Popper: Objektive Erkenntnis - ein evolutionärer Entwurf -- 1.Kapitel Das Problem der Induktion

Nylen
Diskussion des Werkes "Objektive Erkenntnis-Ein evolutionärer Entwurf"

Fange hier mal an einige der Punkte bei Popper zu diskutieren. Werde das Buch von vorne nach hinten durchgehen, und auch nicht einfach nur Popperm ziteieren, wobei ich versuche seine Sprache und wortlaut möglichst präzisse einzuhalten.

So nicht anders vermerkt sind alle Zitate von Popper. Zitate sind durch " " kenntlich gemacht.

Poppers Induktionsproblem
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Erstmals 1927 formulierte Popper seine Lösung des von ihm sogeannten Humeschen Induktionsproblem.
Da es viel Fachliteratur gibt die mich zweifeln lässt ob Popper adequat ein Problem Humes erfasst hat nenne ich es lieber Poppers Problem.

Poper löst das Problem nämlich durch Transformation der Formulierungen.

Als Beispiel für die simple Traditionelle Formulierung des Induktionsproblems gibt er an

"Was ist die Rechtfertigung für unseren Glauben die Zukunft werde der Vergangenheit weitgehend gleichen? Oder vielleicht: Was ist die Rechtfertigung für induktive Schlüsse"

Beide Formulierungen hält Popper so für einfach falsch und unkritisch

Popper versucht das Problem neu zu umreissen.

Was Popper als Induktionsproblem des Alltagsverstandes bezeichnet, ist die Frage wie es kommt das wir ERWARTUNGEN haben und fest an gewisse REGELMÄSSIGKEITEN (Naturgesetze) glauben.

Der Alltagsverstand antwortet: Wir haben wiederholt immer und immer wieder diesselben Beobachtungen gemacht und das berechtigt uns zu dem Schluss auf Regelmässigkeit.

Sowohl die Entstehung als auch die Rechtfertigung unserer Erwartung werden so sie auf wiederholung beruhen, Induktion genannt.

Hume war der erste der darauf hinwies das solche Induktiven Schlüsse ungültig und daher die Rechtfertigung nicht halkt bar ist.



Popper formuliert Humes Problem neu
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Popper trennt Humes Induktionsproblem auf. Im engeren Sinne ist Humes Induktionsproblem eine Vernichtung des induktiven Schlusses in der Logik, und damit eine Vernichtende Kritik des einfachen Empirismus.

Humes logisches Problem: Ist es gerchtfertigt von (wiederholten) Einzelfällen, die wir erfahren haben, auf andere Fälle (Konklusionen), die wir nicht erfahren haben, zu schliessen.

Humes psycholgisches Problem so Popper, ist: Warum erwarten und glauben trotzdem alle vernünftigen Menschen, daß noch nicht vorliegende Erfahrungen den vorliegenden entsprechen werden? Warum haben wir so grosses Vertrauen, in unsere Erwartungen?

Das logische Probklem beantwortet Hume mit Vereninung. Es gibt keine gerechtfertigten induktiven Schlüsse.

Das psycholgische Problem, beantwortet Hume: Mit Gewohnheit. Wir sind durch wiederholte Beobachtung oder Erfahrung schlicht gewöhnt so zudenken, kithin unser Denkapperat so geeicht. Das macht den Menschen zu einem irrationalen Wesen.

Um die Tragweite des Problems zu verdeutlichen zitiert Popper Russel:

"Russel schreibt über Humes Behandlung der Induktion "Humes Philosophie (..ausslassung..) ist der Bankrot der Vernunft des 18. Jahrhunderts" "Daher ist es wichtig herrauszufinden, ob es im Rahmen einer Philosophie, die ganz oder hauptsächlich empirisch ist, eine Antwort auf Hume gibt. Wenn nicht, dann gibt es keinen erkenntnistheoretischen Unterschied zwischen Vernunft und Wahnsinn. Der Verrückte, der sich für eine Rührei hält, ist nur deshalb zu verurteilen, weil er sich in der Minderheit befindet...."

Poppers Lösungsversuch des Problems:
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Erste Umformulierung:

L1: Lässt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr, mit empirischen Gründen rechtfertigen, dass heisst dadurch, dass man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze als wahr annimmt.

Poppers Antwort: Nein, noch so viele wahre Prüfaussagen können die Behauptung nicht rechtfertigen eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr.

L2: Lässt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr ODER SEI FALSCH, mit empirischen Gründen rechtfertigen, dass heisst dadurch, dass man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze als wahr annimmt.

Dies bejaht Popper: Wahre Prüffausagen, können tatsächlich zeigen dass eine Theorie falsch ist.

L3: Können solche empirischen Gründe jemals rechtfertigen einige von mehreren konkurierenden allgemeinen Theorien anderen unter dem Gesichtspunkt der Wahrheit oder Falschheit vorzuziehen.

Auch dies bejaht Popper.

Aus der negativen Antwort folgt das wir nicht aus wiederholten Erfahrungen auf allgemeine Gesetze schliessen (gültig) sondern das wir Vermutungen allgemeiner Art formulieren, ohne das dazu Rechtfetigung nötig wäre. Blöd gesagt kann man alles behaupten wenn man es prinzipiell einem Prüfverfahren unterziehen kann. Für eine Vermutung reicht eine einzige gemachte beobachtung aus. Vermutungen sind daber nicht bestätigte oder gar bewiesene Theorien (Das letztere nicht zu beweisen sind ist Poppers Punkt)

L2 und L3 sind dagegen Verallgemeinerungen von L1.

Popper rettet den Empirismus "Nur die erfahrung kann uns zu einer Meinungsbildung über die Wahrheit oder Falschheit von Tatsachenaussagen verhelfen. denn nach L1 und der Antwort darauf, können wir höchstens die Falschheit von Theorien erkennen, und das können wir aufgrund der positiven Antwort auf L2


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Starte hier mal die Diskussion zu dem bisher gesagten. Ich hoffe genug kenner des Problems sind hier, und können die Frage diskutieren, ob Popper das klassische logische Problem, durch seine Neuformulierung aufgelöst hat.

werde morgen die Ergänzung schreiben, ws Popper als Lösung für das Psychologische Problem Humes gibt. Gewohnheit und Irrationalität können wir als Philosophen nicht wollen smile
mark
Zitat:
Original von Nylen
Hume war der erste der darauf hinwies das solche Induktiven Schlüsse ungültig und daher die Rechtfertigung nicht halkt bar ist.

da fängt die misere ja schon an. ungültig in welchem rahmen? wie vielen menschen muss man das herz herausreissen um zu erkennen dass man ganz allgemein sagen kann dass wenn man das herz herausreisst der mensch
stirbt? die frage ist doch inwieweit "gültig" hier sinnvoll ist.

Zitat:

Popper trennt Humes Induktionsproblem auf. Im engeren Sinne ist Humes Induktionsproblem eine Vernichtung des induktiven Schlusses in der Logik, und damit eine Vernichtende Kritik des einfachen Empirismus.
Humes logisches Problem: Ist es gerchtfertigt von (wiederholten) Einzelfällen, die wir erfahren haben, auf andere Fälle (Konklusionen), die wir nicht erfahren haben, zu schliessen.

selbstverständlich ist es nicht erlaubt logisch von einer einzelaussage oder auch beliebig vielen einzelaussagen auf eine allaussage zu schliessen. das kann man ja nachweisen. nur eignet sich logik als letztbegründung eben auch nicht denn sie gründet ja nicht in sich selber sondern auch in der erkenntnis der sinnhaftigkeit und "gültigkeit" ihrer annahmen und regeln.
insofern macht es nichts aus dass man logisch so nicht schliessen darf denn es wäre schon unlogisch daraus zu schliessen dass so nicht zu schliessen ist.
man kann also den induktionsschluss nicht logisch begründen. widerlegen kann man ihn aber auch nicht. denn induktionsschluss und logik beruhen beide auf den gleichen erkenntnisprozessen.


Zitat:

Das logische Probklem beantwortet Hume mit Vereninung. Es gibt keine gerechtfertigten induktiven Schlüsse.

das ist allein davon abhängig was man unter berechtigt versteht. ein induktionsschluss hat prinzipiell die gleiche berechtigung wie die logik selber.
Zitat:

Das psycholgische Problem, beantwortet Hume: Mit Gewohnheit. Wir sind durch wiederholte Beobachtung oder Erfahrung schlicht gewöhnt so zudenken, kithin unser Denkapperat so geeicht. Das macht den Menschen zu einem irrationalen Wesen.

wenn irrational heisst dass man in der logik, anschaulicherweise, keine letzbegründungen finden kann, dann ja. aber dann wird die aussage auch ziemlich bedeutungslos...
Zitat:

Um die Tragweite des Problems zu verdeutlichen zitiert Popper Russel:

"Russel schreibt über Humes Behandlung der Induktion "Humes Philosophie (..ausslassung..) ist der Bankrot der Vernunft des 18. Jahrhunderts" "Daher ist es wichtig herrauszufinden, ob es im Rahmen einer Philosophie, die ganz oder hauptsächlich empirisch ist, eine Antwort auf Hume gibt. Wenn nicht, dann gibt es keinen erkenntnistheoretischen Unterschied zwischen Vernunft und Wahnsinn. Der Verrückte, der sich für eine Rührei hält, ist nur deshalb zu verurteilen, weil er sich in der Minderheit befindet...."

es gibt keinen absoluten massstab für verrückt. wie sinnvoll es ist sich für ein rührei zu halten, das steht nirgends in marmor gemeiselt. man kann es erkennen oder auch nicht. wenns dumm läuft lebt man halt nicht lang genug um seine meinung zu revidieren...insofern kann man tatsächlich von einer evolution der erkenntnis sprechen.
Zitat:

L1: Lässt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr, mit empirischen Gründen rechtfertigen, dass heisst dadurch, dass man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze als wahr annimmt.

Poppers Antwort: Nein, noch so viele wahre Prüfaussagen können die Behauptung nicht rechtfertigen eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr.

meiner ansicht nach sind das wortspiele um rechtfertigen und wahr.
naturwissenschaftliche allaussagen werden von der jeweiligen wissenschaft existenziell interpretiert. dadurch ergibt sich die unangenehme situation dass man zwar die allaussagen in einem bestimmten denksystem beweisen könnte, die gültigkeit der existentiellen interpretation aber wie eine existenzielle aussage direkt durch angabe bzw aufzeigen des konkreten sachverhalts aufzeigen müsste. da so eine unendliche menge an existenzaussagen geschaffen wird kann man unmöglich alle beweisen.
es ist also eine frage des geschmacks ob ich eine theorie jetzt wahr, bewiesen oder gerechtfertigt oder belegt nenne solange ich mir all dessen bewusst bin.
Zitat:

L2: Lässt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr ODER SEI FALSCH, mit empirischen Gründen rechtfertigen, dass heisst dadurch, dass man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze als wahr annimmt.

Dies bejaht Popper: Wahre Prüffausagen, können tatsächlich zeigen dass eine Theorie falsch ist.

jede allaussage lässt sich mit einer widersprechenden existenzaussage widerlegen. das sagt also nicht popper, das ist logik.
Zitat:

L3: Können solche empirischen Gründe jemals rechtfertigen einige von mehreren konkurierenden allgemeinen Theorien anderen unter dem Gesichtspunkt der Wahrheit oder Falschheit vorzuziehen.

