Heideggers geheime Botschaft: "Gott existiert WEIL er unlogisch ist"

nachdenklich
Zitat:
Original von Amateur
Deine Antwort auf La Santa gefiel mir so gut, dass ich Dich auf den Lesethread von Thanasius Lakon aufmerksam machen wollte("Forum "Quellenstudium"), der demnächst beginnt.


Danke für die Einladung! Ich mach gern mit. Von Fromm hab ich bisher nur wenig gelesen und mich nie recht wohl dabei gefühlt. Vielleicht wird ja durch den Lesethread klarer, was da nicht stimmt bzw. faul ist.

Zitat:
Ich "hasse" Heidegger großes Grinsen


Warum?
Raoul
Hallo La Santa.

Zitat:
(Die Sprache Heideggers ist mir völlig unzugänglich. Mein Großvater versuchte sie mir "zu übersetzen" und dabei möglichst nahe beim Original zu bleiben. Ich gebe nun unumwunden zu, dass ich den Beweis nicht verstehe. Tatsächlich brauche ich ihn auch nicht, da ich bereits die Existent Gottes sicher spüre. Ich hoffe aber, dass er atheistische Philosophen nachdenken läßt. Vielleicht können mir auch ein paar Heidegger Experten helfen ?)

DAS unbelebt Seiende unterscheidet sich von DEM belebt Seienden, durch die Möglichkeit der Reflexion. Wer sich aber in Relation seiner Selbst setzen kann, beweist die Existenz der Abstraktion, mithin also die Existenz DES Abstrakten(als Idee) schlechthin. Wenn aber das Abstrakte als Idee des Abstrakten, zu sich selbst in Relation steht, existiert also die "Reflexion des Abstrakten". Dies aber steht im Widerspruch zur Voraussetzung, die ja behauptet, dass nur "lebendig Seiendes", reflektieren kann. Für Heidegger war aber wohl die Voraussetzung "selbst-setzend", denn die Fähigkeit zur Handlung der Reflexion bedeutet für ihn notwendig Lebendigkeit. Das Abstrakte handelt jedoch "als Idee", den die "Idee des Handelnden" ist nur Aspekt des Abstrakten. Aus dem logischen Widerspruch zeigt sich nun zunächst die Begrenztheit des Menschen und doch zugleich die Existenz des GLEICHZEITIG Lebendigigen und Unbelebten ! Dies muss dann aber Gott sein. .


Schön gelungen! Was denkst Du: Kann das Gleichzeitig Lebendige und Unbelebte überhaupt etwas Seiendes im Sinne von physikalisch messbar sein?
Im Abschnitt hierdrunter befasste ich mich vor einiger Zeit mit dem Gottesglaube, nämlich dass ER in der undimensionalen Mitte aller Materie wohnt und insofern von den HerrgottsVorstellungen 'im Himmel' wesensverschieden. Heidegger ist einer von einigen wenigen, die zu dieser kleinen Passage angeregt haben, so lehnt sie sich zwar nicht ausdrücklich an ihn, ich habe aber das Gefühl, dass Dein und mein Versuch sich in einigen Punkten berühren.


Gottesglaube ist angeboren

“Glaube“ ist die bewußte Feststellung daß man existiert eigen. Zu dieser Feststellung ist allein das ICH-Bewußtsein des Menschen befähigt, diese Instanz ist aber des Grundstoffs aller Zellen – also der ganzen “Belebten Natur“- immanent. Insofern hat der Gottesglaube zwei Wurzeln: eine unbewußte ‘intuitive‘ und die andere bewußt ‘rational‘; Letztere vermag logisch zu schließen, daß alles was existiert ein Anfang gehabt haben muß, aber nicht aus Nichts erstand; im Unterschied dazu ist das zu diesem Schluß befähigende PRINZIP vom Wesen her souverän, unerschaffen-unvergänglich, schöpferisch und weise; Sein ‘Geist‘ ist also aktiv d.h. lebendig; Solch’ ein lebendes, willentliches potentes Prinzip nennen wir “Gott, der Allmächtige“... Er ist der Schöpfung immanent, aber Er bleibt für sie pinzipiell ‘unfaßbar‘; Er hat aber ihr dialektisch-vernünftiges Denken derart entwickelt, daß wir dank dessen rational auf ihn zu schließen vermögen... Er selbst aber braucht nicht zu reflektieren, da er alles a priori weiß, so nennen wir sein Vemögen – um ihn sowohl von unserer Vernunft (mit ihren dialektischen Schlüssen) als auch unserem materialen Körper zu unterscheiden - “Weisheit“ ..



