Hi Zeitenlicht.
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| „Derweilen bin ich immer noch im tiefen Tal und schaue den großen wuchtigen Berg hinauf. Vor allem, wenn man es sich autodidaktisch beibgringt, kommt es einem so vor, als würde sich der Gipfel weiter entfernen. Man weiß nicht so recht, welchen Weg zum Erklimmen der best-ausgeprägteste ist. Na, ich glaube mit dieser Beschreibung komme ich sicherlich nicht hin, denn ein Gipfel ist wenigstens noch von weitem sichtbar, einen Boden im Faß hingegen kann man nicht sehen. Zumindest was das angeht, sich in die Materie hineinzuarbeiten, ist meine Berg-Beschreibung gerade noch akzeptabel. Gerade ein Faß ohne Boden neigt dazu, nichts aufzufangen d. h. das es keine Gewißheit gibt, wie zum Beispiel aus einer subjektiven Sicht darüber zu sprechen ohne gewiß sagen zu können, wie die Realität denn wirklich aussieht.“ |
Ich wollte Dich damit nicht entmutigen, nur keine falschen Bescheidenheit, es darf munter spekuliert werden, das ist die erfreuliche Kehrseite der Medaille.
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| „Sehe ich auch so. Das ist recht schwer, selbst wenn es so einfach klingt. Das was jemand berichtet, ist m. M. n. etwas privates, die Erfahrungen nämlich die in Worte gefaßt werden. Sie passen sich an das Erlebte an, und hier ist schon die erste Schwierigkeit: wenn mein Gegenüber von einer bestimmten Beschreibung seines Erlebens spricht, dann kann es sein, daß seine Wahrnehmungsinhalte von meinen abweichen. Somit müsste man davon ausgehen, daß die Beschreibungen in den Aussagen variieren. Das tun sie sowieso, denn diese Beschreibungen sind alles andere als fixe allgemeingültige Gerüste. Das hängt sicher davon ab, welche Worte und Bezeichnungen man im Leben erlernt hat und anwendet. Du kennst sicherlich viel mehr Bezeichnungen als ich, bedeutet, daß Du Dich auch klarer ausdrücken kannst. Je mehr sprachliche Fähigkeiten desto weiter reicht der Horizont.“ |
Der philosophische Standpunkt (vieler ernstzunehmender Schulen) ist noch ein etwas anderer. Nicht nur die Sprache passt sich den Erfahrungen an, viel mehr als man denkt, sind die Erfahrungen auch von der Sprache abhängig. Sprache setzt einen bedeutenden Rahmen unserer Wahrnehmungen, das ist am Anfang ein Gedanke, der etwas schräg wirkt, aber der mehr und mehr Dynamik bekommt, wenn man ihn einmal verstanden hat.
Das war im übrigen auch einer der Kernpunkte der Auseinandersetzungen vor einigen Jahren zwischen Neurologen und Philosophen.
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| „Grüntöne gibt es ebenfalls in verschiedensten Ausführungen. Es gibt Laubgrün, Giftgrün, Olivgrün usw. und alle diese Variationen sind mit fixen Bezeichnungen versehen, wie in einem Farbenkatalog eines Lackierers. Menschen die z. B. Rot-Grün-Sehschwäche haben, können mit diesen Beschreibungen und Farbkarten nicht viel anfangen. Noch weniger Grünblinde. Also schlußfolger ich daraus, daß sie zu einem ganz anderen Verhältnis zu den Beschreibungen der normal Sehenden stehen was deren Erklärungen betrifft, (die sie, die normal Sehenden, untereinander sofort verstehen) und ein eigenes Beschreibungssystem besitzen, wenn man das so sagen kann.“ |
Das folgerst Du mit einigem Recht, hast aber gleichzeitig schon eines der schwierigsten Fässer aufgemacht.
