so können wir auch in der Welt drei Probleme entdecken die zuvor noch nie jemandem bewusst waren, das heisst ein Welt 2 Erlebnis.

3. Und das ist seine Haupthese wie er sagt:

Popper schreibt :" Fast unser gesamtes bewusstes subjektives Wissen (Welt 2-Wissen) hängt von Welt 3 ab, das heißt von (wenigstens der Möglichkeit nach) sprachlich formulierten Theorien."

(hier meint er wohl "individuelles", verallgemeinert wäre das sonst eine Reduktion!)

und "Ich möchte begaupten, daß volle (menschliche) Selbstbewusstsein von allen diesen Theorien (Welt 3) abhängt und das Tiere zwar Gefühle, Empfindungen, Gedächtnis und damit Bewusstsein haben können, aber nicht das volle Selbstbewußtsein, das eines der Ergebnisse der menschlcihen Sprache und der Entwicklung der spezifischen menschlcihen Welt 3 sind."

Zwischenbemerkung. Der Wittgenstein des Traktates ging so gesprochen davon aus, das die Grenzen meiner Welt übereinstimmen mit den Grenzen meiner Welt 3 (der Sprache wie Wittgenstein sagt). Wir haben so Wittgenstein gar keinen Zugang zu Welt 1 sondern nur zu Welt 2 und 3. Genau in dieser Hinsicht ist Wittgenstein ein Solipsist.

An diesem Punkt nun überspringe ich mehrere Seiten im Buche, welche das schon gesagte nur vertiefen, oder mögliche Kritiken beantworten und möchte wie Popper auch am ende hier nocheinmal die Positionen die Popper kritisiert und seine eigene gegenüberstellen.

F. steht für frühere und von Popper kritiserte Ansichten und P. für Poppers Ansichten


•F. Die Wahl unseres Ausgangspunktes ist von entscheidender Bedeutung. Wir wollen nicht auf unsichere Fundamente bauen.

•P. Die Wahl unseres Ausgangspunktes ist nicht entscheidend, da er wie alles kritisiert und verändert werden kann.



•F. Unser Ausgangspunkt sollte möglichst wahr und sicher sein.

•P. Einen solchen sicheren und wahren Ausgangspunkt gibt es nicht



•F. Dieser Ausgangspunkt lässt sich in der persönlichen Erfahrung des Bewusstseins finden (Subjektivismus) oder aber im beobachtbaren Verahlten (Behaviourismus).

•P. Beide eignen sich nicht als sichere Ausgangspunkte, nichtsdestotrotz können wir bei ihnen beginnen solange wir kritisch vorgehen.



•F. Philosophen die Subjektivismus oder Behaviourismus als sicheren Ausgangspunkt akzeptieren, akzeptieren unkritisch die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes

•P. Es ist nicht verkehrt beim Alltagsverstand zu beginnen, solange man kritisch vorgeht, und kritisch bleibt bei allem was der Alltagsverstand erzeugt.



•F. Die Subjektivisten und Behaviouristen gehen davon aus, die sicherste Erkenntnis sei, die selbstgemachte oder Wahrnehmungserfahrung.

•P. Unsere Wahrnehmungen und subjektiven Erfahrungen sind Theoriegetränkt und haben bestenfalls Vermutungscharakter.



•F. Es gibt harte Tatsachen, auf die erkenntnis gegründet werden kann, etwa direkte oder unmittelbare Erfahrungen.

•P. Da alle Erkenntnis Theoriegetränkt ist, ist sie völligst auf Sand gebaut. Doch der Grund kann durch kritisches Tiefergraben verbessert werden, nicht aber dadurch das bestimmte Daten als unproblematisch angenommen werden.



•F. Das zeigt die Verlässlichkeit der Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes.

•P. Die Erkenntnisteorie scheitert an diesem Punkt, daß sie übersieht das Erfahrung indirekt ist und vermutungscharakter hat. Alle Wahrnehmungen sind Theoriegetränkt und fehlbar, wenn auch bei gesunden Organismen Fehler seltener vorkommen als bei defekten Organismen.