Zitat:
Natürlich wollte ich wissen, warum Heidegger nur meinem Großvater davon erzählt hatte. Die Antwort war damals, dass Heidegger "die Menschheit nicht reif, für einen solchen Gedankenschritt sah." (Mein Großvater vermutete aber auch, dass sich Heidegger um seine wissenschaftliche Reputation sorgte, natürlich war auch er, wie wir alle, nur ein Mensch, ich werfe ihm also wirklich nichts vor !).

Der Verlust einer wissenschaftlichen Reputation im Kreise einiger eifriger Atheisten mag noch verkraftbar sein. Aber ich finde es prinzipiell sehr unangenehm, im Grunde auch ethisch nicht vertretbar, anderen Menschen, die über ihre von Heideggers abweichenden Schöpfungs- oder kosmischen Anfangsbedingungen nicht diskutieren mögen, zu nahe zu treten.
Chris
Zitat:
Original von Raoul
Zu dieser Feststellung ist allein das ICH-Bewußtsein des Menschen befähigt, diese Instanz ist aber des Grundstoffs aller Zellen – also der ganzen “Belebten Natur“- immanent.

Ein Bakterium oder ein Baum haben kein Ich-Bewusstsein.

Zitat:
Original von Raoul
eine unbewußte ‘intuitive‘ und die andere bewußt ‘rational‘; Letztere vermag logisch zu schließen, daß alles was existiert ein Anfang gehabt haben muß, aber nicht aus Nichts erstand

Diese "rationale Wurzel" ist erst im Mittelalter entstanden. In der Antike und auch schon vorher war es in vielen Teilen der Erde und in vielen Kulturen ohne Zweifel klar und logisch, dass die Welt bzw. der Kosmos ewig ist und keinen Anfang hat. Übrigens ist die Aristoteles-Interpretation von Thomas von Aquin in der Hinsicht des unbewegten Bewegers falsch. Aristoteles hatte keine Fort-Bewegung von diesem Beweger vor Augen, sondern eine Hin-Bewegung.

Zitat:
Original von Raoul
im Unterschied dazu ist das zu diesem Schluß befähigende PRINZIP vom Wesen her souverän, unerschaffen-unvergänglich, schöpferisch und weise

Das sind Ansichten, die im 2.-4. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind und zu denen es intellektuell gesehen durchaus berechtigte Alternativen gibt, sofern Du nicht ausdrücklich versuchst, den Werdegang des christlichen Glaubensbekenntnisses zu referieren.

Zitat:
Original von Raoul
Solch’ ein lebendes, willentliches potentes Prinzip nennen wir “Gott, der Allmächtige“

Ach, herrlich, ich liebe die Formulierung "das nennen wir Gott". Ein wahrer Satz, auch wenn mich der Begriff "Prinzip" stört - aber ich will mal nicht zu streng sein.

Zitat:
Original von Raoul
Er ist der Schöpfung immanent, aber Er bleibt für sie pinzipiell ‘unfaßbar‘;

Hier bricht's dann weg ... worauf beziehst Du Dich, wenn Du schreibst, dass das, was wir Gott nennen, der Schöpfung immanent sei?

Zitat:
Original von Raoul
Er hat aber ihr dialektisch-vernünftiges Denken derart entwickelt, daß wir dank dessen rational auf ihn zu schließen vermögen

Da ich befürchte, dass Du diesen Satz anders verstehst als ich, würde ich Dich bitten, dazu vielleicht noch etwas mehr zu schreiben. Wie schließt Du rational auf Gott?

Zitat:
Original von Raoul
Er selbst aber braucht nicht zu reflektieren, da er alles a priori weiß, so nennen wir sein Vemögen – um ihn sowohl von unserer Vernunft (mit ihren dialektischen Schlüssen) als auch unserem materialen Körper zu unterscheiden - “Weisheit“

Wer ist hier das "Wir", von dem Du schreibst? Welche Position referierst Du dabei?
Raoul
Guten Tag Chris.

