Das Scheitern des Menschen in der modernen Gesellschaft

Desperado
Ich werfe mal eine These in den Raum: Der Mensch ist gescheitert und zwar auf seiner ganzes Linie. Das einzigartige Individuum ist in der heutigen Gesellschaft zu einem kollektiven Puppen- und Marionettentheater verkommen. Verunstaltet durch faule Kompromisse und Erziehungsregeln ist aus dem einzigartigen Lebewesen zu Beginn doch nur ein weiterer Mitläufer geworden. Einer von vielen.

Das Wesen Menschen beugt sich in seinen besten Jahren dem vorherrschenden Druck der Leistungs- und Kapitalgesellschaft. Das Wesen ordnet sich Maximen an, die nur der Produktionsmaximierung dienlich sind. Das Leistungsprinzip wird zu seinem gesellschaftlichen Ordnungsprinzip:

1. Jeder soll das bekommen, was ihm zusteht, d.h. jede Arbeit soll ihren entsprechenden Lohn erhalten, je nach Mühen, Kosten und Aufwand, die die Leistung verursacht hat.
2. Über das Leistungsprinzip entsteht ein „Produktivitäts- und Fortschrittprinzip“. Die bessere Leistung wird durch eine Gegenleistung belohnt, d.h. der bessere Produzent wird zum Vorbild, was zu einer gesamtgesellschaftlichen Verbesserung führt.
3. Das Leistungsprinzip erfüllt zudem die „Statuszuweisungfunktion“, d.h. je nach Leistung und Gegenleistung wird die Menschheit in soziale Positionen und in soziale Chancen eingeteilt, was entweder zur Ausfüllung des Leistungsprinzips oder zu sozialen Abstiegsprozessen führen kann.
4. Jede Gesellschaft besteht aus einer Struktur von Inhalten, Qualitäten und den jeweiligen dazu passenden Positionen, die ihrerseits wieder bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse zu deren Erfüllung voraussetzt.

Diese Punkte werden nie in Frage gestellt und stets als gegeben "Regeln" von Generation zu Generation weiter vermittelt.

Nicht nur das heute wieder so aktuelle Burnout-Syndrom ist eines der Symptome, die diese Gesellschaft aufgrund dieser Ordnung abwirft, auch die vielen kleinen „modernen“ Krankheiten wie Neid und Missgunst sind Anzeichen einer verfaulten menschlichen Seele.
Der Mensch an sich ist innerlich viel zu schwach um aus diesem System auszubrechen und aufzustehen. Mit dem Strom zu schwimmen ist um einiges einfacher als gegen, für etwas zu sein ist leichter als gegen etwas.
Früh hat man sich mit der Situation angegiert, damit zu leben gelernt und nichts unternommen um dieses Leben in Frage zu stellen. Die vermittelten leistungsorientierten Werte machen die menschliche Seele krank.
Der innere Druck im Leben etwas erreichen zu müssen oder zu wollen lässt kaum Spielraum für Eigenentfaltung der Seele.
Ja sogar das Wort Seele wird oft in Frage gestellt und der Mensch nur auf das reduziert was er sein soll: Ein Sklave der Arbeit und des Kapitals.

Wenn die Seele krank ist, ist der Mensch als Ganzes gescheitert. Wenn das Gefühl für die innere Balance mit Natur und seine Umwelt verloren geht ist der Mensch gescheitert. Wenn das menschliche Treiben nur aus Arbeit, Familie und Konsum besteht ist der Mensch gescheitert.
Tarvoc
Zitat:
Original von Desperado
Das einzigartige Individuum ist in der heutigen Gesellschaft zu einem kollektiven Puppen- und Marionettentheater verkommen.

In welcher früheren Gesellschaft war das anders?

Zitat:
Original von Desperado
1. Jeder soll das bekommen, was ihm zusteht, d.h. jede Arbeit soll ihren entsprechenden Lohn erhalten

Ich verstehe gerade deine Kritik daran nicht. Bist du der Ansicht, dass nicht jede Arbeit entlohnt werden und jeder bekommen sollte, was ihm zusteht? gruebel
Gon Moku
In welcher früheren Gesellschaft war das anders?

du nimmst immer bezug auf die geschichtlichkeit, und bringst somit die vergagenheit in die gegenwart.
Zum einen ist es eine ilsuion deswegen, weil die geschichte immer nur auf die einigung der wunschvorstellung wenige individuuen geschrieben wird, und andererseits, glaubst du, so scheint mir, dass alles was war, auch zwingend in zukunft sich so oder ähnlich ereignen muss.
Hier liegt eine ontisch-psychologische fehlschau zugrunde
Tarvoc
Zitat:
Original von Gon Moku
du nimmst immer bezug auf die geschichtlichkeit, und bringst somit die vergagenheit in die gegenwart.

Vor allem nehme ich Bezug auf Desperados Formulierung. "Ist verkommen" impliziert, dass es mal anders war.

Zitat:
Original von Gon Moku
und andererseits, glaubst du, so scheint mir, dass alles was war, auch zwingend in zukunft sich so oder ähnlich ereignen muss.

Wo steht das denn? gruebel
Gon Moku
Es steht im unscheinbaren des von dir geschriebenen, wer die augen der weisheit hat, der sieht.
Tarvoc
Zitat:
Original von Gon Moku
Es steht im unscheinbaren des von dir geschriebenen, wer die augen der weisheit hat, der sieht.

