Ethik ohne Bezug auf Religion

Tarvoc
Zitat:
Original von Nylen
Tarvoc du hast wenigstens Hmor weshalb wir uns glaub ich wenig missverstehen mitunter.

Weiss ich nicht. Ich wollte nicht sagen, dass man Religionen nicht abschaffen kann oder du es nicht versuchen solltest. Ich fand nur deinen Wortschwall "faschistoider Marxismus Bolschewismus Stalinismus" und dann noch in einem Atemzug mit Religionen lustig. fröhlich
Nylen
@ Marki

Im Gegenteil habe ich erkannt, dass Göttliches nicht existiert. Erkannt im Sinne von: "Ich bin mir sicher, so sicher, wie ein Mensch sein kann, dass es nichts göttliches gibt"

Natürlich gibt es Gott etwa als Handlungsfigur der Bibel. Grob gesprochen ist das ein mehr oder weniger netter älterer Herr, der wohl sein auserwähltes Volk liebt, oder glaubt man seinem selbsternannten Sohn, uns alle echt lieb hat, wie ein himmlischer Vater.

Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass dieser in der Bibel autauchende Zampano nicht existiert. Nicht im Sinne von agnostischem Nichtwissen, sondern im Sinne von klarem Wissen, dass NICHT.

Eure Einwände sind deshalb schwach weil ihr so tut, als wäre die Frage nach Gott nicht beantwortbar, oder entgültig klärbar. Dies ist für mich ganz anders.

Klar hängt es vom jeweiligen Gottesbegriff ab, ob es diesen dann gibt oder nicht. Aber mir ist kein Gottesbegriff bekannt der irgendwas mit der Realität zu tun hätte.

Reflexartig wiederholen viele die These von der Nicht-Widerlegbarkeit Gottes. Geschenkt. Auch mein persönlicher Glaube an lila Spahetti-Monster ist Nicht-Widerlegbar. Folgt daraus das möglicherweise ein Spaghetti-Monster existiert?

Aus einer metaphysischen Nicht-Erkennbarkeit auf die Möglichkeit einer Existenz zu schliessen ist gelinde gesagt grober Unfug, aber ein in der Religion und Philosopie weit verbreiteter Unsinn.

Zu meiner Idee der Abschaffung. Alle haben eingestanden dass dies eine Forderung ist die man machen kann, weshalb ich nicht weiter darauf rumreiten will.

Aber während der französischen und russischen Revolutionen hat man tatsächlich versucht Religion abzuschaffen. Genauer sie zu ersetzen.

Ich bin da bescheidener. Mein frommer Wunsch ist, das wir Religiöse Schriften dahin befördern wo sie seit mehreren hundert Jahren Aufklärung hingehören. Ins Märchenbuchregal unserer Kinder.

@Tavoc

Was hältst du von bolschewistischen Nazis? Die gibt es tatsächlich in Russland. Ihre Fahne ist rot weiss wie die Flagge der Nazis, aber anstatt der Swastika haben sie Hammer und Sichel drin smile

Ich habe in dieser auch lustig gedachten Formulierung und Rundumschlag ja nur sagen wollen, das Ideologien jeglicher Coleur, abzuschaffen sind.

Es ist auch Ausdruck meines Anti-Sozialismus. Ich lehne den christlichen Sozialismus ab, ebenso den marxistischen, oder nationalen. Eigentlich die gesamte Vorstellung einer egalitären oder paradiesischen Gesellschafft.

@ Chriss

Es geht eben nicht um ersetzen. Bei dir klingt an man könne nur eine Vorstellung durch eine andere ersetzen. Ich will eine Vorstellung streichen. Ersatzlos.
Tarvoc
Zitat:
Original von Nylen
Was hältst du von bolschewistischen Nazis?

Du meinst vermutlich die Nationalbolschewisten. Der Name hat ungefähr den selben Status wie der Name Nationalsozialismus. D.h. Nationalbolschewismus hat mit Bolschewismus ungefähr so viel zu tun wie Nationalsozialismus mit Sozialismus.

Zitat:
Original von Nylen
Ich habe in dieser auch lustig gedachten Formulierung und Rundumschlag ja nur sagen wollen, das Ideologien jeglicher Coleur, abzuschaffen sind.

