Diogenes

Roter Mohn
würde meinem Schatz Diogenes gerne ein eigenes Thread-Thema einräumen. Als eigensinniger Kauz, der sich von menschlich hausgemachten Kleinigkeiten nicht ablenken ließ, zog er sein Ding durch und das sogar bewusst allein. Passt bei mir so in die Vorstellungen, dass ich nicht akzeptieren will, das Kleider Leute machen a la wenn ich bequem und Entspannung und damit gesundheitsfördernd Joggingklamotten anziehe mir weniger, kaum oder nachsichtiger Respekt entgegengebracht wird als wenn ich Business style angezogen bin, aber über das gleiche hohe Wissen bzw. gleichen hohen Respekt vor Leute und Leben habe.
Ich denke, in diese Richtung gehen Diogenes Ansichten oder er hätte wohl sich durchgestzt und konsequent Jogginghosen angezogen.
Thanasius Lakon
Hallo Roter Mohn.

Als Freund der kynischen Lebenshaltung darf ich dir vielleicht vorweg einen kleinen sehr unterhaltsamen Dialog empfehlen? Er stammt von Lukian und diente wohl der Veranschaulichung des echten Kynismus, da sich seinerzeit viel über diese Philosophie lustig gemacht wurde. (Link) Schon der Anfang dürfte ganz in deinem Sinne sein großes Grinsen

Zitat:
Als eigensinniger Kauz, der sich von menschlich hausgemachten Kleinigkeiten nicht ablenken ließ, zog er sein Ding durch und das sogar bewusst allein.


Naja allein würde ich nicht unbedingt sagen, schließlich waren da ja noch die anderen Kyniker, z.B. sein Lehrer Antisthenes bzw. sein eigener Schüler Krates. Wenn die Kyniker auch ziemlich weltfremd erschienen sind, so waren sie m.E. doch sehr gesellige und heitere Leute. Krates z.B. war in vielen Häusern gern gesehen und z.B. als Berater einiger Politiker tätig.

Wenn dir übrigens speziell an Diogenes liegt, dann wäre auch noch Wielands „Sokrates Mainomenos“ (Der rasende Sokrates) zu empfehlen. Wieland gibt sich da als Herausgeber der (plötzlich wiederentdeckten Freude ) Memoiren des Diogenes. Er habe sie seinerzeit mit Kreide an die Wand seiner Tonne geschrieben. (Freilich ist das ein Werk der Aufklärung und historisch vielleicht nicht immer ganz stimmig).

Mit besten Grüßen Thanasius
Reinhard
Hallo Roter Mohn, bei aller Sympathie für die Kyniker, die auch mir nicht fremd ist, sollte man aber auch ins Kalkül ziehen, dass es sich allgemein gesprochen um eine letztlich egoistische Verhaltensweise handelt, die von der Einsicht bestimmt wird, dass Besitz problembehaftet ist. Je weniger Besitz, desto geringer die Probleme, also eine Art Glückseligkeitslehre. Vergessen wird da leicht, dass auch das Wissen ein Besitz ist, auf den auch der lebende Philosoph nicht verzichten will. Wie könnten wir sonst von ihnen was erfahren? Sympathisch ist mir allerdings die konsequente Lebensweise, die einen gewissen Ernst beinhaltet. Demgegenüber meinen ja die Stoiker, als vermeintliche Weiterentwicklung, dass es ja genügen würde, darüber Bescheid zu wissen, handeln könne man ja später, wenns vielleicht drauf ankommt, immer noch. Dadurch empfängt der Egoismus eine sprunghafte Steigerung, die nichts mehr von der Ursprünglichkeit erkennen lässt.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Roter Mohn
Hallo Thanasius,

schmelz, der Dialog ist GANZ nach meinem Geschmack großes Grinsen Und was das allein sein des Diogenes betrifft, meinte ich sein allein sein im Sinne von keine Familie gründen etc. also eine Frau glaube ich hatte er nicht...und schließlich ist die kynische Philosophie durch ihn entstanden (weil die Leute ihn entweder verspotteten oder verachteten und ihm aufgrund seiner Lebensweise "Hund" nannten, griech. = kyon und deshalb Kynismus). Also er gilt dann als Begründer des Kynismus und hat dann wohl Anhänger um sich geschart, aber als Mensch dachte ich sei er alleine durch das Leben geganen, bewusst, weil ihm unnötiges Beugen sinnloser und auch krankmachender menschlicher Prinzipien (dein Dialog) zuwider sind, und ihn darin niemand verstand.

