Zukunft

Ergo
meine Frage an die "Philosophen", ... wohin geht die nächste Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung?
Was wir bisher hatten:
Urgesellschaft, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, gescheiterter Sozialismus, wieder nur Kapitalismus, .... und wie gehts weiter???
Tarvoc
Es ist nicht ganz so einfach mit der linearen Abfolge von Stufen. Etwa unterscheiden sich der antike orientalische Despotismus und die griechische Stadtstaatenwelt ganz massiv voneinander, auch auf wirtschaftlicher Ebene, obwohl das Rückgrat beider die Sklavenarbeit war. Wenn man sich den fernen Osten oder z.B. Indien (dessen altes Kastensystem keineswegs auf einen bloßen Feudalismus reduzierbar ist) anschaut, wird's sogar noch komplizierter. Auch der Kapitalismus selbst ist keineswegs einheitlich, sondern reproduziert die ihm vorausgehenden Formen des Wirtschaftens (Feudalismus, Sklavenhaltung und sogar Stammesgesellschaften) überall da, wo sie lukrativ sind (also vor allem in technologisch rückschrittlichen Weltgegenden). Von einer notwendigen linearen Abfolge historischer Formen der Entwicklung kann gar keine Rede sein. (Und das wird übrigens weder von Marx noch vom Marxismus in dieser Form behauptet, sondern ist bestenfalls hegelianisch.)

Hinzu kommt noch, dass unsere ganze Bezugnahme vergangener Formen von unserer gegenwärtigen Begrifflichkeit und unseren materiellen Interessen geprägt ist. Zu dem Thema empfehle ich u.A. "Unthinking Social Science" von Immanuel Wallerstein.
mark
Zitat:
Original von Tarvoc
Es ist nicht ganz so einfach mit der linearen Abfolge von Stufen. Etwa unterscheiden sich der antike orientalische Despotismus und die griechische Stadtstaatenwelt ganz massiv voneinander, auch auf wirtschaftlicher Ebene, obwohl das Rückgrat beider die Sklavenarbeit war.

und das nicht ohne grund... roll
Tarvoc
Man geht heute davon aus, dass die Arbeiter, die die Pyramiden erbauten, zumindest im Alten Reich größtenteils freie Ägypter waren, denen Löhne gezahlt wurden, und nicht Sklaven. Nebenbei gefragt: Wer braucht schon Pyramiden? roll
Schneemann
Zitat:
Original von Tarvoc
Man geht heute davon aus, dass die Arbeiter, die die Pyramiden erbauten, zumindest im Alten Reich größtenteils freie Ägypter waren, denen Löhne gezahlt wurden, und nicht Sklaven.

Alles darwinistische Propaganda. Tatsächlich haben Dinosaurier die Pyramiden gebaut.
http://www.freerepublic.com/focus/news/2066478/posts
ewig
Gegenwärtig befindet sich die westliche Hemisphäre auf einem guten Weg, ihre Demokratien zunehmend auszuhöhlen und in defekte Republiken (=verdeckte Oligarchien) umzuwandeln, in denen Kapitalkonzentrationen und Meinungshegemonien die künftigen politischen Entscheidungen de facto lenken werden. Deutschland ist innerhalb dieser Entwicklung zwar ein Nachzügler, aber die gegenwärtige Regierung spielt dem Prozess besonders in der Sache der Kapitalkonzentration massiv in die Hände und unternimmt im übrigen auch rein gar nichts bezüglich des anderen Problems, das sich in unserer ausgehenden Dekade zunehmend verschärft hat. Diese Einschätzung ist beispielsweise bereits sechs Jahre alt. Das folgende sind gesellschaftliche Entwicklungen, die in dieser Kipp-Phase von statten gehen (sofern die Umwandlung halbwegs ruhig abläuft).

