Lebenseinstellungen in Gesellschaft (Beziehung)

exnihilo
Guten Tag,

ich beschäftige mich mit einer gewissen Frage. Wie würde eine Beziehung funktionieren, wenn die Lebenseinstellungen voneinander doch schon stark abweichen.
Man stelle sich bspw. folgenden Fall vor:
Der eine Partner folgt dem Motto "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Dies ist die oberste Maxime des Christentums, nehmen wir an, es gibt eine solche Person, die diese Maxime erfüllt) Dieser Partner würde dann zwar seine Interessen verfolgen, jedoch würde er seine Mitmenschen stets berücksichtigen, um zu schauen, ob es die best-mögliche Lösung (die mit dem höchsten Nutzen für ihn und die anderen Personen)
Der andere Partner folgt eher seinen Interessen und nicht unbedingt den Interessen seiner Mitmenschen, also auch nicht die seines Partners.

Mathematisch betrachtet:
u1 sei der Nutzen des Partners 1, u2 sei der Nutzen des Partners 2

Das Verhalten des Partners 1 folgt folgendem Schema: min(u1;u2)

Das minimale was Partner2 eingehen würde richtet sich nach seinen Interessen.

Frage: Welche Eigenschaften würden beide benötigen, damit beide dennoch einen gemeinsamen Nutzen in einem gemeinsamen Leben für sich erzielen können. Wir unterstellen, dass beide ein glückliches Leben haben wollen.
Shui
Naja, Partner 2 benötigt auf jeden Fall konkrete Interessen, sonst handelt er nicht. Und ohne konkrete Interessen ist es indes auch schwierig zu sagen, welche Eigenschaften IRGENDJEMAND benötigt.

Wenn es einen eindeutigen "größten Nutzen" für alle gäbe, wäre der Utilitarismus unangefochtene Handlungsmaxime. Daher ist die Partner 1 bereits ziemlich in der Predullie. Ich muss an einen Anime denken, in dem ein paar Leute gerne die gesamte Welt ins Chaos stürzen wollen, weil ihnen einst beigebracht wurde, dass Schmerz den Menschen formt. In ihrer Sicht ist es für alle von Vorteil, die Welt an den Abgrund der Vernichtung zu stellen.

Partner 2 handelt indes nach seinen Interessen, welche wir nicht kennen UND handelt NICHT UNbedingt entsprechend den Interessen seiner Mitmenschen. Doppelte Verneinung, also handelt er BEDINGT nach den Interessen seiner Mitmenschen, wobei auch diese Bedingung nicht bekannt ist.

Zuletzt fehlt natürlich ein Hinweis darauf, was genau die beiden utner einem "glücklichen Leben" verstehen, das sie gerne haben wollen.


Vielleicht macht es Partner1 glücklich, anderen zu helfen und empfindet dies bereits als Befriedigung. Unter diesen Umständen bräuchten beide keine zusätzlichen Eigenschaften, weil Partner1 einfach Partner2 in den Anus kriecht und beide wären vollends glücklich.

EDIT: Ach ja... Wieso hat die Umfrage eigentlich keinen Zusammenhang zu der geschilderten Problematik? Willst du die Umfrage nur hinschmeißen und über das Beispiel reden? Oder umgekehrt?
exnihilo
Zitat:
Original von Shui
EDIT: Ach ja... Wieso hat die Umfrage eigentlich keinen Zusammenhang zu der geschilderten Problematik? Willst du die Umfrage nur hinschmeißen und über das Beispiel reden? Oder umgekehrt?


Die Umfrage soll ein Meinungsbild über die gestellte Frage zeigen. Das Beispiel ist ein konkreter Fall dafür, wenn die Lebenseinstellungen voneinander abweichen. Die Umfrage spielt also nicht direkt auf den Fall an, dennoch ist es möglich, durch diese Frage zu sehen, wie die User hier an diesen Fall herangehen würden, wenn sie selbst in solch einer Situation wären denke ich.

Dass die Interessen und das was die Partner glücklich macht nicht betitelt sind ist Absicht. Dachte mir, dass ihr den Grad aufzeigt, wann dieser Fall welchen Verlauf hätte. Wie du es auch gemacht hast.

