Buddhismus und Platon im Vergleich

natur
Erstmal Hallo an das von mir neu entdeckte Forum.
Ich hoffe ich bin hier mit meiner Frage richtig.

Das ganze wird etwas länger also erst mal zur Vorgeschichte :
Im ersten Semester Philosophie habe ich mich für eine Hausarbeit in einem Platon Seminar angemeldet. Kurz vor beginn des Seminars hatte sich bei mir bereits ein großes Interesse für Buddhismus entwickelt, was dazu führte, dass ich immer wieder Vergleiche zwischen buddhistischer Philosophie und der Platons (für mich selbst) zog. Ich fragte meinen Professor ob ich eine Hausarbeit schreiben kann, in welcher ich die Philosophie Platons und jene des Buddhismus in einen Vergleich stellen kann.
Nun hat es sich so ergeben das ich die Hausarbeit erst jetzt (zu beginn des dritten Semesters) abgeben muss. Ich habe mich in der Zeit sehr intensiv mit beiden "Themen" beschäftigt, was mir nun sowohl eine Hilfe als auch ein Hindernis ist.
Die Hausarbeit soll maximal 15 Seiten umfassen und ich muss nun wirklich darauf achten, nicht zu viel zu schreiben und vor allem das was ich weiß von dem zu trennen was wirklich wichtig ist.
Leider fällt mir das schwerer als gedacht. Außerdem ist es meine erste "richtige" Hausarbeit in "Philosophie"(habe ansonsten bereits zwei in Soziologie geschrieben).

Wenn ihr euch jetzt fragt was ich nun vom Forum erhoffe.
Ich stelle mir die Frage, was interessiert jemanden der etwas über das Thema liest.

Ich denke ich bin zumindest eine kleine Einleitung darüber Schuldig was Buddhismus eigentlich ist. Aber wie sieht es bei Platon aus. Reicht es ihn im Grunde nur in der Form einzuführen das ich seine Gleichnisse und (in meinen Augen) wichtige Teile seines philosophischen Denkens erläutere?

Ich habe schon mehrmals angefangen und es immer wieder verworfen.

Eigentlich war meine Idee mittlerweile, die "Kernthesen" beider philosophischer Systeme gegenüber zu stellen.

aber ich schaffe es schon hier kaum eine Struktur rein zu bekommen.
Der Grund ist denke ich das ich selbst nicht mehr so genau weiß wo ich hin will. Ich habe mir zu viel "Hintergrundwissen" angelesen als auf 15 Seiten passt.

Also ganz simpel Forumliert.

Was würdet ihr euch unter einer solchen Hausarbeit vorstellen?
Was würdet ihr erwarten zu erfahren und nach dem lesen davon zu haben?
Welche Tips hättet ihr generell...?

Ich hoffe ich verwirre nicht zu sehr und danke vielmals allen die das hier tatsächlich Lesen!

mfg natur
nieceth
Hallo natur,

ich denke, dass du mit folgenden Punkten (neben dem, was man schon formal abarbeiten muss) die Arbeit gut strukturieren und ausbauen kannst:

- Was hat Platonismus überhaupt mit Buddhismus zu tun und weshalb lohnt sich ein Vergleich?
- Geschichtliche Einordnung beider philosophischer Strömungen (Ursprung, Ausbreitung, möglicherweise historische Bezüge etc.)
- Vergleich (Was sagen die Philosophien aus? Inwieweit unterscheiden sie sich, worin stimmen sie überein? Was kann man vielleicht auch in der Gegenwart noch mit den Philosophien anfangen?)
- Bewertung der Positionen und Unterschiede
ete
Zitat:
Original von natur
[, dass ich immer wieder Vergleiche zwischen buddhistischer Philosophie und der Platons (für mich selbst) zog.

Ich kenne keine Philosophie, die zur Staatsphilosophie erhoben wurde, hierarchisch gegliedert und reglementiert ist, angebetet wird , der geopfert wird und der Mönche dienen. Demnach war Buddha Religionsstifter, nachdem er, gemäß seiner Aufzeichnungen, von Gott Brahma dazu aufgefordert wurde, zu lehren. Er gründete daraufhin Mönchsorden und keine Philosophenschule.
Oder hast Du diesbezüglich andere Erkenntnisse?
nachdenklich
Ich würde mich darauf konzentrieren, was beiden gemeinsam ist: auf den Weg zur Erkenntnis (zur Sonne, zum Licht) bei Platon (Höhlengleichnis) und den Weg zur Erleuchtung (Buddhismus). Der Hauptunterschied ist, daß im Höhlengleichnis ein Eingriff von außen erfolgt, während Buddha seinen Weg ohne äußeren Zwang ging, nur inspiriert von Alter, Krankheit und Tod. Interessant ist, daß beide - Buddha und Platon - zeitlich gar nicht weit auseinanderliegen.
Andique
Zitat:
Original von ete
Zitat:
Original von natur
[, dass ich immer wieder Vergleiche zwischen buddhistischer Philosophie und der Platons (für mich selbst) zog.

