Spiritualität

Reinhard
Zitat:
...aber ich kann damit nicht viel anfangen, wenn du das als Konter zu meiner Aussage schreibst.


Hallo Sophie, das meine ich nicht als Konter, sondern allenfalls als Ergänzung. Worum es mir geht, und ich hätte mich klarer ausdrücken können, ist, dass die Bestimmung Geist für mich alleine nicht ausreicht, um die von Dir beschriebenen Tugenden, gegen die ich inhaltlich nichts einwende, auch wirklich zu leben. Ohne die Fähigkeit zum Mitgefühl und die Orientierung am Ideal der Selbstlosigkeit, bleibt die Spiritualität ein leeres Gebilde, dass auch mit ganz anderen Tugenden oder auch Lastern gefüllt werden könnte. Auch die Absichten der Missionierung laufen diesen Tugenden oft zuwider, wie man leicht an Sektenbildungen und Heilsversprechen ablesen kann. Ich hoffe, es ist jetzt klarer.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Sophie
@ Reinhard


geschockt So hört sich also eine Ergänzung an?

Zitat:
Hallo Sophie, hä? Nun mal im Ernst. Ist das nicht eine Ansammlung höchst bedenklicher Wörter?


Das hat bei mir einfach nicht den Eindruck erweckt, als wenn du verstanden hättest, wie ich es gemeint habe.


Zitat:
Ohne die Fähigkeit zum Mitgefühl und die Orientierung am Ideal der Selbstlosigkeit, bleibt die Spiritualität ein leeres Gebilde,



Zitat:
...Attribute wie Freundlichkeit, Mitgefühl, Wissen, Gleichmut, Freude, Heiterkeit, Kreativität bewusst als einen Teil seiner geistigen Entwicklung wahrzunehmen und zu pflegen.
Reinhard
Zitat:
Das hat bei mir einfach nicht den Eindruck erweckt, als wenn du verstanden hättest, wie ich es gemeint habe.


Hallo Sophie, das verstehe ich, und gestehe gleichfalls einen Mangel an Aufmerksamkeit ein oder besser gesagt ein kleinkariertes Klammern an Begriffen und fehlendes Einfühlungsvermögen.

Tugend darf sich nur selber belohnen und dazu ist eine Spiritualität von Nöten. Leider ist es aber oft so, dass in diesen Grundsatz Glückseligkeitsgedanken mit einfliessen, die diesen Grundsatz nicht nur verwässern, sondern aufheben. Das wollte ich zur Abgrenzung noch mal herausheben, ohne Dir das zu unterstellen. Du hast das offenbar mitgedacht, weil es für Dich wohl selbstverständlich ist, was mir noch diese Bemerkung wert war. OK ?

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Sophie
Zitat:
Original von Reinhard

Tugend darf sich nur selber belohnen und dazu ist eine Spiritualität von Nöten.


O.k.


Zitat:
Leider ist es aber oft so, dass in diesen Grundsatz Glückseligkeitsgedanken mit einfliessen, die diesen Grundsatz nicht nur verwässern, sondern aufheben.


Könntest du näher erklären, worin du genau die Problematik siehst?
Reinhard
Zitat:
Könntest du näher erklären, worin du genau die Problematik siehst?


Hallo Sophie, danke der Nachfrage. Wenn ich an den Unterschied denke, den die antiken Kyniker zu den buddhistischen Mönchen aufweisen, dann erkenne ich, dass zwar die Entsagung in der äußerlichen Erscheinung in beiden Fällen erkennbar ist, so liegt aber bei den Kynikern nur die Vorstellung zugrunde, dass die Abhängigkeit von Gütern des Begehrens immer wieder zu Schwierigkeiten führen muss. Sie entsagen dem Wollen, um unabhängig sein zu können und das heisst letztlich ein Streben nach Zufriedenheit unter Beibehaltung der eigenen Persönlichkeit. Auch das ist eine Erscheinung des Egoismus.

Bei den Anderen wird das von der Aufgabe gerade der eigenen Persönlichkeit getragen, eben vom Boden der Spiritualität, sprich Selbstlosigkeit.

Bei den Kynikern endet alles in Hohn, Spott und Sarkasmus unterhalb der Annahme einer geistigen Welt. Der Hofnarr wäre deren Steigerung.

Mitgefühl und Schätzung des Allzusammenhangs bilden die Grundlage der Entsagung der b. Wandermönche.

"... dass alle ächte Tugend, nachdem sie ihren höchsten Grad erreicht hat, zuletzt hinleitet zu einer völligen Entsagung, in der alles Wollen ein Ende findet: hingegen ist Glücksäligkeit ein befriedigtes Wollen, Beide sind also von Grund aus unvereinbar " bemerkt Schopenhauer deshalb zu recht in seiner Kantkritik dem Kategorischen Imperativ Kants gegenüber, der durch seine Lehre vom höchsten Gut als der notwendigen Vereinigung von Tugend und Glückseligkeit so ein Mischverhältnis abgeleitet zu haben meint.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Epic
Könntest du näher erklären, worin du genau die Problematik siehst?

ist doch egal wo er die problematik sieht solange es für dich evident auf der hand liegt. ^^
Sophie
Zitat:
Original von Epic
Könntest du näher erklären, worin du genau die Problematik siehst?

ist doch egal wo er die problematik sieht solange es für dich evident auf der hand liegt. ^^


Hallo Epic,

ich denke, dass ich für mich bestimmen kann, warum ich diese Frage gestellt habe. Jetzt weiß ich, wenn auch nur ungefähr, an was Reinhard gedacht hatte und das genügt mir komischerweise meistens.

Gute Grüße,
Sophie
Reinhard
Hallo Sophie, ich hätte auch nie angenommen, dass Du von allen Problemen frei bist aber frei zu fragen schon. Unproblematisch ist für mich auch die Ableitung aus der Setzung der Spiritualität in dem Sinne unseres Einvernehmens. Problematisch ist doch nur die Bewältigung der daraus erwachsenden Vorgaben. Leben ist eben immer etwas gänzlich anderes als das Theoretisieren darüber. Da stößt man dann zwangsläufig auf die Schwierigkeiten, alte Gewohnheiten aufzugeben, Anerkennungen zu verspielen und was weiss ich noch.

Man geht ein Wagnis ein, das Leben im Sinne einer ungesicherten Weisheit zu praktizieren und ich finde, die extreme Gegensätzlichkeit, einerseits seinem Willen zu entsagen oder zu versuchen, ihn ständig zu befriedigen, in aller Flüchtigkeit, sozusagen von einer Abhängigkeit in die nächste zu stürzen, zeigt diese Schwierigkeit doch gut auf. Ich hänge immer irgendwie dazwischen und wer vorgibt, damit keine Probleme zu haben, hat nur nicht richtig darüber nachgedacht. Man möge mich nicht missverstehen, wenn ich sage, dass selbst Jesus, zwar am Kreuze, gefragt hat, Vater warum hast Du mich verlassen? Das Trotzdem hat ihm dann den Weg gewiesen, nur ihm blieb ja auch keine Wahl mehr.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Freude