Es gibt sehr spezielle Diskussionen über das Verhältnis von Sprache und Wahrnehmung, nachdem man erst denkt, am Anfang stünde die Wahrnehmung der dann Begriffe zugeordnet werden, ändert sich das Bild nach einiger Zeit und man gelangt im Wesentlichen zu der Auffassung, Welt sei in einem sehr weitreichenden Umfang Konstruktion und zwar auch sprachliche Konstruktion. Kann ich hier nicht weiter ausführen, aber solltest Du, wenn Du das Thema gewinnbringend behandeln willst zumindest im Hinterkopf behalten, Wittgenstein und Sellars wären da Philosophen, die für diese Richtung stehen.
Auf der anderen Seite wird dann bei noch näherer Betrachtung zumeist klar, dass es unterhalb der Sprache die man lernt eine Ebene geben muss, die sprachlos und dennoch erkennend ist – was auf den zweiten Blick schwieriger zu denken ist, als auf den ersten und nun muss man klären, wie diese Ebenen verflochten werden.
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| „Aber was heißt denn hier normal in diesem Kontext? Schwer ist es für Grünblinde, wenn sie mit Symbole konfrontiert werden. Bestes Beispiel wären Rettungszeichen. Üblich ist für Rettungszeichen ein bestimmtes Farbmuster, meistens Grün und Weiß. Diese Farben zeigen neben dem Bild sofort, um welche Art Schild es sich handelt und unterstreicht deren Bedeutung und die Zuordnung des Zeichens. Das selbe Spiel mit Ampeln, wobei sich die Betroffenen mit der Zeit arrangiert haben müssten, mehr auf das aufblinkende Licht und die bekannte Position dessen zu warten, und nicht auf die Farbe die sie schon von klein auf vergebens erklärt bekommen haben.“ |
Genau so sehe ich das auch, wer grün nicht erkennt, kann sich damit behelfen, dass er weiß, dass damit das untere Licht in der Ampel gemeint ist, d.h. man nutzt bestimmte sprachliche Erklärungen als Umwege oder Ausweichmöglichkeit, wenn man bestimmte Erlebnisse irgendwie nicht nachvollziehen kann.
Es würde also reichen zu wissen, dass man das untere Ampellicht, Gurken und die Baumkronen eines Waldes mit „grün“ bezeichnet, ohne dass man notwednigerweise die Farbe erkennen können muss.
Bei der Ampel müsste man, wenn man Grünerfahrungen nicht machen kann, z.B. auch Positionserfahrungen (unten) ausweichen, also müsste man die haben können, oder bei Gurken müsste man Formerfahrungen haben und so kann man Lücken schließen.
Nun ist eine prinzipielle Frage – das wäre dann so ein Fassinhalt – ob es möglich wäre, jedes fehlende Erlebnis (grün) über einen Umweg sprachlich ersetzen zu können (unten in der Ampel), so dass man sich am Ende eine komplette Welt anlesen oder als Information, als „Wissen“ beschaffen kann, so dass man anhand dieser Informationen quasi auf jeder Erfahrung verzichten kann.
Die Frage wäre also, ob es eine rein sprachliche Welt gibt, in der ein Begriff den anderen definiert und so am Ende stützt, so dass Erfahrungen mit Welt zu haben, nicht nötig ist.
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„Es gibt noch diverse andere Beispiele und auch mit anderen spezifischen Merkmalen. Merkmale, wie die Beschaffenheit. Der eine Mensch hat mehr Stäbchen in der Regenbogenhaut des Auges, der andere hat weniger; sie funktionieren ziemlich ähnlich, aber wie es die Evolution will, gibt es ständig minimale Veränderungen.
Digitalkameras besitzen so und so viele Pixel und unterscheiden sich voneinander. Man kann Bilder einer bestimmten Kamera zuordnen, indem man herausfindet, welche Pixel fehlerhaft sind - viele Fehler sind es nicht, aber das Muster in welchen sie angeordnet sind ist ausreichend zum Erkennen. Damit kann man herausfinden, mit welcher Kamera spioniert wurde. Wie die Erlebnisse unterschiedlich sind, so sind es auch die Begriffe mit ihrer Geschichte und Prägung. Das ist ein sehr sehr weites Feld. Um das präzise auszudrücken reicht eigentlich keine Zusammenfassung. Ein Exkurs durch verschiedenste Ebenen müsste her. Das würde ganze Bücher ausfüllen. Von Realität über Wahrnehmung zu Erfindung und Lernen von Worten, Bedeutungen und Zusammenhängen hin zu komplexen Systemen. Erst dann wird klar, was Kleinkinder erwartet, wenn sie die Welt auch begrifflich entdecken.“ |
Und das mit der Realität am Anfang ist eben schwierig. Unsere Realität ist immer nur diese Wahrnehmungs- und Sprachmischung und wir stochern im Nebel, wenn wir etwas über „die Realität“ aussagen wollen.