Auch dies bejaht Popper.

nun ja wenn die eine widerlegt ist, dann muss die andere nicht richtig sein. allerdings scheint das hier ja nur ein spezialfall des vorhergehenden zu sein
Zitat:

Aus der negativen Antwort folgt das wir nicht aus wiederholten Erfahrungen auf allgemeine Gesetze schliessen (gültig) sondern das wir Vermutungen allgemeiner Art formulieren, ohne das dazu Rechtfetigung nötig wäre.

also in ihrer ausschliesslichkeit ist die aussage falsch. sehr wohl werden auch muster in erfahrungen erkannt ohne dass ich zuerst das muster angelegt habe. mit theorien aus dem blauen käme man nicht sehr weit.
die rechtfertigung erlangt die theorie natürlich durch die überprüfung und nicht dadurch wie man auf sie gekommen ist. das muss sich aber wie gesagt nicht gegenseitig ausschliesen. allerdings wird man schnell merken dass es einiger rechtfertigung bedarf wenn jemand zeit geld mühen investieren soll allein auf der grundlage einer eingebung. plausibilität wird meistens schon verlangt.
Zitat:

Blöd gesagt kann man alles behaupten wenn man es prinzipiell einem Prüfverfahren unterziehen kann. Für eine Vermutung reicht eine einzige gemachte beobachtung aus. Vermutungen sind daber nicht bestätigte oder gar bewiesene Theorien (Das letztere nicht zu beweisen sind ist Poppers Punkt)
L2 und L3 sind dagegen Verallgemeinerungen von L1.
Popper rettet den Empirismus "Nur die erfahrung kann uns zu einer Meinungsbildung über die Wahrheit oder Falschheit von Tatsachenaussagen verhelfen. denn nach L1 und der Antwort darauf, können wir höchstens die Falschheit von Theorien erkennen, und das können wir aufgrund der positiven Antwort auf L2

ich bezweifle ernsthaft dass popper den empirismus rettet. die wahrheit liegt eben wie so oft in der mitte. denn es gibt keine erfahrung die man vor die theorie setzen könnte und keine theorie die man vor alle erfahrung setzen könnte. als individueller mensch fängt man als zelle an. hier zwischen theorie und erfahrung zu unterscheiden ergibt überhaupt keinen sinn. irgendwann in der entwicklung kann man dann unterscheiden. die grenze ist nicht auszumachen. der erkenntnisprozess selber liegt völlig im dunkeln.
dass erfahrung das einzige ist das man von der welt haben kann ist klar. auch die logik entwickelt sich aus der erfahrung.
für naturwissenschaftler sagt einstein:" der scientist aber muss...dem systematischen erkenntnistheoretiker als skrupelloser opportunist erscheinen. er erscheint als realist insofern, als er eine von akten der wahrnehmung unabhängige welt darzustellen sucht;...als positivist insofern, als er seine begriffe und theorien nur insoweit für begründet ansieht, als sie eine logische darstellung von beziehungen zwischen sinnlichen erlebnissen liefern."
bei mathematikern erhebt sich (sonderbarerweise) ein ähnliches problem:
davis/hersh:"...the typical mathematician is a [realist] on weekdays and a formalist on sundays. that is, when he is doing mathematics he is convinced that he is dealing with an objective reality whose properties he is attempting to determine. but then, when challenged to give a philosophical account of his reality, he finds it easiest to pretend that he does not believe in it after all."

am ende denke ich dass es kein problem gibt solange man alles in seinen grenzen sieht. man muss einfach sehen wann man allaussagen macht, wann existenzaussagen und wann man allaussagen existenziell interpretiert.

insofern denke ich dass es erstens kein problem gibt, sofern man nicht partout logik über ihre grenzen hinaus anwenden will, und auch keine neue lösung als eben die die schon lange praktiziert wurde.

gruss

Zitat:

Gewohnheit und Irrationalität können wir als Philosophen nicht wollen smile

erfahrung als irrational darzustellen ist vernebelnd. denn erfahrung ist weder irrational noch rational. und ohne gewohnheiten ist genausowenig zu erreichen wie mit nur gewohnheiten. ich werde auch weiterhin der gewohnheit frönen darauf zu achten dass ich mit meinen füssen auf festem grund stehe um nicht zu fallen....aus erfahrung...
Nylen
Poppers Buch beginnt heirmit, da die wissenschaftstheorie bis in Poppers Zeiten versucht hat, Wissenschaftstheorie auf Induktion zu gründen, so viele seit Bacon und zu Lebzeiten Poppers massgeblich der logische Positivismus.

Diese Richtungen behauoten den induktiven Schluss in der Logik retten zu können. Was Popper hier sagt ist, das ein induktiver Schluss deren Prämissen Erfahrungssätze beinhaltet, niemals zwingend sein, kann mithin nicht gültig ist. Da sich Gegenbeispiele finden lassen wird dieser induktive Schluss niemals zu einem logischen Gesetz.

Poppers Schachzug war es diese Induktion preiszugeben. ebenso die Suche nach sicherer Bsis der erkenntnis, und sich logisch alleine auf die Deduktion zu verlassen.

Wir machen eine kühne Vermutung. leiten deduktiv mögliche Wiederlegungen ab, und überprüfen diese.

Das dir das alles trivial vorkommen mag ist richtig aber wir haben alle Wissenschaftstheorie gelernt welche diese Einsichten Poppers bereits übernommen hat.

Es ist aber auch nur eine Einleitung in die Problemstellung des Werkes.
mark
hey nylen,

Zitat:
Original von Nylen
Poppers Buch beginnt heirmit, da die wissenschaftstheorie bis in Poppers Zeiten versucht hat, Wissenschaftstheorie auf Induktion zu gründen, so viele seit Bacon und zu Lebzeiten Poppers massgeblich der logische Positivismus.

das mag ja sein dass der positivismus damals gerade einflussreiche vertreter hatte. was wird nicht auch in akademischen kreisen für unsinn erzählt. du hast ja selber irgendwo mal erwähnt popper wäre auch durch einstein"inspiriert". deshalb habe ich ja auch einstein zitiert um zu zeigen dass schon zu dieser zeit und auch davor naturwissenschaft im grossen und ganzen nach den massstäben des gesunden menschenverstandes betrieben wurde. es gab immer wieder alle möglichen ismen. letztlich scheitert jede "richting" immer dann wenn sie sich absolut setzt. und nicht nur in den naturwissenschaften. auch die mathematiker bei denen man diese problem zuerst gar nicht vermuten würde, schwanken zwischen platonismus und formalismus. und es befruchtet sich durchaus gegenseitig. war zum beispiel hilbert mit seinem "hilbert programm" sehr formalist, andererseits doch anhänger der mengenlehre, also in diesem sinne platoniker. tatsache ist doch dass wissenschaft erfolgreich betrieben wurde egal was die erkenntnistheorie dazu sagt. wer will einem denn schon vorschreiben wie man schliessen "darf" und wie nicht? das zeigt sich ja im ergebnis.
Zitat:

Diese Richtungen behauoten den induktiven Schluss in der Logik retten zu können. Was Popper hier sagt ist, das ein induktiver Schluss deren Prämissen Erfahrungssätze beinhaltet, niemals zwingend sein, kann mithin nicht gültig ist. Da sich Gegenbeispiele finden lassen wird dieser induktive Schluss niemals zu einem logischen Gesetz.

ja, was heisst die induktion retten. vor was? dass die induktion im sinne eines schlusses von einer existenzaussage auf eine allaussage nicht den regeln der klassischen logik entspricht, das kann man nicht ändern, da gabs auch nie was zu retten. aber die unterschiedliche aussagekraft ist seit den regeln für syllogismen auch bekannt. also nichts neues. auf der anderen seite gründet sich auch die logik VOLLSTÄNDIG auf verständiges erkennen von beobachteten gesetzmässigkeiten. daran kann man ja schon sehen dass wenn man diesen prozess der erkenntnis der in der induktion stekt logisch begründen will dass man da im sumpf enden muss.
induktion ist eben nicht in diesem formalen sinne logisch. das macht aber auch nichts. alles andere wäre ja eine direkte vergewaltigung der logik.
letztlich ist es die gleiche erkenntnis die die gültigkeit der logik sieht, die gültigkeit der induktion und auch die nichtanwendbarkeit der logik auf die induktion.
Zitat:

Poppers Schachzug war es diese Induktion preiszugeben. ebenso die Suche nach sicherer Bsis der erkenntnis, und sich logisch alleine auf die Deduktion zu verlassen.

es gibt keine sichere basis der erkenntnis. denn selbst wenn eine existenzaussage eine gegenteilige allaussage widerlegt ist es logisch völlig unzugänglich ob das morgen immer noch so ist. dass die welt so ist wie sie ist, das kann man nur erkennen. das erkannte kann ich versuchen logisch zu verknüpfen. es besteht aber kein grund anzunehmen dass man gesetzmässigkeiten weniger erkennen kann als einfache tatsachen. letztenendes gibt es zwischen der wahrnehmung von tatsachen und von gesetzmässigkeiten prinzipiell keine möglichkeit der unterscheidung. denn aller schluss auf das was möglicherweise ist erfolgt über das anwenden von gesetzmässigkeiten. wissenschaft kann sich nicht auf deduktion verlassen und wird das auch niemals tun. warum auch. die induktion ist doch erfolgreich. wenn man sie nicht gerade auf schwäne anwendet.
Zitat:

Wir machen eine kühne Vermutung. leiten deduktiv mögliche Wiederlegungen ab, und überprüfen diese.

diese vorstellung von praktischer naturwissenschaft könnte aus einem hollywood streifen stammen. schön wärs.
da sich popper anscheinend von einstein inspirieren hat lassen darf man wohl erwähnen dass die relativitätstheorieen nicht einfach kühne behauptungen aus dem blauen waren die mal schnell deduktiv überprüft wurden sondern die gedanken dazu ergaben sich aus den erfahrungen die vorausgingen.
Zitat:

Das dir das alles trivial vorkommen mag ist richtig aber wir haben alle Wissenschaftstheorie gelernt welche diese Einsichten Poppers bereits übernommen hat.

wie ich schon sagte. so wird naturwissenschaft nicht betrieben. da kann die erkenntnistheorie sich auf den kopf stellen und sagen es ist alles anders, ist es eben nicht.
Zitat:

Es ist aber auch nur eine Einleitung in die Problemstellung des
Werkes.

es war ja auch keine kritik an dir oder der vorstellung des buches sondern ich bin einfach nur ganz anderer meinung als popper. oder wie man popper landläufig versteht.

gruss
selaht
Zitat:
Original von mark
da fängt die misere ja schon an. ungültig in welchem rahmen? wie vielen menschen muss man das herz herausreissen um zu erkennen dass man ganz allgemein sagen kann dass wenn man das herz herausreisst der mensch
stirbt? die frage ist doch inwieweit "gültig" hier sinnvoll ist.

Wen kritisierst du hier eigentlich? Hume oder Popper?
Wie kritisierst du hier eigentlich? Konstruktiv oder destruktiv?
Welche Methoden nutzt du zu kritisieren? Du kritisierst einen Erkenntnistheoretiker der sich mit einem wissenschaftstheoretischen Problem beschäftigte, indem du emotionalisiert. Das Induktionsproblem ist ein wissenschaftstheoretisches Problem und kein ethisches.
Hume war Empiriker. Popper nicht. Popper wies sehr wohl darauf hin, dass Erkenntnistheorie nicht vom Nullpunkt aus startet, sondern dass sie auf traditionellem Wissen aufbaut. Hier geht es jedoch nicht um Erkenntnistheorie im allgemeinen, sondern um Wissenschaftstheorie im Besonderen. Des weiteren kritisierte er Hume konstruktiv. Er wies auf eine Möglichkeit hin, das Induktionsproblem zu umgehen.

Zitat:
selbstverständlich ist es nicht erlaubt logisch von einer einzelaussage oder auch beliebig vielen einzelaussagen auf eine allaussage zu schliessen. das kann man ja nachweisen. nur eignet sich logik als letztbegründung eben auch nicht denn sie gründet ja nicht in sich selber sondern auch in der erkenntnis der sinnhaftigkeit und "gültigkeit" ihrer annahmen und regeln.
insofern macht es nichts aus dass man logisch so nicht schliessen darf denn es wäre schon unlogisch daraus zu schliessen dass so nicht zu schliessen ist.
man kann also den induktionsschluss nicht logisch begründen. widerlegen kann man ihn aber auch nicht. denn induktionsschluss und logik beruhen beide auf den gleichen erkenntnisprozessen.

Wen kritisierst du hier eigentlich? Hume oder Popper?
Wie kritisierst du hier eigentlich? Konstruktiv oder destruktiv?
Popper verstand seine Philosophie als eine Philosophie des Alltagsverstands. Letztbegründungen lehnte er ab, Allaussagen nicht unbedingt.

Sowohl der Induktionsschluss und die Logik sind ein Produkt des Alltagsverstands und beruhen daher auf den gleichen Erkenntnisprozessen. Während Logik jedoch einen Überbegriff darstellt, handelt es sich beim Induktionsproblem um ein konkretes Problem in der Wissenschaftstheorie. Für dieses Problem bot Popper einen Lösungsvorschlag an.

Zitat:

das ist allein davon abhängig was man unter berechtigt versteht. ein induktionsschluss hat prinzipiell die gleiche berechtigung wie die logik selber.

dto.

Zitat:
wenn irrational heisst dass man in der logik, anschaulicherweise, keine letzbegründungen finden kann, dann ja. aber dann wird die aussage auch ziemlich bedeutungslos...

Wieso bedeutungslos?
Man kann aus dieser Information verschiedene Folgerungen ziehen:

1. Wissenschaftstheorie bietet keine absoluten Wahrheiten. Man kann sich mit ihr der Wahrheit nur annähern. Dies war die Ansicht von Popper.

