Ein schlechter Mensch!?

Kai
Worte sind nicht eindeutig, wie "Wittgenstein 1" annahm, sondern mehrdeutig, wie "Wittgenstein 2" feststellte. Das sollte uns aber nicht daran hindern, wissenschaftliche und philosophische Aussagen so eindeutig wie möglich zu formulieren. Die Begriffe "Helligkeit" und "Dunkelheit" sollten m. E. nur für subjektive Erlebnisse verwendet werden, wie sie Lebewesen mit Augen und Gehirnen haben können. Zur Bezeichnung objektiver, physikalischer Zustände sollte man besser von der Anwesenheit bzw. der Intensität elektromagnetischer Wellen bestimmter Frequenzen sprechen.
Reinhard
Dunkelheit, Helligkeit, elektromagnetische Wellen, gekrümmter Raum, Urknall und was es noch so für Begriffe gibt, haben doch eines gemeinsam, sie entstammen allesamt der polaren Welt der Mittelbarkeit. Am liebsten noch das hochphilosophische Coinzidentia Oppositorum. Die Wirklichkeit kennt keine Gegensätze, nur wir, wenn wir sie erkennen wollen. Insofern ist die Frage schon Ausdruck mangelhaften Überblicks. Fragt man sich aber, was zuerst da war, die Henne oder das Ei, so kommt man nicht umhin zu antworten, der, der die Frage gestellt hat.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Shui
@Reinhardt
Das Ei war zuerst da.

Leider kennt die Physik keinen Mittelweg zwischen "existiert" und "existiert nicht". Ein tragischer Umstand für so manche Katze...

Die Wirklichkeit kennt keine Gegensätze, nur wir, wenn wir sie erkennen wollen.
Naja, ob etwas da ist oder nicht, ist en gegensatz, der in der Wirklichkeit sehr oft auftritt. Ob nun bezogen auf Licht oder Geräusche oder Massenvernichtungswaffen oder flauschige Plüschhasen...
Kai
Zitat:
Reinhard: Die Wirklichkeit kennt keine Gegensätze

Die Wirklichkeit besteht aus Gegensätzen.
Jedenfalls nach Meinung der Dialektiker. (Hegel, Marx, Adorno etc.)
Tarvoc
Zitat:
Original von Kai
Worte sind nicht eindeutig, wie "Wittgenstein 1" annahm, sondern mehrdeutig, wie "Wittgenstein 2" feststellte. Das sollte uns aber nicht daran hindern, wissenschaftliche und philosophische Aussagen so eindeutig wie möglich zu formulieren.

Das Problem ist, dass das Eindeutigkeitskriterium auch nicht eindeutig ist. roll
keulchen
Zitat:
*lol* Genau, Leere ist nur da, wenn es Fülle gibt...
Also ein Glas Wasser kann so lange nicht leer sein, wie es nichts zum Füllen gibt? Aber in dem Moment, in dem ich neben das Glas mit dem undefinierten Befüllungszustand eine Flasche Wasser stelle, wird das Glas PLÖTZLICH leer?

Völliger Unsinn. Dunkelheit stellt einen Grundzustand dar und ist als solcehr unabhängig von Licht.


Dunkelheit kann nur entstehen, wenn man das Licht fernhält. Es ist also auf das Fernbleiben des Lichts zur Existenz angewiesen. Licht benötigt keine Dunkelheit. Das ist leicht nachvollziehbar.

Ich kann aufgrund des Fernhaltens von Licht Dunkelheit erzeugen, aber nicht Licht durch fernhalten von Dunkelheit. Oder kann das einer von euch?

Licht und Dunkelheit stellen für mich keine gleichwertigen Pole dar. Dunkelheit ist ein Zustand der entsteht, wenn am Licht manipuliert wird. Wir reden hier vom sichtbaren Licht.

Physikalisch gesehen besteht für manche die Materie komplett aus Licht.
Shui
Zitat:
Dunkelheit kann nur entstehen, wenn man das Licht fernhält.