Mit anderen Worten: Du weisst besser als ich selbst, was ich gemeint habe und was nicht. ??!

Dass manche Leute nicht mal zugeben können, wenn sie sich verrannt haben, sondern zu solchen Absurditäten greifen müssen... nunja
Erdling
Zitat:
Original von Desperado

Der Mensch an sich ist innerlich viel zu schwach um aus diesem System auszubrechen und aufzustehen. Mit dem Strom zu schwimmen ist um einiges einfacher als gegen, für etwas zu sein ist leichter als gegen etwas.
Früh hat man sich mit der Situation angegiert, damit zu leben gelernt und nichts unternommen um dieses Leben in Frage zu stellen.


Warum sollten wir auch, wenn wir gelernt haben damit zu leben und nicht etwa zu hinterfragen?


Zitat:
Die vermittelten leistungsorientierten Werte machen die menschliche Seele krank.
Der innere Druck im Leben etwas erreichen zu müssen oder zu wollen lässt kaum Spielraum für Eigenentfaltung der Seele.


Kommt dieser Druck nicht eher von außen? Wir wachsen auf und wissen, dass wir etwas leisten müssen. Wir müssen uns hocharbeiten um "etwas zu werden". Scheitern wir, sind wir am Boden zerstört und können uns womöglich nicht wieder aufraffen - das ist aber nichts neues.
Unsere Gesellschaft hat gewisse Macken, vielleicht sogar ziemlich große.

Zitat:
Wenn die Seele krank ist, ist der Mensch als Ganzes gescheitert. Wenn das Gefühl für die innere Balance mit Natur und seine Umwelt verloren geht ist der Mensch gescheitert. Wenn das menschliche Treiben nur aus Arbeit, Familie und Konsum besteht ist der Mensch gescheitert.


Das ist deine Meinung.
Ich könnte ja sagen, dass ich glücklich bin mit meinem Konsumleben bin. Ich habe Auto, Haus und Familie, einen guten Job und arbeite täglich. Ich habe hart gearbeitet und mache es immer noch. Mir wurde als Kind immer erzählt, es sei toll, Karriere zu machen. Und nun fühle ich mich tatsächlich, als hätte ich etwas erreicht. Bin ich also gescheitert, nur weil ich mich an unsere Konsumgesellschaft angepasst habe? Nein, auf keinen Fall. Schließlich bin ich erfolgreich.

Wir können uns eben kein andere Art zu leben vorstellen. Vielleicht könnten wir eine bessere Welt haben, ja. Aber die müsste uns gezeigt werden, bevor wir uns ernsthafte Gedanken machten, unsere alte Lebensweisen abzugeben.


(Ähnliches wurde hier bereits dikutiert.)
Dyhenist
Zitat:
Original von Desperado
Ich werfe mal eine These in den Raum: Der Mensch ist gescheitert und zwar auf seiner ganzes Linie. Das einzigartige Individuum ist in der heutigen Gesellschaft zu einem kollektiven Puppen- und Marionettentheater verkommen. Verunstaltet durch faule Kompromisse und Erziehungsregeln ist aus dem einzigartigen Lebewesen zu Beginn doch nur ein weiterer Mitläufer geworden. Einer von vielen.

Das Wesen Menschen beugt sich in seinen besten Jahren dem vorherrschenden Druck der Leistungs- und Kapitalgesellschaft. Das Wesen ordnet sich Maximen an, die nur der Produktionsmaximierung dienlich sind. Das Leistungsprinzip wird zu seinem gesellschaftlichen Ordnungsprinzip:

,,,

Wenn die Seele krank ist, ist der Mensch als Ganzes gescheitert. Wenn das Gefühl für die innere Balance mit Natur und seine Umwelt verloren geht ist der Mensch gescheitert. Wenn das menschliche Treiben nur aus Arbeit, Familie und Konsum besteht ist der Mensch gescheitert.


Ja, das ist eine tiefe Wahrheit. Viele Menschen handeln gegen ihr wahres WESEN.

Hier ein Text und Hinweis auf Graf Dürkheim zur Krankheitseinsicht und Heilung:
http://www.helgabuck.de/Texte_vonDuerckheim.html

[url=http://www.helgabuck.de/Texte_vonDuerckheim.html][/url]

"So bedeutet gerade die Situation, in der der Mensch glaubt, sich eigenmächtig über sein Wesen hinwegsetzen zu können und ein Wirklichkeitsbewusstsein, das für Transzendenz keinen Platz hat, zur maßgebenden Instanz macht, den Gipfel menschlicher Unreife, Unfreiheit und Unmündigkeit. Notwendigerweise gerät er in ihr immer mehr in das Leiden, darin die Verdrängung seines Wesens sich kund tut."

Empfehlenswert: Graf Dürkheim - Hara - die Erdmitte des Menschen

Viele Menschen haben sich die Wirklichkeit verzerrt und leben nur noch sinnlich-tierhaft und oberflächlich.

Danke für Deinen Beitrag, Desperado !Gut !
Versucherling
@ Desperado

Nicht dass ich was an deiner Betrachtungsweise der Gesellschaft als falsch hinstellen könnte...
... muss es aber so krass sein? Es bleibt einem ja gar nichts anderes übrig mit deiner Beschreibung, wie gegen den Strom schwimmen zu wollen.

