Spontanität

Doctior
Ist eine bestimmte Quantität an Selbstbewusstsein eine Vorraussetzung um spontan zu sein?
(für spontante Entscheidungen,neue Pläne)

Warum, warum nicht?



Uninteressante Frage?Warum, warum nicht?



Danke für die Antworten smile
Shui
Ähm... Quantität an Selbstbewusstsein? bitte genauer definieren. Welche Formen von Selbstbewusstsein gilt es hier zu unterscheiden, dass man von Quantität sprechen kann?

Und was verstehst du unter spontan?
Sicherlich zielst du auf eine bestimmte Handlungsweise ab, nur wenn ich spontan ein Treffen mit Freunden absage, brauche ich dafür kein großes Selbstbewusstsein. Wenn ich so gut in Mathe bin, dass ich ohne zu überlegen (quasi spontan) diverse Aufgaben lösen kann, ist das auch ohne Selbstbewusstsein möglich. Wenn ich in einem öffentlichen Gebäude ein Feuer entdecke und spontan nach dem nächstbestem Feuerlöscher greife, ist das auch ganz ohne Selbstbewusstsein denkbar... bla Zwinker


Es gibt einen Haufen Situationen, in denen Spontanität nichts mit Selbstbewusstsein zu tun hat, also wäre es angenehm, wenn du die Frage konkretisierst.
Doctior
Selbstbewusstsein im Gegensatz zu den jeweiligen Schwächen - in Situationen in denen diese Schwächen deutlich werden.
Shui
Ähm... jeweilige Schwächen? Also alles, was keine Schwäche ist, ist automatisch Selbstbewusstsein?
Also die Definition würde ich nicht mitmachen.
Rhetorix
Zitat:
Original von Doctior
Ist eine bestimmte Quantität an Selbstbewusstsein eine Vorraussetzung um spontan zu sein?
(für spontante Entscheidungen,neue Pläne)

Wahrscheinlich meinst du nicht wirklich "Selbstbewusstsein", sondern eher "Selbstvertrauen".

Wenn es so gemeint ist, dann spricht einiges für den Zusammenhang zwischen dem Grad des Selbstvertrauens und dem Grad der Bereitschaft zu spontanen Entscheidungen.
Das erkennt man am besten, wenn man die Situation einmal unter's Vergrößerungsglas legt. Nehmen wir also jemanden, der sich im Zustand der Manie befindet und der ein Selbstvertrauen bis in den Bereich des Größenwahns hinein hat: gleichzeitig wird man feststellen, dass er äußerst spontan und impulsiv handelt. Derselbe Mensch verzagt im Zustand der Depression an sich selbst, sieht (oder empfindet) unüberwindliche Hürden und tut so gut wie gar nichts.
Bei "Normalbürgern" verhält es sich wohl nur graduell anders, im Prinzip aber ähnlich.
glorin
Willkommen am Board Doctior.

Meinst du wirklich quantität, oder eher Qualität?
Zitat:
eine bestimmte Quantität an Selbstbewusstsein eine Vorraussetzung um spontan zu sein?


Denn in dieser Formulierung hört es sich so an, als ob kein Selbstbewußtsein nötig wäre für spontane Entscheidung. Und dies halte ich für unwahrscheinlich. Darf ich ein bspl. bringen?

