Rebecca
Denn geöffnete Augen sind nicht gleichbedeutend mit Erkenntnis.
Goethe schrieb in seinem Egmont: "Weil du die Augen offen hast glaubst du, du siehst."
Wir kennen aber auch den getrübten Blick, die rosarote Brille, den Tunnelblick …eben die unterschiedlichen Blick- beziehungsweise Betrachtungswinkel.
Ist deshalb, weil man etwas nicht sieht, dieses nicht da? Hier einmal aus dem marxistischen Kontext gerissen die Behauptung, dass das (gesellschaftliche) Sein das Bewusstsein bestimmt. Nun kann man hierüber sicherlich auch über den Umkehrschluss nachdenken, dass nämlich das Bewusstsein das Sein bestimmt, ergibt sich dann nicht eine andere Sichtweise, resp. Auswertung? Irgendwie ähnelt die Fragestellung derjenigen nach dem Anfang, nämlich „Ei oder Huhn“. Resultiert eine Denkweise zwangsläufig aus dem Wissen um einen Status quo sozusagen mit unabänderlicher Blickrichtung? Im Schraubstock?
Beispiel: "Denke" ich anders, wenn ich arm bin? Oder habe ich "nur" andere "Interessen"? Ist das "Ich", das, was "in mir ist" abhängig von dem, was ich nach außen bin?
Abraham Lincoln sagte einst:
„Ich kann verstehen, dass ein Mensch zum Atheisten wird, wenn er auf die Erde hinunterschaut, aber wie jemand den Blick zum Himmel emporrichten und sagen kann, es gäbe keinen Gott, ist mir unbegreiflich“.
Ich will hier jetzt nicht auf einem bestimmten „Gott“ verweisen oder diesem einen Namen geben, sondern auf das Unerklärliche, das nicht Ergründbare. Trotz aller vorangeschrittenen Wissenschaft und Forschung. Der Blick hinter dem Blick. Eben ´gen Himmel. Oder Universum. Oder Unendlichkeit...
Die wachen und geöffneten Augen...
War Marc Aurel ein Optimist, ein Illusionist gar, wenn er meinte, dass man in sein Inneres schauen sollte, da sich dort eine Quelle des Guten befinden würde, die niemals zu sprudeln aufhören würde – so man denn immer nach ihr suchen würde?
Ja, ich weiß, viele Gedankengänge. Aber unter dem Oberbegriff des Sehens, Begreifens und Erkennens - auch mit geschlossenen Augen.
Freundliche Grüße
Rebecca
Loma
So wie ich jetzt deinen Beitrag gelesen habe, erschiene mir der Titel "Sehend aber dennoch "blind"" passender.
Aber vielleicht geht dieses Thema ja in beide Richtungen...
Ich denke, wieviel jemand sieht bzw. nicht sieht hängt nicht so sehr mit der Gesundheit der Augen zusammen, sondern vielmehr mit der Offenheit des Bewußtseins. Das betrifft dann eigentlich nicht nur das Sehen von Dingen, sondern auch das Nachvollziehen von fremden Ideen, Perspektiven etc. - bezieht sich letztlich also eigentlich auf alles...
Wer zu sehr in eigenen Strukturen, Definitionen, "Welten" verhaftet ist, dem fällt es oft (zu) schwer, andere Perspektiven/Dinge sehen und begreifen (nicht notgedrungen auch zustimmen) zu können.
Um Erkennen zu können, muß man die richtige Einstellung mitbringen - sich auf das Betreffende und den Kontext (z.B. die entsprechende Epoche) in dem es geäußert/gesehen wird einlassen.
Für diese Einstellung ist, meines Erachtens, ein maßvoller Mittelweg zwischen der Schau ins Innere und der nach außen notwendig. Die allzu sehr konzentrierte Schau nach innen bringt meiner Meinung nach die Gefahr mit sich, mehr damit beschäftigt zu sein, seine eigene Sicht der Dinge darzulegen und andere überzeugen zu wollen, als stattdessen zu versuchen, die Meinungen der anderen nachzuvollziehen und dann sachlich gegeneinander abzuwiegen, zu verknüpfen etc. Außerdem ist ohne Input von außen die Möglichkeit von Zirkelschlüssen immer gefährlich nahe.
Schaut man allerdings andererseits zu sehr immer nur nach außen, kann man sich z.B. nicht mehr sicher sein, ob man jetzt etwas begriffen oder bloß eine fremde Sichtweise übernommen hat.