Das führt zu der allergrößten Verwirrung.
Man kommt dann zu der Auffassung, dass es da draußen eine Realität gibt, in der z.B. elektromagnetischen Wellen vorhanden sind, diese nehmen wir dann als z.B. blau wahr und beschreiben unsere Eindrücke dann mit dem Begriff „blau“. Auf diese Weise entfernt man sich quasi mit jedem Schritt von Wahrnehmung zum Begriff weiter von der eigentlichen Realität. Das ist typisch naturwissenschaftliches Denken und auf seine Weise folgerichtig, allerdings agiert man da mit einem Realitätsbegriff der im höchsten Maße problematisch ist.
Woher wissen wir das denn mit den elektromagnetischen Wellen? Es hat sie nie jemand gesehen, was wir sehen ist blau, rot oder grün, ansonsten sehen wir Anzeigen auf Messgeräten, oder Folgen von elektromagnetischen Wellen anderer Frequenz, Radioprogramme, Röntgenbilder, Sonnenbrand. Diese elektromagnetischen Wellen, die die eigentliche Realität darstellen sollen sind in Wirklichkeit ein Konstrukt. Konstrukt heißt nicht falsch, nicht: einfach mal so erfunden, sie sind schon logisch stimmig, sie beruhen schon auf Messvogängen, aber unser Bewusstsein setzt sie erst – mittels logischer Operationen und mit der Werkzeug von Praxis und Sprache zu dem zusammen, was dann anschließend als die
ursprüngliche Realität herhalten muss.
Die Ursprünglichkeit ist aber damit logisch abgängig von der Sprache, dem letzten Glied in der Kette, die mit der Realität eigentlich beginnen soll.
Das macht das Hantieren mit dem Begriff „Realität“ so problematisch.
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„Zudem ist es so, dass das Subjektsein, zwar ein richtiges und durch eigene durchgehende Erfahrung abgesichertes Erleben ist, aber das Subjekt nicht einfach so aus sich selbst heraus zum Subjekt geworden ist.
Da spielen nicht nur neurobiologische oder neuroevolutionäre Faktoren eine Rolle, sondern auch philosophische und/oder soziokulturelle Aspekte eine ganz entscheidende Rolle.“
„Wenn ich "aber das Subjekt nicht einfach so aus sich selbst heraus zum Subjekt geworden ist." verstehen könnte, wäre auch der Hauptsatz und der folgende für mich im Kontext gesehen verständlicher.“ |
Du findest Dich als Subjekt, als Icheinheit in der Welt vor: immer schon.
Das heißt, wann immer Du bewusst zu denken begonnen hast, wann immer Du zum ersten mal ein kognitives Konzept von Dir selbst hattest, wann immer Du, noch halb ahnend und intutitiv, „ich“ zu Dir gesagt hast – da warst Du schon Ich, Subjekt. Es gibt in Deinem
Erleben kein Davor.
Und nie gab es für irgendein Ich in seinem Erleben ein Davor, jedes Ich war immer schon Ich oder Subjekt, kennt Welt nur aus dieser Subjektperspektive.
Nun sagen die Naturwissenschaftler aber: Moment, im Erleben vielleicht nicht, aber in der „Realität“ natürlich.
Denn wir brauchen eine ganze Menge funktionierender Zutaten und vor allem eine Millionen Jahre währende Entwicklungsspur, bis Gehirne irgendwann mal in der Lage waren, sowas wie ein Selbstkonzept zu entwickeln.