Nur ist die Erzählung vom heroischen Kampf nicht-ideologischer oder von Ideologie befreiter Denker gegen alle Ideologien selbst eine ideologische Erzählung tout court.

Zitat:
Original von Nylen
Eigentlich die gesamte Vorstellung einer egalitären oder paradiesischen Gesellschafft.

Wer spricht von paradiesisch? Und was genau heißt es, dass du Egalitarismus ablehnst?
Chris
Zitat:
Original von Nylen
Es geht eben nicht um ersetzen. Bei dir klingt an man könne nur eine Vorstellung durch eine andere ersetzen. Ich will eine Vorstellung streichen. Ersatzlos.

Könnte vielleicht mit Hypnose möglich sein ... aber ich glaub, das ist hier nicht Thema.
Tarvoc
Zitat:
Original von Chris
Könnte vielleicht mit Hypnose möglich sein...

Nur mit sehr großem Aufwand.
Chris
Zitat:
Original von Tarvoc
Zitat:
Original von Chris
Könnte vielleicht mit Hypnose möglich sein...

Nur mit sehr großem Aufwand.

Ach, Nylen zu ein paar Sitzungen bei einem Hypnotiseur zu schicken dürfte nicht zu schwierig sein. Vielleicht übernimmt das sogar die Krankenkasse, wenn er glaubhaft belegen kann, dass er durch seine Vorstellung von Religion irgendwelche gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleidet.
Sophie
Zitat:
Original von Chris

Ach, Nylen zu ein paar Sitzungen bei einem Hypnotiseur zu schicken dürfte nicht zu schwierig sein.


Ja, aber er möchte doch die Vorstellung in den Köpfen anderer streichen. Danach musst du natürlich alle zur Hynose schicken, die religiös und nicht Nylen sind. Umprogrammierung a la Sekte, deren Name nicht genannt werden darf.


@ Nylen

Wenn man pragmatisch denkt, und die Erde zu hart ist, auf der man läuft, ist es natürlich sinnvoller, Schuhe anzuziehen, als die Erde in Leder einzuwickeln.
Buddha: Sei dir selbst eine Insel.
Erik van Thom
Zitat:
Original von shipwater
Hallo an alle smile

Ich bin neu hier im Forum und suche ein paar Argumente, die die These "Ethik ist ohne Bezug auf Religion möglich" entweder stützen oder schwächen.

Hallo Shipwater,

es gibt Beispiele fuer Ethik, die voellig ohne Religion auskommen, etwa die existentialistische Ethik (a la Sartre).
Sinn und Unsinn, richtig und falsch beginnen und enden beim Einzelnen. Enstanden ist der Existentialismus (nicht seine Vorlaeufer) im von Nazideutschland besetzten Frankreich.
Die alte Ordnung wurde abgeschafft, die neue wird nicht akzeptiert.
Totalitaere Systeme bringen nun paradoxerweise mit sich, dass die Freiheit ploetzlich grenzenlos wird. Ob man mitlaeuft oder in den Widerstand geht, ob man gesteht oder lieber (gleich) stirbt, all dass kann einem niemand nehmen. Da die Ordnung abgeschafft wird, ist auch (der abgeschaffte) Gott egal.
Also bestimmt man selber, was gut und schlecht, richtig und falsch, sinnvoll und sinnlos ist und denkt sich "es werde Licht".

Das ist eine Ethik, die man nicht teilen muss, aber sie hatte und hat Zulauf, und vor allem, sie kommt voellig ohne Gott aus.

Der Utilarismus uebrigens auch, gut ist das, was fuer die groesste Menge an Leuten gut ist. Auch hier geht das ohne Religion und Gott.
nachdenklich
Zitat:
Original von shipwater
Ich bin neu hier im Forum und suche ein paar Argumente, die die These "Ethik ist ohne Bezug auf Religion möglich" entweder stützen oder schwächen.


Es kommt darauf an, was man unter Religion versteht, und wie man überhaupt begründet, daß Menschen geistige Fähigkeiten haben. Wenn ich den Begriff "Religion" so ausweite, daß ich damit die innere Kommunikation mit der geistigen Welt meine, haben auch Philosophie und Wissenschaft eine religiöse Komponente. Das heißt: Auch wenn ich eine Ethik auf der Basis der Vernunft (also ohne Gott) entwerfe, muß ich mich fragen, ob ich nicht von der geistigen Welt dazu inspiriert werde.

