Beweise für Gottesnichtexistenz

John
Hallo,

muss mich zunächst outen

a) als Nichtphilosophiestudent (abgesehen von einem Nebenfach bei einem lang zurückliegenden Pädagogikstudium)

b) als überzeugten und bekennenden Atheisten.


hab nun hier einiges gelesen über Gottesbeweise, die mich natürlich nicht überzeugt haben, und es würde mich nun interessieren:

Gibt es Philosophen, die versucht haben, einen eindeutigen Beweis dafür zu liefern, dass es keinen Gott gibt?

Mehr als ein Versuch kann es nach meiner Denkung auch nicht gewesen sein, aber darum soll es ja bei der Frage nicht gehen.

Also nicht nur Theorien, sondern tatsächlich, eindeutige Beweise.

bin dankbar für entsprechende Quellenangaben.
mefre
kann dir mit Quellen nicht helfen
sind die bisherigen Beweise für Gott wahr, ist seine Nichtexistenz unwahr
lassen die bisherigen Beweise dieExistenz als Möglichkeit offen, kann die Nichtexistenz ebensowenig bewiesen werden
für mich ist die Nichtexistenz daher nicht beweisbar
Stanley Alvarez
Man kann wohl kaum beweisen, dass etwas 'nicht existiert'. Man kann aber versuchen, die Annahmen, die mit der Existenz eines Gottes verbunden werden, zu widerlegen. Vielleicht jüngstes und immernoch aktuelles Beispiel dafür ist wohl die Evolutionstheorie, die der Annahme von Gott als einem Schöpfergott weitestgehend widerspricht. Ein philosophisches Beispiel ist vermutlich das Theodizeeproblem.
Schneemann
Zitat:
Original von John
Gibt es Philosophen, die versucht haben, einen eindeutigen Beweis dafür zu liefern, dass es keinen Gott gibt?

Einer der besten "Beweise" das es Gott nicht gibt liegt darin auf die Widersprüche der Eigenschaften die man ihm zuweist (gütig, allmächtig) und den tatsächlichen Verhältnissen auf dieser Welt (leidvoll) hinzuweisen. So eine Art des Beweis schreibt man manchmal bereits Epikur zu:


Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
oder er kann es und will es nicht:
dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
oder er will es nicht und kann es nicht:
dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?


Weitere "Beweise" findest du hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Existence_o...xistence_of_God
Qu_ner
Hallo,

Von nichts kommt nichts. Kann man das so sagen?

Gruß, qu
ewig
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Man kann wohl kaum beweisen, dass etwas 'nicht existiert'.

Das ist das große Problem mit metaphysischen Entitäten. Die Nichtexistenz einer nicht existierenden Sache ist nicht beweisbar, es sei denn analytisch durch infrakonzeptionelle Widersprüche (siehe Schneemann). Daß so eine Entität nicht stringent nachgewiesen werden kann, genügt denen, die an sie glauben, nicht, um vom Gerede und Getue um selbige abzulassen. Denn "Es könnte ja doch sein, und verliere ich in diesem Fall nicht mehr?" (Pascals Wette)

Meines Erachtens ist dieses ganze Feld daher eines, in dem sich rhetorische Strategien zur Selbstüberzeugung für die eine oder andere Seite sammeln, von welchen sich aber jemand von der anderen Seite so gut wie nie beeindruckt zeigt.
Rebecca
Hallo John, wende ich mal der Theodizee-Frage zu - und hier auch speziell Leibniz.

Freundliche Grüße
Rebecca winken
mr.monks
Zitat:
Original von Schneemann
Einer der besten "Beweise" das es Gott nicht gibt liegt darin auf die Widersprüche der Eigenschaften die man ihm zuweist (gütig, allmächtig) und den tatsächlichen Verhältnissen auf dieser Welt (leidvoll) hinzuweisen.

Also das hat mir ja noch nie eingeleuchtet. Wir schreiben Gott paradoxe Eigenschaften zu, beweisen dann, dass diese Eigenschaften paradox sind und nehmen deshalb seine Nichtexistenz an?

1. Schneemann hat immer Recht
2. Schneemann schreibt grade völligen Stuss
--> Schneemann existiert nicht?
Naja kannst Dir ja ausrechnen wie sinnvoll das ist Zwinker

Edit:
@ John
Wenn Du wirklich am Thema Religionskritik interessiert bist, solltest Du unbedingt folgende Dinge lesen
1. Feuerbach: Über das Christentum
2. Nietzsche
Schneemann
Zitat:
Original von mr.monks
Also das hat mir ja noch nie eingeleuchtet. Wir schreiben Gott paradoxe Eigenschaften zu, beweisen dann, dass diese Eigenschaften paradox sind und nehmen deshalb seine Nichtexistenz an?

