#phritz
1. Ich lege meine linke Hand neben die rechte Hand - und kann nun die eine Hand mit der andern vergleichen. Dieser einfache Vorgang führt bei weiterem Nachdenken in interessante Konsequenzen.
2. Für einen Vergleich brauche ich also mindestens zwei zu vergleichende Dinge derselben Art oder Kategorie. Gäbe es nur ein Ding einer Kategorie, und sonst keines seiner Kategorie, wäre es nicht zu vergleichen.
2.1 Ich könnte dieses Ding - das einzige seiner Kategorie - höchstens mit Dingen einer anderen Kategorie vergleichen, nur wäre es dann ein "Äpfel-mit-Birnen"-Vergleich.
2.1.1 Aber KANN man denn nicht wirklich Äpfel und Birnen miteinander vergleichen? Schließlich haben sie gewisse gemeinsame Dimensionen: Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. Über diese Dimensionen könnte man sie also leicht vergleichen - ohne aber damit das, auf was es uns beim Argument "Äpfel und Birnen können nicht verglichen werden." ankommt, damit überhaupt berührt zu haben.
2.1.2 Wenn wir sagen, Äpfel und Birnen könnten nicht verglichen werden, dann meinen wir dies: "Es gibt keine Dimension - Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. - in der beliebige Vertreter der zu vergleichenden Kategorien Äpfel und Birnen dieselben Werte haben." Hier negiert man ja nicht die Möglichkeit des Vergleichs, sondern es wird die Hypothese gebildet, dass jeder x-beliebige Vergleich auf einer x-beliebigen Dimension zwischen einem x-beliebigen Apfel und einer x-beliebigen Birne ein Urteil im Sinne von "ungleich!" zeitigt.
2.1.3 Etwas "nicht vergleichen können" heißt nur: Beides hat nichts gemeinsam. Und das "gemeinsam" bezieht sich auf das Ergebnis eines Vergleichs, und nicht auf dessen Möglichkeit.
2.1.3.1 Offenbar kann man nach einem Vergleich zu dem Urteil kommen, etwas könne nicht verglichen werden, aber das ist kein Paradoxon, sondern: Die erste Verwendung von "Vergleich" ist nicht so wie die letztere. Der erste Vergleich war der Vergleichsmöglichkeit geschuldet, und das "verglichen" bezieht sich auf das Ergebnis des durchgeführten Vergleichs.
2.2 Wenn ich also schon nicht Äpfel und Birnen vergleichen kann - also die Vertreter der Kategorien nichts gemeinsam haben - so könnte ich sie doch unter dem Label "Obst" zusammenfassen. Aber deshalb wäre "Obst" eben keine neue Kategorie (daher habe ich mal "Label" dazu gesagt; und "Label" bezeichnet hier soetwas wie einen Titel, oder eine Überschrift; einem Schild gleich, das in ein ein Sortiment gesteckt worden ist, in dem die Vertreter aller zusammengefaßten Kategorien bunt durcheinander liegen).
2.3 Es gibt keine Vermischung von Kategorien oder Labels - entweder etwas gehört in die eine Kategorie, oder in die andere; und hat man keine passende Kategorie, definiert man eine. Es kann auch unsicher sein, in welche Kategorie ein Objekt gehört...aber deshalb hebt man eben die Trennung der Kategorien nicht auf.
3. Die zu vergleichenden Dinge müssen mir bekannt sein. Doch was soll das nun heißen? Genau: Ich muss sie beschreiben - und das heißt auch implizit: definieren - können. Und das heißt weiterhin, dass die wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung nur EINE Möglichkeit der Kategorisierung ist, aber eine rein sprachliche Kategorisierung dadurch nicht ausgeschlossen ist.
3.1 Der Kategorie ist es egal, ob sie sich auf Wahrnehmbares bezieht oder nicht Z.B. "Wissen" kann man demnach auch kategorisieren - ohne je Wissen wahrgenommen zu haben (höchstens etwas, was auf Wissen schließen ließe).