Gestern, hatte ich einen altmodischen Anzug an (diese die hinten zwei Teilig sind/wurden früher immer in Opern getragen). Nur der Zylinder hat mir nicht auf den Kopf gepasst. Daher ein teuren Markenhut dazu genommen. Doch was passiert mir? Ich vergesse mein Geld zuhause. Da ich 8Stunden hatte und nach 6 langsam hunger bekomme. Dachte ich mir ich könne ja Spaßeshalber betteln. (Hätte nicht gedacht das etwas rum kommt.) Aber die umhergehenden Leute angespresprochen. Um Kleingeld für arme bedürftige Schüler, die hunger haben gebeten. Immer mit ein paar freundlichen Worten. Und den teuren Hut ihnen hingehalten. Und siehe da. Ich bekam sofort Geld. (nur die dummen Autofahrer die ich an den Rand gewunken habe, wollten nichts geben.) In nicht einmal 15minuten hatte ich 4,80€ verdient. Viele Leute zum lachen gebracht, selber prächtige Laune bekommen und ein halbes Bretzel dazu. (habe dann aber etwas von den gekauften Brötchen nachher noch an K-Kameraden abgegeben. Da diese nicht losziehen wollten.)
Ob man für solche Aktion einfach nur verrückt sein muss, oder aber ein ticken selbstvertrauen braucht. Keine Ahnung. Es hilft auf jeden Fall gegen leeren Magen, macht Spaß (also im Smoking auf jeden Fall). Und ich denke es zeigt, das man nicht kein Selbstvertrauen für solche Spontanen Aktionen braucht. Denn, meinetwegen zeichnet dies kein Selbstvertrauen aus ist aber trotzdem auf jeden Fall etwas anderes als kein Selbstvertrauen... ^^



(Ich hoffe nur das ich dich nicht falsch verstanden habe.)
Esmeralda
Spontaneität = Spontaneität
Selbstbewusstsein = Selbstbewusstsein
Katze = Katze
Hund = Hund

Wenn ich eine Birne pflücken will, sollte ich mich nicht unter einen Apfelbaum stellen.
Brauche ich eine Birne, um einen Apfel zu pflücken?
Nein, ich brauche kein Selbstbewusstsein, um spontan zu sein. Ich bin es einfach.

@glorin
Wenn du einen teuren Markenhut brauchst, um Dir einen spontanen Betteleinsatz zu erlauben, machst Du Dein Selbstbewusstsein von Selbigem abhängig. Wäre Dir Deine spontane Idee auch ohne Markenhut möglich gewesen? Daran mäße sich das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Deinem Selbstbewusstsein und Deiner Spontaneität (falls es ein solches überhaupt gibt).

Das Wesen der Spontaneität beinhaltet für mich, es mir zu erlauben, einen plötzlichen Impuls zu leben. Dafür ist es natürlich erforderlich, dass ich mir meiner selbst bewusst bin. Gleichermaßen kann die Erfüllung eines spontanen Impulses dazu führen, dass ich mir meiner selbst bewusst werde.

Kinder, die noch unverfälscht handeln, handeln spontan. Sie sammeln damit ihre Erfahrungen. Wir (Erwachsene? Angepasste?) haben es weitgehend verlernt und lernen es dann wieder, wenn wir wollen.
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von Esmeralda

Spontaneität = Spontaneität
Selbstbewusstsein = Selbstbewusstsein
Katze = Katze
Hund = Hund

Wenn ich eine Birne pflücken will, sollte ich mich nicht unter einen Apfelbaum stellen.
Brauche ich eine Birne, um einen Apfel zu pflücken?
Nein, ich brauche kein Selbstbewusstsein, um spontan zu sein. Ich bin es einfach.

Man ist nicht einfach spontan. Spontaneität ist nichts, was man einfach hat. Spontaneität ist eine zugeschriebene
Eigenschaft, keine einer Person immanente. Man ist nicht spontan, man wird dazu gemacht.

Das macht den Begriff ja so schwammig, wie hier auch schon kritisiert wurde: wir wenden ihn bei den
unterschiedlichsten Situationen an, die außer der zugeschriebenen "Spontaneität" vielleicht gar nichts
miteinander zu tun haben.

Zum anderen ist das Fragen nach Zusammenhängen vermutlich der Grundzug von Wissenschaftlichkeit
und das Kritisieren desselben mit dem Verweis darauf, dass "es nunmal so ist", bringt keinen Deut weiter.
Im Übrigen hast du gleich darauf ja selbst versucht, Zusammenhänge herzustellen. Wie ist das zu verstehen?

