Versprechen vor Gott

glorin
Wir hatten letztens diese Frage in Reli (na ja, halbes Jahr schon her, kam mir nur gerade wieder in denn Sinn):
"Stell dir vor, du machst eine Reise mit einem Schiff. Dieses sinkt. Keine Rettung ist in Sicht. Du betest zu Gott um Errettung. Alle sterben. Nur du nicht. Als Preis für deine Rettung, versprachst du Gott, das du armen Menschen in Afrika hilfst. Hilfst du ihnen nun wirklich nach deiner Rettung?"

Meine Antwort war nein: "Wenn es Gott gibt, dann ist er allwissend. Und in diesen Fall hätte er wissen müssen, dass ich das versprechen nicht halte. Also brauche ich es auch nicht zuhalten. Denn dies erwartete er nie. Es war somit kein echtes Versprechen."

Die Antwort des Lehrbeauftragend war, dass ich mir immer alles passend zurecht biegen würde. Aber ist meine Antwort wirklich falsch. Oder aber ein Versprechen vor Gott wirklich nicht nötig einzuhalten?
Neo
Zitat:
Original von glorin
Die Antwort des Lehrbeauftragend war, dass ich mir immer alles passend zurecht biegen würde. Aber ist meine Antwort wirklich falsch. Oder aber ein Versprechen vor Gott wirklich nicht nötig einzuhalten?

Es ist nicht nötig (für Gott) es einzuhalten. Wenn dann nur für Dich. Wenn Du das nicht für nötig hältst, ist das deine persönliche Sache, nur wäre es gut, wenn Du Dir bewußt wärst, was du damit alles aufgibst, wenn Du alle moralischen Werte wie Ehre, Ehrenwort, Versprechen, usw. für obsolet erklärst. Kann man machen, machen ja inzwischen wohl auch sehr viele. Aber um welchen Preis?

Wenn ich Dein Relilehrer geween wäre hätte ich anders geantwortet. ich hätte Dich gefragt, warum Du es dann überhaupt gegeben hättest, das Versprechen.
Ein einfaches "Danke, Du seniler alter Trottel" hätte es doch auch getan, oder ?
Blackbird SR-71C
These 1: Gott ist allwissend.
These 2: Gott hat einen Grund für seine Handlung.

Folgerung: Gott hatte einen Grund dich zu retten; und durch diese Erkenntniss wirst du auf den Pfad zurückkehren, den Gott für dich gedacht hat.
glorin
Blackbird SR-71C:
Dies wird einfach vorausgesetzt bei solchen Fragen. (Innerhalb der einzelnden Religionen...)

Neo:
"Ein einfaches "Danke, Du seniler alter Trottel" hätte es doch auch getan, oder ? "

Das Versprechen wird doch gemacht um errettet zuwerden.
Blackbird SR-71C
Zitat:
Original von glorin
Blackbird SR-71C:
Dies wird einfach vorausgesetzt bei solchen Fragen. (Innerhalb der einzelnden Religionen...)

Neo:
"Ein einfaches "Danke, Du seniler alter Trottel" hätte es doch auch getan, oder ? "

Das Versprechen wird doch gemacht um errettet zuwerden.


Tut mir Leid, ich verstehe nicht ganz was du damit meinst...wenn meine Aussage Vorraussetzung ist, wäre dann nicht die Frage geklärt?
glorin
[quote][i]Original von Blackbird SR-71C[/i]
[quote][i]Original von glorin[/i]
Blackbird SR-71C:
Dies wird einfach vorausgesetzt bei solchen Fragen. (Innerhalb der einzelnden Religionen...)[/quote]

Tut mir Leid, ich verstehe nicht ganz was du damit meinst...wenn meine Aussage Vorraussetzung ist, wäre dann nicht die Frage geklärt?[/quote]

Nicht deine Frage wird vorausgesetzt. Welche Frage überhaupt. Sondern die vor dir genannten Thesen, z.B. das Gott allwissend ist.

[quote][i]Original von Blackbird SR-71C[/i]
Folgerung: Gott hatte einen Grund dich zu retten; und durch diese Erkenntniss wirst du auf den Pfad zurückkehren, den Gott für dich gedacht hat. [/quote]

Hm, aber wenn man nicht auf den Pfad zurück kommt, dadurch und dies muss Gott ja schon vor der Errettung klar sein, braucht man dieses trotzdem nicht erfüllen, oder?
Neo
Zitat:
Original von glorin
Neo:
"Ein einfaches "Danke, Du seniler alter Trottel" hätte es doch auch getan, oder ? "

Das Versprechen wird doch gemacht um errettet zuwerden.


