Sprachanalytische Philosophie

richard
Liebe User,

wir haben uns im Philosophieunterricht mit der Sprachanalytischen Philosophie beschäftigt, speziell mit Ludwig Wittgenstein und dem Sprachspiel.
Als Hausaufgabe haben wir die Analyse dieses Zitates auf:
"Diese [Die] Entzauberung ist der Lohn oder wenn man so will die Strafe der Präzision."
Ich bitte allen Leserinnen und Lesern um Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen

Richard
Jörn
Vielleicht kannst du noch ein wenig mehr Zusammenhang spendieren? Oder sogar eine Quelle?
nachdenklich
Zitat:
Original von richard
Liebe User,

wir haben uns im Philosophieunterricht mit der Sprachanalytischen Philosophie beschäftigt, speziell mit Ludwig Wittgenstein und dem Sprachspiel.
Als Hausaufgabe haben wir die Analyse dieses Zitates auf:
"Diese [Die] Entzauberung ist der Lohn oder wenn man so will die Strafe der Präzision."


Ich mach's mal an einem Beispiel fest: Der eine liest die Bibel und läßt sich vom Heiligen Geist ergreifen, der andere ackert die theologische Sekundärliteratur durch und unterscheidet beim selben biblischen Text verschiedene Quellen, verschiedene Autoren, verschiedene Auffassungen usw. Auf diese Weise wird die Bibel für den kritischen Leser entzaubert.
Jörn
Zitat:
Wittgenstein:
  • Philosophische Probleme entstehen, wenn die Sprache feiert.
  • Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes mit den Mitteln der Sprache.
  • Wir führen die Wörter von ihrer metaphysischen wieder auf ihre alltägliche Verwendung zurück.


Zitat:
Wittgenstein:
  • "Diese [Die] Entzauberung ist der Lohn oder wenn man so will die Strafe der Präzision."


Ich finde an dem Zitat erstaunlich, dass man es nicht im Netz findet. [Google: Keine Ergebnisse für "Lohn oder wenn man so will die Strafe der Präzision." gefunden.] Das war der Grund für meine Nachfrage. Es schadet sicher nicht, wenn man weiß, ob das der frühe oder der späte Wittgenstein gesagt haben soll.

Wie auch immer, ich denke Wittgensteins Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes, wenn die Sprache allzu sehr feiert, soll ja belohnet werden, einen Lohn haben :-) Und die Entzauberung (das ist ja eine ähnliche Metapher wie die in dem ungleich berühmteren Zitat) soll eben der Lohn sein. Wird der fragliche Satz, der uns die philosophischen Kopfschmerzen bereitete, präzise analysiert, wird er gleichsam entzaubert. Das Problem, was er uns aufzugeben schien und an dessen Lösung wir verzweifelten, wird nicht gelöst - sondern es verschwindet durch die Präzisierung gleichsam vor unseren Augen. Für die Einen ist es ein Lohn. Den anderen mag es eine Strafe sein, weil man ihnen - etwas übertrieben gesagt - die philosophischen Spielsachen weggenommen hat. Jetzt, wo die Sachen klar vor ihnen liegen, haben sie allen Anschein der Tiefe verloren.

Ob Wittgenstein damit Recht hatte? Jein. Richtig ist, dass Präzision eine gute Methode sein kann. Wittgenstein war wohl der Ansicht, dass es eigentlich gar keine philosophischen Probleme gibt - und hier denke ich, lag er sicherlich falsch :-) Zum Glück!