Jepp, die Religiösen habens halt nicht so mit Logik und erkennen Paradoxien noch nichtmal wenn man sie ihnen ins Auge tätowiert. Da staunen wir gemeinsam Zwinker
Isabella
@ Hallo John!

Darf ich dich fragen, warum du nach einem Beweis für die Nichtexistenz Gottes suchst? Hast du alle anderen Fragen schon beantwortet, die mit dir und deinem Leben zu tun haben?
Ich wünsche dir sehr, Geduld zu haben und abzuwarten. Vielleicht bist du eines Tages von der Antwort auf Deine Frage erfüllt. Erfüllt von dem, der nicht bewiesen werden braucht, weil er immer und in allem da ist. Und so auch in dir.
Ob du ihn leugnest oder nicht.
Grüsse von Isa
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von mr.monks
Also das hat mir ja noch nie eingeleuchtet. Wir schreiben Gott paradoxe Eigenschaften zu, beweisen dann, dass diese Eigenschaften paradox sind und nehmen deshalb seine Nichtexistenz an?

Nein, da gibt es auch nichts zum einleuchten, denn die Schlussfolgerung ist schlicht Blödsinn. Da hat Schneemann schon recht: Gläubige haben es nicht so mit Logik... egal, ob sie an die Existenz Gottes glauben oder ob sie, wie Schneemann, an seine Nicht-Existenz glauben.

Das Widerlegen der Annahmen, die mit der Existenz Gottes verknüpft werden, widerlegt natürlich nicht dessen Existenz, sondern eben nur diese Annahmen.
mr.monks
Jaja genau. Die Gläubigen und Die Religiösen. Wenn ich jetzt noch Die Atheisten ins Spiel bringe, dann ist das Vorurteilstrio perfekt.
Reden wir lieber von Epikur. Auf den war meine Aussage nämlich gemünzt. Dabei ist Epikur noch intellígent genug, nicht auf die Nichtexistenz Gottes zu schließen, sondern die Frage nach dem Übel einfach im Raum stehen zu lassen, denn vielleicht lässt sie sie sich lösen. Theodizee ist tatsächlich der klassische Ort für Religionskritik, doch sinnvolle Religionskritik sollte dort nicht ansetzen. Theodizee beschäftigt sich mit dem philosophischen Gott, der allerdings mit dem christlichen beispielsweise so viel zu tun hat wie Äpfel mit Kokosnüssen. Das eigene erleiden der Übel dieser Welt durch den Kreuzestod hat Epikur nämlich nicht in seiner Liste stehen...
Schneemann
Zitat:
Original von mr.monks
Dabei ist Epikur noch intellígent genug, nicht auf die Nichtexistenz Gottes zu schließen, sondern die Frage nach dem Übel einfach im Raum stehen zu lassen, denn vielleicht lässt sie sie sich lösen.

Ist natürlich traurig wenn du das Stilmittel einer rhetorischen Frage nicht kennst.
theophanu
@ mr.monks

Die Ausgangsfrage, sofern ich verstanden habe, interessierte nicht Religionskritik, sondern "empirische" Beweise für die Nichtexistenz Gottes, die es, bei allem logischen Bemühen, nicht gibt. Weder dafür, noch dagegen.
Mich würde eher interessieren, warum diese Frage für den Fragesteller so wichtig ist.... ?

Zitat:
Das eigene erleiden der Übel dieser Welt durch den Kreuzestod hat Epikur nämlich nicht in seiner Liste stehen...
Jo, nur war Epikur auch nur ein Mensch und muß wie jeder andere daran scheitern, Träger der universalen Erkenntnis sein zu sollen.
Daedron
"Gläubige haben es nicht so mit der Logik." - Da musste ich lachen, denn fromme Menschen schon: Und sind strenge Wissenschaftler nicht Fromm bis zur Mönchheit? Sind das nicht die religösen Menschen der Moderne?
Das verstehe, wer darf.

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Um ewig's Worte zu vereinfachen: Man kann Entitäten weder belegen noch wiederlegen. Logik behandelt Aussagen und ob sie einer bestimmten Logik entsprechen. (Es wäre naiv zu sagen, es gäbe die Logik).

Zu Schneemanns Verteidigung will ich hinzufügen, dass man früher nunmal wirklich so gedacht hatte, weil man glaubte, dass Worte die Dinge direkt abbilden und alles was bei einem Wort für uns mitschwingt, zur Sache dazu gehört (wie bei gott, dass er mächtig sei).
Heute sind wir da meist weniger naiv. Aber nur weniger, denn zu sagen, es gäbe keine Götter ist genauso vorschnell gedacht: Was ist denn zwischen Ursache und Wirkung? - der Geist. - und er schiebt sich überall rein, wo sich etwas nicht direkt reimt.
- und so natürlich, je mehr Wissen wir in unserem Wortsalat (Denken) einfügen - verschwinden mehr und mehr Lücken und der göttliche Raum schwindet durch das heilige Reich der Abstraktion und des begrifflichen Denkens.
Wenn wir aber bewusst nur noch in Metaphern und Gleichnissen Denken, ist da wieder Raum für allerlei metaphysische Bedürfnisse und dem Bedürfniss nach Kultur.
Aber ich will hier lieber nicht tiefer gehen. Wer graben will, könnte bei den Eléaten anfangen zu suchen, die sich eine Religion wissenlich erfanden....