Zitat:
Für 'nicht möglich' habe ich bisher diese Argumente:
-Der Mensch ist egoistisch und handelt nur gut, wenn er dafür belohnt wird (durch Paradies etc.)
-Die Religion hat die Ethik erst formuliert (10 Gebote etc.)


Die erste Aussage trifft zweifellos auf manche Menschen zu. Sie ist also nur in ihrer Verallgemeinerung falsch. Wie's mit der zweiten Aussage steht, kann ich nicht beurteilen: Sind die Veden älter oder die Philosophie außerhalb der Religionen (im herkömmlichen Sinn verstanden)? Die Frage ist deshalb kaum zu beantworten, da man ja von einer langen Zeit der mündlichen Überlieferung ausgehen muß, bevor die Veden schriftlich festgehalten wurden. Es ist auch nicht klar, ob die sumerischen und ägyptischen Texte älter sind als die Veden oder nicht.

Zitat:
Für 'möglich' habe ich bisher diese Argumente:
-Menschen können auch aus Gutherzigkeit handeln, ohne eine Belohnung, dafür zu erhalten.
-Sind die 10 Gebote wirklich ethisch vertretbar? Das 2.Gebot beispielsweise erinnert an Sippenhaftung...


Zu 1.: Zweifellos. Zu 2.: Verglichen mit dem Standard der Menschenrechte schneiden die 10 Gebote ziemlich schlecht ab.

Zitat:
Original von Kai
Die Religion abzuschaffen ist im 20. Jahrhundert in vielen von Kommunisten regierten Ländern versucht worden. Gutes ist dabei nicht rausgekommen.


Das Problem bei der Abschaffung von Religion war bisher immer, daß sie mit Gewalt durchgesetzt wurde. Die religiösen Menschen wurden nicht davon überzeugt, daß ein Leben ohne Religion besser ist - und das müßte jeder, der die Religionen abschaffen will.

Zitat:
Original von Nylen
Dieses faschistoide Denken geht auf Hegel zurück, nicht auf Nietzsche.


Ich würde da eher an Fichtes "Reden an die deutsche Nation" (1807/08 ) denken: Da wirft Fichte der bisherigen Pädagogik vor, daß sie den freien Willen des Zöglings achtet, und propagiert statt dessen seine eigene "neue Erziehung". Sie "würde [...] gerade darin bestehen müssen, daß sie [...] die Freiheit des Willens gänzlich vernichtete und dagegen strenge Notwendigkeit der Entschließungen und die Unmöglichkeit des entgegengesetzten in dem Willen hervorbrächte, auf welchem Willen man nunmehro sicher rechnen und auf ihn sich verlassen könnte" (2. Rede). Nachdem ich diese Reden gelesen hatte, dachte ich: Das ist einer der Keime des Nationalsozialismus.

Zitat:
Warum soll ich eine Vorstellung die ich als falsch erkannt habe nicht abschaffen wollen dürfen.


Du kannst sie nur aus deinem eigenen Denken entfernen. Anderen Menschen kannst Du ihre Erfahrungen nicht nehmen. Du kannst nur ihre Gedanken widerlegen, wenn sie falsch sind.

Zitat:
Ich habe in dieser auch lustig gedachten Formulierung und Rundumschlag ja nur sagen wollen, das Ideologien jeglicher Coleur, abzuschaffen sind.


Es kommt auf die Mittel an. Hast Du bisher einen einzigen Menschen davon überzeugen können, seine Ideologie zugunsten eines Denkens aufzugeben, das auf tatsächlichen Erfahrungen basiert?

Zitat:
Original von Chris
Könnte vielleicht mit Hypnose möglich sein ... aber ich glaub, das ist hier nicht Thema.


Hypnose ist eine Form psychischer Gewalt.
John
@Chris:
Zitat:
John, Du schreibst hier nicht über "Religionen". Ich hoffe, das ist Dir klar. Nylen übrigens auch nicht. ??! Wäre schön, wenn ihr auf den Pfad der Sachlichkeit zurückkehren würdet.


