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Original von Schneemann
Atheisten ersetzen nicht die Religion und ihre unsäglichen Verbrechen mit einem Diktator und dessen unsäglichen Verbrechen, sondern sie entledigen sich der Notwendigkeit nach Fremdbestimmung und Authoritätsglauben mithilfe dem logischem und kritischen Denkvermögen und einem modernen Humanismus. Der Religiöse der nach einem Ersatz-Vater schreit der ihm seine Entscheidungen abnimmt, der mag anfällig für authoritäre Diktatoren sein. Der aufgeklärte Atheist der sein Leben selbst in die Hand nimmt braucht nichts von alledem. Brauchst ja nur mal schauen wo du die meisten solcher Diktatoren findest, in fundamental religiösen Ländern oder in denen mit erhöten Prozentzahlen an Atheisten. |
Eben hier liegt die Notwendigkeit gewisser religöser Institutionen,
wenn wir unsere moderne Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten wollen. Natürlich kann man auch eine andere Ordnung im Sinn haben, dann schiebt sich das Bild.
Wichtig ist jedoch, dass es kaum Menschen gibt, die echte Atheisten sein können. Kirkegaards "Furcht und Zittern" lässt sich bei dem Thema kaum wegdenken.
Der selbstbestimmte Mensch ist die Ausnahme und ich zweifle selbst bei mir, dass ich das allzusehr bin: Ich erbe mehr und mehr die Schweigsamkeit und das tiefer sinkende Temperament meines Vaters. Ich lese in schweren Zeiten nicht die Bibel, aber Nietzsche, Plutarch und Montaigne und folge Teils:
Denn es gibt ja eigentlich nicht _den_ Weg. - Der Thread zum "optimalen Tagesablauf" als
die Methode ist imo lächerlich, da etliche Prämissen nötig sind, die niemals auf jeden zutreffen.
Der König muss anders leben als der Sklave und der Temperamentvolle anders als der Mildherzige.
- und so haben wir etliche Lebensformen und Bewusstseinszustände, die wir kaum unter einen Hut bekommen. Ja, der einzige Hut, den wir schneidern können, nennt sich Kultur und Tradition:
Zwar mag ich etwa den Weg meines Vaters gegangen sein, doch sicher werde ich weiter gehen, als er kam. Und seiner Erziehung wird auch meine Erfahrung beigemischt und so kommt's zur Meinen: So könnten meine Kinder vielleicht mehr als ich. Wer weiß...
Klar ist, dass wir Menschen uns vielem anpassen könn(t)en, wenn wir nur nicht ständig hin- und hergerissen werden zwischen verschiedenen Lebensweisen (das ist imo
die westliche Krankheit und die der Atheisten: Wir sind alles andere als runde, in sich vollendete Menschen (mit Ausnahme mancher Frauen).
Wir sind philosophische Naturen - wir sollten nicht von uns aufs Volk schließen: Wir mögen unser Leben (hin- und wieder) zum Experiment machen. Wir mögen auf unseren eigenen Kredit hin leben und hoffen, dass wir dennoch etwas zurückgeben können (etwa unser philosophisches Werk: Unsere Apologie für das, was wir angestellt haben). Aber wir sollten nicht vergessen, was wir alles auf's Spiel setzen und riskieren, dass wir etwa uns selbst auf's Spiel setzen. Einmal zu tief gegraben, und wir könnten verbluten an unseren Schürfwunden, einmal zu fremd geworden und wir begreifen den Unterschied zwischen Einsamkeit und dem Allein auf der Welt sein. - Einmal zu lange auf falschen Sohlen gelaufen und wir werden zu unfruchtbaren Taugenichtsen und Lüstlingen.....
Einstmals war die Lüge selbst heilig: Habt ihr noch nie bis zur Heiligkeit gelogen? Wir erfolgreicheren sollten nicht vergessen: Wir werden von manchen Freunden und bekannten als Autorität verstanden. Wir m a c h e n Sitte und Kultur, indem wir sagen: "so soll es sein."(und auch schon, indem wir irgendwie handeln) - und da sie nicht wagen, selbst zu entscheiden, machen sie es also auch so.
Dennoch, Herr Schneemann, möchte ich Sie der Rachlust verdächtigen. Denn es sind Aussagen wie diese, die dem Durchschnittlichen und den arbeitenden Menschen seine Genügsamkeit nehmen. An sich könnten sie ja durchaus mit ihrer Rolle leben. Nur nicht, wenn jemand an ihren Neid appelliert - und das machen solche Worte.
Vielleicht lese ich's zu scharf.
Wenigstens, so hoffe ich, dafür sensibilisiert zu haben, dass Johns Frage unheimlich komplex ist. Zumindest werde ich sie nicht beantworten (sondern nur die Parameter zeigen), denn sie übersteigt meinen Horizont.
mfg,