Das Bild von ihm ihn in Wikipädia ist bezeichnend. Stur und eigensinnig großes Grinsen Kompromisslos ohne der Maske und hausgemachter menschlicher Kleinmütigkeit durch das Leben zu gehen. Unterstreich mit Ausrufezeichen Freude

Habe grad noch mal unter Begriff Kyniker reingeschaut, also einschränkend möchte ich noch erwähnen - also so mit kompromissloser Nacktheit, ja da hakt es bei mir, also wäre ich Kynikerin mit Einschränkungen (muss mich in das Thema Kynische Philosophie noch reinlesen), andererseits drängen sich mir doch Gedanken bezüglich des nacktseins auf. Woher die Scham menschlichen nacktseins, warum dürfen Männer oben ohne im Alltag rumlaufen, während Frauen nicht, warum können weibl. Geschlechtsteile im Fernsehen gezeigt werden, männliche weniger (ist allerdings glaube ich im Kommen).

Danke erst mal für deinen supi Beitrag, stehe noch am Anfang davon, mich mal so richtig in alles einzulesen..
Roter Mohn
Hallo Reinhard,

in einem gebe ich dir Recht: ohne Bücher, die auch materiell sind, und die hergestellt werden müssen etc - ok - da muss ich mir nochmal Gedanken drüber machen. Aber einem Philosophen dürften auch denken selbst - und danach handeln und allenfalls seine Gedanken aufschreiben genügen.

Egoistisch finde ich die kynische Haltung ganz und gar nicht, weil alles andere das Potenzial von krank machen (Arbeit nachrennen, hetzen, mehr Arbeit=mehr Geld=mehr Arbeitsstress, Verantwortung=mehr Wohlstand=mehr Stress Wohlstand aufrechtzuerhalten, Wünsche erfüllen=mehr Arbeit das eigene Haus zu putzen, alle Autos=falls Angestellte, die Angestellte verwalten..was aber widerrum bewirkt andere vor seinen Karren zu spannen und ihnen Arbeit aufbrummen bedeutet, die widerrum nicht nötig wäre, würde nicht alles auch versorgt werden müssen was man sich anschafft - die Gefahr dauernder Kündigung, der Stress, die Angst) woher kommen denn die aktuellen zivilen Probleme a la Mobbing burnout etc - oder würde es diese Probleme auch geben im Rahmen einer kynischen Lebensweise?
Gebe es dann auch Überfluss, der Discounter-Müll-"Diebe" erzeugt, weil es noch Mensch gibt, die irgendwo kapieren, dass es Unsinn ist, einwandfreie Lebensmittel wegzuschmeissen?

Was du über die Stoiker schreibst - da müsste ich nochmal reinlesen - das ist mir neu, dass die eine Haltung haben sollen a la hauptsache wissen, umsetzen später oder bei Bedarf.

Über stoische Philosophie könnte ich vorerst anbieten, dass sie gesamtheitlich handeln will und Themen wie emotionale Selbstkontrolle sowas in der Art.

Ich lasse mich aber gerne weiter von dir aufklären!!!!! Freude
Reinhard
Zitat:
Ich lasse mich aber gerne weiter von dir aufklären!!!!!


