Warum betreibt ihr Philosophie?

Zergeisterter
Ist Philosophie für euch ein Hobby oder eine Berufung? Sind es die Fragen oder die Antworten die euch reizen? geschieht dies aus Freude an der Sache oder ist es eine Art Grübelzwang? Ist es eine Hilfe das Chaos um einen herum zu ordnen? Hofft ihr schlußendlich irgendetwas mit euren Bemühungen zu erreichen?

Diese Fragen sind als Denkanstöße gedacht. Ihr könnt natürlich frei erzählen wie ihr wollt.
Dante
Philosophie definiere ich als persönlichen Formzustand. Die Unzufriedenheit mit seiner momentanen Geisteshaltung gegenüber der Welt. Auf der Suche nach einer transzendentalen Grenzerfahrung und auf der Suche nach den grundliegenden Fragen.

Danke smile
byLaszlo
hallo Zergeisterter,

weder Hobby noch Berufung.

ich möchte mich verstehen:

Mit der Sprache/Logik/Paradigmen der Welt
kann ich mich mit anderen (Menschen) zwar
verständigen, dabei kann ich MENSCH sein,
vielleicht auch INDIVIDUUM aber nicht ICH.

Also, ICH fühle mich ausgeschlossen.
Um nicht zu vereinsamen, versuche ich
bedeutende Begriffe der Philosophie
so einzuholen, dass Gespräch enstehen kann.

Gruß. byLaszlo
kämpfer der sonne
ich liebe tiefsinnige gespräche und kein bla bla....


alleine das denken ist schon ein vergnügen für mich, was die meisten leute leider nicht können, da sie sehr wichtige dinge in ihrem leben tun müssen.

cool
Lenieth
Um das Gute, das Schöne und das Wahre zu finden.
Rebecca
Zitat:
Original von kämpfer der sonne
ich liebe tiefsinnige gespräche und kein bla bla....


alleine das denken ist schon ein vergnügen für mich, was die meisten leute leider nicht können, da sie sehr wichtige dinge in ihrem leben tun müssen.

cool


Dem schließe ich mich an. Schon alleine die Fragestellung "betreiben" wird dem eigentlich nicht gerecht. Ich bin der Meinung, dass eine Beschäftigung mit Philosophie nicht nur eine "Entwirrung" großer Werke der Gedankenübermittler sein soll, wo man des Öfteren das Gefühl hat, dass eben sprichwörtlich "der Schritt vom Genie zum Wahnsinn nur ein geringer ist". Ich meine damit, dass eine Interpretation eben immer eine solche bleiben wird - denn die "Wahrheit" liegt einzig und alleine beim jeweiligen Verfasser. Somit sind all dies für mich persönlich "Denkanstöße", die dazu aufrufen, hier eine eigene Weiterentwicklung zu "betreiben". Gerne führe ich hierzu eine Passage am Anfang von Nietzsches "Genealogie der Moral" an, wo er schreibt:

<<[...]das stärkt in mir die frohe Zuversicht, sie möchten von Anfang an in mir nicht sporadisch entstanden sein, sondern aus einer gemeinsamen Wurzel heraus, aus einem in der Tiefe gebietenden, immer bestimmter redenden, immer Bestimmteres verlangenden Grundwillen der Erkenntns. So allein nämlich geziemt es sich bei einem Philosophen.
Wir haben kein Recht darauf, irgend worin einzeln zu sein; wir dürfen weder einzeln irren noch einzeln die Wahrheit treffen. Vielmehr mit der Notwendigkeit, mit der ein Baum seine Früchte trägt, wachsen aus uns unsere Gedanken, unsere Werte, unsre Ja´s und Nein´s und Wenn´s und Ob´s - verwandt und bezüglich allesamt untereinander und Zeugnisse Eines Willens, Einer Gesundheit, Eines Erdreichs, Einer Sonne. Ob sie euch schmecken, diese unsre Früchte? Aber was geht das die Bäume an! Was geht das uns an, uns Philosophen!...<<

Das sagt doch aus in meiner Interpretation, dass Nietzsche - wobei er stellvertretend für alle anderen Philosophen steht - dass der "gepflanzte Baum" die Grundlage ist, gutes Erdreich, schlechter Boden. Bei letzterem kommt "fauliges Obst" heraus. Also neu pflanzen - auf neuer Grundlage.
Aufforderung an die "anderen Philosophen" der Zukunft (von N. aus betrachtet)

Kurz und gut, warum ich "philosophiere"? Weil ich jegliche Form von Oberflächlichkeit verabscheue. Es gibt so viel, und viel mehr....Als Schulweisheit uns wissen lässt. Und [...]dass ich erkenne, was die Welt, im Innersten zusammenhält! Faust, der ewig Suchende und Strebende.

