Demut

Andrey
Wie wird man demütig?
carsten aus bochum
Ich vermute, u.a. durch das Schicksal, durch Selbsterkenntnis, dadurch, dass man Anteil am LEid anderer nimmt oder einer Kombination all dessen.
mark
Zitat:
Original von Andrey
Wie wird man demütig?



im zweifel wie mans mit anderem auch macht: üben.

kannst natürlich auch auf das schicksal oder die selbsterkenntnis warten... nunja
glorin
Unterwerfe dich etwas das du lebst. An das du glaubst. Dies kann Gott sein. Im Kalten Krieg war dies der Kommunismus. ect.
-Sabine-
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Ich vermute, u.a. durch das Schicksal, durch Selbsterkenntnis, dadurch, dass man Anteil am LEid anderer nimmt oder einer Kombination all dessen.


Ich würde es noch ergänzen durch die Einsicht in die eigenen Grenzen und die Erkenntnis der Tatsache, dass man "nur" Teil eines Ganzen ist und einflüssen unterworfen ist, aber auch andere(s) beeinflusst, was wiederum Verantwortungsgefühl für einen größeren Rahmen (die Welt, das Klima, etc.) nach sich zieht/ziehen sollte.
Reinhard
Durch Genmanipulation, Gehirnwäsche, Machtmissbrauch, Folter, Zwangsjacken oder in dem man sich den Quatsch reinzieht, der hier geschrieben wird.
Andrey
Zitat:
Durch Genmanipulation, Gehirnwäsche, Machtmissbrauch, Folter, Zwangsjacken oder in dem man sich den Quatsch reinzieht, der hier geschrieben wird.

War das selbstbezüglich?
Isabella
Hallo!

Ich habe mir die Frage nie gestellt. Ich liebe die Menschen und ich liebe Gott. Und ich versuche immer zu helfen, wo ich helfen kann. Aus ganzem Herzen.
Grüsse von Isa
Erik van Thom
Zitat:
Original von Andrey
Wie wird man demütig?


Positiv: indem man aus freien Stücken erkennt und akzeptiert, dass es etwas für einen Unerreichbares, Höheres gibt.

Neutral: indem man als Schwacher von Starken regelmaessig erniedrigt wird und diese Rolle irgendwann innerlich animmt, weil man eh keine Chance hat.

Negativ: durch Feigheit und Schwaeche, die man zum Ideal verklaert, da man jetzt selber die Macht hat und den Ton angibt. (frei nach Nietzsche)

Lustvoll: man laesst sich (bei entsprechender Neidung) von einer Domina zum Sexsklaven ausbilden.
theophanu
Zitat:
Lustvoll: man laesst sich (bei entsprechender Neidung) von einer Domina zum Sexsklaven ausbilden.
Wow !

Demut ist, wenn eine Gruppe einen Einzelnen auf die Knie zwingt.
Demut ist Selbstaufgabe.
Demut ist zum Kotzen.
Daedron
empfehlen wir sie den tapferen weiblein - und nehmen wir sie besser nicht.
Nehmen wir sie nur den freien Männern, Klügsten Weibern und klugen Frauen: Sonst wird die Welt weich wie modder. Ein Schaafstall.

(genau aus diesem Grund gehören solche Fragen in geschlossene Foren. Es ist ziemlich verantwortungslos, hierüber philosophisch-offen zu reden...)
Sophie
Zitat:
Original von theophanu


Demut ist, wenn eine Gruppe einen Einzelnen auf die Knie zwingt.


Hm. Demütigen hat diese Bedeutung, ja.

Demut muss aber nicht nur als Selbstaufgabe und Erniedrigung gesehen werden, sowie Stolz ja auch sowohl positiv als auch negativ belegt werden kann.


In einem positiven Sinne haben beide immer etwas mit Respekt, Achtung, einem gesunden Selbstbewusstsein und BEscheidenheit zu tun.
In einem negativen Sinne geht es um Arroganz, Überlegenheit und bei Demut um Selbsterniedrigung, was auch zur Manipulation verwendet werden kann oder die eigentliche Arroganz überdecken soll, bzw. durch die Konditionierung ausgelöst werden kann, dass es falsch wäre, Stolz auf etwas zu sein.


Ein Mensch im Gleichgewicht fühlt sich anderen gegenüber weder groß überlegen noch unterlegen und wenn die Nadel stark Richtung Hybris ausschlägt, kann Demut zum Gegenpolthema werden.

Witzig. In einem ausgeglichen Sinne sind Stolz und Demut das Selbe und lösen sich in gelebter Achtsamkeit auf und in einem "Ungleichgewicht", bedingen sie sich gegenseitig.
Reinhard
Zitat:

In einem negativen Sinne geht es um Arroganz, Überlegenheit und bei Demut um Selbsterniedrigung, ...


