Vergleichs-Vergleiche

#phritz
1. Ich lege meine linke Hand neben die rechte Hand - und kann nun die eine Hand mit der andern vergleichen. Dieser einfache Vorgang führt bei weiterem Nachdenken in interessante Konsequenzen.

2. Für einen Vergleich brauche ich also mindestens zwei zu vergleichende Dinge derselben Art oder Kategorie. Gäbe es nur ein Ding einer Kategorie, und sonst keines seiner Kategorie, wäre es nicht zu vergleichen.

2.1 Ich könnte dieses Ding - das einzige seiner Kategorie - höchstens mit Dingen einer anderen Kategorie vergleichen, nur wäre es dann ein "Äpfel-mit-Birnen"-Vergleich.

2.1.1 Aber KANN man denn nicht wirklich Äpfel und Birnen miteinander vergleichen? Schließlich haben sie gewisse gemeinsame Dimensionen: Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. Über diese Dimensionen könnte man sie also leicht vergleichen - ohne aber damit das, auf was es uns beim Argument "Äpfel und Birnen können nicht verglichen werden." ankommt, damit überhaupt berührt zu haben.

2.1.2 Wenn wir sagen, Äpfel und Birnen könnten nicht verglichen werden, dann meinen wir dies: "Es gibt keine Dimension - Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. - in der beliebige Vertreter der zu vergleichenden Kategorien Äpfel und Birnen dieselben Werte haben." Hier negiert man ja nicht die Möglichkeit des Vergleichs, sondern es wird die Hypothese gebildet, dass jeder x-beliebige Vergleich auf einer x-beliebigen Dimension zwischen einem x-beliebigen Apfel und einer x-beliebigen Birne ein Urteil im Sinne von "ungleich!" zeitigt.

2.1.3 Etwas "nicht vergleichen können" heißt nur: Beides hat nichts gemeinsam. Und das "gemeinsam" bezieht sich auf das Ergebnis eines Vergleichs, und nicht auf dessen Möglichkeit.

2.1.3.1 Offenbar kann man nach einem Vergleich zu dem Urteil kommen, etwas könne nicht verglichen werden, aber das ist kein Paradoxon, sondern: Die erste Verwendung von "Vergleich" ist nicht so wie die letztere. Der erste Vergleich war der Vergleichsmöglichkeit geschuldet, und das "verglichen" bezieht sich auf das Ergebnis des durchgeführten Vergleichs.

2.2 Wenn ich also schon nicht Äpfel und Birnen vergleichen kann - also die Vertreter der Kategorien nichts gemeinsam haben - so könnte ich sie doch unter dem Label "Obst" zusammenfassen. Aber deshalb wäre "Obst" eben keine neue Kategorie (daher habe ich mal "Label" dazu gesagt; und "Label" bezeichnet hier soetwas wie einen Titel, oder eine Überschrift; einem Schild gleich, das in ein ein Sortiment gesteckt worden ist, in dem die Vertreter aller zusammengefaßten Kategorien bunt durcheinander liegen).

2.3 Es gibt keine Vermischung von Kategorien oder Labels - entweder etwas gehört in die eine Kategorie, oder in die andere; und hat man keine passende Kategorie, definiert man eine. Es kann auch unsicher sein, in welche Kategorie ein Objekt gehört...aber deshalb hebt man eben die Trennung der Kategorien nicht auf.

3. Die zu vergleichenden Dinge müssen mir bekannt sein. Doch was soll das nun heißen? Genau: Ich muss sie beschreiben - und das heißt auch implizit: definieren - können. Und das heißt weiterhin, dass die wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung nur EINE Möglichkeit der Kategorisierung ist, aber eine rein sprachliche Kategorisierung dadurch nicht ausgeschlossen ist.

3.1 Der Kategorie ist es egal, ob sie sich auf Wahrnehmbares bezieht oder nicht Z.B. "Wissen" kann man demnach auch kategorisieren - ohne je Wissen wahrgenommen zu haben (höchstens etwas, was auf Wissen schließen ließe).