Ich kann dir wirklich nicht sehr widersprechen, sehe aber die Gesellschaft, der Mensch, wie er lebt in seinen Städten und mit seiner Arbeit so ähnlich. Aber gerade als ich gestern mal wieder in der Stadt war ist mir was aufgefallen. Wenn ich unterwegs bin versuche ich nicht das große und ganze zu sehen, sondern jeden Menschen den ich begegne immernoch als Individuum. Man muß sich irgendwie mit der Problematik Gesellschaft und Geld arrangieren, um Leben zu können bzw. gegen den Strom schwimmen zu können. Demnach sehe ich einen Kreis in meinen Ausflügen durch die Menschenwelt in der von dir Schwarz gemalten. Aber ich versuche auch das zu sehen, was unabhängig davon besteht und es ist für mich wahrlich schwer zu entdecken. Muß das Indivduelle in all den Menschen da draußen doch zu finden zu sein.
Aber was mir gestern so gekommen ist, um bei deinem Gesellschaftsbild zu bleiben...
Die Gesellschaft, eine Stadt, eine Wirtschaftsinstitution oder gar eine Arztpraxis für sich ist wie ein Ameisenhaufen. Ich finde einen Ameisenhaufen faszinierend.
So kann ich zu mindest die Welt durch eine positive Brille betrachten.
Was ich mich gefragt habe, was uns nun von den Ameisen unterscheidet. Und ich konnte nicht viel entdecken. Im Grunde, so ist meine Sicht, versuchen wir uns alle einfach nur zu beschäftigen. Der eine läßt sein Fliegerchen am Wochenende auf dem Freizeitplatz fliegen und der andere schnappt sich die Gitarre und verzieht sich eine Stunde lang im sonst stillen Kämmerchen. Der eine versucht seine Zeit damit zu gestallten ein Buch zu schreiben und der andere ließt es.
Und es gibt eigentlich nur einen unterschied den ich entdeckt habe, abgesehen davon dass Ameisen nicht lesen, schreiben oder musizieren können(manch einer lebt vielleicht tatsächlich als Ameise) und das ist die Fähigkeit zu lieben.
Eine bewundernswerte Fähigkeit. Kann ich noch nicht sagen, ob sie wundervoll gut ist oder wundervoll beschissen.
Vielleicht sollte man versuchen ein Sandkorn zu sein!?
Da wird man wenigstens getragen Zwinker
metin
Zitat:
Original von Erdling
Warum sollten wir auch, wenn wir gelernt haben damit zu leben und nicht etwa zu hinterfragen?

Die Leute, die alles hinterfragen werden nicht akzeptieren, weil sie unbequem sind.
Aber solche Leute sind wichtig, weil sie etwas deutlich machen, was als Selbstverständlich gilt
Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
Neo
Zitat:
Original von Erdling
Zitat:
Die vermittelten leistungsorientierten Werte machen die menschliche Seele krank.
Der innere Druck im Leben etwas erreichen zu müssen oder zu wollen lässt kaum Spielraum für Eigenentfaltung der Seele.


Kommt dieser Druck nicht eher von außen?

Natürlich.

Zitat:
Original von Erdling
Wir wachsen auf und wissen, dass wir etwas leisten müssen. Wir müssen uns hocharbeiten um "etwas zu werden". Scheitern wir, sind wir am Boden zerstört und können uns womöglich nicht wieder aufraffen - das ist aber nichts neues.

Muss man es deswegen akzeptieren, nur weil es 'immer schon so war' ?

Zitat:
Original von Erdling
Unsere Gesellschaft hat gewisse Macken, vielleicht sogar ziemlich große.

Allerdings.


Zitat:
Original von Erdling
Zitat:
Wenn die Seele krank ist, ist der Mensch als Ganzes gescheitert. Wenn das Gefühl für die innere Balance mit Natur und seine Umwelt verloren geht ist der Mensch gescheitert. Wenn das menschliche Treiben nur aus Arbeit, Familie und Konsum besteht ist der Mensch gescheitert.


Das ist deine Meinung.

Irrtum. Dass die Seee dabei krank wird ist eine Tatsache, die sich objektiv u.a. anhand der zunemenden Zahl von Depressionen, Burnouts und Angststörungen feststellen lässt.

Zitat:
Original von Erdling
Ich könnte ja sagen, dass ich glücklich bin mit meinem Konsumleben bin. Ich habe Auto, Haus und Familie, einen guten Job und arbeite täglich. Ich habe hart gearbeitet und mache es immer noch. Mir wurde als Kind immer erzählt, es sei toll, Karriere zu machen. Und nun fühle ich mich tatsächlich, als hätte ich etwas erreicht. Bin ich also gescheitert, nur weil ich mich an unsere Konsumgesellschaft angepasst habe? Nein, auf keinen Fall. Schließlich bin ich erfolgreich.

