Moral ergibt sich aus "gemeinsam handeln".

flores
Es ist beobachtbar, dass Kinder menschliches Verhalten im Zusammenleben
mit anderen kennen lernen und so herausfinden, wie sie mit anderen
klarkommen können. Beobachtbar ist auch, dass Erwachsene – wenn sie
weiterhin mit anderen klarkommen möchten – ihr Verhalten im Rahmen
dieses Zusammenlebens weiter entwickeln. Moralisches Verhalten ist
Veränderungen unterworfen, die Menschen vollziehen (z.B.
Veränderungen der Bewertung von gleichgeschlechtlicher Liebe,
Scheidungsverhalten, …)
Daraus erst ergeben sich moralische Konzepte, die zur konstruierten
Grundlage von Bewertungen menschlichen Verhaltens dienen können.

Daraus schließe ich:
Moralisch korrektes Verhalten entsteht ohne moralisch korrektes Denken.
Moral ergibt durch die Art und Weise, wie Menschen miteinander handeln.
Moralisch korrektes Verhalten wird nachträglich denkend legitimiert.

Das hat zur Folge, dass jedes Verhalten sich sogleich zum Prinzip macht.
Beispiel: Irgendeiner fing - wann auch immer - damit an, sich für Profit als
Orientierung seines Handeln zu entscheiden. Immer mehr folgten ihm.
Profit ist inzwischen die dominante gesellschaftliche Leitvorstellung. Unter
den Konzernen bzw. Verantwortungsträgern unserer Wirtschaft scheint es
inzwischen 'normal' zu sein, den Profit vor ein verantwortungsvolles
Handeln zu setzen. Die nachträgliche Legitimation: Erhalt von
Arbeitsplätzen, Standort Deutschland …

flores smile
Nobody Knows
Hallo flores!

Zitat:
flores 04.08.2011 12:56: „Es ist beobachtbar, dass Kinder menschliches Verhalten im Zusammenleben mit anderen kennen lernen und so herausfinden, wie sie mit anderen klarkommen können. Beobachtbar ist auch, dass Erwachsene – wenn sie weiterhin mit anderen klarkommen möchten – ihr Verhalten im Rahmen dieses Zusammenlebens weiter entwickeln. Moralisches Verhalten ist Veränderungen unterworfen, die Menschen vollziehen (z.B. Veränderungen der Bewertung von gleichgeschlechtlicher Liebe, Scheidungsverhalten, …) Daraus erst ergeben sich moralische Konzepte, die zur konstruierten Grundlage von Bewertungen menschlichen Verhaltens dienen können. Daraus schließe ich: Moralisch korrektes Verhalten entsteht ohne moralisch korrektes Denken. Moral ergibt durch die Art und Weise, wie Menschen miteinander handeln. Moralisch korrektes Verhalten wird nachträglich denkend legitimiert. Das hat zur Folge, dass jedes Verhalten sich sogleich zum Prinzip macht.“


Ich würde „eine Moral, die sich aus gemeinsamem Handeln ergibt“ auch als eine an Regeln, (welche später zu Gesetzen werden) orientierte Moral bezeichnen. Aus: Susanne Cook-Greuter, detaillierte Beschreibung von 9 Stufen der Selbst-Entwicklungstheorie: neun Stufen zunehmenden Erfassens


Stufe 1: Symbiotisch – Sensomotorisch
Stufe 2: Impulsiv – [Gefühlsmensch]
Stufe 2/3: Selbst schützend – Opportunist
Stufe (”/3): Regel orientiert – [„Gesetzesmensch“]
Stufe 3: Konformistisch – Diplomat
Stufe 3/4: Selbst sicher – Spezialist, 1st tier
Stufe 4: Selbst bewusst – Leistungsmensch, 1st tier
Stufe 4/5: Individualistisch – Pluralist, 1st tier
Stufe 5: Autonom – Synthetiker, 2nd tier
Stufe 5/6: Konstrukt bewusst – Synergist, 2nd tier
Zur Entwicklung der Moral gibt es verschiedene Stufenmodelle. Ein vom Ethikunterricht in der Schule oder vom Religionsunterricht her bekanntes ist jenes vom Alten zum Neuen Testament der Bibel.
Altes Testament = Gesetzesreligion (Pharisäer).
Neues Testament = Religion der Liebe.