•F. Die Erknntnistheorie des Alltagsverstandes beginnt immer als eine Form des Realismus endet aber in einem Idealismus oder Operationalimus.

•P. Wir erkennen an das der Realismus nur eine Vermutung, aber dem Idealismus weit überlegen ist.



•F. Die Erkenntnistheorie die mit dem Realismus begonnen hat und im Subjektivismus endet, wiederlegt sich selbst (Kants Position)

•P. Die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes erwist sich als widersprüchlich, doch das trifft nicht die Theorie des Alltagsverstandes von der Welt, also den Realismus.



Wie gesagt habe ich einige Seiten übersprungen vor allem was die Aufarbeitung Kants angeht, da dies meines erachtens zu weit führen würde, und hier auch nichts zur Sache tut.

Zusammenfassend kann man also sagen das Popper die Theorie des Alltagsverstandes, das subjkektive erfahrung die sichere Basis unserer Erkenntnis ist ablehnt, doch den Realismus, das heisst die Theorie die Welt sei real und erfahrbar rettet.
Nylen
Hallo Karlchen, danke erstmal für dein Anmerkungen. Sie werden mir helfen den Text bei Gelegenheit zu überarbeiten.

Direkt Antworten kann ich allerdings nicht, wie ja klar ist, da du eher kommentierst als kritisierst.

Nur einen Punkt will ich herausgreifen. Den der Metaphysik. Metaphysik ist für mich wie für Popper, was sich im Raum der Behauptungen bewegt, welche nicht prüfbar sind.

Poppers ganzer Text ist Metaphysik, da ja z.B. die Thesen zum Realismus so nicht prüfbar sind.
karlchen
Naja, er bezeichnet es so. Find ich aber nicht unbedingt hinreichend, da P.´s Realismus mir eher wie eine Grundhaltung vorkommt. Diese läßt sich in ihren Begründungen dann auch ein Stück weit diskutieren und bewerten. Metaphysik sind für mich z.B. Fragen nach dem Sinn des Lebens oder des Weltenlaufes, dem Leben nach dem Tod, Religiosität etc. .. smile
Nylen
Metaphysik ist streng genommen alles was nicht ausschliesslich Physik bzw. Gegenstand einer Wissenschaft ist.

Popper und Wittgenstein und ihre Zeit sah in der Abgrenzung der Metaphysik von der Naturwissenschaft ein wichtiges Problem.

Wittgenstein und andere sahen die Methode der Verifikation als Kriterium der Abgrenzung, Popper dagegen die Methode der Falsifikation.
Auch spricht Wittgenstein bei metaphysischen Sätzen von Unsinnigen Sätzen, was sehr unglücklich ist. Der ganze Traktatus Philosophicus so Wittgenstein sei Unsinn, was jeder sofort verstehe der ihn gelesen habe.
Was Wittgenstein aber meint ist das der Traktat Metaphysik ist.

Poppers Buch und viel Philosophie sind nicht Naturwissenschaft6lich, haben also nicht die Natur zum Ggenstand der Untersuchung. Poppers Text ist in seiner Gesamtheit Erkenntnistheorie und als solche auf Erkenntnisse gerichtet, genauer auf die Frage wie wir zu Erkenntnissen kommen etc. Diese Fragen sind aber selbst nicht einfach verifizierbar oder falsifizierbar.

Zu sagen, dass der Realismus richtig ist und der Idealismus nicht, ist also eine metaphysische Behauptung.
karlchen
Eine so enge Interpretation des Begriffes erscheint mir nur sinnvoll, solange es um logische Bewertbarkeit geht. In der Erkennnistheorie und in der Logik ist diese eine vernünftige Konvention, in weiten Bereichen der Philosophie geht es eher um Diskussion, Verständnis, und Vielseitigkeit. Da lassen sich dann nur noch wenige Themen als "das Physische übersteigend und damit spirituell" (Def. von mir formuliert, aber nicht ausgedacht ...) bezeichnen. smile