Zitat:
Original von Doctior

Ist eine bestimmte Quantität an Selbstbewusstsein eine Vorraussetzung um spontan zu sein?
(für spontante Entscheidungen,neue Pläne)

Das Problem bei der Beantwortung dieser Frage ist ja, dass nicht nur <spontan> ein sehr schwammiger
Begriff ist, sondern auch <Selbstbewusstsein>. Wobei zweiteres nicht direkt schwammig, sondern einfach
mehrdeutig ist. Ich kenne <Selbstbewusstsein>...
  1. als <self-awareness>, das heißt im Sinne des "sich seiner selbst bewusst sein". So wird der Begriff von
    den meisten hier, die sich an einer Definition bzw. Paraphrasierung versuchen, ja auch verwendet.
    Allerdings glaube ich weniger, dass die Wahl dieser Bedeutung bewusst war, sondern eher die Folge
    einer volksetymologischen Herleitung ("<Selbstbewusstsein> setzt sich aus <Selbst-> und <-bewusstsein>
    zusammen, also muss es das 'Bewusstsein seiner Selbst' bezeichnen!" Zwinker ).
    Ich glaube derweil aber nicht, dass du wirklich diese Bedeutung im Sinn hattest.

  2. als <self-confidence>, also im Sinne von "Selbstvertrauen", ein Vertrauen auf sich selbst, seine
    eigenen Fähigkeiten.

  3. als <self-esteem>, als Selbstachtung, Selbstwertgefühl, Wertschätzung seiner Selbst.

Ich nehme mal an, dass du eher 2. und/oder 3. gemeint hast (vielleicht sind 2. und 3. auch identisch,
ich weiß es nicht genau), wie ja auch Rhetorix schon vermutete.

Also wäre vielleicht erstmal näher auszuführen: Was meinst du mit <Selbstbewusstsein>, was genau meinst
du mit <spontan> (zweiteres vielleicht einfach anhand einiger Beispiele)? Andernfalls würden wir hier nur versuchen,
zwei schwammige Begriffe zusammen zu führen, was zu nichts Sinnvollem führen kann.

Was die eigentliche Frage angeht, so werde ich mich keineswegs drücken. Das wird dann vermutlich Thema
meines nächsten Beitrages sein.
ete
Zitat:
Original von Doctior
Ist eine bestimmte Quantität an Selbstbewusstsein eine Vorraussetzung um spontan zu sein?

Ja und Nein.
Ja, weil ein stimmiges Selbstkonzept schnelle Entscheidungen unterstützen kann und Raum für Intuition und Ursprünglichkeit bietet.

Nein, weil subliminale Signale Spontaneität (als Maß von Zugänglichkeit) beeinflussen können.

Es kommt also auf Person und Situation an.
-Sabine-
Guten Morgen smile

Wenn Selbstbewusstsein für Dich heißt, wissen wer man ist, wo man steht, was man kann und was nicht und vor allem wenn man unabhängig ist von der Anerkennung oder Missbilligung anderer, dann braucht man wohl Selbstbewusstsein, um spontane Entscheidungen treffen zu können oder spontan zu handeln zu können. Und auch Mut gehört dazu, ggf. mit den Folgen leben zu können/zu wollen.

Und doch, ich glaube schon, dass die Fähigkeit zu Spontaneität grundsätzlich angeboren und wenig veränderbarer Teil der Persönlichkeitsstruktur ist. Nicht jeder Mensch kann spontan sein - und wenn er noch so sehr will. Es gibt einfach Charaktere, die mehr Struktur und Vorhersehbarkeit brauchen.
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von -Sabine-
Und doch, ich glaube schon, dass die Fähigkeit zu Spontaneität grundsätzlich angeboren und wenig veränderbarer Teil der Persönlichkeitsstruktur ist. Nicht jeder Mensch kann spontan sein - und wenn er noch so sehr will. Es gibt einfach Charaktere, die mehr Struktur und Vorhersehbarkeit brauchen.

Weder ist, wie ich bereits sagte, 'Spontaneität' eine Eigenschaft (oder Fähigkeit), die einem Menschen immanent ist, sondern eine, die ihm zugeschrieben wird. Noch finde ich es sinnvoll zu sagen, dass bestimmte Charaktereigenschaften angeboren seien. Die Aussage "nicht jeder Mensch kann spontan sein" rechtfertigt ja keineswegs eine Naturalisierung dieser Eigenschaft, denn es ist ja nun nicht so, dass wir über unsere sozialisationsbedingten Eigenschaften freier verfügen könnten als über die angeborenen.