Zitat:
Römerbrief Kapitel 13,10 «Denn Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.»


Man könnte daraus auch die mittelalterliche Metaphysik und Mystik von Plotin über Augustinus, bis zu Meister Eckhart begründen.


Zitat:
Augustinus, Confessiones 1,1: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir."


Daneben gibt es modernere Theorien der Moralentwicklung, so auch jene von Lawrence Kohlberg.

Niveau A: Präkonventionelles Niveau (unter 9 J.)
Niveau B: Konventionelle Niveaus (die meisten Jugendlichen und Erwachsenen)
Niveau C: Postkonventionelles Niveau (einige Erwachsene über 20 Jahre)
5. Stufe: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (Art. 14 II GG)
6. Stufe: Gut ist es, ethische Prinzipien als maßgebend zu betrachten, denen die ganze Menschheit folgen sollte.

Vergleiche mit Wikipedia: Stufentheorie des moralischen Verhaltens.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stufentheor...chen_Verhaltens


Die heutige Situation ist geprägt vom Individualismus, Pluralismus und von „Postmetaphysik“.


Zitat:
Friedrich Nietzsche, Z, S. 74: „Vieles, das [in] diesem Volke gut hiess, hiess einem andern Hohn und Schmach: also fand ich hier böse genannt und dort mit purpurnen Ehren geputzt.“

Zitat:
Karl Jaspers; Metaphysik; S. 129: „Die metaphysische Gegenständlichkeit heisst Chiffre, weil sie nicht als sie selbst die Transzendenz, sondern deren Sprache ist.“

Zitat:
Ken Wilber: „Wie wir noch sehen werden, gibt es einige Aspekte höherer Dimensionen, welche tatsächlich wahrhaft metaphysisch sein könnten, aber zuerst sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass vieles von dem, was die Prämoderne als metaphysisch betrachtete tatsächlich intraphysisch ist, und nicht über der Natur, sondern in ihr ist. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg von einer Metaphysik zu einer integralen Post-Metaphysik. … Und erinnern wir uns auch daran, dass für die metaphysischen Traditionen all diese „materiellen Systeme" sich auf der untersten Sprosse der Existenz befinden, wohingegen sie für eine integrale Post-Metaphysik einfach die kollektiven äußerlichen Dimensionen der „höheren" (und jetzt innerlichen) Dimensionen darstellen. Der untere rechte Quadrant speziell ist „Natur", und die höheren Dimensionen befinden sich innerhalb, und nicht oberhalb von ihr.“

Letztes Zitat aus: „Auf dem Weg zu einer umfassenden Theorie der subtilen Energien“ – (Exzerpt, excerpt) Auszug G aus «Kosmisches Karma», Übersetzung: Monika Frühwirth und Michael Habecker; aus: www.integralworld.net/de/excerpt-G-de.html

Der moderne Geist befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Eine Reaktion darauf wäre die Rückkehr zu den herkömmlichen Glaubensvorstellungen, die aber nach kritischer Überprüfung keinen klaren Grund mehr haben. Eine weitere Reaktion auf die Krise, in der sich der moderne Geist gegenwärtig befindet zeigen jene, welche die Infantilität der ersten Reaktion zwar überwunden haben, aber sich selbst noch keinen rechtfertigenden Sinn schaffen konnten. Es ist eine individuelle moralische Orientierung notwendig.