Also in meinem Zimmer brennt gerade ene Lampe.
Wenn ich die Ausschalte, ist es augenblicklich dunkel.
Mein Lichtschalter hält aber kein Licht fern.

Dunkelheit ist ein Zustand der entsteht, wenn am Licht manipuliert wird.
Du meinst, Helligkeit ist ein Zustand, der entsteht, wenn man Photonen frei setzt. So rum ergibt es nämlich mehr Sinn.

Zitat:
Physikalisch gesehen besteht für manche die Materie komplett aus Licht.

Die Physik sorgt sich neuerdings darum, was manche für was halten? Ist mir neu.

Licht sind Photonen und sie stellen bei weitem nicht die Grundbausteiner der Materie dar. Insofern ist es schon Unsinn davon zu reden, irgendetwas materielles bestehe aus Licht, weil Licht selbst nur eine Masse an Photonen darstellt. Daher ist es auch ein Unterschied von Photonen oder Licht zu sprechen. Die Lichtgeschwindigkeit als solche ist nämlich vom Medium und der Gesamtbewegung der Photonen abhängig.

Und das alles aus Photonen bestehe, ist auch ausgemachter Nonsens und passt in keine physikalische Gleichung.


Aber kommen wir zurück zum Ausgangssbeispiel:
Warum genau ist es für ein Glas wahrer voll zu sein, anstatt leer? Voll benötigt doch offensichtlich das aktive Hinzufügen von Füllung, im Gegensatz zum leer, welches den Grundzustand eines Glases darstellt.
keulchen
Zitat:
Wenn ich die Ausschalte, ist es augenblicklich dunkel.


Merkste was? Und jetzt schalte mal die Dunkelheit am Schlater aus? Ach gibt keinen ... merkste was? großes Grinsen

Zitat:
Licht sind Photonen und sie stellen bei weitem nicht die Grundbausteiner der Materie dar.


Du redest vom sichtbaren Licht.

Ich nicht.
Shui
Zitat:
Merkste was? Und jetzt schalte mal die Dunkelheit am Schlater aus? Ach gibt keinen ... merkste was?

Merkste was? Ja, ich merk was. Nämlich, dass du es nicht kapierst.
Ich muss Licht aktiv erzeugen, um Dunkelheit zu ändern. Im Bruchteil einer Sekunde, nachdem ich die Erzeugung beende, kehrt Dunkelheit ein. Ergo: Dunkelheit ist der Grundzustand, welcher nur kurzzeitig von Licht durchdrungen wird.

Natürlich sind Licht und Dunkelheit keine Gegensatzpaare, das führt zu Verwirrungen. Dunkelheit und Helligkeit sind ein Gegensatzpaar, wobei Helligkeit nur kurzzeitig entsteht, wenn man Licht hinzu fügt. Im Gegensatz dazu währt DUnkelheit ohne große Anstrengungen als Grundzustand.

Zitat:
Ich nicht.

Achso, entschuldige. Ich dachte nur, weil du einen Beitrag vorher geschrieben hast:
Zitat:
Wir reden hier vom sichtbaren Licht.

dass du von sichtbarem Licht redest. Wer hätte denn ahnen können, dass du dich bei diesem "Wir" ausschließt. Das musst du schon dazu sagen.
Seitenlicht
Hmmm ... und das macht jetzt den schlechten Mensch aus?

Ich finde, schlechte Menschen sind jene, die anderen Menschen oder nichtmenschlichen Tieren Schlechtes (für das Erleben unangenehmes bzw. für das Überleben hinderliches / nachteilhaftes) zumuten. Vielleicht sind auch jene schlecht, die das Leben zur Welt bringen, damit es überhaupt schlechten Dingen ausgesetzt ist (sprich den allgemeinen einstürmenden Empfindungen d. h. die Existenz des Bewußtseins). Das trifft auf Menschen zu, die sich dessen bewußt sind. Andere Tiere hingegen können nicht wissen, was nach ihrem triebhaften GV geschieht. Sind sie demnach schlecht, oder sind sie einfach unwissend?

