culus
Einer der provokantesten Theorien in Theologie und Philosophie ist wohl die Legitimierung von Mord und Selbstmord.
Wenn es einen Gott gibt, und ein Mensch tötet vorsätzlich einen anderen Menschen, hat er dann nicht etwas Gutes getan? Hat er dann nicht dazu beigetragen einen Menschen in die Erlösung - ins Himmelreich zuführen? Und ist es nicht egal ob man mordet und zerstört wenn es überhaupt kein Gott gibt?
Anders argumentiert der Marquis de Sade wenn er sich auf die Moral der Natur beruft. Die Vernichtung von Leben gehört zu Bestandteil der Natur, wie kann etwas schlecht sein wenn es die Natur erzeugt? Für Sade ist ein Mord keine schlechte oder böse Tat, weil er nur die Form der Existenz umwandelt. Ein Mörder gibt der Natur sein Eigentum zurück um sie und andere Wesen, die neu aus der Natur hervorgehen, wieder zu ergänzen. Die Natur und der Mörder an sich kann nicht als böse bezeichnet werden weil sie auch erschaffen.
Mord und Selbstmord werden in der christlichen Zivilisation unter dem Dogma der frevelhaften Zerstörung von Leben gestellt, obwohl sich das Christentum auf die Tat eines Selbstmörders beruft, nämlich auf Jesus Christus.
Die Glorifizierung des Suizids ist bedenklich. Aber der Thanatos, der Selbstzerstörungstrieb des Menschen, ist ein Bestandteil der Menschlichkeit und für Nietzsche ist der Selbstmord, „der Tod aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen…..“ eine Summierung des Lebens.
Mich schaudert wenn es kein Widerspruch gibt
Mfg
michael culus
Thod
aus christlicher perspektive kann ich da nur ein paar sachen zu sagen:
es geht nicht darum, möglichst viele leute in den himmel zu bekommen, sondern ein liebender mensch zu werden. jemand, der einen anderen liebt, öffnet sich dem, gibt sich ihm hin, und tötet ihn nicht. imho ist die vorstellung von tötung eines anderen als liebesakt eine verkürzung dessen, was zu mindest im christentum liebe ist, und somit ist das keine gute handlung - im gegenteil. der mörder verfügt auf brachialste art und weise über das leben des anderen, von hingabe ist da keine spur.
mfg,
thod
Schneemann
| Zitat: |
Original von culus
Einer der provokantesten Theorien in Theologie und Philosophie ist wohl die Legitimierung von Mord und Selbstmord.
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Eine Legitimierung von Mord halte ich für keine sinnvolle Theorie.
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Wenn es einen Gott gibt, und ein Mensch tötet vorsätzlich einen anderen Menschen, hat er dann nicht etwas Gutes getan? Hat er dann nicht dazu beigetragen einen Menschen in die Erlösung - ins Himmelreich zuführen?
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Religionen die solche Vorstellungen besitzen sind grundsätzlich in sich stark widersprüchlich, die darfst du nicht ernst nehmen. Aber wahrscheinlich gibts da irgendeine dogmatische Schrift des Vatikans, die das Problem ordnen soll...
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Anders argumentiert der Marquis de Sade wenn er sich auf die Moral der Natur beruft.
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Es gibt keine Moral der Natur, denn moral ist was menschliches. Daher kann man sich auch nicht auf sie berufen bzw. entspricht dies einem völligen Ablehnen von Moral überhaupt, was ich wiederum als sinnlos empfinde. Weiterhin, wenn du dir im Tierreich einzelne Arten raussucht, dann stellst du fest, dass dort fast überall ein Tabu des Tötens von Artgenossen besteht. Wenn man diesen evolutionären Fakt als "Naturmoral" auffasst, dann gibts diese eben doch.
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Mord und Selbstmord werden in der christlichen Zivilisation unter dem Dogma der frevelhaften Zerstörung von Leben gestellt, obwohl sich das Christentum auf die Tat eines Selbstmörders beruft, nämlich auf Jesus Christus.
