Neo
| Zitat: |
Original von Stanley Alvarez
Es mag sein, dass "der Staat" die Bevölkerung für seine Ziele "missbraucht". Das perfide aber ist, dass es nicht gegen deren Willen geschieht; dass die Ziele des Staates zu ihren Zielen gemacht werden; dass sie sich sehr wohl freiwillig diesen Zielen widmen. |
Das stimmt so halt nicht. Die Leute werden nur von klein auf drauf konditioniert, dass es keine Alternative als die jetztige gäbe, oder wenn dann nur noch üblere. "Schön fleissig lernen, damit Du später mal was wirst und viel Geld verdienst".
Ergo: wenn Du nicht viel oder kein Geld verdienst, bist Du ein Nichts.
Due lernst also nicht in der Schule, damit es für dich und deine persönliche Entwicklung Vorteile bringt. 'Ihr lernt nicht für die Schule sondern fürs Leben' sagen doch die Lehrer immer so schön. Heisst: um mal später viel Kohle zu machen, also für unser kapitalistisches System.
Darum macht jeder mit. Aus Angst, weil ja alle immer sagen, 'ist halt so, geht nicht anders'.
-Sabine-
| Zitat: |
Original von Neo
| Zitat: |
Original von Stanley Alvarez
Es mag sein, dass "der Staat" die Bevölkerung für seine Ziele "missbraucht". Das perfide aber ist, dass es nicht gegen deren Willen geschieht; dass die Ziele des Staates zu ihren Zielen gemacht werden; dass sie sich sehr wohl freiwillig diesen Zielen widmen. |
Das stimmt so halt nicht. Die Leute werden nur von klein auf drauf konditioniert, dass es keine Alternative als die jetztige gäbe, oder wenn dann nur noch üblere. "Schön fleissig lernen, damit Du später mal was wirst und viel Geld verdienst".
Ergo: wenn Du nicht viel oder kein Geld verdienst, bist Du ein Nichts.
Due lernst also nicht in der Schule, damit es für dich und deine persönliche Entwicklung Vorteile bringt. 'Ihr lernt nicht für die Schule sondern fürs Leben' sagen doch die Lehrer immer so schön. Heisst: um mal später viel Kohle zu machen, also für unser kapitalistisches System.
Darum macht jeder mit. Aus Angst, weil ja alle immer sagen, 'ist halt so, geht nicht anders'. |
Genau das meinte ich. Mit der Erziehung, die wir derzeit "geniueßen" resepektive in deren Genuß unsere Kinder kommen, ist eine demokratische Gesellschaft wie weiter oben beschrieben schlicht nicht erreichbar.
JFooo
Wenn man dabei bedenkt, daß unsere Gesellschafts-/Wirtschaftsordnung maßgeblich auf Konkurrenz/Wettbewerb/Wachstum basiert und dies als normal verstanden und gelebt wird, entwickelt das natürlich eine recht einseitige Dynamik.
Neo
| Zitat: |
Original von -Sabine-
Genau das meinte ich. Mit der Erziehung, die wir derzeit "geniueßen" resepektive in deren Genuß unsere Kinder kommen, ist eine demokratische Gesellschaft wie weiter oben beschrieben schlicht nicht erreichbar. |
ich weiss nicht woran es liegt, aber ich habe das Gefühl, ich kann mich gut
in die Denke des roten Mannes hineinversetzen, und sehe daher
unsere eigene Kultur und Lebensweise entsprechend kritisch.
Vlt hab ich ja eine 'rote Seele' ?
ACROSS THE BIG WATER
there were bright lights at night, so that you could
not see the stars, and some of these lights, I heard they
were made with the power of thunder.
We stayed there and made shows for many,
many Wasichus (white skinned men) all that winter.
I liked the part
of the show we made, but not the part the Wasi-
chus made. Afterwhile I got used to being there,
but I was like a man who had never had a vision.
I felt dead and my people seemed lost and I
thought I might never find them again. I did not
see anything to help my people. I could see that
the Wasichus did not care for each other the way
our people did before the nation's hoop was broken.
They would take everything from each other if
they could, and so there were some who had more
of everything than they could use, while crowds of
people had nothing et all and maybe were starv-
irg. They had forgotten that the earth was their
mother. This could not be better than the old
ways of my people. There was a prisoner's house
on an island where the big water came up to the
town, and we saw that one day. Men pointed guns
at the prisoners and made them move around like
animals in a cage. This made me feel very sad, be-
cause my people too were penned up in islands, and
maybe that was the way the Wasichus were going
to treat them.
John G. Neihardt: Black Elk speaks
Jörn
| Zitat: |
Original von -Sabine-
Genau das meinte ich. Mit der Erziehung, die wir derzeit "geniueßen" resepektive in deren Genuß unsere Kinder kommen, ist eine demokratische Gesellschaft wie weiter oben beschrieben schlicht nicht erreichbar. |
Wie erziehst du denn deine Kinder?
