Hallo zusammen, hallo Loa, hallo Raven
zunächst:
Raven:
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"Das Moralempfinden des Menschen hat sich in den Jahren der Evolution einfach nicht sehr viel weiterentwickelt.
Die menschliche Intelligenz ja, und zwar enorm - das sieht man schon am gewaltigen technischen Fortschritt." |
Die morlasiche Entwicklung hinkt hinterher, aber es gibt durchaus auch Entwicklungsstufen der Moral (Aurobindo wusste das

).
Welches sind die richtigen Werte, hatte ich gefragt.
Eigentlich wollte ich es auch da posten, aber dann halt hier, als ausführlichere Antwort auf Loa:
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wie genau sieht denn dieser Mittelweg aus?
Moralisch bleiben, soweit es geht, selbst wenn man zwischendurch etwas Schäbiges tut?
Bleibt es dann nicht im Ermessen jedes Einzelnen, zu entscheiden, wann er sich zu genötigt fühlt um moralisch zu bleiben? Und lädt das nicht dazu ein, die Grenzen nach Belieben zu verschieben? |
Wenn ich über Werte diskutiere, dann ist es zumeist so, dass Werte und Normen irgendwie auf viele angestaubt wirken, unzeitgemäss.
Als Beleg führt man schnell die Willkür ins Feld, die hinter den Werten zu stecken scheint und mit der Beobachtung, dass das, was heute verboten ist schon morgen erlaubt ist, oder auf der anderen Seite der Erde gelebte Tradition ist, bekommen Werte dann schnell den Geruch der Beliebigkeit.
Wenn man Werte wechseln kann wie seine Unterhose, wieso dann überhaupt Werte?
Erschwerend kommt noch hinzu, dass diejenigen die oftmals auf Moral, Ehre, etc. pochen in einer Form von Doppelmoral leben, dass man sich manchmal nur wundern kann.
Priester, die die Beichte abnehmen und sich an ihren Messdienern vergehen, der CDU Politiker Kanther, "der schwarze Sheriff" genannt, der es dann selbst nicht so genau nahm, Ex Kanzler Kohl und die Spendengelder, mit dem idiotischen Vorbild, dass persönliche Ehre höher steht als das deutsche Gesetz (man argumentiere mal auf die Art, wenn man selbst vor Gericht steht).
Linken Saubermännern und -frauen war das schon immer ein Dorn im Auge, nicht jedoch die Herkunft der Gelder, wenn es um die eigene Brieftasche geht, was können wir von der PDS dafür, was die SED angerichtet hat, wir sind doch ein ganz neuer Verein, - so einfach kann das Leben sein.
All jene, denen dass ganze Thema deshalb diskusionsunwürdig erscheint und die daher auf das Thema Moral und Werte grundsätzlich pfeifen, machen aber aus meiner Sicht mehrere Fehler:
1) Sie erkennen zumeist nicht, dass ihre Haltung ebenfalls bereits eine moralische Haltung ist und unterlassen es, diese auszufomulieren. Sie müssten zeigen, dass und warum ihre Werte tatsächlich bessser sind (denn das sind sie fast immer) und die Kleinkariertheit rigider Moralsysteme offen legen.
(Oder ethische Prizipien durch Rechtsprizipien ersetzen, wie Habermas es, in der Nachfolge Kants, auf einer global politischen Ebene fordert. Siehe: "Der gespaltene Westen")
2) In der direkten Folge daraus, überlassen sie wieder denen das moralische Feld, die dies schon zuletzt nicht eben genial beackert haben, so dass immer noch Kirchen und sehr konservative Kreise als Ort der moralischen Instanz gelten.
3) Sie erkennen nicht, dass der Mensch, sozusagen aus Zellen und Werten gebastelt ist, wir sind biologische Wesen und normierende Wesen, etwas was Kant zuerst klar erkannte.
4) Die Strategie sich um Werte, Normen, Tugenden, Moral, Ethik gar nicht mehr zu kümmern, führte nicht zuletzt zu einer immensen Verarmung des Themas, so dass ebenso armselige wie halbdurchdachte "Ich werte nicht"-Werte verkauft werden, die zum grossen Teil aus oberflächlichem Werterelativismus, Hyperindividualismus, Gleichgültigkeit, Narzissmus ihre Kraft speisen und inzwischen gesellschaftliche Folgen haben, die man schon wirklich nicht sehen wollen muss, um sie zu übersehen.
"Niemand hat mir zu sagen, was ich zu tun und zu lassen habe" ist eines der ungeschirebenen Gesetze jener Geisteshaltung.