1) Gesetzesänderungen schaffen schleichend, aber in zunehmendem Maße Vorteile für die Kapital- und Meinungs-Oligarchen sowie (im Anschluß) für die politische Klasse. (Fiskalische Bevorteilung; Abschaffung von Rechtfertigungszwängen oder schlichtes nicht-genügen von Rechtfertigungs-Pflichten)
2) Innerhalb der politischen Entscheidungsprozesse und der fiskalischen Ordnung wird Transparenz abgebaut. (Kritik ist für die Entscheider vom Dienst ebenso wie für die sich auf Kosten der Mehrheit Bereichernden stets unbequem; durch den Abbau von Prüfungsinstanzen und Prüfungsgelegenheiten kann man immerhin dafür sorgen, daß Kritik immer weniger substanziellen Halt hat. Dies unterspült im übrigen auch juristische Interventions-Möglichkeiten, da diese von der Nachweisbarkeit abhängig sind.)
3) Infolge des vorigen Punktes weiten sich Gelegenheit für und Inanspruchnahme für verdeckte Privat-Kooperationen politischer und wirtschaftlicher Akteure (=Korruption) geometrisch aus.
4) Kritik an realen un- und antisozialen bzw. un- und antidemokratischen Entscheidungen wird zu einem Kampf auf verlorenem Posten, da einerseits die politische Klasse ihrer Rechenschaftspflicht nur noch in substanzlosen Phrasen genügt, und andererseits Korruptionsskandale durch die ansteigende Häufigkeit der Vorfälle und die immer höhere Stellung der Beteiligten in zunehmendem Maße als unabwendbar bis normal empfunden werden. (Ein zu wenig an Realismus und zu viel an Paranoia innerhalb der Bevölkerung spielt dieser Entwicklung in der Vorphase übrigens auch in die Hände, da hierdurch die Ohnmachtsstarre vorverlegt wird zu einem Zeitpunkt, an dem sich (vielleicht) noch gegensteuern läßt.)
5) Die Konzentration medialer Meinungsprägung wird sich auswachsen bzw. ist im Begriff, den größten Hemmungsfaktor, die Führungsrolle der öffentlich-rechtlichen Medien auf dem Gebiet der Information (als genuin von Privat- und Partikularinteressen unabhängig), zu überwinden. Sind die ÖRs erst einmal marginalisiert worden, kann man im Grunde nur noch zuschauen und braucht - verkürzt ausgedrückt - nur die plÖt-Zeitung einzushoppen, um Bundespräsident zu werden. (Diese Entwicklung wird übrigens befördert von Personen, welche die öffentlich-rechtlichen Medien bereits heute als Sprachrohr der Regierung (oder ferngesteuert durch irgendeine Meinungsmacher-Gruppierung) ansehen. Mein Kontrapunkt hierzu: Jedes x-beliebige politische Magazin in diesen Medien beweist bis heute das Gegenteil (also zumindest Regierungs-Unabhängigkeit) in dem Ausmaß, in dem es staatliche und Regierungsarbeit sowie verdeckte Machenschaften von Partikularinteressen aufs Korn nimmt, wo immer das Not tut. Es ist ein einfacher Lackmus-Test: Wird in den ÖRs irgendetwas systematisch nicht ins Visier genommen, das auf der Basis eine freiheitlich-demokratischen, rechtlich getragenen und sozialen Gesellschaft problematisch wäre? Falls ja, worum handelt es sich? Falls nein, spielen Stimmen, welche die ÖRs als Informationsmedien für unbrauchbar bis problematisch erklären, leider dem Abbau demokratischer Institutionen in die Hände.)
6) Die Polizei wird zunehmend eine Gruppe, die ausschließlich in Auseinandersetzungen mit Vertretern der ärmeren Volksschichten und mit Bürgerrechtlern beobachtet werden kann. Das liegt aber nicht daran, daß Polizisten Faschisten wären oder irgendwelchem ähnlichen Unsinn. Das liegt daran, daß die Polizei a) ihrer Mittel der systematischen Überprüfung der politischen und finanzstarken Gesellschaftsgruppierungen durch die Entwicklungen von Punkt 1) und 2) beraubt werden; zweitens daran, daß sie b) von den Entscheidungsträgern gegen jenen unbequeme Figuren der Öffentlichkeit (z.B. Bürgerrechtler oder idealistische Journalisten) instrumentalisiert werden, wenn sich dafür gute Gelegenheiten bieten und c) daran, daß sich die Armut auswächst, was einen Anstieg Armuts-bedingter Kriminalität zur Folge hat. (Auch hier wieder die Anmerkung, daß Sichtweisen, welche die heutige Rolle der deutschen Polizei bereits als "Handlanger des Faschismus" oder Teil des Problems brandmarken der Entwicklung zu einem reellen Faschismus ausschließlich in die Hände spielen.)
7) Das Rechtssystem erlebt eine Parallelentwicklung zur Polizei und wird später in der Phase der etablierten Oligarchie eine gehobene Rolle für die Konflikte zwischen den Oligarchen spielen.