Grüße
kämpfer der sonne
jemand , der schlechtest tut, der ist auch schlecht.

in der regel ist schlechtes zum schaden eines anderen oder gegen die natur oder sich selber gerichtet.

ein raucher ist allerdings nicht automatisch ein schlehcter mensch, weil das rauchen ja nicht schlecht ist obwohl es schaden anrichtet, sondern lediglich wenn es aus dummheit un dunwissenheit oder aus abhängigkeit getan wird nur eine vergiftung ist.

also wenn ich etwas schädliches tu, so spielt natürlich auch die absicht mit eine rolle, also die umstände.

genaus o kan einen als gute tat erscheindene handlung auch schlehct sein, es kommt eben auf die absicht an. wenn ich einer alten dame über die strrasse helfe und ihr dabei die geldbörse abluchse. damit ist die "gute"tat letztlich eine schlechte tat, obwohl alle leute die das beobachten von mir gut denken und reden.
Shui
@Zeitenlicht
Also sind irgendwie alle schlecht..
Find ich ein bisschen eindimensional, schließlich gibt es im Leben nicht nur schlechtes, sondern auch gutes.

@kds
Gut !
Es ist durchaus wichtig, neben der Handlung auch deren Intention zu betrachten.

Aber wei siehst es mit den Folgen aus? Was, wenn die alte Dame, der ich über die Straße helfe, an Demenz leidet, überhaupt nicht weiß, wo sie eigentlich hin will und ich sie dadurch nch weiter von ihrem Zuhause weg bringe?
Natürlich ist der Ausführende in diesem Fall unwissend, weder dieser noch dessen intention können als schlecht betrachtet werden, aber kann man die Handlung selbst im großen Zusammenhang nicht dennoch als eher schädlich und damit schlecht ansehen?
Seitenlicht
Hallo Shui



Zitat:
Shui:
» Also sind irgendwie alle schlecht.. «

Sicherlich. Ich nicht ausgeschlossen.



Zitat:
Shui:
» Find ich ein bisschen eindimensional, «

Ist es auch. So eindimensional, wie wenn ein Apfel welcher der Schwerkraft unterliegt und entsprechend in nur eine Richtung fällt. Jedenfalls wenn man sich solche Gedankengänge – aus eigener Meinung heraus gefärbt – durch den Kopf gehen läßt, folgend an einem roten Faden entlang. Das ist das Grundprinzip. Was danach kommt, ist reine Definitionssache. Dennoch: wenn vieles den Bach herunter fließt, reißt es einiges im nahen Umkreis mit sich. So wie einiges im nahen Umreis mitgerissen, wird dieser innere auch hin und wieder etwas vom äußeren Umreis mit in den Strudel herabfallender Gedanken mitreißen ...



Zitat:
Shui:
» schließlich gibt es im Leben nicht nur schlechtes, sondern auch gutes. «

Ja, im Leben gibt es auch viel Gutes. Unter was ich gutes und schlechtes einordne, ist das intuitive Gefühl (wie etwa auch Moral) welches unter Ästhetik fällt. Hat man sich erst einmal mit den Gründen rational auseinander gesetzt, warum man etwas für gut oder schlecht hält, erscheinen sie kindisch und doch so wichtig. Alle Einflüsse die sich nachteilhaft auswirken, werden gemieden. Was uns nach diesen Eigenschaften passiv ausrichten oder die unpassenden Eigenschaften aktiv verändern läßt. Abhängigkeit bestimmt unsere Ansichten und somit unser Leben, aus und von dem soziologisch-normativen Umfeld abhängig, ebenso wie von Gegebenheiten. Ist doch verständlich, wenn alle etwas ähnliches schön finden, färbt sich das als Vorliebe ab.
Das ist schön und gut. Was allerdings nicht bewertet wird, ist das Bewertende selbst. Von sich aus wird alles andere gesehen, doch sich selbst beobachtet man am wenigsten. Definiert man weit genug herab, ist selbst das Schöste in den Augen anderer ... für mich eine unbewertete Gegebenheit. "Angriffsziel" ist nun das Bewertende selbst d. h. eine "Verlagerung" findet statt. So weit, bis das (meinetwegen auch unbewußte) Bewerten von allem was an Empfinden hereinkommt zum Streß ausartet und ich als Bewerter als am-besten-nicht-sein-sollende schlecht bewertet. Geschweige andere die noch zusätzlich etwas schlechtes beitragen könnten.

