Gedanken zur Wahrheit

Schdanek
Was ist Wahrheit? Wer sich Gedanken über diese Frage macht, wird leicht einen Ansatz finden. Darauf kommt es mir nicht an, sondern darauf, wie jemand vorgeht, der diese Frage zu beantworten sucht. Er geht so vor, wie ich jetzt vorgehe: zunächst einmal wählt man etwas, dem der Begriff Wahrheit korrespondieren soll. Es steht jedem frei, dieses oder jenes für wahr zu halten, indem er es aber wählt, gibt er Gründe für seine Wahl an. Da diese Wahl unausbleiblich ist, verweist sie schon auf die Lage des Menschen: er muss sich entscheiden. Der Mensch ist ein begrenztes Wesen (was begrenztes Wissen einschließt), deshalb muss er sich entscheiden; wüsste er alles, bräuchte er dies nicht. Mit der Setzung der Wahrheit setzt er auch die Unwahrheit. Ob ein Satz wahr ist, interessiert ihn, da sein Fortkommen unter anderem davon abhängt, nicht getäuscht zu werden. Wer Begründung einfordert, bringt dieses Interesse zum Ausdruck. Wir begründen, weil wir nachzuweisen suchen, dass wir nicht täuschen. Die Täuschung ist die Unwahrheit. Wer nach Wahrheit strebt, hat sich entschieden, weder sich noch andere zu täuschen. Die Setzung von Wahrheit und Unwahrheit verweist auf den Menschen als Handelnden. Es geht ihm nicht darum, das Wesen der Dinge zu schauen, sein Interesse besteht vielmehr darin zu wissen, wie er mit ihnen umgehen kann. Gesetzt, es gäbe ein unendliches und ewiges Wesen, es würde keine seiner Aussagen begründen, denn es wäre ihm gleichgültig, ob es täuschen oder getäuscht werden würde. Es spräche vielleicht dies: "Ihr Menschen schaut die Dinge beständig unter dem Gesichtspunkt an, was sie für euch bedeuten mögen. Ich beneide und bemitleide euch ob der Energie, die ihr entwickelt, sie euch nutzbar zu machen. Ihr habt sie aber auch bitter nötig."

Redebedarf?
kämpfer der sonne
werden wir getäuscht oder täuschen wir uns selber ist es uns nicht möglich die wahrheit zu finden.

es ist verdammt schwer die wahrheit zu erfahren, es ist schon einfacher sich von den täuschungen und illusionen zu befreien. die wahrheit ergibt sich dann.
wer ausschließlich die wahrheit sucht begibt sich allzu leicht in die irre.
Nylen
Ich neige dazu die Frage was wahr ist, von Fall zu Fall unterschiedlich zu sehen.

Eine metaphysische Wahrheit unterscheidet sich sicherlich durch eine wissenschaftliche Wahrheit, nicht zuletzt eben darum weil ich bei ersterer nicht angeben kann was den überhaupt korrespondieren könnte.
Oder Geschmack. Wahre Ethik ist sicherlich keine Frage der Korrespondenz sondern eher einer Kohärenz, bzw. der Vielen gegen die der wenigen, oder einfach individuell.

Doch alle Wahrheit beansprucht letztlich doch das sie nicht falsch sei, bzw ein Irrtum.

In diesem Sinne müssen wir A.Tarski danken. Er lieferte eine Definition und ein "Kriterium" für Wahrheit welches wenigstens in den meisten Fällen funktioniert.

Demnach ist eine "Behauptung oder Aussage" wahr, so das was sie behauptet mit unserer Kenntniss übereinstimmt.

"Der Mond ist aus grünem Käse" ist also wahr, genau dann wenn der Mond aus grünem Käse besteht.

"Der Eiffelturm steht in Paris" ist wahr, gdw. der Eiffelturm in Paris steht

etc etc
mark
nichts gegen tarski, aber dachtest du davor, dass es draussen vielleicht auch dann regnete, wenn es draussen nicht regnete??
eben.
technische dienstbarmachung ist doch was anderes.

gruss
Nylen
@ Mark

Da hast du natürlich Recht. Tarskis Definition ist mehr für symbollogiker interessant als für einfache Menschen die mehr über Wahrheit wissen wollen. weshalb ich die "technischen" Aspekte auch nicht hervorgehoben habe.

Letztlich impliziere ich mit meiner kurzen Erwähnung Tarskis doch nur eine Korrspondenzetheorie als grundlegendste wahrheitsauffassung.
mark
naja, theorie.
theophanu
@ schdanek

Bis hierhin d'accord. Dann aber

Zitat:
Wer nach Wahrheit strebt, hat sich entschieden, weder sich noch andere zu täuschen.
Strebt jemand nach Wahrheit, implementiert das nicht, andere nicht trotzdem täuschen zu wollen.

Zitat:
Die Setzung von Wahrheit und Unwahrheit verweist auf den Menschen als Handelnden.
Ja, aber das war er schon ohne diese Unterscheidung machen zu können. Als Kleinkind etwa. Daß der Mensch handelt, adelt also nicht die willkürliche Unterscheidung von wahr und falsch.