JFooo
Ich schätze, nach bestem Wissen und Gewissen.
Jörn
| Zitat: |
Original von JFooo
Ich schätze, nach bestem Wissen und Gewissen.
|
Nur scheint sie ihre eigene Erziehung ziemlich skeptisch zu sehen: denn
die Erziehung in deren Genuß unsere Kinder kommen, ist eine demokratische Gesellschaft wie weiter oben beschrieben schlicht nicht erreichbar.
JFooo
Hallo Jörn,
Dazu kann ich nur nochmal dies hier zitieren:
| Zitat: |
Original von theophanu
De facto ist ein elterlicher Spagat zu leisten, den Kindern in ihren ureigenen Anlagen gerecht zu werden und sie gleichzeitig in die Gesellschaft einzureihen, in der sie ja irgendwann alleine zurechtkommen sollen.
|
...aber lass uns nicht über Sie reden, sondern Sabine selbst dazu Stellung nehmen,
falls Sie mag.
freundliche Grüße
sokrates1976
im kollektiv biologischen sinne sind kinder nicht mehr und nicht weniger als eine nicht enden wollende quelle biologischen rohmaterials das zur weiter verarbeitung für den grossen haufen zu verfügung steht.
gepriesen sei alles was sich durch ständige reproduktion zu erhalten versucht
-Sabine-
| Zitat: |
Original von JFooo
Hallo Jörn,
Dazu kann ich nur nochmal dies hier zitieren:
| Zitat: |
Original von theophanu
De facto ist ein elterlicher Spagat zu leisten, den Kindern in ihren ureigenen Anlagen gerecht zu werden und sie gleichzeitig in die Gesellschaft einzureihen, in der sie ja irgendwann alleine zurechtkommen sollen.
|
...aber lass uns nicht über Sie reden, sondern Sabine selbst dazu Stellung nehmen, falls Sie mag.
freundliche Grüße |
Danke
Ich erziehe meine Tochter anders und kämpfe bei meinem Pflegesohn gegen das, was er bisher mitbekommen hat und was ihn - derzeit - psychisch krank gemacht hat.
Ich bin rundum zufrieden mit meiner Tochter, frage mich aber, ob ich sie nicht zu unabhängig und frei sowie selbstbestimmt werden lasse. Denn damit würde sie in unserer Gesellschaft wohl nicht so glücklich werden - oder sie sucht sich eine passende Nische. Andererseits ist es eine Freude, mit anzusehen, wie gerne sie lernt, wie neugierig sie ist, wie sozial und wie offen. Sie macht alleine, was sie kann, steht was an, fragt sie oder organisiert sich Hilfe. Ohne sich deswegen weniger selbstbewusst zu fühlen. Dinge, von denen ich selbst sehr lange nur geträumt habe. Und sie ist jetzt 5.
Mein Pflegesohn macht gute Fortschritte, aber meine Art mit ihm umzugehen gilt schon als *ähem* "unkonventionell". Was toleriert wird, weil schon viele vor mir mit ihm gescheitert sind. Aber würde es auch toleriert, wenn dem nicht so wäre?
Ich habe mich bei meinen Kindern für psychische Gesundheit und Selbstbestimmtheit entschieden. Nicht für Angepasstheit. Ob diese Entscheidung richtig war, werden sie mir irgendwann sagen, denke ich. Ich persönlich fühlöe mich damit jedenfalls einigermaßen wohl. Denn wenn ich sehe, was allerorten so mit/an Kindern verbrochen wird, wird mir übel.
ewig
| Zitat: |
Original von sokrates1976
gepriesen sei alles was sich durch ständige reproduktion zu erhalten versucht |
Oh ja, gepriesen sei es. Und alles, was es möglich macht.
Jörn
| Zitat: |
Original von -Sabine-
Ich erziehe meine Tochter anders |
Ich vermute mal, die anderen erziehen ihr Kinder auch anders. Ich hab zum Beispiel nicht das Gefühl, meine Kinder so "erzogen" zu haben, dass die Demokratie nicht erreichbar ist. (Ich weiß gar nicht, was das heißen soll)
Allgemeine Rundumschläge gegen alle anderen, während man selbst es natürlich richtig macht - - - gehört das zu den Einstellungen, die man seinen Kindern vermitteln sollte? Ist das ein Demokratieermöglicher?
