Regulierungswut oder - notwendigkeit?

John
Ich möchte hier mal eine Frage hereinstellen mit ganz einfacher Formulierung:

Warum lassen wir uns von Regulierungen beherrschen, statt daran zu denken, diese zu beherrschen?

Ich habe bewusst auf ein ganz aktuelles Beispiel verzichtet, um nicht gleich eine Richtung vorzugeben, sondern ..........................ach was, sonst gehts ja doch in eine Richtung!

Also ganz einfach los, möglichst alltagsbezogen, aber gerne auch exakt auf die Frage bezogen mit Zitaten.

Meinetwegen auch als These von mir:

Wir Menschen müssen stets daran denken, dass wir Regeln und Gesetze selbst schaffen. Niemals ist ein Gesetz wichtiger als sein Schöpfer. Es hat eine Aufgabe, nämlich zu regeln und ist niemals Selbstzweck

Ich stelle mir vor, dass dieses Thema sowohl vom religiösen Aspekt her angegangen werden kann, als auch ohne diesen.

Danke im voraus für die Beiträge.
Reinhard
Zitat:
Warum lassen wir uns von Regulierungen beherrschen, statt daran zu denken, diese zu beherrschen?


Hallo John, natürlich sind Regulierungen und Gesetze, Verordnungen und Gebote uvm nicht ihrer selbst willen da, auch wenn es uns meist so vorkommt. Im Paradies wären sie nicht von Nöten. Sie sind ja Ausdruck des Mangels unseres Einigungswillens- und Vermögens. Wenn man so will, ist das die Folge der Erbsünde mit den Grundelementen Boden, Geschlecht und Tod. Die Sündhaftigkeit liegt ja gerade darin, dass nicht alle zu jeder Zeit das haben können, was sie begehren, also in der Abkehr von der Einsicht in eine Alleinheit allen Daseins. Ohne solche Regelungen läuft also gar nichts, nur mit ihnen besteht immer auch die Gefahr des Machtmissbrauchs, d.h., dass auch die Gesetze von uns selber gemacht werden müssen und bei denen, die dazu befugt sind, walten eben auch wieder Egoismen. Das bleibt ein ständiger Prozess ohne mögliches Ende.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Archibald
Zitat:
Original von John
............................Warum lassen wir uns von Regulierungen beherrschen, statt daran zu denken, diese zu beherrschen?...................


Antwort:

Weil in unseren Hirnen immer noch der Geist des Ideales "Sozialismus" herrscht, der genau dieses propagiert!
Agent Orange
Wie kann man nur so einen dummdreisten Stuss reden.
Archibald
@ Agent:

Indem man genau die Ideale des Sozialismus als DAS nimmt, was sie auch wirklich sind:

Die Unterordnung des Einzelnen in die Gesellschaft (und somit die Abkehr persönlicher Freiheit).
-Sabine-
Zitat:
Original von Reinhard
Hallo John, natürlich sind Regulierungen und Gesetze, Verordnungen und Gebote uvm nicht ihrer selbst willen da, auch wenn es uns meist so vorkommt. Im Paradies wären sie nicht von Nöten. Sie sind ja Ausdruck des Mangels unseres Einigungswillens- und Vermögens.


Ich würde es weit pragmatischer sehen: Je mehr Mitglieder eine Gemeinschaft hat, umso mehr Regeln braucht sie, da anderweitig irgendwann der Tag nicht mehr ausreichen würde, einen Konsens per Diskussion oder persönlicher Abstimmung zu erreichen und die Gesellschaft am Funktionieren zu halten. Das merkt jede Familie mit jeden neu dazu gekommenen Kind schon, umso mehr gilt es natürlich, wenn es um größere Verbände geht.
John
noch pragmatischer (oder vielleicht eben nicht pragmatisch):

Menschen stellen eine Regel auf, aus einer gewissen Einsicht in die Notwendigkeit, ein gewisses Ziel zu erreichen, heraus. Nun stellt man fest, dass die Beachtung dieser Regel diesem Ziel nicht mehr förderlich ist.