Nein, das ist mir nicht klar. Oder willst du vielleicht behaupten, die Zugehörigkeit zu einer Religion ist mit der Zugehörigkeit zu einem beliebigen Verein vergleichbar? Nach meiner Ansicht sollte sie das sein, mehr ist eine Religionsgemeinschaft nicht in meinen Augen, aber sachlich betrachtet ist es eben leider so, dass Angehörige einer Religion in den allermeisten Fällen das Bedürfnis haben, ihren Glauben mit anderen zu teilen.

Die Motive dafür mögen ja durchaus ehrenwert sein, die Methoden zumindest diskussionswürdig, aber ableugnen kannst du diese Tatsache doch sicher nicht.
Mit Unsachlichkeit haben weder Nylens noch meine Ausführungen etwas zu tun.

Wenn du also schreiben würdest, etwa so die Ausübung einer Religion und die Zugehörigkeit zu dieser ist jedem Menschen freigestellt dann könnte man über die Stimmigkeit dieses Satzes diskutieren. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass du diese Behauptung ernsthaft aufstellen willst.
Nylen
Wenn ich von Religionen spreche die ich abschaffen möchte dann rede ich nicht enfach über den Glauben von Individuen die auf spiritueller Wahrheitssuche sind.

Ich spreche von Dingen wie Christentum und ähnliche Religionen.

Ich erzähle mal eine fiktive Geschichte. Die Nicht-Religiösen und die Religiösen haben mal einen Deal gemacht. Eine Art Gesellschafftsvertrag. Grob gesagt. Ihr spuckt uns nicht in die Suppe und wir euch nicht.
Dieser Deal wird von den institutionellen Religionen einseitig aufgehoben.

Und da frag ich mich schon als liberaler aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts. Was zum Teufel soll das.

Warum bekommen Kinder in der Schule Religionsunterricht. Und wenn schon Religionsunterricht, warum dann nicht für ale Religionen im Vergleich?

Warum bekommen unsere Kinder ab einem gewissen Alter nicht erzählt, das die Story vom Gotte Jahwe ein antiker Mythos ist?

Angenommen wir akzeptieren die Existenz Gottes was ich persönlich nicht tue, warum gestatten wir unseren Kindern nicht sich ihr eigenes Bild von Gott zu machen. Ein weg dazu wäre wie bei mir geschehen Zugang und Ermutigung zur Beschäftigung mit verschiedenen Religionen.

Ausserdem als eben jener liberale aufgeklärte Mensch der ich ja sein will, kann ich mit Recht fordern, dass diese aufgeklärten liberalen Werten früh und anders als zur Zeit vermittelt werden.

Der Vorwurf das die freigeistige Aufklärung selber eine Idelogie sei, ist entweder trivial oder Mumpitz.

Die Religiösen wollen was Popper eine geschlossene Gesellschafft nannte. Ich halte die institutionellen Kirchen für Feinde der offenen Gesellschafft.
Das heisst nicht das Katholiken, Lutheraner etc per se Feinde dieser Gesellschafftsform sind, aber ihre Institutionen sind es.

Christen etwa sind im Grunde ihres Herzen Monarchisten. Uns sie akzeptieren offensichtich kein Votum der Gesellschafft.

Die Verbreitung der Pille etwa ist ein stilles klares Votum für Verhütung. Dieser demokratischste Prozess überhaupt ficht etwa die Katholiken nicht an. Entscheidend ist nicht was Menschen tatsächlich wollen oder brauchen, sondern was überlieferte Tradition ist.

Man möge mir verzeihen das ich das Lager der Tollerierer verlassen habe. Aber ich habe diese Ausseinanderesetzung ja nicht gestartet.

Ich vertrete nur die bescheidene These 200 Jahre nach den grossen Revolutionen ist die Menschheit bereit für den Schritt in die geistige Unabhängigkeit vom Glauben an verborgene lenkende Kräfte.
Nylen
Zu dem Wie der Abschaffung. Hypnose klingt natürlich verlockend.

Ich glaube LSD ins Trinkwasser schütten könnte einen therapeutischen Effekt haben. Sobald den Religiösen Gott dabei erscheint werden sie schnell erkennen das ihr Bild falsch ist.

Aber abschaffen würde ich Religionen auf zweierlei Wegen. Erstens Verbot religiöser Erziehungseinrichtungen. Und dann Einführung eines Faches welches ein Gottfreies Weltbild lehrt.