Neo
| Zitat: |
Original von Jörn
Allgemeine Rundumschläge gegen alle anderen, während man selbst es natürlich richtig macht - - - gehört das zu den Einstellungen, die man seinen Kindern vermitteln sollte? Ist das ein Demokratieermöglicher? |
Eine von vielen, aber dennoch wichtigen Voraussetzungen für Demokratie ist m.E., Kinder zu kritischen Menschen zu erziehen. Manche unserer Lehrer - es waren leider wenige - haben das auch klipp und klar gesagt. Die sind heute bestimmt nicht zum Oberstudiendirektor aufgestiegen, denn sie galten in ihren Reihen wahrscheinlich als Quertreiber. Aber ich bin ihnen dennoch dankbar.
Jörn
Kritisch zu sein, ist nicht schlecht. Selbstkritisch zu sein, ist auch ganz gut.
(Selbst gehört man immer zu den wenigen. Während die Anderen im zu den Vielen gehören ... ist doch seltsam oder?)
-Sabine-
| Zitat: |
Original von Jörn
Kritisch zu sein, ist nicht schlecht. Selbstkritisch zu sein, ist auch ganz gut.
(Selbst gehört man immer zu den wenigen. Während die Anderen im zu den Vielen gehören ... ist doch seltsam oder?) |
Morgen Jörn,
hast Du Kinder? Ich vernute mal, nicht. Denn wenn doch, wüsstest Du, dass Du sehr schnell Rückmeldungen aus Deiner Umgebung bekommst, wenn Du was anders machst. Das fängt an damit, ob Du stillst oder nicht und wenn ja, wie lange, damit, wo Dein Kind schläft, was es ausprobieren darf und was nicht ("nein, lass das, das kannst Du noch nicht"), später dann, ob Dein Kind ins Frühballet und ins Babyschwimmen geht, welchen KiGa Du aussuchst und wie die Eingewöhnung dort läuft, geht weiter mit der Schule, die Du aussuchst.
Und wenn Du Dir dann die Mühe machst, Gymnasialdirektoren durchzutelefonieren, bekommst Du ziemlich übereinstimmend die Auskunft, dass die Kinder aus z.B. Montessorischulen sozial weit kompetenter sind als die Kinder aus den Regelschulen (als Gruppe, Individuen ausgenommen), dass sie lernen gelernt haben und mit Misserfolgen besser zurecht kommen - bei teilweisen Lücken in Mathe oder Deutsch, was sie aber offensichtlich schnell aufholen.
Das deckt sich auch mit Forschungsergebnissen aus Österreich, wo jemand mal die Kompetenzen der Kinder aus verschiedenen Schulsystemen verglichen hat.
Der Druck, sich à la Mainstream zu verhalten, ist sehr sehr hoch - und Ausreißer werden durchaus "sanktioniert" und suchen sich in der Regel dann Nischen mit ähnlich gesinnten Menschen. Du erhältst also deutliche Rückmeldungen, wenn Du was anders machst. Und brauchst dazu ganz und gar nicht selbstkritisch zu sein.
Wobei ich es schon sehr vermessen finden, dass Du Dir anmaßt zu wissen, ob ein Wildfremder aus dem Internet selbstkritisch ist oder nicht, nur weil er offfensichtlich festgestellt hat, dass er was anders macht, als die meisten anderen
Jörn
Ja, ich habe Kinder. Mittlerweile sogar Kindeskinder.
Wenn du Forschungsergebnise in petto hast, warum verlinkst du dann nicht dazu? Dann hätte das Ganze eine Basis, auf der man diskutieren könnte.
Die eigenen Lebenserfahrungen sind sicher wichtig. Aber es ist auch klug zu wissen, was man nicht weiß. Deine Einschätzung könnte einseitig sein, da du keinen Blick von Irgendwo Außerhalb auf die Zustände werfen kannst.
Jörn
Ich finde die Erfindung der Kindheit ist etwas begrüßenswertes. Gut ist auch, dass in unseren Breitengraden (aufgrund besagter Erfindung) Kinderarbeit weitestgehend verschwunden ist. Um einen Vorteil dieser jungen Erfindung ins Feld zu führen. (Ein drastischeres Beispiel: Kindstötung ist keine Sachbeschädigung mehr, was noch vor wenigen Jahrhunderten der Fall war. Oder auch harmloser und dennoch ziemlich wichtig: Gut ist, dass die Schulmedizin dafür sorgt, dass die Säuglingssterblichkeit vergleichsweise gering ist ... )
Ob besagte Erfindung (der Kindheit) bedroht ist, wie manche Philosophen (z.B.: Neil Postman) glauben, kann ich nur schwer beurteilen. Vielleicht. Man müsste sich die Begründungen anschauen. Das fände ich durchaus spannend ...