Machtstrukturen, Egoismus, Ideologien, Sinn oder Unsinn von Sozialismus muss in diesen Überlegung gar nicht mal rein, wenn man bereit ist, sie theoretisch zu führen.

Was ist nun Aufgabe derjenigen, die für das Aufstellen von Regeln zuständig sind?

Festzustellen, dass die Regel nun einmal existiert, ihr ein "Eigenleben" zuzugestehen und sie unter allen Umständen zu beachten, bzw. für ihre Beachtung zu sorgen oder

im Interesse des Zieles (setzen wir einfach mal darüber Einigkeit voraus, auch über die Personen der Regelaufstellung) die Regelbeachtung zu relativieren und die Regel schnellstmöglichst abzuschaffen oder zu modifizieren, ihr also kein Eigenleben zuzubilligen, sondern sie anhand des aufgestellten Zieles einer Praktikabilitätsprüfung permanent zu unterwerfen?
-Sabine-
Zitat:
Original von John
im Interesse des Zieles (setzen wir einfach mal darüber Einigkeit voraus, auch über die Personen der Regelaufstellung) die Regelbeachtung zu relativieren und die Regel schnellstmöglichst abzuschaffen oder zu modifizieren, ihr also kein Eigenleben zuzubilligen, sondern sie anhand des aufgestellten Zieles einer Praktikabilitätsprüfung permanent zu unterwerfen?


Ich würde jetzt mal dem hier zustimmen. Das klappt sicher gut,wenn die Gemeisnschaft (noch) klein ist: in einer Familie zum Beispiel und ist förderlich für die - immer - dynamische Entwicklung einer Gemeinschaft.

In einem Statt wie dem unseren, der einen großen bürokratischen Apparat und eine lange bürokratische Tradition hat, wird man im Fall eines Falles wahrscheinlich eher 1000 neue Regeln aufstellen, die die bestehenden modifizieren sollen, anstatt einfach ein paar anzuschaffen. Beispiel dafür gibt es ja genug. Und die im Staat beschäftigen Bürokraten brauchen eine Aufgabe ......

Mich bringt dieser Zustand regelmäßig auf Auswanderunsgedanken nunja
Reinhard
Hallo Sabine, hallo John, was mir nun gar nicht gefällt, ist doch die Überordnung der gesellschaftlichen Belange über denen des Einzelnen. Das ist rein eine Frage der Bezugsgröße. Wählt man die der Gesellschaft, kommt man um den Stuss materieller Dialektik nicht umhin. Verantwortung trägt aber immer der Einzelne, oder er versteckt sich eben hinter allgemeinen Zielen und dann wird aus der Verantwortung plötzlich eine politische Verantwortung, die selbst bei Missbrauch keinerlei persönliche Konsequenzen mehr nach sich zieht. Im allerübelsten Fall macht man sich aus dem Staub, wie auch immer.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
John
und mir gefällt es immer nicht, gesellschaftliche Belange und die des einzelnen zu trennen. Es gibt keine abstrakte Gesellschaft, sie ist nichts anderes als die Summe von einzelnen Personen.

Dass diese als verschiedenartige Individuen Regularien brauchen, um in der Gesellschaft existieren zu können, bestreite ich ja nicht.

Aber diese Regularien, auch wenn sie für 50 000 oder noch mehr Individuen aufgestellt werden, dienen nicht einer abstrakten Gesellschaft oder Gemeinschaft oder einigen wenigen in der Gemeinschaft, sondern den Zielen, die die Gemeinschaft (in welcher Weise auch immer) für wichtig hält, zum Wohle ihrer Individuen.

Ich weiß sehr wohl, dass dies absolut theoretisch klingt, ich könnte es auch mit zahlreichen Beispielen konkretisieren. Warum tue ich es nicht? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich dann immer an diesen Beispielen hochzieht, ohne die Theorie dahinter noch zu sehen.