Ah, dann hab ich das falsch verstanden. Du hast es aber auch unglücklich formuliert:
"Alle sterben. Nur du nicht. Als Preis für deine Rettung, versprachst du Gott, das du armen Menschen in Afrika hilfst. "

Ich dachte das kam nach der Rettung.
glorin
Ups. Nein, vorher. ^^
Blackbird SR-71C
Mir kommt gerade erst die Frage in den Sinn: Warum sollte man überhaupt darüber nachdenken, besagtes Versprechen nicht einzuhalten, wenn man gläubig ist?

Ausserdem: Wer durch dieses Versprechen sozusagen einen Handel mit Gott eingeht, hat den Sinn seiner Religion ebenfalls nicht verstanden...

Ich denke, das Problem hier ist, dass die Problemsstellung fehlerhaft ist.
Neo
Na dann erst recht: warum versprachst Du es überhaupt ?
Du wußtest, dass Gott dich auf jeden Fall retten würde, auch wenn Du dein Versprechen brichst. Denn da Gott allwissend ist, würde er Dich ganz nach seinem Belieben entweder retten, oder nicht, ganz egal ob Du Dein Versprechen hältst oder nicht. Warm also der ganze Bödsinn?
Blackbird SR-71C
Woher nimmst du denn die Tatsache, dass die Person davor weiss, dass sie gerettet werden wird? Ich dachte wir gehen hier von Gottes Allwissen aus, nicht von dem des Menschen...
glorin
"Na dann erst recht: warum versprachst Du es überhaupt ?
Du wußtest, dass Gott dich auf jeden Fall retten würde, auch wenn Du dein Versprechen brichst. Denn da Gott allwissend ist, würde er Dich ganz nach seinem Belieben entweder retten, oder nicht, ganz egal ob Du Dein Versprechen hältst oder nicht. Warm also der ganze Bödsinn?"

Evtl. dachte man in der Panik nicht daran, das ein solches Versprechen nichts bringt.

"Woher nimmst du denn die Tatsache, dass die Person davor weiss, dass sie gerettet werden wird? Ich dachte wir gehen hier von Gottes Allwissen aus, nicht von dem des Menschen... "

Die Person weis es auch erst hinter her.
Blackbird SR-71C
Zitat:
Original von glorin
"Na dann erst recht: warum versprachst Du es überhaupt ?
Du wußtest, dass Gott dich auf jeden Fall retten würde, auch wenn Du dein Versprechen brichst. Denn da Gott allwissend ist, würde er Dich ganz nach seinem Belieben entweder retten, oder nicht, ganz egal ob Du Dein Versprechen hältst oder nicht. Warm also der ganze Bödsinn?"

Evtl. dachte man in der Panik nicht daran, das ein solches Versprechen nichts bringt.

"Woher nimmst du denn die Tatsache, dass die Person davor weiss, dass sie gerettet werden wird? Ich dachte wir gehen hier von Gottes Allwissen aus, nicht von dem des Menschen... "

Die Person weis es auch erst hinter her.


Achtung: Ironie Zwinker
Neo
Zitat:
Original von glorin
Evtl. dachte man in der Panik nicht daran, das ein solches Versprechen nichts bringt.

Das bedeutet abr im Umkehrschluß, dass man in der Panik dachte, es würde was bringen. Man gab dann ein Versprechen, das ehrlich gemeint war. Dann aber wäre es ein Fehler (fü seine eigene Psyche) dieses Versprechen zu brechen.
Blackbird SR-71C
Wie wäre es also, anstatt nach Fällen zu suchen, in denen es nach gegebenen Möglichkeiten dazu käme, dass das Versprechen gehalten wird, nach Optionen zu suchen, in denen es nicht der Fall wäre?
ewig
Zitat:
Original von glorin
Das Versprechen wird doch gemacht um errettet zuwerden.

Du unterschätzt, was so ein Versprechen mit Dir machen würde/könnte. Entweder Du glaubst vorher (uns sei es nur sehr vage) zumindest an die Möglichkeit, es gäbe einen Gott, in dessen Macht und Willen es liegen könnte, Dich erretten, dies halte ich für die Vorbedingung, um überhaupt ein solches Versprechen zu geben. Oder nicht, dann wird auch nichts versprochen. In ersterem Falle, wärst Du wirklich imstande, gerade diese Wendung - "Hey Allmächtiger, ich hab Dich reingelegt, wußtestu aber ja." - zu nehmen oder würdest Du nicht (wieder) die Möglichkeit ableugnen, daß es überhaupt einen Gott gäbe, wenn die resultierende Verpflichtung als zu unbequem erschiene? Jemandem ins Gesicht zu spucken, den Du für existent und über die irdische Existenz hinaus für ernstlich allmächtig hältst, würdest Du meiner Ansicht nach nicht wagen. Jedenfalls würde ich es nicht wagen.