Psychologisch scheint mir der Gottesbegriff ein Gleichniss für ein Bedürfniss in uns zu sein, welches der Schwäche entstammt. So wie der überreichen Kraft die Selbstvergöttlichung erwächst....
...

Beweise... sind übrigens genauso lächerlich und naiv wie der fromme Logiker. Wer Beweise nötig hat, geht auf Krücken! Beweise s i n d Krücken!


mfg,
mr.monks
Zitat:
Ist natürlich traurig wenn du das Stilmittel einer rhetorischen Frage nicht kennst.

Ist natürlich schade, wenn du Epikur keine Intelligenz zutraust. Ich für meinen Teil schätze Epikur außerordentlich und bin daher geneigt zu seinem Schutze seine Formulierung der Theodizeefrage nicht als rhetorische Frage aufzufassen, sondern als tatsächliche Frage, die einen wirklich umtreiben kann.
Zitat:
Jo, nur war Epikur auch nur ein Mensch und muß wie jeder andere daran scheitern, Träger der universalen Erkenntnis sein zu sollen.

Denn natürlich ist Epikur nicht der Träger der universalen Erkenntnis, was auch immer das sein soll. Erkenntnis ist immer Erkenntnis in diesem Augenblick für mich. Dazu kann ich den guten Epikur drehen und wenden wie es mir passt, mein lieber Schneemann. (Wenn dir dieser Gedanke unangemessen erscheint, dann befasse dich doch etwas näher mit dem Gedanken von Tod des Autors. Das nur am Raden zu deiner Weiterbildung)

Theophanu,
der Hintergrund der gestellten Frage ist vielleicht tatsächlich ein relevanter und vielleicht sollte der geschätze Stifter diese Diskussion noch ein paar Details nachschieben, in welchem Rahmen ihn das Thema interessiert. Bisher haben wir nur eine negative Definition.
Zitat:
Original von John
aber darum soll es ja bei der Frage nicht gehen

Wie wär's John?
Eine mögliche Stroßrichtung hat Daedron schon schön herausgearbeitet. Falls dich zum Beispiel eher psychologische Aspekte interessieren, dann müsstest du in Richtung Freud, Projektionstheorie von Feuerbach und Selbsterhöhung des Menschen bei Nietzsche weiterlesen.
ewig
Zitat:
Original von mr.monks
Theodizee beschäftigt sich mit dem philosophischen Gott, der allerdings mit dem christlichen beispielsweise so viel zu tun hat wie Äpfel mit Kokosnüssen.

Nehmen wir einmal an, der christliche Gott sei der allgütige und allmächtige. Welcher ist dann "der" philosophische Gott? Und inwiefern stellt sich die Theozidee-Frage noch, wenn der nicht allgütig und allmächtig ist?
mr.monks
Ist nicht das prädikat der Allmacht in sich schon paradox? Denk an den schweren Stein.
ewig
Schon, man kann die Widersprüchlichkeiten von Gotteskonzepten an vielen Ecken und Enden herausarbeiten, aber das beantwortet meine Frage nicht, denn die ging daraus hervor, daß mir die Theozidee-Frage ganz spezifisch aus dem christlichen Gottes-Konzept zu erwachsen scheint, und Du zu behaupten schienst, dem wäre nicht so.
mr.monks
Also demnach nehme ich eine paradoxe Vorstellung und schreibe sie Gott zu und dann wundere ich mich, dass etwas paradoxes herauskommt. Das ist doch Unsinn! Was man ganz klar sagen muss ist, dass die Steigerung "mächtig, mächtiger, allmächtig" halt einfach nicht funktioniert. Sie hat ihren Ursprung in der antiken Philosophie und hat dann ihren Weg über die Kirchenväter und die Scholastik ins Christentum gefunden und dort hat sie ihren berechtigten Ort, aber nicht, wenn es um das Gottesbild geht.
Ich persönlich würde vorschlagen, den Allmachtsbegriff, wenn man ihn denn schon auf Gott in einem christlichen Sinne hindenken will, auch christlich zu füllen. Dann ist Gott der, dessen stärkster Moment, dessen vollkommenste Allmacht, sich in einem sterbenden Mann am Kreuz zeigt.
Bau dass mal in die Theodizeeproblematik ein!