2. Wissenschaftstheorie kann Letztbegründungen nur im Irrationalen finden. Da Irrationales beliebig ist, lehne ich diese Folgerung ab.

Zitat:

es gibt keinen absoluten massstab für verrückt. wie sinnvoll es ist sich für ein rührei zu halten, das steht nirgends in marmor gemeiselt. man kann es erkennen oder auch nicht. wenns dumm läuft lebt man halt nicht lang genug um seine meinung zu revidieren...insofern kann man tatsächlich von einer evolution der erkenntnis sprechen.

Wen kritisierst du hier eigentlich? Russell oder Popper? ...

Zitat:

meiner ansicht nach sind das wortspiele um rechtfertigen und wahr.
naturwissenschaftliche allaussagen werden von der jeweiligen wissenschaft existenziell interpretiert. dadurch ergibt sich die unangenehme situation dass man zwar die allaussagen in einem bestimmten denksystem beweisen könnte, die gültigkeit der existentiellen interpretation aber wie eine existenzielle aussage direkt durch angabe bzw aufzeigen des konkreten sachverhalts aufzeigen müsste. da so eine unendliche menge an existenzaussagen geschaffen wird kann man unmöglich alle beweisen.
es ist also eine frage des geschmacks ob ich eine theorie jetzt wahr, bewiesen oder gerechtfertigt oder belegt nenne solange ich mir all dessen bewusst bin.

Deine Ansichten, alles auf eine Geschmacksfrage zu reduzieren, führt in die Beliebigkeit, obwohl du prinzipiell natürlich recht hast, wer den absoluten Relativismus schätzt, kann so argumentieren.

Allerdings machte Popper keine Allaussagen, in dem Sinne, dass er sie mit 100% Wahrscheinlichkeit für existentiell hielt. Auch bei seinem Abgrenzungskriterium zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft/Metaphysik wies er darauf hin, dass er eigentlich eine Abneigung gegen Definitionen hat. Popper Existenzaussagen vorzuwerfen halte ich daher für falsch. Er wies in seiner Philosophie auch darauf hin, dass es einstmals metaphysische Theorien gab, wie die Atomtheorie, welche heute als wissenschaftlich bezeichnet werden können. Den Nihilismus lehnte er mit subjektiven Argumenten ab.

Jedoch wird hier über ein konkretes Problem der Wissenschaftstheorie geredet.

Zitat:

jede allaussage lässt sich mit einer widersprechenden existenzaussage widerlegen. das sagt also nicht popper, das ist logik.

Popper spricht hier nicht von widersprechenden Existenzaussagen, sondern von widersprechenden Prüfaussagen.
Vielleicht haben wir hier ein semantisches Problem. Eine Existenzaussage ist doch keine Prüfaussage.

Zitat:

nun ja wenn die eine widerlegt ist, dann muss die andere nicht richtig sein. allerdings scheint das hier ja nur ein spezialfall des vorhergehenden zu sein

Popper behauptet ja auch nicht dass sie absolut wahr ist, sondern lediglich, dass man zwischen mehreren konkurierenden Theorien diejenige auswählen kann, die am meisten Informationsgehalt bietet.

Zitat:

also in ihrer ausschliesslichkeit ist die aussage falsch. sehr wohl werden auch muster in erfahrungen erkannt ohne dass ich zuerst das muster angelegt habe. mit theorien aus dem blauen käme man nicht sehr weit.
die rechtfertigung erlangt die theorie natürlich durch die überprüfung und nicht dadurch wie man auf sie gekommen ist. das muss sich aber wie gesagt nicht gegenseitig ausschliesen. allerdings wird man schnell merken dass es einiger rechtfertigung bedarf wenn jemand zeit geld mühen investieren soll allein auf der grundlage einer eingebung. plausibilität wird meistens schon verlangt.

Ich denke nicht, dass Popper hier von Theorien aus dem blauen spricht. Lediglich von kühnen Theorien. Einsteins Relativitätstheorien klammerten nicht an alten traditionellen Werten, sondern sie kann man schon als kühn bezeichnen, in dem Sinne, dass sie die Physik revolutionierten.
Für Popper sind alle Theorien Vermutung, da er an keine absoluten Tatsachen glaubte. Popper spricht hier nicht von Plausibilität, sondern von Informationsgehalt. Ob du und Popper hier ähnliches meinen fällt wohl in den Bereich der Begriffsanalyse.

Zitat:

ich bezweifle ernsthaft dass popper den empirismus rettet. die wahrheit liegt eben wie so oft in der mitte.

Popper rettet natürlich nicht den klassischen Empirismus. Er liefert allerdings gute Argumente, dass man empirische Informationen nicht prinzipiell ablehnen muss, wenn man einige zusätzliche Bedingungen beachtet.

Zitat:
am ende denke ich dass es kein problem gibt solange man alles in seinen grenzen sieht. man muss einfach sehen wann man allaussagen macht, wann existenzaussagen und wann man allaussagen existenziell interpretiert.

insofern denke ich dass es erstens kein problem gibt, sofern man nicht partout logik über ihre grenzen hinaus anwenden will, und auch keine neue lösung als eben die die schon lange praktiziert wurde.

Wenn es keine neue Lösung ist, so wurde sie doch erstmals klar formuliert. Sowohl Hume als auch Russell hatten ja offensichtlich ein Problem damit.

Zitat:

erfahrung als irrational darzustellen ist vernebelnd. denn erfahrung ist weder irrational noch rational. und ohne gewohnheiten ist genausowenig zu erreichen wie mit nur gewohnheiten.

Gibt es deiner Ansicht nach keine rationalen und keine irrationalen Erfahrungen? Also ich kann differenzieren.

Zitat:
ich werde auch weiterhin der gewohnheit frönen darauf zu achten dass ich mit meinen füssen auf festem grund stehe um nicht zu fallen....aus erfahrung...

Eine durch und durch rationale Entscheidung.

Gruss
mark
Zitat:
Original von selaht

Wen kritisierst du hier eigentlich? Hume oder Popper?

tja, so wie es nylen darstellt kritisiere ich wohl hume durch popper.
Zitat:

Wie kritisierst du hier eigentlich? Konstruktiv oder destruktiv?

ich kritisiere indem ich frage wie denn die sprache benutzt wird bei der barstellung des problems. ich denke nämlich dass wittgenstein durchaus recht hat damit dass, wenn auch nicht alle, so doch die meistne probleme der philosophie aus einer unreflektierten benutzung der sprache resultieren.
das würde ich als konstruktiv bezeichnen auch wenn mancher es als destruktiv empfinden mag wenn sich ein problem in luft auflöst. eine frage des standpunktes.
Zitat:

Welche Methoden nutzt du zu kritisieren? Du kritisierst einen Erkenntnistheoretiker der sich mit einem wissenschaftstheoretischen Problem beschäftigte, indem du emotionalisiert. Das Induktionsproblem ist ein wissenschaftstheoretisches Problem und kein ethisches.

polemik ist weder unsachlich noch emotionalisierend sondern unterhaltend.
der punkt war dass das induktionsproblem eben keines ist sondern nur konstruiert wird indem man logik auf etwas anwendet wofür es nicht geeignet ist.
Zitat:

Hume war Empiriker. Popper nicht. Popper wies sehr wohl darauf hin, dass Erkenntnistheorie nicht vom Nullpunkt aus startet, sondern dass sie auf traditionellem Wissen aufbaut. Hier geht es jedoch nicht um Erkenntnistheorie im allgemeinen, sondern um Wissenschaftstheorie im Besonderen.

ach, immer diese -isten. bei genauerem hinschauen ist niemand jemals ein reiner wasauchimmer-ist. es ist mir schon klar dass es um wissenschaftstheorie im besonderen geht...das ist mein punkt. ich weiss aus eigener anschauung wie wissenschaft tatsächlich arbeitet. ich muss nur zuschauen. un ich sage, induktion ist ein wesentlicher bestandteil. da können sich die -isten alle auf den kopf stellen.
Zitat:

Des weiteren kritisierte er Hume konstruktiv. Er wies auf eine Möglichkeit hin, das Induktionsproblem zu umgehen.

ja nun die probleme der induktion sind doch bekannt. schon aristoteles hat das bei platon kritisiert. da muss man nicht erst neu drauf hinweisen, das wurde mindestens 2000 jahre durchgekaut. die induktion ist praktisch eben nicht zu umgehen. das ist ein trugschluss. oder glaubst du denn dass jede mögliche allaussage auf ihre tauglichkeit hin experimentell überprüft wird? sicher nicht. nur um es mal klar zu sagen. es gäbe unendlich viele mathematische strukturen die zu überprüfen wären. dieses ist prinzipiell nicht möglich.

Zitat:

Wen kritisierst du hier eigentlich? Hume oder Popper?

ich kritisiere die die so tun als ob jemand induktion als klassisch logisch formal richtig bezeichnet hätte. ich kritisiere die die so tun als ob das einzig sichere wissen aus tautologischen ableitungen bestünde. die logik selber wird in der gleichen weise intuitiv als richtig erkannt wie ein induktionsschluss auch.
Zitat:

Wie kritisierst du hier eigentlich? Konstruktiv oder destruktiv?

konstruktiv wenn man nicht an seinen problemen hängt. destruktiv wenn man das gefühl hat das problem würde einem ungerechtfertigterweise weggenommen. ich will natürlich niemandem sein lieblingsproblem klauen.
Zitat:

Popper verstand seine Philosophie als eine Philosophie des Alltagsverstands. Letztbegründungen lehnte er ab, Allaussagen nicht unbedingt.

tja, alltagsverstand ist aber dass ich von gleichen erfahrungen uf eine regel schliesse. nicht nur. aber doch auch. letztbegründungen muss man nur ablehnen wenn man sie logisch verorten will. allaussagen kann man schwer ablehnen.
Zitat:

Sowohl der Induktionsschluss und die Logik sind ein Produkt des Alltagsverstands und beruhen daher auf den gleichen Erkenntnisprozessen. Während Logik jedoch einen Überbegriff darstellt, handelt es sich beim Induktionsproblem um ein konkretes Problem in der Wissenschaftstheorie. Für dieses Problem bot Popper einen Lösungsvorschlag an.

über was stellt die logik einen begriff dar? das problem wurde charakterisiert als logisch ungültiger schluss. da die induktion damit gar nichts zu tun hat ixt die induktion einfach kein problem der logik. da könnte ich auch fragen ob es logisch ist ob die sonne morgen wieder aufgeht. es ist eben weder logisch noch unlogisch. es fällt nicht in den bereich der logik. die induktion auch nicht. eine lösung für ein scheinproblem ist eben auch keine lösung.
und die lösung dass man durch überprüfung das erwisenermassen falsche aussortiert...das macht man wie gesagt schon seit galilei, ohne popper.
Zitat:

Zitat:
wenn irrational heisst dass man in der logik, anschaulicherweise, keine letzbegründungen finden kann, dann ja. aber dann wird die aussage auch ziemlich bedeutungslos...

Wieso bedeutungslos?
Man kann aus dieser Information verschiedene Folgerungen ziehen:

1. Wissenschaftstheorie bietet keine absoluten Wahrheiten. Man kann sich mit ihr der Wahrheit nur annähern. Dies war die Ansicht von Popper.

ja, erstmal müsste man ja wissen was eine absolute wahrheit sein soll. zweitens, wenn ich mich der wahrheit nur annähern kann, ist das denn eine wahrheit, absolut oder angenähert?
Zitat:

2. Wissenschaftstheorie kann Letztbegründungen nur im Irrationalen finden. Da Irrationales beliebig ist, lehne ich diese Folgerung ab.
Zitat:

ja, wenn man natürlich alles was sich ausserhalb der logik befindet als irrational bezeichnet, dann muss man die logik selber auch als irrational bezeichnen. denn die logik ist ja nicht in der logik verortet. es gibt nicht einen logischen grund, nicht einen logischen grund irgendeinen logischen satz für wahr zu erachten. wie sollte man auch wenn man sich der wahrhaeit doch nur annähern kann?
wenn man logisch und irrational auseinanderhält jedoch, dann entsteht dieses problem gar nicht erst denn dann kann etwas sehr wohl "nichtlogisch" und trotzdem rational sein. der irrglaube ist, dass rational formal sein muss.
[quote]
[quote]
es gibt keinen absoluten massstab für verrückt. wie sinnvoll es ist sich für ein rührei zu halten, das steht nirgends in marmor gemeiselt. man kann es erkennen oder auch nicht. wenns dumm läuft lebt man halt nicht lang genug um seine meinung zu revidieren...insofern kann man tatsächlich von einer evolution der erkenntnis sprechen.

