Loa
Eine Familie mit 6 Kindern lebt in einer 1-Zimmer-Wohnung. Sie sind sehr arm und müssen nicht selten mit knurrendem Magen ins Bett gehen. Man kommt gerade so über die Runden, aber das Geld reicht hinten und vorne nicht und die Perspektiven der Kinder sind entsprechend mager.
Der älteste Sohn ist volljährig und über die Situation recht frustriert. Er sieht dass andere Leute Geld haben, seine eigene Familie aber nicht.
Eine normale Arbeit würde ihm gerade so viel Geld einbringen, dass man nicht verhungern müsste und für eine bessere Ausbildung steht kein Geld zur Verfügung.
Der Sohn entschließt sich Drogendealer zu werden. Er geht ins Ausland und innerhalb von einigen Jahren hat er tatsächlich eine hübsche Summe zusammenbekommen, mit er er nun seiner Familie helfen kann.
Er geht immer noch - wie eh und je - jeden Sonntag in die Kirche und betet andächtig zu Gott. (am Montag verkauft er dann die nächsten Drogen)
Wenn man ihn fragt wie es mit seiner moralischen Auffassung steht, erzählt er einem, dass er nur 2 Möglichkeiten hatte: entweder weiterhungern und ein Leben im Elend führen, wie es schon seine Eltern getan haben, oder aber auf diese Art Geld verdienen.
Er hat kein Problem damit zu Gott zu beten, denn der Mensch kann eben nicht perfekt sein und man muss eben sehen wo man im Leben bleibt.
Aurom
der bengel gefällt mir...nur schade, dass er immer noch in die kirche geht
Loa
eines tages stieg der bengel in ein taxi weil er einen dringenden termin wahrnehmen musste. der taxifahrer namens aurom machte leider einen gravierenden fehler als er ihm das wechselgeld für die fahrt herausgeben wollte: er öffnete einen dicken geldbeutel in dem einige große scheine zum vorschein kamen.
der bengel riß ihm das geld aus der hand und machte sich aus dem staub. er kaufte damit ein paar hübsche weihnachtsgeschenke für seine arme familie.
aurom aber ärgerte sich sehr und fand das irgendwie gar nicht lustig
Loa
Ok, also jetzt mal im ernst...ist das Thema so unattraktiv, oder warum äußert sich sonst keiner dazu?
carsten aus bochum
Vielleicht weil wir alle ein bisschen so sind?
Carsten
Chris
| Zitat: |
Original von Loa
Ok, also jetzt mal im ernst...ist das Thema so unattraktiv, oder warum äußert sich sonst keiner dazu? |
Es ist ziemlich schwierig einen solchen Fall einzuschätzen. Ich habe es gerade eben schon versucht, aber geschafft habe ich es nicht. Wenn ich es
müsste, weil es mein Job ist (z.B. als Richter), hätte ich wenigstens vorgefertigte Instanzen (BGB), die mir diese Entscheidung, wenn auch nicht abnehmen, zumindest erleichtern. Aus dem Stegreif klappt da bei mir nichts. Es kommt auch darauf an, vor wem er sich dafür rechtfertigen müsste.
Wenn er das allerdings nur noch macht, weil er Spaß daran hat und weil es "so schön einfach" ist, dann hätte ich kein Verständnis dafür. Solange er mit ganzem Herzen dabei ist, eine andere Methode zu finden, mit der er seiner Familie helfen könnte, würde ich ihn dabei unterstützen.
Raven
Ich denke nicht, um direkt auf diese Geschichte zu antworten, dass Elend das Handeln eines Menschen rechtfertigen könnte.
Das Wissen um die Lebensumstände eines Menschen, oder überhaupt um den Umstand, der ihn (vermutlich) zu seinem Handeln gebracht hat macht das Handeln an sich vielleicht verständlich(er), aber es rechtfertigt die Tat nicht.
Mord ist Mord. Ob ich meinen Mann umbringe, weil er mich andauernd schlug, oder einfach nur um an seine beträchtliche Lebensversicherung zu kommen ist vollkommen egal. Das eine würden wir vielleicht weniger abwerten als das andere, aber letztendlich wird deshalb die Tat dadurch nicht gerechtfertigt - sie bleibt, was sie ist.
Gruß,
Raven
Oli
Nahezu jeder Kriminelle ist das Produkt einer verkorksten Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die Not leiden müssen, verdient diesen Namen (Gesllschaft) nicht.
Raven
| Zitat: |
Original von Oli
Eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die Not leiden müssen, verdient diesen Namen (Gesllschaft) nicht. |
Könnte es den jemals eine Gesellschaft geben, in der niemand Not leidet?