Hallo Roter Mohn, mit dem Wissen habe ich nicht nur das aus Büchern gemeint, sondern ganz allgemein. Man kann halt mit seinem Wissen und dem Intellekt nur das anfangen, was einem das ermöglicht, was man will. Die Eitelkeit des Wissens ist nicht besser als die der Äußerlichkeit, eher schlimmer, da weniger unmittelbar. Bei den Kynikern kommt es mir halt so vor, als hätten sie einen Spass daran, der sonstigen Welt einen Spiegel vorzuhalten und sich dann über den Anblick der Anderen lustig zu machen. Da hat dann der Ernst seine Grenze und der Ironie und dem Sarkasmus werden Tür und Tor geöffnet. Der Gipfel dieses Verhaltens dürfte dann der Hofnarr sein. Dass eine Bescheidenheit uns allen gut täte, bleibt für mich davon unberührt. Ein großer Theologe wie Kierkegaard hat deshalb befunden, dass die Ironie der Ausdruck der sokratischen Philosophie und damit eigentlich der Philosophie im Allgemeinen ist.

Im Unterschied dazu ein buddhistischer Bettelmönch, keine Spur von Hohn und Spott im Vertrauen auf eine Spiritualität. Dessen Bescheidenheit ist aus anderem Holz geschnitzt, als die des eigentlich egoistischen Kynikers. Wobei dieser Ausdruck ja auch nur ein gewisses Schubladendenken offenbart. Interessant zu lesen allemal, so bald man aber näher hinschaut, stellt man fest, dass der Einzelne ohnehin nicht zu fassen ist.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard winken
Roter Mohn
Hallo Reinhard,

der Verglich mit den buddhistischen Mönchen finde ich in diesem Zusammenhang höchst interessant...smile als wirklich interessante gedankliche Überlegungsmotivation.....

lass mehr von dir hören.. winken
Thanasius Lakon
Hallo Roter Mohn,

Zitat:
schmelz, der Dialog ist GANZ nach meinem Geschmack großes Grinsen


Na dann musst du dich bei Lukian mal näher umsehen. In den „Totengesprächen“ finden sich z.B. einige, wo man die Kyniker ganz in ihrem Element findet (nicht mal die Unterwelt ist vor ihrem Spott sicher Freude )

Gegründet hat den Kynismus meines Wissens übrigens Antisthenes (so sagen es z.B. auch die antiken Quellen). Der Wikipedia Artikel enthält da m.E. falsche Informationen. Im Artikel zu Antisthenes wird das auch bestätigt.

Krates, der Schüler des Diogenes und strenger Kyniker war übrigens mit Hipparchia verheiratet, die daraufhin auch zum Kynismus übertrat. Also selbst das hat es gegeben und sie ist m.E. auch die bekannteste weibliche Person, die sich zum Kynismus bekannte.

Viel Spaß beim weiteren Entdecken

Gruß Thanasius
Roter Mohn
ich werde versuchen in die Totengespräch reinzuschauen, danke für deinen Tipp, die von dir beschreibenen Kyniker hören sich ja jetzt schon eigensinnig frech an... großes Grinsen

tja das mit Diogenes als Gründer der Kyniker..da bin ich auch drüber gestolpert, in wiki steht er hat es gegründet..komisch kam mir das allerdings schon vor, wenn er doch Schüler des A. gewesen sein soll...ich muss erst mich noch in alles reinlesen, vielleicht hat A. ja nicht in erster Linie kynisch unterrichtet und Diogenes ist aus seinen Lehrern die Idee und Gedanke an das kynisch sein entstanden??

Hm, vielleicht gehe ich ja auch mal in die Geschichte als Kynikerin ein, aber reinhard hat mich nachdenklich gemacht mit seinem Vergleich Kyn. Philosophie und buddhistischer Mönch...

Wie denkst du darüber?

Byeiii winken
Reinhard
Zitat:
, aber reinhard hat mich nachdenklich gemacht mit seinem Vergleich Kyn. Philosophie und buddhistischer Mönch...