Freundliche Grüße
Rebecca winken
Reinhard
Hallo, zunächst empfinde ich es als Privileg, philosophieren zu können und zu dürfen, was nicht immer und überall selbstverständlich ist. Diese Chance zu haben und sie nicht zu nutzen, ist gar nicht zu vergleichen mit Orten und Zeiten, an und in denen dies sogar lebensbedrohlich sein könnte. Auch, wenn der Hunger quält und die Familie nicht satt wird, dann sind die Voraussetzungen schon andere. Wenn man sich gegen ein machtbezogenes Dogma stellt, allemal. Es wäre ja merkwürdig wenn es nur einen Grund dazu gäbe. Die Motive sind vielschichtig und hin und wieder drängt sich eines in den Vordergrund.

Ich halte es grundsätzlich für angemessener zu beschreiben, was der Philosophie nicht gemäß ist und das lässt sich nur mit jeder Abkehr vom unbedingten Verlangen nach Wahrheit bezeichnen. Eignet sich ein philosophischer Jargon und ein entsprechendes Halbwissen nicht vorzüglich zum Blenden? In aller Bescheidenheit kann ich nur hoffen, dass meine Offenheit gegenüber anderen Denkweisen aber auch Glaubensrichtungen dadurch gefördert wird. An ein Ende kommt man sowieso nie.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
dmz
Hallo Zergeisterter!
Ich betreibe quasi eine Art innovatives Philosophieren,
wie es z.B. KarlJaspers empfohlen hat:
Auseinandersetzen mit den zeitgemaeszen Fragen.
Und die Fragen liefern mir vorrangig die Medien - auch die Mitmenschen,
mit denen ich mich gelegentlich unterhalte.
:
An der klassischen Philosophie - wie ich sie mal nennen will -
interessiert mich im wesentlichen nur das,
was sie zur Sprache, Logik, Aesthetik und Methodik anzubieten wagt.
:
Die Philosophie erfuellt nach dem franz. (Jung)Philosophen Enthoven
weder Sinn noch Zweck, aber sie hilft dabei,
die Wirklichkeit von den sie verdeckenden Allgemeinplätzen zu befreien
(was das auch immer heiszen mag?).
Ich verstehe darunter:
das Erkennen von den zahlreichen Paradoxa und Vorurteilen,
das Verstehen kultureller Gegebenheiten (auch Tabu-Fragen),
und in diesem Zusammenhange das Praktizieren und Verbessern
meiner Sprachfaehigkeit (Stil u. Rhetorik).
:
Philopsophie und Philosophieren gehoeren allgemein zum Dasein des Menschen
und beduerfen eines Studiums eigentlich nur, was das methodische anbetrifft.
Fuer mich ist es mehr als ein Hobby: naemlich Bestandteil der Bildung schlechthin.
theophanu
@ Reinhard
@ dmz

Ihr habt es umfassend erfaßt.
Viel mehr läßt sich dazu, glaube ich, nicht sagen.
Jörn
Ich beschäftige mich mit Philosophie, um heraus zu finden, warum ich mich mit Philosophie beschäftige ...
carsten aus bochum
Zitat:
„Ich beschäftige mich mit Philosophie, um heraus zu finden, warum ich mich mit Philosophie beschäftige ...“


Kommt mir am nächsten, ich habe eigentlich auch keine Ahnung warum.
theophanu
Zitat:
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Zitat:
„Ich beschäftige mich mit Philosophie, um heraus zu finden, warum ich mich mit Philosophie beschäftige ...“

Kommt mir am nächsten, ich habe eigentlich auch keine Ahnung warum.
Könnte es einfach die Sehnsucht nach Menschen sein, die überhaupt bereit sind, über etwas hinaus nachzudenken? Daß es uns einfach zu denen treibt, die der gleichen Leidenschaft verfallen sind? Macht aber auch nicht wirklich Sinn. Wenn wir davon schon im ausreichenden Maß haben, warum kümmern wir uns nicht darum, wo wir wirklich Einlauf bräuchten? Weil wir dort blind sind? Und weil wir das ahnen, aber nicht wissen, lieber das vervollständigen, wovon wir wissen, daß wir es haben??? gruebel
Klumpat
nun, bei mir sind es einfach fragen, die "urplötzlich" auftauchen, während ich mich mit fachähnlichen / -gleichen themen befasse (meistens durch lesen).

ich denke nicht, dass ich das nur tu, um mir eine klare sicht der dinge zu beschaffen. ich befasse mich nur gern mit solchen fragen und das eigtl auch nicht erst seit neuestem. erkenntnisse sind an sich was tolles und ich bemerke auch, dass sie im real life anwendung finden.