Nun, vielen Menschen meiner Generation wurde als Kind oder als Jugendlicher vorgemacht, dass es unheimlich 'cool', 'männlich' und 'erwachsen' ist, zu rauchen wie ein Schlot und zu saufen wie ein Kesselflicker. In einigen Teilen der Republik ist das auch heute noch so. Wer bereits nach 2 Maß Bier aus den Latschen kippt ist ein 'Vertragenix'. Und zuerst ist das ja auch ganz toll. Bis dann der gesundheitliche oder psychische Ruin kommt.
Ich weiss nicht ob das Komsaufen in der heutigen Jugend etwas ähnliches ist, möglicherweise kommt es auf anderem Wege zustande, es wird nicht mehr von den Erwachsenen vorgelebt. Ich könnte mir jedoch vorstellen dass es dieselben Ursachen hat, nämlich nur das Krankheitssysmptom einer psychisch kranken Gesellschaft ist. Die harten Drogen der 70er Jahre (v.a. Heroin) war sicher so etwas wie eine Flucht und Protestreaktion der Jugend gegen die unmenschliche und sinnbefreite gesellschaftliche Leistungsmaschinerie (der Ausdruck 'Null-Bock-Genration' kam etwa zurselben Zeit auf, ist aber auch heute noch aktuell). Oder es war möglicherweise nur die letzte Konsequenz dieser gesellschaftlichen Ideologie, dass mit 'immer mehr' auch automatisch immer mehr Glück und Wohlbefinden zu erreichen sei, und dies mit aller Radikalität vollzogen, wie es Manfred Lütz ausdrückt.

Zitat:
Original von Erdling
Wir können uns eben kein andere Art zu leben vorstellen. Vielleicht könnten wir eine bessere Welt haben, ja. Aber die müsste uns gezeigt werden, bevor wir uns ernsthafte Gedanken machten, unsere alte Lebensweisen abzugeben.

ja, die gleiche Argumentation hat auch ein Drogensüchtiger, der keine Veranlassung sieht, die Anstrengung eines Entzugs auf sich zu nehmen, nur um dann wieder in derselben beschissenen Welt aufzuwachen.
Nicht er müsse etwas für sich tun, so seine Logik, sondern die anderen etwas für ihn, oder ihm wenigstens eine bessere Welt versprechen und zeigen, damit es sich für ihn lohnt, etwas zu ändern.

Gruß
mark
Zitat:
Original von Neo
Oder es war möglicherweise nur die letzte Konsequenz dieser gesellschaftlichen Ideologie, dass mit 'immer mehr' auch automatisch immer mehr Glück und Wohlbefinden zu erreichen sei, und dies mit aller Radikalität vollzogen, wie es Manfred Lütz ausdrückt.

Zitat:
Original von Erdling
Wir können uns eben kein andere Art zu leben vorstellen. Vielleicht könnten wir eine bessere Welt haben, ja. Aber die müsste uns gezeigt werden, bevor wir uns ernsthafte Gedanken machten, unsere alte Lebensweisen abzugeben.

ja, die gleiche Argumentation hat auch ein Drogensüchtiger, der keine Veranlassung sieht, die Anstrengung eines Entzugs auf sich zu nehmen, nur um dann wieder in derselben beschissenen Welt aufzuwachen.
Nicht er müsse etwas für sich tun, so seine Logik, sondern die anderen etwas für ihn, oder ihm wenigstens eine bessere Welt versprechen und zeigen, damit es sich für ihn lohnt, etwas zu ändern.


in deinem letzten lütz-zitat steht genau das gegenteil: er drogenabhängige als prototyp der eigenmachbarkeit des glücks verfallene.

gruss
Erdling
Zitat:
Original von Neo

Zitat:
Original von Erdling
Zitat:
Wenn die Seele krank ist, ist der Mensch als Ganzes gescheitert. Wenn das Gefühl für die innere Balance mit Natur und seine Umwelt verloren geht ist der Mensch gescheitert. Wenn das menschliche Treiben nur aus Arbeit, Familie und Konsum besteht ist der Mensch gescheitert.


Das ist deine Meinung.

Irrtum. Dass die Seee dabei krank wird ist eine Tatsache, die sich objektiv u.a. anhand der zunemenden Zahl von Depressionen, Burnouts und Angststörungen feststellen lässt.




Natürlich gibt es zahlreiche, vielleicht zu viele Fälle von Überarbeitung und Depressionen infolge von Leistungsdruck und den Anforderungen, die unsere Gesellschaft an den einzelnen stellt.
Es klang nur so, als ob man bei unserem Lebensstil gar keine Möglichkeit hätte, glücklich zu werden. Arbeit und Konsum aber setzen doch nicht voraus, dass man sich selbst vernachlässigt.
Dass es manchmal der Fall ist, kann ich nicht bestreiten.

Zitat:

Zitat:
Original von Erdling
Ich könnte ja sagen, dass ich glücklich bin mit meinem Konsumleben bin. Ich habe Auto, Haus und Familie, einen guten Job und arbeite täglich. Ich habe hart gearbeitet und mache es immer noch. Mir wurde als Kind immer erzählt, es sei toll, Karriere zu machen. Und nun fühle ich mich tatsächlich, als hätte ich etwas erreicht. Bin ich also gescheitert, nur weil ich mich an unsere Konsumgesellschaft angepasst habe? Nein, auf keinen Fall. Schließlich bin ich erfolgreich.


