Warum gibt es etwas und verschwindet dies mit der eigenen Existenz

phil99
Ich bin mir im Klaren, dass diese Frage wahrscheinlich niemand auch nur ansatzweise beantworten kann, trotzdem will ich sie stellen.
Warum gibt es etwas ?
Nach Einstein sind Raum und Zeit beim Urknall entstanden. Neure Theorien behaupten, dass es keine reine Singuralität war, sondern dass der Raum auch sowas wie Miniteilchen hat und sich nicht endlos zusammendrücken lässt.
Irgendein Mathematiker und Physiker hat rein rechnerisch dieses Problem mit der sogenannten Planckzeit 10 -31 Sekunden gelöst und kam auf ein sich zusammenziehendes Universum, welches vor unserem heutigen "spiegelverkehrt" da war.
Natürlich kann man nicht wissen, ob es noch andere Universen gibt, weil hier einfach keine Kausalität vorliegt.
Der bekannte Fernsehphysiker Harald Lesch sagte aber, dass die Gravitationskraft auf 31 Stellen genaus sein muss, damit ein Universum entstehen kann.
Ansonsten flögen die Teile entweder zu schnell auseinander um Sterne usw zu bilden, oder es würde sich sofort wieder in sich zusammenziehen.
Zurück zu meiner Frage. Warum gibt es überhaupt ein Universum oder mehrere ? Woher kam der Impuls ?
Lesch spricht von Unschärfe im Vakuum, aber das hilft auch nicht wirklich weiter.
Viele sagen Gott, aber woher kommt Gott ?
Ich geh jetzt mal davon aus, dass ich nicht im Jenseits weiterlebe.
Ich kam auf dieses Universum, eigentlich bin ich nur ein Produkt der Evolution.
Existiert mein Universum überhaupt noch, wenn ich gestorben bin, oder ist es mit mir entstanden ?
Fragen über Fragen. Aber ich hoffe, ihr versteht worauf ich hinauswill.
Gebe es mich nicht, dann gebe es für mich auch nix, damit wäre das Problem gelöst.
Neo
Zitat:
Original von phil99
Existiert mein Universum überhaupt noch, wenn ich gestorben bin, oder ist es mit mir entstanden ?
Fragen über Fragen. Aber ich hoffe, ihr versteht worauf ich hinauswill.
Gebe es mich nicht, dann gebe es für mich auch nix, damit wäre das Problem gelöst.

Das ist ja jene Logik, die manche Menschen dazu veranlasst, Selbstmord zu begehen.
Das Problem ist nur, dass dabei eben diese von Dir beschriebene Voraussetzung gemacht wird.
Was aber, wenn das ein Irrtum ist, und alle Probleme damit eben nicht gelöst ist? Dann würde man sich wahrscheinlich ganz schön in den Allerwertesten beißen.
phil99
Verstehe ich nicht ganz. Das Problem bringt mich ja nicht zum Verzweifeln. Es ist eben nur seltsam, dass es überhaupt irgendwas gibt.
Warum sollte ich unbedingt ein Nichts anstreben ? Das ist doch eher eine beängstigende Vorstellung.
Ich könnte mich höchstens Umbringen, weil ich die ganzen anderen Menschen nicht leiden kann.
Ein PSychotherapeut hat mal immer wieder gesagt "Wer sich selbst umbringt, bringt eigentlich die ganze Welt um"
Beim Nachforschen habe ich aber festgestellt, dass dieses Problem ein metaphysisches ist. Warum gibt es ein Sein, eine gern gestellte Frage.
Und kannst du mir erklären, warum ich mir dann ganz schön in den *Hintern* beissen würde, wenn ich eh nicht mehr existiere, nichts mehr fühle etc.
Oder willst du auf was religiöses hinaus ? In vielen Religionen ist Selbstmord ja eine schwere Sünde.
Neo
Hi Phil,

Zitat:
Original von phil99
Verstehe ich nicht ganz. Das Problem bringt mich ja nicht zum Verzweifeln.

Das hab ich auch nicht angenommen.

Zitat:
Original von phil99
Es ist eben nur seltsam, dass es überhaupt irgendwas gibt.