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Mord und Selbstmord darf man hier nicht in einen Hut werden. Den Selbstmord kann man durchaus unteer dem Gesichtspunkt Selbstbestimmung rechtfertigen, den Mord dagegen praktisch überhaupt nicht ohne die Moral gänzlich aufzugeben.
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Aber der Thanatos, der Selbstzerstörungstrieb des Menschen, ist ein Bestandteil der Menschlichkeit...
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Ich bezweifle die Existenz eines solchen Selbstzerstörungstriebs, das widerspricht der biologischen Evolution zutiefst und hat keine Entsprechung im Tierreich. Ich glaube das Suizid stattdessen eine Fehlfunktion des Menschens ist, hier versagt der komplexe "Apparat" Mensch.
Gruß,
Schneemann
culus
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| Eine Legitimierung von Mord halte ich für keine sinnvolle Theorie. |
Warum nicht? Schön wäre es natürlich, wenn du deiner persönlichen Meinung ein Argument anhängen würdest. Die staatliche Legitimation von Mord durch die Todesstrafe wird immer noch kontroverse diskutiert. Interessant erscheint es mir, das es in den westlichen Zivilisationen kein Resultat gibt, welches die die Todesstrafe gänzlich verdammt oder befürwortet.
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| Religionen die solche Vorstellungen besitzen sind grundsätzlich in sich stark widersprüchlich, die darfst du nicht ernst nehmen. Aber wahrscheinlich gibts da irgendeine dogmatische Schrift des Vatikans, die das Problem ordnen soll... |
Es gibt keine Religion die eine solche Vorstellung beinhaltet. Es ist eine hypothetische Frage innerhalb der Religionsphilosophie. Dein Ratschlag darüber was ich ernst nehmen soll oder nicht, entpuppt sich, genauso wie deine Bemerkung über „irgendeine dogmatische Schrift des Vatikans“, als Pseudopaternalismus ohne Inhalt.
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| Es gibt keine Moral der Natur, denn moral ist was menschliches. Daher kann man sich auch nicht auf sie berufen bzw. entspricht dies einem völligen Ablehnen von Moral überhaupt, was ich wiederum als sinnlos empfinde. Weiterhin, wenn du dir im Tierreich einzelne Arten raussucht, dann stellst du fest, dass dort fast überall ein Tabu des Tötens von Artgenossen besteht. Wenn man diesen evolutionären Fakt als "Naturmoral" auffasst, dann gibts diese eben doch. |
??? Ja was den nun?
Grundsätzlich gibt es eine Art von Moral in der Natur, die sich allerdings von der Menschlichen unterscheidet. Alle Versuche von erz-konservativen Moraltheologen und Moralphilosophen moralische Maxime aus der Natur abzuleiten sind gescheitert. Wer z. B. homosexuelles Verhalten allein schon deshalb moralisch verurteilen will, weil es den Tieren fremd ist, der liefert sich sogar selbst ans Messer. Die amerikanische Primatologin Suzanne Chevalier – Skolnikoff von der Stanford University hat beispielsweise beobachtet, wie sich männliche Bärenmakaken gegenseitig masturbierten, einander am Penis saugten und Anaverkehr praktizierten. Wer allerdings die Homosexualität deshalb gutheißt, weil sie „natürlich“ ist, der muß konsequenterweise alles gutheißen was natürlich ist. Im Tierreich treten Vergewaltigungen, sexueller Kannibalismus, die Kindstötungen und kriegerische Auseinandersetzungen auf, die man allerdings als Ausnahme-erscheinungen deklarieren kann. Konrad Lorenz schrieb zum Thema „Der Moral analoge Verhaltensweisen“: „Wie die instinktive Hemmungen und Riten, die bei Tieren asoziales Verhalten verhindert, bewirkt auch das Tabu ein Verhalten, das dem wirklich moralischen nur in funktioneller Hinsicht analog, in allen anderen aber weit von ihr entfernt ist.“
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| Mord und Selbstmord darf man hier nicht in einen Hut werden. Den Selbstmord kann man durchaus unteer dem Gesichtspunkt Selbstbestimmung rechtfertigen, den Mord dagegen praktisch überhaupt nicht ohne die Moral gänzlich aufzugeben. |
Das sind wir wohl wieder bei der Todesstrafe! Aber lassen wir das Thema.