Also: Jede aufgestellte Regel, die eindeutig Belange einzelner Individuen beschneidet (sofern diese Belange nicht selbst schon eindeutig gegen allgemeingültige Normen verstoßen), muss hinsichtlich ihrer Berechtigung laufend überprüft werden. Allein die Tatsache, dass sie einmal als solche (Regel) aufgestellt wurde, von Menschen, und dann zum "Gesetz" oder zur "Ordnung" oder was auch immer, befördert wurde, gibt ihr noch keine dauerhafte Existenzberechtigung.
Agent Orange
Zitat:
Original von Archibald
@ Agent:

Indem man genau die Ideale des Sozialismus als DAS nimmt, was sie auch wirklich sind:

Die Unterordnung des Einzelnen in die Gesellschaft (und somit die Abkehr persönlicher Freiheit).


Nichts weiter als ideologische Dreckschleuderei.
-Sabine-
Zitat:
Original von John
und mir gefällt es immer nicht, gesellschaftliche Belange und die des einzelnen zu trennen. Es gibt keine abstrakte Gesellschaft, sie ist nichts anderes als die Summe von einzelnen Personen.

Dass diese als verschiedenartige Individuen Regularien brauchen, um in der Gesellschaft existieren zu können, bestreite ich ja nicht.

Aber diese Regularien, auch wenn sie für 50 000 oder noch mehr Individuen aufgestellt werden, dienen nicht einer abstrakten Gesellschaft oder Gemeinschaft oder einigen wenigen in der Gemeinschaft, sondern den Zielen, die die Gemeinschaft (in welcher Weise auch immer) für wichtig hält, zum Wohle ihrer Individuen.

Ich weiß sehr wohl, dass dies absolut theoretisch klingt, ich könnte es auch mit zahlreichen Beispielen konkretisieren. Warum tue ich es nicht? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich dann immer an diesen Beispielen hochzieht, ohne die Theorie dahinter noch zu sehen.

Also: Jede aufgestellte Regel, die eindeutig Belange einzelner Individuen beschneidet (sofern diese Belange nicht selbst schon eindeutig gegen allgemeingültige Normen verstoßen), muss hinsichtlich ihrer Berechtigung laufend überprüft werden. Allein die Tatsache, dass sie einmal als solche (Regel) aufgestellt wurde, von Menschen, und dann zum "Gesetz" oder zur "Ordnung" oder was auch immer, befördert wurde, gibt ihr noch keine dauerhafte Existenzberechtigung.


Seh ich auch so.
Reinhard
Zitat:
...und mir gefällt es immer nicht, gesellschaftliche Belange und die des einzelnen zu trennen. Es gibt keine abstrakte Gesellschaft, sie ist nichts anderes als die Summe von einzelnen Personen.


Hallo John, Du scheinst mir zu übersehen, dass man Aussagen über den Einzelnen nur über das Gesetz der großen Zahl treffen kann. Will ich über " den Menschen " etwas aussagen, so bleibt dieser auch ein abstraktes Gebilde, das aus verallgemeinerten Aussagen und statistischen Grundlagen besteht. Der Einzelne in seiner Einheit ist selbst nicht hinterfragbar, nicht mal durch sich selbst. Jeder bleibt sich selbst das größte Rätsel, nur wirklich oberflächliche Leute gehen davon aus, sich zu kennen. So führt eine Abstraktion auf die nächste, so ist das nun mal mit dem Denken.

Viele Regeln, Regulierungen klingt mir immer wie Strangulierungen, versuchen immer allen möglichen Interesssen gerecht zu werden, dabei werden sie dann immer unschärfer und insofern kommt es mir immer auf die Feinabstimmung, das Austarieren der Interessenlagen an.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Archibald
@ Agent:

Das ist kein inhaltliches Argument, sondern, nur ein formales!

Willst du allen Ernstes behaupten, Sozialismus (also, einfach gesagt, Vergesellschaftung") und Individualismus (einfach ausgedrücht: "Freiheit") würden zusammenpassen?
Agent Orange
Zitat:
Original von Archibald
@ Agent:

Das ist kein inhaltliches Argument, sondern, nur ein formales!

Willst du allen Ernstes behaupten, Sozialismus (also, einfach gesagt, Vergesellschaftung") und Individualismus (einfach ausgedrücht: "Freiheit") würden zusammenpassen?