Zitat unten aus: „Friedrich Nietzsches Moralkritik. Versuch einer Metakritik“ von Soon-Young Choi aus Pusan, Südkorea; Humboldt-Universität zu Berlin; Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades doktorum der Philosophie; http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/...L/choi-ch6.html

Zitat:
„Wir treffen hier gegensätzliche Figuren beider Reaktion [d.h. jener der Infantilität] [und jener der Labilität], die wir zu überwinden versuchen sollten. In der dritten Reaktion [auf die Krise, in der sich der moderne Geist gegenwärtig befindet,] gewinnt man endlich die Möglichkeit der Überwindung [der 1. Reaktion] des [passiven] Nihilismus, [d.h. der Infantilität] [und der 2. Reaktion des aktiven Nihilismus, d.h. der Labilität.] Aber diese [3.] Möglichkeit, [d.h. die Reaktion der Entspannung] setzt immer voraus, daß man die zweite Reaktion [der Angst und des Leidens an der Relativierung der Wertorientierung] völlig nachvollzogen hat. Hier [in der dritten Reaktion] [auf die Krise, in der sich der moderne Geist gegenwärtig befindet,] wird alle Rückkehr zum früheren Glauben [der 1. Reaktion, d.h. des passiven Nihilismus und der Infantilität] ausgeschlossen, und [die 2. Reaktion, d.h.] die Angst und das Leiden an der Relativierung der Wertorientierung werden dadurch überwunden, daß das ‚souveräne Individuum’ sich seinen eigenen Wert schafft. Bedauerlicherweise haben wir in unserer modernen Kultur kein Vorbild dafür, das man hier als Beispiel zitieren könnte. Das bedeutet, daß dieser neue Typus des Menschen geschaffen werden sollte. Diesem Projekt ist die ganze Philosophie Nietzsches gewidmet. Und das ist auch die Aufgabe derjenigen, die sich selbst gerne auf ihren freien Geist besinnen und gerne danach streben wollen. Wie wir gesehen haben, ist die Heraufkunft [sowohl] des [passiven Nihilismus wie] [auch des aktiven] Nihilismus notwendig, und damit wird auch dessen Überwindung notwendig.“


Meines Erachtens kann auf obige Weise „Profit als die dominante gesellschaftliche Leitvorstellung“ überwunden werden, und „die nachträgliche Legitimation: Erhalt von Arbeitsplätzen, Standort Deutschland …“ wird nur noch zu einer Randnotiz von ethischen Prinzipien, denen die ganze Menschheit folgen sollte. Ich räume ein, dass ich die Zukunft vielleicht zu optimistisch sehe, aber eine positive Erwartung schafft oft jene Zustände, die sie erwartet und eine negative umgekehrt leider auch.

Mit freundlichem Gruss, N.K.
Reimund
hallo flores, hallo zusammen,

es bedarf ganz einfach der menschlichen macht als individuum oder auch in einer gruppe, gemeinschaft etwas zu moral oder unmaoral zu (v)erklären, zu bestimmen.
mit dem eigentlichen und dem wesen das sinnes der moral hat dieses dann jedoch nur noch den wortlaut als nichtssagende, willkürliche hülse gemeinsam.
moral unterliegt somit auch der zeit und dem geist(lichen), der geistigen entwicklung des/der menschen.... dem zeitgeist.

du erwähnt da als beispiele:

Zitat:
original von flores
(z.B. Veränderungen der Bewertung von gleichgeschlechtlicher Liebe,
Scheidungsverhalten, …)


es bedurfte ja überhaupt erst einmal dem menschlichen denken die gleichgeschlechtliche liebe zu bewerten und auch die voraussetzungen zu schaffen ein scheidungsverhalten überhaupt bewerten zu können: die bezeugung der ehe vor "gott" bzw der gesellschaft.

gleichgeschlechtliche liebe ist sicherlich so (un)moralisch wie die lieben mit mann und frau. oder anders gesagt bzw gefragt: was hat beides mit moral zu tun?
im wesentlichen NIX. ist es doch die liebe zweier menschen die diese miteinander verbindet... und ist es sinnvoll diese liebe als (un)moralisch zu benennen, zu (be)werten?