Zitat:
... wenn man unabhängig ist von der Anerkennung oder Missbilligung anderer

Ist man das je? Ich glaube, die Angst vor einem Mangel an Anerkennung ist eine "Ur-Angst" des Menschen, wesentlich bedeutsamer als die Angst vor dem Tod beispielsweise. 'von der Anerkennung anderer unabhängig sein' heißt lediglich, sich der Anerkennung, die man braucht, schon sicher zu sein.
-Sabine-
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Noch finde ich es sinnvoll zu sagen, dass bestimmte Charaktereigenschaften angeboren seien.

Die Natur kümmert sich selten darum, was einzelne sinnvoll finden oder nicht Zwinker Und doch, bestimmte Grundzüge sind angeboren. Ob sie aus den Genen resultieren oder aus den Erfahrungen in utero, darüber ist man sich noch nicht ganz einig, aber neugeborene Babys sind genauso einzigartig und unverwechselbar wie alle anderen Menschen auch und keine unbeschriebenen Blätter, die man nach Belieben formen kann. Gleiche Sozialisationsbedingungen führen mitnichten zu gleichen Ergebnissen.

Zitat:
... wenn man unabhängig ist von der Anerkennung oder Missbilligung anderer

Ist man das je? Ich glaube, die Angst vor einem Mangel an Anerkennung ist eine "Ur-Angst" des Menschen, wesentlich bedeutsamer als die Angst vor dem Tod beispielsweise. 'von der Anerkennung anderer unabhängig sein' heißt lediglich, sich der Anerkennung, die man braucht, schon sicher zu sein.[/quote]

Ja, es gibt Menschen, die tatsächlich unabhängig. Genau genommen ist das sogar - psychologisch gesehen - ein Kennzeichen von Authentizität.

Dass Menschen die so sind, dafür dann Anerkennung/Bewunderung von anderen ernten, ist ein Nebeneffekt und von den so "Beschenkten" weder gewünscht noch von Wichtigkeit für sie.

Dass in unserer Gesellschaft Anerkennung so wichtig ist, liegt vielmerhr daran, dass wir von kleinauf so erzogen und darauf "getrimmt" werden: Alles und jedes, was ein KLind tut, wird bewertet: (Du bist ein hübsches Kind". "das hast Du gut gemacht" etc. pp.. ) Welche Eltern nehmen ihr Kind, wie es ist und bestätigen es einfach wertfrei in seinem "So-Sein"? Dabei wäre das die Grundlage echten Selbtbewusstseins.

Dass so viele das nicht mehr haben, zeigt sich auch im rasanten Anwachsen der Verhaltenauffälligkeiten bei Kindern und der psychischen Probleme und der psychosomatischen Erkrankungen bei Erwachsenen, sowie in der zunehmenden Bindungsunfähigkleit in allen Altersgruppen.
glorin
Zitat:
Wenn du einen teuren Markenhut brauchst, um Dir einen spontanen Betteleinsatz zu erlauben, machst Du Dein Selbstbewusstsein von Selbigem abhängig. Wäre Dir Deine spontane Idee auch ohne Markenhut möglich gewesen? Daran mäße sich das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Deinem Selbstbewusstsein und Deiner Spontaneität (falls es ein solches überhaupt gibt


Hm, ja habe ich kein Problem mit. Hättest sehen müssen wie ich heute Spaßhaft herum gelaufen bin. (Vorallem auch noch quer durch die Stadt, da der Bus irgendwie nicht gekommen ist.) ^^ Aber ich denke das gehört gerade nicht hier her.
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von -Sabine-
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Noch finde ich es sinnvoll zu sagen, dass bestimmte Charaktereigenschaften angeboren seien.