Und das, so meinen Naturwissenschaftler, sei der eigentliche Grund, warum es zu diesem „immer schon Ich“ überhaupt kommt. Das ist auch richtig, aber einfach eine andere Perspektive. Genau so richtig ist es, dass kein Ich je weiter zurückblicken konnte, als bis zu dem Punkt, wo es sich zum ersten mal als Ich erlebte und sich nicht weiter vorausdenken kann, als bis zum eigenen Tod.
Nun gibt es aber noch eine dritte Sichtweise, die die Geschichte noch einmal in einen historisch-soziokulturellen Kontext stellt. So heißen: Was ist eigentlich ein Hochleistungshirn wert, ohne sozialen Input, ohne Umgebung von anderen intelligenten Geschöpfen. Die Antwort ist einfach: nichts. Es stirbt, wird ein genetisches Genie von Wölfen aufgezogen wird es ein Superwolf, aber es reicht nicht an dem Durchschnittsmenschen heran.
Der Mensch ist, will er wirklich „Mensch“ werden eingebunden in einen Kontext von Theorie und Praxis, die er von seiner Mitwelt lernt, was man sagt, wozu man es sagt, wie man eine Schleife macht, Praktiken die wir für so selbstverständlich halten, dass wir im Alltag gar nicht drüber nachdenken, sich hinten in der Schlange anstellen, Geld von Automaten holen, was man macht, wenn man verliebt ist und einen Partner „erobern“ will.
Das Gehirn hat von all dem keine Ahnung und wenn der Faden der Traditionen reißt, sind Teile der Kultur für immer verloren oder müssen mühsam rekonstruiert werden.
Und der Erwerb dieser Praktiken (und der in ihnen verborgenen, innewohnenden und oft unausgesprochenen Theorien und Werte) ist ein wesentlicher Teil dessen, was den Menschen ausmacht. Warum?
Wenn Du denkst, dann denkst Du nicht einfach in einer Gedankensprache, sondern in Deutsch. Alles was Du über Dich und Welt aussagen kannst, musst Du in der Sprache, die Du gelernt hast ausdrücken – oder einer später erlernten Fremdsprache – und selbst Bilder, Assoziationen, Gedankenblitze, Intuitionen musst Du, wenn Du sie vermitteln willst ausdrücken, in Form von Sprache und/oder einer Praxis.
Das bedeutet bevor Du ein bewusstes Ich-Empfinden hast, konsumierst Du erstmal ganz unbewusst jede Menge soziokulturellen Krempel aus Deinem engsten Umfeld. Und auch danach, ist ein wesentlicher Teil, dessen was Du als meine Gedanken, meine Wünsche, meine Einstellungen formulieren würdest, schlicht und einfach von außen übernommen, lagert sich wie leise rieselndes Sediment auf dem Boden Deiner Psyche ab und verschiedene Philosophen und Psychologen sind drauf gekommen, dass das, was einem als mein ureigenstes Ich erscheint, in Wirklichkeit zum allergrößten Teil übernommen ist.
Damit hätten wir also drei Stränge, die phänomenoloische Geschichte des Ich, dass sich immer schon und immer nur als Ich erlebt. Die evolutions- und individualbiologischen Geschichte des Ich, das Hirn, was leistungsfähig genug sein muss und ein historisch-sprachpragmatischer Strang, eine Kette von Traditionen die sich im Ich treffen. Man darf keinen dieser drei Stränge vernachlässigen, sonst wird das Bild recht schief.
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„Das glaube ich nicht, die Evolution ist vermutlich auf größtmögliches Zurechtkommen mit den momentanen Schwierigkeiten aus und sie lügt und erfindet wie gedruckt, wenn es sein muss.“
Ist das nichts schon bereits eine Optimierung und zugleich ein Fortschritt, wenn die Evolution versucht zurechtzukommen?“ |
Ja, aber die braucht dazu keine Wahrheit und keine immer genauere Angleichung an „die Realität“, sondern einfach ein gute Story.