Zitat:
Wer ist hier das "Wir", von dem Du schreibst? Welche Position referierst Du dabei?

Meine. Wobei ich streng genommen mit meine die des Grundstoffs aller Zellen, aus denen ich bestehe, meine. Aus all den Zellen meiner belebten Natur erhellt sich das "wir", und wenn Du willst, rechne noch die einiger meiner Mitmenschen hinzu.

Zitat:
Diese "rationale Wurzel" ist erst im Mittelalter entstanden.

Du versuchst, meine rationale Wurzel auf mein Mittelalter zurück zu führen? Oder an wessen hast Du gedacht?

Zitat:
Ein Bakterium oder ein Baum haben kein Ich-Bewusstsein.

Das hängt - unserer Meinung nach - davon ab, was Du unter ICH-Bewusstsein verstehst, bzw. wessen Position Du referierst. Sofern ausdrücklich die des Christentums, würden wir Dir bestetigen, dass Du sie so weit korrekt wiedergibst, auch wenn wir seine Auffassung natürlich nicht teilen. Wir meinen mit ICH-Bewusstsein ein lebensnotwendiges Orientierungsvermögen, dessen Ergebnisse wir an Bäumen, Bakterien, Ei- und Spermienzellen in je eigentümlicher Weise beobachten können und das bei manchen der jüngst evolutionierten Arten von Lebewesen sehr stark zugenommen hat, allerdings nur quantitativ, der "Menge" nach. Und nur der Mensch, der dieser Menge nach mit Recht als die "Krone der Schöpfung" gilt, vermag sich als Geschöpf des Schöpfer zu verstehen... jedenfalls sehen wir uns in seinem Geiste eine Weile lang esistierend, so wie auch der Kosmos seit seiner Erschaffung in ihm evolutiv expandiert, um künftig wieder sein Ende zu finden.

Zitat:
In der Antike und auch schon vorher war es in vielen Teilen der Erde und in vielen Kulturen ohne Zweifel klar und logisch, dass die Welt bzw. der Kosmos ewig ist und keinen Anfang hat.

Das dachten Einstein und wir ursprünglich auch, er und wir haben diese Position aber bald aufgegeben. Unsere überholte “Steady state cosmology“ mag also in sich logisch gewesen sein, sie macht aber eine nicht notwendige Zusatzkomponente erforderlich (die Kosmologische Konstante, die Einstein als "meine größte Esellei" aus seiner Gravitationstheorie wieder verscheuchte) und deckt sich auch nicht überein mit den Befunden, die die Teleskope liefern. Das All scheint vom Betrachter aus gleichmäßig in alle Richtungen zu expandieren, so müsste diese Fluchtbewegung einen Anfang haben, der sich im exakten Mittelpunkt jedes Betrachters befindet, egal wo und wann er im Kosmos lebt. Die Frage, was diesen "Punkt" - der an sich keine Dimensionen 'besitzt' - erschaffen haben mag, erzeugt einen unendlichen Regress (Suche nach der Ursache oder Schöpfer des Punktes, dem Schöpfer des Schöpfers usf.), d.h. wir können nur fragen, was die Allexpansion erstmals angestossen hat. Dafür haben wir bislang lediglich zwei brauchbare, komplementäre Hypothesen entdeckt: einerseits der nackte Zufall (gut geeignet zur Errichtung der modernen Physik, da sie keinen `Geist in den Atomen' und Bakterien benötigt) und anderseits das lebende, willentliche potente Prinzip "Gott der Allmächtige", und der würfelt nicht. Physik bewegt sich von ihm fort, Menschlichkeit auf ihn zu...

Zitat:
Übrigens ist die Aristoteles-Interpretation von Thomas von Aquin in der Hinsicht des unbewegten Bewegers falsch. Aristoteles hatte keine Fort-Bewegung von diesem Beweger vor Augen, sondern eine Hin-Bewegung.