3.1.1 Wohl - es genügt ja, wenn ich den Begriff klar umfassen kann und ihn so definiere, dass er als Label für weitere Kategorien fungieren kann: Praktisches Wissen, empirisches Wissen, theoretisches Wissen, metaphysisches Wissen etc. Und ich kann nun auch Vergleiche zwischen diesen definitorischen Kategorien bilden.

3.2. Die Kategorisierung - die Bildung von Kategorien und die Zuordnung von Objekten zu diesen - ist ein sprachliches Nachzeichnen der wahrgenommenen Unterschiede von Objekten...aber KEIN sprachliches Abbilden derselben.

3.2.1 Mit der Kategorisierung lege ich fest, welche Dinge verglichen werden können, und welche nicht mehr, und wo der Bedarf nach einem gemeinsamen Label besteht.

3.3 Das Vorgehen bei der Kategorisierung wirft ein Licht auf das Entstehen von Logik als Methode der Kategorienbildung.

3.3.1 Beim Kategorisieren werde ich Kategorien bilden; und alles, was darauf aufbaut, können nur Label sein. Kategorisierung und Labeling könnte man unter dem Begriff "Strukturisierung" oder "Systematisierung" fassen.

3.3.2 Die Strukturisierung zeigt den Umgang mit der Eindeutigkeit; dem Herstellen von Eindeutigkeit innerhalb einer Struktur oder Systems. Eine eindeutige Adressenzuweisung, sozusagen.

3.4 Weil wir theoretisch beliebige Kategorien bilden können - die praxis- und erfahraungs- oder wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung ist eben nicht die einzige Möglichkeit dazu, und sie steht auch nicht höher oder besser als eine rein theoretische Kategorisierung - kann man sagen: Durch die Strukturisierung konstruieren wir die Wirklichkeit.

4. Ich selbst, der Vergleichende, darf nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören. D.h. im Hand-Beispiel gehöre ich selbst ja nicht zur Hand - ich bin ja keine - und das, obwohl ich zwei davon habe.

4.1 Aber warum DARF ich denn nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören? Ich wäre - als Vergleichender - sozusagen vorbelastet. Aber worin läge diese Vorbelastung? Fast so etwas ähnliches wie ein Inzest: Wer zur Familie gehört, der darf nicht usw.

4.1.1 Ich bin ein Mensch - und also dürfte ich deshalb keine Menschen miteinander vergleichen. Auf diese Weise aber bilde ich täglich meine Urteile über meine Mitmenschen. Aber es ist ja ein Unterschied zwischen KÖNNEN und DÜRFEN.

4.1.1.1 Ja, ich müßte zur Kategorie der "Nicht-Menschen" gehören, damit ich über Mitglieder der Kategorie "Mensch" ein Urteil bilden darf (nicht: kann). So wie ich selbst keine Hand bin und daher leicht über Hände Urteile bilden kann). Ganz entsprechend dem Physiker, der ohne Probleme über alle Mitglieder von Kategorien, die unter dem Label "Materielle Dinge" subsumiert werden, Urteile fällen kann.

4.2 Derlei Vergleiche - als etwas zu vergleichen, obwohl man selbst dazugehört und in die Kategorie des Verglichenen passt - empfindet man bisweilen als "subjektiv".

4.2.1 Hier wird der Wunsch nach Objektivität deutlich, nach einem gewissen Aus-Der-Welt-Sein-Und-Dann-Draufschauen: Die Welt als Kategorie, und ich schaue von der Kategorie "Nicht-Welt" drauf und beurteile dann.

4.3 Wir KÖNNEN aber doch Urteile fällen, wenn wir uns selbst mit jemandem anderen vergleichen, oder wenn wir Mitglieder der gleichen Kategorie, der wir auch angehören, miteinander vergleichen. Aber aus einer gewissen - sagen wir mal wissenschaftlichen - Warte aus betrachtet SOLLTEN wir das nicht.

4.3.1 Und genau dieses NICHT-SOLLEN ist es, die alle Sozialwissenschaften belastet, da ja genau in diesem wissenschaftlichen Zweig Menschen sind, die über andere Menschen urteilen. Solche Urteile könnte man als strenger Naturwissenschaftler apriori als "subjektiv" und "befangen", eben "vorbelastet" ansehen und deshalb verwerfen.