3.1.1 Wohl - es genügt ja, wenn ich den Begriff klar umfassen kann und ihn so definiere, dass er als Label für weitere Kategorien fungieren kann: Praktisches Wissen, empirisches Wissen, theoretisches Wissen, metaphysisches Wissen etc. Und ich kann nun auch Vergleiche zwischen diesen definitorischen Kategorien bilden.
3.2. Die Kategorisierung - die Bildung von Kategorien und die Zuordnung von Objekten zu diesen - ist ein sprachliches Nachzeichnen der wahrgenommenen Unterschiede von Objekten...aber KEIN sprachliches Abbilden derselben.
3.2.1 Mit der Kategorisierung lege ich fest, welche Dinge verglichen werden können, und welche nicht mehr, und wo der Bedarf nach einem gemeinsamen Label besteht.
3.3 Das Vorgehen bei der Kategorisierung wirft ein Licht auf das Entstehen von Logik als Methode der Kategorienbildung.
3.3.1 Beim Kategorisieren werde ich Kategorien bilden; und alles, was darauf aufbaut, können nur Label sein. Kategorisierung und Labeling könnte man unter dem Begriff "Strukturisierung" oder "Systematisierung" fassen.
3.3.2 Die Strukturisierung zeigt den Umgang mit der Eindeutigkeit; dem Herstellen von Eindeutigkeit innerhalb einer Struktur oder Systems. Eine eindeutige Adressenzuweisung, sozusagen.
3.4 Weil wir theoretisch beliebige Kategorien bilden können - die praxis- und erfahraungs- oder wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung ist eben nicht die einzige Möglichkeit dazu, und sie steht auch nicht höher oder besser als eine rein theoretische Kategorisierung - kann man sagen: Durch die Strukturisierung konstruieren wir die Wirklichkeit.
4. Ich selbst, der Vergleichende, darf nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören. D.h. im Hand-Beispiel gehöre ich selbst ja nicht zur Hand - ich bin ja keine - und das, obwohl ich zwei davon habe.
4.1 Aber warum DARF ich denn nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören? Ich wäre - als Vergleichender - sozusagen vorbelastet. Aber worin läge diese Vorbelastung? Fast so etwas ähnliches wie ein Inzest: Wer zur Familie gehört, der darf nicht usw.
4.1.1 Ich bin ein Mensch - und also dürfte ich deshalb keine Menschen miteinander vergleichen. Auf diese Weise aber bilde ich täglich meine Urteile über meine Mitmenschen. Aber es ist ja ein Unterschied zwischen KÖNNEN und DÜRFEN.
4.1.1.1 Ja, ich müßte zur Kategorie der "Nicht-Menschen" gehören, damit ich über Mitglieder der Kategorie "Mensch" ein Urteil bilden darf (nicht: kann). So wie ich selbst keine Hand bin und daher leicht über Hände Urteile bilden kann). Ganz entsprechend dem Physiker, der ohne Probleme über alle Mitglieder von Kategorien, die unter dem Label "Materielle Dinge" subsumiert werden, Urteile fällen kann.
4.2 Derlei Vergleiche - als etwas zu vergleichen, obwohl man selbst dazugehört und in die Kategorie des Verglichenen passt - empfindet man bisweilen als "subjektiv".
4.2.1 Hier wird der Wunsch nach Objektivität deutlich, nach einem gewissen Aus-Der-Welt-Sein-Und-Dann-Draufschauen: Die Welt als Kategorie, und ich schaue von der Kategorie "Nicht-Welt" drauf und beurteile dann.
4.3 Wir KÖNNEN aber doch Urteile fällen, wenn wir uns selbst mit jemandem anderen vergleichen, oder wenn wir Mitglieder der gleichen Kategorie, der wir auch angehören, miteinander vergleichen. Aber aus einer gewissen - sagen wir mal wissenschaftlichen - Warte aus betrachtet SOLLTEN wir das nicht.