Solchen Irrtum trauen wir Thomas durchaus zu. Ob aber fort oder hin hängt - glauben wir - von den Fragen ab, mit denen sich das ICH-Bewusstsein des Menschen beschäftigt, bzw. ist es eine Sache der Perspektive, oder der Absichten, die das ICH jeweils verfolgt. Darüber sollte es sich im klaren sein, wenn es versucht, mit anderen Ichs zu einer Übereinkunft zu gelangen oder deren Positionen zu interpretieren. Uns z.B. stellte sich beim Interpretationsversuch der Allexpansionshypothese die Frage, wohin eigentlich diese Fluchtbewegung erfolgt, dabei stießen wir an die sog. "Hintergrundstrahlung", die als mitlerweile stark abgekühltes, nur noch schwach nachhallendes Echo des ultraheissen Urknalls gilt und das All wie eine Art ständig größer, (k)älter werdender Schirm umhüllt. Hinter dieser kugelförmigen 'Umhüllung` des Alls ist aber nach unserer unerschütterlichen Überzeugung nicht "Nichts" und das All wiederum entsprang 'aus' unserem eigenen Mittelpunkt, der genausowenig Nichts ist und auch nichts Vorstellbares enthält, so sind 'heißer Punkt' und 'kalte Hülle' offenbar nur 2 extremst entgegengesetzte Perspektiven oder Pole, anhand derer oder zwischen denen unsere Vernunft reflektiert, Gott aber denkt nicht rational, wie wir. Aristoteles' unfehlbar denkender Unbewegter Beweger trifft das auch sehr genau, für ihn war Menschlichkeit auch das Primäre...die 'Metaphysik' war also ein Mittel zum Zweck der Nicomachischen Ethik, in der es um das "Glück" geht, nicht um Mechanik.

Zitat:
Wie schließt Du rational auf Gott?

Wonach fragst Du beim "wie"? Woraus, teilten wir eingangs mit, heißt das, dass Du Dich nach der Funktion meines bewussten "rationalen" Denkens erkundigst? Dem Wie meiner Logik?

Zitat:
Zitat:
Er ist der Schöpfung immanent, aber Er bleibt für sie pinzipiell ‘unfaßbar‘;

Hier bricht's dann weg ... worauf beziehst Du Dich, wenn Du schreibst, dass das, was wir Gott nennen, der Schöpfung immanent sei?

Auf meine Schlüsse bzw. auf die Beziehung zwischen mir als Geschöpf und meinen undimensionalen, unbewegt alles Gute erschaffenden MittelPunkt. Da unmittelbarst vor ihm notwendig alle meine logischen Operationen 'wegbrechen' (wir gelangen maximal bis zu den 2 o.g, 'Antinomien', in denen sich alles uns Vorstellbare Erschaffene konstituiert), fragen wir uns, ob Du mit Deiner Logik vielleicht etwas zu 'begreifen' versuchst, das von unserer nicht zu begreifen ist? Liegt das nun daran, dass Deine und unsere Logik nach dem selben Prinzip funktionieren, oder haben wir nur etwas entscheidendes übersehen, das Du gleich begreifen wirst?
Chris
Zitat:
Original von Raoul
Meine. Wobei ich streng genommen mit meine die des Grundstoffs aller Zellen, aus denen ich bestehe, meine. Aus all den Zellen meiner belebten Natur erhellt sich das "wir", und wenn Du willst, rechne noch die einiger meiner Mitmenschen hinzu.

Dir ist schon klar, dass dieser "Grundstoff", von dem Du schreibst, eine subjektive Intpretation und Projektion der Erfahrung Deiner Person als ein "Ich" ist?! Und was meinst Du mit "erhellt" sich das "Wir"?

Zitat:
Original von Raoul
Du versuchst, meine rationale Wurzel auf mein Mittelalter zurück zu führen? Oder an wessen hast Du gedacht?

Ich dachte an das Hochmittelalter - also grob das, was Historiker mit diesem Begriff bezeichnen.

Zitat:
Original von Raoul
Das hängt - unserer Meinung nach - davon ab, was Du unter ICH-Bewusstsein verstehst, bzw. wessen Position Du referierst.

Eigentlich nicht. Ich-Bewusstsein bedeutet, dass Du Dir Deiner selbst als Person bewusst bist. Daher setzt ein Ich-Bewusstsein selbstreflektiertes Denken voraus. Das aber ist ein Punkt, an dem Bäume und Bakterien bedauerlicherweise scheitern. Das hängt mit deren Hirnstruktur zusammen, glaube ich.

Zitat:
Original von Raoul
Sofern ausdrücklich die des Christentums, würden wir Dir bestetigen, dass Du sie so weit korrekt wiedergibst, auch wenn wir seine Auffassung natürlich nicht teilen.