" liebe zur 'weisheit' " eben. Gut !

aber auch so interessiere ich mich für alles mögliche. vor allem psychologie. gepflegte unterhaltungen mit freunden über dieses oder jenes schätze ich sehr.

wenn man nun aber bedenkt, dass diese zunehmende "weisheit" ja irgendwo mit positiven aspekten einher gehen muss, dann wäre die weisheit selbst bzw die liebe zu ihr ja nur der blütenstengel der blume und die wurzel selbst das eigentlich interessante für mich. ich selbst kenne die wurzel bzgl meiner person leider nicht. vllt sollte ich mir die blüte, das ergebnis des philosophierens bzw der "weisheit", anschauen, um auf die wurzel, die ursache des "weise-sein-wollens", schließen zu können.
carsten aus bochum
Hi theophanu.

Zitat:
„Könnte es einfach die Sehnsucht nach Menschen sein, die überhaupt bereit sind, über etwas hinaus nachzudenken? Daß es uns einfach zu denen treibt, die der gleichen Leidenschaft verfallen sind?“


Ja.
Die meisten hier, die keine Jugendlichen mehr sind, also in einem Alter wo man gesellschaftlich legitimiert noch „träumen“ und „spinnen“ darf, werden das Phänomen kennen, dass philosophischen Diskussionen im Grunde keine Sau interessiert.
Selbst wenn das Umfeld wohlmeinend ist und artig zuhört, man merkt irgendwann, es war mehr Höflichkeit oder Interesse an einem Selbst, als Interesse an der Sache.

Also sind z.B. diese Foren etwas Wunderbares, weil man auf andere Spinner trifft.
Aber das erklärt ja noch nicht den ursprünglichen Impuls.

Zitat:
„Macht aber auch nicht wirklich Sinn. Wenn wir davon schon im ausreichenden Maß haben, warum kümmern wir uns nicht darum, wo wir wirklich Einlauf bräuchten? Weil wir dort blind sind?“


Vermutlich.
Es kann ja sein, dass man frustriert ist, dass einem andere zwar zuhören, aber nicht in dem Maße begeistert sind, wie man es vielleicht selbst ist. Es geht einem im eigenen Selbstbild dann um „die Sache“.
Jahre später könnte sich ironischerweise herausstellen, dass „die Sache“ oft die Funktion hat, Anerkennung zu finden, da steht dann die Person doch wieder im Zentrum.
Immerhin ist man dann schlauer was die eigenen Bedürfnisse angeht.

Zitat:
„Und weil wir das ahnen, aber nicht wissen, lieber das vervollständigen, wovon wir wissen, daß wir es haben???“


Jepp.
Und da gibt es ja schlechtere Dinge als die Philosophie um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Man braucht ja nur zu schauen, wie viele hier schon explizit ihr Sondersein betonen, dass niemand sie versteht, dass sie anders sind, als die Gleichaltrigen...
Ich denke, dass das so ungefähr jeder von sich denkt.

Gruß,

Carsten
Reinhard
Zitat:
Aber das erklärt ja noch nicht den ursprünglichen Impuls.


Hallo Theo..., Carsten, natürlich nicht. Langeweile, einfach Langeweile, was sonst? Jeder strebt doch die, durch die Homöostasie vorgegebene Welt der vermeintlichen Freiheit irgendwie auszufüllen. Wenn die Versorgung einigermaßen gesichert, die Verantwortung einigermaßen geschultert, die Lust gelegentlich befriedigt, der Frust eingedämmt ist, dann tut sich eben eine Leere auf, die sich selber nicht ertragen kann. Das nennen wir Langeweile. Die Belästigung durch die Langeweile, die wir versuchen, auf die vielfältigste Art los zu werden. Hat man schon mal jemandem vorgeworfen, er sei süchtig nach Philosophie? Da kommt eben keiner auf die hilflose Idee, den Bock zum Gärtner zu machen, bei Rauschmitteln schon. Da verharmlost man und sagt ähnliche Spinner und Freaks. Es gibt ja auch Bildungsjunkies, Karrierejunkies, Mutterjunkies und vor allen Dingen Gartenjunkies. Es gibt junkfood für jeden, nur es schmeckt nicht jedem das gleiche.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard prosit
carsten aus bochum
Hi Reinhard.