5) Es gibt eine falsche Übernahme, weil unreflektierte eines naturwissenschaftlichen Weltbildes, dass sich auf seine Präzision und vermeintliche Tatsachen beruft und meint, dass diese auf ethisch-moralischen Ebenen ncht zu finden ist, dass Thema sei grundsätzlich nachrangig bis obsolet.
Ein weiterer Punkt der unsere Fragstellung untergräbt.
Inzwischen dreht sich der Wind und man weiss nicht so recht, ob man sich darüber freuen soll.
Die öffentliche Meinung, die Urteile vor Gericht, gesellschaftliche Bewertungen, das Schulsystem alles wird deutlich konservativer, die Parteienlandschaft und wenn wir nicht aufpassen sind wir in nicht mal einem Jahrzehnt in einem Zeitalter der neuen Ruppigkeit, in dem viele Menschen über die Klinge springen werden, gerade jene, die diesen scharfen Wind nie kennengelernt haben.
Wenn dann wie in den USA die Kreationisten, eine fundamantalistische Bibelströmung, zu denen man auch George W. Bush rechnet, die Evolutionslehre zu leugnen beginnen und statt dessen als gleichrangige Wahrheit ein völlig unbewiesenes Märchen auftischen, na dann Hallelujah.
Wenn andererseits der hyperaktive dicke Diabetiker mit Konzentrationsstörungen, beginnender Herzschwäche und Kurzatmigkeit aufgrund motorischer Unbegabung (mangels Training) buchstäblich zu nichts mehr zu gebrauchen ist, aber sehr teuer für die Krankenkassen, die Eltern aber auch kein Geld haben um ihn zu unterstützen, wenn dr also 25 wird, was hat der wohl in etwa 15 Jahren von einem Staat zu erwarten der pleite ist?
Übrigens sind diese Menschen auch sehr attraktive Lebenspartner. "Komm Baby, lass uns für jeden 'ne Familienpizza bestellen, ich mach shon mal die Spritze fertig."
In den USA wird man in manchen Firmen nur noch eingestellt (und auch wenn man schon länger dort arbeitet wird man entlassen), wenn man fit, schlank, Nichtraucher, Nichttrinker ist und das Sexualleben wird auch noch geregelt?
Ist bei uns nicht möglich? Nun, abwarten! Es wird heissen, natürlich können wir keinen zwingen, aber niemand kann uns zwingen zu entscheiden, wen wir einstellen. Und wenn jemand will, dass man in einer Firma nicht arbeitet, dann arbeitet man da auch nicht mehr, da kann man vor Gericht gehen, wie man will.
Es wird dann eben eine freiwillige Selbstkontrolle geben.
Irgendwie ist es ja nicht falsch gesunde Mitarbeiter zu wollen und wenn sich die öffentliche Meinung dreht (sie tut es), ist es ganz schwer Argumente dagegen zu finden. Vor allem wenn die Masse auf Kurs getrimmt wurde und BILD und ein paar Fernsehsender zum Einpeitscher eines neuen gesunden Volkskörpers wird. Wo heute noch Softp*rnos laufen, kann morgen schon Gottes Wort verkündet werden, oder was auch immer gerade als passend angesehen wird.
Auf der anderen Seite, ist es falsch gesund zu sein, nur weil die Nazis auch gesunde Menschen wollten?
Ist es schon faschistoid bestimmte Grundwerte für alle zu fordern, ausser dem Grundwert alles zu machen, wie es einem gerade passt?
Hitler soll Gerüchten zufolge auch geatmet haben, vielleicht sollte man mal drüber nachdenken, ob wir nicht alle etwas weniger atmen können?
Bevor also alles offensichtlich idiotisch wird, gibt es etwas was für alle gut ist?
Gibt es dynamische Werte, die für eine bestimmte Phase der Entwicklung richtig sind, aber fünf Jahre später falsch sind?
Werte die für bestimmte Menschen, bestimmte Länder richtig sind und für andere nicht?
Irgendwie muss es doch eine Mitte geben, die Menschheit nicht als homogenen Einheitsbrei zu sehen, für die es nur jeweils eine richtige Art zu leben und zu denken geben kann und dem anderen Extrem, jeden Menschen in jedem Fall, als absolutes Unikat zu sehen.
Ich meine unsere Zähne, sind alle nach dem selben Muster aufgebaut, unsere Nieren auch, wir alle lernen erst laufen und dann höhere Mathematik, wir alle wollen irgendwie glücklich sein, haben ein Bedürfnis nach Essen und nach Sex, wir alle teilen bestimmte grundlegende Gefühle, wir alle werden von sehr ähnlichen Dingen krank, also sooo einzigartig und unvergleichbar sind wir nicht in jeder Lebenslage.