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| Ich bezweifle die Existenz eines solchen Selbstzerstörungstriebs, das widerspricht der biologischen Evolution zutiefst und hat keine Entsprechung im Tierreich. |
Hier sind wir wohl wieder bei deiner persönlicher Meinung anstatt bei empirischen Fakten angelangt. Der Selbstzerstörungstrieb setzt sich z. B. innerhalb des Altruismus durch. Um die Sippe, die Herde oder den Schwarm zu schützen, und weil das Überleben von Nachwuchs oberste Priorität im Tierreich besitzt, ist die freiwillige Opferung einzelner Tiere in der freien Natur gang und gebe. Die wurde beobachte, dokumentiert und publiziert.
Bei den Menschen kann der Thanatos andere "Funktionshilfen" erfüllen.
Mit freundlichen
[QUOTE]
Schneemann
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Original von culus
Warum nicht? Schön wäre es natürlich, wenn du deiner persönlichen Meinung ein Argument anhängen würdest.
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Tut mir leid, aber auf dieser Ebene lässt sich nicht mehr argumentieren. Wenn du der Meinung bist dass es ok ist wenn jeder nach Lust und Laune andere Menschen tötet, dann kann ich dem nur entgegnen, dass ich sowas für nicht sinnvoll halte. Ich sehe schlicht keinen Sinn in einer solchen "Gesellschaft" die sich selbst ausrottet und kann mir nicht vorstellen warum dass überhaupt jemand wollen könnte. (Ich rede hier von MORD und nicht von Suizid oder Todesstrafe!).
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Es gibt keine Religion die eine solche Vorstellung beinhaltet.
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Wie bitte ? Das war doch dein eigenes Eingangsstatement. Die christliche Religion glaubt z.b. dass ein (guter) Mensch nach dem Tode in den Himmel auffährt und ist damit bei weitem kein Sonderfall unter den Religionen.
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Grundsätzlich gibt es eine Art von Moral in der Natur, die sich allerdings von der Menschlichen unterscheidet.
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Moral ist eine Erfindung des Menschen. Moralisches Handeln setzt voraus dass man über sein Handeln reflektieren kann und dies ist dem Menschen alleine vorbehalten. Ansonsten möchte ich übrigens auch nicht über Homosexualität im Tierreich diskutieren, das hat nichts mit dem Thema "Mord" zu tun.
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Das sind wir wohl wieder bei der Todesstrafe! Aber lassen wir das Thema.
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Besser gesagt, du bist wieder bei der Todesstrafe, ich hab da noch kein Wort zu gesagt.
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Hier sind wir wohl wieder bei deiner persönlicher Meinung anstatt bei empirischen Fakten angelangt. Der Selbstzerstörungstrieb setzt sich z. B. innerhalb des Altruismus durch. Um die Sippe, die Herde oder den Schwarm zu schützen, und weil das Überleben von Nachwuchs oberste Priorität im Tierreich besitzt, ist die freiwillige Opferung einzelner Tiere in der freien Natur gang und gebe. Die wurde beobachte, dokumentiert und publiziert.
Bei den Menschen kann der Thanatos andere "Funktionshilfen" erfüllen.
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Dem widerspreche ich zutiefst. Der Selbsterhaltungstrieb der Lebewesen ist höher anzusiedeln als Gruppengefühl, daher werden sich Tiere nicht freiwillig opfern. Dies als biologisches Faktum darzustellen ist falsch und hat keine Grundlage. Wenn ein Wolfsrudel am Verhungern ist, dann lässt es zwar einzelne Tiere zurück, von freiwilligem Verlassen kann da aber keine rede sein. In der Natur gibt es keine Beispiele für einen Altruismus wie du ihn skizzierst.
Etwas anderes ist der Schutz der Nachkommen, hier mag in der Tat eine Höherstellung des Nachwuches möglich sein, weil dies eben evolutionär Sinn machen könnte. Aber da reden wir vom Riskieren des Lebens bei der Verteidigung des Nachwuchses und nicht von menschlichem Suizid, das sind zwei grundverschiedene Dinge.