"Das Christentum" hat keine originäre philosophische Position zum Ich-Bewusstsein. Aber genügend andere kluge Menschen, die wenigstens in diesem Punkt zu einem Konsens gelangt sind.

Zitat:
Original von Raoul
Wir meinen mit ICH-Bewusstsein ein lebensnotwendiges Orientierungsvermögen, dessen Ergebnisse wir an Bäumen, Bakterien, Ei- und Spermienzellen in je eigentümlicher Weise beobachten können und das bei manchen der jüngst evolutionierten Arten von Lebewesen sehr stark zugenommen hat, allerdings nur quantitativ, der "Menge" nach.

Was ihr (Du und Deine Zellen?) unter "Ich-Bewusstsein" versteht, hat weder etwas mit "Ich", noch etwas mit "Bewusstsein" zu tun. Bäume und Bakterien handeln nicht bewusst, sondern sie "handeln" aufgrund chemischer und physikalischer Notwendigkeiten.

Zitat:
Original von Raoul
jedenfalls sehen wir uns in seinem Geiste eine Weile lang esistierend, so wie auch der Kosmos seit seiner Erschaffung in ihm evolutiv expandiert, um künftig wieder sein Ende zu finden.

Ah, Du versuchst, Deine Gottesvorstellung empirisch nachvollziehbar zu machen. Pass nur auf, dass Du sie dabei nicht überflüssig machst.

Zitat:
Original von Raoul
und das All wiederum entsprang 'aus' unserem eigenen Mittelpunkt, der genausowenig Nichts ist und auch nichts Vorstellbares enthält

Was meinst Du hier mit "unserem eigenen Mittelpunkt"? Soll das eine Art Solipsismus werden?

Zitat:
Original von Raoul
Wonach fragst Du beim "wie"? Woraus, teilten wir eingangs mit, heißt das, dass Du Dich nach der Funktion meines bewussten "rationalen" Denkens erkundigst? Dem Wie meiner Logik?

Hat sich erledigt.

Zitat:
Original von Raoul
Dafür haben wir bislang lediglich zwei brauchbare, komplementäre Hypothesen entdeckt: einerseits der nackte Zufall (gut geeignet zur Errichtung der modernen Physik, da sie keinen `Geist in den Atomen' und Bakterien benötigt) und anderseits das lebende, willentliche potente Prinzip "Gott der Allmächtige", und der würfelt nicht. Physik bewegt sich von ihm fort, Menschlichkeit auf ihn zu...

Mir erschließt sich noch eine dritte Möglichkeit als sehr sinnvoll. Nämlich die, dass es logisch notwendig ist, dass etwas (und nicht nichts) existiert. "Das Nichts" und "das All" sind absolute Begriffe, die ihren jeweiligen Gegensatz durch sich selbst ausschließen. Wir sehen, dass "etwas" ist. Aber auch "etwas" kann nicht im Gegensatz zum "All" oder "Nichts" stehen, also muss es innerhalb von beidem existieren. Das ginge aber nur, wenn das All und das Nichts das gleiche wären. Das "Etwas" aber ist die notwendige Ausdifferenzierung des Alls. Somit existiert ständig alles und jede logische Möglichkeit im All bzw. Nichts.
Na ja, für mich zumindest ist das logisch. Hoffe, ich konnte es erklären.
Reinhard
Zitat:
Das All scheint vom Betrachter aus gleichmäßig in alle Richtungen zu expandieren, so müsste diese Fluchtbewegung einen Anfang haben, der sich im exakten Mittelpunkt jedes Betrachters befindet, egal wo und wann er im Kosmos lebt.


Hallo Raoul, welch eine Sensation diese Einsicht. Dann ist mein Schwerpunkt, der sich als statisches Grundelement wie der Mittelpunkt einer kreisrunden Scheibe, unter bestimmten Bedingungen bestimmen lässt, also der Mittelpunkt des Universums. Da sollte ich mich am besten gar nicht bewegen, um das All nicht ins Schwanken zu bringen. Ist es nicht vielmehr so, dass der Mittelpunkt des Alls genau an der Schnittstelle von Unmittelbarkeit und Mittelbarkeit liegt, also selber wieder ein Verhältnis ist, das sich zu anderen Verhältnissen verhält und so fort? Diese " Flucht " kann nach allem Dafürhalten doch nur aus Angst geboren sein und Angst verleitet nun mal zu Verzweiflungstaten.