Wen kritisierst du hier eigentlich? Russell oder Popper? ...

ersteinmal russel, zweitens, sollte er sich das so gedacht haben, popper. im prinzip geht es aber immer darum aussagen zu kritisieren und nicht menschen. auch wenn der unterschied schwer fällt.
Zitat:

Zitat:

meiner ansicht nach sind das wortspiele um rechtfertigen und wahr.
naturwissenschaftliche allaussagen werden von der jeweiligen wissenschaft existenziell interpretiert. dadurch ergibt sich die unangenehme situation dass man zwar die allaussagen in einem bestimmten denksystem beweisen könnte, die gültigkeit der existentiellen interpretation aber wie eine existenzielle aussage direkt durch angabe bzw aufzeigen des konkreten sachverhalts aufzeigen müsste. da so eine unendliche menge an existenzaussagen geschaffen wird kann man unmöglich alle beweisen.
es ist also eine frage des geschmacks ob ich eine theorie jetzt wahr, bewiesen oder gerechtfertigt oder belegt nenne solange ich mir all dessen bewusst bin.

Deine Ansichten, alles auf eine Geschmacksfrage zu reduzieren, führt in die Beliebigkeit, obwohl du prinzipiell natürlich recht hast, wer den absoluten Relativismus schätzt, kann so argumentieren.

es ist irrig anzunehmen dass beliebig notwendigerweise absolut beliebig ist.
es ist einfach ausdruck der tatsache dass erkenntnis eben erlangt werden will. erkenntnis ist aktiv. man kann es weder erzwingen noch begründen. wie willst du denn jemandem nachweisen dass seine behauptete erkenntnis falsch sei?
Zitat:

Allerdings machte Popper keine Allaussagen, in dem Sinne, dass er sie mit 100% Wahrscheinlichkeit für existentiell hielt.

das habe ich meines wissens auch nicht behauptet. wissenschaft macht allaussagen die einfach per se existeziell gedeutet werden müssen. mit wahrscheinlichkeit hat das nichts zu tun. es hat mit der interpretation einer aussage zu tun. jede allaussage ist auch existenziell interpretierbar, jede existenzaussage ist auch universell interpretierbar.
Zitat:

Auch bei seinem Abgrenzungskriterium zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft/Metaphysik wies er darauf hin, dass er eigentlich eine Abneigung gegen Definitionen hat.

ja nun, was soll man dazu sagen wenn jemand eine erkenntnistheorie der naturwissenschaften entwirft aber definitionen nicht leiden kann?
Zitat:

Popper Existenzaussagen vorzuwerfen halte ich daher für falsch.

das habe ich gar nicht getan. ich sagte die nichtbeweisbarkeit der allaussagen der naturwissenscahften liegt nicht darin begründet dass allaussagen unbeweisbar wären, das sind sie sehr wohl, mathematiker machen nichts anderes, aber weil es sich eben um naturwissenschaften handelt muss jede allaussage aussagen über existierendes machen und wird damit zu einer unendlichen menge von existenzaussagen die man deshalb eben nicht alle aufzeigen kann.
Zitat:

Er wies in seiner Philosophie auch darauf hin, dass es einstmals metaphysische Theorien gab, wie die Atomtheorie, welche heute als wissenschaftlich bezeichnet werden können. Den Nihilismus lehnte er mit subjektiven Argumenten ab.

ach herrje. soviel zur absoluten wahrheit. ich habe wenn ich das richtig sehe ja auf diesen merkwürdigen zusammenhang hingewiesen dass es dann überhaupt kein prinzipielles kriterium zur abgrenzung zur metaphysik gibt, denn dann ist die frage der überprüfbarkeit zu einer frage der technischen möglichkeiten geworden. das kann man so sehen aber damit reduziert man es eben wieder auf den gesunden menschenverstand. der entscheidet dann ob etwas sinnvoll und praktikabel ist oder nicht. beliebig entspricht dann dem stand der technik.
Zitat:

Jedoch wird hier über ein konkretes Problem der Wissenschaftstheorie geredet.

ja, das hast du schon mehrfach gesagt. welches denn?
Zitat:

Zitat:

jede allaussage lässt sich mit einer widersprechenden existenzaussage widerlegen. das sagt also nicht popper, das ist logik.

Popper spricht hier nicht von widersprechenden Existenzaussagen, sondern von widersprechenden Prüfaussagen.
Vielleicht haben wir hier ein semantisches Problem. Eine Existenzaussage ist doch keine Prüfaussage.

eine prüfaussage ist immer notwendigerweise eine existenzaussage wenn es um den bereich der empirischen wissenschaften geht(mathematik kann man ähnlich behandeln, ich hab ja entsprechend zitiert.).
ansonsten würde mich interessieren was du denn gerne überprüfen möchtest wenn nicht eine aussage über irgendeine existenz. das ist ja der clou dabei. existenzaussagen sind überprüfbar, allaussagen nicht.
Zitat:

Zitat:

nun ja wenn die eine widerlegt ist, dann muss die andere nicht richtig sein. allerdings scheint das hier ja nur ein spezialfall des vorhergehenden zu sein

Popper behauptet ja auch nicht dass sie absolut wahr ist, sondern lediglich, dass man zwischen mehreren konkurierenden Theorien diejenige auswählen kann, die am meisten Informationsgehalt bietet.

ah, der meiste informationsgehalt. ich weiss nicht ob wir diese fass aufmachen wollen. es ist völlig trivial dass bei zwei differierenden existenzaussagen diejenige theorie die mit der richtigen existenzaussage vereinbar ist das rennen macht. das ist ungefähr sandkastenniveau.
Zitat:

Zitat:

also in ihrer ausschliesslichkeit ist die aussage falsch. sehr wohl werden auch muster in erfahrungen erkannt ohne dass ich zuerst das muster angelegt habe. mit theorien aus dem blauen käme man nicht sehr weit.
die rechtfertigung erlangt die theorie natürlich durch die überprüfung und nicht dadurch wie man auf sie gekommen ist. das muss sich aber wie gesagt nicht gegenseitig ausschliesen. allerdings wird man schnell merken dass es einiger rechtfertigung bedarf wenn jemand zeit geld mühen investieren soll allein auf der grundlage einer eingebung. plausibilität wird meistens schon verlangt.

Ich denke nicht, dass Popper hier von Theorien aus dem blauen spricht. Lediglich von kühnen Theorien. Einsteins Relativitätstheorien klammerten nicht an alten traditionellen Werten, sondern sie kann man schon als kühn bezeichnen, in dem Sinne, dass sie die Physik revolutionierten.
Für Popper sind alle Theorien Vermutung, da er an keine absoluten Tatsachen glaubte. Popper spricht hier nicht von Plausibilität, sondern von Informationsgehalt. Ob du und Popper hier ähnliches meinen fällt wohl in den Bereich der Begriffsanalyse.

ja, wenn man kühn als beliebigen platzhalter benutzen will, alltagssprachlich, was hat er dann in der erkenntnistheorie zu suchen? was genau ist denn bitte eine "kühne theorie"? selbstverständlich hat einstein die physik revolutioniert. aber eben auch wieder nicht. das relativitätsprinzip, dessen namen die theorien einsteins ja tragen, stammt von galilei bzw poincare. die transformationsgleichungen der srt heissen nicht umsonst nach lorentz. es ist eben keine revolution aus dem blauen, es ist eine konsequente anwendung altbekannter und aktzeptierter prinzipien. bis zu diesem punkt hat man sich eben nicht vorgearbeitet durch den entwurf kühner theorien die dann eine nach der anderen widerlegt wurden sondern es war kärrnerarbeit eng an der faktenlage. die frage war wie kann ich diese daten unter diesen umständen verallgemeinert darstellen. das nennt man gemeinhin induktion. nun, es ist immer ein schöner satz wenn man sagt alle theorien sind vermutungen. da es sich um abstraktionen handelt und niemals um die beschriebene sache selber ist auch dies trivial dass man sich der konkreten wirklichkeit nur nähert. das liegt in der natur des abstrakten und ist auch schon seit beginn der abendländischen philosophie bekannt.
allerdings denke ich dass jeder darauf besteht dass sein haus nach diesen vermutungen über die statik gebaut wird.
Zitat:

Zitat:

ich bezweifle ernsthaft dass popper den empirismus rettet. die wahrheit liegt eben wie so oft in der mitte.

Popper rettet natürlich nicht den klassischen Empirismus. Er liefert allerdings gute Argumente, dass man empirische Informationen nicht prinzipiell ablehnen muss, wenn man einige zusätzliche Bedingungen beachtet.

das kommt mir schon ein wenig lächerlich vor wenn mir jemand begründen will warum erfahrungen nicht grundsätzlich wertlos sind. danke vielmals.
und dass man nicht jede erfahrung verallgemeinern darf, ja wie trivial solls denn noch werden?
Zitat:

Zitat:
am ende denke ich dass es kein problem gibt solange man alles in seinen grenzen sieht. man muss einfach sehen wann man allaussagen macht, wann existenzaussagen und wann man allaussagen existenziell interpretiert.

insofern denke ich dass es erstens kein problem gibt, sofern man nicht partout logik über ihre grenzen hinaus anwenden will, und auch keine neue lösung als eben die die schon lange praktiziert wurde.

Wenn es keine neue Lösung ist, so wurde sie doch erstmals klar formuliert. Sowohl Hume als auch Russell hatten ja offensichtlich ein Problem damit.

wenn ich mich recht erinnere hab ich das genau geschrieben dass es sein kann dass dieses erstmals so formuliert wurde. keine einwände. allerdings muss ich sagen, wenn hume und russell ein problem haben, dass heisst das noch gar nichts. es wäre nicht das einzige mal dass sich russel getäuscht hätte. bei hume denke ich wird es wie bei jedem menschen ähnlich sein.
Zitat:

Zitat:

erfahrung als irrational darzustellen ist vernebelnd. denn erfahrung ist weder irrational noch rational. und ohne gewohnheiten ist genausowenig zu erreichen wie mit nur gewohnheiten.

Gibt es deiner Ansicht nach keine rationalen und keine irrationalen Erfahrungen? Also ich kann differenzieren.

was macht denn eine erfahrung irrational bzw rational? gib mal ein beispiel deines differenziationsvermögens.
Zitat:

Zitat:
ich werde auch weiterhin der gewohnheit frönen darauf zu achten dass ich mit meinen füssen auf festem grund stehe um nicht zu fallen....aus erfahrung...

Eine durch und durch rationale Entscheidung.

wenn diese entscheidung rational ist, was ist dann an der induktion irrational? wenn die induktion rational ist, wo liegt dann das problem?

gruss
Nylen
Verfolge das bisher gsagte mit Spannung.

Zu meiner Deutung des bisher aus Poppers Werk wiedergegebenem.

Hume hatte ein echtes existentielles Problem. Seine Analyse der Logik zeigte das sich empirische Wissenschaft nicht induktiv begründen lasse. Das Wissenschaft von Metaphysik nicht abzugrenzen ist. Der Rationalitätsanspruch der Wissenschaftler selbst irrational.

Dieses Dilemma des klassischen Empirismus, hat zu zwei Antworten geführt. Der Rettung des induktiven Schlusses in der Logik, oder Relativismen bzw. Irrationalismen.

Was Popper zeigt ist wie man den induktiven Schluss fallen lassen kann, und sich auf eine rein deduktivistische Logik stützend den Rationalismus, und kritischen Empirismus retten kann.

Ich verstehe den hier als logische Konsequenz entstandenen Falsifikationsansatz, auch als normativ. Popper Kritiker haben sehr überzeugend dargelegt, das Poppers Antworten mitnichten die Methode zeigen nach der Wissenschaft vorgeht, ABER Popper ist eben auch normativ zu verstehen.

Jeder Wissenschaftler sollte darauf achten das seine Thesen noch falsifizierbar sind. Er sollte sogar selber Vorschläge machen wie sie zu falsifizieren sind. Er soll sich nicht abschotten vor intersubjektiver Kritik.