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| „Ich vermute, daß selbst eine Richtung nicht relevant wäre. Vielleicht weil es sich wahllos ungeahnte Wege geht. Das war auch meine Frage, ob die Entwicklung das Farbsehen positiv unterstützt oder ob die nächsten Generationen keine Farben mehr sehen werden - und wovon das abhängt. Berechenbar ist das alles jedenfalls nicht. Hätten wir unsere Vorfahren, die Affenähnlichen (oder Affen allgemein), nach der Farbintensität befragen können, so hätten sie uns leider aus verschiedenen Gründen keine Auskunft geben können - der Hauptgrund ist, daß man nicht aus einem anderen Subjekt heraus sehen kann.“ |
Ja, glaube ich auch.
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| „Was würden Hunderte von Generationen nach uns für Farben sehen? Weder in der Zukunft noch in Vergangenheit wissen wir, was war oder was sein wird. Und wir wissen nicht wie es im Gegenüber während der Gegenwart aussieht.“ |
Genau. Was wir machen um mit Welt zurechtzukommen, ist, dass wir in dem anderen zunächst einmal einen idealen Durchschnittsmenschen sehen. Wir gehen davon aus, dass der ungefähr so tickt wie wir, wir unterstellen, dass der grün ähnlich wahrnimmt wie wir, dass der auch Hunger, Freude und Angst kennt, dass der meint was er sagt, und sagt, was er meint und erst wenn es Grund zu der Annahme gibt, dass mit dem anderen etwas nicht stimmt, geben wir unsere Idealisierung auf und forschen genauer nach – falls der andere uns genügend interessiert.
Der Rechtfertigungsdruck, in dem der andere durch unsere „unschuldigen“ Fragen steht, ausgesprochen oder unausgesprochen: „Warum trinken sie denn keinen Alkohol? Trinken sie nie Alkohol?“ „Was sind sie denn von Beruf? Ach, sie arbeiten gar nicht?“ dressiert den anderen gleichzeitig, es zeigt ihm immer wieder an, wo er von der Norm abweicht und fordert ihn auf, sich zu erklären.
So bestätigen wir uns immer wieder gegenseitig und bringen den anderen „auf Kurs“.
Also von Sinneswahrnehmungen, über bestimmten grundlegend ähnliche Gefühle und Motive, bis zu der Einnahme bestimmter sozialer Rollen, unterstellen wir – meist unbewusst – einen Sollwert und wenn der andere uns irritiert, weil er von diesen Normen abweicht, lassen wir ihn entweder links liegen „irgendso ein Spinner“ oder wir sind aufmerksam geworden und finden ihn interessant und wollen mehr wissen.
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| „Eine ähnliche Frage die sich mir aufdrägt: die Entwicklung ist von äußeren Einflüssen beeinträchtigt. Aber wie sieht es wohl mit den Lebensgewohnheiten aus?“ |
Genau so, wie oben beschrieben. Natürlich mischen wir die Vorgaben in je individueller Weise und manchmal brechen wir aus den Vorgaben aus, nicht einfach indem wir es trotzig und stur genau anders als verlangt machen, sondern indem wir ganz neue kreative Ansätze finden. Das ist die Freiheit des entwickelten, reflexiven Ich, das sich fragt, warum es die Dinge eigentlich so machen
soll und manchmal auch, warum es sie überhaupt machen soll. Manchmal ist das nur ein gegen den Strich gebürstetes Ich, dass aus Prinzip nichts so macht wie erwartet, aber manchmal ist es ein kreatives reifes Ich, was nicht einfach trotzt, sondern ganz neue Wege geht.
Was Konventionen eben so locker erfüllen kann, wie es sie zur Not brechen kann.
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| „Ja, ich denke es gibt eine Ausrichtung der Sinnesorgane an die Realität. Aber ich würde das nicht unbedingt als Ziel bezeichnen, denn sonst gäbe es einen abgeschlossenen Prozeß. So, als würde etwas geradezu herausfallen und stehen bleiben. Ich finde, es ist ein herumpendeln um die Realität, das niemals aufhört.“ |
Wie gesagt, das mit der Realität ist schwierig.
Ultraschall und Infrarot sind sicher ach Teil der Realität, aber nicht unserer Wirklichkeit.
