Demut

Daedron
sinngemäß heißt es: Wahrhaftigkeit ist des Herren Pflicht, zu Lügen die der Beherrschten.

Es ist vollkommen egal - und vielfältig, welche Ursprünge die Demut nimmt: Manchmal wurde sie einfach vererbt und ist damit "rein."
Das sehen wir am Beispiel der Ökologisch denkenden Menschen oder bei den Feministen: Die erste Generation erträgt ihre "Tugend" nur mit Réssentiments, wogegen die Zweite ohne jene Probleme dastehen kann (oft spricht der Sohn aber aus, was der Vater nur dachte: Wenn der Vater die Frau verachtet - und ihre Demut, dann...).

Aber wozu rede ich denn? Demut ist eine Form der Klugheit - habt ihr das überlesen? Euch überlegt, warum?

Ich habe das Gefühl, meine Anti-Demut's Herren, dass Ihnen die Kenntniss des Weibes abgeht und Sie sich damit für dies Thema disqualifiziert haben.
- und über die Frauen - redet der Edle nur in ihrer Abwesenheit meine gelehrten Herren.

Ich selbst kann Sophies Einstellung gut verstehen, denn solche Frauen sind mir lieber als die sich prostituierenden.


(ich halte generell alle Philosophen für disqualifiziert, die die weiblichen Frauen (welche ich liebevoll "Weib" zu nennen pflege) nicht begreifen und sie nicht zu nehmen verstehen.
- Wollt ihr Männer aus ihnen machen?)
Andrey
Zitat:
Original von Schneemann
Der Begriff "De-Mut" sagt ja schon alles, nämlich den fehlenden Mut zur Selbstbestimmung.

Freude Das ist doch ein Witz. Es hat doch damit nichts zu tun. Wenn überhaupt, dann handelt es sich bei Demut nicht um einen Mangel an Mut, sondern eher umgekehrt: für mich bedeutet Demut, dass man seine eigenen Grenzen erkennt und akzeptiert, und gerade deshalb erfordert es Mut. Das Problem ist doch, dass man es nur ungerne tut, ich meine, wer will schon einsehen, dass man beschränkt ist. Und wenn man sagt, dass man "weiß, dass man nichts weiß", dann erfordert es ebenfalls Demut. Anderenfallst ist es doch nur eine bedeutungslose Aussage.
mark
Zitat:
Original von Schneemann
Zitat:
Original von theophanu
Demut ist zum Kotzen.

Das triffts recht gut. Der Begriff "De-Mut" sagt ja schon alles, nämlich den fehlenden Mut zur Selbstbestimmung.

"Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut."
(Theodor Fontane)


ja, aber überleg mal, wo fontane herkommt.
man bezeichnet unterschiedliches als demut, manchmal auch unterwürfigkeit, untertänigkeit, falschen vorauseilenden gehorsam, autoritätshörigkeit...
stimmt. ist so. ist sicher auch um kotzen und fontane hat recht.
es gibt aber auch andere verwendungen.
bestimmte gruppen, in denen demut eine wichtige rolle spielt, sind gerade aus dieser demütigen haltung heraus mutig.
demütig, darunter würde ich dann allgemein das verstehen und akzeptieren der eigenen grenzen verstehen. das kann natürlich auch völlig fehlgeleitet sein, so ist eine demütige haltung gegenüber autoritäten, wie sie kant in seinem aufklärungspamphlet beschreibt, sicher alles andere als erstrebenswert. die tatsächlichen grenzen aber realistisch einzuschätzen und sich entsprachend zu verhalten, auch das ist demut, ist aber sicher erstrebenswert zu erreichen. in diesem sinne kann man es auch als eine art respekt verstehen, das kann sehr angebracht und auch wieder überhaupt ganz fehlgeleitet sein.
wahrscheinlich, wie so oft, geht beides im wirklichen leben fliessend ineinander über.

gruss
Schneemann
@Andrey
Zitat:
Original von Andrey
Wenn überhaupt, dann handelt es sich bei Demut nicht um einen Mangel an Mut, sondern eher umgekehrt: für mich bedeutet Demut, dass man seine eigenen Grenzen erkennt und akzeptiert, und gerade deshalb erfordert es Mut.