Zitat:
Es spräche vielleicht dies: "Ihr Menschen schaut die Dinge beständig unter dem Gesichtspunkt an, was sie für euch bedeuten mögen. Ich beneide und bemitleide euch ob der Energie, die ihr entwickelt, sie euch nutzbar zu machen. Ihr habt sie aber auch bitter nötig."
Dann würde ich diesem Wesen sagen: "Du bist aber überraschend dumm. Bildest Dir Dein Urteil doch um keinen Deut anders als wir." smile
mark
Zitat:
Original von theophanu
...implementiert ...

impliziert
Reinhard
Zitat:
impliziert


kompliziert. So eine Frage nach " der " Wahrheit ist doch nur deshalb kompliziert, weil sie immer schon etwas impliziert und dadurch eben nichts verifiziert. Wenn jeder seine Wahrheit hat, dann ist eben genau das wahr und nichts anderes. Jeder hat doch seine eigenen Gewohnheiten aus dem Verhältnis von bedingten zu unbedingten Reflexen. Für den Einen bedeutet der Regen einen Segen und für den Anderen einen Fluch und das kehrt sich auch noch um, von Fall zu Fall. Die Frage selber zäumt das Pferd schlichtweg von hinten auf und so reiten die, die sich solche Fragen stellen dann auch, sie schauen dem Pferd beständig aufs Hinterteil und halten die Pferdeäpfel für philosophischen Fortschritt. Da ist das Pferd viel schlauer, dem ist es egal, wie es gezäumt wird, es weiss schon, was vorne und hinten ist. Wer käme denn je auf diesen Begriff, wenn ihm nicht vorher sonne und solche Unwahrheiten begegnet wären? Wenn die Quelle jeden Irrtums im Verhältnis der Erscheinungen zueinander liegt, dann wird es wohl schwerlich etwas bedeuten, wenn ich der Wahrheit wegen einen Umweg über das Ideal einer allgemeinen Wahrheit gehe. Insofern gibt es keine Wahrheit eben nur Wahrscheinlichkeiten auf Grund von Abgleichen mit Gewohnheiten. Fallen aber Wahrheit und Wirklichkeit zusammen, dann gibt es keine Fragen, weil Möglichkeit und Notwendigkeit hier nicht mehr zu unterscheiden sind. Man sollte die Frage herauskomplementieren und nicht auch noch versuchen, die Wahrheit zu definieren, das lässt sich noch nicht mal das Stroh gefallen, das so gern gedroschen wird. Tarski? Spielt der in Stuttgart?

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Nylen
Zitat:
Tarski? Spielt der in Stuttgart?


Ne, in einer ganz anderen Liga. Buchstäblich Freude

Für alle Interessierten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Tarski
theophanu
Zitat:
Original von mark
Zitat:
Original von theophanu
...implementiert ...

impliziert

genau das. winken
Schdanek
Zitat:
Original von theophanu

Zitat:
Wer nach Wahrheit strebt, hat sich entschieden, weder sich noch andere zu täuschen.
Strebt jemand nach Wahrheit, impliziert das nicht, andere nicht trotzdem täuschen zu wollen.


"Wer nach Wahrheit strebt ..." - das ist derjenige, der die Frage nach der Wahrheit stellt. Wer andere täuscht, tut dies nicht, sondern nutzt beispielsweise seinen Wissensvorsprung gegen sie aus. Sofern er sie in seine Wahrheitsfahndung mt einschließt, wäre es seinerseits kontraproduktiv, sie täuschen zu wollen.
Jeffrey mc
Oft, wenn ich was gesagt habe, wurde in meiner Vergangenheit gesagt, dass ich ein Philosoph wäre, was mir aber nicht bewusst war, da ich meines erachtens nach Grundlagen gehe..

Ich habe mal ein Gedicht über die Wahrheit geschrieben:

Ich sitze so hier am PC
und schreibe ein Gedicht.
Die Wahrheit so das Thema ist,
was herauskommt, weiß ich nicht.

Ich stell mir vor, das irgendwas -
Fiktion lässt dieses zu -
ich doch mal stark belogen werd,
und hier beginnt der Clou:

Ich weiß dann vielleicht Wahrheit nicht;
vielleicht weiß ich sie nie:
doch gibt's den Fakt, das da was war,
und das, das existiert doch irgendwie.

Dann gibt es noch die Möglichkeit,
wahrlich zu sagen das da was war:
aus Buchstaben ist dies Gedicht:
das ist wahr und klar!

Sagt jemand "Zeit die gibt es nicht",
da kann man sagen "nein".
Vielleicht ist es richtig, vielleicht doch nicht,
doch irgendwas wird sein!

Zur Wahrheit kann ich sagen noch,
geschrieben steht es so:
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben",
dass, das sagte Jesus so.

Ich sitze so hier am PC,
zu Ende ist das Gedicht.
Die Wahrheit so das Thema war,
weiter geht's jetzt nicht.
wollekopp
Ich bin die Wahrheit! Denk es mal durch, was gemeint ist.

Sagt euch: "Ich bin die Wahrheit."

Cooles Gedicht btw.
LeonKohlbek
Ich würde mich an deiner Stelle in die Ideen des Radikalen Konstruktivismus einlesen.