Ich will niemanden verbieten seine Kinder zu erziehen wie er das für richtig hält. Aber ich will das der Staat alle unsere Kinder zu freien Geistern erzieht.

Anders gesagt. Wenn ein Lehrer heute von seinen Schülern gefragt wird, ob Gott existiert oder nicht, müsste ein guter Lehrer sagen, er wisse es nicht. Gleich was er glaubt. Meine Lehrer in Nylenhausen würden schlicht behaupten Gott existiere nicht und auch nichts vergleichbares. Götter seien wie Gespenster.

Wie ihr sehr komme ich mit weit weniger radikalen Mittel aus wie die französischen Revolutionäre oder die Bolschewiste Bewegung in Russland.

Ich will einen Prozess starten bzw gestartet sehen der langfristig dazu führen wird, das wir ale, wir Menschen uns eines Tages zurücklehnen bei einem Schluck Bier und über die Götter lachen. Und falls es dann tatsächlich Gottoder Götter geben sollte, dann werden sie mit uns lachen.
nachdenklich
Zitat:
Original von Nylen
Ich glaube LSD ins Trinkwasser schütten könnte einen therapeutischen Effekt haben. Sobald den Religiösen Gott dabei erscheint werden sie schnell erkennen das ihr Bild falsch ist.


Ich begreife nicht, daß Du gerade die Methoden einsetzen willst, die Du bei den Religionen verwirfst, nämlich Gewalt dieser oder jener Art.

Zitat:
Aber abschaffen würde ich Religionen auf zweierlei Wegen. Erstens Verbot religiöser Erziehungseinrichtungen. Und dann Einführung eines Faches welches ein Gottfreies Weltbild lehrt.


Wenn Du "Gott" noch nicht erfahren hast, kannst Du das doch allen anderen nicht abstreiten!

Zitat:
Ich will niemanden verbieten seine Kinder zu erziehen wie er das für richtig hält. Aber ich will das der Staat alle unsere Kinder zu freien Geistern erzieht.

Anders gesagt. Wenn ein Lehrer heute von seinen Schülern gefragt wird, ob Gott existiert oder nicht, müsste ein guter Lehrer sagen, er wisse es nicht. Gleich was er glaubt.


Er kann sagen, welche Erfahrungen er mit "Gott" gemacht hat.

Zitat:
Wie ihr seht komme ich mit weit weniger radikalen Mittel aus wie die französischen Revolutionäre oder die Bolschewiste Bewegung in Russland.


Aber das Prinzip ist dasselbe.

Zitat:
Ich will einen Prozess starten bzw gestartet sehen der langfristig dazu führen wird, das wir alle, wir Menschen uns eines Tages zurücklehnen bei einem Schluck Bier und über die Götter lachen. Und falls es dann tatsächlich Gott oder Götter geben sollte, dann werden sie mit uns lachen.


Warum sollten sie?
Nylen
Die Frage die du stellst ist diese.

Mit welchem Recht will ich diese Massnahmen rechtfertigen.

Die Antwort ist mit dem Gemeinwohl.

Du sagst meine Methoden die ich vorgeschlagen habe seien im Grunde dieselben wie jene der Franzosen und Russen in ihren Revolutionen. Das ist richtig. Sie gleichen sich in dem Punkt das ich bereit bin für meine Idee von Freiheit die Freiheit anderer einzuschränken.

Aus demselben Grund werfen wir Verbrecher ins Zuchthaus, und der Staat zudem Dissidenten.

Die Frage ist was wiegt moralisch hier höher? Die Überzeugung der Gerechtigkeit und der Wahrheit müsse genüge getan werden, oder dem Anspruch der Religiösen man müsse sie respektieren.

Es geht doch offensichtlich um einen ideologischen Kampf. Und da wird mit harten Bandagen gekämpft. Meine Forderungen sind weit weniger radikal als die meisten Forderungen von Religiösen Menschen. Ich fordere ja kein Blutvergiessen. Ich fordere Gesetze gegen Religion. Das ist eine völlig legitime Forderung in einem demokratischen Land.
Auf die Agenda gesetzt kann ich nach Mitstreitern suchen und nach Mehrheiten und den Plan der Abschaffung der Religion betreiben.