Die Natur kümmert sich selten darum, was einzelne sinnvoll finden oder nicht Zwinker

Die Natur kümmert überhaupt nichts. Und es kümmert sie auch nicht, ob wir mit unserer Ein-
schätzung, was angeboren und was nicht angeboren ist, richtig liegen. Wen es aber kümmert, das
sind die Menschen. Die Natur kümmert es in der Tat nicht, ob wir die Menschen als gleich betrachten
oder nicht. Die Menschen kümmert es allerdings.
Wenn ich sage, dass ich es nicht sinnvoll finde, das zu sagen bzw. davon auszugehen, dann
hat das erstmal überhaupt nichts damit zu tun, ob es tatsächlich so ist oder nicht, sondern mit den
Implikationen, die eine solche Annahme mit sich brächte.

Zitat:
Und doch, bestimmte Grundzüge sind angeboren.

Das habe ich auch keineswegs bestritten. Aber zwischen "Grundzügen" und bestimmten, spezifischen
"Charaktereigenschaften" besteht ein immenser Unterschied.

Zitat:
Ja, es gibt Menschen, die tatsächlich unabhängig. Genau genommen ist das sogar -
psychologisch gesehen - ein Kennzeichen von Authentizität.

Dass Menschen die so sind, dafür dann Anerkennung/Bewunderung von anderen ernten, ist ein
Nebeneffekt und von den so "Beschenkten" weder gewünscht noch von Wichtigkeit für sie.

Woher nimmst du diese Kenntnis, dass es diese Menschen gibt? Was führt dich zu dieser Annahme,
dass Anerkennung hier nur ein Nebeneffekt ist, der von diesen Personen weder erwünscht ist noch
für sie wichtig ist? Wie begründest du diese Behauptung?

Der Mensch ist doch ein soziales Wesen. Und das nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern das ist
er von Natur aus (übrigens fast die einzige anthropologische Grundannahme, die ich sinnvoll finde).
Wie aber ist ein soziales Miteinander denkbar ohne 'Anerkennung'?
-Sabine-
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Zitat:
Und doch, bestimmte Grundzüge sind angeboren.

Das habe ich auch keineswegs bestritten. Aber zwischen "Grundzügen" und bestimmten, spezifischen
"Charaktereigenschaften" besteht ein immenser Unterschied.


Nein, nicht wirklich. Charakterzüge, also das, was in Grundzügen angelegt ist, prägt sich im Laufe eines Lebens aus oder wird schwächer. Fundamental ändern tut es sich extrem selten und wenn, dann eher in Richtung Psychopathologie.

Zitat:
Ja, es gibt Menschen, die tatsächlich unabhängig. Genau genommen ist das sogar -
psychologisch gesehen - ein Kennzeichen von Authentizität.

Dass Menschen die so sind, dafür dann Anerkennung/Bewunderung von anderen ernten, ist ein
Nebeneffekt und von den so "Beschenkten" weder gewünscht noch von Wichtigkeit für sie.

Woher nimmst du diese Kenntnis, dass es diese Menschen gibt? Was führt dich zu dieser Annahme,
dass Anerkennung hier nur ein Nebeneffekt ist, der von diesen Personen weder erwünscht ist noch
für sie wichtig ist? Wie begründest du diese Behauptung? [/quote]

Aus der (Persönlichkeits-)psychologie (ich habe u.a. Psycholgie studiert), bestätigt durch meine persönlichen Erfahrungen.



Der Mensch ist doch ein soziales Wesen. Und das nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern das ist
er von Natur aus (übrigens fast die einzige anthropologische Grundannahme, die ich sinnvoll finde).
Wie aber ist ein soziales Miteinander denkbar ohne 'Anerkennung'?[/quote]
Reinhard
Zitat:
...und Raum für Intuition und Ursprünglichkeit bietet.


Hallo, für mich taucht zunächst die Frage auf, ob nicht letztlich jede Handlung nur durch Intuition zustande kommt? Wir können uns doch gar nicht aus dem Verhältnis von Intellekt zum Willen befreien und jede Handlung enthält doch immer beide Elemente. Ursprüngliche Handlungen werden doch auch zu Gewohnheiten und auf die vertrauen wir dann.