und das mit der ehe und dem erst aus dieser möglichkeit sich ergebendem scheidungsverhalten: das hatte in "früheren" zeiten sicherlich aufgrund der (menschlichen) entwicklung auch seinen sinn und zweck, dieses SO zu handhaben und zu "sichern".
in der heutigen zeit sehe ich das jedoch mehr als hemmschuh und künstliche mehrklasseneinteilung, wodurch und worin (un)moral erst wieder ge/erzeugt wird.

in der heutigen zeit ist es (m.e. und meiner beobachtung, wahrnehmung nach) wohl auch irgendwie hipp, in, coll, chic schwul zu sein. mal ganz davon abgesehen ob der einzelne mensch dieses auch in sich und aus sich heraus ist. auch gleichgeschlechtliche liebe ist von zeitgeist nicht ausgeschlossen.

(un)moral so wie wir (mensch) diese in aller regel nutzen ergibt sich aus einem (miss)verstehen von zusammenhängen die dem (jeweils) einzelnen zugänglich, (un)angenehm, dienlich, hilfreich usw sind.

moral im eigentlichen sinne, in seinem wesentlichen sinn und nicht nur als worthülse verwandt in die alles menschenmögliche hineingefasst, gepresst wird... ja, dann ist moral auch sinnvoll und keann ein mögliches miteinander von der kleinst möglichen bis zur grösst möglichen beziehung und miteinander schon hilfreich sein.

lieber gruss

Reimund
Schneemann
Zitat:
Original von flores
Daraus schließe ich:
Moralisch korrektes Verhalten entsteht ohne moralisch korrektes Denken.
Moral ergibt durch die Art und Weise, wie Menschen miteinander handeln.
Moralisch korrektes Verhalten wird nachträglich denkend legitimiert.

Da ist sicherlich was drann, aber man hat bei solche Schlüssen stehts das Problem dass es schwer auseinanderzuhalten ist ob nun die Moral aus dem gemeinschatlichen Miteinander resultiert oder ob umgekehrt das gemeinschaftliche Miteinander nicht vielmehr das Result von vorgegebenen (evolutionär-genetischen) moralischen Empfinden und moralischen Grundregeln ist.

Auch schliesst deine Beobachtung nicht aus dass dennoch manche moralische Verhaltensweisen durchaus durch rationale Überlegungen erst entstehen. Es ist durchaus vernünftig anzunehmen dass wir uns durch rationale Anylsen des Zusammenlebens neue moralische Handlungsweisen und Beurteilungen aneignen. Diese werden dann irgendwann zum Automatismus und werden über eine Art kulturelle Evolution an die Nachkommen weitergegeben. Sie resultieren somit nicht aus dem beiläufig aus dem Zusammenleben sondern können durchaus aus rationale Schlüssen von sich selbst oder der Vorfahren enstehen.

Ich glaube daher deine Beobachtung ist durchaus korrekt, aber sie stellt nur einen von mehreren Aspekten dar. Bei der Sprachentwicklung könnte man ganz analog argumentieren und auch Feststellen dass Kinder erst nur Laute äussern und im Laufe des Lebens durch das Zusammenleben eine Sprache entwickeln. Aber auch das ist bekannterweise nur die halbe Wahrheit, denn tatsächlich ist wie man heute weiss viel davon evolutionär vorprogrammiert und es gibt grammatikalische und sprachliche Konstanten die man in praktisch allen Sprachen vorfindet. Und natürlich wird Sprache auch kulturell geprägt und von Generation zu Generation weitergegeben.
flores
Zitat:
Original von Nobody Knows
Hallo flores!

Der moderne Geist befindet sich gegenwärtig in einer Krise. Eine Reaktion
darauf wäre die Rückkehr zu den herkömmlichen Glaubensvorstellungen,
die aber nach kritischer Überprüfung keinen klaren Grund mehr haben. Eine
weitere Reaktion auf die Krise, in der sich der moderne Geist gegenwärtig
befindet zeigen jene, welche die Infantilität der ersten Reaktion zwar
überwunden haben, aber sich selbst noch keinen rechtfertigenden Sinn
schaffen konnten. Es ist eine individuelle moralische Orientierung
notwendig.