Ich meine ich lasse mir den Vorwurf ich sei ein radikaler Anti-Religiöser gerne gefallen. Es gibt schlimmere Vorwürfe.

Das ich Mittel vorschlage die ich bei den Religiösen ablehne tut übrigens gar nix zu Sache. Anders gesagt behaupte ich ja gar nicht meine Einstellung wäre tollerant. m Gegenteil. Bin ich weitgehend ein sozialer, freundlicher Mensch neige ich gegenüber religiösen Menschen zur Tolleranz aber nicht gegenüber Religionen.

Anders gesagt ich werde mit einem gläubigen Christen keinen physischen Streit anfangen. Ich werde hier in diesem Forum etwa schreiben das ich die Religion abschaffen möchte. Aber ich kämpfe gegen Ideen nicht gegen Menschen.

Viele denken man müsse die Träger von Ideen töten dann stürben Ideen. Ich glaube das nicht. Ich glaube Ideen sterben weil sie vergessen werden.

Ich will eigentlich nur das Religion ihre Relevanz für die Menschheit verliert. Das ist ein naiver utopischer Wunsch, aber keine Absurdität oder ungerechtfertigte Forderung.
theophanu
@ nylen / nachdenklich

Im Grunde seid Ihr Euch doch einig.... :-)

So gebe ich Nylen vollkommen recht und fordere, den Religionsunterricht an allen Schulen sofort einzustellen und ihn durch Ethik, wie es nur in wenigen Bundesländern der Fall ist, zu ersetzen.

Zum einen lernen die Kinder im Religionsunterricht (ev. bei uns) so gut wie nichts an Basics. Heißt, ihnen wird noch nicht einmal Wissen über die christliche Kultur oder über Entstehung, Inhalt und Zusammensetzung der Bibel beigebracht. Das machen wir dann zu Hause.

Nylen, daß ein Lehrer zugeben sollte, daß er nicht wisse, ob es Gott gibt, ist das eine.
Aber sollte es nicht vor allem dahin gehen, daß man erstmal den Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen eine Vielzahl an Denk-und Glaubenskonstrukten vorstellt, aus denen sie irgendwann bewußt, weil vorgebildet, ihre eigene Überzeugung oder ihren Glauben wählen können? Das fehlt doch bei uns völlig!

Dazu gehört das Vorstellen aller großen Religionen, ihrer Sitten und Bräuche. Und dazu gehört selbstverständlich Philosophie mit Hauptaugenmerk auf Schärfung des eigenen Denkens.
Und das von Kiga über die Schulen bis in die Universitäten hinein.
(Nebenbei: Daß wir an den Unis noch immer eine saubere Trennung der einzelnen Fachbereiche haben, ist ein schädliches und unproduktives Festhalten alter Zöpfe. Aber auch hier sind die Lobbyisten stärker als die Vernunft.)
Nylen
Hi Theophanu

Das wir unseren Kindern während der Erziehung auch Religionen näher bringen sollten sehe ich auch so. Im frühen Stadium in Form von Mytehn, Legenden und Märchen. Wir sollten aber unsere Kinder stets errinern das dies nur Fabelwesen sind. Gespenster sozusagen. Romanfiguren.

Später sollten wir Religionen zum Teil des Geschichtsunterrichts machen.

Religionen sind ein wichtiger und prägender Teil unserer Kultur gewesen.

Aber unsere ausbildung sollte immer einen vernünftigen, freigeistigen ethischen Menschen im Auge haben. Und Dreh und Angelpunkt jeder Ausbildung sollten die erwachsenen werte unserer Kultur sein.
nachdenklich
Zitat:
Original von theophanu
@ nylen / nachdenklich

Im Grunde seid Ihr Euch doch einig.... :-)


Ich halte es für falsch, gegen Ideen mit Gewalt (Hypnose, gesetzlichen oder administrativen Maßnahmen, Vergiftung des Trinkwassers mit LSD) vorzugehen. Gegen Ideen (hier: Religionen) muß man gedanklich vorgehen, d.h. widerlegen, was falsch ist.

Zitat:
Original von Nylen
Mit welchem Recht will ich diese Massnahmen rechtfertigen.

Die Antwort ist mit dem Gemeinwohl.