Ich weiß jetzt nicht, wie weit und schnell ich womöglich am eigentlichen Thema vorbeigeprescht bin - wenn das der Fall ist, bitte sorry.
Liebe Grüße
kämpfer der sonne
| Zitat: |
Original von Rebecca
"Denke" ich anders, wenn ich arm bin? Oder habe ich "nur" andere "Interessen"? Ist das "Ich", das, was "in mir ist" abhängig von dem, was ich nach außen bin?
|
du denkst anders wenn du arm bist, weil ein armer anders lebt als ein reicher oder vermögender.
das außen zeigt uns lediglich an, wer wir sind. sein wesen kann niemand lange verbergen vor weisen menschen.
wer sich allerding nach äusserlichkeiten deffiniert, denkt dann auch anders. aber das liegt nicht an den äußerlichkeiten, sonder weil er so wie er denkt auch lebt.
aber beurteile nicht den menschen nur nach seinem erscheinungsbild.
einen denker erkennt man an seiner sprache, wie er redet und nicht welche kleidung er anzieht.
Reinhard
Hallo Rebecca, das Dilemma scheint mir zu sein, dass wir eine innere Schau auch nur mit den Gefühlen bestreiten, die wir aus der äußeren Schau gewonnen haben. Man muss schon drauf achten, woher die Begriffe ihren Sinn beziehen, was aber nicht heisst, dass sie etwas wirklich erklären können, weil sie ja immer an Bedingungen geknüpft sind. Ein freier Begriff ist ein Selbstwiderspruch, eine Privation, die das Wesentliche einer Aussage aufhebt, aufhebt ins Nichts.
Auf Begriffe sind wir im Verständnis untereinander und über uns selbst nun mal unweigerlich verwiesen. Gerade aber dieses Verhältnis von Innen zu Außen und unser Erkennen davon bildet aber die stetige Quelle, das Annehmen des Schöpferischen, wenn man so will. Den Mut zu haben, den nächsten Schritt zu wagen im Vertrauen auf das Einende und die göttliche Ordnung, die nur im Glauben erkannt werden kann. Was nützt uns eine Erkenntnis über die Vergangenheit, wenn sie nicht Horizonte für das Künftige eröffnet? Nicht Vertrauen ist gut, Kontrolle besser, das gilt nur auf den Einzelfall bezogen und niemals fürs Ganze. Vertrauen setzt erst die Bedingung für die Kontrolle und niemals umgekehrt. Blind ist man also immer nach innen gerichtet und taub und geruchslos noch dazu, nur, stumm im Gebet eben nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
kämpfer der sonne
| Zitat: |
Original von Reinhard
Blind ist man also immer nach innen gerichtet und taub und geruchslos noch dazu, nur, stumm im Gebet eben nicht.
|
warum ist man immer blind nach innen gerichtet?
ewig
| Zitat: |
Original von Rebecca
Ich will hier jetzt nicht auf einem bestimmten „Gott“ verweisen oder diesem einen Namen geben, sondern auf das Unerklärliche, das nicht Ergründbare. |
Was genau hältst Du denn für unerklärlich oder unergründbar und was macht Dich so sicher, daß es unerklärlich und unergründbar ist?
Lost Sense
Wisst ihr was Rosa Nebel ist? So bezeichnet man den Zustand, wenn man von einer Bombe welche nah an sich selbst detoniert, mit in den Tod gerissen wird oder werden sollte.
Es heißt rosa Nebel, weil man in diesem Moment rosa Nebel sieht, sein Körper wird zerfetzt in tausend Einzelteile, dass im schlimmsten Fall, aber wenn man miterlebt und nicht stirbt, allerdings diesen rosa Nebel wahrnimmt, soll sich die Sichtweise eines Menschen oder eher vieler Menschen danach drastisch verändern.
Die Konfrontation in diesem Fall mit der Grenzüberschreitung, zum Tod und der gleichzeitigen intensiven Erfahrung vom rosa Nebel, sie verändert die Art wie man das Leben sieht.
Hier ist diese Konfrontation natürlich auf den Tod = Extremfall mit einem Sichtzustand kombiniert, aber dennoch sind die Erfahrungsberichte die ich darüber gelesen habe, äußerst interessant.
theophanu
@ Rebecca
Die Überschrift assoziiert bei mir eine ähnliche Frage, ohne ihr bislang konkreter nachgegangen zu sein:
Wer kennt Philosophen, die blind oder taub oder beides waren/sind oder sogar taub-stumm und blind?