5. Zweifellos kann man beim Kategorisieren gewisse Fehler machen - und weil Kategorisieren auf der Logik basiert, sind diese Fehler eben logische Fehler.

5.1 Ein Problem wäre, wenn ich etwas aus meinen Kategorien ausschließe, obwohl ich das Ausgeschlossene selbst für meine Kategorisierung brauche.

5.1.1 Es wäre ein BÖSER Zirkel, wenn ich behaupte, es gäbe keine Kategorie "Menschen"; genauso, wie wenn ich behaupten würde, es gäbe keine Sätze, gäbe keine Kategorien, keine Vergleiche, keine Logik, keine Sprache etc.

5.2 Der Fall liegt etwas weniger kritisch, wenn ich z.B. als Chirurg oder Arzt zwei Gehirne vergleiche, und ich mir sagen lassen muss, dass ich bereits für diesen Vergleich ein Gehirn gebrauche. Das riecht zwar auch nach einem Zirkel: setze ein Gehirn voraus, um zwischen anderen Gehirnen zu vergleichen. Aber der Fall ist derselbe wie "Das eigene Menschsein voraussetzen, um zwischen Menschen zu vergleichen". Also der zuvor beschriebene Fall der "Befangenheit".

6. Eine Kategorie, oder ein Label, kann nicht alle Kategorien und Label in sich enthalten, weil jedesmal die MÖGLICHKEIT besteht, aufgrund der Negation eine neue Kategorie oder einen neuen Label zu bilden, die nicht dazugehört: Das Bestehen einer Kategorie oder eines Labels impliziert immer die Möglichkeit, dass es die Kategorie/den Label gibt, der sich durch die Negation der Beschreibung der Kategorie/des Labels ergibt.

6.1 Man kann nicht Alles unter einen Label packen - weil sofort die Negation dieses Labels einem einen Strich durch die Rechnung macht: Das All-Eine sollte eigentlich buchstäblich ALLES enthalten; tja, und da gibt es - logischerweise - auch noch das Nicht-All-Eine.

6.1.1 Ein Wissenschaftler, der sich als methodologische Leitlinie das Denken in Systemen präferiert, muss sich auch fragen lassen, was denn KEIN System ist. Also: Was NICHT unter dem Label "System" faßbar ist. Und solange er das nicht sagen kann, ist auch seine Theorie - na, sagen wir mal vorsichtig - unausgereift, oder angreifbar, oder wenigstens nicht vollständig, da er etwas ausgeblendet hat.

6.1.2 Die Kategorisierung unter einem Label namens "Vorstellung" kann nicht die Kategorie "Unvorstellbarkeit" enthalten, die unter dem Label "Wissen" nicht das "Nichtwissen", die unter dem Label "Sprache" nicht die "Nichtsprache", die unter dem Label "Wahrnehmung" das "Nichtwahrgenommene", die unter dem Label "Bewußtsein" das "Unbewußte" etc.

6.2 Folglich ist es ganz im letzten Ende unserer Sprache und der ihr immanenten Logik zuzuschreiben, dass keine Strukturisierung ohne Abgrenzung auskommen kann, dass aber eine Abgrenzung sofort heißt, dass diese Strukturisierung unvollständig ist.

6.2.1 Und eben nur wenn etwas strukturiert ist, kann man innerhalb dieser Struktur auch Vergleiche anstellen...und jeder Kategorie, jedem Label seine eindeutige Adresse zuordnen.

7. Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.
carsten aus bochum
Hi #phritz.

Ich habe jetzt nur die ersten 6 oder 7 Punkte gelesen, aber ich glaube der Äpfel-Birnen Vergleich hinkt ein wenig, so wie Du ihn, zu wörtlich, verstehst.
Es geht ja nicht darum, dass man tatsächlich Äpfel und Birnen nicht vergleichen könnte, oder Hände und Füße, sondern sowas wie meine Hand und meine Gedanken. Mein (psychologisches) Selbstbild und mein (gemaltes) Selbstporträt.