Hier zeichnen sich die Elemente ab, welche für Poppers Ethik entscheidend sind. Die Suche nach annähernd wahrem Wissen ist ein ethisches Gebot, und die Wahl der Ereknntnistheorie welche man benutzt ist auch eine ethische Entscheidung. Sie beeiflusst das ganze Leben sozusagen smile

Werde bald den Teil posten wo Popper das psychologische Problem angeht, also die Frage wieso wir menschen, kt unserer Vernunft, obwohl induktive Schlüsse nicht notwendig gültig sind, in dem glauben leben, wir könnten das morgen erschliessen.
mark
Zitat:
Original von Nylen
Hume hatte ein echtes existentielles Problem. Seine Analyse der Logik zeigte das sich empirische Wissenschaft nicht induktiv begründen lasse. Das Wissenschaft von Metaphysik nicht abzugrenzen ist. Der Rationalitätsanspruch der Wissenschaftler selbst irrational.

ja. das scheint damals so durch nicht wenige köpfe gespukt zu sein. bemerkenswerterweise war kant davon sehr irritiert und wenn ich die krv richtig verstanden hab dann hat ihn solche irritation zu diesem und anderen werken getrieben. allerdings, ich bin weder der meinung dass humes problem ein echtes problem ist noch dass logik notwendigerweise das gleiche ist wie rationalität noch dass alles in rational/irrational bzw logisch/unlogisch aufgeteilt werden kann. empirische wissenschaften heissen ja nun mal so weil sie auf der erfahrung gründen. erfahrung ist aber weder logisch noch unlogisch, weder rational noch irrational.
klar ist: keine wissenschaft kommt ohne metadisziplin aus. da ist es egal ob es sich um die logik die mathematik die physik oder sonst irgendetwas handelt. man kann also trennen zwischen meta und dem ding selber. und für die metawissenschaft gibt es in der tat auch keine regeln die irgendetwas erfüllen müssten ausser dass sie von dem akzeptiert werden der sie benutzt. ob man das rational irrational oder sonstwie nennt ist eigentlich egal, es ist nur wichtig zu sehen was man dabei macht. dazu muss man die erfahrung machen wie metawissenschaften und wissenschaften selber funktionieren. mit wörtchen die so vielfältig in der bedeutung sind und derart vorbelastet mit den abstrusesten vorurteilen wie ratio und logik kommt man zur beschreibung dieses verhältnisses nicht weit.
so würde ich immer als antwort darauf sagen: die grundlagen der wissenschaften sind nicht irrational im gegensatz zu rational sondern sie sind irrational indem sie nicht in der rationalität gründen. kleiner feiner unterschied.

Zitat:

Dieses Dilemma des klassischen Empirismus, hat zu zwei Antworten geführt. Der Rettung des induktiven Schlusses in der Logik, oder Relativismen bzw. Irrationalismen.

ich hoffe ich konnte ein klein wenig deutlich machen dass dieses dilemma nur entsteht wenn man partout alles logisch verorten will und wahrheit nur als tautologie verstehen kann. in der klassischen formalen logik ist der induktionsschluss ganz klar nicht zwingend. und man kann ihn auch nicht retten ohne die klassische logik auf den kopf zu stellen. relativismus wir in diesem zusammenhang entweder trivial weil zur reinen standpunktabhängigkeit oder närrisch wenn ich jeden tag von neuem ausprobiere ob ich mir an der heissen herdplatte die finger verbrenn...

Zitat:

Was Popper zeigt ist wie man den induktiven Schluss fallen lassen kann, und sich auf eine rein deduktivistische Logik stützend den Rationalismus, und kritischen Empirismus retten kann.

man kann natürlich das pferd von hinten aufzäumen.
tatsächlich bringt das alles gar nichts. denn auch die falsifizierung macht die aussage nicht objektiver. der trick an der ganzen natur ist ja dass sie sicht einfach nicht darum scheren muss ob ich etwas bewiesen habe und auch nicht wie alls meine vorherigen erfahrungen ausgefallen sind. habe ich also irgendeinen satz durch ein experiment und einen so erhaltene existenzaussage erhalten. so kann ich logisch die allaussage widerlegen. allerdings bleibt immer noch die tatsache dass die gültigkeit der logik erkannt werden muss und es bleibt die möglichkeit dass alles ganz anders ist. dass ich eine erfahrung überhaupt in eine existenzaussage umwandeln darf...ist das logisch? rational?
es ist ein richtiger gedanke dass man mit einer existenzaussage eine allaussage widerlegen kann und dass das auch so gemacht wird. es ist ein trugschluss zu meinen deshalb sei diese erkenntnis irgendwie logisch oder rational. es gibt keine letzbegründung der erkenntnis in irgendetwas anderm. auch popper rettet das nicht.
Zitat:

Ich verstehe den hier als logische Konsequenz entstandenen Falsifikationsansatz, auch als normativ. Popper Kritiker haben sehr überzeugend dargelegt, das Poppers Antworten mitnichten die Methode zeigen nach der Wissenschaft vorgeht, ABER Popper ist eben auch normativ zu verstehen.

danke. dass wissenschaft so nicht funktioniert, das ist offensichtlich.
was soll denn jetzt hier normativ bedeuten? es scheint ja eben nicht so zu sein.
Zitat:

Jeder Wissenschaftler sollte darauf achten das seine Thesen noch falsifizierbar sind. Er sollte sogar selber Vorschläge machen wie sie zu falsifizieren sind. Er soll sich nicht abschotten vor intersubjektiver Kritik.

dass ein naturwissenschaftler sich an die natur halten soll im rahmen seiner möglichkeiten, das kommt mir als forderung aus der philosophie schon ein wenig merkwürdig vor...nachdem es genau das ist was die naturwissenschaften der philosophie vorhalten eben nicht zu tun.
diese forderungen sind also soweit es naturwissenschaftler angeht wirklich trivial und bedürfen keiner erwähnung sondern verstehen sich von selbst.
als erkenntnistheorie oder als ausfluss einer erkenntnistheorie kann man das meiner ansicht nach nicht verkaufen ohne sich lächerlich zu machen.
Zitat:

Hier zeichnen sich die Elemente ab, welche für Poppers Ethik entscheidend sind. Die Suche nach annähernd wahrem Wissen ist ein ethisches Gebot, und die Wahl der Ereknntnistheorie welche man benutzt ist auch eine ethische Entscheidung. Sie beeiflusst das ganze Leben sozusagen smile

naja, damit wird dann endgültig der rahmen des erträglichen verlassen. die suche nach der wahrheit als ethisches gebot. das ist die beste und schnellste möglichkeit sich aus dem gespräch zu bringen. zumindest unter naturwissenschaftlern. denn gerade solche gedanken haben in der naturwissenschaft aus nämlichen gründen nichts verloren. neulich hab ich bei paul lorenzen gelesen(ich bin immer noch auf der suche nach dem sinn der konstruktiven mathematik) die traditionelle mathematik zu praktizieren wäre unmoralisch. man kann sich nicht vorstellen wie schnell man sich damit hinausmanövriert. schneller als man den satz eigentlich lesen kann.
Zitat:

Werde bald den Teil posten wo Popper das psychologische Problem angeht, also die Frage wieso wir menschen, kt unserer Vernunft, obwohl induktive Schlüsse nicht notwendig gültig sind, in dem glauben leben, wir könnten das morgen erschliessen.

prima.

gruss
Nylen
Ergänze erstmal den Part zum logischen Induktionsproblem und seiner Konsequenzen für Poppers Denken. Und komme dann wohl in sepreatem Thread auf Poppers Umgang mit dem psychologiscehn Induktionsproblem.


Die Suche nach "besseren" Theorien.

Aufgrund der Unmöglichkeit des induktiven Schlusses folgert Popper darauf das alle unsere Theorien Vermutungen und Hypothesen bleiben müssen.

Bei der Suche nach Wahrheit gibt es theoretische und pragmatische Gründe der Bevorzugung einer Theorie gegenüber einen anderen.

Popper stellt nun die Frage nach welchen Kriterien wir Theorien vergleichen sollen, und kann es Gründe geben eine Tehorie als "besser geeignet" zu betrachten?

Popper umreisst das Thema anhand folgender Punkte.

1. Auswahlkriterien kann es nur für Theorien geben, welche dieselben Probleme zu beantworten suchen.
2. Der Theoretiker muss sich für falsche Theorien interessieren, den zu verstehen was eine Theorie falsch macht, führt auch zu erkenntnis. Eine Theorie zu wiederlegen muss ihm ein Anliegen sein auf der Suche nach Wahrheit.
3. eine neue "bessere" Theorie muss nicht nur dieselben Fragen beantworten wie seine Vorgänger, sondern auch die Probleme lösen welche die Vorgängertheorie wiederlegte.
4. Eine bestätigte Theorie welche noch nicht wiederlegt wurde ist "besser" als eine bestätigte aber wiederlegte Theorie.
5. Ein Theoretiker schätzt Theorien aber nicht nur für ihren wahrheitsgehlat oder ihre bisherige Unwiederlegtheit, sondern schätzt auch die Falschheit das sie Ansporn zu neuer Forschung gibt.

6 Der Theoretiker wird sich selbst die Frage stellen, wodurch seine Theorie zum scheitern gebracht würde. (Poppers Inspiration war genau Einsteins Vorherrsage das ein zukünftiges Experiment ihn wiederlegen könne (oder Newton), das Sonnenfinsternisexperiment von 1919)

7. Durch diese Auswahl und Suche nach "besseren" Theorie, können wir auf eine wahre Theorie kommen. Aber sie erweist nicht die Wahrheit, selbst wenn sie wahr ist.

Popper:"Aber diese Methode kann niemals deren Wahrheit erweisen, selbst wenn sie wahr ist, denn die Zahl der möglicherweise wahren Theorien bleibt unebdlich zu jeder Zeit und nach noch so vielen entscheidenden Prüfungen (Das ist eine andere Formulierung von Humes negativem ergebnis).Die tatsächlich vorgeschlagenen Theorien sind natürlich von endlicher Anzahl, und es kann leicht geschehen, wir sie alle wiederlegen, und uns keine neue einfällt"

8. Das Verfahren führt zu konkurrierenden Theorien. Die best geprüfte, unwiederlegte ist die welche man vorziehen sollte.

Die beschriebene Methode nennt Popper die kritische Methode


Nach der frage der Theoretischen Bevorzugung von Theorien kommt Popper zur Pragmatischen Bevorzugung.

Auf welche Theorie sollten wir uns vernünftigerweise für unsere praktischen Handlungen verlassen, bzw welche Theorien sollen wir vorziehen?

"Verlassen" sollten wir uns auf gar keine Theorie. Vorziehen sollen wir die welche sich am besten "bewährt" hat.
mark
hi, ich hoffe ich nerve nicht unerträglich wenn ich immer wieder das gleiche dazu sage...

Zitat:
Original von Nylen
Aufgrund der Unmöglichkeit des induktiven Schlusses folgert Popper darauf das alle unsere Theorien Vermutungen und Hypothesen bleiben müssen.

ein induktiver schluss ist nicht unmöglich. er ist nur eben nicht im klassischen sinne logisch zwingend und kann deshalb auch mal falsch sein. mn sollte aber nicht meinen nur weil man etwas logisch zingend herleitet fände man die natur auch so vor. das geht öfters in die hose, wie man an aristoteles sehen kann.
natur ist kausal, wenn überhaupt. logisch ist sie nicht.
die theorie der gravitation nach einstein ist niht nur eine vermutung oder eine hypothese sondern mittlerweile formaler ausdruck der erfahrung mit der gravitation.
die logik nach der die , nicht unmöglichkeit sondern eher das nichtzwingende, der induktion festgestellt wird ist ja selber schon eine theorie. nämlich die dass sich das logisch korrekt beschreiben lässt. da dreht man sich doch im kreis.
Zitat:

Bei der Suche nach Wahrheit gibt es theoretische und pragmatische Gründe der Bevorzugung einer Theorie gegenüber einen anderen.

Popper stellt nun die Frage nach welchen Kriterien wir Theorien vergleichen sollen, und kann es Gründe geben eine Tehorie als "besser geeignet" zu betrachten?

Popper umreisst das Thema anhand folgender Punkte.