Es geht bei dieser Fragestellung doch nicht eigentlich um die spontane Handlung, sondern darum, so zu sein, wie man nunmal ist. Warum sollte man sich das nicht trauen? Anders zu sein, als man ist, ist doch ein unmögliches Unterfangen, das zu inneren Konflikten führen muss. Ist es nicht die Angst vor dem Versagen, den vermeintlichen Ansprüchen anderer nicht gerecht werden zu können? Das Nichtsoseienwiemanist, ist doch eine Fehlentwicklung, auch wenn wir daraus so manche Normalität ableiten, weil kaum jemand frei davon ist und oft ist das auch gut so, da auch ein dezentes Schamgefühl zur Moral dazu gehört.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von -Sabine-
Zitat:
Original von Stanley Alvarez
[quote]Woher nimmst du diese Kenntnis, dass es diese Menschen gibt? Was führt dich zu dieser Annahme, dass Anerkennung hier nur ein Nebeneffekt ist, der von diesen Personen weder erwünscht ist noch für sie wichtig ist? Wie begründest du diese Behauptung?


Aus der (Persönlichkeits-)psychologie (ich habe u.a. Psycholgie studiert), bestätigt durch meine persönlichen Erfahrungen.

Ich habe dich eigentlich nicht nach deiner Lebensgeschichte gefragt, sondern danach, woher du diese Annahmen nimmst und wie du sie begründest. „Ich habe u.a. Psychologie studiert“ ist darauf keine Antwort, sondern scheint mir nur soviel sagen zu wollen: „ich habe Ahnung, denn ich habe das (als Nebenfach) studiert“. Eine andere Begründungsstrategie kann ich nicht entdecken.
Aus welcher „(Persönlichkeits-)psychologie“ eigentlich genau? Die Theorienpluralität ist da ja auch nicht gerade gering. Ich könnte dem jetzt schlicht entgegensetzen, dass ich aus der Sozialpsychologie und -philosophie (z.B. Axel Honneth) gegenteilige Theorien kenne, und dass diese wiederum durch meine persönlichen Erfahrungen bestätigt wurden. Was genau bringt uns das jetzt?

Zitat:
Charakterzüge, also das, was in Grundzügen angelegt ist, prägt sich im Laufe eines Lebens aus oder wird schwächer. Fundamental ändern tut es sich extrem selten und wenn, dann eher in Richtung Psychopathologie.

Von „fundamentalen Änderungen“ hat auch niemand geredet. Charaktereigenschaften prägen sich im Laufe des Lebens aus, werden stärker, werden schwächer, nehmen spezifischere Züge an etc. Das ist völlig richtig. Aber diese im Laufe des Lebens ausgeprägten Charaktereigenschaften sind nicht identisch mit jenen Grundzügen bzw. Anlagen (ich werde im Folgenden diesen Begriff wählen, einfach aus ästhetischen Gründen). Jene ‚Anlagen‘ determinieren nicht die tatsächliche Ausprägung der Charaktereigenschaften. Sie prägen sie mit, aber hinzu kommt die wesentlich bedeutsamere Prägung durch die Sozialisation. Die Prägung durch die angeborenen Anlagen ist eher gering im Vergleich zur Prägung durch die Sozialisation, und sie wird im Laufe des Lebens immer geringer, denn die Sozialisierung bricht ja nicht irgendwann einfach ab. Angeboren-Sein und Sozialisation überschneiden sich aber auch etwas, da die erste Form der sozialen Interaktion bereits im Mutterleib beginnt.

Die ‚Anlagen‘ können die Ausprägung einer bestimmten Charaktereigenschaft begünstigen, sie determinieren sie aber nicht, weder die stärke ihrer Ausprägung, noch die Facetten und Spezifika, in denen sie sich äußert, noch ob diese Charaktereigenschaft überhaupt zum tragen kommt und nicht vielleicht durch besonders prägsame Erlebnisse, durch eine besonders eindringliche Sozialisierung genau das Gegenteil eintrifft (z.B. Introvertiertheit statt Extrovertiertheit).
Um das Gegenteil dessen zu beweisen nützen dir „persönliche Erfahrungen“ rein gar nichts und die Ansichten seitens „der (Persönlichkeits-)psychologie“ dürften da alles andere als eindeutig sein.