Nun, vielen Menschen meiner Generation wurde als Kind oder als Jugendlicher vorgemacht, dass es unheimlich 'cool', 'männlich' und 'erwachsen' ist, zu rauchen wie ein Schlot und zu saufen wie ein Kesselflicker. In einigen Teilen der Republik ist das auch heute noch so. Wer bereits nach 2 Maß Bier aus den Latschen kippt ist ein 'Vertragenix'. Und zuerst ist das ja auch ganz toll. Bis dann der gesundheitliche oder psychische Ruin kommt.



Das sind wohl unvermeidbare Folgen eines Lebens im Suff. Aber kann man das mit Werten wie Erfolg und Karriere vergleichen, die Kindern oder Jugendlichen vermittelt werden?
Schließlich kann es hier auch gut ausgehen.


Zitat:

Zitat:
Original von Erdling
Wir können uns eben kein andere Art zu leben vorstellen. Vielleicht könnten wir eine bessere Welt haben, ja. Aber die müsste uns gezeigt werden, bevor wir uns ernsthafte Gedanken machten, unsere alte Lebensweisen abzugeben.


ja, die gleiche Argumentation hat auch ein Drogensüchtiger, der keine Veranlassung sieht, die Anstrengung eines Entzugs auf sich zu nehmen, nur um dann wieder in derselben beschissenen Welt aufzuwachen.


Nur mit dem Unterscheid, dass sich der Drogensüchtige der "beschissenen Welt" bewusst ist, die außerhalb des Rausches auf ihn wartet. Wir hingegen leben schon in dieser Welt und kennen keine andere. Und viele finden sie ja auch gut genug.


Zitat:

Nicht er müsse etwas für sich tun, so seine Logik, sondern die anderen etwas für ihn, oder ihm wenigstens eine bessere Welt versprechen und zeigen, damit es sich für ihn lohnt, etwas zu ändern.


Aber wir verlangen ja nicht einmal eine grundlegende Änderung. Daran hapert es doch.


@metin

Niemand mag Leute, die zu viele Fragen stellen. Deswegen bringt man Kindern auch Fakten bei und drängt sie nicht, sie zu hinterfragen Zwinker
Neo
@ mark:
Zitat:
Geschrieben von mark am 22.03.2011 um 09:34:

in deinem letzten lütz-zitat steht genau das gegenteil: er drogenabhängige als prototyp der eigenmachbarkeit des glücks verfallene.


Ja – und was genau willst Du mir jetzt damit sagen?
Du weißt selbst, dass sich das nur scheinbar widerspricht, jedenfalls so wie Du es hier zusammengeführt hast.
Das eine beschreibt den Hintergrund für den Beginn einer ‚Drogistenkarriere’, das andere die mangelnde Motivation für das Beenden.

Das eine zeigt die Folgen des Machbarkeitswahns wenn man ihn verharmlost und als die Normalität hinstellt, das andere den daraus resultierenden Realitätsverlust, die Weigerung, aus diesem Wahn wieder auszusteigen.

Aber Dein rhetorisches Mittel ist natürlich leicht durchschaubar: kann man natürlich erst mal gewaltig Eindruck schinden bei den Lesern, wenn man mit spitzen Fingern aufzeigt: ‚Hab ich Dich erwischt, du widersprichst dir ja selbst, deswegen braucht man das auch nicht ernst zu nehmen!’


@ Erdling:
Zitat:
Original von Erdling:
Das sind wohl unvermeidbare Folgen eines Lebens im Suff. Aber kann man das mit Werten wie Erfolg und Karriere vergleichen, die Kindern oder Jugendlichen vermittelt werden?
Schließlich kann es hier auch gut ausgehen.

Freilich kann das gutgehen. Es heisst ja nicht dass jeder Alkoholiker schon morgens besoffen unter der Straßenlaterne liegt. Ich bin auch davon überzeugt, dass sog. Spiegeltrinker das tatsächlich lange Zeit durchhalten können, ohne ernste gesundheitliche Schäden zu bekommen.
Manche Frauen werden steinalt damit, dass sie sich jeden Tag ihr 0,33 Fläschchen Klosterfrau Melissengeist in den Tee schütten (und das sind 80% reiner Alkohol wohl gemerkt!, das entspricht etwa 13 Flaschen Bier). Vlt schaffen es sogar einige, die jeden Tag auf Koks sind, ihre Leistungsfähigkeit und Kreativität zu vervielfachen und dabei trotzdem über längere Zeit keinen Schaden zu nehmen. Und sicher gibt es genügend Beispiele für Workaholics die mit 4-5 Stunden Schlaf auskommen und von Früh bis Spät malochen, ohne einen Burnout zu kriegen.
Die Frage ist aber doch, warum man das tun sollte und was der Preis dafür ist.
So etwas wie ‚Wertevermittlung’ für die Jugend kann ich in der Forderung ‚Leistungsbereitschaft um jeden Preis’ leider beim besten Willen nicht mehr erkennen, und schon gar nicht allein dadurch, dass man es ihnen vormacht, weil ‚man es halt so macht’, ohne kritisch nach dem Sinn und Zweck des ganzen zu fragen.

Was hier vermittelt wird ist ein gesellschaftskonformes Anfixen mit der Droge „Wert“, aber ‚Wert’ nicht im ethischen sondern im ökonomisch marxschen Sinne.