Das stimmt. Es ist die tiefgründigste Frage, die man sich stellen kann.
Die Philosophie beisst sich daran seit Jahrhunderten die Zähne aus.
Im Grunde läuft es - rein aus logischen Argumenten - auf folgendes hinaus: wenn die Welt 'entstanden' ist, und mit ihr die Kategorien wie Zeit und Raum, dann kann es vor ihrer Entstehung kein 'Vorher' gegeben haben. Es ist also sinnlos nach einer Ursache zu fragen, die 'davor' lag. und damit wird natürlich auch der Gedanke von 'Entstehung' sinnlos.
Etwas, was sinngemäß Parmenides meinte mit seinem "entweder es ist; dann ist es ganz und gar und immerdar. Oder es ist nicht. Ein Drittes gibt es nicht." (aus dem Gedächtnis). Daher ist die Bezeichnung 'Nichts' sinnlos, genauso wie "verpräbsigt'.
Gemeint ist damit, dass es sich beim 'Sein' und 'Nichtsein' nicht um zwei Zustände handelt, die vom einen in den anderen überwechseln können.

Kant sagte, die Kategorien wie Raum und (lineare) Zeit (mit der Vorstellung von Anfang und Ende) werden erst von unserem Geist erzeugt und sind keine realen Eigenschaften der Welt. Das geht dann auch in die Richtung, was die fernöstlichen Philosophie-Religionen sagen (Illusionen, Maya).

M.E. die befriedigendste Lösung, dass man gar nicht von einem Anfang ausgeht, sondern von einem ewigen Sein, in welchem es zwar Bewegung, Entwicklung gibt (dies jedoch eine reine Formänderung ist), aber außerhalb dieses Seins nichts existiert. weder existiert noch nicht existiert.

Zitat:
Original von phil99
Warum sollte ich unbedingt ein Nichts anstreben ? Das ist doch eher eine beängstigende Vorstellung.

Ich sag ja gar nicht dass man das anstreben soll. Beängstigend ist es nur deshalb für uns, weil das durch unser Gehirn erzeugte Ich sich reflexartig gegen seine eigene Destruktion wehrt. Es ist eine psychologische Reaktion, mehr nicht.

Was ich meinte ist, dass trotz dem Verschwinden des Ich (mit dem Suzid) dennoch eine Weiterexistenz möglich wäre, auf eine Art wie wir sie uns nicht vorstellen können, da zur Vorstellung die Verstandeskategorien notwendig sind, und der Verstand zusammen mit dem psychologischen Ich verschwindet. Dass es also so etwas wie eine unsterbliche Seele gibt, die man sich freilich dann etwas anders vorstellen muß als ein durchsichtiges Speigelbild von einem Selbst (bzw am besten gar nichts vorstellen).
Und es könnte ja sein, dass es sich mit den Problemen ähnlich verhält: dass man die nicht zusammen mit dem Ich zum Verschwinden bringt, sondern dass sie quasi zur Seele dazu gehören wie Form zum Gegenstand; diese sozusagen konstituieren.

Zitat:
Original von phil99:
Ein PSychotherapeut hat mal immer wieder gesagt "Wer sich selbst umbringt, bringt eigentlich die ganze Welt um"

In gewisser Hinsicht stimmt das; aber nur in gewisser Hinsicht.

Zitat:
Original von phil99
Beim Nachforschen habe ich aber festgestellt, dass dieses Problem ein metaphysisches ist. Warum gibt es ein Sein, eine gern gestellte Frage.
Und kannst du mir erklären, warum ich mir dann ganz schön in den *Hintern* beissen würde, wenn ich eh nicht mehr existiere, nichts mehr fühle etc.

s.o.

Zitat:
Original von phil99
Oder willst du auf was religiöses hinaus ? In vielen Religionen ist Selbstmord ja eine schwere Sünde.

Naja, ich finde das Wort 'Sünde' etwas unpassend, da es eine moralische Wertung beinhaltet. 'Fehler' träfe es vlt besser.

Gruß
byLaszlo
hallo phil99,

Grossartig! Du bringst es auf den Punkt!
(wenn ich nämlich das Problem beschreibe,
heisst es, ich könne es nicht, ich sei viel zu
pessimistisch u.a. siehe meinen Thread über
den Tod...)