Gruß,
Raven
d-fens
Man neigt heute irgentwie dazu, die Gründe für Straftaten auf gesellschaftliche umstände zurück zu führen. Dabei entsteht dann solcher Unsinn wie: "Der ist ja arm und konnte nicht anders als xy umzubringen." Wenn jemand eine Strafttat begeht, dann ist er dafür schuldig, punkt aus.
Eine andere Sache, die sehr wohl von der gesellschaftlichen(und oft leider auch der sozialen) Umstände abhängt, ist das Bewusstsein für Recht, Unrecht, Schuld etc., was natürlich erst erlernt werden muss.
Chris
Es gibt bei jedem Menschen aber nur eine bestimmte Grenze der Belastbarkeit. Wenn diese überschritten wird, würde wahrscheinlich jeder kriminell handeln. Das einzige, was man selbst beeinflussen kann, ist, wie hoch diese Grenze liegt. Ein Film, der dieses Thema auch ein wenig anschneidet, ist "Dogville" von Lars von Trier. Es war schon brutal, was Nicole Kidman da am Ende mit den Bewohnern des Dorfes hat machen lassen, aber ehrlich gesagt empfand ich nur sehr wenig Mitleid mit ihnen.
Oli
| Zitat: |
| Könnte es den jemals eine Gesellschaft geben, in der niemand Not leidet? |
Ja.
mark
hallo loa,
| Zitat: |
Original von Loa
Ok, also jetzt mal im ernst...ist das Thema so unattraktiv, oder warum äußert sich sonst keiner dazu? |
vielleicht weil schon zuviel brecht gelesen wurde zum thema moralisch sein in einer unmoralischen/amoralischen umgebung...
in dieser beziehing fand ich immer dass es darüber hinaus nichts zu sagen gibt.
...betretene mienen danken es ihnen...
gruss
Loa
Hallo Jungs und Mädels,
schön dass ihr euch doch noch gemeldet habt.
Ich kann eure Meinungen gut nachvollziehen, aber wenn die meisten Menschen sich darüber einig sind, dass die Moral sozusagen erst nach dem Essen kommt, habe ich den Eindruck, dass das alles im Grunde nur Heuchelei ist.
Man verhält sich ja dann nur deshalb anständig, weil es einem gerade sowieso nicht viel abverlangt, aber nicht aus echter Überzeugung.
Meiner Meinung nach muss man bereit sein für seine Prinzipien zu sterben, oder aber wenn man dazu nicht bereit ist, muss man eben eingestehen, dass man korrupt ist und keine echten Prinzipien hat. Es ärgert mich dann in letzterem Fall umso mehr, wenn in unserer Gesellschaft ständig der moralische Zeigefinger gehoben wird.
Sollten wir uns nicht einfach öffentlich eingestehen, dass wir einfach nur überleben wollen?
Und um es noch weiter zu treiben: Wie kommt man bei uns auf die Idee, die Menschen anzuklagen, die zB den Regenwald roden, oder zur Ausrottung seltener Tierarten beitragen, wenn man gleichzeitig weiß, dass man es in ihrer Situation wahrscheinlich genauso machen würde.
Es wird darüber gejammert, dass die bösen Armen unsere schöne Erde zugrunderichten, aber nicht darüber dass es diesen Armen so schlecht geht, dass sie dazu gezwungen werden.
Die größte Dreistigkeit ist es wenn man dann eine "Rettet den Regenwald"- Aktion startet und den Menschen hilft um den Wald zu retten. Würden diese Menschen den Wald nicht roden, wäre es wohl nicht nötig ihnen zu helfen....
carsten aus bochum
Hi Mädel,
| Zitat: |
| Meiner Meinung nach muss man bereit sein für seine Prinzipien zu sterben, oder aber wenn man dazu nicht bereit ist, muss man eben eingestehen, dass man korrupt ist und keine echten Prinzipien hat. |
Nee, ist mir zu grobschlächtig, vieles krankt bei Diskussionen um Moral und Werte ohnehin daran, das es entweder nur die Moral als Keule oder den absoluten Werteverfall gibt.
Höhere Moral kennt aber gerade Zwischentöne und hat wenig mit dem moralinsauren, wie versaue ich mir mein Leben, zu tun.
Carsten
Raven
Das Moralempfinden des Menschen hat sich in den Jahren der Evolution einfach nicht sehr viel weiterentwickelt.