1. Auswahlkriterien kann es nur für Theorien geben, welche dieselben Probleme zu beantworten suchen.

ist es frech das als trivial zu bezeichnen?
Zitat:

2. Der Theoretiker muss sich für falsche Theorien interessieren, den zu verstehen was eine Theorie falsch macht, führt auch zu erkenntnis. Eine Theorie zu wiederlegen muss ihm ein Anliegen sein auf der Suche nach Wahrheit.

also, ihm muss natürlich nicht daran gelegen sein zu widerlegen. man stellt keine theorien auf um sie zu widerlegen. natürlich wird sollte man, um reibungsverluste zu minimieren und sich nicht total unglaubwürdig zu machen und als luftikuss dazustehen theorien auf herz und nieren geprüft haben bevor man sie auf die menschheit loslässt...
was eine theorie unsinnig macht ist ganz klar wenn sich die natur einfach nicht so verhält...
Zitat:

3. eine neue "bessere" Theorie muss nicht nur dieselben Fragen beantworten wie seine Vorgänger, sondern auch die Probleme lösen welche die Vorgängertheorie wiederlegte.
4. Eine bestätigte Theorie welche noch nicht wiederlegt wurde ist "besser" als eine bestätigte aber wiederlegte Theorie.

das erscheint mir wieder trivial. auch muss man doch nicht besser einführen. widerlegt ist widerlegt. mit kandidaten die aus dem rennen sind muss man sich doch nicht vergleichen, oder?
Zitat:

5. Ein Theoretiker schätzt Theorien aber nicht nur für ihren wahrheitsgehlat oder ihre bisherige Unwiederlegtheit, sondern schätzt auch die Falschheit das sie Ansporn zu neuer Forschung gibt.

hm. das ist genauso ein induktionsschluss. nur weil ich mit einer existenzaussage die entsprechende allaussage widerlegt habe wird daraus noch keine gültige allaussage aus der ursprünglich negierten. dass es nicht immer so ist heist nicht dass es immer anders ist. insofern...wenn ich daraus was lernen will, dann mittels induktion...wies ja auch passiert...
Zitat:

6 Der Theoretiker wird sich selbst die Frage stellen, wodurch seine Theorie zum scheitern gebracht würde. (Poppers Inspiration war genau Einsteins Vorherrsage das ein zukünftiges Experiment ihn wiederlegen könne (oder Newton), das Sonnenfinsternisexperiment von 1919)

also das ist doch dann aber nichts neues...das wird gemacht seit galilei. insofern, warum muss er sich da von einstein inspririeren lassen und nicht vom rest der wissenschaften oder auch von galilei? klar kann jeder inspiriert sein von was er will, aber es hat so einen unterton ausgerechnet wieder einstein da vorzuführen, wie wenn das was ganz tolles wäre dass man sich experimente überlegt zur entsvcheidung welche ideen denn nun zutreffen und welche nicht. ausprobieren halt. so alt wie die menschheit.
mir scheint als hätten die philosophen das vornehmlich für sih wiederentdeckt...
Zitat:

7. Durch diese Auswahl und Suche nach "besseren" Theorie, können wir auf eine wahre Theorie kommen. Aber sie erweist nicht die Wahrheit, selbst wenn sie wahr ist.

Popper:"Aber diese Methode kann niemals deren Wahrheit erweisen, selbst wenn sie wahr ist, denn die Zahl der möglicherweise wahren Theorien bleibt unebdlich zu jeder Zeit und nach noch so vielen entscheidenden Prüfungen (Das ist eine andere Formulierung von Humes negativem ergebnis).Die tatsächlich vorgeschlagenen Theorien sind natürlich von endlicher Anzahl, und es kann leicht geschehen, wir sie alle wiederlegen, und uns keine neue einfällt"

auch das würde ich wieder als trivial bezeichnen. da wird doch der formalismus zu tode geritten. das ist ungefähr so als wenn ich sagte dass ich mir meiner wahrnehmung nie sicher sein kann. natürlich nicht...aber hilft das hier weiter?
die frage bleibt immer nich ungeklärt ob den erkenntnis der wahrheit auf einen formalen beweis angewiesen ist. auch der streit zieht sich durch die geschichte. und wurde von gödel beantwortet.nicht von popper.
Zitat:

8. Das Verfahren führt zu konkurrierenden Theorien. Die best geprüfte, unwiederlegte ist die welche man vorziehen sollte.

auch ziemlich trivial...
Zitat:

Die beschriebene Methode nennt Popper die kritische Methode

ich gestehe dass es mich ärgert dass fünfhundert jahre nachdem sich die naturwissenschaften vom vorgehen eines aristoteles emanzipiert haben jemand kommt und meint er dürfte das benennen...
Zitat:

Nach der frage der Theoretischen Bevorzugung von Theorien kommt Popper zur Pragmatischen Bevorzugung.

Auf welche Theorie sollten wir uns vernünftigerweise für unsere praktischen Handlungen verlassen, bzw welche Theorien sollen wir vorziehen?

"Verlassen" sollten wir uns auf gar keine Theorie. Vorziehen sollen wir die welche sich am besten "bewährt" hat.


ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz den unterschied zwischen der theoretischen und der pragmatischen bevorzugung. das ist ja auch nicht unbedingt ein gegensatz. und bei beiden kommt raus dass man das bewährte verwendet...das läuft übrigens eben doch wieder auf gewohnheit hinaus...oder überlegt einer bevor er aus dem haus geht welcher theorie der gravitation er heute den vorzug geben soll?

tut mir leid, ich empfinde das als ziemlich gekünstelt. wundert mich immer wieder warum das empfohlen wird.

gruss
Nylen
Du hast sehr moderne Ansichten welche du meines Wissens unreflektiert rückprojizierst.

Diese Eröffnung des Werkes gibt die Vorbedingungen aus der wissenschaftstheoretiscehn Entwicklung seit den 20er Jahren wieder.

Es sind Antworten auf gegner die etwas gegenteiliges behaupten. Wenn du es trivial findest gehörst du schlicht nicht zu den gegnern auf die es Popper abgesehen hat.
mark
Zitat:
Original von Nylen
Du hast sehr moderne Ansichten welche du meines Wissens unreflektiert rückprojizierst.

wie das?
Zitat:

Diese Eröffnung des Werkes gibt die Vorbedingungen aus der wissenschaftstheoretiscehn Entwicklung seit den 20er Jahren wieder.

hm. da verwundert es doch dass man die geburt der modernen naturwissenschaft bei galilei zu finden meint. irgendwie mussten die bis zu den 1920iger jahren doch was richtig gemacht haben...
Zitat:

Es sind Antworten auf gegner die etwas gegenteiliges behaupten. Wenn du es trivial findest gehörst du schlicht nicht zu den gegnern auf die es Popper abgesehen hat.

hm. ich gehöre schon zu denen die induktionsschlüsse ziehen. eben nicht als klassisch logische schlüsse...
gegen wen wendet sich denn popper mit der kritischen methode? sagt er das?
gruss
Nylen
Wissenschaftstheorie ist doch nicht Wissenschaftspraxis.

Und das die moderne Logik erst seit dem 19 Jahrhundert besteht, welche zentraler Bestandteil jeder Wissenschaftstheorie ist ist dir doch nicht entgangen.

Kants Sicht der Wissenschaft, war sicherlich eine andere als die Poppers. Kant suchte nach Gültigkeit und Sicherheit des Wissens. Ebenso Descartes. Ebenso Newton.

Popper fordert diese Suche nach Sicherheit aufzugeben. Das war sogar 1920 noch sehr modern.
mark
Zitat:
Original von Nylen
Wissenschaftstheorie ist doch nicht Wissenschaftspraxis.

das stimmt. aber sollte die theorie nicht die praxis beschreiben? oder ist das ein reines gedankenspiel ohne bezug zur realität?
Zitat:

Und das die moderne Logik erst seit dem 19 Jahrhundert besteht, welche zentraler Bestandteil jeder Wissenschaftstheorie ist ist dir doch nicht entgangen.

es stimmt, die logik fristete bis ende des 19ten jhdts ein relatives schattendasein. allerdings, dass man mit existenzsätzen allaussagen stürzt, dass man aus existenzaussagen nicht auf gleichlautende allaussagen schliessen darf, das war auch schon in den syllogismen so. und dass existenzaussagen durch experimente ermittelt werden zur überprüfung von vorformulierten allaussagen, gesetzen, das hat galilei (wieder)eingeführt.
hätte man sich die zweitausendjahre weniger an aristoteles und ein bisschen mehr an archimedes orientiert in diesen fragen wäre die menschheit wohl schon etwas weiter...
Zitat:

Kants Sicht der Wissenschaft, war sicherlich eine andere als die Poppers. Kant suchte nach Gültigkeit und Sicherheit des Wissens. Ebenso Descartes. Ebenso Newton.

hatte kant auch nur eine vorstellung von naturwissenschaft die dem vergleichbar war was popper als anschauungsobjekt hatte?
wenn er sich gegen dieses apriori zeugs und die kategorien wendet deren herrschaft man sich anscheinend unterwerfen muss, dann hat er meine unterstützung.
newton stütz sich allerdings auf keine solchen konstrukte sondern allein auf erfahrung.
Zitat:

Popper fordert diese Suche nach Sicherheit aufzugeben. Das war sogar 1920 noch sehr modern.

hmmm. vielleicht verstehe ich was du meinst. in der tat mussten widerstände überwunden werden auch in der eigenen disziplin um theorien wie den relativitätstheorien und der kopenhagener interpreation zu ihrem recht zu verhelfen. einstein selber wollte gerne an bestimmten apriori vorstellungen festhalten, obwohl er doch raum und zeit eigenhändig wieder auf den boden gebracht hat. es gibt auch von heisenberg ein kleines büchlein in dem ein meinungsaustauch mit einer "kantianerin" beschrieben wird. die zwingenden schlüsse die man aus quantenexperimenten ziehen muss wirkten sich natürlich ziemlich dramatisch auf eine kantsche vorstellung aus. ähnliches gab es natürlich auch schon früher, man denke nur an den atomismus. oder den äther...eine hässliche sache...
auf der anderen seite, nicht alle waren ja kantianer. es gab ja auch empiristen, positivisten, formalisten, platonisten und und und...
newton zum beispiel hatte zwar eine vorstllung von absoluter zeit und absolutem raum. allerdings nur begrenzt in dem masse wie es die erfahrung zu bestätigen schien. von apriori keine spur. im gegenteil.
descarte hab ich nicht gelesen...schien mir immer ein wenig langweilig zu sein...mea culpa... allerdings ist das kartesische koordinatensystem in erster linie bewährt und nicht apriori.

insofern magst du recht haben dass es meine "moderne" perspektive ist die mir "moderne" herangehensweisen als "normal" erscheinen lässt.
was nichts daran ändert dass die "kritische methode" nichts neues war.

gruss
Nylen
Zitat:
was nichts daran ändert dass die "kritische methode" nichts neues war.


Richtig. Popper beruft sich auf ene Tradition seit Xenophanes.

"Nicht von anfang an enthüllen uns die unsterblichen Götter alles, doch suchend finden wir stückweise das bessere."
mark
auch wenn das vielleicht ein wenig implizit formuliert ist...immer endet man doch wieder bei den griechen.
nichts neues unter der sonne.
Nylen
So setze mal die Diskussion von Poppers werk fort:

Humes Antwort auf die Unmöglichkeit aus induktiven Schlüssen wahre erkenntnis BEGRÜNDET zu bekommen, lies ihn zu einem Glaubensphilosoph werden. Einstein und die modernen wissenschaftler rechtfertigen demnach ihre Theorien mit dem selben Anspruch wie die Theologen. Letztlich ist alles nur Glauben für Hume (und damit Gewissheit nur im Glauben zu finden)

"Ich bin stolz darauf, daß ich kein Glaubensphilosoph bin: Ich interessiere mich in erster Linie für Ideen, für Theorien und finde es ziemlich unwichtig, ob irgend jemand an sie glaubt Ich habe den Verdacht, daß das Interesse der philosophen am Glauben aus jener falschen Philosophie entspringt, die ich "induktivismus" nenne. Als Erkenntnistheoretiker gehen sie von subjektiven Erfahrungen aus und unterscheiden nicht zwischen subjektiver und objektiver Erkenntnis. Das lässt sie den Glauben für den Oberbegriff des Wissens halten"

Hier zeigt Popper erstmals seine Stossrichtung. Objektive Erkenntnis conra Subjektive Erkenntnis. Das Buch ist sogesehen ein erkenntnistheoretischer Angriff, der subjektiven erfahrung als Letztbegründung.

Das psychologische Problem Humes iszt kurz fomuliert ja: "wesdhalb glauben so viele ihre aus Tradition oder Wiederholung beruhenden Annahmen, seinen gesichert."

Poppers Antwort ist biologistisch (zum Teil) und rationalistisch.

Wir haben biologisch eingebaute Erwartungen, und explizite Theorien. Diese sind aber nicht "sicher" oder "gewiss" wie die Glaubensphilosophen gerne hätten.

Selbst die bestgeprüfte Theorie (morgen wird die Sonne aufgehen) kann falsch sein. Prinzipiell gesprochen. Wir nehmen das als Wissenschaftler aber auch nicht an weil sie jeden Tag wiederholt aufgegangen ist, und wir daher induktiv dieses folgern, sondern, weil wir eine umfasende Theorie der Planetendrehung haben, sowie der Umdrehung der Erde um die Sonne, welche erklärt warum morgen die Sonne aufgehen müsste.

Diese hier jetzt abschliessend vorgestellten Lösungsversuche des Induktionsproblems, lösen so häufige Kritik an Popper das Induktionsproblem gar nicht. Das ist trivial und richtig.