Betrachten können immer nur Erkennende und die unterliegen selber immer wieder dem Ganzheitsprinzip. Oder handelt es sich beim Betrachter vielleicht um gar kein Subjekt, sondern um ein quasi objektiviertes Subjekt, dass ich beliebig benutzen kann, ohne mich an die Voraussetzungen binden zu müssen, die das Erkennen selbst erst zum Erkennen macht? Na, dann könnte ich diese Beliebigkeit ja gleich zum Mittelpunkt des Kosmos machen.

Oder ist es nicht doch eher so, dass der Begriff Kosmos mir ja schon ein geschlossenes System vorgibt und ich gar nicht anders kann, als dieser Vorgabe zu folgen? Der Raum ist und bleibt unendlich, da beisst die Maus keinen Faden ab, oder hat ihn sich schon mal jemand wegdenken können?

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Nik
Ich bestreite Heideggers direkte, aussprechbare Bezugnahme auf (einen) Gott.

Die Immanenz menschlichen Daseins ist zu sehr vollkommen, um daraus den Blick auf ein Absolutes richten zu können.
Reinhard
Zitat:
Die Immanenz menschlichen Daseins ist zu sehr vollkommen, um daraus den Blick auf ein Absolutes richten zu können.


Die Transzendenz göttlichen Seins ist zu wenig vollkommen, um daraus den Blick auf ein absolut Vollkommenes richten zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Gut !
Raoul
Zitat:
Zitat:
Original von Raoul Dafür haben wir bislang lediglich zwei brauchbare, komplementäre Hypothesen entdeckt: einerseits der nackte Zufall (gut geeignet zur Errichtung der modernen Physik, da sie keinen `Geist im Atom' und Bakterium benötigt) und anderseits das lebende, willentliche potente Prinzip "Gott der Allmächtige", und der würfelt nicht. Physik bewegt sich von ihm fort, Menschlichkeit auf ihn zu
...
Original von Chris Mir erschließt sich noch eine dritte Möglichkeit als sehr sinnvoll. Nämlich die, dass es logisch notwendig ist, dass etwas (und nicht nichts) existiert. "Das Nichts" und "das All" sind absolute Begriffe, die ihren jeweiligen Gegensatz durch sich selbst ausschließen. Wir sehen, dass "etwas" ist. Aber auch "etwas" kann nicht im Gegensatz zum "All" oder "Nichts" stehen, also muss es innerhalb von beidem existieren. Das ginge aber nur, wenn das All und das Nichts das gleiche wären. Das "Etwas" aber ist die notwendige Ausdifferenzierung des Alls. Somit existiert ständig alles und jede logische Möglichkeit im All bzw. Nichts. Na ja, für mich zumindest ist das logisch. Hoffe, ich konnte es erklären.

Sofern Dein "All" und Dein "Nichts" Synonyme für das wären, was ich mit dem 'kugelförmigen Schirm` und dem 'undimensionalen Punkt' meine, stimme ich Dir darin zu, dass "das All und das Nichts" verschiedene, und zwar extrem entgegengesetzte 'antinomische' Sichtweisen auf "das gleiche wären". Das "Etwas" als notwendige, sowohl logisch wie sinnlich zugängliche Ausdifferenzierung von "das gleiche" muß also "innerhalb von (das gleiche) existieren"...

Zitat:
Zitat:
Original von Raoul: jedenfalls sehen wir uns in seinem Geiste eine Weile lang exsistierend, so wie auch der Kosmos seit seiner Erschaffung in ihm evolutiv expandiert, um künftig wieder sein Ende zu finden.

Original von Chris: Ah, Du versuchst, Deine Gottesvorstellung empirisch nachvollziehbar zu machen. Pass nur auf, dass Du sie dabei nicht überflüssig machst.

Ich versuche bei La Santas Thema zu bleiben bzw. mir deutlich zu machen, dass ein fundierter Gottesbegriff - als Schöpfer des Kosmos bzw. Urheber des Urknalls - tatsächlich kein etwas zum Gegenstande haben kann, dass logisch und der Empirie zugänglich ist. Demnach ist Gott als 1. Ursache aller logischen wie empirischen Existenz für unser bewusstes "rationales" Denken prinzipiell unfassbar... aber ich habe das Gefühl, dass ich nun nichts mehr unternehmen darf, was geeignet wäre, von La Santas letzten an Dich gerichten Frage abzulenken.