Nein, das nennt sich i.A. Bescheidenheit. Demut ist viel eher die Unterwerfung des Knechts unter den Herrn, zumeist gebraucht im religiösen Kontext. Und dafür bedarf es keines Mutes, sondern eher im Gegenteil, des De-Mutes.

Dass der Begriff für Manche eher positiv besetzt scheint liegt wohl daran dass die christliche Kirche diese Unterwürfigkeit unter Authoritäten gerne als positive Eigenschaft charakterisiert. Eben passend zu dieser Sado-Maso-Religion mit ihren vielen Sünden, Regeln und Bestrafungen. Historisch gesehen diente dies wohl den Kirchen zum Selbsterhalt ihrer eigenen Macht.

@mark
Zitat:

demütig, darunter würde ich dann allgemein das verstehen und akzeptieren der eigenen grenzen verstehen.

Selbst wenn man das so sehen möchte (ich tue das nicht), dann sehe ich nicht wieso damit Mut verbunden sein sollte. Meine Grenzen erkennen und einsehen ist nichts was ich ablehnen könnte. Entweder ich sehe es ein oder nicht, aber die Wahl dies "unmutig" abzulehnen oder "mutig" anzunehmen habe ich dabei nicht.
Andrey
Zitat:
Nein, das nennt sich i.A. Bescheidenheit.

Man kann natürlich Demut und Bescheidenheit definieren wie man will.
Für mich gibt es aber einen klaren Unterschied zwischen Demut und Bescheidenheit.

Bescheidenheit ist Selbstbeschränkung, d.h. man erkennt, dass man zwar "mehr haben kann", aber es für einen doch besser wäre, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Demut dagegen resultiert aus der Erkenntnis, dass man (von Natur aus) beschränkt ist, und bedeutet die Akzeptanz dieser Tatsache.

Unterwürfigkeit ist auch klar abzugrenzen von der Demut, und zwar insofern, dass Unterwürfigkeit Aufgabe der Verantwortung bedeutet. Bei Demut ist es nicht der Fall.

Zitat:
Selbst wenn man das so sehen möchte (ich tue das nicht), dann sehe ich nicht wieso damit Mut verbunden sein sollte. Meine Grenzen erkennen und einsehen ist nichts was ich ablehnen könnte. Entweder ich sehe es ein oder nicht, aber die Wahl dies "unmutig" abzulehnen oder "mutig" anzunehmen habe ich dabei nicht.

Das hängt damit zusammen, dass Demut im Prinzip wenig mit Mut zu tun hat. Zumindest nicht direkt. Du hast aus irgendeinen Grund Demut zu "De-Mut" zerlegt, was allerdings keinen Sinn macht.
Daedron
Eine Gesellschaft ohne Arbeiter Schneemann. - Nur Individualisten.
Unmöglich.
Denk dein Denken zu Ende!

Aber ich rede wohl eh mit der Hand. Oder liegt's daran, dass ich zum Reflektieren auffordere?
mark
Zitat:
Original von Schneemann
@mark
Zitat:

demütig, darunter würde ich dann allgemein das verstehen und akzeptieren der eigenen grenzen verstehen.

Selbst wenn man das so sehen möchte (ich tue das nicht), ...

musst du nicht, ist ja letztlich völlig willkürlich. du solltest nur erkennen, dass nicht jeder der über demut spricht über demut in deinem sinne spricht. das nicht beachtend ergibt es keinen sinn über sinn und unsinn von demut zu sprechen, man spricht ja doch über völlig verschiedenes.