Zitat:
Neo:
Nicht er müsse etwas für sich tun, so seine Logik, sondern die anderen etwas für ihn, oder ihm wenigstens eine bessere Welt versprechen und zeigen, damit es sich für ihn lohnt, etwas zu ändern.

Zitat:
Erdling:
Aber wir verlangen ja nicht einmal eine grundlegende Änderung. Daran hapert es doch.

Ich weiss. Das ist ja das traurige. Ein Drogenabhängiger verlangt ja auch nicht, dass sich die Welt ändert, das ist ihm nämlich herzlich wurscht, solange er nur genug Stoff kriegt, um sich ‚dicht’ zu machen.
Anders verhält es sich, wenns ihm halt irgendwann dreckig geht, dann erwartet er Hilfe von anderen.
Und so ist es halt auch bei den Normalos (den nach Lütz sog. 'Normopathen'). Wenn alle Freunde weg sind, die Beziehung im *Hintern*, der Nervenzusammenbruch da ist weil der ständige Wechsel zwischen Schlaftrunk, Hallo-Wach und Beruhigungspillen (um das Zittern in Griff zu kriegen)- nur um in der Leistungsgesellschaft zu funktionieren - das Gehirn zerfetzt hat, dann wird’s halt langsam n' büschen eng mit der sog. Wertevermittlung.
Welche Werte willst Du denn dem noch vermitteln? Dass der Erfolg, die Karriere, die vielen Aktien die er dafür jetzt besitzt, das alles wert war?
Dann plötzlich fällt ihm auf, dass die ach so schlechte Welt schuld an seinem Elend ist, die Banker, die Politiker, die habgierigen Kapitalisten. Selbst dann käme er immer noch nicht auf die Idee, die Ursache in dem krankhaften Wertesystem zu suchen, in welches auch diese anderen Funktionsträger nur eingebunden sind. Würde diese Einsicht kollektiv gelingen, dass nicht die gottegebene Schlechtigkeit der Menschen, sondern deren kranhaftes Suchtverhalten (welches zu unterlassen man die Wahl hat, zumindest am Anfang!)und der Mißbrauch der Droge (Erfolg, Wert, Macht) die Ursachen für das Elend sind, dann wäre der Weg frei für eine bessere Welt.
Nur leider ist man sich halt während man Drogenabusus betreibt sich dessen nicht bewußt, dass man krank ist. Das ist die Crux an der ganzen Geschichte.


Gruß
Shui
@Desperado
Zitat:
für etwas zu sein ist leichter als gegen etwas.

Man kann für etwas sein, oder gegen etwas anderes zu sein? O.o

Zitat:
heute wieder so aktuelle Burnout-Syndrom ist eines der Symptome

Das hat zweifellos mehr Ursachen, als das Leistungsprinzip.

Zitat:
auch die vielen kleinen „modernen“ Krankheiten wie Neid und Missgunst

Kain und Abel waren modern? Erstaunlich…
Vergiss nicht solche modernen Todsünden, wie essen, trinken und schlafen.
Auch das ständige Atmen ist ein Problem der modernen Leistungsgesellschaft, früher da haben sich die Leute mal eine Pause gegönnt, aber heutzutage… Ja, damals in Utopien, da war alles besser, jeden Tag schien die Sonne (auch nachts), die Bäume zwitscherten und die Vögel blühten. Lustig tollten die Blumen auf den Feldern und Kaninchen servierten Kaffee und Kuchen…


@Tarvoc
Naja, es gab zweifellos ein „früher“ das anders war und von dem wir zweifellos abstammen. Aber ich glaube, zu dieser Zeit sprach man noch nicht von einer „Gesellschaft“ ^^


@Gon Moku
Zitat:
Es steht im unscheinbaren des von dir geschriebenen, wer die augen der weisheit hat, der sieht.

Und wer die Augenn der willkürlichen Interpretation und Einbildung hat, der sieht auch ganz viel. Wie man bei dir sieht, sieht man dabei auch vieles, was da gar nicht zu sehen ist.


@Dyhenist
Zitat:
Viele Menschen handeln gegen ihr wahres WESEN.

Was ist denn das wahre Wesen der Menschen? Woher soll das kommen?


@metin
Zitat:
Die Leute, die alles hinterfragen werden nicht akzeptieren, weil sie unbequem sind.

Die Leute, die ALLES hinterfragen, haben auch einen an der Waffel.
Die Leute, die gezielt bestimmte Sachen hinterfragen, sind viel zu selten. Nicht, weil sie unangenehm sind, sondern weil die meisten einfach keine Lust/Intention haben, großartig etwas zu hinterfragen.
mark
Zitat:
Original von Neo
@ mark:
Zitat:
Geschrieben von mark am 22.03.2011 um 09:34:

in deinem letzten lütz-zitat steht genau das gegenteil: er drogenabhängige als prototyp der eigenmachbarkeit des glücks verfallene.