So steht die Kausalität, der wir unterstellen das reale Wirkprinzip des Universums zu sein, in dem begründeten Verdacht, nur ein von uns unterstelltes, konstruiertes Konzept zu sein, was eine für uns handhabbare Wirklichkeit konstruiert und überhaupt nichts mit der Realität an sich zu tun haben muss.
Die Quantenwelt verhält sich mitunter sehr verrückt und gegen unsere Erwartungen.
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| „Quasi ein herannahen und ein sich wieder entfernen. Wenn man der Theorie folgen mag und dem Glauben schenkt, daß in der Realität keine Farben existieren, ist der Mensch momentan anhand des Farbsehens der Realität so weit entfernt, daß das Pendel nach diesem Ausholen wieder zurückschwingt. Oder sich noch weiter entfernt. Wir sind dem ergeben.“ |
Und hier liegt, wie oben angedeutet, genau das Problem. In der Realität existieren keine Farben, das klingt als hätte jemand mal kurz die Tür zur Realität aufgemacht und nachgeschaut. In der Realität der Kuh gibt es kein „Gelb“, in der der Bienen gibt es „ultralviolett“ das man sehen kann, in der Realität der Tauben gibt es Magnetfelder und und und. Es gibt keine Realität, über die man was aussagen könnte, ohne jemanden der sie irgendwie wahrnimmt und irgendwie nimmt er sie eben immer wahr, oder da ist niemand, der was aussagen kann. Ich weiß schon was gemeint ist, wenn gesagt wird, dass Farben in der Realität nicht existieren, sondern erst von unserem Sehsystem zu Farben gemacht wird, aber das ergibt am Ende einen ganz komischen Realitätsbegriff. In dieser Realität gibt es nämlich kein blau (nur elektromagnetische Wellen), keine Liebe (nur Hormone, Neurotransmitter, Nervenimpulse), keine Geldautomaten, (nur ein Computer, Mechanik, Informationsaustausch) und das ergibt eine Realität die zum einen nichts mit dem was wir erleben zu tun hat und zum anderen vollständig von dem was wir erleben abhängig ist: denn es sind einfach bestimmte Sprachspiele, Übereinkünfte und Praktiken, die uns überhaupt erst auf die Idee kommen lassen, dass es in Wirklichkeit kein Blau oder keine Liebe oder keine Geldautomaten gibt. Wir haben die Möglichkeit von unserem Erleben zu abstrahieren und zu sagen, das was ich subjektiv empfinde, das kann ich auch objetkiv messen. Das geht zu einem gewissen Umfang ohne Zweifel, aber der nächste Schritt, aus dem was man messen kann und dem was man daraus anhand von intersubjektiven Absprachen und Übereinkünftien draus macht, nämlich das was man messen kann, als Realität zu beschreiben, die irgendeinen Vorrang vor dem hätte, was wir auch „ganz real“ wahrnehmen, das ist einfach ein Taschenspielertrick und der ist es, der am Ende zu so unsinnigen Formulierungen führt, wie der, dass eigentlich das Hirn entscheidet, weil es ein Ich ja gar nicht gibt, es kann nicht gemessen werden. Das Ich ist aber das was misst und auswertet, es ist das, was mit Welt umgeht, indem es Welt deutet und sich und anderen erklärt.
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| „Wie die Welt wirklich aussieht, das wissen wir nicht. Aber die Welt (als physikalische Realität) ist der Bezugspunkt, an dem sich die kausalen Entwicklungen orientieren.“ |
Und beides sind Konstrukte, abhängig von der Fähigkeit zur intelligenten Kommunikation und dem Wunsch seine Welt zu erforschen, die eigenen Position in der Welt bestimmen zu wollen.
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| „Das dürfte auch die Genetik betreffen, aber in diesem Falle spielen auch weitere Faktoren einander in die Hände. Dazu muß ich nicht unbedingt wissen, wie die Welt wirklich aussieht, damit die Entwicklungen im Gange bleiben.“ |
Man kann die Welt objektiveirend beschreiben, das ist nicht falsch, aber das ist nicht der einzige Weg und vor allem nicht der „richtigere“.
Gruß,
Carsten