4.3.1 Und genau dieses NICHT-SOLLEN ist es, die alle Sozialwissenschaften belastet, da ja genau in diesem wissenschaftlichen Zweig Menschen sind, die über andere Menschen urteilen. Solche Urteile könnte man als strenger Naturwissenschaftler apriori als "subjektiv" und "befangen", eben "vorbelastet" ansehen und deshalb verwerfen.
5. Zweifellos kann man beim Kategorisieren gewisse Fehler machen - und weil Kategorisieren auf der Logik basiert, sind diese Fehler eben logische Fehler.
5.1 Ein Problem wäre, wenn ich etwas aus meinen Kategorien ausschließe, obwohl ich das Ausgeschlossene selbst für meine Kategorisierung brauche.
5.1.1 Es wäre ein BÖSER Zirkel, wenn ich behaupte, es gäbe keine Kategorie "Menschen"; genauso, wie wenn ich behaupten würde, es gäbe keine Sätze, gäbe keine Kategorien, keine Vergleiche, keine Logik, keine Sprache etc.
5.2 Der Fall liegt etwas weniger kritisch, wenn ich z.B. als Chirurg oder Arzt zwei Gehirne vergleiche, und ich mir sagen lassen muss, dass ich bereits für diesen Vergleich ein Gehirn gebrauche. Das riecht zwar auch nach einem Zirkel: setze ein Gehirn voraus, um zwischen anderen Gehirnen zu vergleichen. Aber der Fall ist derselbe wie "Das eigene Menschsein voraussetzen, um zwischen Menschen zu vergleichen". Also der zuvor beschriebene Fall der "Befangenheit".
6. Eine Kategorie, oder ein Label, kann nicht alle Kategorien und Label in sich enthalten, weil jedesmal die MÖGLICHKEIT besteht, aufgrund der Negation eine neue Kategorie oder einen neuen Label zu bilden, die nicht dazugehört: Das Bestehen einer Kategorie oder eines Labels impliziert immer die Möglichkeit, dass es die Kategorie/den Label gibt, der sich durch die Negation der Beschreibung der Kategorie/des Labels ergibt.
6.1 Man kann nicht Alles unter einen Label packen - weil sofort die Negation dieses Labels einem einen Strich durch die Rechnung macht: Das All-Eine sollte eigentlich buchstäblich ALLES enthalten; tja, und da gibt es - logischerweise - auch noch das Nicht-All-Eine.
6.1.1 Ein Wissenschaftler, der sich als methodologische Leitlinie das Denken in Systemen präferiert, muss sich auch fragen lassen, was denn KEIN System ist. Also: Was NICHT unter dem Label "System" faßbar ist. Und solange er das nicht sagen kann, ist auch seine Theorie - na, sagen wir mal vorsichtig - unausgereift, oder angreifbar, oder wenigstens nicht vollständig, da er etwas ausgeblendet hat.
6.1.2 Die Kategorisierung unter einem Label namens "Vorstellung" kann nicht die Kategorie "Unvorstellbarkeit" enthalten, die unter dem Label "Wissen" nicht das "Nichtwissen", die unter dem Label "Sprache" nicht die "Nichtsprache", die unter dem Label "Wahrnehmung" das "Nichtwahrgenommene", die unter dem Label "Bewußtsein" das "Unbewußte" etc.
6.2 Folglich ist es ganz im letzten Ende unserer Sprache und der ihr immanenten Logik zuzuschreiben, dass keine Strukturisierung ohne Abgrenzung auskommen kann, dass aber eine Abgrenzung sofort heißt, dass diese Strukturisierung unvollständig ist.
6.2.1 Und eben nur wenn etwas strukturiert ist, kann man innerhalb dieser Struktur auch Vergleiche anstellen...und jeder Kategorie, jedem Label seine eindeutige Adresse zuordnen.
7. Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.