Hmmm ... so oder so ähnlich.



Gruß
kämpfer der sonne
Zitat:
Original von Shui
@kds

Aber wei siehst es mit den Folgen aus? Was, wenn die alte Dame, der ich über die Straße helfe, an Demenz leidet, überhaupt nicht weiß, wo sie eigentlich hin will und ich sie dadurch nch weiter von ihrem Zuhause weg bringe?
Natürlich ist der Ausführende in diesem Fall unwissend, weder dieser noch dessen intention können als schlecht betrachtet werden, aber kann man die Handlung selbst im großen Zusammenhang nicht dennoch als eher schädlich und damit schlecht ansehen?


wenn die absicht gutes zu tun vorlag dann ist der helfer ein guter mensch, obwohl es der dame nichts nützt, sondern ihre situation verschlimmert. jedoch ein guter mensch merkt in der regel wenn mit der dame etwas nicht stimmt und hilft nicht weil er nur etwas gutes tun will, wie in der werbung, wo einer die dame über die straße bringt, diese aber gar nicht will. also ein aufdrängen einer als guten tag angesehenen tat ist kein gute tat, sonder soll ja nur das ego des helfenden verbessern, ist also eine schlehcte tat.
Reinhard
Zitat:
Abhängigkeit bestimmt unsere Ansichten und somit unser Leben, aus und von dem soziologisch-normativen Umfeld abhängig, ebenso wie von Gegebenheiten. Ist doch verständlich, wenn alle etwas ähnliches schön finden, färbt sich das als Vorliebe ab.
Das ist schön und gut. Was allerdings nicht bewertet wird, ist das Bewertende selbst. Von sich aus wird alles andere gesehen, doch sich selbst beobachtet man am wenigsten.


Hallo ZL, ist es nicht so, dass es gerade auf die Unterschiede ankommt? Logisch betrachtet, gehört eine Übereinstimmung in den Bereich der sich deckenden Analyse im Sinne eines analytischen Urteils. Der Unterschied ist jeweils für den Anderen der Inhalt des Synthetischen. Wie findet man aber die Unterschiede raus, die sowohl, wie Du richtig sagst, vom Umfeld und den persönlichen Gegebenheiten abhängen, die sich aber wieder gegenseitig bedingen? Dazu ist Offenheit und der Wille, sich in andere hineinzuversetzen erforderlich. Ich gehe da ein Stück weiter und behaupte, der Bewertende kann sich nur über diese Offenheit dem Anderen gegenüber selber ins Blickfeld nehmen.

Das ist ein Ereigniszusammenhang in den der Einzelne gesetzt ist, als Verhältnis und nicht als Person-zu-Person-Gegensatz. Ohne dieses Verständnis überhaupt keine Selbstbeobachtung und schon gar keine Selbsterkenntnis. Da muss jemand schon aus sich herauskommen und das Wagnis wagen und sich auch noch seine Verletzlichkeit bewahren und nicht abstumpfen. Schwieriger Prozess aber auch die einzige Chance, der Wahrheit der Wirklichkeit sich ein wenig zu nähern. Spielt da die Frage nach gut und böse dann überhaupt noch eine Rolle, zumal der übliche Vorgang meist alles an Personen festzumachen versucht?