Zitat:

dann sehe ich nicht wieso damit Mut verbunden sein sollte. Meine Grenzen erkennen und einsehen ist nichts was ich ablehnen könnte.

richtig. und sie zu akzeptieren kann man demütig nennen, sie zu ignorieren und mit dem kopf durch die wand rennen kann man hochmütig nennen. man streitet sich im anschluss daran natürlich auch ganz trefflich ob grenzen tatsächliche oder "nur" vermeintliche sind...
Zitat:

Entweder ich sehe es ein oder nicht, aber die Wahl dies "unmutig" abzulehnen oder "mutig" anzunehmen habe ich dabei nicht.

das verwirrt mich jetzt etwas. warst es nicht du, der das mit der mut angefangen hat...?
gruebel
gruss
Sophie
Zitat:
Original von mark

musst du nicht, ist ja letztlich völlig willkürlich. du solltest nur erkennen, dass nicht jeder der über demut spricht über demut in deinem sinne spricht. das nicht beachtend ergibt es keinen sinn über sinn und unsinn von demut zu sprechen, man spricht ja doch über völlig verschiedenes.


!
kämpfer der sonne
Zitat:
Original von Andrey
Wie wird man demütig?


man kann gedemütigt werden oder es freiwillig tun, quasi aus überzeugung.

wozu willst du demütig werden?

sei lieber respektvoll und tolerant und freundlich.
Andrey
Zitat:
wozu willst du demütig werden?

Weil ich denke, dass man nur so glücklich sein oder werden kann. Glück setzt also Demut voraus. Respekt, Toleranz und Freundlichkeit sind zweifellos gute und erstrebenswerte Dinge, aber sie nützen einen wenig, wenn man nicht eine demütige Grundhaltung hat. Ich würde sogar sagen: ein demütiger Mensch ist respektvoll, tolerant und freundlich, die Umkehrung gilt aber nicht immer. Und sich aus Überzeugung demütigen - naja, das ist etwas anderes, das ist Masochismus, keine Demut.
pnovell
Zitat:
Weil ich denke, dass man nur so glücklich sein oder werden kann. Glück setzt also Demut voraus.

wie begründest du das?
Andrey
Für mich bedeutet Glück in erster Linie sowas wie der Zustand der Harmonie zwischen dem Menschen und der Welt. Damit kann ich versuchen zu erkennen, was denn alles dagegen wirkt. Und so stelle ich fest, dass bspw. der permanente Versuch, die eigenen Grenzen zu überschreiten, letztendlich leidvoll ist, weil er stets mit Enttäuschung und Frustration verbunden ist. Andererseits ist völlige Passivität genauso schlimm - man langweilt sich, mach sich Vorwürfe usw. Diese Dinge erzeugen Unruhe, die diese Harmonie stören. Da Demut für mich die Erkenntnis und die Akzeptanz der eigenen Beschränktheit ist, wirkt sie auf dem Menschen beruhigend und ist somit die Voraussetzung für Glück. Wenn ich bspw. weiß, dass die Quadratur des Kreises ein unlösliches Problem ist und ich diese Tatsache akzeptiere, dann ist es für mich viel besser als ständig nach der Lösung zu suchen, die es nicht gibt.
Erik van Thom
Also, was das Stichwort "Leid" angeht, faellt mir gerade ein Spruch von Paolo Coellho ein, der da etwa geht:

"Wenn wir nicht wegen Irgendjemandem leiden, und dabei nicht wissen, dass Irgendjemand wegen uns leidet, dann lieben wir nicht richtig."

Also, ich fand ihn gut...

(Die eigenen Grenzen ueberwinden, wirkt auf mich uebrigens cool: wer aufhoert, besser zu werden, hat aufgehoert, gut zu sein. (Konfuzius))
Andrey
Zitat:
Die eigenen Grenzen ueberwinden, wirkt auf mich uebrigens cool: wer aufhoert, besser zu werden, hat aufgehoert, gut zu sein.