Hallo Roter Mohn, so habe ich das aber nicht gemeint. Die Kyniker haben durchaus ihre Bedeutung in der griechischen Philosophie und diese bestimmt wiederum die gesamte abendländische Philosophie. Man sollte sie nur, wie andere philosophische Richtungen, in Verhältnisse setzen, um sich selber einen Standpunkt zu ermöglichen, der aber nie bei einer Richtung stehen bleiben sollte. Das gilt dann auch für den Buddhismus. Vor allen Dingen geht es immer darum, Metaphysik und Logik auseinanderzuhalten im Sinne von Erkenntnis und Erkenntnisgrund. Philosphie beschäftigt sich wesentlich mit sich selbst.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Thanasius Lakon
Zitat:
die von dir beschreibenen Kyniker hören sich ja jetzt schon eigensinnig frech an... großes Grinsen


Hierzu empfehle ich eine wunderbare Stelle bei Schopenhauer Freude :

„Demnach hatten die alten, ächten Kyniker, Antisthenes, Diogenes, Krates und ihre Jünger, ein für alle Mal jedem Besitz, allen Bequemlichkeiten und Genüssen entsagt, um der Mühe und Sorge, der Abhängigkeit und den Schmerzen, die unvermeidlich damit verknüpft sind und nicht dadurch aufgewogen werden, für immer zu entgehn. Durch nothdürftige Befriedigung der dringendesten Bedürfnisse und Entbehrung alles Ueberflüssigen gedachten sie leichtesten Kaufes davonzukommen. Sonach begnügten sie sich mit Dem, was in Athen und Korinth so ziemlich umsonst zu haben war, wie Lupinen, Wasser, ein schlechtes Tribonion, Schnappsack und Knittel, bettelten gelegentlich, so weit es hiezu nöthig war, arbeiteten aber nicht. Sie nahmen jedoch durchaus nichts an, was über obige Bedürfnisse hinausgieng. Unabhängigkeit, im weitesten Sinn, war ihre Absicht. Ihre Zeit brachten sie zu mit Ruhen, Umhergehn, Reden mit allen Menschen, viel Spotten, Lachen und Scherzen: ihr Charakter war Sorglosigkeit und große Heiterkeit. Da sie nun, bei dieser Lebensweise, kein eigenes Trachten, keine Absichten und Zwecke zu verfolgen hatten, also über das menschliche Treiben selbst hinausgehoben waren, dabei auch stets voller Muße genossen, eigneten sie, als Männer von erprobter Geistesstärke, sich trefflich, die Berather und Ermahner der Uebrigen zu werden.“ (Welt als Wille und Vorstellung Band II Kapitel 16)

Zitat:
vielleicht hat A. ja nicht in erster Linie kynisch unterrichtet und Diogenes ist aus seinen Lehrern die Idee und Gedanke an das kynisch sein entstanden??


Antisthenes (übrigens selbst Schüler des Sokrates) ist m.E. ein waschechter Kyniker (man lese auch die Anekdoten über ihn im Diogenes Laertius) und soweit ich weiß, wollte er im Kynismus die praktische Philosophie seines Lehrers sozusagen vervollkomnen. Aber wenn du hierzu etwas anderes findest, kannst du es ja mal posten. Diogenes war dann allerdings wohl derjenige, der die Sache erst richtig populär gemacht hat.

Zitat:
reinhard hat mich nachdenklich gemacht mit seinem Vergleich Kyn. Philosophie und buddhistischer Mönch...

Wie denkst du darüber?


Auch hierzu kann man Schopenhauer wunderbar heranziehen:

„Auch hierin also, wie in so vielem Andern, zeigen sie große Aehnlichkeit mit den Bettelmönchen der neuen Zeit, d.h. mit den besseren und ächten unter diesen, deren Ideal man sich an dem Kapuziner Christoph, in Manzoni's berühmtem Roman, vergegenwärtigen mag. Jedoch liegt diese Aehnlichkeit nur in den Wirkungen, nicht in der Ursache. Sie treffen im Resultat zusammen; aber der Grundgedanke Beider ist ganz verschieden: bei den Mönchen ist er, wie bei den ihnen verwandten Saniassis, ein über das Leben hinausgestecktes Ziel; bei den Kynikern aber nur die Überzeugung, daß es leichter sei, seine Wünsche und Bedürfnisse auf das Minimum herabzusetzen, als in ihrer Befriedigung das Maximum zu erreichen, welches sogar unmöglich ist, da mit der Befriedigung die Wünsche und Bedürfnisse ins Unendliche wachsen; daher sie, um das Ziel aller antiken Ethik, möglichste Glücksäligkeit in diesem Leben, zu erreichen, den Weg der Entsagung einschlugen, als den kürzesten und leichtesten[...] – Die Grundverschiedenheit des Geistes des Kynismus von dem der Askese tritt augenfällig hervor an der Demuth, als welche der Askese wesentlich, dem Kynismus aber so fremd ist, daß er, im Gegentheil, den Stolz und die Verachtung aller Uebrigen im Schilde führt" (ebenda)