Ja – und was genau willst Du mir jetzt damit sagen?

es passt nicht zusammen.
Zitat:

Du weißt selbst, dass sich das nur scheinbar widerspricht, jedenfalls so wie Du es hier zusammengeführt hast.
Das eine beschreibt den Hintergrund für den Beginn einer ‚Drogistenkarriere’, das andere die mangelnde Motivation für das Beenden.

weiss ich nicht und von beenden oder anfangen steht da nirgends was.
der drogenabhängige, nicht etwa jemand, der damit liebäugelt, wird einmal beschrieben als einem kuriosen machbarkeitswahn verfallen, einmal als genau das gegenteil.
ein doppelter griff ins klo, würde ich sagen.
Zitat:

Das eine zeigt die Folgen des Machbarkeitswahns wenn man ihn verharmlost und als die Normalität hinstellt, das andere den daraus resultierenden Realitätsverlust, die Weigerung, aus diesem Wahn wieder auszusteigen.
drogenabhängigkeit ist dort nicht beschreiben als folge eines machbarkeitswahns sondern als dessen konsequente umsetzung. ersteres ergäbe mit deiner darstellung noch einen sinn, letzteres nicht.
und wo sich zu weigern einen sinn ergibt, da ist auch kein wahn. abgesehen davon, dass drogenabhängigkeit kein wahn ist. das wort passt dir nur so schön in dein wischiwaschiegerede von der pathologie allem, was dir irgendwie nicht passt.
[quote]
Aber Dein rhetorisches Mittel ist natürlich leicht durchschaubar: kann man natürlich erst mal gewaltig Eindruck schinden bei den Lesern, wenn man mit spitzen Fingern aufzeigt: ‚Hab ich Dich erwischt, du widersprichst dir ja selbst, deswegen braucht man das auch nicht ernst zu nehmen!’

RoFL
du machst mir spass.
du machst dir da auch ganz falsche vorstellungen, ich bin nicht der meinung, dass man dich erwischen müsste, man muss nur mal zuhören, der rest ergibt sich ganz von selbst.

gruss
Desperado
Neo
Zitat:
Original von mark
du machst dir da auch ganz falsche vorstellungen, ich bin nicht der meinung, dass man dich erwischen müsste, man muss nur mal zuhören, der rest ergibt sich ganz von selbst.

Freude Jojo.

@Desperado:
Danke für den Link.

Daraus:
"Seit ich mein eigenes Unternehmen habe, schufte ich sieben Tage die Woche", erzählt die erfolgreiche Geschäftsfrau. "Einen Urlaub habe ich seit zwei Jahren nicht mehr gemacht." Bevor sie in Thailand ankam, sei sie total verspannt gewesen und aus dem Gleichgewicht geraten, sie habe "Sehnen wie Gitarrensaiten gehabt und viel zu viel Zucker gegessen".

Heleen versucht abzuschalten. Sie hat zum ersten Mal ihren Computer daheim gelassen, das Handy ausgeschaltet, und zum Glück gibt es auf den Zimmern keine Fernseher. So weiß sie zwar ausnahmsweise mal nicht, was in der Welt so vor sich geht, welche Regierungen gestürzt und welche Kriege neu ausgebrochen sind. Stattdessen hört sie "nachts die Frösche quaken und das Meer rauschen". Langsam baut auch Heleen den Stress ab. Kamalaya sei zwar nicht gerade ein Schnäppchen, die günstigste Übernachtung kostet je Doppelzimmer rund 165 Euro. Aber immerhin - "es ist eine Investition in mich selbst".


Mehr braucht man dazu eigentlich nicht mehr zu sagen damit auch der letzte erkennen kann, wie krank das ganze ist.
Heute ist es nicht mehr Koks das sich die Schickeria reinzieht um immer noch mehr powern zu können, nein, heute fliegt man nach Thailand in ein Spa Ashram. Finanziell in etwa der gleiche Aufwand, aber wenigstens keine Chemie. Lediglich der Zweck ist bei beiden Methoden derselbe: Performance, und zwar in jeder Hinsicht.
Gut, wenn man dann sein Viagra nicht zu Hause vergessen hat, um es der Masseurin 'Ruby' mal nach allen Reglen der Kunst besorgen zu können. V.a. wenn man auch noch Silvio heisst. großes Grinsen
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von Desperado
Das einzigartige Individuum ist in der heutigen Gesellschaft zu einem kollektiven Puppen- und Marionettentheater verkommen.

Das ist Paradox, ist doch die Individualisierung und Subjektivierung ein Prozess, der mit der modernen Gesellschaft erst einsetzt; also genau der Gesellschaft, die du kritisierst. Wie passt das zusammen?!

Zitat:
Verunstaltet durch faule Kompromisse und Erziehungsregeln ist aus dem einzigartigen Lebewesen zu Beginn doch nur ein weiterer Mitläufer geworden. Einer von vielen.

Das Wesen Menschen beugt sich in seinen besten Jahren dem vorherrschenden Druck der Leistungs- und Kapitalgesellschaft. Das Wesen ordnet sich Maximen an, die nur der Produktionsmaximierung dienlich sind. Das Leistungsprinzip wird zu seinem gesellschaftlichen Ordnungsprinzip

Irre ich mich, oder steckt da implizit die traditionelle Vorstellung vom Natur-Kultur-Konflikt hinter? Nennen wir das Kind doch beim Namen...
Erdling
Neo:

Zitat:
Original von Neo

@ Erdling:
Zitat:
Original von Erdling:
Das sind wohl unvermeidbare Folgen eines Lebens im Suff. Aber kann man das mit Werten wie Erfolg und Karriere vergleichen, die Kindern oder Jugendlichen vermittelt werden?
Schließlich kann es hier auch gut ausgehen.