Punkt 6 und 7 der Umwandlung befinden sich gegenwärtig in ihrem Anfangsstadium. Was Punkt 5 anbelangt, ist er derjenige, auf welchem Anstrengungen der Gegensteuerung derzeit am besten investiert wären, da die Entwicklungen in der Medienlandschaft derzeit hochbrisant sind (z.B. sind die ÖRs seit kurzem gegenüber Privatmedien bei der Archivierung von Inhalten im Netz systematisch benachteiligt, was eigentlich ein vollkommenes Unding ist und dem Interesse der Gesamtbevölkerung an einem nicht-Interesse-verzerrten Gemeinschaftsarchiv offen ins Gesicht spuckt) und sich vor allem auch ein einmal etabliertes Medienmonopol nicht mehr aufsprengen läßt. (Meines Wissens hat dieses Problem noch nicht einmal eine der großen Parteien auf dem Radarschirm, was es so brandgefährlich macht. (bzw. die FDP als Anwälte der Privatmedien schon, aber mit grundverkehrter Zielpeilung))

Ich behaupte im übrigen, daß mindestens einige dieser Dinge sich auch messen lassen, indem man Vorfälle mit bestimmter Qualität durchzählt (z.B. "Wo wird verschwindend kleinen Partikularinteressen unter Punkt 1) wie häufig zugearbeitet?") und für verschiedene Zeiträume vergleicht. Leider waren aber statistische Aussagen noch niemals so wertlos wie heute, wo man die Kunst restlos beherrscht, sich seine Definitionen und Qualitätskriterien so zu wählen, daß stets das gewünschte Ergebnis herauskommt und wo von Privatmedien ohnehin nur veröffentlicht wird, was deren Standpunktepolitik nicht widerspricht.

Wenn sich die gegenwärtigen Entwicklungen nicht umkehren (und ich sehe eigentlich in keiner der Parteien dafür irgendwelche Ansätze, so daß man darauf leider nicht rechnen sollte), werden wir in den Zwanzigern in Putin-Rußland oder B**sconi-Italien leben, wo sich Medienmonopol und politische Hauptmacht im Vordergrund auf eine einzelne Person vereinigen. Diese Struktur wird dann ungefähr so viel Demokratie sein wie das römische Prinzipat noch Republik war: Nur dem Namen nach.
Ergo
@Tarvoc

die vereinfachte lineare Abfolge wählte ich deshalb, weil sie bei diesem Thema nur am Rande Wichtigkeit hat.

Leider Thema verfehlt.

@ewig

sehr interessante Zusammenfassung/Sichtweise und Nahbereichsfuture, ...

Doch auch du hast nicht verstanden, dass es mir nicht ging um die verschiedenen Formen und Gestaltungsmöglichkeiten der derzeitigen Gesellschaftverhältnisse, sondern um realistische Gesamtentwicklungen aus dem Imperialismus heraus, .... oder glaubt ihr bis in alle Ewigkeit werden wir in Variationen heutiger Verhältnisse leben? Sind die Menschen wirklich schon so weit manipuliert, dass sie an Umgestaltungen in epochaler Form nicht mehr glauben?

Wo steht die Gesellschaft in 50, 100, oder 200 Jahren?
Amateur
Hallo Ergo !


Die Zukunft ist lang ...
(meinst Du also die "nähere" oder eine "allgemeine Tendenz" in die Ewigkeit gedacht )
... und die Entwicklung, wie schon von Anderen gesagt, nicht linear.

Hinzukommt, dass Vieles nur überwunden scheint:
Sklaventum, im Sinne eines angeketteten Schwarzen im Vorgarten, ist sicher kaum noch möglich. Aber verdeckter Menschenhandel findet heute in riesigem Ausmaß statt. Auch ist der für einen Hungerlohn an westlichen Produkten arbeitende Inder, ein "abstrakter Sklave".

Ich erkenne also gar keine Tendenz, die ich für eine Antwort auf Deine Frage nutzen könnte.


Ich hätte aber einen Einwand:
Zitat:
[...] gescheiterter Sozialismus, [...]

Spätestens wenn Griechenland pleite seien wird, müßte dieses Attribut auch auf den Kapitalismus angewendet werden.