... Demnach war Buddha Religionsstifter, nachdem er, gemäß seiner Aufzeichnungen, von Gott Brahma dazu aufgefordert wurde, zu lehren. Er gründete daraufhin Mönchsorden und keine Philosophenschule.



Das ist nicht richtig. Das ist deshalb schon nicht richtig, da Gautama Buddha selbst keine Aufzeichnungen hinterliess. Die ersten Aufzeichnungen seiner Lehre gab es meines Wissens erst 100 Jahre nach seinem Tod. Es ist ein bemerkenswertes Detail der Persönlichkeit dieses erhabenes Meisters, dass er eben, so wie Sokrates, keine Schriften hinterlassen hat.
Auch die Motivation zu lehren ist ihm nicht von Brahma eingegeben worden. Gautama Buddha hat ja geradezu mit seiner Lehre den hinduistischen Glauben überwunden.
Die Motivation zu lehren liegt in der Erleuchtung selbst begründet. Die Erleuchtung ist weder ein Selbstzweck, noch soll es ein "Ego" stärken, sondern ist nur für die Gemeinschaft gedacht.
Ob Buddha nun ein Religionsstifter oder Philosophiengründer ist, darüber sollen andere streiten.

freundliche Grüsse
Exebeche
Ein undankbares Thema, hätte ich gesagt, wenn der Prof dir das gegeben hätte, aber da du es selbst haben wolltest, naja, was will man damit anfangen?
Ich an deiner Stelle hätte damit angefangen genau hier in diesem Forum zu diskutieren, wo du die Parallelen tatsächlich siehst.
Ich finde nämlich beim besten Willen nur Spurenelemente davon.
Aber das muss nichts heißen.
Dennoch würde dir eine solche Diskussion zu mehr Klarheit verhelfen.
Sei es auch nur, dass du zu dem Ergebnis kommst, dass die Parallelen marginal sind. Auch das ist ja für eine wissenschaftliche Arbeit mehr als legitim.
Jetzt mal im Ernst:
Wo siehst du Parallelen zwischen Buddha und Platon?
Ich sehe ein Parallele zwischen Schopenhauers Ansicht, dass Leben Leiden ist und Buddhismus.
Ich sehe eine Parallele zwischen dem, was der Osten als Maya bezeichnet zum radikalen Konstruktivismus, der die Realität zum Trugbild erklärt.
Aber Platon und Buddhismus?
Sophie
Mein Tip wäre:

Anregungen ja, aber nicht hier ausdiskutieren.


Was sicher nicht fehlen sollte, ist ein Abriss über die Reinkarnationsvorstellung im Buddhismus und in der Antike, speziell bei Platon.
Dann der Vergleich des Sinn-, Erlösungsgedanke. Wo gibt es Ähnlichkeiten, wo liegen die Unterschiede. Du wirst automatisch bei einem Vergleich landen, der die Vorstellung der menschlichen Vernunft und die Liebe zur Weisheit bei Platon beschreibt, mit Beispielen und die im Buddhismus, der eher Erfahrungsweg ist und der eine konzeptuellen Grenze überschreitet.
Welche Fragen stellen sich? Wie werden sie beantwortet?


Ich schätze Literaturhinweise wirst du nicht noch mehr benötigen, wenn du zu dem Thema schon sehr viel gelesen hast. Dennoch kann ich dir ein Buch empfehlen, in dem du dir vielleicht einen Faden für zu bearbeitende Anhaltspunkte holen kannst und die mit den entsprechenden Quellen vertiefen kannst und das wäre der Der Mönch und der Philosoph.


Viel Spaß
nachdenklich
Interessant wäre auch ein Vergleich der Seelenvorstellung Platons mit der buddhistischen Vorstellung vom Bewußtseinsstrom, der sich durch die verschiedenen Inkarnationen zieht.