Wenn der Kynismus nun auch nicht in erster Linie auf Altruismus ausgerichtet sein mag, halte ich ihn deswegen jedoch in keinster Weise für moralisch bedenklich oder gar verwerflich! Ob Spott und Hohn allerdings immer angebracht und der richtige Weg sind, etwas zu bewirken, darüber lässt sich wohl tatsächlich streiten...

Zitat:
Hm, vielleicht gehe ich ja auch mal in die Geschichte als Kynikerin ein


Warum nicht Freude jemanden, der zeigt wie es auch anders geht, kann die Gesellschaft immer gebrauchen!

Gruß Thanasius
Roter Mohn
Zwinker Hallo Reinhard,

ja deinem letzten Beitrag kann ich voll zustimmen. Die Richtung der Kyniker sagt mir sehr zu und ich kann Paralellen zu meinen eigenen Lebensverhaltenswünschen darin erkennen, die ich -allerdings im Rahmen einer doch gewissen Höflichkeit und Respekt Andersdenkender in gewisser Weise auch real umsetze.

Ich bin in dem Fally nicht auf die kynische Philosophie fixiert sondern betrachte auch paralell alle anderen Richtungen, wie z.B. den Buddhismus und mache mir meine Gedanken zu den Themen.

Bezüglich des buddhistischen Mönches kam ich ins Überlegen, dass ein Kyniker seine grundsätzliche Einstellung hat und diese auch umsetzen möchte, während ein buddhistischer Mensch vielleicht eher mit Nachsicht auf gesellschaftliche Bewegungen im allgemeinen bzw. dem einzelnen Menschen im einzelnen eingehen würde. (Schreibt man im allgemeinen ..bzw. im einzelnen jetzt groß oder klein...????).
In dem Fall könnten die Kyniker provokativer, da radikaler insbesondere in der Umsetzung sein während ein buddhistischer Mönch eher nachsichtiger, verständnisvoller auf gewisse Defizite eingehen könnte. Hmmm, würde ich jetzt so mal in thread schicken, freue mich über weitere gedankliche Impulse und Gedanken und Hinweise.

War gestern in der Bibliothek, beim Blättern in den einen Themen, bin ich zum bereitgelegten Stapel Philosophie leider nicht mehr gekommen, da samstags nur vormittags geöffnet.....

I
nachdenklich
Zitat:
Original von Roter Mohn
(Schreibt man im allgemeinen ..bzw. im einzelnen jetzt groß oder klein...????).


Nach der alten Rechtschreibung schreibt man's klein, nach der neuen (Duden 1996) groß. Die Schreibweise von "Parallele" hat sich nicht geändert (zuerst das Doppel-l). Die Rechtschreibreform ist übrigens ein dankbares Thema für Kyniker.
Roter Mohn
Hallo nachdenklich Zwinker ,

oh ja! da hast du recht, dass die neue Rechtschreibung ein dankbares Thema für die Kyniker ist. großes Grinsen

Ich bin beruflich auf korrekte Schreibweise angewiesen - aber letztendlich verweigere ich mich, wenn es irgendwie passt. Allerdings finde ich manche neue Schreibweisen auch ganz angenehm (Ziel war es wohl auch, das Schriftliche dem Ausgesprochenen anzupassen).

Also neue Bücher werden privat keine angeschafft, was ich zu schreiben habe, dafür reichen die Büchstaben die ich vor Jahren mal gelernt habe aus großes Grinsen Konsum und Irrsinn werden nicht auch noch durch Akzeptanz gefördert großes Grinsen

Habe verstanden, dass dem buddhistischen Mönch eine spirituelle Herangehensweise bewegt, während dem Kyniker ganz weltliche Fragen und Umstände bewegen, abgesehen von den philosophischen Fragen rund um das Leben.