Hallo Sophie, über die positiven und negativen Aspekte von Demut und Bescheidenheit kann man nur was aussagen, wenn man die einzelnen Machtstrukturen und die dazugehörigen Positionen kennt und nennt und lernen wird man immer dann, wenn man der Unterlegene ist. Gottseidank werden die Überlegenen irgendwann auch wieder zu Unterlegenen. Hier ist doch wohl aber eine allgemeine Demut gemeint und über die verfügt man oder eben nicht, eine Ausformung des Charakters. Da gibt es nichts aus rein intellektueller Sicht zu lernen.

Was mir oft auffällt, ist, dass Menschen ihre eigene Bescheidenheit loben und völlig dabei übersehen, dass eine zwangsweise Demut in gar keinem Fall mit einer quasi selbstauferlegten, verglichen werden kann. Das klang bei Dir und sonst auch schon an. Aus der sicheren Deckung heraus lassen sich die frommsten Sprüche klopfen und diese Eitelkeit ist eigentlich eine besonders perfide. Das Gegenteil von Demut ist nämlich die vorgetäuschte Demut und in ihr liegt die Quelle des Selbstbetruges. Auf welche Demut könnte man noch reflektieren, wenn man schon immer vorgegeben hat, demütig zu sein. Wer wirklich demütig wäre, der redete nicht drüber, umgekehrt wie Waldi Hartmann, der keinen Fussball spielt und trotzdem drüber redet.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Isabella
Hallo!
Mit Demut verbinde ich etwas Stolzes und Künstliches, so wie Reinhard es besser beschreibt. Kein Mensch kann von einem anderen Demut verlangen, auch er selbst von sich selbst nicht, weil ich nicht glaube, dass diese Täuschung funktioniert. (Und selbst Gott verlangt es nicht.)
Wie schön ist dagegen Bescheidenheit. Bescheidenheit in dem Sinn, voller Dank zu sein über alles, was man als Mensch erfahren darf. Sich beschenkt zu sehen, ohne es erwartet oder erhofft zu haben.
Und ja, Reinhard, die Menschen, die so sind, reden nicht nur nicht darüber, sondern sind sogar überrascht, wenn man es ihnen sagt.
Grüsse von Isa
Schneemann
Zitat:
Original von theophanu
Demut ist zum Kotzen.

Das triffts recht gut. Der Begriff "De-Mut" sagt ja schon alles, nämlich den fehlenden Mut zur Selbstbestimmung.

"Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut."
(Theodor Fontane)
Sophie
Hallo Reinhard,

Zitat:
Original von Reinhard

Hallo Sophie, über die positiven und negativen Aspekte von Demut und Bescheidenheit kann man nur was aussagen, wenn man die einzelnen Machtstrukturen und die dazugehörigen Positionen kennt


Ja, stimmt und das lässt sich in einem allgemeinen Raum beschrieben auch nur jonglierend darstellen.

Zitat:
und nennt und lernen wird man immer dann, wenn man der Unterlegene ist.


Ah, hihi. Es gibt eine schöne Geschichte, die das Lernen beschreibt.
Da geht es um eine Schachpartie zwischen einen Mönch und einem Kämpfer, der zu einem Meister kommt, weil er den Sinn lernen möchte.
Der Meister lässt beide gegen einander spielen und derjenige, der verliert, soll sterben. Der Kämpfer ist dem Mönch überlegen und weiß sich schon auf der sicheren Seite. Als er jedoch den Mönch beobachtet, wie er konzentriert und achtsamt versucht dieses Spiel zu spielen, regt sich Mitgefühl ihn ihm und der Meister bricht das Spiel ab und sagt, dass er damit eine wichtige Lektion gelernt hat.



Zitat:
Überlegenen irgendwann auch wieder zu Unterlegenen.


Ja, wobei die vermeintliche Überlegenheit die Illusion ist.

Zitat:
Hier ist doch wohl aber eine allgemeine Demut gemeint und über die verfügt man oder eben nicht, eine Ausformung des Charakters. Da gibt es nichts aus rein intellektueller Sicht zu lernen.


Ja, da kann ich dir schon zustimmen. Andererseits lässt sich vielleicht auch in bewussten Konfrontation mit falschen Stolz und dessen verfeinernden Auflösung schon etwas bewegen, auch wenn es zeitweise etwas linkisch geübt oder bewusst wird.
Ich glaube halt, dass in jedem das, was ohne Mangel ist, schlummert und jeder auf seine Weise, wenn die Fühler dafür schwingen, nach einer wahreren oder gerechteren oder stimmigen Lösung sucht, wenn er dafür offen ist.


Zitat:

Was mir oft auffällt, ist, dass Menschen ihre eigene Bescheidenheit loben und völlig dabei übersehen, dass eine zwangsweise Demut in gar keinem Fall mit einer quasi selbstauferlegten, verglichen werden kann.


Ja denke ich auch. Eine künstliche Hervorhebung der eigenen Bescheidenheit ist oft an ein mangelndes Selbstbewusstsein oder Überheblichkeit gekoppelt und bedarf ob nun eingestanden oder nicht, der Bestätigung von außen. Nicht dass Bestätigung per se etwas schlechtes ist. Sie ist ja ein wichtiger Bestandteil der psychischen oder seelischen Entwicklung. Aber in mancher Kombination zeigt sich schnell der perfide Haken, den du beschreibst.


