| Zitat: |
Original von Tarvoc
Wobei ich nicht so ganz weiss, woher hier das "Selbst" kommen soll. |
Um das Selbst geht es in allen Mysterienschulen, in denen die Freiheit als Wert gilt. Die Freiheit ist eng mit der Wahrheit verbunden (vgl. Joh 8,32). Das Gegenteil ist die Versklavung und Entindividualisierung von Menschen auf Lügenbasis.
| Zitat: |
| Mal von dem kleinen, aber wichtigen Detail abgesehen, dass da sein steht und nicht werden. |
Das ist mir auch schon aufgestoßen.
Esesthe ist die 2. Pers. Pl. Fut. Akt. von
eimi. Von daher müßte man eigentlich übersetzen: "Ihr werdet Vollkommene sein ..."
Eimi kann man u.a. auch mit "existieren, leben, fortbestehen, wirklich sein, wahr sein, gelten" übersetzen. Insofern könnte man eine Endzeitprophezeiung vermuten.
Doch ich kenne nur imperativische Übersetzungen:
estote (Vulgata), "ihr sollt sein" (Luther, Dietzfelbinger, Einheitsübersetzung, Neue-Welt-Übersetzung), "seid" (Herder-Bibel) - und eine präsentische: "
Be ye therefore perfect" (King James Bible). Interessant: "Ihr sollt dem Weiheziel nahekommen, wie euer Vater in den Himmeln der Inbegriff aller Weiheziele ist" (Emil Bock: Das neue Testament, 3. Aufl., Stuttgart 1985).
Die Erklärung dafür steht in der Grammatik des neutestamentlichen Griechisch von Blass/Debrunner/Rehkopf (16. Aufl., Göttingen 1984): Im NT kommt der Imperativ
este gar nicht vor, nur im 1. Klemensbrief (45,1). Dafür steht
esesthe (s.a. Mt 6,5) (§ 98 ). "Im Ind.Fut. werden (statt Imperativ oder Konjunktiv) in der Gesetzessprache des AT die strikten Gebote und Verbote gegeben" (§ 362).
Dann steht da noch die Partikel
oun = also. Sie suggeriert eine Schlußfolgerung aus dem Vorhergehenden, die aber inhaltlich nicht gegeben ist (Partikel bleiben im Griechischen häufig unübersetzt).
Ob Deine Kritik an meiner Interpretation wegen des fehlenden Plurals "eure Väter " berechtigt ist, weiß ich nicht. Im Deutschen sagt man ja: Fahrt (Plural) doch mit dem Auto (Singular)! Gemeint ist: Jeder fährt mit seinem Auto. Oder: Geht nach Hause! Gemeint ist: Jeder geht in seine Wohnung.
Wenn Deine Kritik stimmt - muß man dann annehmen, daß Jesus einen anderen himmlischen Vater hatte als wir Menschen alle zusammen?