Manche Weichenstellungen in der Bildungspolitik gefallen mir nicht, etwa die stärkere Orientierung am Arbeitsleben, die angestrebt werden soll, wie man so hört. Darüber sollte man aber nicht vergessen, welche Errungenschaft es darstellt, dass wir überhaupt ein solches System haben, was ja keine Selbstverständlichkeit ist. Ich hege allerdings nicht den geringsten Zweifel daran, dass es noch viel besser geht. (Ich selbst habe die Schule stets gehasst.) Und WEIL das eigentlich eine ganz besonders wertvolle Errungenschaft ist, die noch wertvoller sein könnte, ist sie ja auch wert, gegen Angriffe verteidigt und stets verbessert zu werden. Diese Initiativen können aber keinen Schwung haben, wenn sie nicht auf einem Boden stehen (indem sie bestimmte Werte überhaupt erst mal bejahen!).
Ich habe daher eine starke Allergie gegen einseitiges Beklagen von Zuständen und simplifiziernde Erklärung mit einfachen schwarzweiß Kategorien ...
Komischerweise werden wir alle angeblich in irgendwelche Gleichmacher-Stanzen gepresst ... nur wo sind die Gleichgemachten heute? (Auch dieser Angriff hat übrigens nur einen Sinn, wenn wir Individualität überhaupt erst als Wert sehen!) Die vielen, die das Gleichmachen beklagen, zählen sich selbst nie dazu. Seltsam oder?
Und auf der anderen Seite steht, dass eine zunehmende Individualisierung (und eben nicht: Gleichmachung) angeblich den Gesamtzusammenhalt fraglich machen könnte und zudem den Einzelnen auf sich selbst zurück wirft und es ihm nicht gerade leicht macht, sich an etwas "rück zu binden", wie es oft heißt.
Hier stehen also etliche - sich teils (prima facie) widersprechende - Befunde im Raum.
-Sabine-
| Zitat: |
Original von Jörn
Wenn du Forschungsergebnise in petto hast, warum verlinkst du dann nicht dazu? Dann hätte das Ganze eine Basis, auf der man diskutieren könnte. |
@Jörn
Die Ergebnisse bezogen sich auf die unterschiedliche Entwicklung von Kindern im Regelschulsystem und in den alternativen Schulen. Die waren/sind aber nicht Thema dieses Threads. Wenn Du Dich in die Thematik einlesen willst: Treibhäuser der Zukunft von Reinhard Kahl sind ein guter Einstieg. Da gibt es auch eine gute DVD, die mittlerweile zum Lehrmaterial in Seminaren zur Lehrerbildung an Universitäten gehört.
| Zitat: |
| Die eigenen Lebenserfahrungen sind sicher wichtig. Aber es ist auch klug zu wissen, was man nicht weiß. Deine Einschätzung könnte einseitig sein, da du keinen Blick von Irgendwo Außerhalb auf die Zustände werfen kannst. |
Sie könnte einseitig sein, das stimmt. Da ich aber einen schwer erziehbaren, hoch problematischen Pflegesohn habe, bin ich in regelmäßiger Einzelsupervision und zusätzlich noch in einer Gruppe.
| Zitat: |
| Und auf der anderen Seite steht, dass eine zunehmende Individualisierung (und eben nicht: Gleichmachung) angeblich den Gesamtzusammenhalt fraglich machen könnte und zudem den Einzelnen auf sich selbst zurück wirft und es ihm nicht gerade leicht macht, sich an etwas "rück zu binden", wie es oft heißt. |
Unsere Individualisierung ist aber nicht das, was ich darunter verstehe. Ich sehe verbreitet eine massive Ellbogenmentalität, wo jeder für sich das meiste will - Eherenämter, soziales Engagement etc. fällt flach.
Eine Gemeinschaft bleibt aber nur (über-)lebensfähig, wenn die Einzelnen auch eine Vernatwortung für die Gemeinschaft übernehmen.
Jörn
Warum sollten sie denn Verantwortung übernehmen, wenn die Dinge angeblich so liegen, wie sie (nicht nur in diesem Thread) dargelegt werden? "Alles Egoisten, alles nur Geldmache, wir werden in Schemen gepresst, alles böse, etc. " Auf der einen Seite sagt man *Kraftausdruck*-Gesellschaft. Auf der anderen: engagiert euch mal dafür?
-Sabine-
| Zitat: |
Original von Jörn
Warum sollten sie denn Verantwortung übernehmen, wenn die Dinge angeblich so liegen, wie sie (nicht nur in diesem Thread) dargelegt werden? "Alles Egoisten, alles nur Geldmache, wir werden in Schemen gepresst, alles böse, etc. " Auf der einen Seite sagt man *Kraftausdruck*-Gesellschaft. Auf der anderen: engagiert euch mal dafür? |
Weil man es ihnen anders vorlebt (den Kindern), sie anders aufwachsen (dürfen), sie andere Werte vermittelt bekommen - solange, bis sie erwachsen sind und
wirklich auf eigenen Füßen stehen.
Womit wir wieder da sind, wo wir schon mal waren
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