Für Popper sind die Probleme welche sich so formulieren lassen:

1. Wie lässt sich Induktion trotz Hume rechtfertigen. (Wittgenstein, Carnap, Russel)
2. Wie kann ein nicht logisch zwingendes Prinzip der Induktion gerechtfertigt werden?
3. Wie kann man ein besonderes Induktionsprinzip rechtfertigen, wie "Die Zukunft wird der Vergangenheit ähneln, oder das Prinzip der Gleichförmigkeit in der Natur.



Poppers Einwand gegen alle diese Spielarten der Suche nach Induktionsprinzipien.

Sie suchen nach Gründen die zeigen WARUM wir gesichertes Wissen haben, und am besten einen logischen Schluss der uns zeigt WIE.

Aber es gibt keine sicheres Wissen, und keine sichere unfehlbare Methode.

Popper folgert aus dem Induktionsproblem das wir statt nach Bestätigung unserer Theorien (die nützlich sein können) primär nach Falsifikatoren unserr Theorien suchen, als nach dem was sie wiederlegt.

Auf diese weise erhalten wir besseres geeigneteres Wissen. Und jede Theorie welche gar keine Falsifikatoren nennen kann (Gott hat die welt erschaffen) müssen von der Wissenschaft als Metaphysik oder Pseudowissenschaft abgegrenzt werden. (Nicht ausgegrenzt wie oft missverstanden wurde)
Nylen
Da mir dieser Text immer noch sehr wichtig ist, eröffne ich eine erneute Diskussion des Themas. Der einfach halb halber und damit man nicht den ganzen Thread lesen muss hier nochmal Poppers 1. Kapitel im Überriss:


Popper beginnt sein Werk über die Objektive Erkenntnis mit seiner Lösung des Induktionsproblems. Diese Lösung fand er bereits Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts und wurde nicht müde sie in allen seinen Büchern zu schildern. Es muss ihm also wichtig gewesen sein. Warum ist es so wichtig?
Poppers Publikum und meines unterscheiden sich doch deutlich und deshalb will ich einiges vorausschieben bevor ich mit Popper loslege.

Induktion

Zu Poppers Lösungsversuch findet sich hier nur ein Satz. "Karl Popper hat vehement zu zeigen versucht, dass Induktion eine Illusion sei"

In der Logik unterscheiden wir zwei Arten von Behauptungen. Existenzaussagen und Allaussagen. Existenzaussagen sind Aussagen derart das etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt und bestimmten Ort der Fall ist. z.B. Es regnet heute. Dieser Kater heisst Garfield.
Allaussagen dagegen, sind Aussagen derart das sie immer der Fall sind, und an jedem beliebigen Ort. wären : Jeden Tag geht die Sonne auf, Alle Kater sind vierbeinig.
In der Logik unterscheidet man desweiteren zwischen Induktion und Deduktion. Deduktion ist die Ableitung des Einzelfalles aus einem allgemeinen Gesetz. Letzteres drückt sich in Allsätzen aus. z.B. aus dem allgemeinen Satz dass jeden Tag die Sonne aufgeht, kann ich ableiten das morgen die Sonne aufgeht. Induktion dagegen ist der Schluss von einem speziellen Fall, wie das heute die Sonne aufgegangen ist auf die Feststellung das jeden Tag die Sonne aufgehen wird.
Natürlich sind das bewusst schlecht gewählte Beispiele. So dachte man vor etwa 2500 Jahren, bevor Aristoteles die Logik und ihre Gesetze selber untersuchte.
Aristoteles nun dachte es gäbe Induktion. Und er versuchte die Gesetze aufzustellen nach denen Induktionsschlüsse und Deduktionsschlüsse funktionierten. Mit der Deduktion war er sehr erfolgreich, aber mit der Induktion gab es ein Problem, das spätestens mit Hume das Denken der Philosophen strapaziert.
Genommen unser Beispiel. Jeden Tag geht die Sonne auf. Das Argument lautet etwa wie folgt. Heute ging die Sonne auf, gestern ging die Sonne auf, und sie Tat es den Tag davor und davor, und so bis zum Beginn der Erde, also wird sie auch morgen auf gehen.
Ich denke jedem ist klar das hier etwas nicht stimmen kann, habe ich doch bewusst ein sehr schlechtes Beispiel für Induktion gegeben. Aber letztlich funktioniert Induktion exakt so. Wir versuchen von zahllosen bisher gemachten Beobachtungen datrauf zu schliessen das etwas zukünftig der Fall sein wird.

Gehen wir nun zu Popper über.

Popper beschäftigt sich mit dem in der Wikipedia geschilderten Problem der Induktion. Das Problem ist kurz gesprochen das induktive Schlüsse nicht zwingend gültig sind und daher nicht gerechtfertigt werden können. Zum Problem wird es weil wir dann nicht behaupten können Beobachtungen bringen uns zur Erkenntnis allgemeiner Gesetze, was Empiristen wie Popper gern wollen.
Popper sagt das traditionelle Problemformulierungen verhindert haben das Problem zu lösen, da sie unkritisch waren.
Unkritisch weil sie voraussetzen, das Induktion die Methode ist nach der wir zu allgemeinen Gesetzen kommen.
Popper will uns versuchen zu zeigen, dass durch Umformulierung des Problems welches wir haben das Problem gelöst werden kann.

Popper legt los mit dem was er Induktionsproblem des Alltagsverstandes nennt. Unter Alltagsverstand versteht Popper das gemeinhin angenommene, z.B. das Tiere leben, Steine dagegen nicht leben, das der Mond die Erde umkreist und ähnliches.
Wir haben Erwartungen und wir glauben fest an Regelmässigkeiten (Naturgesetze und andere Allaussagen, wie "Jeder Krieg endet einmal"). Gefragt warum wir dies erwarten, oder an Regelmässigkeiten glauben, antworten viele das wir dies regelmässig beobachtet haben, oder gehört, oder gelesen.
Dahinter verbirgt sich oft noch ein naiver Empirismus, derart das nichts in unserem Denken sei, was nicht zuvor via unsere Sinne hineingekommen ist.
Das Problem ist nun, wie entstehen diese Erwartungen und der Glaube an gewisse Regelmässigkeiten in der Welt?
Wie rechtfertigt man logisch es sei etwas erwartungsgemäss der Fall bzw, regelmässig so. Weil die wiederholt gemachten Beobachtungen das nahe legen!
Diese Rechtfertigung + Entstehung zusammengenommen heisst seid alters her nun Induktion.

Sprechen wir aber vom Humeschen Problem der Induktion meinen wir etwas mehr als das.

Hume wollte wissen wie es um den Status unserer Erkenntnis, unseren Erwartungen und Regelmässigkeiten steht, welche wir mit unser Vernunft aus der Welt herleiten.
Laut Popper teilte Hume das Problem auf, in ein logisches und ein psychologisches. Also einem Problem der Logik und einem Problem des Denkens oder Für Wahr Haltens.
Humes logisches Problem formuliert Popper so:

"Ist es gerechtfertigt, von [wiederholten] Einzelfällen, die wir erfahren haben, auf andere Fälle [Konklusionen}, die wir nicht erfahren haben, zu schliessen."

Humes Antwort war negativ, gleich wie häufig diese Erfahrungen auch sein mögen, rechtfertigt es nicht den Schluss auf andere mögliche Erfahrungen. Das jeden Tag die Sonne aufgeht rechtfertigt nicht die Behauptung das sie morgen oder gar immer aufgehen wird.
Und doch tun wir das in Wirklichkeit ständig und haben gar kein Problem damit. Humes psychologisches Problem war daher. "Warum erwarten und glauben trotzdem alle vernünftigen Menschen, daß noch nicht vorliegende Erfahrungen den vorliegenden entsprechen werden? Das heißt: Warum haben wir Erwartungen, in die wir großes Vertrauen setzen?
Humes Antwort war. Wir sind es gewohnt so zu assozieren, das regelmässige Wiederholung zu Erwartungen führt. Es ist blosse Gewohnheit und durch keine rationalen Gründe stützbar. Rationaler Glaube selbst ist daher unhaltbar. Jedenfalls nicht wertvoller als z.B. Offenbarungsglauben der Religionen.
Popper zitiert nun Bertrand Russel in Ausschnitten, was ich gerne wiederhole wegen der Klarheit von Russels Gedanken.
"Humes Philosophie.....ist der Bankrott der Vernunft des 18. Jahrhunderts" und "Daher ist es wichtig herauszufinden, ob es im Rahmen einer Philosophie, die ganz oder hauptsächlich empirisch ist, eine Antwort auf Hume gibt. Wenn nicht dann gibt es keinen erkenntnistheoretischen Unterschied zwischen Vernunft und Wahnsinn. Der Verrückte, der sich für ein Rührei hält, ist nur deshalb zu veruteilen, weil er sich in der Minderheit befindet..."
Empirismus ist kurz gesagt die Theorie, das wir unsere Erkenntnis aufgrund von Beobachtungen gewinnen. Also unsere Naturgesetze z.B. Wir wollen nicht glauben, es gäbe Naturgesetze sondern wir wollen es wissen. Wenn sich allgemeine Erwartungen und Regelmässigkeiten nicht rechtfertigen lassen, dann lässt sich Wissenschaft nicht rechtfertigen bzw. ihre Überlegenheit gegenüber anderen Erkenntnisarten. Jeder Versuch aus Beobachtungen allgemeine Gesetze abzuleiten ist dann zum Scheitern verurteilt.
Popper versucht nun wie schon gesagt das Problem zu lösen ohne die schrecklichen Folgen für Wissenschaft und Vernunft. Die Befreiung davon das wir etwas nicht können (das logische Problem) und es doch tun (das psychologische Problem].
Zitat Popper " .....ist es einer meiner wichtigsten Grundsätze, bei logischen Problemen alle subjektiven oder psychologischen Ausdrücke, besonders "Glaube" usw., in objektive Ausdrücke zu übersetzen. Statt von Glaube spreche ich etwa von einer "Aussage"oder einer "erklärenden Theorie"; statt von einer "Wahrnehmung" spreche ich von einer "Beobachtungsaussage" oder "prüfaussage"; und statt von der "rechtfertigung eines Glaubens" spreche ich von der "Rechtfertigung der Behauptung, daß eine Theorie wahr ist usw."
Hier zeigt sich einer von Poppers Wesenszügen. Um nicht in Wortstreitigkeiten zu verfallen, nützt er oft ein neues Vokabular oder transformiert Probleme und Aussagen, um dann etwas sinnvolles darüber zu sagen. Nehmen wir Poppers Behandlung des Problems der Herrschaft. Kurz der Frage: Wer soll herrschen? Das Volk, das Proletariat, der König etc.
Popper hält die Frage wer herrscht für ziemlich nebensächlich. Das Problem der Herrschaft stellt sich ihm folgendermassen. Wie werde ich einen schlechten Herrscher unblutig wieder los.? Ist dies gewährleistet ist das Herrschaftsproblem gelöst.
Desweiteren möchte Popper nicht über Bedeutungen von Wörtern streiten sondern über Theorien und ihre Konsequenzen. So transformiert er oft Wörter, z.b. sagt er statt, "Ich glaube, daß" "Ich vermute, daß" . Er ist auch nicht an Bedeutungen von Wörtern wie "Demokratie" interessiert, sondern an Demokratietheorien, und ihren Konsequenzen. Er lehnt Sprachanalytik zwar nicht völlig ab, sieht sie aber als zweitrangig und oft als Scheingefecht an.

Popper formuliert nun das Humesche Problem neu.

Er ersetzt Erfahrungen durch Prüfaussagen, noch nicht vorliegende Erfahrung durch erklärende allgemeine Theorie.
Jede Erfahrung welche wir machen, können wir in Sprache ausdrücken, selbst wenn uns manchmal die Worte fehlen. Unter Prüfaussagen versteht Popper, singuläre Existensaussagen, wie "dieser Schwan ist weiss", "Frau Merkel ist Kanzlerin von Deutschland" welche prüfbar sind, durch wiederholbare Beobachtung.
Statt wie Hume von noch nicht vorliegender Erfahrung zu sprechen, spricht Popper von allgemein erklärenden Theorien. Diese umfassen jede entsprechende mögliche Erfahrung oder Prüfaussage.

Popper formuliert also: Lässt sich die Behauptung, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr, mit "empirischen Gründen" rechtfertigen, daß heißt dadurch, daß man bestimmte Prüfaussagen oder Beobachtungssätze als wahr annimmt.

Popper sagt entsprechend zu Hume: Nein das können wir nicht.