Das stimmt natürlich! Aber es gibt eben auch Sachen, die prinzipiell nicht überwundbar sind. Und mir geht es um genau diese. Zum Beispiel: manchmal möchte man irgendwie die Vergangenheit verändern, auch wenn jedem bewusst ist, dass es nicht geht. Oder man will die Dinge nicht so sehen wie sie sind, weil man eine bestimmte Vorstellung hat, die nicht im Einklang mit der Wirklichkeit steht und auch prinzipiell nicht stehen kann. Das ist Mangel an Demut.
theophanu
@ andrey

Zitat:
Das ist Mangel an Demut.
Für mich ist das Mangel an Einsicht oder Mangel an Verständnis.

"Demut" kann ich wenden wie ich will. Es hat in meinem Leben keinen Platz. Auch Nietzsches Wurmmetapher trifft bei mir nicht.
Wenn mich Naturphänomene begeistern, dann bin ich "ergriffen", aber nicht "demütig". Denn das, was mich mit Mensch und Natur verbindet, ist ja die gleiche Natur. "Demut" versklavt unnötig und sollte zum Unwort der Neuzeit erklärt werden.
Andrey
Zitat:
Für mich ist das Mangel an Einsicht oder Mangel an Verständnis.

Vermutlich meinen wir letztendlich dasselbe.

Zitat:
"Demut" versklavt unnötig und sollte zum Unwort der Neuzeit erklärt werden.

Wieso denn? Das Problem ist doch, dass manche irgendwie eine komische Idee von Demut haben. Aus dem Grund es zum Unwort der Neuzeit zu erklären macht doch keinen Sinn. Es ist ähnlich dem Verbot hackenkreuzförmiger Symbole - nur weil Nazis ein Hackenkreuz auf der deutschen Flagge angebracht haben. Nicht Demut versklavt unnötig, sondern Passivität.
Epic
Wie wird man demütig?
Auf dem weg zu sich selbst, dann passiert es von allein eine natürliche demut im gegenteil zur sklavenmoral oder ressentiment oder ähnliches.
Sophie
@ Theo


Zitat:
"Demut" versklavt unnötig und sollte zum Unwort der Neuzeit erklärt werden.


Finde ich nicht. Zumindestens nicht nach der Bedeutung die Erich Fromm dem Begriff gibt:

Nach Erich Fromm ist Demut die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus.

Ich wäre echt froh, wir hätten weniger narzistische Knalltüten. Es lebe die Demut als Entneurotisierer.
Andrey
Zitat:
Wie wird man demütig?
Auf dem weg zu sich selbst, dann passiert es von allein

Von alleine passiert es sicherlich nicht, es sei denn dieser "Weg zu sich selbst" impliziert es, was die Frage aufwirft, wie dieser Weg beschritten werden soll. Darum geht es doch.

Momentan denke ich, dass man zwei Dinge tun muss, um demütig zu werden:
1. Man muss permanent nach Erkenntnis streben. Mit Erkenntnis meine ich zum Einen die Verinnerlichung der Werte wie Liebe, Mitleid, Freundlichkeit usw., d.h. die Einsicht, dass diese tatsächlich gut sind. Zum anderen meine ich damit die permanente Hinterfragung von irgendwelchen Vorurteilen und Dogmen und der Gebrauch des eigenen Verstandes, also ein gewisser Skeptizismus.
2. Man muss richtig handeln.

Vielleicht fehlt da noch etwas... Aber das ist zumindest schon mal ein Anfang.
John
Was ist eine der absurdesten paradoxen Aussagen?

Ich bin der bescheidenste Mensch der Welt

Zum Thema Demut kann ich - noch - wenig beisteuern, weil ich diesen Begriff in Zusammenhang mit Glauben und Religion kennen und hassen gelernt habe. Gleichzeitig mit der systematischen Abkehr von diesen Dingen (und gewissen Erziehungskomponenten) habe ich Begriffe dieser Art verdrängt und ihnen in meiner Lebensphilosophie keinen Platz mehr eingeräumt.

Interessant ist für mich daher nur die Frage, ob "Demut" in irgendeiner Form für unser Leben relevant sein muss, außerhalb jeglichen religiösen Aspektes und was man dann darunter verstehen könnte.