Gruß,
Schneemann
r14v8
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| Wenn es einen Gott gibt, und ein Mensch tötet vorsätzlich einen anderen Menschen, hat er dann nicht etwas Gutes getan? .... |
Die Antwort ist einfach: Ja er hat im Sinne des Menschen etwas gutes getan, vorausgesetzt, dieser Jemand war ehrlich bekennender Christ und kommt auch tatsächlich in den Himmel. In Hinsicht jedoch auf Gott und unseren Auftrag als Menschen (auf den es schlussendlich ankommt, wenn man von der Existenz Gottes ausgeht), ist es uns nicht nur vorgeschrieben, nicht unser oder eines anderen Leben zu nehmen, weil wir 1. darüber keine Befugnis haben und 2. Es einen Sinn hat, warum wir auf dieser Erde sind.
1. Gott entdecken und lieben.
2. Andere Menschen daran teilhabenlassen.
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| Mord und Selbstmord werden in der christlichen Zivilisation unter dem Dogma der frevelhaften Zerstörung von Leben gestellt, obwohl sich das Christentum auf die Tat eines Selbstmörders beruft, nämlich auf Jesus Christus. |
Zum einen, sehe ich einen Unterschied zwischen "sich das Leben selber nehmen" und "das Zulassen, dass einem das Leben genommen wird. Zum Anderen hatte Jesus Tod einen Sinn, einen Sinn, der den Tod eines anderen Menschen weit übersteigt, es hatte den Sinn, das kein anderer Mensch mehr für immer sterben muss, vorausgesetzt, er bekennt sich zu Gott.
Und schlussendlich ist diese Aussage rein logisch nicht gerechtfertigt, da: Wenn Jesus nur ein einfacher Mensch war, der gesamte christliche Glaube nicht weiter zu vertreten wäre, also diese Aussage auch keinen Sinn ergebe und wenn Jesus der Sohn Gottes war er genau wusste, er würde wieder auferstehen, wie es auch in der Bibel beschrieben wird. Dementsprechen war es für Jesus nur pure Qual und ein Schlaf, jedoch kein Tod und somit kein Mord/"Selbstmord".
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Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können. Albert Einstein
Shaya
| Zitat: |
Original von culus
Mord und Selbstmord werden in der christlichen Zivilisation unter dem Dogma der frevelhaften Zerstörung von Leben gestellt, obwohl sich das Christentum auf die Tat eines Selbstmörders beruft, nämlich auf Jesus Christus.
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Nur um das eben klar zu stellen, Jesus Christus hat sich nicht selbst umgebracht, er wurde getötet. Du hast damit Recht, dass er letztenendes nicht dafür gekämpft hat am Leben zu bleiben, aber es gibt hier schon einen Unterschied zwischen "sich töten" und "sich töten lassen". Selbstmord ist meiner Meinung nach eine egoistische Handlung (wobei "egoistisch" nicht unbedingt als schlecht angesehen werden muss), sich jedoch töten lassen, damit andere leben können, eine Handlung, die man für andere tut.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von culus
Anders argumentiert der Marquis de Sade wenn er sich auf die Moral der Natur beruft. Die Vernichtung von Leben gehört zu Bestandteil der Natur, wie kann etwas schlecht sein wenn es die Natur erzeugt? Für Sade ist ein Mord keine schlechte oder böse Tat, weil er nur die Form der Existenz umwandelt. Ein Mörder gibt der Natur sein Eigentum zurück um sie und andere Wesen, die neu aus der Natur hervorgehen, wieder zu ergänzen. Die Natur und der Mörder an sich kann nicht als böse bezeichnet werden weil sie auch erschaffen. |
"Was verschafft dem Sadeschen Helden eigentlich Lust? Ist es die bloße "Rückkehr zur Unschuld der Natur", das zwanglose Befolgen der Naturgesetze, die eben auch Zerstörung fordern, oder ist die Lust nichtsdestotrotz innerlich mit dem moralischen Gesetz, gegen das sie verstößt, verknüpft, so dass gerade das Wissen darum, dass wir eine Blasphemie begehen, uns Lust verschafft? Diese Mehrdeutigkeit zwischen Unschuld und blasphemischer Korruption ist irreduzibel. Ein weiterer Aspekt dieser Mehrdeutigkeit ist Sades Schwanken zwischen dem Solipsismus der Lust und der intersubjektiven Logik der Blasphemie: Geht es einfach darum, dass ich die Würde des Anderen ignorieren muss, indem ich in ihm nur ein Instrument zur Befriedigung meiner Launen sehe, so dass der Andere nicht subjektiviert, sondern auf ein unpersönliches Werkzeug reduziert wird, eine Art masturbatorische Quelle für meinen einsamen Genuss, oder liegt der Genuss gerade in dem Bewusstsein, dass ich den Anderen demütige und ihm unerträgliche Schmerzen bereite?"