Die menschliche Intelligenz ja, und zwar enorm - das sieht man schon am gewaltigen technischen Fortschritt.
| Zitat: |
Original von Loa
Sollten wir uns nicht einfach öffentlich eingestehen, dass wir einfach nur überleben wollen? |
Das hieße, sich einzugestehen, dass das Moralempfinden des Menschen bei allem Fortschritt auf der Strecke geblieben ist und vorraussichtlich auch bleiben wird.
Natürlich sollten wir uns das eingestehen.
Aber das ist nicht so einfach, die meisten Menschen sind dazu nicht bereit.
Gruß,
Raven
mark
hey loa,
machst du das nur um eine antwort zu produzieren?
| Zitat: |
Original von Loa
Man verhält sich ja dann nur deshalb anständig, weil es einem gerade sowieso nicht viel abverlangt, aber nicht aus echter Überzeugung.
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es steht ja auch nirgends geschrieben dass es nur echte moral ist wenn es mir immenses abverlangt. es verlangt mir überhaupt nicht viel ab meinem nachbarn kein messer in die brust zu rammen. im gegenteil, ich hab den ganz gern. ist das deswegen unmoralisch oder geheuchelt???
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Meiner Meinung nach muss man bereit sein für seine Prinzipien zu sterben, oder aber wenn man dazu nicht bereit ist, muss man eben eingestehen, dass man korrupt ist und keine echten Prinzipien hat.
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das ist nun wirklich unsinn. überleben ist ein prinzip ohne das alle anderen prinzipien nichts sind. einzelne können sich das immer erlauben märtyrertum als einzig wahrhaft richtige handlung zu verkaufen. aber eine mutter?
wieviele müssen ausser dir noch für deine prinzipien sterben? ab wievielen toten ist es denn ein prinzip?
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Es ärgert mich dann in letzterem Fall umso mehr, wenn in unserer Gesellschaft ständig der moralische Zeigefinger gehoben wird.
Sollten wir uns nicht einfach öffentlich eingestehen, dass wir einfach nur überleben wollen?
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kleiner scherz das mit dem moralischen zeigefinger, oder? der einzige der den zeigt bist du selber hier...
"wir" wollen im übrigen nicht nur überleben aber zu allererst möglichst überleben. kleiner unterschied. rasenmäher sind gut zum subventionen kürzen, nicht unbedingt für die moral...
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Und um es noch weiter zu treiben: Wie kommt man bei uns auf die Idee, die Menschen anzuklagen, die zB den Regenwald roden, oder zur Ausrottung seltener Tierarten beitragen, wenn man gleichzeitig weiß, dass man es in ihrer Situation wahrscheinlich genauso machen würde.
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du liebe zeit. einen baum fällen oder auch einen wald zu roden wird doch nicht moralisch verurteilt. verurteilt wird das aus der erkenntnis der möglichen folgen heraus.
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Es wird darüber gejammert, dass die bösen Armen unsere schöne Erde zugrunderichten, aber nicht darüber dass es diesen Armen so schlecht geht, dass sie dazu gezwungen werden.
[/quote]
du bewegst dich ja in schönen kreisen...
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Die größte Dreistigkeit ist es wenn man dann eine "Rettet den Regenwald"- Aktion startet und den Menschen hilft um den Wald zu retten. Würden diese Menschen den Wald nicht roden, wäre es wohl nicht nötig ihnen zu helfen.... |
naja. die eigendynamik der ganzen angelegenheit ist vielleicht doch etwas unübersichtlicher als du das darstellst. aber du scheinst ja auch noch am computer zu sitzen und nicht im regenwald zu sein den armen menchen zu helfen...
gruss
vasco
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d-fens
Man neigt heute irgentwie dazu, die Gründe für Straftaten auf gesellschaftliche umstände zurück zu führen. Dabei entsteht dann solcher Unsinn wie: "Der ist ja arm und konnte nicht anders als xy umzubringen." |
Versuch mal in Dispositionen und Wahrscheinlichkeiten zu denken... Schwarz-Weiß klappt sowieso nie.
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| Wenn jemand eine Strafttat begeht, dann ist er dafür schuldig, punkt aus. |
Und wem hilft das?
vasco - disponierend
Loa
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Original von carsten aus bochum
Höhere Moral kennt aber gerade Zwischentöne und hat wenig mit dem moralinsauren, wie versaue ich mir mein Leben, zu tun.
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Hallo Carsten,
wie genau sieht denn dieser Mittelweg aus?
Moralisch bleiben, soweit es geht, selbst wenn man zwischendurch etwas Schäbiges tut?
Bleibt es dann nicht im Ermessen jedes Einzelnen, zu entscheiden, wann er sich zu genötigt fühlt um moralisch zu bleiben? Und lädt das nicht dazu ein, die Grenzen nach Belieben zu verschieben?
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