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
theophanu
Ich habe diesen Unterschied zwischen "gutem" und "bösem" Menschen in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht. Nicht als Kind und auch heute nicht. Ganz im Gegenteil: Es entspricht meinem ureigensten Charakter, ohne Vorbehalte auf einen anderen zuzugehen.
Was ich dann mit dem anderen erlebe, etikettiere ich auch nicht mit "gut" oder "böse". Es kommen einfach zwei individuell angelegte und geprägte Menschen zusammen. Und sollte es zu Problemen oder Mißverständnissen kommen, hat nicht nur einer alleine die Verantwortung dafür zu tragen - sollten die Gründe auch außerhalb dieser beiden Menschen liegen. Ich mag über eine Erfahrung traurig oder wütend sein. Aber ich vergesse nie, daß ich daran teilhatte. Nein, soweit ich auch zurückdenken kann, habe ich noch niemals einen Menschen als "schlecht" abgelegt. Das ist aber keine besondere Leistung, ich bin einfach so.

Und, Reinhard, wenn ich da kurz einhaken darf:
Zitat:
Da muss jemand schon aus sich herauskommen und das Wagnis wagen und sich auch noch seine Verletzlichkeit bewahren und nicht abstumpfen.
Nach meiner Überzeugung m u s s das eben niemand. Wenn ein anderer Gründe hat, nicht aus sich herauszukommen, dann muß ich das akzeptieren, auch wenn es mir vielleicht noch so schwer fällt. An ihm deswegen aber zu zweifeln, bedient nur ein eingeprägtes Wertungsmuster, dem wir alle manchmal vorschnell unterliegen.

Zitat:
Schwieriger Prozess aber auch die einzige Chance, der Wahrheit der Wirklichkeit sich ein wenig zu nähern.
Immer läuft irgendein Prozess ab. In uns und zwischen uns und anderen. Ob ein Prozess schwierig wird, hängt maßgeblich davon ab, wieviel Ruhe in einem selbst ist. Wieviel humaner ist es doch, niemanden zu einer Entscheidung zu drängen, sondern ihm die Hand zu geben, wenn er von selbst kommt.
Aber darin bin ich selbst noch Anfänger.
Gruß, Theo
Reinhard
Zitat:
Und, Reinhard, wenn ich da kurz einhaken darf:
Zitat:
Da muss jemand schon aus sich herauskommen und das Wagnis wagen und sich auch noch seine Verletzlichkeit bewahren und nicht abstumpfen.
Nach meiner Überzeugung m u s s das eben niemand. Wenn ein anderer Gründe hat, nicht aus sich herauszukommen, dann muß ich das akzeptieren, auch wenn es mir vielleicht noch so schwer fällt. An ihm deswegen aber zu zweifeln, bedient nur ein eingeprägtes Wertungsmuster, dem wir alle manchmal vorschnell unterliegen.


Hallo Theo.., genau das meine ich ja auch. Das " muss " bezieht sich ja auf den Willen, den man hat oder eben nicht oder eben noch nicht erkannt hat. Wenn man nie Enttäuschungen erleidet, bleibt der Nacken eher aufrecht. Trotz der Nackenschläge aufrecht zu bleiben, scheint mir die Kunst. Ob jemand über ausreichende Offenheit verfügt, unterliegt selbst noch keinerlei Wertung, die tritt erst ein mit seinem Tun oder Lassen in bestimmten Situationen. Dass Menschen leicht abgestempelt werden, erfährt man ja nicht gerade selten. Und da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Es ist ja eine einfache Art andere abzustempeln, zumal die Versuchung immer da ist, sich selbst damit zu erhöhen. Reflexe der Eitelkeit. Streng genommen kann man nur jede Tat aus ihrem einzigartigen Zusammenhang heraus werten, doch unsere Not zu verallgemeinern, als zusammengefasste, vereinfachende Wertung, trügt uns immer wieder. Was Du sonst unter Gründen verstehst, ist mir nicht klar. Die Motivauswahl trifft immer ein bestehender Charakter.