Zitat:
„Langeweile, einfach Langeweile, was sonst? Jeder strebt doch die, durch die Homöostasie vorgegebene Welt der vermeintlichen Freiheit irgendwie auszufüllen. Wenn die Versorgung einigermaßen gesichert, die Verantwortung einigermaßen geschultert, die Lust gelegentlich befriedigt, der Frust eingedämmt ist, dann tut sich eben eine Leere auf, die sich selber nicht ertragen kann. Das nennen wir Langeweile. Die Belästigung durch die Langeweile, die wir versuchen, auf die vielfältigste Art los zu werden. Hat man schon mal jemandem vorgeworfen, er sei süchtig nach Philosophie? Da kommt eben keiner auf die hilflose Idee, den Bock zum Gärtner zu machen, bei Rauschmitteln schon. Da verharmlost man und sagt ähnliche Spinner und Freaks. Es gibt ja auch Bildungsjunkies, Karrierejunkies, Mutterjunkies und vor allen Dingen Gartenjunkies. Es gibt junkfood für jeden, nur es schmeckt nicht jedem das gleiche.“


Da mag was dran sein, ich verstand die Frage aber so: „Warum ausgerechnet Philosophie?“
Ich meine es gibt, Fernsehen, Internetangebote, Sudoku... wer bleibt, warum, ausgerechnet bei der Philosophie hängen.
Ich glaube, es geht da schon um den Wunsch die Welt zu verstehen, nicht nur die Langeweile totzuhauen.

Gruß,

Carsten
Raoul
Zitat:
vllt sollte ich mir die blüte, das ergebnis des philosophierens bzw der "weisheit", anschauen, um auf die wurzel, die ursache des "weise-sein-wollens", schließen zu können.

Wäre bestimmt einen Versuch wert. Es könnte sich zeigen, dass die Natur insgesamt, die "Blüte" als sehr schön anzuschauender Stellvertreter für alle ihre Phänomene, eine Schöpfung des Weisen ist, und so auch des nach Ihr Strebens. Was ist aber das Besondere an der Blüte, im Unterschied zu den restlichen Naturphänomene?

Zitat:
ich selbst kenne die wurzel bzgl meiner person leider nicht.

Es ließe sich jedoch vermuten, dass das Weise die Wurzel alles Schönen und alles Guten ist, und dass alle Abweichungen hiervon (das "Übel", die Bosheit z.B. an meiner oder Deiner Persönlichkeit) auf "menschlichen Unzulänglichkeiten" zurückzuführen sind.
T1982
Ich „betreibe Philosophie“ weil es in meinen Augen der epistemisch vorteilhafteste Weg ist, die Welt zu verstehen – da ich es mir leisten kann (schließlich verdiene ich so mein Geld), ist es ein Fulltime-Job und ich habe es geschafft, Hobby und Beruf zu vereinen…

Grüße
carsten aus bochum
Zitat:
„und ich habe es geschafft, Hobby und Beruf zu vereinen…“


Und das finde ich, ist, psychologisch oder philosophisch, die gelungendste Kombination.
Gut !
Klumpat
Zitat:
Original von Raoul
Zitat:
vllt sollte ich mir die blüte, das ergebnis des philosophierens bzw der "weisheit", anschauen, um auf die wurzel, die ursache des "weise-sein-wollens", schließen zu können.

Wäre bestimmt einen Versuch wert. Es könnte sich zeigen, dass die Natur insgesamt, die "Blüte" als sehr schön anzuschauender Stellvertreter für alle ihre Phänomene, eine Schöpfung des Weisen ist, und so auch des nach Ihr Strebens. Was ist aber das Besondere an der Blüte, im Unterschied zu den restlichen Naturphänomene?

das geht in eine ganz interessante richtung, aber ich wollte eigtl nur darauf hinaus, dass die weisheit bzw das philosophieren selbst der blütenstengel ist. woher rührt dieser stengel? nicht direkt sichtbar - ja, man muss vllt sogar erst danach graben - in der wurzel, dem ursprung: die ursache für den antrieb, zu philosophieren.

wenn ich mir nun das ergebnis (was bringt mir das philosophieren?), also die blüte - das, wohin der blütenstengel "zielt" - anschaue, dann kann ich auf die wurzel schließen. smile



Zitat:
ich selbst kenne die wurzel bzgl meiner person leider nicht.

Es ließe sich jedoch vermuten, dass das Weise die Wurzel alles Schönen und alles Guten ist, und dass alle Abweichungen hiervon (das "Übel", die Bosheit z.B. an meiner oder Deiner Persönlichkeit) auf "menschlichen Unzulänglichkeiten" zurückzuführen sind.

die theorie gefällt mir sehr gut. meinst du es folgendermaßen?

je mehr weisheit, desto weniger unzulänglichkeiten?

auf der anderen seite erweckt deine formulierung den eindruck, dass es sich um schwarz-weiß-denken handelt. gibt es nur schönes/gutes ODER übles/böses? genauso wie grau gibt es auch neutrale dinge. andererseits sind neutrale dinge ja keine üblen dinge.