Slavoj Zizek, Parallaxe, Frankfurt a.M. 2006, S.83.
Seitenlicht
Naja, Mord ist halt möglich und die Fähigkeit zur Vernichtung des Lebens bzw. die Umwandlung des Körpers als Bestandteil des Universums ist jederzeit gegeben. (Tja, alles fließt und damit bleibt so oder so nichts erhalten, wie es gerade in der Gegenwart existiert.) Und ja, Moral ist nur eine Erfindung von uns Menschen. Ein Gefühl das durch ein rational sicherndes (Rechts)system untermauert wird, das jederzeit durch Vernunft ausgetauscht werden könnte und somit selbst die bizarrsten und grausamsten Taten geschehen laßen können.
@
| Zitat: |
| Zizek: » Geht es einfach darum, dass ich die Würde des Anderen ignorieren muss, indem ich in ihm nur ein Instrument zur Befriedigung meiner Launen sehe, so dass der Andere nicht subjektiviert, sondern auf ein unpersönliches Werkzeug reduziert wird, eine Art masturbatorische Quelle für meinen einsamen Genuss, oder liegt der Genuss gerade in dem Bewusstsein, dass ich den Anderen demütige und ihm unerträgliche Schmerzen bereite? « |
Beides. Letzteres trifft vor allem auf uns Menschen (im folgenden untereinander) zu – das Wissen und die Bedeutung, was man dem Gegenüber zufügt, indem sich hineinversetzt wird, und der Gegenüber somit (auch mit seinem Wissen darüber, die allgemeingültigen Werte oder Normen zu brechen. Es kommt darauf an, welche gelernt sind und wie interpretiert wird) vom anderen gedemütigt und das auch so vom Gegenüber empfunden wird. Beim Mord ist das noch ganz anders, da wird dann wie bei der Instrumentalisierung für den eigenen Genuß auch gewußt was dem anderen noch anderes zugefügt werden kann: das Verlorengehen seines Bewußtseins (und ganz besonders das sich an das Leben klammernde selbstreflexierende und gleichzeitig idealisierenden Ich) ist vorhanden und somit bedeutet das auch absolute Macht. Der Mörder bestimmt dann, wann geschlafen werden soll ...
Seitenlicht
» Der konservativen Natur der Triebe widerspräche es, wenn das Ziel des Lebens ein noch nie zuvor erreichter Zustand wäre. Es muß vielmehr ein alter, ein Ausgangszustand sein, den das Lebende einmal verlassen hat, und zu dem es über alle Umwege der Entwicklung zurückstrebt. Wenn wir es als ausnahmslose Erfahrung annehmen dürfen, daß alles Lebende aus inneren Gründen stirbt, ins Anorganische zurückkehrt, so können wir nur sagen: Das Ziel alles Lebens ist der Tod, und zurückgreifend: Das Leblose war früher da als das Lebende. « (Sigmund Freud, Gesammelte Schriften (hrsg. Anna Freud), Fischer Taschenbuch-Verlag, 1969, S. 40)
Mord ist Schöpfung ... von dem was die Nichtanwesenheit zu bieten hatte: das Anorganische mit den Vorzügen des absoluten und wahren Friedens wiederkehren zu lassen. Man kann nur das eine oder das andere haben. Entweder hat man die einzigartige Natur und ihre kriegerischen Eigenschaften, oder man hat sie nicht mehr aber dafür den Frieden. Das deckt sich ab mit der Aussage: » Das Leben ist unvernünftig « ...