Aha, immerhin erkennst du implizit an, dass du den Sozialismusbegriff auf die Negierung von Privateigentum reduzierst. Unsere "durch Sozialismus verseuchten Hirne" reflektieren die geltenden Regularien also nicht aufgrund der Annahme, diese dienten der Vergesellschaftung privaten Eigentums.
Archibald
@ Agent:

Mit "Vergesellschaftung" meinte ich nicht (oder nur bedingt) die staatliche Regulierung von Eigentum, sondern, das Anmaßen des Staates Dinge, die ihn eigentlich nichts angehen, regulieren zu wollen!
Agent Orange
Dein ganzer Erguss ist frei von Argumenten. Deutschland zählt (neben USA und weiteren) zu den Ländern, in denen eine individualistische Denkart dominiert, ein Konglomerat aus Konservatimus und Neoliberalismus regiert, die wenigsten Fabrikarbeiter Marx lesen, die letzten DDR-Idealisten am Aussterben sind, die Linke ihre Annäherung an eine moderate SPD vollziehen wird.
Wenn Deutschland politisch inaktiv ist, dann sicher nicht, weil der gegenwärtigen Regierung unerschütterliches Vertrauen bei der Beförderung des Allgemeinwohls entgegengebracht wird.
Archibald
@ Agent:

Ich habe mich gar nicht zu Deutschland geäussert, sondern den Begriff "Vergesellschaftung" definiert.
Agent Orange
Muss jetzt auch noch dein Erinnerungsvermögen vergesellschaftet werden?

Zitat:
Original von Archibald
Zitat:
Original von John
............................Warum lassen wir uns von Regulierungen beherrschen, statt daran zu denken, diese zu beherrschen?...................


Antwort:

Weil in unseren Hirnen immer noch der Geist des Ideales "Sozialismus" herrscht, der genau dieses propagiert!
John
Zitat:
Hallo John, Du scheinst mir zu übersehen, dass man Aussagen über den Einzelnen nur über das Gesetz der großen Zahl treffen kann. Will ich über " den Menschen " etwas aussagen, so bleibt dieser auch ein abstraktes Gebilde, das aus verallgemeinerten Aussagen und statistischen Grundlagen besteht. Der Einzelne in seiner Einheit ist selbst nicht hinterfragbar, nicht mal durch sich selbst.


Hallo Reinhard, wenn ich aber nun eine Gemeinschaft von "abstrakten Gebilden" nehme, dann ist doch diese Gemeinschaft erst recht ein abstraktes Gebilde. Letztlich geht es doch darum, ob dieses abstrakte Gebilde nun Anspruch auf irgendetwas hat, das zu Lasten der Bestandteile gehen kann.
Und genau dies lehne ich eben ab. Eine Gemeinschaft hat keinen Eigenwert, sie definiert sich durch die Menschen, die sie bilden. Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, kann die Begründung niemals lauten: Sie (die Entscheidung) ist zwar nachteilig für die Menschen, aber gut für die Gesellschaft. Ein Absurdum! Sie (die Begründung) kann nur lauten: die Entscheidung begünstigt diese oder jene Gruppe in der Gesellschaft. bedauerlicherweise zu Lasten anderer Gruppen.

Und wenn du schon den Menschen als abstraktes Gebilde betrachtest, so bedeutet dieser Gedankengang auf ihn übertragen folgendes: Was für einen "Teil" des Menschen, z. B. das Wohlgefühl gut ist (faul herumliegen), ist vielleicht für die Gelenke schlecht. Also gilt es wiederum zu entscheiden.

Welchen "Teil" des Menschen will man mit seinen Handlungen begünstigen? Wohlgemerkt, es sei denn, man betrachtet den Menschen als Ganzes! Dann wären die Entscheidungen, was für ihn nun gut ist oder nicht, eventuell definierbar. Diesen Anspruch, als das Maß aller Dinge zu gelten, könnte der einzelne Mensch - theoretisch - haben. Niemals aber, um zum Thema zurückkommen, die abstrakte Gesellschaft, die es ohne Menschen ja gar nicht gäbe.