Ich halte aber Beides für falsch:
- nicht der Sozialismus, sondern eine ihn im Namen führende Diktatur scheiterte.
- nicht der Kapitalismus wird scheitern, sondern ein Roulett der Wahnsinningen, mit fiktiven Werten, ohne realwirtschaftlichem Hintergrund.


Gruß Andreas
Sun Deluge
Zitat:
Urgesellschaft, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, gescheiterter Sozialismus, wieder nur Kapitalismus, .... und wie gehts weiter???

In der Zukunft werden keine Syteme existieren.
mark
Zitat:
Original von Tarvoc
Man geht heute davon aus, dass die Arbeiter, die die Pyramiden erbauten, zumindest im Alten Reich größtenteils freie Ägypter waren, denen Löhne gezahlt wurden, und nicht Sklaven. Nebenbei gefragt: Wer braucht schon Pyramiden? roll
Also jetzt sag bloß noch, du kommst ohne Pyramide zurecht...
ewig
Zitat:
Original von Ergo
Doch auch du hast nicht verstanden, dass es mir nicht ging um die verschiedenen Formen und Gestaltungsmöglichkeiten der derzeitigen Gesellschaftverhältnisse, sondern um realistische Gesamtentwicklungen aus dem Imperialismus heraus

Sie fragten nach der "nächsten Stufe" und die chronologisch nächste Stufe wird meines Erachtens ein Schritt rückwärts sein.

Zitat:
... oder glaubt ihr bis in alle Ewigkeit werden wir in Variationen heutiger Verhältnisse leben? Sind die Menschen wirklich schon so weit manipuliert, dass sie an Umgestaltungen in epochaler Form nicht mehr glauben?

Mein heißester Tip für eine radikal neue Ordnung wäre eine Beschäftigung mit dem Transhumanismus. Dort ist man der Ansicht, daß ein Durchbruch im Bereich KI, Cybernetik und Bionik die Interessen der ersten Intelligenzen mit überragend ausgestatten kognitiven Fähigkeiten sehr weit vom Rest der übrigen Bevölkerung entfernen wird. Man kann das Resultat, sollte das so über uns kommen, aber auch leicht als eine neue Form des Faschismus sehen.

Zitat:
Wo steht die Gesellschaft in 50, 100, oder 200 Jahren?

50
100
200
kämpfer der sonne
die gesellschaft kann sich nicht entwickeln, nur einzelne können sich entwickeln, weild as system das nichtzulässt
Ergo
Zitat:
Original von Amateur
Hallo Ergo !


Die Zukunft ist lang ...
(meinst Du also die "nähere" oder eine "allgemeine Tendenz" in die Ewigkeit gedacht )


Durch Revolutionen wurde aus Feudalismus -> Kapitalismus -> Sozialismus
Durch Konterrevolution in Europa aus Sozialismus -> wieder Kapitalismus.

Also einfache Frage: Wann gibts die nächste Revolution? Was bringt sie? Wohin führt sie uns?


Zitat:
Original von Sun Deluge
Zitat:
Urgesellschaft, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, gescheiterter Sozialismus, wieder nur Kapitalismus, .... und wie gehts weiter???

In der Zukunft werden keine Syteme existieren.


Das wäre Anarchie, oder?

Zitat:
Original von ewig
Sie fragten nach der "nächsten Stufe" und die chronologisch nächste Stufe wird meines Erachtens ein Schritt rückwärts sein.


Zynische Kommentare besitzen immer ein Fünkchen Wahrheit! ??!

Zitat:
Original von kämpfer der sonne
die gesellschaft kann sich nicht entwickeln, nur einzelne können sich entwickeln, weild as system das nichtzulässt


Welch ein ideeller Unfug!!!!! Kämpfer der Sonne = Mensch in höchster Form der ideologischen Weichspülung!!!
Amateur
@ergo

Zitat:
Durch Revolutionen wurde aus Feudalismus -> Kapitalismus -> Sozialismus
Durch Konterrevolution in Europa aus Sozialismus -> wieder Kapitalismus.
Es ging mir bei der "fehlenden Tendenz" nicht um die "Regelmäßigkeit der Veränderung". Das Nichts ewig ist, also Alles irgendwann einmal abgelöst wird, ist sicher richtig. Aber für mich klang zwischen den Zeilen durch, dass Du eine Entwicklung "zum Besseren" beschreiben wolltest. ("Besser" hier im Sinne der Befreiung von Sklaventreibern, Feudalherren, Kapitalisten, ... ).
Habe aber den Eindruck, dass sich nur die Kulissen veschoben haben:
- Wir sehen den Sklaven nicht mehr leiden, sondern lassen ihn in "Indien" und verstecken Zwangsprostituierte in entsprechenden Häusern.
- Heute ist man nicht adelig und reich, weil die Eltern adelig waren, sondern man ist reich und Kapitalist, weil es die Eltern waren.
- Vorgestern war man besser gestellt, wenn man beim Zar "lieb Kind machte", gestern, wenn man es beim KPD-Funktionär tat.