Aber um dich genauer zu verstehen (und damit
auch die hier oft vorgetragene phil. Fragen besser
zu verstehen) möchte ich, dass du genauer beschreibst:
Wonach fragst du, wenn du nach "etwas" fragst?

Mein Problem ist, dass diese Frage die Voraussetzung
unterschlägt, besser gesagt, diese Frage will nicht mehr
sehen, der Fragesteller nicht mehr von sich wissen,
dass er nämlich ein Wesen ist, dass er diese Frage
stellen kann und auch stellt.

Die Frage nach "etwas" scheint mir schon die 2.
Frage zu sein. Wer fragt? gehört auch schon zu den
Fragen der 2. Kategorie.

Du setzt dich voraus, bejahst dich und mit der nächste Frage
(nach dem warum von "etwas" nimmst du alles zurück)
Diese double-bind (in Wikipedia nachschauen!) Haltung hat uns
die Philosophie eingebracht, du wiederholst sie nur.
ewig
Zitat:
Original von phil99
Der bekannte Fernsehphysiker Harald Lesch sagte aber, dass die Gravitationskraft auf 31 Stellen genaus sein muss, damit ein Universum entstehen kann.

Der Mann nimmt's oft nicht so genau. Die Gravitationskraft muss auf 31 Stellen genau sein, damit exakt dieses Universum "entstehen" kann. (Oder zumindest trifft es dieser Satz ein wenig eher.) Ist übrigens auch kein großes Kunststück. Da die Abschätzung des "Urknall"-Ereignisses auf Rechnungen basiert, in denen die von uns heute beobachtete Gravitationskraft als Konstante zugrunde gelegt wurde, sollte man sich nicht gar zu sehr darüber wundern, daß genau diese Konstante vonnöten ist, um bei der Proberechnung über dieselben Gleichungen auf das heutige Ergebnis zu kommen.

Zitat:
Warum gibt es überhaupt ein Universum oder mehrere ? Woher kam der Impuls?

Die immerwährende Frage nach dem Vorher hat drei Antwortmöglichkeiten:

1) Man kalkuliert die Gesamtdynamik des beobachtbaren Universums zurück, so weit man es sich aufgrund der zunehmenden Beobachtungsunschärfe erlaubt, und eliminiert dann die Zeit (oder manchmal auch den Raum gleich mit), wahlweise auch "die Energie"; und postuliert: Dort war der absolute Anfang von allem, das heute ist.
2) Man kalkuliert die Gesamtdynamik des beobachtbaren Universums zurück, so weit man es sich aufgrund der zunehmenden Beobachtungsunschärfe erlaubt, und nimmt dann einen Phasenwechsel der Gesamtdynamik an, der durch irgend etwas hervorgerufen wird, was gegenwärtig nicht einmal indirekt in unserem Blickfeld liegt. Dadurch kann so etwas wie die Ewige Wiederkehr des Gleichen postuliert werden, wie etwa von Nietzsche und verschiedenen östlichen Überzeugungen.
3) Man kalkuliert die Gesamtdynamik des beobachtbaren Universums zurück, so weit man es sich aufgrund der zunehmenden Beobachtungsunschärfe erlaubt, und sagt dann möglichst laut: "Alles, was darüber hinaus behauptet wird, ist Spekulation, die in ihrem Inhalt nicht so sicher sein kann, daß wir sagen wollen, wir wüßten, es sei so gewesen."

Aus nicht sehr diversen Gründen (Verbreitung des christlichen Schöpfungsmythos und dessen Verquickung mit mancherlei Betreiber früher wissenschaftlicher Kosmologie) ist Variante eins in der westlichen Hemisphäre die verbreitetste. Sie beantwortet Deine gestellte Frage, indem sie eine (nicht für jedermann besonders glaubwürdige) Behauptung aufstellt.

Angesichts des Ausmaßes, in dem die Konsistenz von Raum und Zeit und Energieerhalt und jeglicher Form von Dynamik in lebensnahen Bereichen beobachtet werden können, stellt Variante zwei eine Lösungs-Möglichkeit dar für Leute, denen die Vorstellungskraft dafür fehlt, daß so etwas wie Zeit oder alle Energie im Universum ganz plötzlich einfach da sein kann. Sie beantwortet Deine Frage immer nur stückweise, indem jedes Vorher wieder ein Vorher kennt, diese Reihe aber grundsätzlich gar kein Ende hat.