Zitat:
Von La Santa an Dich: Lieber Chris !
Zitat:
Zitat: wie Dein Großvater anmerkt, bedeutete speziell für Heidegger "die Fähigkeit zur Handlung der Reflexion notwendig (...) Lebendigkeit". Dein Großvater scheint es mir etwas zu stark betont zu haben und hat daraus Schlüsse gezogen, die nur innerhalb von seiner Interpretation von Heideggers Sprache Sinn ergeben.
Wie würdest Du es interpretieren ? liebe Grüße

Für Deine wertvollen Anregungen meinen herzlichen Dank!
Raoul
Zitat:
Hallo Raoul, welch eine Sensation diese Einsicht. Dann ist mein Schwerpunkt, der sich als statisches Grundelement wie der Mittelpunkt einer kreisrunden Scheibe, unter bestimmten Bedingungen bestimmen lässt, also der Mittelpunkt des Universums. Da sollte ich mich am besten gar nicht bewegen, um das All nicht ins Schwanken zu bringen. Ist es nicht vielmehr so, dass der Mittelpunkt des Alls genau an der Schnittstelle von Unmittelbarkeit und Mittelbarkeit liegt, also selber wieder ein Verhältnis ist, das sich zu anderen Verhältnissen verhält und so fort? Diese " Flucht " kann nach allem Dafürhalten doch nur aus Angst geboren sein und Angst verleitet nun mal zu Verzweiflungstaten. Betrachten können immer nur Erkennende und die unterliegen selber immer wieder dem Ganzheitsprinzip. Oder handelt es sich beim Betrachter vielleicht um gar kein Subjekt, sondern um ein quasi objektiviertes Subjekt, dass ich beliebig benutzen kann, ohne mich an die Voraussetzungen binden zu müssen, die das Erkennen selbst erst zum Erkennen macht? Na, dann könnte ich diese Beliebigkeit ja gleich zum Mittelpunkt des Kosmos machen. Oder ist es nicht doch eher so, dass der Begriff Kosmos mir ja schon ein geschlossenes System vorgibt und ich gar nicht anders kann, als dieser Vorgabe zu folgen? Der Raum ist und bleibt unendlich, da beisst die Maus keinen Faden ab, oder hat ihn sich schon mal jemand wegdenken können? Mit freundlichen Grüßen Reinhard


Der Kosmos wird aus Gottes Bedürfnis nach Selbsterkenntnis erschaffen - man könnte auch sagen, aus "Not" (um beim Telltale'schen Superlativ des selben? zu bleiben) - und dürftest Du Recht haben, dem Eindruck einer Fluchtbewegung seines ersten Geschöpfs müsste Angst zugrunde liegen. Ob jede Flucht aus Verzweiflung erfolgt, mag dahingestellt bleiben (ich für meinen Teil entfliehe aus Einsicht jenen Gefahren, denen ich nicht gewachsen bin), aber das war Dein Einfall, nicht meiner. Und weil im Kosmos alles relativ ist - ebenfalls die Möglichkeit besteht, eigene Empfindungen unbewusst auf das unbelebte All zu projizieren -, fände ich die Frage wichtig, ob nicht statt des in Gott implosiv an seinen Anfang zurück expandieren Kosmos, Du selbst auf der verzweifelen Flucht vor dem göttlichen Mittelpunkt im Grunde Deiner Seele sein könntest? Verstehe mich bitte nicht falsch, mir liegt nichst daran, Dir ein Gespräch über Dinge aufzudrängen, die niemandem außer Dich selbst etwas angehen. Ich bin nur überzeugt davon, dass Gott von unserer Ignoranz ihm gegenüber unmöglich erlöst werden kann, wenn wir uns nur mit den sensationellen Einsichten unseres bewusst-"rationalen" Denkens befassen.
Reinhard
Hallo Raoul, danke für die Antwort. Ich lass sie mal so stehen.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Dante
Wieso das viele gegrübel, schaut euch doch nur das Münchhausen-Trilemma an. Jeder versuch der Beweisbarkeit endet letztendlich in widersprüchen.

Dante smile