Die einzige sinnvolle Erkenntnis zu diesem Thema die Fromm unverschönt zu bieten hatte:
» Die Nekrophilie kann man definieren als das leidenschaftliche Angezogenwerden von allem, was tot, vermodert, verwest und krank ist; sie ist die Leidenschaft, das, was lebendig ist, in etwas Unlebendiges zu verwandeln, zu zerstören um der Zerstörung willen. « (Erich Fromm, Anatomie der menschlichen Destruktivität, Deutsche Verlags-Anstalt, 1974, S. 301)
Wenn das auch auf Menschen zutrifft, würden nur noch dogmatische illusionierende Sinnstiftungen dem apokalyptischen Inferno im Wege stehen. Solche Sinnstiftungen sind wahrscheinlich zu vergleichen mit Nationalismus, Religion und diversen Systemen, aufgebaut auf selbstsicheren Optimismus, der sich in schönredende Biophilie – die sich dem wahren Frieden in den Weg stellt – wiederfindet. Biophil sind jedenfalls nicht die Mörderaffen, die (als sichtlich erkennbare Tatsache) sogar ihre eigenen Artgenoßen zerstören. Und ihre Lebensgrundlage. Fromm war also auch nur einer von denen, die etwas aufgreifen, für gültig akzeptieren und dann einfach so per humanistischer Freestyle-Theorie 'ad hoc' hingesetzt darüber hinwegsehen, damit die leidende Einzigartigkeit noch nicht von der Erde verschwinden muß ...
» Es erübrigt, daß der Organismus nur auf seine Weise sterben will. Dabei kommt das Paradoxe zustande, daß der lebende Organismus sich auf das energischeste gegen Einwirkungen (Gefahren) sträubt, die ihm dazu verhelfen könnten, sein Lebensziel auf kurzem Wege (durch Kurzschluß sozusagen) zu erreichen, aber dies Verhalten charakterisiert eben ein rein triebhaftes im Gegensatz zu einem intelligenten Streben. « (Sigmund Freud, ebd., S. 41)
Überleben um an einem späteren Zeitpunkt doch noch zu sterben? Das triebhafte als Sprungfeder dient dem Mensch zum intelligenten Streben. Was an Trieben für viele Tiere üblich ist, und zwar dienlich für das Überleben, ist bei dem Mensch die selbstreflektierende Erkenntnis als vermeintlich unerschütterliche Festung – unter ihrem Deckmantel steckt der selbe tierische Trieb zur Selbsterhaltung. Bleibt nur noch, der reinen Vernunft das Feld für Schlußfolgerungen zu überlassen und den stickigen Mantel zu lüften. Was man mit dieser extravaganten Schöpfung alles anfangen kann ...
bernstein
Mord - ist das nicht beschränkt auf die Tötung eines Genossen/in der eigenen Art, zu einem eigenen individuellen Vorteil?
Real finden wir ihn nur gehäuft in Bereichen verschärfter sozialer Spannungen, (Haarlem (vor der Befriedung) und Co.).
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culus
Wenn es einen Gott gibt, und ein Mensch tötet vorsätzlich einen anderen Menschen, hat er dann nicht etwas Gutes getan? Hat er dann nicht dazu beigetragen einen Menschen in die Erlösung - ins Himmelreich zuführen? Und ist es nicht egal ob man mordet und zerstört wenn es überhaupt kein Gott gibt?
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So wie hier der Mord theoretisiert wird, erinnert er mich an einen Hitchkock-Film, wo Kids um des Davonkommen-meinen-zu-können morden, also vollständig sinnentleert.
Im Allgemeinen klappt der soziale reziproke Gedanke, bei Mensch (wie Tier), dass ich mein eigenes Leben gefährde, wenn ich meines sozialen Kumpans Leben nicht achte.
Durch Überhöhung der eigenen Gruppe (nach Gesellschaftsform / Religion / Nation) kann die Notwendigkeit von Zerstörung anderen Lebens zum Selbsterhalt ('Identitäts'-Erhalt) entdämonisiert werden. So fällt der ‚Mord’ im Krieg leichter.