Der Zweck heiligt die Mittel nicht.

Zitat:
Original von theophanu
So gebe ich Nylen vollkommen recht und fordere, den Religionsunterricht an allen Schulen sofort einzustellen und ihn durch Ethik, wie es nur in wenigen Bundesländern der Fall ist, zu ersetzen.


Ich würde den herkömmlichen Religionsunterricht durch einen wissenschaftlichen Religionsunterricht für Angehörige aller Religionen ersetzen und das Fach Philosophie (mit Ethik) parallel dazu einführen. Außerdem gehören in die Schule auch die Fächer Gesundheitskunde und Rechtskunde (erst mal das, was jeder braucht: Strafrecht, Mietrecht, Arbeitsrecht).

Zitat:
Zum einen lernen die Kinder im Religionsunterricht (ev. bei uns) so gut wie nichts an Basics. Heißt, ihnen wird noch nicht einmal Wissen über die christliche Kultur oder über Entstehung, Inhalt und Zusammensetzung der Bibel beigebracht. Das machen wir dann zu Hause.


Das hängt vom Lehrer ab. Einer meiner Religionslehrer brachte uns bei, was er an der Uni gelernt hatte.

Zitat:
Original von Nylen
Dass wir unseren Kindern während der Erziehung auch Religionen näher bringen sollten sehe ich auch so. Im frühen Stadium in Form von Mythen, Legenden und Märchen. Wir sollten aber unsere Kinder stets erinnern dass dies nur Fabelwesen sind. Gespenster sozusagen. Romanfiguren.


Das ist nur eine von mehreren Interpretationen. Man müßte den Kindern schon alle vorstellen, wenn sie freie Geister werden sollen.
Sophie
@ Theo


Puhlala.
Vom Kindergarten an? Ich halte das für überengagiert. Man sollte den Kinder Zeit lassen, sich nach ihrer inneren psychischen Uhr entwickeln zu können, anstatt ihnen eine Form der Erwachsenenbildung und Optimalvorstellung ins Hirn zu pressen.


Zitat:
Zum einen lernen die Kinder im Religionsunterricht (ev. bei uns) so gut wie nichts an Basics. Heißt, ihnen wird noch nicht einmal Wissen über die christliche Kultur oder über Entstehung, Inhalt und Zusammensetzung der Bibel beigebracht. Das machen wir dann zu Hause.


Naja, Religion ist ja auch ein Nebenfach. Wenn du dir da mehr Inhalte wünscht, könnte man ja den Unterricht von 2 auf 4 STunden erhöhen. großes Grinsen

Wenn ich mich an meinen Religionsunterricht erinnere, wurde da keinesfalls indokritiniert, dass es kracht, so wie es die Memehysteriker annehmen. Es wurden unterschiedlichen Religionen vorgestellt, Diskussionen über die eigene und andere Religionen und über triviale Glaubensvorstellungen geführt, unterschiedliche Gottesvorstellungen herausgearbeitet usw.
Und selbst wenn der Relgionsunterricht nicht optimal verläuft, was in anderne Fächer auch oft genug der Fall sein kann...meine Güte, Kinder und Jugendliche sollten auch von nicht optimalen Bedingungen lernen können.
Eine Freundin von mir ist erzkatholisch aufgewachsen und erzogen worde und dennoch eine intelligente und vernünftiger Mensch und es sind gerade die als negativ empfundenen Inhalte, die nicht weitergegeben und unterbrochen werden.
Man kann Religion nicht pauschal verurteilen und abwürgen. Es ist immer ein buntes Spiel von Erfahrugnen und Inhalten, die auf unterschiedliche Persönlcihkeiten treffen.

Zitat:

So gebe ich Nylen vollkommen recht und fordere, den Religionsunterricht an allen Schulen sofort einzustellen und ihn durch Ethik, wie es nur in wenigen Bundesländern der Fall ist, zu ersetzen.


geschockt


@ nachdenklich

Zitat:


Ich halte es für falsch, gegen Ideen mit Gewalt (Hypnose, gesetzlichen oder administrativen Maßnahmen, Vergiftung des Trinkwassers mit LSD) vorzugehen.


Jeps ich auch. Zwang ist eine ziemlich krasse Form von Ungeduld.
John
dass man sich so Nylens wohl nur scherzhaft gemeinte Bemerkung mit dem LSD im Trinkwasser stürzen kann, verwundert mich.