Edit:
Achja, du bist gar nicht auf die Frage eingegangen, Wie ein soziales Miteinander ohne 'Anerkennung' denkbar sei. Also?
carsten aus bochum
Hi.

@ Stanley und Sabine:

Zitat:
„ Aber zwischen "Grundzügen" und bestimmten, spezifischen
"Charaktereigenschaften" besteht ein immenser Unterschied.“


Ich kenne eine Theorie der Persönlichkeit von Kernberg die in weiten Teilen auf die Objektbeziehungstheorie zurückgeht und die recht verbreitet und erfolgreich ist.

Demnoch ist Persönlichkeit der Oberbegriff, der aus den beiden Bausteinen Charakter und Temperament besteht.

Das Temperament ist angeboren und genetisch fixiert, es wird definiert durch die Schwelle, die Intensität und die Dauer der Affekte.

Der Charakter besteht aus den Komponenten des äußeren Verhaltens, sowie der Fähigkeit ein integriertes und kohärentes Bild vom eigenen Ich und für das eigene Leben bedeutenden anderen Menschen zu besitzen.

Weitere wichtige Bausteine für die Persönlichkeit sind kognitive Intelligenz, sowie Moral (die Fähigkeit sich in Wertesystemen zu engagieren, die das eigene Ich überragen).


@ Doctior:

Ich glaube nicht unbedingt, dass Spontaneität mit großem Selbstvertrauen assoziiert sein muss, Borderline-Patienten reagieren mitunter sehr spontan und ihr Selbstvertrauen ist glaube ich auch in den Phasen der spontanen Reaktionen in ihrem eigenen Erleben nicht sonderlich groß. Aus der Distanz würde man es auch nicht als groß beurteilen.

Gruß,

Carsten
mark
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Das Temperament ist angeboren und genetisch fixiert...

entschuldige, aber soweit man es auf das verhalten bezieht ist das einfach quark. genetisch fixiert ist vielleicht welches temperament sich unter welchen umständen einstellt. sonst aber auch nix.
ansonsten ist einfach das "fixiert" irreführend. temperament ist natürlich veränderlich.
eine genetische basis wäre wohl der besser ausdruck. die aussagekraft verliert sich dann natürlich etwas im trivialen, denn was hat schon keine genetische basis? sinnvoll unterscheiden kann man natürlich immer noch nach der art des nötigen eingriff um (gezielt) zu manipulieren. und so ist das mit dem "genetisch" ja letztlich auch gemeint: am ende hilft nur ein eingriff in das genetische material. nur ist "fixiert" hier wirklich zuviel des guten, man muss keine gene ändern um das temperament zu beeinflussen.

gruss
carsten aus bochum
Hi mark.

Zitat:
„entschuldige, aber soweit man es auf das verhalten bezieht ist das einfach quark. genetisch fixiert ist vielleicht welches temperament sich unter welchen umständen einstellt. sonst aber auch nix.
ansonsten ist einfach das "fixiert" irreführend. temperament ist natürlich veränderlich.“


Nein, eigentlich geht man davon aus, dass es genau das nicht ist.

Zitat:
„eine genetische basis wäre wohl der besser ausdruck. die aussagekraft verliert sich dann natürlich etwas im trivialen, denn was hat schon keine genetische basis?“


Der Charakter.

Zitat:
„sinnvoll unterscheiden kann man natürlich immer noch nach der art des nötigen eingriff um (gezielt) zu manipulieren. und so ist das mit dem "genetisch" ja letztlich auch gemeint: am ende hilft nur ein eingriff in das genetische material.“


Upps.

Zitat:
„nur ist "fixiert" hier wirklich zuviel des guten, man muss keine gene ändern um das temperament zu beeinflussen.“


„Dabei bezieht sich der Begriff Temperament auf die durch Konstitution vorgegebene Veranlagung eines Menschen, die angeboren und weitgehend determniert ist.“ (Kernberg)

Gruß,

Carsten