Durch Überhöhung der eigenen Gruppe (hier der Art ‚Mensch’) kann die Notwendigkeit von Zerstörung anderen Lebens zum Selbsterhalt (Ernährung) entdämonisiert werden. So fällt mir der ‚Mord’ an unschuldigen Tieren/Pflanzen leicht.
Die Notwendigkeit von Vernichtung von anderem Leben ist jeder Lebensform zur Ernährung inhärent (selbst Sterne ‚schlucken’ andere Sterne). Da wo die anderen der gleichen Art gleich zurückschlagen können, empfielt er sich nicht und ist nicht ‚Schöpfung’ sondern Selbstgefährdung, partielle Selbstzerstümmelung.
Oder so.
Grüße
bernstein
Seitenlicht
| Zitat: |
Bernstein:
» Durch Überhöhung der eigenen Gruppe (hier der Art ‚Mensch’) [...] « |
Anthropozentrismus. Nicht besser als Rassismus. Der Mensch bzw. eine Rasse glaubt sich höher als andere, das ist allerdings heftiges Ausnutzen mit verdrehten Bedeutungen. Höhere Intelligenz heißt noch lange nicht das man von physikalischen Qualitäten ein höheres Wesen sei. Legt man einen toten Mensch und ein totes Schwein nebeneinander, so ist keines von beiden in irgend einer Art und Weise höher gestellt.
| Zitat: |
Bernstein:
» [...] kann die Notwendigkeit von Zerstörung anderen Lebens zum Selbsterhalt (Ernährung) entdämonisiert werden. « |
Wenn man das noch Notwendigkeit nennen kann. Das Wörtchen Notwendigkeit wird von der Pro-Seite in die Runde geworfen, was, wenn das nicht zutrifft, Selbstbetrug genannt werden könnte. Du nanntest es entdämonisierung, auch passend, den Schrecken nehmen und sich zu rechtfertigen. Dreht man sich Definitionen so herum wie man sie gerade passend braucht, ist das ein Mittel zum Zweck, aber kein Mittel zur Wahrheit. Man behält vermeintlich Recht oder nimmt es sich einfach. Gerade das ist das noch-gerade-so-davonkommen.
Gruß
bernstein
Hi Zeitenlicht (und co),
ich mag den Spruch 'Gegen den Artismus' (in vielleicht nicht in ganz ungefährlicher Nähe zum Rassismus-Begriff) als Attacke gegen den Anthropozentrisimus.
Gruß
bernstein
(schon der zweite thread, wo unser Denken in ähnlichen Bahnen läuft!)
Seitenlicht
@ Bernstein
Jap.
PS. Nicht das ein Mißverständnis, und wenn doch, eben gerade zu biegen ... das Problem wurde von Dir erkannt: ich gehe gegen Ungerechtigkeiten an, solche wie Du aus Deiner Sicht beschrieben hast; d. h. ich habe nicht gegen Dich argumentiert, sondern die Symptome, um sie zu erklären, aufgegriffen welche Du aufgezeigt hast. Das scheint auch Dein Anliegen zu sein.
Gruß
bernstein
so ist es.
Grüße
Anna
| Zitat: |
Original von culus
Einer der provokantesten Theorien in Theologie und Philosophie ist wohl die Legitimierung von Mord und Selbstmord. |
Die Theologie lehnt Mord und Selbstmord ab. Die Philosophie legitimiert nicht, sie diskutiert. Wir wissen von Staaten, die Hinrichtungen legitimiert haben. Ihre Begründung dafür ist, daß sie zur Abschreckung dienen sollen. Angeblich ergeben Studien jedoch, daß solche Staaten keine niedrigere Verbrechensrate haben, als andere, die keine Todesstrafe durchführen. Somit wäre deren Argument hinfällig. Legitimation von Selbstmord ist mir in Staaten nicht bekannt, in religiösen Bewegungen jedoch schon. Weiters gebe ich zu bedenken, daß "Mord" ein vielschichtiger Begriff ist, wenn wir ihn als "Sterbehilfe" diskutieren.