2. Für einen Vergleich brauche ich also mindestens zwei zu vergleichende Dinge derselben Art oder Kategorie. Gäbe es nur ein Ding einer Kategorie, und sonst keines seiner Kategorie, wäre es nicht zu vergleichen.
2.1 Ich könnte dieses Ding - das einzige seiner Kategorie - höchstens mit Dingen einer anderen Kategorie vergleichen, nur wäre es dann ein "Äpfel-mit-Birnen"-Vergleich.
2.1.1 Aber KANN man denn nicht wirklich Äpfel und Birnen miteinander vergleichen? Schließlich haben sie gewisse gemeinsame Dimensionen: Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. Über diese Dimensionen könnte man sie also leicht vergleichen - ohne aber damit das, auf was es uns beim Argument "Äpfel und Birnen können nicht verglichen werden." ankommt, damit überhaupt berührt zu haben.
2.1.2 Wenn wir sagen, Äpfel und Birnen könnten nicht verglichen werden, dann meinen wir dies: "Es gibt keine Dimension - Größe, Gewicht, Farbe, Geschmack etc. - in der beliebige Vertreter der zu vergleichenden Kategorien Äpfel und Birnen dieselben Werte haben." Hier negiert man ja nicht die Möglichkeit des Vergleichs, sondern es wird die Hypothese gebildet, dass jeder x-beliebige Vergleich auf einer x-beliebigen Dimension zwischen einem x-beliebigen Apfel und einer x-beliebigen Birne ein Urteil im Sinne von "ungleich!" zeitigt.
2.1.3 Etwas "nicht vergleichen können" heißt nur: Beides hat nichts gemeinsam. Und das "gemeinsam" bezieht sich auf das Ergebnis eines Vergleichs, und nicht auf dessen Möglichkeit.
2.1.3.1 Offenbar kann man nach einem Vergleich zu dem Urteil kommen, etwas könne nicht verglichen werden, aber das ist kein Paradoxon, sondern: Die erste Verwendung von "Vergleich" ist nicht so wie die letztere. Der erste Vergleich war der Vergleichsmöglichkeit geschuldet, und das "verglichen" bezieht sich auf das Ergebnis des durchgeführten Vergleichs.
2.2 Wenn ich also schon nicht Äpfel und Birnen vergleichen kann - also die Vertreter der Kategorien nichts gemeinsam haben - so könnte ich sie doch unter dem Label "Obst" zusammenfassen. Aber deshalb wäre "Obst" eben keine neue Kategorie (daher habe ich mal "Label" dazu gesagt; und "Label" bezeichnet hier soetwas wie einen Titel, oder eine Überschrift; einem Schild gleich, das in ein ein Sortiment gesteckt worden ist, in dem die Vertreter aller zusammengefaßten Kategorien bunt durcheinander liegen).
2.3 Es gibt keine Vermischung von Kategorien oder Labels - entweder etwas gehört in die eine Kategorie, oder in die andere; und hat man keine passende Kategorie, definiert man eine. Es kann auch unsicher sein, in welche Kategorie ein Objekt gehört...aber deshalb hebt man eben die Trennung der Kategorien nicht auf.
3. Die zu vergleichenden Dinge müssen mir bekannt sein. Doch was soll das nun heißen? Genau: Ich muss sie beschreiben - und das heißt auch implizit: definieren - können. Und das heißt weiterhin, dass die wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung nur EINE Möglichkeit der Kategorisierung ist, aber eine rein sprachliche Kategorisierung dadurch nicht ausgeschlossen ist.
3.1 Der Kategorie ist es egal, ob sie sich auf Wahrnehmbares bezieht oder nicht Z.B. "Wissen" kann man demnach auch kategorisieren - ohne je Wissen wahrgenommen zu haben (höchstens etwas, was auf Wissen schließen ließe).
3.1.1 Wohl - es genügt ja, wenn ich den Begriff klar umfassen kann und ihn so definiere, dass er als Label für weitere Kategorien fungieren kann: Praktisches Wissen, empirisches Wissen, theoretisches Wissen, metaphysisches Wissen etc. Und ich kann nun auch Vergleiche zwischen diesen definitorischen Kategorien bilden.