Ich sehe hierfür nur zwei Erklärungen: die Nylen-Kritiker (ich gehöre natürlich nicht dazu, als bekennender Atheist und Lehrer, der genau die Antwort über die Existenz Gottes, die er nennt, als einzig sinnvolle sieht), die sich hier als Verteidiger des Sinnes der Religionen zeigen, haben jedenfalls auf diesem Gebiet und zu diesem Thema jeden Sinn für Humor oder Ironie verloren oder glauben, dass dieser dem Thema nicht angemessen wäre, betrachten dies als Gottelästerung oder was auch immer.

Eine zweite Erklärung erscheint mir aber wahrscheinlicher: Nylens Gedanken sind überzeugend und nachvollziehbar und zwar so, dass es schwer ist, ihnen wirklich mit Argumenten beizukommen. Also macht man das, was in solchen Fällen sich als gute Argumentationsstrategie schon oft bewährt hat. Man geht den Kerngedanken und - aussagen aus dem Weg und stürzt sich auf absolute Nebenkriegsschauplätze, kleine Formulierungsfehler oder nimmt nicht ganz ernstgemeinte Aussagen für voll, um der Kernerkenntnis auszuweichen, die in dem Falle lautet: Nylen hat Recht
theophanu
@ sophie

Zitat:
Vom Kindergarten an? Ich halte das für überengagiert. Man sollte den Kinder Zeit lassen, sich nach ihrer inneren psychischen Uhr entwickeln zu können, anstatt ihnen eine Form der Erwachsenenbildung und Optimalvorstellung ins Hirn zu pressen.
Ich habe erlebt, wie es bereits im Kiga gelingt, den Kindern durch immer wieder gleiche Themenvorgabe Bilder zu suggerieren, die sie auf einen ganz bestimmten Weg führten.

Die innere Uhr eines Kindes einfach laufen zu lassen, ist ein Ideal.
Es ist immer schwierig, die Interessen des Einzelnen mit denen einer großen Gemeinschaft übereinanderzubringen - wofür vor allem die Kinder einen Preis zahlen müssen, keine Frage und keine Alternative.

Aber wir sind in der Wahrnehmung der Interessen von Kindern und überhaupt von Individualisten heute so weit wie nie zuvor - auch wenn sich jetzt bei manchen der Haarkranz lüftet.
Wann hat es früher eine so breite gesellschaftliche Diskussion darüber gegeben, daß und wie dem Einzelnen Platz gelassen werden sollte?

Zitat:
Naja, Religion ist ja auch ein Nebenfach. Wenn du dir da mehr Inhalte wünscht, könnte man ja den Unterricht von 2 auf 4 STunden erhöhen. großes Grinsen
Ich hätte nichts dagegen, würde zumindest die "christliche Kultur" in historischen Fakten vermittelt. Tut mir leid, da bin ich völlig konservativ. Ich weiß nicht, wie man später über etwas gewinnbringend diskutieren will, hat man nicht eine adäquate Vorbildung.

Zitat:
Man kann Religion nicht pauschal verurteilen und abwürgen. Es ist immer ein buntes Spiel von Erfahrugnen und Inhalten, die auf unterschiedliche Persönlcihkeiten treffen.
Würde Religion bei meinen Kindern so unterrrichtet, wie Du es selbst erlebt hast, würde ich weniger meckern. Wenn in den Jahren aber nicht einmal fundamentale Basics vermittelt werden - die einfach gelernt werden müssen (Hallo? Ich hatte in Mathe auch keine Wahl!) - sondern eher gemeinsames Wabern und Labern, das in der Wahl Kerze anzünden (= ich fühle mich wohl) oder Stein nehmen (= ich habe Sorgen) seinen spirituellen Höhepunkt erfährt, dürfen sich meine Kinder frei nehmen (sobald sie abwählen können), um länger zu schlafen oder früher zu Hause zu sein.

Komme also wieder zum gleichen Ergebnis: Religion dürfte schon lange nicht mehr in Reinform an Schulen angeboten werden. Es führt Kinder gefährlich lange in die falsche Richtung, anstatt diese Zeit in ein breiteres Bildungsangebot zu investieren.