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| Wenn es einen Gott gibt, und ein Mensch tötet vorsätzlich einen anderen Menschen, hat er dann nicht etwas Gutes getan? Hat er dann nicht dazu beigetragen einen Menschen in die Erlösung - ins Himmelreich zuführen? Und ist es nicht egal ob man mordet und zerstört wenn es überhaupt kein Gott gibt? |
Wieso stellst du Töten in ein Gottesverhältnis? Einen Menschen zu töten, bedeutet mehr, als nur ein Lebewesen zu töten. Hat das was mit Gott zu tun? Um jedoch auf deine Frage zu antworten: Wenn es einen Gott gibt und jemand tötet einen Menschen, dann hat er deswegen nichts Gutes getan, weil Gott es in seinen 10 Geboten verboten hat.
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| Anders argumentiert der Marquis de Sade wenn er sich auf die Moral der Natur beruft. Die Vernichtung von Leben gehört zu Bestandteil der Natur, wie kann etwas schlecht sein wenn es die Natur erzeugt? Für Sade ist ein Mord keine schlechte oder böse Tat, weil er nur die Form der Existenz umwandelt. Ein Mörder gibt der Natur sein Eigentum zurück um sie und andere Wesen, die neu aus der Natur hervorgehen, wieder zu ergänzen. Die Natur und der Mörder an sich kann nicht als böse bezeichnet werden weil sie auch erschaffen. |
Schneemann hat die Antwort gegeben, die ich auch gegeben hätte.
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| Mord und Selbstmord werden in der christlichen Zivilisation unter dem Dogma der frevelhaften Zerstörung von Leben gestellt, obwohl sich das Christentum auf die Tat eines Selbstmörders beruft, nämlich auf Jesus Christus. |
Das Christentum beruft sich auf keinen Selbstmörder, wenn dann auf einen Märtyrer. Christus hat sich nicht selbst umgebracht, sondern wurde umgebracht. Da hast du etwas durcheinander gebracht.
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| Die Glorifizierung des Suizids ist bedenklich. Aber der Thanatos, der Selbstzerstörungstrieb des Menschen, ist ein Bestandteil der Menschlichkeit und für Nietzsche ist der Selbstmord, „der Tod aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen…..“ eine Summierung des Lebens. |
Ob es einen angeborenen Selbstzerstörungstrieb des Menschen gibt, der einen direkt zum Suizid treibt, wäre zu diskutieren. Ich würde nich sagen, daß ein Selbstzerstörungstrieb Bestandteil der Menschlichkeit ist. Was ist Menschlichkeit? Ein Mensch, der Empathie lebt, den bezeichnen wir als menschlich. Ein Mensch, der lasterhaft ist, bezeichnen wir unter Umständen auch als menschlich.
Suizid ist ohne ein rationales Denken nicht möglich, denn der Verstand denkt über eine mögliche Handlung nach, überlegt eine Methode, einen Zeitpunkt, plant. Genauso gut könnte der Verstand über ein Überleben, über eine positive Lebensgestaltung nachdenken. Nietzsche sagte viel. Er glorifizierte das Bild der blonden Bestie, warum dann nicht auch den Suizid? Muß man ihn in allem ernst nehmen? Weder hatte er Kinder (soviel ich weiß), noch nahm er sich selbst das Leben in der Form, wie er es darstellt. So kann dieser Gedanke nicht sein völliger Ernst gewesen sein. Und wenn, dann stellt sich die Frage, warum er nicht auf diese Weise seinem Leben ein Ende setzte und in geistiger Umnachtung starb?
theophanu
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| Und wenn, dann stellt sich die Frage, warum er nicht auf diese Weise seinem Leben ein Ende setzte und in geistiger Umnachtung starb? |
Weil er nicht Du war.
r14v8
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Original von theophanu
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| Und wenn, dann stellt sich die Frage, warum er nicht auf diese Weise seinem Leben ein Ende setzte und in geistiger Umnachtung starb? |
Weil er nicht Du war. |
Keine geistreiche Antwort! Vielleicht solltest du das nächste Mal denken, bevor du dich zu Wort meldest..
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