Meines Erachtens kann ... „Profit als die dominante gesellschaftliche
Leitvorstellung“ überwunden werden, und „die nachträgliche Legitimation:
Erhalt von Arbeitsplätzen, Standort Deutschland …“ wird nur noch zu einer
Randnotiz von ethischen Prinzipien, denen die ganze Menschheit folgen
sollte. Ich räume ein, dass ich die Zukunft vielleicht zu optimistisch sehe,
aber eine positive Erwartung schafft oft jene Zustände, die sie erwartet
und eine negative umgekehrt leider auch.

Mit freundlichem Gruss, N.K.


Die Religionen könnten aus meiner Sicht einen wichtigen Beitrag zu
gemeinschaftsstiftendem Handeln jedes Einzelnen leisten, indem sie
entsprechendes verkünden. Doch solange dogmatische Behauptungen im
Vordergrund stehen und Gemeinschaft verhindern - weil es Lehren über
Gott, Allah, Brahma ... entgegensteht - dürften Religionen eher ein
Hindernis darstellen.

Mir geht es darum, darauf hinzuweisen, dass es für gemeinsames Handeln
keiner Dogmatik bedarf. Dogma verweist den Menschen auf Autorität und
gehorsamen Nachvollzug. Doch das passt m.E. nicht mehr zu dem, was
Menschen sich wünschen. In einem Filmbericht aus Ägypten sagte ein
junger Familienvater auf die Frage nach seinen revolutionären Zielen
schlicht: "Ich wünsche mir nichts mehr als meine Familie ernähren zu
können, ihnen ein Dach über dem Kopf geben, meinen Kindern ihren Weg
in ein normales Leben zu ermöglichen." Diese ganz normalen Wünsche
nach einem den eigenen Bedürfnissen angepassten individuellen
Lebensverlauf brauchen m.E. keine Dogmatik.

Rund ums Mittelmeer werden die Konsequenzen des Profitdenkens schon
deutlicher spürbar. In Spanien haben 50% der Jugendlichen keine Chance
auf einen Arbeitsplatz. In Ägypten ist die Zahl noch höher. Doch auch in
Mitteleuropa scheint mir eine vergleichbare Entwicklung möglich. Denn die
Global Players lassen dort produzieren, wo Arbeitskräfte am billigsten sind.
Das Verhalten einiger Billiganbieter in Deutschland lässt darauf schließen,
dass gleichfalls versucht wird, billige Angebote durch Lohndumping
hierzulande zu ermöglichen. Viele bei uns scheinen zu glauben, dass billige
Preise vom Himmel fallen. Sicher dürfte sein, dass die Mehrheit auf
irgendeine Weise dafür zur Kasse gebeten dürfte.

Ein Handlungskonzept, wie es mir vorschwebt, ist nicht unbekannt, wie
auch die Fülle deiner Beispiele deutlich machen kann. Es geht lediglich
davon aus, dass konsequent authentisch, d.h. eigenverantwortlich
entschieden wird, was und wie und nach welchen Kriterien jeder agiert.
Den notwendigen Diskurs darüber wird man erst lernen müssen. Wurden
die "Verantwortungsträger" der Finanzkrise öffentlich zur Rede gestellt?

Es handelt sich dabei auch nicht bloß um eine Theorie, sondern um etwas,
das sich m.E. beobachten lässt. Menschen dürften vor allem an Menschen
interessiert sein und daran mit anderen ein lebenswertes Leben zu leben.
Dass viele inzwischen glauben, Besitz und Vergnügen seien
lebensnotwendig könnte ein Ergebnis u. a. des von mir kritisierten
wirtschaftlichen Dogmatismus sein.

Kulturgeschichtlich dürften noch weitere Bedingungen in Frage kommen
können.