Zitat:
Ob ein Prozess schwierig wird, hängt maßgeblich davon ab, wieviel Ruhe in einem selbst ist. Wieviel humaner ist es doch, niemanden zu einer Entscheidung zu drängen, sondern ihm die Hand zu geben, wenn er von selbst kommt.


Ihm zu zeigen, dass die Hand offen ist, damit er um seine Möglichkeiten weiß. Jeder Prozess ist schwierig, sonst würden wir gar nicht als Prozess davon sprechen. Die Ruhe, eben auch die Gelassenheit, die ich einer Situation gegenüber habe, wird doch arg von meinem Interesse, meinem Willen bestimmt. Als erstes würde es schon genügen, Teile des konventionellen Ballastes über Bord zu werfen, der durch die falsch verstandenen philosophischen und religiösen Dogmen uns immer wieder in eine Doppelmoral hineintreibt. Doppelt in dem Sinne, dass wir für uns anderes gelten lassen als anderen gegenüber, wobei das auch noch Kreise zieht. Auch im Sinne von Familie, Clan, Sippe, Nation, Hautfarbe, Mann, Frau, Menscheit, im Verhältnis zu den Anderen und anderen Daseinsformen.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
theophanu
@ reinhard

Hallo Reinhard,

Zitat:
Ob jemand über ausreichende Offenheit verfügt, unterliegt selbst noch keinerlei Wertung, die tritt erst ein mit seinem Tun oder Lassen in bestimmten Situationen.
Ja, auch wenn es manchmal länger dauert, weil die Enttäuschung das Hirn trübt. Dann kann man nur hoffen, daß der andere noch da ist, wenn man wieder klar ist.

Zitat:
Dass Menschen leicht abgestempelt werden, erfährt man ja nicht gerade selten. Und da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Es ist ja eine einfache Art andere abzustempeln, zumal die Versuchung immer da ist, sich selbst damit zu erhöhen. Reflexe der Eitelkeit.
Das ist schon Eitelkeit, seine Wahrnehmung, seine (Ver-)Urteilskraft absolut zu setzen.

Zitat:
Streng genommen kann man nur jede Tat aus ihrem einzigartigen Zusammenhang heraus werten, doch unsere Not zu verallgemeinern, als zusammengefasste, vereinfachende Wertung, trügt uns immer wieder.
Das unterliegt einem riesigen philosophischen Komplex, über den ich mir in den letzten Tagen so meine Gedanken gemacht habe.
Wie ich glaube, liegt das Problem einzig darin,
a) daß wir Menschen alle aus Individuen bestehen und es nur immer Ähnlichkeiten im Empfinden geben kann, die so gerne und so falsch verallgemeinert werden
- aber, und hier liegt die einzige und angebrachte "Verallgemeinerung"
b) wir sind zwar das Viele aber wir sind auch das Eine. Wenn wir wirklich verstehen wollen, was uns zusammenhält, dann kann es nur das sein. Und genauer überlegt heißt das, zu sehen bzw. sehen zu wollen, was wir uns, dem Einen, antun, wenn wir die einen Teile von uns pflegen und andere krankwerden oder sterben lassen. Als Individuum spüren wir das andere Individuum zwar nicht, weil es aufgrund der extremen "Verdünnung" nicht möglich ist. Wenn man aber Leid oder Schmerz am anderen erkannt hat und stillschweigend darüber hinwegsieht, lassen wir zu, daß wir selbst, weil alles eins, krank sind und krank bleiben. Das zu erkennen - dafür braucht es noch nicht einmal Moral.