Zitat:
Das Gegenteil von Demut ist nämlich die vorgetäuschte Demut und in ihr liegt die Quelle des Selbstbetruges.


Ja, sehe ich auch so. Einige scheinen den Begriff Demut aus diesem Grund ganz abzulehen, was ja auch in Ordnung ist. Letztendlich genügt es ja, zu wissen, welche von dem beiden Hälften, die ein Begriff entfalten kann, gemeint ist.

Zitat:
Wer wirklich demütig wäre, der redete nicht drüber,


Ja, das ist auch richtig. Allerdings bietet das Beschreiben, Erfragen oder ehrliche Klären wollen einen Zwischenbereich, so dass es eigentlich nicht nötig wäre, sich darüber zu ärgern. Zwinker
Andererseits ist die rein schriftliche Kommunikation manchmal auch echt nervenaufreibend, weil man durch die fehlenden 3-D Kontext-, und Bestätigungsdaten, das Unterscheiden auch mal sehr anstrengend werden kann und sich die Welt manchmal noch missverständlicher zeigt, als sie eigentlich ist und andererseits verfeinert das auch wiederum die Aufmerksamkeit ...... smile

Zitat:
Umgekehrt wie Waldi Hartmann, der keinen Fussball spielt und trotzdem drüber redet.


Ja, da ist was dran.
Reinhard
Zitat:
Sich beschenkt zu sehen, ohne es erwartet oder erhofft zu haben.


Hallo Isa, Sophie, soviel Einklang hatte ich gar nicht erwartet und erhofft. Ein Geschenk.

Die angenehmste Form demütigen Verhaltens ist doch das Verzeihen. Und da prüfe sich dann jeder selbst über den Zustand seiner Demut. Im Recht zu seien ist eine Sache, aber Unrecht zu verzeihen eine ganz andere. Da sieht man mal, wie weit dieser Begriff ausgespannt werden kann. Verzeihen erfordert die Einsicht in die notwendigen Zusammenhänge allen Daseins.

Liebe Grüße
R. prosit
carsten aus bochum
Hi.

@ Isabella:

Zitat:
„Mit Demut verbinde ich etwas Stolzes...“


Wenn Du mit Demut etwas Stolzes verbindest, was verbindest Du denn dann mit Hochmut?

@ Reinhard:

Zitat:
„Das Gegenteil von Demut ist nämlich die vorgetäuschte Demut und in ihr liegt die Quelle des Selbstbetruges.“


Wieso unterstellst Du, dass Demut immer vorgetäuschte Demut sein muss, Du hast doch offenbar auch einen positiven Demutsbegriff, sonst könntest Du das Gegenteil nicht ausformulieren.

@ Schneemann:

Zitat:
„Das triffts recht gut. Der Begriff "De-Mut" sagt ja schon alles, nämlich den fehlenden Mut zur Selbstbestimmung.“


Hätte mich jetzt auch gewundert, wenn Etymologie zu Deinen Stärken gehört hätte.

Gruß,

Carsten
Reinhard
Zitat:
Wieso unterstellst Du, dass Demut immer vorgetäuschte Demut sein muss, Du hast doch offenbar auch einen positiven Demutsbegriff, sonst könntest Du das Gegenteil nicht ausformulieren.


Hallo Carsten, Du unterscheidest nicht nach Innerlichkeit und Äußerlichkeit und damit nicht nach Form und Inhalt. Mit Dialektik hat die Demut, von der hier offenbar die Rede ist, nichts zu tun, sie ist gänzlich auf den Glauben verwiesen. Ich kann nicht sagen, ob jede äußere Erscheinung in demutsvoller Haltung auch von Demut getragen ist, nur die allzu sichtbare Bigotterie scheint mir oft geradezu das krasse Gegenteil von glaubensgebundener Demut zu sein. Wie ich schon sagte, wenn Trostgebaren und Geltungsdrang sich damit vermischen, wird man wohl kaum von Demut reden können. Mehr Schein als Sein ist doch keine so unübliche Erfahrung. Im Übrigen ist es eine interessante Frage, woher die Begriffe ihren Inhalt beziehen, auf die ich in diesem Forum schon wiederholt eingegangen bin.

Einen schönen Sonnentag wünscht Dir vom Ostseestrand
Reinhard
Sophie
Hallo Carsten,

du hast da wohl anders gelesen.

Zitat:
„Das Gegenteil von Demut ist nämlich die vorgetäuschte Demut und in ihr liegt die Quelle des Selbstbetruges.“


Da steht doch nur, das Gegenteil von Demut ist vorgetäuschte Demut.

Passend zu deiner Frage hätte es heißen müssen "Demut ist immer vorgetäuscht". Hieß es aber gaaaaaaaaaaar nicht.