Variante drei ist schließlich das, was ich für das Wissenschafts-Soll halte, das aber mit dem Wissenschafts-Ist sonderbarerweise nicht überall zusammenfällt. Mehrheitlich scheint man dort Variante eins zu vertreten. Mir hat allerdings noch niemand überzeugend darlegen können, weshalb das ein zwingenderer Standpunkt sein sollte als Variante zwei (die zwar auch eine zusätzliche unbekannte Größe einführt, dadurch aber immerhin nicht das Gesamtparadigma inklusive aller Vorstellungsmöglichkeiten aufsprengt, bloß um eine definitive Antwort auf eine schlicht nicht clever gestellte Frage geben zu können).


Zitat:
Ich geh jetzt mal davon aus, dass ich nicht im Jenseits weiterlebe. Existiert mein Universum überhaupt noch, wenn ich gestorben bin, oder ist es mit mir entstanden?

Gäbe es mich nicht, dann gäbe es für mich auch nix

Exakt.
phil99
Was ich unter etwas verstehe ?
Das Dasein von Raum und Zeit oder meine Wahrnehmung desjenigen.
Natürlich kann ich nicht sagen, ob es meine Umwelt wirklich gibt, aber ich kann mit sicherheit sagen, dass ich etwas wahrnehme, also zumindest nicht nichts existiert.
Das mit den 31 stellen stimmt so übrigens nicht. Es gilt wohl für alle 4 uns bekannten Kräfte. Gravitation, elektrische, starke und schwache Wechselwirkung.
Ich löse mich ja auch bewuss vom Begriff Zeit, denn dieser Entsteht erst durch die KAusalität, also durch Veränderungen im Raum, welcher auch erst entstanden ist.
Ausserhalb unseres Universums im Wirklichen Vakuum oder Nichts gibt es keinen Raum und keine Zeit. Wahrscheinlich, so glaube ich, gibt es viele Universen, ich spreche jetzt nicht von unserem ähnelden unednlichen Paralleluniversen, sondern von Eigenständigen, die mit uns nicht in Verbindung stehen.
Man kann leicht sagen, dass das Universum als Kausalität der Singularität mit der enormen Energie entstanden ist.
Aber woher der 1. Grund irgendetwas (Gott löst das Problem übrigens auch nicht) kommt, scheint mir sämtliche physikalische Gesetze zu brechen, insbesondere den Energieerhaltungssatz.
Die Frage ist wohl die nach der Zündung !
Unter Zündung verstehe ich hier das Erwachsen von Energie, denn wo kommt diese her. Natürlich kann man jetzt sagen, von irgendwelchen anderen Universen, aber wo kommen diese her.
Alpha Zentauris wird hier in seiner Erklärung übrigens kritisiert. Der Urknall hatte selbst keine Ursache, es wird vom Fluktationen im Vakuum (im absoluten, kein Raum, keine Zeit) erstellt.
Schlussbetrachtend möchte ich noch erwähnen, dass ich glaube, dass man diese Frage nicht beantworten kann, weil man nie an die Informationen kommen wird.
Vielleicht können die Teilchenbeschleuniger uns noch näher bringen, aber die Grundfrage der verletzten Kausalität, bzw Energieerhaltungssatz wird wohl nie geklärt.
Claudia887
Wenn ich mich auf die Frage nach dem Etwas beziehe, muss es wohl heißen, dass dieses Etwas für jeden anders empfunden und deswegen für dich nicht zu beantworten ist. Was ist für dich "etwas"? Gehören da Emotionen dazu? Sind Fragen und Ideen "etwas"? Wann das für dich so ist, dann sind diese "Dinge" natürlich nicht mehr existent, wenn du gestorben bist.
In einem philosophischen Buch habe ich mal dazu gelesen: Wenn lebensmögliche Umstände herrschen, dann entwickelt sich auch Leben. (sinngemäß). Wieso? Wieso entwickelt sich etwas, nur weil die Möglichkeit besteht?