Gruß,

Carsten
#phritz
Tja, nu, grade das habe ich ja gesagt, was das heißt, der Äpfel-und-Birnen-Vergleich: Beides hat nichts gemeinsam (obwohl ein Vergleich über gewisse Dimensionen durchaus möglich ist).

Also: Beides - Äpfel und Birnen - haben nichts gemeinsam. Genausowenig wie Deine Hand und Deine Gedanken.
Nik
Zitat:
#phritz: Also: Beides - Äpfel und Birnen - haben nichts gemeinsam.


Doch doch, die haben einiges gemeinsam: Beide zählen zur Pflanzengattung der Kernobstgewächse und gehören beide zur Familie der Rosengewächse.
carsten aus bochum
Hi #phritz.

Jetzt habe ich alles gelesen, aber mir ist nicht ganz klar, wo Dein Problem liegt.

Zitat:
„7. Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.“


Ich glaube, so aus der Hüfte geschossen, dass das stimmt, aber wer bestreitet das denn?

Gruß,

Carsten
Stanley Alvarez
[ motz Erster Versuch einer Antwort schlug fehl, weil der Browser abstürzte AARRGH!! ]

Himmel... #phritz... du beschäftigst dich nun schon seit Jahren mit Sprachphilosophie, und erst jetzt kommst du langsam bei so einer Art Strukturalismus an?

Schon Ferdinand de Saussure sagte, dass der Wert eines Zeichens sich aus der Differenz zu (also im Vergleich mit) anderen Zeichen ergibt. Die Strukturalisten haben das Prinzip übernommen und auf andere sprachliche und nicht-sprachliche Bereiche übertragen (Mythologie, Psychologie, Literatur, Kultur...). Und auch die Poststrukturalisten haben meines Erachtens nie an der Differenztheorie gezweifelt.

Auch das, was du unter 6. beschreibst, ist ja längst ein alter Hut. Zum einen ist es natürlich eine logische und notwendige Folge aus der Differenztheorie: Wenn eine "Kategorie" seinen Wert aus der Differenz zu anderen "Kategorien" erhält, dann ist eine "Kategorie" ohne vergleichbares Gegenstück im wahrsten Sinne des Wortes wertlos. Aber auch vor den Strukturalisten war es schon bekannt, dass wir (mindestens) in Dichotomien denken (Natur - Kultur, Leib - Seele, das Selbst - das Andere, das Rohe - das Gare etc.).

Mit Punkt 5 kann ich nichts anfangen. Und bei Punkt 4 erschließt sich mir das "NICHT-SOLLEN" nicht.

Zu 3.: Auch da erschließt sich mir nicht, worauf du eigentlich hinaus willst. Um die Dinge vergleichen zu können, muss ich sie beschreiben/definieren können? Aber das Beschreiben/Definieren ist doch gerade ein Prozess des Vergleichens, das herausheben von Differenz?! Das scheint mir ein Zirkel zu sein.
Auch weiß ich nicht, was für dich eine "wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung" bedeutet.

Was den Vergleich von Äpfeln und Birnen angeht: Verglichen wird ja nicht immer "als Ganzes", sondern immer ein ganz bestimmter Aspekt. Es stimmt nicht, dass Äpfel und Birnen in keinem einzigen Punkt Gemeinsames haben dürfen... Nik hat es ja (etwas sehr wörtlich genommen) vorgeführt. Aber bezüglich jenes einen Punktes, der verglichen werden soll, dürfen die diesen Punkt bedingenden Faktoren nicht so sehr voneinander abweichen. Wenn man Beispielsweise die Kindersterblichkeit in Deutschland (3,8 Promille) und in Tansania (70,46 Promille) vergleicht, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen, weil die die Kindersterblichkeit bedingenden Faktoren radikal verschieden sind. Das heißt aber nicht, dass Deutschland und Tansania in keinem Punkt Gemeinsamkeiten haben dürfen. Vergleicht man dagegen Deutschland mit Frankreich (3,36 Promille), dann ist das legitim, weil die Bedingungen insgesamt sehr ähnlich sind.
Amateur
Hallo #phritz !