Danke für deinen gut ausgestatteten Beitrag.

flores smile
flores
Zitat:
Original von Reimund
hallo flores, hallo zusammen,

es bedarf ganz einfach der menschlichen macht als individuum oder auch in
einer gruppe, gemeinschaft etwas zu moral oder unmaoral zu (v)erklären,
zu bestimmen.
mit dem eigentlichen und dem wesen das sinnes der moral hat dieses dann
jedoch nur noch den wortlaut als nichtssagende, willkürliche hülse
gemeinsam.
moral unterliegt somit auch der zeit und dem geist(lichen), der geistigen
entwicklung des/der menschen.... dem zeitgeist.

(un)moral so wie wir (mensch) diese in aller regel nutzen ergibt sich aus
einem (miss)verstehen von zusammenhängen die dem (jeweils) einzelnen
zugänglich, (un)angenehm, dienlich, hilfreich usw sind.

moral im eigentlichen sinne, in seinem wesentlichen sinn und nicht nur als
worthülse verwandt in die alles menschenmögliche hineingefasst, gepresst
wird... ja, dann ist moral auch sinnvoll und keann ein mögliches miteinander
von der kleinst möglichen bis zur grösst möglichen beziehung und
miteinander schon hilfreich sein.l


Ich sehe den Aspekt "Zeitgeist" förderlich für eine Veränderung im
Umgang mit moralischen Fragen. Ich gehe davon aus, dass Menschen sich
heutzutage nicht mehr sagen lassen möchten, was moralisch angemessen
ist und was nicht. Schwierig dürfte für viele das Kriterium für das eigene
Verhalten sein. Ist es beliebig – wie du mit dem Hinweis im Zusammenhang
mit gleichgeschlechtlicher Liebe meinst?

Ich denke, wenn es gelingt, die jeweils enkulturierte Brille moralisch "gut
bzw. schlecht" abzustreifen, brauchen Menschen ein eigenes Kriterium, das
zu ihnen passt und mit dem sie operieren und darüber reden können. In
der Aufklärungsphilosophie Schottlands hat Hume in Verabschiedung jeder
Art von Autorität diesen Maßstab ungefähr so umschrieben: Das, was mir
angenehm ist, mir Freude bereitet, das von dem ich sage, ja so sollte ein
Mensch sich verhalten, ist das einzige Kriterium das Menschen haben. Man
hat dies m. E. zu Unrecht als egozentrischen Hedonismus bezeichnet.
Hume's egoistische Moral ergibt sich u. a. aus dem Resümee, dass der
Mensch ein sozial handelndes Wesen sein könnte, wenn er seiner Natur
folgen möchte.

Ähnliches habe auch ich in meinem Kopf.

flores smile
flores
Zitat:
Original von Schneemann

Da ist sicherlich was drann, aber man hat bei solche Schlüssen stehts das
Problem dass es schwer auseinanderzuhalten ist ob nun die Moral aus dem
gemeinschatlichen Miteinander resultiert oder ob umgekehrt das
gemeinschaftliche Miteinander nicht vielmehr das Result von vorgegebenen
(evolutionär-genetischen) moralischen Empfinden und moralischen
Grundregeln ist.
...
Auch schliesst deine Beobachtung nicht aus dass dennoch manche
moralische Verhaltensweisen durchaus durch rationale Überlegungen erst
entstehen.
...
Ich glaube daher deine Beobachtung ist durchaus korrekt, aber sie stellt
nur einen von mehreren Aspekten dar.


Du hast in deinem Beitrag auf Unverzichtbares für diese Idee verwiesen.
Ich denke – ähnlich wie du -, dass die Idee "Moral entsteht durch
gemeinschaftliches Handeln" ohne Gesetzmäßigkeiten der menschlichen
Natur nicht möglich sein dürfte. Dies entspricht meinem physistisch
geprägtem 'philosophieren'. Das eigene Nachdenken - wie jeder
nachvollziehen kann - genauso wie die Kritik anderer an meinem Verhalten,
trägt dazu bei mein Verhalten zu verändern.