3.2. Die Kategorisierung - die Bildung von Kategorien und die Zuordnung von Objekten zu diesen - ist ein sprachliches Nachzeichnen der wahrgenommenen Unterschiede von Objekten...aber KEIN sprachliches Abbilden derselben.
3.2.1 Mit der Kategorisierung lege ich fest, welche Dinge verglichen werden können, und welche nicht mehr, und wo der Bedarf nach einem gemeinsamen Label besteht.
3.3 Das Vorgehen bei der Kategorisierung wirft ein Licht auf das Entstehen von Logik als Methode der Kategorienbildung.
3.3.1 Beim Kategorisieren werde ich Kategorien bilden; und alles, was darauf aufbaut, können nur Label sein. Kategorisierung und Labeling könnte man unter dem Begriff "Strukturisierung" oder "Systematisierung" fassen.
3.3.2 Die Strukturisierung zeigt den Umgang mit der Eindeutigkeit; dem Herstellen von Eindeutigkeit innerhalb einer Struktur oder Systems. Eine eindeutige Adressenzuweisung, sozusagen.
3.4 Weil wir theoretisch beliebige Kategorien bilden können - die praxis- und erfahraungs- oder wahrnehmungsgeleitete Kategorisierung ist eben nicht die einzige Möglichkeit dazu, und sie steht auch nicht höher oder besser als eine rein theoretische Kategorisierung - kann man sagen: Durch die Strukturisierung konstruieren wir die Wirklichkeit.
4. Ich selbst, der Vergleichende, darf nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören. D.h. im Hand-Beispiel gehöre ich selbst ja nicht zur Hand - ich bin ja keine - und das, obwohl ich zwei davon habe.
4.1 Aber warum DARF ich denn nicht zur selben Kategorie wie das Verglichene gehören? Ich wäre - als Vergleichender - sozusagen vorbelastet. Aber worin läge diese Vorbelastung? Fast so etwas ähnliches wie ein Inzest: Wer zur Familie gehört, der darf nicht usw.
4.1.1 Ich bin ein Mensch - und also dürfte ich deshalb keine Menschen miteinander vergleichen. Auf diese Weise aber bilde ich täglich meine Urteile über meine Mitmenschen. Aber es ist ja ein Unterschied zwischen KÖNNEN und DÜRFEN.
4.1.1.1 Ja, ich müßte zur Kategorie der "Nicht-Menschen" gehören, damit ich über Mitglieder der Kategorie "Mensch" ein Urteil bilden darf (nicht: kann). So wie ich selbst keine Hand bin und daher leicht über Hände Urteile bilden kann). Ganz entsprechend dem Physiker, der ohne Probleme über alle Mitglieder von Kategorien, die unter dem Label "Materielle Dinge" subsumiert werden, Urteile fällen kann.
4.2 Derlei Vergleiche - als etwas zu vergleichen, obwohl man selbst dazugehört und in die Kategorie des Verglichenen passt - empfindet man bisweilen als "subjektiv".
4.2.1 Hier wird der Wunsch nach Objektivität deutlich, nach einem gewissen Aus-Der-Welt-Sein-Und-Dann-Draufschauen: Die Welt als Kategorie, und ich schaue von der Kategorie "Nicht-Welt" drauf und beurteile dann.
4.3 Wir KÖNNEN aber doch Urteile fällen, wenn wir uns selbst mit jemandem anderen vergleichen, oder wenn wir Mitglieder der gleichen Kategorie, der wir auch angehören, miteinander vergleichen. Aber aus einer gewissen - sagen wir mal wissenschaftlichen - Warte aus betrachtet SOLLTEN wir das nicht.