Zitat:
[...] nur wäre es dann ein "Äpfel-mit-Birnen"-Vergleich.

Ich kenne diesen Spruch auch in euner anderen Version, die in meinen Augen "treffender" ist:

"Man kann Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen

Gemeint ist dann:
3 Äpfel + 5 Äpfel = 8 Äpfel
und
3 Birnen + 5 Birnen = 8 Birnen
aber
3 Birnen + 5 Äpfel = ???

Klar, man könnte von 8 "Stück Obst" sprechen, hätte dann aber ja gerade die Kategorien verändert.


Zitat:
Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.

Ich denke auch, dass Du damit in der Welt der Philosophie auf breite Zustimmung stoßen wirst. Allerdings wurde noch nicht ganz klar, "was" Du eigentlich vergleichen willst und wie Du zu einer ERSTEN Erkentnis kommen kannst, wenn doch Erkenntnis immer schon einen Vergleich zweier als "wahr" erkannter(?) "Dinge" vorausetzt.



Gruß Andreas
#phritz
Zitat:
Original von Nik
Zitat:
#phritz: Also: Beides - Äpfel und Birnen - haben nichts gemeinsam.


Doch doch, die haben einiges gemeinsam: Beide zählen zur Pflanzengattung der Kernobstgewächse und gehören beide zur Familie der Rosengewächse.


Ist mir klar; das sind Label, so wie Obst auch, aber keine Kategorien.

Man darf auch nicht vergessen, dass es sich um eine Redewendung handelt, also nicht wortwörtlich zu nehmen ist. Man stellt dabei eine Hypothese auf, die man sich vielleicht als Liste vorstellen kann: In der ersten Spalte steht die Vergleichsdimension - Größen der Kategorienmitglieder, Gewicht, Zuckergehalt etc. - in der zweiten Spalte die durchschnittlichen Werte der Kategorie 1 (z.B. Äpfel), in der 3. Spalte die durchschnittlichen Werte der Mitglieder der Kategorie 2 (z.B. Birnen), und in der 4. das Vergleichsergebnis für diese Werte je Zeile: Gleich oder ungleich.

Und die Hypothese lautet eben: Für jeden Wert auf jeder Vergleichsdimension - also je Zeile - gilt, dass die Werte ungleich sind.

Man könnte sich aber statt der Durschnittswerte auch vorstellen, dass jedes einzelne Mitglied der Kategorie 1 mit jedem einzelnen Mitglied der Kategorie 2 verglichen wird - und auch dann gilt die Hypothese, dass bei jedem dieser Einzelvergleiche die Werte auf jeder Vergleichsdimension ungleich sind.

Dass alle Werte auf jeder x-beliebigen Vergleichsdimension ungleich sind, das ist die Hypothese hinter "Kategorie 1 kann man nicht mit Kategorie 2 vergleichen."
#phritz
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hi #phritz.

Jetzt habe ich alles gelesen, aber mir ist nicht ganz klar, wo Dein Problem liegt.

Zitat:
„7. Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.“


Ich glaube, so aus der Hüfte geschossen, dass das stimmt, aber wer bestreitet das denn?

Gruß,

Carsten


Ich wollte für mich selbst klären, worin "Erkenntnis" bestehen könnte; und diese Klärung habe ich in das Forum gestellt.

Ich habe meinen Beitrag also nicht als Replik auf jemanden, der bestreitet, dass erkennen dasselbe heißt wie vergleichen, verfaßt.
#phritz
Zitat:
Original von Amateur
Hallo #phritz !


Zitat:
[...] nur wäre es dann ein "Äpfel-mit-Birnen"-Vergleich.

Ich kenne diesen Spruch auch in euner anderen Version, die in meinen Augen "treffender" ist:

"Man kann Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen

Gemeint ist dann:
3 Äpfel + 5 Äpfel = 8 Äpfel
und
3 Birnen + 5 Birnen = 8 Birnen
aber
3 Birnen + 5 Äpfel = ???