Warum kann ich nicht frei heraus sagen, was ich denke und wie ich mich fühle, was ich schei* finde und was nicht??? Warum muss ich dafür in anonyme Foren oder Beratungsstellen gehen?? Warum muss Mensch das auf dieser Welt tun, wo er doch ein Magengeschwür kriegt wenn er es nicht tut, sich womöglich ein Krebs daraus entwickeln und er womöglich daran sterben kann????? Warum muss ich Psychotherapie machen, wenn ich durch Mobbing anfange Panikatacken zu bekommen, wo Mensch sich von vornherein für seine eigenen menschlichen Arbeitsbedingen entscheiden könnte.

Mit den beruflich bedingten eleganteren Schuhen, habe ich mir gestern den ganzen Tag versaut. Ich hatte Zeit fürs Museum - endlich mal - und ich konnte es nicht genießen, weil ich Schühchen anhatte, statt meine Clogs - versteh die Welt nicht -
Roter Mohn
Hallo Thanasius Freude

jepp, ich denke Schopenhauer hat die wahre Bedeutung der Kyniker verstanden und letztendlich ist ihnen als Berater auch die richtige und für die Menschen sinnvolle Position zugekommen! großes Grinsen

Die Haltung der Bettelmönche geflällt mir auch, und ich habe auch erkannt, das diesen wie dem erwähnten buddhist. Mönch das Spirituelle - eben das über das Leben hinausgehende bewegt während den Kynikern das Dieseits.

Zu deinem letzten Abschnitt "Jemand der der Gesellschaft zeigt, wie es auch anders geht" - ja, ich bin dabei.... großes Grinsen

zum in Laden gehen Milch kaufen, langen meine Jogginghose und Clogs - für den Rest des Tages auch großes Grinsen .

Wenn ich mich zur Gymnastiklehrerin ausbilden lassen will um offiziell ganztägig in Jogginghosen rumlaufen das her- für herum lasse ich jetzt mal weg) zu könnnen, habe ich das kynische Ziel wohl verfehlt durch Anpassung - aber immerhin habe ich meine Lebenseinstellung an offizielle Möglichkeiten angepasst...

Ich stimme den Kynikern zu, das materiell Benötigte auf ein Minimum zu beschränken. Es gibt nichts Gesünderes und Entspannenderes.
Roter Mohn
Warum kann ich nicht so arbeiten gehen, wie es für mich als das einzig Sinnvollste ersdcheint?? Aufgrund der bestehenden Zwangssituation aufgrund von arbeiten müssen, habe ich mir Engagement aufgrund der dadurch hervorrufenden soziale Konflikte eingestellt, der Arbeitsalltag wird für mich dann nur noch erträglich mit einer Augen zu und durch -Einstellung - schließlich ist es ein Muss - ich mache meine Arbeit so gut es geht auch freundlich im Umgang mit Kunden und Kollegen- aber vom übrigen aufgezwungen kollegen-emotionalen schei* möchte ich doch dann bitte verschont bleiben
warum kann ich nicht arbeiten gehen und einfach meinen Job - gut - erledigen - warum muss ich so einen schei* wie kaffeekasse mitmachen oder für geburtstage sammeln ichlege auch keinen wert drauf von kollegen gratuliert zu werden - außer es verkürzt meine Arbeitszeit großes Grinsen

wenn ich nicht sinnvoll leben kann, nicht authentisch, dann will ich das auf meine kostbare Freizeit verschieben und mir allen übrigen mir Zeit stehlende Zeit dafür aufsparen und nich Geklönse verseuchen.

Es ist unsinnig, dass das dem sozialen Umfeld auch wieer nicht recht ist. sollen sie es doch genauso machen, vielleicht entstünde dann erst ein ehrliches, sinnvolles Arbeitsklima ??!

Alles klar großes Grinsen ?