Ich widerspreche jedoch der Auffassung, dass moralische Vorschriften per
se Verhalten wirksam verändern können. Das behauptete "Wissen" vom
"Guten" dürfte nicht die Grundlage moralischen 'handeln's sein. Diese Mär
dürfte eher die natürlichen Bedürfnisse von Menschen ignorieren.

flores smile
metin
Zitat:
Original von flores
Es ist beobachtbar, dass Kinder menschliches Verhalten im Zusammenleben
mit anderen kennen lernen und so herausfinden, wie sie mit anderen
klarkommen können. Beobachtbar ist auch, dass Erwachsene – wenn sie
weiterhin mit anderen klarkommen möchten – ihr Verhalten im Rahmen
dieses Zusammenlebens weiter entwickeln.

hallo flores,
ich denke, die Kindern ahnen das Verhalten der Erwachsene nach, weil sie Anerkennung vom Eltern bzw. der anderen Individuen suchen. Ich habe manchen den Eindruck, das Kindern instinktiv handeln, also ohne darüber nachzudenken, weil ihnen das akzeptieren werden wichtig ist
die Erwachsene handeln aus Einsicht moralisch. Sie haben erkannte, das es für sie und das Zusammenleben besser ist, wenn sie sich an moralische Normen anpassen. Die Erwachsene sind klar geworden, dass der Ereichte Zustand erhalten werden kann, wenn sie sich herrschende Sitte unterwerfen.
So wohl kindlichem verhalte als auch erwachsene verhalten steckt das Motiv Profit

Zitat:
Das hat zur Folge, dass jedes Verhalten sich sogleich zum Prinzip macht.
Beispiel: Irgendeiner fing - wann auch immer - damit an, sich für Profit als
Orientierung seines Handeln zu entscheiden. Immer mehr folgten ihm.
Profit ist inzwischen die dominante gesellschaftliche Leitvorstellung. Unter
den Konzernen bzw. Verantwortungsträgern unserer Wirtschaft scheint es
inzwischen 'normal' zu sein, den Profit vor ein verantwortungsvolles
Handeln zu setzen. Die nachträgliche Legitimation: Erhalt von
Arbeitsplätzen, Standort Deutschland …

Was willst du damit zum ausdruckt bringen? Willst damit du vielleicht damit zum ausdruckt bringen, dass das Streben nach Profit moralische verwerflich ist?
Das würde ich nicht unbedingt sagen. Wenn bei Profitstreben seine Verantwortung für die Allgemeinheit nicht vergist, dann kann man dagegen nichts einwenden.
Es wird nun problematische, wenn man für die Verwirklichung persönlichen Interesse einspannt
Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
metin
Zitat:
Original von Reimund
moral unterliegt somit auch der zeit und dem geist(lichen), der geistigen entwicklung des/der menschen.... dem zeitgeist.

hallo Reinmund,
da ist sicherliche etwas wahre daran, die moralische Einstellung unterliegen dem Zeitgeist. Das heiß, was heute als gute bewertet wird, muss nicht in Zukunft als gut bewertet werden. Wie kommt es, das sich Einstellung ändere ?

Zitat:
gleichgeschlechtliche liebe ist sicherlich so (un)moralisch wie die lieben mit mann und frau. oder anders gesagt bzw gefragt: was hat beides mit moral zu tun?
im wesentlichen NIX. ist es doch die liebe zweier menschen die diese miteinander verbindet... und ist es sinnvoll diese liebe als (un)moralisch zu benennen, zu (be)werten?