Dies sei aber eine sehr spezielle Formulierung und man kann sie allgemeiner formulieren.

Lässt sich die Behauptung eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr oder sei falsch, mit "empirischen" Gründen rechtfertigen? Das heißt, kann die Annahme, bestimmte Prüfaussagen seien wahr, entweder die Behauptung rechtfertigen, eine allgemeine Theorie sei wahr oder die Behauptung, sie sei falsch?

Wir sehen wie geschickt Popper das Problem umformuliert. Es geht ihm nämlich um empirische, das ist naturwissenschaftliche Erkenntnis, ausgedrückt in Theorien und Experimenten.
Und nun der Clou. So formuliert ist die zu gebende Antwort Ja. Ja, wenn bestimmte prüfbare Aussagen wahr sind, rechtfertigt das manchmal zu sagen, eine erklärende allgemeine Theorie sei falsch.
Das Problem welches Hume hatte und welches Russel schilderte war ja, ob wir zwischen wahren und falschen Theorien unterscheiden können. Und Popper antwortet darauf, das wir zwar nicht sagen können ob eine Theorie wahr ist, aber wohl das eine Theorie falsch ist.
Nehmen wir die simpelste Form einer Theorie welche sich Popper ausgedacht hat. "Alle Schwäne sind weiss". Können wir das beweissen oder auch nur begründen, oder bestätigen? Nein können wir nicht. Egal wieviele weisse Schwäne wir auch anbrächten, so könnte immer noch irgendwo irgendwann ein nicht weisser Schwan auftauchen. Alle Schwäne ist weiss wäre dann nur ein Glaube unter vielen. Können wir jedoch einen einzigen Schwan aufzeigen der nicht weiss ist, also rot oder schwarz, dann wäre die Behauptung oder Theorie das alle Schwäne weiss sind falsch. Natürlich wäre immer noch wahr, das viele Schwäne weiss sind. Aber das ist eine andere Theorie. und keine allgemeine erklärende Theorie mehr.
Eine angepasste bessere Theorie wäre. Also z.B Alle Schwäne sind schwarz oder weiss.
Jetzt haben wir zwei konkurrierende Theorien.

Hierraus ergibt sich ein weiteres Problem. Nämlich ob es Gründe gibt eine Theorie der anderen vorzuziehen.
Popper bejaht dies, nämlich dann wenn wir den glücklichen Umstand haben, das wir zeigen können das eine der Theorien falsch ist.
Das Problem das übrig bleibt ist die Frage nach der Wahrheit oder Falschheit dieser Prüfaussagen. Ist es wahr das es einen schwarzen Schwan gibt? Dies ist aber nicht mehr das Problem der Induktion. Es ist nicht mehr das Schlussfolgerungsproblem.
Popper zeigt das für empirische Wissenschaft kein Induktionsprinzip oder Schluss vonnöten ist, und er konnte dadurch zu spannenden weiteren Fragen vorstossen die sich dahinter verbergen. z.B. können Aussagen wie "Ich sehe das hier ein schwarzer Schwan ist" als gesichert angenommen werden??
Geht die Erfahrung, bzw. die Beobachtung (Wahrnehmung) der Theorie vorraus?
Poppers erste Formulierung des Problems führt ihn dahin das wir alle Theorien und Gesetze, als blosse Vermutungen und Hypothesen also versuchsweisen Theorien ansehen müssen. Da wir von Beobachtungen nicht auf Gesetzmässigkeiten schliessen können bleiben auch unsere besten Theorien blosse Vermutungen.
Das wird heute allgemein anerkannt, aber zu Poppers Zeiten war das noch ganz anders. smile
Es ist sogar soweit gekommen das wir lapidar sagen, z.B. Darwins Evolutionslehre oder die Expansion des Universums, seien blosse Theorien und damit blosse Vermutungen.
Hierzu ist zu sagen das Theorien zwar nicht bewahrheitet, dass ist bewiesen werden können, denn Beweisse gibt es nur in der Logik und der Mathematik. Aber wir können Bestätigung für unsere Theorien sammeln. Darwins Theorie ist nicht nur Tausendfach bestätigt worden, sondern durch andere Theorien restlos erklärt worden. Da hört man aber dann auf sinnvoll von blossen Vermutungen zu sprechen. Es sind unsere best bestätigten Vermutungen, und unsere besten Theorien.
Das Problem ist das wir nach gesichertem Wissen suchen und uns nicht mit Vermutungen abspeisen lassen wollen. Hiervon will uns Popper abbringen.
Noch heute versuchen Menschen das logische Induktionsprinzip zu finden, oder induktion zu rechtfertigen.
Popper verneint alle Versuche das logische Problem in seiner einfachen Formulierung zu retten, also das wir allgemeine erklärende Theorien als wahr rechtfertigen können.
Poppers zweite Formulierung folgt aus der ersten und die dritte aus der zweiten.
Humes Psychologisches Problem warum wir doch induktiv schliessen wird für die Wissenschaft unbedeutend, und Russels Alptraum verschwindet. Natürlich verallgemeinern wir gerne. Natürlich rechtfertigen wir oft unsere Behauptungen damit etwas so beobachtet zu haben, aber das ist nicht was unsere Theorien wahr oder falsch macht.

Popper kommt auf alle diese Punkte noch öfter zurück. Folgen wir ihm weiter im Text.

Zitat Popper "Wir haben gesehen, das die negative Antwort auf das erste logische Problem alle unsere Theorien Vermutungen und Hypothesen bleiben lässt. Haben wir einmal dieses rein logische Ergebnis akzeptiert, so erhebt sich die Frage: Gibt es rationale Gründe, auch empirische, dafür, gewisse Vermutungen und Hypothesen anderen vorzuziehen?"

Popper unterscheidet hier zwischen theoretischer und pragmatischer Bevorzugung.

Beschäftigen wir uns zuerst mit der theoretischen Bevorzugung. Haben wir erst mal eingesehen, daß wir die Wahrheit von Theorien nicht durch empirische Beobachtungen rechtfertigen können stehen wir vor neuen Fragen, wie eigentlich immer in der Philosophie. Wie können wir unter konkurrierenden Theorien auswählen, nach welchen Grundsätzen sollte dies geschehen. Sind einige Theorien besser als andere?

Nicht widerlegte Theorien sind widerlegten vorzuziehen. Das sieht jeder wohl ein. Eine bessere Theorie sollte unter anderem genau da Erfolg haben, wo andere Theorien wiederlegt wurden. Es ist daher immer wichtig Widerlegungen zu kennen. Wiederlegungen sind wichtig und immer nützlich, um bessere Theorien zu finden. Nicht wiederlegte Theorien sind deshalb interessant, weil sie Möglicherweise wahr sind.

Popper :" Freilich kann die neue Theorie wie jede unwiederlegte Theorie auch falsch sein. Der Theoretiker wird also alles versuchen, unter den nicht wiederlegten Theorien falsche herauszufinden, "dingfest zu machen. Das heißt, er wird sich bei jeder nicht widerlegten Theorie fragen, in welchen Situationen sie scheitern würde, wenn sie falsch wäre. Er wird also versuchen, strenge Prüfungen sowie zwischen Theorien entscheidende Prüfungssituationen zu entwerfen"
Ist das so? Beschreibt Popper was wir alltäglich machen, oder auch nur was Wissenschaftler machen. Ich denke Nein. Jedenfalls nicht generell. Es ist aber so das wir es tun sollten. Errinert euch das ich sagte wir hätten eine Verantwortung für die Wahl unser Erkenntnistheorie. Das umfasst auch die Methode der Erkenntnis. Popper beschreibt hier so eine Methode. Wir sind verantwortlich die beste verfügbare Methode zu nutzen.
Haben wir mehrere Theorien welche unwiderlegt sind, wie z.B. konkuriernde Stringtheorien zur Zeit, so müssen wir Experimente und mögliche Beobachtungen suchen, welche uns helfen die eine oder andere Theorie als falsch zu erweisen. Neue Theorien sollten alte Theorien Ansatzweise enthalten. So enthält z.B. Einsteins Theorie der Gravitation ansatzweise Newtons Lösung und Newtons Lösung Keplers Lösung und so weiter. Kurz die neue Theorie muss erklären was die alte Theorie nicht erklären konnte.

Popper wieder "Die beschriebene Methode kann man die kritische Methode nennen. Es ist eine Methode des Versuchs und der Ausmerzung von Irrtümern, der Aufstellung von Theorien und ihrer möglichst strengen Prüfung."

Übersteht eine Theorie zahlreiche Widerlegungsversuche, wie z.B Darwins Theorie oder Einsteins, dann hat sie sich "Bewährt". Sie bleibt zwar eine Vermutung, aber eben die beste Vermutung die wir haben oder evt jemals erreichen.

Popper kommt nun zur pragmatischen Bevorzugung.

Popper :" Bisher habe ich mich damit beschäftigt, warum der Theoretiker - wenn überhaupt - die "bessere", d.h. besser prüfbare und besser geprüfte Theorie vorzieht. Unter Umständen zieht er gar keine vor, wenn er von Humes und meiner "skeptischen" Lösung ... entmutigt worden ist; er könnte sagen: Wenn man nicht sicher sein kann, die wahre unter den konkurrierenden Theorien herauszufinden, sei er an keiner Methode wie der hier beschriebenen interessiert - auch nicht an einer Methode, die hinreichend sichert, daß falls unter den den konkurrierenden Theorien eine wahr ist, diese sich unter den überlebenden, vorgezogenen, bewährten befinden wird"

Wird dürfen uns so Popper nicht entmutigen lassen, nur weil Unsicherheit unvermeidlich ist.

Popper formuliert das praktische Problem folgendermassen.

Auf welche Theorie sollen wir uns für die Praxis verlassen? Wir sollten uns gar nicht verlassen auf etwas.

Welche Theorie sollen wir vorziehen als Praxis? Die bestgeprüfte.

Unser Handeln sollte stets von den bestgeprüften Theorien ausgehen, auch wenn diese vielleicht völlig unverlässlich sind. Z.B. habe ich die gut geprüfte Theorie morgen aufzuwachen. Doch es gibt zahlreiche Ereignisse die diese Theorie zu nicht machen könnten, von Meteoreinschlägen, bis ausgebrochenen Atomkriegen, oder auch einfach nur Herzversagen.
Es ist nicht irrational davon auszugehen das morgen die Sonne aufgeht oder das ich morgen aufwache, aber wir können uns immer irren. Kant hat gesagt das wir der Natur unsere Gesetze vorschreiben oder aufzwängen. Damit hat er Recht so Popper, aber Kant übersah wie häufig wir damit scheitern. Wie oft unsere Kategorien falsch angewendet werden etc.
Humes Folgerung das wir solche Erwartungen haben und uns auf Regelmässigkeiten verlassen, beruhe auf Ideenassoziation aus Gewohnheit lehnt Popper ab.
Popper sagt das man im ganzen Tierreich sehen kann wie Versuch und Irrtum, also kühne Vermutung und Erwartung und Widerlegung durch Elimination beobachtet werden kann.
Zwischen einer Amöbe und Einstein gibt es aber einen wichtigen Unterschied. Die Amöbe macht physische Probierbewegungen um ein Problem wie ein Hinderniss zu lösen. Einstein kann dagegen geistige Probierbewegungen, Überlegungen machen, um das Problem zu lösen.
Beiden sind angeborene Erwartungen zu eigen. So erwartet das Baby z.B. das die Muttermilch die es trinkt, nicht vergiftet ist. Natürlich können angeborene Erwartungen genauso falsch sein wie alle Theorien welche wir haben.
Popper hat also zu zeigen versucht das alle Formen der Induktion überflüssig sind. Wir müssen nicht auf Erwartungen oder Regelmässigkeiten schliessen. Wir vermuten sie nur, aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Daten.
Poppers Lösung des Induktionsproblems ist also völlig negativ. Nicht Induktion bringt uns voran, in unserem bestreben nach Erkenntnis, sondern die alte Deduktion und die Prüfung unser deduzierten Aussagen.
Was Popper für entscheidend hält ist, das subjektive Erkenntnis aus dem gezeigten folgernd höchst problematisch ist und wir uns mehr für objektive Erkenntnis interessieren sollten. Dies zeigt er dann im weiteren Verlauf des Buches.
Und er verweist auf das Abgrenzungsproblem. Nämlich wie sich wissenschaftliche von Unwissenschaftlichen Theorien trennen lassen. Wissenschaftliche Theorien müssen wenigstens theoretisch widerlegbar sein. Nicht widerlegbare Theorien oder Allgemeine Aussagen, sind unwissenschaftlich und sollten verworfen werden. Doch dazu folgt noch mehr.