Gibt es Vereine für Kyniker ????
Reinhard
Zitat:
Warum kann ich nicht so arbeiten gehen, wie es für mich als das einzig Sinnvollste ersdcheint??


Hallo RM, tun kann man vieles, nur man sollte sich immer über die Konsequenzen im Klaren sein. Ich wäre natürlich grundsätzlich auch dafür, dass Äußerlichkeiten gegenüber sachlichen, argumentativen Erwägungen mehr zurückzustehen hätten, nur das würde ja bedingen, dass es eine durchgängige Vernunft gäbe. Dem ist aber beileibe nicht so, jeder Mensch entwickelt sich zu dem, was im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt, da gibt es aber keine Einheitlichkeit. Da macht man doch lieber hier und da Kompromisse nach dem Motto, was kostets mich schon, mir, je nach Situation, auch mal ne Krawatte umzubinden um nicht an Boden zu verlieren, wo der Einsatz doch relativ gering ist?

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Roter Mohn
Hallo Reinhard,

Kompromisse finden kann man immer - und das jeder unterschiedlich nach seinen Möglichkeiten ist, kann ich auch nachvollziehen und akzeptieren. Respekt finde ich auch wichtig, da bin ich um so kompromissbereiter.
Aber ist nicht selbst schon der geringst Aufwand ein sich anpassen am Unabänderlichen?

ich scheitere vielmehr an der Tatsache, dass das grundsätzlich einfach gestrickte Muster des Menschen Schlussfolgerungen, Schubladendenken, Vorurteile hervorruft, einfach aufgrund von Tatsachen-Äußerungen wie: Kleider machen Leute, wie auch schon falsch gedeutete Mimik und Körpersprache Schlussfolgerungen auf einen anderen Menschen haben können...

Ich stehe mit meinen Überlegungen noch am Anfang und ich habe sicherlich noch sehr viel nachzulesen und zu forschen, aber vielleicht könnte mir jemand einen Gedankenanstoß auf die Frage hin geben, ob kynisch sein auch in die Richtung Anarchie gehen könnte (Anarchie im Sinne von Gewaltfreiheit ohne Fremdherrschaft mit der Basis von Firieden und Freiwilligkeit) :wink
Reinhard
Zitat:
...ob kynisch sein auch in die Richtung Anarchie gehen könnte.


Hallo R.M., das muss man doch wohl ein wenig differenziert sehen. Anarchie im Sinne von Distanz zu Autoritäten sollte man sich in der Philosophie immer bewahren. Darum scheidet für mich jede ideologische Ausprägung aus. Der Rest lässt dem Philosophen nur noch den gewaltfreien Widerstand, allenfalls Spott und Sarkasmus gegenüber jedweder Autorität. Insofern war das Ziel der Kyniker durchaus auch die herrschaftsnützliche Gedankenwelt eines Platon. Das hat aber dem Stellenwert der Herrschaftsphilosophie keinen Abbruch getan. Wie auch, wenn Platon dem Sokrates die Worte in den Mund gelegt hat, anstatt sich einfach mal an sein Sterbebett zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Roter Mohn
Hallo Reinhard,

ich habe mir deinen Beitrag durch den Kopf gehen lassen und festgestellt, dass ich mir Gedanken in unterschiedliche Richtungen bezüglichen insgesamter Strömungen machen (Kyniker, Anarchie-Bewegung usw.) und stelle fest, dass auch ich mich nicht auf Ideologien fixieren möchte und auch immer wieder frei entscheiden möchte, wenn ich hinter etwas nicht mehr stehe.
Wie du das beschreibst, kommt für mich das Bild eines wohl typischen Philosophen zustande. Erkennen, denken, handeln (damit meine ich auch, bestimmte Gedanken auszusprechen oder Bestimmtes tun oder nicht tun) - aber handeln je nach sinnvollen Aspekten und ohne sich zu fixieren, es sei denn, man möchte das. Ok, finde ich ok.

Schließlich kann ich Lao-Tse und Konfuzius auch sehr viel abgewinnen und vielen anderen großes Grinsen

Freue mich über deine Gedanken Gruß Roter Mohn