Würde uns "Normalos" die Augen öffnen.....
... und vielleicht bestätigen, wie ich annehme, daß die Augen zum Überleben sinnvoll sind, am Erkenntnisgewinn aber hinderlich.
Und somit: Er lebe hoch, Dein Marc Aurel !
Rebecca
Liebe Loma, nein, du hast nicht am Thema vorbeigeredet, denn beide Fragestellungen haben meiner Meinung nach ihre Berechtigung. Das meint: auswechselbar, denn du sprichst die Unwendigkeit an, das Tunneldenken.
@theophanu, hier denkst du an die im Grunde genommen ungeahnten Fähigkeiten, die man besitzt. Das Aktivieren von Sinnen, die andere ersetzen müssen. Und nehmen wir einen tauben Komponisten - er hört die Klänge in sich, der Blinde schwelgt in Farben.
@Lost Sense, nein, kenne ich nicht den "Rosa Nebel". Aber ich kann mich gut hineindenken, was du meinst. Der Mensch erlebt sich - in der Vielzahl seiner "Zellen", seines Aufbaus, seiner Gesamtheit und Komplexität. Getragen von "Bewusstsein".
@ewig, ich meine eben das nicht Sichtbare, das nur zu Glaubende, die Grenzen der Vorstellungskraft. Ich denke da an meine Kindheit, als meine Mutter versuchte, mir zu erklären, dass "der Himmel immer weiter geht". Kein Ende hat. Kannst du dir da vorstellen, dass irgenwann einmal jemand erforscht, dass es eine Grenze dort gibt - wo alles "aus" ist?
Oder nehmen wir den Tod - man kann ihn beziehungsweise seine endgültige Wirkungsweise doch nur glauben, erahnen - niemals wissen.
@Reinhard, du schreibst: "Vertrauen setzt erst die Bedingung für die Kontrolle und niemals umgekehrt"
Darüber dachte ich nach und mir kam spontan der Begriff des "blinden Vertrauens" in den Sinn. "Kontrolliertes Vertrauen" - meinst du damit, dass man Vertrauen lernen muss - am anderen, durch den anderen, durch die Beobachtung? Sind Erfahrenswerte und daraus resultierende Möglichkeiten von Vergleichbarkeiten denn die Basis für Vertrauen? Oder nicht viel mehr das "innere" Gefühl - das Bauchgefühl, um es einmal so profan auszudrücken? Denn viel mehr ist Vertrauen doch Glauben - auch wenn im Nachhinein das Gesehene eine Fata Morgana war.
@Kämfer der Sonne, ich glaube, die Blindheit bezieht sich eben darauf, dass man nicht in sich hineinhört und dadurch nicht an das Wesentliche, die Wahrheit, das Selbst gerät.
Freundliche Grüße
Rebecca
kämpfer der sonne
| Zitat: |
Original von Rebecca
@Kämfer der Sonne, ich glaube, die Blindheit bezieht sich eben darauf, dass man nicht in sich hineinhört und dadurch nicht an das Wesentliche, die Wahrheit, das Selbst gerät.
|
er schreibt aber das man immer nicht rein guckt, was ich gar nicht so finde, es können die wenigsten, das kann sein und ist wohl auch so.
die menschen sind augen tiere und daher konzentrieren sie sich auf das was ihre augen sehen, aber man kann auch mit dem verstand sehen.
und begriffe wie:
nur nie und immer sollte man mit vorsicht benutzen, meist wierden sie von streitköppen benutzt. daran kann man erkennen ob einer auf krawall gebürstet ist.
das ist hier aber nicht der fall, woltle es nur mal erwähnen.
theophanu
@ rebecca
| Zitat: |
| @theophanu, hier denkst du an die im Grunde genommen ungeahnten Fähigkeiten, die man besitzt. Das Aktivieren von Sinnen, die andere ersetzen müssen. Und nehmen wir einen tauben Komponisten - er hört die Klänge in sich, der Blinde schwelgt in Farben. |
Ja genau. Nur über meinen taub-stummen und blinden Philosophen habe ich noch gelacht. Wie soll sich so ein armes Kerlichen denn äußern? Und wenn, wer von den "Normalos" könnte ihn auch nur annähernd verstehen, wo ihm der übliche kommunikative Austausch verschlossen bleibt? Und doch, gerade an diesem Beispiel zeigt sich: Philosophieren tut der Mensch zu allererst für sich selbst.