Was wäre denn wenn der Partner1 seiner Maxime folgen wollen würde, er jedoch sieht, dass dieses handeln falsch (sichtbar schlecht für das Gemeinwohl) wäre.
Isabella
@ exnihilo

Ich glaube, eine solche Partnerschaft kommt gar nicht so selten vor und sie funktioniert, weil der Altruist von seinem Partner nichts erwartet, was dieser ihm nicht geben kann (oder will). Der eine gibt gerne, der andere nimmt gerne.
Eine solche Partnerschaft, die den anderen nicht in Verklärung, sondern in Wahrheit so annimmt, wie er ist, desillusioniert nicht, sondern erfüllt durch bodenständiges Glück, könnte ich mir vorstellen.
Shui
@Exnihilo
Zitat:
Was wäre denn wenn der Partner1 seiner Maxime folgen wollen würde, er jedoch sieht, dass dieses handeln falsch (sichtbar schlecht für das Gemeinwohl) wäre.

Was heißt sichtbar schlecht?
Unwidrige Umstände formen den Charakter, wenn es der Geselschaft schlecht ergeht, bringt sie vielleicht neue herausragende Persönlichkeiten hervor, eventuell gar einen großen Gesellschaftlichen Umbruch, der eventuell im Sinne des Partner1 ist...
Ich bemängele nicht die mangelnde Ausführung der Eigenschaften, weil mir langweilig ist, sondern weil sie Dreh- und Angelpunkt deiner Frage sind.

Deswegen führe ich möglichst der allgemeinen Empfindung (einschließlich deiner) gegenläufige Beispiel an, um zu zeigen, dass ohne eine konkrete Auslegung der Eigenschaften einfach alles heraus kommen kann.

@Isabella
Zitat:
Eine solche Partnerschaft, die den anderen nicht in Verklärung, sondern in Wahrheit so annimmt, wie er ist, desillusioniert nicht, sondern erfüllt durch bodenständiges Glück, könnte ich mir vorstellen.

Hm... Ich glaube nicht, dass das auf Dauer funktioniert...
Auch der vermeintliche Altruist hat gewisse Bedürfnisse, die nicht durch ständiges Dienen erfüllt werden können.
Zumeist wäre es doch eher so, dass ein Partner dient, um sich die Gunst des anderen zu erwerben, jedoch irgendwann fest stellt, dass es lediglich jene Unterwerfung ist, auf welcher die Beziehung aufbaut.
exnihilo
@Shui
Zitat:
Original von Shui
...
Deswegen führe ich möglichst der allgemeinen Empfindung (einschließlich deiner) gegenläufige Beispiel an, um zu zeigen, dass ohne eine konkrete Auslegung der Eigenschaften einfach alles heraus kommen kann.

Da stimme ich dir zu! smile

@Isabella
Zitat:
Ich glaube, eine solche Partnerschaft kommt gar nicht so selten vor und sie funktioniert, weil der Altruist von seinem Partner nichts erwartet, was dieser ihm nicht geben kann (oder will). Der eine gibt gerne, der andere nimmt gerne. Eine solche Partnerschaft, die den anderen nicht in Verklärung, sondern in Wahrheit so annimmt, wie er ist, desillusioniert nicht, sondern erfüllt durch bodenständiges Glück, könnte ich mir vorstellen.


Okay, ich denke jedoch, wie auch Shui schon geschrieben hat, dass selbst der Altruist Bedürfnisse hat die er erfüllt haben möchte und die möglicherweisen nicht in des Partners Interesse sind, obwohl diese keine negativen Auswirkungen auf den "nehmenden" Partner haben.
Es würde zum Streit kommen und der Ausgang wäre fraglich, vielleicht akzeptiert der "nehmende" Partner die Bedürfnisse des anderen.

Kleiner Zusatzfall: Was passiert bei zwei nur nehmenden Partnern?
(unter der Annahme, dass diese Partner überdurchschnittlich viele Gemeinsamkeiten haben, da ich denke ein solche Beziehung ohne diese nicht entstehen kann)

- Meiner Meinung nach müsste die Bindung dieser Partner sehr starke Momente haben, die sie aneinander bindet, da sie trotz vieler Gemeinsamkeiten, wegen Kleinigkeiten in Konflikte geraten.