Klar, man könnte von 8 "Stück Obst" sprechen, hätte dann aber ja gerade die Kategorien verändert.


Streng genommen kann man auch nur Zahlen zusammenzählen - also nur Objekte der Kategorie "Zahlen" - und nicht andere Objekte. Nur für Zahlen ist nämlich die Addition definiert.

Dass Rechenoperationen der Mathematik empirische Relevanz haben, gehört nicht mehr zur Mathematik dazu (kann man ganz allgemein für jeden Kalkül - einem formalen Denksystem - sagen).

Aber darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen, das ist wohl ein Thema für einen neuen Thread.

Zitat:

Zitat:
Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.

Ich denke auch, dass Du damit in der Welt der Philosophie auf breite Zustimmung stoßen wirst. Allerdings wurde noch nicht ganz klar, "was" Du eigentlich vergleichen willst und wie Du zu einer ERSTEN Erkentnis kommen kannst, wenn doch Erkenntnis immer schon einen Vergleich zweier als "wahr" erkannter(?) "Dinge" vorausetzt.


Keine Erkenntnis ist voraussetzungslos, sie basiert immer auf Annahmen; einer Axiomatik.

Was es zu erkennen gibt, ist immer schon da; jetzt muss es "nur" noch erkannt werden.
#phritz
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Himmel... #phritz... du beschäftigst dich nun schon seit Jahren mit Sprachphilosophie, und erst jetzt kommst du langsam bei so einer Art Strukturalismus an?


Nicht jeder, der das Wort "Struktur" gebraucht, ist ein Strukturalist.

Jede Philosophie ist auf IHRE Art Sprachphilosophie.

Zitat:

Schon Ferdinand de Saussure sagte, dass der Wert eines Zeichens sich aus der Differenz zu (also im Vergleich mit) anderen Zeichen ergibt. Die Strukturalisten haben das Prinzip übernommen und auf andere sprachliche und nicht-sprachliche Bereiche übertragen (Mythologie, Psychologie, Literatur, Kultur...). Und auch die Poststrukturalisten haben meines Erachtens nie an der Differenztheorie gezweifelt.

Auch das, was du unter 6. beschreibst, ist ja längst ein alter Hut. Zum einen ist es natürlich eine logische und notwendige Folge aus der Differenztheorie: Wenn eine "Kategorie" seinen Wert aus der Differenz zu anderen "Kategorien" erhält, dann ist eine "Kategorie" ohne vergleichbares Gegenstück im wahrsten Sinne des Wortes wertlos. Aber auch vor den Strukturalisten war es schon bekannt, dass wir (mindestens) in Dichotomien denken (Natur - Kultur, Leib - Seele, das Selbst - das Andere, das Rohe - das Gare etc.).


Na wenn Du schon alles weißt und kennst, dann ist ja alles klar für Dich.

Zitat:

Mit Punkt 5 kann ich nichts anfangen. Und bei Punkt 4 erschließt sich mir das "NICHT-SOLLEN" nicht.


Das tut mir leid, aber ich habe meinen Beitrag nicht für Dich geschrieben.

Ich könnte jedenfalls nichts mehr schreiben, als was ich schon geschrieben habe. Bei einem Klärungsversuch müßte ich grade das wiederholen, was ich geschrieben habe.

Zitat:

Zu 3.: Auch da erschließt sich mir nicht, worauf du eigentlich hinaus willst. Um die Dinge vergleichen zu können, muss ich sie beschreiben/definieren können? Aber das Beschreiben/Definieren ist doch gerade ein Prozess des Vergleichens, das herausheben von Differenz?! Das scheint mir ein Zirkel zu sein.


Kein Vergleich - und damit eben Erkenntnis - ist voraussetzungslos; man macht Annahmen, auf denen dann die folgenden Vergleiche beruhen.

Du kannst gerne versuchen, Dinge zu vergleichen, die Du nicht beschrieben oder definiert hast. Ich glaube, dass es nicht möglich ist. Und das zeigt doch klar, dass Erkenntnis nur durch Sprache möglich ist.
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von #phritz
Nicht jeder, der das Wort "Struktur" gebraucht, ist ein Strukturalist.