Mir fehlt also eine Tendenz, die ich für Zukunftsaussagen nutzen könnte:
Zitat:
Also einfache Frage: Wann gibts die nächste Revolution? Was bringt sie? Wohin führt sie uns?
Deswegen eine zwar einfach zu stellende Frage, für mich aber nicht zu beantworten. Kann nur eine Vermutung äußern, aber eben ohne "historisches Fundament", sondern eher aus der "Tagespolitik" heraus:

Ich könnte mir eine "Islamische Revolution" vorstellen.
Ergo
Einiges sehe ich genauso, ... die gesellschaftliche Entwicklung war oft eine andere Form(Kulisse), weniger eine andere Qualität!
Seit Menschengedenken gab es nie einheitliche Formen und Strukturen.
Ausbeuterordnungen sind in wesentlichen Punkten nicht verschieden!

Die Entwicklung einer neuen Qualität als "Moderne Gesellschaft" ist abhängig vom gesellschaftlichen Bewußtsein des Volkes! Ich denke dieses Bewußtsein ist eine Katastrophe, oder?

Ich denke mittel- und langfristig verliert jede Religion durch die Globalisierung an Stärke! Ein neuerliches Extra-Aufblühen ist unwahrscheinlich!
Amateur
@ergo

Zitat:
Ich denke mittel- und langfristig verliert jede Religion durch die Globalisierung an Stärke! Ein neuerliches Extra-Aufblühen ist unwahrscheinlich!
Würde ehrlich gesagt genau umgekehrt argumentieren:
Durch Globalisierung verstärken sich Migrationsbewegungen. Es entstehen neue Zentren. Zur Zeit ist die Anzahl der Nachkommen aus streng islamischen Familien in Europa deutlich ünerdurchschnittlich. Diese Tendenz in die Zukunft gedacht ...
ewig
Zitat:
Original von Ergo
Zitat:
Original von ewig
Sie fragten nach der "nächsten Stufe" und die chronologisch nächste Stufe wird meines Erachtens ein Schritt rückwärts sein.


Zynische Kommentare besitzen immer ein Fünkchen Wahrheit! ??!

Wo ausgerechnet da Zynismus steckt, möchte ich aber bitte klar indiziert haben. Sie legen ja regelmäßig eigenwillige Lesarten an den Tag, aber ausgerechnet in einem Satz, der vollkommen sachlich erklärt, wie mein vorhergehender Post zustande kam, den Sie ja als thematisch verfehlt abkanzelten, ist wirklich ausgesprochen weit hergeholt.
Ergo
@ewig

Ich nahm an, sie könnten das niemals ernst meinen, denn im Grunde ist es die Entwicklung der Wirtschaft aus Forschung und Technologie, also die allgemeine Entwicklung der zur Produktion benötigten Mittel, die seit Anbeginn die menschliche Entwicklung vorwärtstreibt und die oft Auslöser waren für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Ein Schritt zurück gabs doch nur beim Sozialismus, weil er mehrfach fehlerhaft angelegt war, was nicht bedeutet, diese Möglichkeit wär damit für immer verloren.
Durch was sehen sie die Möglichkeit des Rückschritts?

Zitat:
Original von ewig
Mein heißester Tip für eine radikal neue Ordnung wäre eine Beschäftigung mit dem Transhumanismus. Dort ist man der Ansicht, daß ein Durchbruch im Bereich KI, Cybernetik und Bionik die Interessen der ersten Intelligenzen mit überragend ausgestatten kognitiven Fähigkeiten sehr weit vom Rest der übrigen Bevölkerung entfernen wird. Man kann das Resultat, sollte das so über uns kommen, aber auch leicht als eine neue Form des Faschismus sehen.