Zitat:
Als erstes würde es schon genügen, Teile des konventionellen Ballastes über Bord zu werfen, der durch die falsch verstandenen philosophischen und religiösen Dogmen uns immer wieder in eine Doppelmoral hineintreibt.
Manchmal ist es schon seltsam. Ich kam heute morgen hierhin, um im Thread Eine/Viele die Frage zu stellen, die sich genau um das dreht, was wir hier schreiben.
Wenn erkannt wird, was das Eine ist, passen alle persönlichen "Götter" unter ein Dach. Ob mein Gott Physik ist, dem anderen die Dreieinigkeit
(die im Übrigen so schön aus der Antike heraus erklärt werden kann, worüber, wenn ich nicht irre, es noch keinen Thread gab. Da gibt es soviel zu erkennen, was noch aus dem Dunkel des reinen Glaubens in die Erkenntnis geholt werden könnte.),
Religionen oder Philosophien jeder Couleur, ist fast gleich,
wenn den Menschen klargemacht werden kann: Seht hin: Wir alle (incl. nicht-menschlichen Lebens) sind EINS.
Und wenn ich nun sehe, was das für eine Arbeit nach sich zieht, gehe ich erstmal wieder ins Bett, ziehe mir die Decke über die Ohren und träume mich weg. Oder auch nicht :-)

Bis dann, Theo
Reinhard
Zitat:
Als Individuum spüren wir das andere Individuum zwar nicht, weil es aufgrund der extremen "Verdünnung" nicht möglich ist. Wenn man aber Leid oder Schmerz am anderen erkannt hat und stillschweigend darüber hinwegsieht, lassen wir zu, daß wir selbst, weil alles eins, krank sind und krank bleiben. Das zu erkennen - dafür braucht es noch nicht einmal Moral.


Hallo Theo, wenn man aber als Verursacher von Leid auftritt, doch wohl schon. Es ist ja gerade die " Verdünnung ", die uns einerseits nicht unmittelbar etwas spüren lässt und andererseits aber schlimmere Schäden verursachen kann als rein körperliche. Auf jeden Fall ist es aber so, dass wir die Verletzungen der Innerlichkeit nicht erkennen und abschätzen können. Beide Seiten gehen ja immer irgendwie einher, nur das Mischungsverhältnis ändert sich von Fall zu Fall.

Es gibt keine schlechten Menschen, es gibt nur schlechte Meinungen über Menschen und die deuten immer darauf hin, dass der Sichäußernde
selber nicht besser ist als seine Meinung über andere Personen.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
John
Mal eine ganz andere Sichtweise:

Physikalisch gesehen gibt es keine Kälte, sondern nur einen Zustand, in dem keine Bewegung ist, der durch die Temperatur - 273 Grad C erfasst wird - wenn ich mich nicht irre, bin kein Physiker - alles, was darüber ist im Prinzip
Nichtkälte, die wir natürlich schwer mit dem Begriff Wärme bereits dann assoziieren können, wenn wir bei -72 zu Eiszapfen erstarren. Aber es soll ja um die theoretische Betrachtung gehen.

Könnte man nicht von mehreren "Nullzuständen" sprechen:

Dunkelheit, Leere, Kälte, Stille, ..................... die durch irgendetwas dann quasi durchbrochen werden und sich vom Nullzustand entfernen?

Das sogenannte Gegenteil ist ja relativ und mit subjektiven Inhalten verbunden: hell, voll, warm, laut

Dies sind ja wohl kaum absolute Zustände, wohl nicht einmal definierbare.

Nun zur Frage "guter" oder "schlechter" Mensch! Gibt es auch hier einen Grundzustand? Nimmt man einen neugeborenen Menschen und glaubt an diesen Grundzustand, müsste man wohl eher zu "gut" als zu "schlecht" neigen. Wobei an dieser Stelle natürlich zu definieren wäre. Oder kann man die Grundüberlegung erstmal ohne diese Definition fortsetzen.

Welche Grundzustand hat der Mensch? Ist es vielleicht Freiheit? Oder reine Bedürfnisorientierung? Liebe? Das bekannte Wort Urvertrauen fällt mir in diesem Zusammenhang ein, passt aber nicht zu meiner Überlegung. Ok, vielleicht hilft jemand beim Suchen?