Theo
Reinhard
| Zitat: |
@Reinhard, du schreibst: "Vertrauen setzt erst die Bedingung für die Kontrolle und niemals umgekehrt"
Darüber dachte ich nach und mir kam spontan der Begriff des "blinden Vertrauens" in den Sinn. "Kontrolliertes Vertrauen" - meinst du damit, dass man Vertrauen lernen muss - am anderen, durch den anderen, durch die Beobachtung? |
Hallo Rebecca, ich meine das ganz einfach aus dem Blickwinkel der kindlichen Unschuld, die ohne Vertrauen nicht sein kann. Wir werden doch alle in die Arme von Menschen geboren, denen wir vertrauen müssen, das ist unsere Urerfahrung sozusagen. Erst der Vertrauensmissbrauch ruft die Kontrolle hervor und insofern ist das Vertrauen die Voraussetzung für die Kontrolle. Nebenbeigesagt scheint es mir auch richtiger zu sein, zu sagen, Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser, nur leider gibt es zuviel egoistische Schelme, die sich ihrer Schliche bedienen und noch nicht einmal etwas dabei finden. Übrigens, wer nichts zu verbergen hat, der braucht auch keine Kontrolle zu scheuen. Man muss Vertrauen nicht lernen, nur eben sich darauf zurückbesinnen.
Freundliche Grüße
Reinhard
Rebecca
Hallo Reinhard, das "gesunde" Misstrauen im Sinne deines zitierten Spruches ist sicherlich nicht verkehrt, denn "gebranntes Kind scheut das Feuer". Wenn man also Ungutes erlebte, so man auf die Redlichkeit von jemandem vertraute.
Ich las kürzlich irgendwo, so was wie:
<<Verletze niemals bewusst einen Menschen, der dir etwas bedeutet. Er wird dir verzeihen, aber vergessen wird er nicht.!<<
Dann ist man immer auf "Lauerposition". Vertrauen futsch, für alle Zeit. Es sei denn, man setzt sich Scheuklappen auf.
Freundliche Grüße
Rebecca
Reinhard
| Zitat: |
<<Verletze niemals bewusst einen Menschen, der dir etwas bedeutet. Er wird dir verzeihen, aber vergessen wird er nicht.!<< |
Hallo Rebecca, verzeih, aber egoistischer geht es ja kaum. Den guten Rest und das müßte ja immer die weitaus größere Anzahl sein, dem kann meines Vorteils wegen geschehen was da will. Aids, Pest und Cholera. Nein, ich korrigiere mich, das ist nicht nur egoistisch, sondern geradezu bösartig, aber so ist sie nun mal unsere Welt.
Mit lieben Grüßen
Reinhard
Rebecca
| Zitat: |
Original von Reinhard
| Zitat: |
<<Verletze niemals bewusst einen Menschen, der dir etwas bedeutet. Er wird dir verzeihen, aber vergessen wird er nicht.!<< |
Hallo Rebecca, verzeih, aber egoistischer geht es ja kaum. Den guten Rest und das müßte ja immer die weitaus größere Anzahl sein, dem kann meines Vorteils wegen geschehen was da will. Aids, Pest und Cholera. Nein, ich korrigiere mich, das ist nicht nur egoistisch, sondern geradezu bösartig, aber so ist sie nun mal unsere Welt.
Mit lieben Grüßen
Reinhard |
Lieber Reinhard, verzeih du mir, aber ich verstehe dich nicht.

Was ist denn egoistisch daran, wenn man dem aus Erleben geborenen Misstrauen aus Selbstschutz Folge leistet? Es funktioniert doch nicht dieses "vergeben und vergessen". Das halte ich für nicht realistisch.
Allerdings verstehe ich auch nicht deine Anbindung hinsichtlich "Vorteil" an den Ausspruch. Man muss ja nicht der gesamten anderen Welt, allen anderen, misstrauisch gegenüberstehen, nur weil irgendwer einen verletzt hat. Die Prävention bezieht sich dann lediglich auf denjenigen. Dieses "alles wird gut" funktioniert dann lediglich bis zu einem wiederum "hab Acht"-Erlebnis, einem "dejà vue". Dann kommt alles wieder hoch.
Und vielleicht sogar "blinde Wut", die man einmal empfand.