Unsere Individualität gründen wird auch nicht darin, dass wir eine einzigartige Leber haben, sondern, dass unsere Art, unser Wesen, unsere Persönlichkeit einzigartig ist (eine Vorstellung, die wir übrigens mit allen anderen bewußt denkenen Menschen auf dieser Welt teilen).
Kants kategorischer Imperativ (kurz: Handle so, dass die Maxime deiner Handlung zu einer allegmeinen werden kann) ist sicher sehr gut, aber für ein dreijähriges Kind? Für einen Opiumbauern in Afghanistan? Für einen Neonazi? Er wäre gut, aber er erreicht diese Menschen nicht.
Der Utilitarismus (das größtmögliche Glück, für die größte Zahl von Menschen) ist sicher eine sehr gute Zwischenstufe, aber er hat den unschönene Beigeschmack in eine Diktatur der Masse zu rutschen. Trotzdem ist er gut, nur nicht für alle Stufen.
Strenge Regularien? Hervorrragend! Man sollte mit Kleinkindern nicht diskutieren, ob sie vielleicht in die Steckdose fassen möchten oder über die Schnellstrasse krabbeln, aber mit einem 29 jährigen Akademiker, kann man sicher anders umgehen. Nun grundfalsch sind strenge Regeln damit nicht, oder möchte jemand mit einem Serienvergewaltiger gerne über seine Vorstellungen und Weltbilder diskutieren, nach dem Motto, man muss die Dinge doch auch mal empathisch durch seine Augen sehen?
Und warum unterdrücken wir den Meinunggässerungen von rechts aussen? Weil die so dumm sind, dass es wirklich jeder merkt? Dann bräuchten wir sie ja nicht zu unterdrücken und zu ächten. Nein, weil sie für manche so gut klingen, dass sie sagen, ja irgendwie stimmt das doch. Man hat die berechtigte Angst dass eine nicht zu kleine Zahl sich auch heute noch verführen lassen würde und wenn man sieht auf welche *hart-kern*ideologen man sogar in Philosophieforen trifft, dann ist das wohl berechtigt.
Aber gleiten Werte nicht ineinander? Und handeln wir nicht teilweise auch danach, akzeptieren wir das nicht auch?
Kindern muten wir Schritt für Schirtt immer mehr zu. Erst müssen die Laufen lernen, dann mit Messer und Gabel essen, eine Schleife machen, Rad fahren, Lesen und Rechnen, Fremdsprachen...
Kindern müssen lernen, den Hund nicht zu quälen, das jüngere Schwesterschen nicht zu unterdrücken, den rothaarigen Jungen nicht zu hänseln, unterm Strich sind Kinder nicht die besten Demokraten.
Es wird immer wieder gesagt, Kinder hätten kein Klassendenken, ihnen sei Bildung, Hautfarbe, Wohlstand egal, dass stimmt, aber nur, weil sie es noch nicht geistig erfassen.
Kinder sind erst mal Narzissten bevor sie zu Rassisten werden, wenn jemand dem Kind Spaß macht, dann reicht das dem Kind (für die Befreidigung seiner berechtigeten, aber narzisstischen Bedürfnisse) nur sollten daraus nur keine überlegene Moral ableiten, das wäre eine völlige Verkennung der Entwicklung des Kindes.
Daraus wird dann so ein dummer und blinder Bildungs- und Entwicklungspessimismus abgeleitet, Kinder wären ja an sich gut, wenn man sie nicht "verbilden" würde, wenn man ihnen nur jeden Raum der Welt lassen würde und wenn bei Kindern was schief läuft, dann einzig und allein durch die Konzepte, die wir ihnen aufdrängen.
Von Rousseau bis Alice Miller hält sich diese schwere ideologische Überfrachtung und Verzerrung,
Das totale Scheitern der antiautoritären Ideologien ist für viele nur der Ansporn es noch ein wenig freier zu versuchen.
Kinder können grausam sein und sie sind es, Gott sei Dank überwinden die meisten dieses Stadium auch wieder. Aber das tun sie durch die leitende Hand der Kultur und ihrer Werte.
Das kann zu weit gehen und dass führt zu Neurosen, zur schwarzen Pädagogik, zu katholoischen Internaten und anderen unschönen Entgleisungen.
Aber völliger Verzicht auf Struktur führt zu noch erheblich schweren Krankheiten und Entartungen und dieser Punkt wird dabei immer recht gerne übersehen.
Diese hoffentlich ambivalente Sicht soll der Ausgangspunkt der Diskussion über die besseren Werte sein.
Gruß,
Carsten