Transhumanismus vertritt aus meiner Sicht die künstliche Veränderung der Gesellschaft von innen und ist damit ein riskantes Modell für die nächste Stufe der gesellschaftlichen Evolution. Ungeachtet ethischer und anthropologischer Probleme bleibt diese Entwicklung dennoch im Prinzip eine technische Entwicklung, keine vorrangig gesellschaftliche, wie ich sie ins Auge fasste.
Shamatic
Ich glaube kaum, dass sich ein homogener Gesellschaftstyp herausbilden wird. Es wird wohl eine Pluralität von verschiedensten sozialen Bewegungen stattfinden, welche je mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben werden. Was natürlich nicht die Möglichkeit einer solidarischen (verknüpfenden, aufeinander bezogenen) Form sozialer Kämpfe ausschließen soll. Es bleibt die Frage, inwiefern die Bewegungen fähig sein werden, aus der Vielfalt dennoch einen in gewisser Hinsicht universellen Charakter zu bewahren... Was am Ende Realität wird, tja verdammt, wer weiß das schon..
ewig
Zitat:
Original von Ergo
@ewig

Ich nahm an, sie könnten das niemals ernst meinen, denn im Grunde ist es die Entwicklung der Wirtschaft aus Forschung und Technologie, also die allgemeine Entwicklung der zur Produktion benötigten Mittel, die seit Anbeginn die menschliche Entwicklung vorwärtstreibt und die oft Auslöser waren für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Ich gebe Ihnen recht, daß besonders der Zugewinn technologischer Möglichkeiten immense Auswirkungen auf Gesellschaftsformen hatte, aber wenn Sie meinen, es ginge stets nur "vorwärts" (also bekanntes würde stets durch neuartiges abgelöst und niemals in ein anderes bereits bekanntes Stadium zurückkippen können), scheinen Sie mir einer starken Fortschrittsgläubigkeit aufzusitzen.

Zitat:
Ein Schritt zurück gabs doch nur beim Sozialismus, weil er mehrfach fehlerhaft angelegt war, was nicht bedeutet, diese Möglichkeit wär damit für immer verloren.

Hier bewerten Sie "zurück" nun vollkommen anders als ich es in diesem Zusammenhang tue. Der real existierende Sozialismus war eine genuin neuartige Gesellschaftsformation, insofern ein echter "Fortschritt" (auch dann, wenn man ihn mit dem Faschismus in einen Topf wirft (in dem Falle als Totalitarismus)); unabhängig davon, ob er unter humanistischen Gesichtspunkten einen Fort- oder Rückschritt zeitigte.

Zitat:
Durch was sehen sie die Möglichkeit des Rückschritts?

Ich habe das in meinem ersten Post eigentlich sehr ausführlich beschrieben: Einrichtungen, auf denen unsere Gegenwärtige Gesellschaftsformation fußt, werden zunehemend unterspült, so daß deren Stabilität starken Schaden nimmt. Die Gewaltenteilung steht irgendwann nur noch auf dem Papier.

Zitat:
Original von ewig
Transhumanismus vertritt aus meiner Sicht die künstliche Veränderung der Gesellschaft von innen und ist damit ein riskantes Modell für die nächste Stufe der gesellschaftlichen Evolution. Ungeachtet ethischer und anthropologischer Probleme bleibt diese Entwicklung dennoch im Prinzip eine technische Entwicklung, keine vorrangig gesellschaftliche, wie ich sie ins Auge fasste.

Aber doch im nächsten Schritt, oder nicht? Falls die Transhumanisten ihr Ziel erreichen, haben wir dann die Optimierten und die nicht-Optimierten, und diejenige Gruppe, die durch technische Hilfmittel klarer denken kann, kann der anderen (höchstwahrscheinlich sehr viel größeren) Gruppe ihren Willen auf"zwingen" und das Schicksal der Gesamtgesellschaft nach ihren Wünschen lenken.

Zitat:
Original von Shamatic
Ich glaube kaum, dass sich ein homogener Gesellschaftstyp herausbilden wird. Es wird wohl eine Pluralität von verschiedensten sozialen Bewegungen stattfinden, welche je mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben werden.

Ich stimme dem natürlich zu, aber man kann die Frage ja dahingehend abwandeln, daß man nach weltweiten Schwerpunkten von Gesellschaftsveränderungen oder aber eben Neuartigkeiten fragt.