Cat Stevens erzählt ja genau diese Geschichte seit geraumer Zeit, und der meint es durchaus ernst.
glorin
@ewig, es gibt nur zwei Möglichkeiten:
a) Es gibt kein Gott, also brauch das Versprechen auch nicht gehalten werden.
b) Es gibt ein Gott, da dieser aber allwissend ist, wüsste er schon vor dem Widerrufen meines Versprechens, dass ich dies tun würde. Sollte er dies nicht wollen könnte er mich ja mit seiner allmacht dazu zwingen. Wenn er es aber nicht tut kann ich doch davon ausgehen, das er mit der Nichteinhaltung kein Problem hat. Und ich ihn somit auch nicht ins Gesicht spucke.
ewig
Wenn Du nicht irgend einer verqueren fuzzy-Logik folgst, dann führt keine Deiner beiden "Möglichkeiten" überhaupt zu einem Versprechen, da Du dann gar nicht glauben würdest, daß Dich ein Versprechen in irgend einer Hinsicht weiterbrächte. Falls doch, wie soll das gehen? Vor allem: Wie sollte das gehen, ohne daß es sich mit "Möglichkeit b" beißt? Wenn Du vor göttlicher Allmacht keine Angst hast, und glaubst, Dich vor göttlicher Allwissenheit mit einer so fadenscheinigen Ausrede aus einem Versprechen stehlen zu können, dann bist Du Dir selbst gegenüber entweder vollkommen gleichgültig oder - und dann sind wir wieder bei der Unsinnigkeit, überhaupt die Prämisse des Versprechens zu akzeptieren - glaubst eben nicht an eine derartige göttliche Entität wie die Katholiken es tun, sondern höchstens an einen Wunscherfüller, den man nach Belieben gebrauchen und wegwerfen kann und von dem keinerlei Vergeltung zu befürchten ist. Wäre immerhin mal ein kreatives "Gottes"bild.
John
ich möchte hier mal den Begriff "realistisches Versprechen" einführen.

Ein realistisches Versprechen muss dreii wesentliche Voraussetzungen erfüllen:

1. Es muss gegenüber einem gleichberechtigten Partner abgegeben werden
2. Es muss sich seinem Inhalt nach in einem normalen Realisierungsrahmen bewegen
3. Seine Erfüllung muss für den Versprechungspartner eine Relevanz haben

Ob man

4. Der Versprechungspartner muss einen nachweisbaren Einfluss auf die Situationsänderung, die durch das Versprechen bewirkt werden sollte, dazurechnet., darüber kann man diskutieren.

Ich verdeutliche 1.: Ich werde gefangen genommen und der andere sagt zu mir: Wenn du mir versprichst, dass du nicht fliehst, lasse ich dich am Leben.

Mein Versprechen verpflichtet mich aber -moralisch - zu absolut nichts, da ich keine Gewähr habe, dass der andere sein Versprechen halten wird.

2. Wenn ich einer Frau verspreche, die Welt zu Füßen zu legen, so bedeutet dieses Versprechen nichts, absolut unkonkreter Inhalt. In der Situation geht es um was anderes.

Prüft man also nun, ob ein Versprechen, das ich in einer Notsituation (einem) Gott gebe, dann sehe ich keinen Punkt, der hier erfüllt wäre. Dieses Versprechen ist von Anfang nichts anderes als ein eigener Antrieb oder ein Griff nach einem - nicht einmal sichtbaren, aber eventuell doch vorhandenen - Strohhalm. Und diesem etwas zu versprechen, ist absolut unbedeutend.

Ob diese Darlegung nun eine
Zitat:
verquere fuzzy-Logik
, der Weisheit letzter Schluss oder der Versuch eines bekennenden Atheisten, sich mit einer Situation zu beschäftigen, in der er sich selbst eventuell mit einem Gott geistig auseinandersetzen würde, ist, mögen die Antworten erweisen.
ewig
Dein Modell unterscheidet sich ja von glorins darin, daß das Gegenüber, dem versprochen wird, hier nicht allwissend ist, so daß man sich für den Trick mit dem Versprechen Erfolg ausrechnen kann, obwohl es nicht ernst gemeint ist.