Liebe Grüße
Rebecca
Reinhard
Liebe Rebecca, gerieben habe ich mich an dem "... der dir was bedeutet. " Das hängt doch sehr mit der Wertschätzung zusammen, die man einigen Menschen gegenüber hat und anderen eben nicht. Der Gehalt von Bedeutung, z.B. einer Mutter ihren Kindern gegenüber im Verhältnis zu anderen Menschen, ist doch geradezu fast lächerlich, bei Omas wirds meist noch schlimmer. Nächstenliebe aber kennt solche Unterscheidungen nicht. Kannst Du mir sagen, warum man sich im ethischen Sinne den Menschen gegenüber, die einem fremd sind, anders verhalten dürfte, als gegenüber den eigenen Bekannten und Verwandten?
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Rebecca
Hallo Reinhard, ich sehe das etwas anders. Einen Menschen, der dir etwas bedeutet, den kennst du - und hier weißt du, wie du ihn verletzen kannst. Denn es steht dort "bewusst".
Du kannst jeden anderen natürlich verletzen - und es vielleicht gar nicht wollen. Denn du kennst ihn nicht und kannst folglich seine Reaktion nicht einschätzen.
Aber im ersteren Falle ist eine ganz klare Absicht gemeint.
Wenn ich also weiß, wie der andere "tickt", wie er fühlt, empfindet, wenn ich also um seine Achillesferse weiß und diese extra treffe, dann ist das sicherlich "unvergesslich".
Der "Fremde" wird sich da u.U. mit einer Entschuldigung zufrieden geben und halt nicht mehr "nachtragend" sein. Denn er wird sich sagen: Ach, der hat das nicht so gemeint. Der konnte ja nicht wissen, dass ich auf dies/das so empfindlich reagiere.
Liebe Grüße
Rebecca
Reinhard
| Zitat: |
| Wenn ich also weiß, wie der andere "tickt",... |
Hallo Rebecca, wenn sich also mit zunehmender Nähe die Vertrauensbasis verändert, weil etwas anvertraut wird, dann verändert sich natürlich auch die Verantwortung, denn mit jedem Vertrauensmissbrauch werden Grundlagen der jeweiligen Beziehung berührt und ein Betrug ist immer schlimmer als gegenüber weniger engen Beziehungen. Das sehe ich genau so. Aber der Respekt gegenüber dem Menschsein, um auch in den entfernteren Beziehungen menschlicher Verflechtungen und Verflechtungen zu anderen Lebensformen und unseren gemeinsamen Lebensgrundlagen, sich immer mit zu erkennen, erfordert ein globaleres Denken, ein sich Hineinversetzen, in letzter Konsequenz in die Alleinheit allen Geschehens. Dies ist die höchste philosophische Herausforderung, die immer den ganzen Menschen erfordert und nicht nur seinen Intellekt.
Philosophie weist über den Intellekt hinaus, aber nie in vertikaler, sondern immer in horizontaler Richtung. Sie setzt keine Wertmaßstäbe, sondern theoretisiert über die vorhandenen. Wie weit der Einzelne sich dabei einer passiven Aufmerksamkeit nähern kann, wer weiß das schon. Wir sind nicht nur Individuen weil wir speziell sind, sondern auch weil wir unsere eigenen Erfahrungen machen. Ein Blinder mit passiver Aufmerksamkeit ist mir lieber als der scharfsinngste Sehende, der seinen Scharfsinn seinem Egoismus verdankt.
Mit lieben Grüßen
Reinhard

d.1.G.d.M.
Rebecca
Lieber Reinhard, ich sehe das ähnlich wie du. Nähe aufbauen, Nähe annehmen bedeutet gleichzeitig Achtsamkeit. Hier meine ich das im Sinne von eben dieser Verantwortung, die Vertrauen, das entgegengebracht wird, verdient.
Und auch die ganz vielen anderen, entfernten, unbekannten Menschen, die einfach nur da sind, leben, die nicht in der Nähe sind oder deine Seele berührt haben, verdienen aufgrund ihres Daseins, der gemeinsamen "Form", nämlich in der Einheit des Menschseins die Achtung. Vor dem Leben.
Meinst du mit "passiver Aufmerksamkeit" die unterschwellige Sinneserfahrung, ein Verstehen, das sich nicht der komplizierten Gedankengänge bedienen muss, sondern dass "aus sich" etwas richtig versteht? Die emotionale Intelligenz?
Sag mir aber bitte, was bedeutet: d.1. G.d.M? Ich kann damit gar nichts anfangen, besonders auch im Hinblick auf die zwei Streithähne?
Nette Grüße
Rebecca
© Philo-Welt.de 2005-2008