4.3.1 Und genau dieses NICHT-SOLLEN ist es, die alle Sozialwissenschaften belastet, da ja genau in diesem wissenschaftlichen Zweig Menschen sind, die über andere Menschen urteilen. Solche Urteile könnte man als strenger Naturwissenschaftler apriori als "subjektiv" und "befangen", eben "vorbelastet" ansehen und deshalb verwerfen.
5. Zweifellos kann man beim Kategorisieren gewisse Fehler machen - und weil Kategorisieren auf der Logik basiert, sind diese Fehler eben logische Fehler.
5.1 Ein Problem wäre, wenn ich etwas aus meinen Kategorien ausschließe, obwohl ich das Ausgeschlossene selbst für meine Kategorisierung brauche.
5.1.1 Es wäre ein BÖSER Zirkel, wenn ich behaupte, es gäbe keine Kategorie "Menschen"; genauso, wie wenn ich behaupten würde, es gäbe keine Sätze, gäbe keine Kategorien, keine Vergleiche, keine Logik, keine Sprache etc.
5.2 Der Fall liegt etwas weniger kritisch, wenn ich z.B. als Chirurg oder Arzt zwei Gehirne vergleiche, und ich mir sagen lassen muss, dass ich bereits für diesen Vergleich ein Gehirn gebrauche. Das riecht zwar auch nach einem Zirkel: setze ein Gehirn voraus, um zwischen anderen Gehirnen zu vergleichen. Aber der Fall ist derselbe wie "Das eigene Menschsein voraussetzen, um zwischen Menschen zu vergleichen". Also der zuvor beschriebene Fall der "Befangenheit".
6. Eine Kategorie, oder ein Label, kann nicht alle Kategorien und Label in sich enthalten, weil jedesmal die MÖGLICHKEIT besteht, aufgrund der Negation eine neue Kategorie oder einen neuen Label zu bilden, die nicht dazugehört: Das Bestehen einer Kategorie oder eines Labels impliziert immer die Möglichkeit, dass es die Kategorie/den Label gibt, der sich durch die Negation der Beschreibung der Kategorie/des Labels ergibt.
6.1 Man kann nicht Alles unter einen Label packen - weil sofort die Negation dieses Labels einem einen Strich durch die Rechnung macht: Das All-Eine sollte eigentlich buchstäblich ALLES enthalten; tja, und da gibt es - logischerweise - auch noch das Nicht-All-Eine.
6.1.1 Ein Wissenschaftler, der sich als methodologische Leitlinie das Denken in Systemen präferiert, muss sich auch fragen lassen, was denn KEIN System ist. Also: Was NICHT unter dem Label "System" faßbar ist. Und solange er das nicht sagen kann, ist auch seine Theorie - na, sagen wir mal vorsichtig - unausgereift, oder angreifbar, oder wenigstens nicht vollständig, da er etwas ausgeblendet hat.
6.1.2 Die Kategorisierung unter einem Label namens "Vorstellung" kann nicht die Kategorie "Unvorstellbarkeit" enthalten, die unter dem Label "Wissen" nicht das "Nichtwissen", die unter dem Label "Sprache" nicht die "Nichtsprache", die unter dem Label "Wahrnehmung" das "Nichtwahrgenommene", die unter dem Label "Bewußtsein" das "Unbewußte" etc.
6.2 Folglich ist es ganz im letzten Ende unserer Sprache und der ihr immanenten Logik zuzuschreiben, dass keine Strukturisierung ohne Abgrenzung auskommen kann, dass aber eine Abgrenzung sofort heißt, dass diese Strukturisierung unvollständig ist.
6.2.1 Und eben nur wenn etwas strukturiert ist, kann man innerhalb dieser Struktur auch Vergleiche anstellen...und jeder Kategorie, jedem Label seine eindeutige Adresse zuordnen.
7. Warum ich so auf dem Vergleichen herumreite ist einfach gesagt: Ich glaube, dass jedes Erkennen ein Vergleichen ist, und jede Erkenntnis ein Urteil aufgrund eines Vergleichs.
Erster Versuch einer Antwort schlug fehl, weil der Browser abstürzte
]