Wieso hat sich die Einstellung zur gleichgeschlechtlich Liebe so geändert. Früher war selbstverständliche, dass man gleichgeschlechtliche Liebe als sittlich verwerflich. Heute wird man schief angeguckt, wenn man gegen gleichgeschlechtliche Liebe etwas sagt. Liegt es vielleicht an der Erkenntnis, dass das wohl des Einzelne wichtiger ist die Ordnung der Allgemeinheit

Zitat:
und das mit der ehe und dem erst aus dieser möglichkeit sich ergebendem scheidungsverhalten: das hatte in "früheren" zeiten sicherlich aufgrund der (menschlichen) entwicklung auch seinen sinn und zweck, dieses SO zu handhaben und zu "sichern".
in der heutigen zeit sehe ich das jedoch mehr als hemmschuh und künstliche mehrklasseneinteilung, wodurch und worin (un)moral erst wieder ge/erzeugt wird.
Was heiß nun wieder? Heiß es nun frühere war die Scheidung unsittlich, weil die Frauen sich nicht alleine versorgen könnte?
[/quote]

Zitat:
in der heutigen zeit ist es (m.e. und meiner beobachtung, wahrnehmung nach) wohl auch irgendwie hipp, in, coll, chic schwul zu sein. mal ganz davon abgesehen ob der einzelne mensch dieses auch in sich und aus sich heraus ist. auch gleichgeschlechtliche liebe ist von zeitgeist nicht ausgeschlossen.

wenn man nicht schwul, dann ist man nicht mehr in. Dann will ich nicht in sein, als schwul.
Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
metin
Wenn man gemeinsame Ziele hat, dann braucht man nicht so etwas wie moralische Normen, weil man überzeugt ist, dass man das Ziel nur dann erreichte, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt. Da man das Ziel erreichen will, weil man das Glück erhofft, nimmt einige Einschränkung auf sich.
Wer dieser Tatsache nicht akzeptieren, hat den Sinn des Zusammenleben bzw. Zusammenarbeiten nicht verstanden. Zusammenarbeit heiß, das man füreinander da ist und sich gegenseitig hilft.

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
flores
Sorry, dass meine Antwort so lange ausblieb.
Die Frage: "Was bringt es mir, wenn ich dies oder jenes tue?" dürfte sich
jeder stellen. Sie hat m. E. nichts mit dem üblichen Sprachgebrauch von
Profit zu tun.

Die Behauptung, dass Kinder instinktiv handeln und nicht denken, geht an
dem vorbei, was ich täglich bei meinem Job beobachte. Sie sehen und
fühlen mehr als die meisten Erwachsene. Wenn man ihnen den Mund nicht
verbietet, sagen sie auch, was sie sehen und fühlen. Dass Erwachsene
davon ausgehen,

Zitat:
Original von metin
das es für sie und das Zusammenleben besser ist, wenn sie sich an
moralische Normen anpassen.


und entsprechend moralisch handeln, scheint mir bei genauem Hinsehen
nicht zutreffend. Erwachsene unterlaufen Gesetze und Regeln.
Sie machen falsche Angaben in der Steuerklärung. Sie finden viel Geld und
bringen es nicht zu Polizei. Sie fahren ohne Fahrschein in öffentlichen
Verkehrsmitteln. Sie schnallen sich im Auto nicht an. Sie misshandeln
Kinder. Sie gehen risikoreiche Geschäfte mit dem Geld anderer ein, stecken
den Profit ein und den Verlust dürfen andere tragen. Gesetze, Regeln
einzuhalten, allgemein Moral und Sittlichkeit kann nicht erzwungen werden.
Die meisten entgehen den Konsequenzen nur, weil sie nicht erwischt
werden. Daher das 11. Gebot: "Du sollst dich nicht erwischen lassen!"

Die Welt, in der gemeinsames 'handeln' Werte entstehen lässt, beruht auf
täglichen neuen Entscheidungen jedes Einzelnen mit anderen i. S. eines
lebenswerten Lebens zu handeln. "Anpassen" passt dazu nicht. Dazu
braucht es Menschen, die entscheiden möchten und können. Menschen,
die authentisch sind.

Vor einiger Zeit fragte ich mal den Schulleiter einer Reformschule nach
der Hausordnung. Er antwortete: "So was gibt es bei uns nicht. Ein
geregeltes gemeinsames Lernen und Klarkommen entsteht durch die
Zusammenarbeit der Kinder und Lehrer an unserer Schule."

Gruß flores smile