Ich spielte eigentlich auf die Differenztheorie an, nicht auf deine Verwendung des Begriffs "Struktur". Das war eigentlich deutlich, meinte ich.

Zitat:
Jede Philosophie ist auf IHRE Art Sprachphilosophie.

Das ist richtig, aber das ist selbst schon eine sprachphilosophische Behauptung. Nicht jede Philosophie ist von ihrem Selbstverständnis her eine Sprachphilosophie. Eine metaphysische Philosophie, die versucht, vorsprachliche/außersprachliche Wahrheiten auszudrücken, versucht ja grade, keine Sprachphilosophie zu sein.

Zitat:
Na wenn Du schon alles weißt und kennst, dann ist ja alles klar für Dich.

Ich wolllte lediglich ausdrücken, dass du in den letzten mindestens fünf Jahren Sprachphilosophierens nicht allzu weit gekommen bist. Wenn du aber zu denen gehörst, die sich eisern weigern, sich durch Lesen philosophisch weiterzubilden, stattdessen lieber ganz auf sich allein gestellt nachdenken, dann meinetwegen: Gratuliere, dass du so weit gekommen bist. Verstehen kann ich es nicht.

Zitat:
Ich könnte jedenfalls nichts mehr schreiben, als was ich schon geschrieben habe. Bei einem Klärungsversuch müßte ich grade das wiederholen, was ich geschrieben habe.

Jammerschade...

Zitat:
Du kannst gerne versuchen, Dinge zu vergleichen, die Du nicht beschrieben oder definiert hast. Ich glaube, dass es nicht möglich ist. Und das zeigt doch klar, dass Erkenntnis nur durch Sprache möglich ist.

Dem habe ich doch gar nicht widersprochen? Aber du sagst, dass die Dinge bekannt sein müssen, also vorher erstmal erkannt werden mussten. Aber das Erkennen von Dingen ist doch selbst schon ein Vergleichen, ein herausheben von Differenz. Der Mensch vergleicht also ständig Dinge, die er nicht bereits beschrieben/definiert hat, eben gerade im Prozess des Beschreibens/Definierens.

Zitat:
Keine Erkenntnis ist voraussetzungslos, sie basiert immer auf Annahmen; einer Axiomatik.

Der Mensch ist in dieser Hinsicht sprachlich-kulturell vorgeprägt. Es sind nicht seine Axiome, es sind die der Sprach-Kultur.

Zitat:
Was es zu erkennen gibt, ist immer schon da; jetzt muss es "nur" noch erkannt werden.

Auf die Gefahr hin, dass du wieder damit drohst, einfach das gleiche nochmal zu sagen: Kannst du das erläutern? Ich glaube, ich verstehe nicht ganz, was du damit sagen willst.

Zitat:
Und die Hypothese lautet eben: Für jeden Wert auf jeder Vergleichsdimension - also je Zeile - gilt, dass die Werte ungleich sind.
...
Dass alle Werte auf jeder x-beliebigen Vergleichsdimension ungleich sind, das ist die Hypothese hinter "Kategorie 1 kann man nicht mit Kategorie 2 vergleichen."

Dieser Hypothese habe ich m.E. widersprochen. Was ist damit?


EDIT:
motz Argh... ich mag diese Zitat-Antwort-Zitat-Antwort-Struktur eigentlich nicht. Ich versuch das nächste mal, wieder flüssiger zu antworten. unglücklich
Nik
Zitat:
#phritz: Man darf auch nicht vergessen, dass es sich um eine Redewendung handelt, also nicht wortwörtlich zu nehmen ist.

Zitat:
#phritz: Also: Beides - Äpfel und Birnen - haben nichts gemeinsam.


Das ist keine Redewendung.



Die Redewendung lautet:
Zitat:
"Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen."

Und das ist in dem Fall sogar wortwörtlich zu nehmen.
-Soso-
@#phritz

Hi.

Was verstehst du unter einer Kategorie und was unter einem Label bzw. was genau bezeichnet man mit einem Label?