Freilich kann das gutgehen. Es heisst ja nicht dass jeder Alkoholiker schon morgens besoffen unter der Straßenlaterne liegt. Ich bin auch davon überzeugt, dass sog. Spiegeltrinker das tatsächlich lange Zeit durchhalten können, ohne ernste gesundheitliche Schäden zu bekommen.
Manche Frauen werden steinalt damit, dass sie sich jeden Tag ihr 0,33 Fläschchen Klosterfrau Melissengeist in den Tee schütten (und das sind 80% reiner Alkohol wohl gemerkt!, das entspricht etwa 13 Flaschen Bier). Vlt schaffen es sogar einige, die jeden Tag auf Koks sind, ihre Leistungsfähigkeit und Kreativität zu vervielfachen und dabei trotzdem über längere Zeit keinen Schaden zu nehmen. Und sicher gibt es genügend Beispiele für Workaholics die mit 4-5 Stunden Schlaf auskommen und von Früh bis Spät malochen, ohne einen Burnout zu kriegen.


Gewöhnlich ist das aber nicht. Es sind eher die Ausnahmefälle, das jemand keine Schäden durch dauerhaften Drogenkonsum davonträgt oder auch mit extrem wenig Schlaf zurecht kommt.

Gewöhnlich ist wohl eher das Leben als braver Arbeiter der durchschnittlich verdient, einen anständigen Job hat und schon hart arbeitet, aber deshalb nicht irgendwann tot umfällt.


Zitat:


Zitat:
Erdling:
Aber wir verlangen ja nicht einmal eine grundlegende Änderung. Daran hapert es doch.

Ich weiss. Das ist ja das traurige. Ein Drogenabhängiger verlangt ja auch nicht, dass sich die Welt ändert, das ist ihm nämlich herzlich wurscht, solange er nur genug Stoff kriegt, um sich ‚dicht’ zu machen.
Anders verhält es sich, wenns ihm halt irgendwann dreckig geht, dann erwartet er Hilfe von anderen.
Und so ist es halt auch bei den Normalos (den nach Lütz sog. 'Normopathen'). Wenn alle Freunde weg sind, die Beziehung im *Hintern*, der Nervenzusammenbruch da ist weil der ständige Wechsel zwischen Schlaftrunk, Hallo-Wach und Beruhigungspillen (um das Zittern in Griff zu kriegen)- nur um in der Leistungsgesellschaft zu funktionieren - das Gehirn zerfetzt hat, dann wird’s halt langsam n' büschen eng mit der sog. Wertevermittlung.



Diese Werte hat derjenige quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen, oder mit dem Brei der Erziehung, mit dem über Jahre seiner Kindheit hinweg löffelweise gefüttert wurde. Jetzt kann er wohl nicht mehr nach ihnen leben. Tja, Pech gehabt.

So ist ja leider immer noch die Meinung derer, die nicht selbst betroffen sind. Jemand der tatsächlich Erfolg hat und Karriere macht, hat auch keinen Grund sich zu beschweren. Er ist immer auf dem einzigen Weg geblieben, den es für in in der Gesellschaft gab: Stufe für Stufe auf der Karriereleiter.
Er hat so gelebt, wie man es von ihm erwartet hat. Ihm ist es gelungen.

Solche Beispiele sind es, die die Jungen immer wieder anspornen. Es ist möglich, erfolgreich zu sein, wenn man sich anstrengt. Das ist jedem klar, also versucht es jeder. Manche scheitern, manche nicht.


Zitat:
Welche Werte willst Du denn dem noch vermitteln? Dass der Erfolg, die Karriere, die vielen Aktien die er dafür jetzt besitzt, das alles wert war?


Ich will gar keine Werte vermitteln smile
Vielleicht war der Begriff auch ein wenig unglücklich. man kann schließlich nicht nach Werten leben, um sie irgendwann zu erfüllen. Begriffe wie Erfolg und Leistung sind wohl eher so etwas wie grundsätzliche Lebensziele, die jeder hat / haben soll. Ganz einfach weil das Erreichen dieser ziele als Vorraussetzung für ein gutes Leben in der Gesellschaft gilt.
Jeder will ein gutes Leben, also schlagen alle den einzigen Weg ein, der sich ihnen bietet: Der harte Weg des Erfolgs.

Versteh mich nicht falsch, ich finde dieses ganze System auch nicht angenehm. Es hat zweifellos Macken - sogar ganz erhebliche. Allerdings tu ich mich schwer damit, einzusehen, wie selbst das Leben eines normalen Arbeitenden in diesem System so offensichtlich schlecht sein soll.
Sicher gibt es viele Opfer des Systems, bestimmt leiden zahlreiche Menschen unter dem enormen Leistungsdruck. Das sind zweifellos Gründe genug, um sich Gedanken über eine Änderung zu machen.
Aber mehr eben nicht. Solange man Betroffene als sogenannte Einzelfälle abtun kann und man bestenfalls Artikel über die Volkskrankheit "Burnout" lesen kann, in denen dann auch noch beschrieben wird, was derjenige an sich selbst ändern muss, glaube ich nicht, dass das das System ändern wird.
Die Macken des Systems sind anscheinend nicht offensichtlich. Sonst sähje es bereits anders aus.