Ok... metaphysisch ist etwas, dass weder bewiesen noch widerlegt werden kann, weil wir keinen sinnlichen Zugang dazu haben (fachlich gesagt: keinen empirischen bezug).
Z.B. ist alles "überweltliche" metaphysisch, wie z.B. Gott und alles was dazu gehört.
Aber auch der Begriff "Welt". - Niemand hat die Erde im Ganzen gesehen - höchstens Raumfahrer und das doch nur aus einer sehr beschränkten Perspektive. Wenn du dein ganzes Leben verbrächtest, sie zu durchreisen würdest du doch nur etwa die Hälfte zu Gesicht bekommen.
Was stellst du dir also vor, wenn du dir die Welt vorstellest? Ein Bild aus dem Atlas? Deine Heimat aus der Vogelperspektive? - Ich hoffe es wird klar, dass wir hier eine höchst individuelle Metapher benutzen, bei der jeder ein wenig was anderes versteht und empfindet.
Am Nordpol unterschieden die Menschen - wenn ich mich recht entsinne - vier verschiedene Schneearten. Wir unterscheiden nur zwischen Back- und Pulverschnee.
Natürlich können auch wir mit der Zeit lernen, feiner zu unterscheiden - das heißt immer noch nicht, dass es das gibt:
Wenn ich dir fünf Äpfel zeige, wird jeder anders sein. Selbst wenn ich die 20.000 Schrauben hinlege: Mindestens auf Molekularebene gibt es wohl nichts identisches mehr.
Wir betreiben in unserer Sprache - ohne dass uns das bewusst sein muss - extreme Abstraktionen und Vereinfachungen. - Mit Sprache aber denken wir!
Zeige ich dir ein Iglu und sage, dies sei ein Haus. Hier kannst du schimpfen "das ist doch kein Haus!" - und du unterscheidest nur anders als ich.
In der modernen Philosophie (z.B. Strukturalismus) glaubt man dann auch nicht mehr an's Subjekt: Höchstens als Hilfskonstruktion:
"Du" trennst ja erst die Welt in Subjekte und Objekte - und machst damit schon etwas künstliches.
Wie gut sind wir denn von unserer Umwelt zu trennen? Sind wir nicht unmittelbar mit allem verzahnt?
Ein Biologe trennt auch nicht die Wurzeln des Baumes vom Boden drumm herum: Beides ist Teil des Stoffwechsels und quasi Teil dieses "Lebewesens", welches man zum besseren Verständniss besser nicht weglässt.
Es gibt also keine Bäume in Russland, wenn ich die Definition: "das und das sind Bäume, weil sie dies und jenes scheinbar gemeinsam haben" ablehne.
Im Quantenbereich verstehst du vielleicht besser, dass alles in Bewegung ist: Hier steht nichts fest, wir können alles nur noch in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken.
Das ist beim Studieren der philosophischen Werke ganz wichtig: Aus dem ganzen "Brei" von Energien, bzw. Sinnesreizen, die unsere Welt macht, trennen wir etwas wie bei einer Vivisektion auf.
Meister davon war etwa Aristoteles, der Sohn eines Arztes war: Um etwa die "Seele" genauer zu untersuchen, trennte er sie auf in verschiedene Vermögen auf uns beschrieb sie einzeln.
Freud trennt sie auf in Es(Triebe), Ich und Über-ich(Moral). - Aber können wir das überhaupt trennen?
Der moralische Mensch trennt generell zwischen seinem moralischen Ich, und seinen Leidenschaften oder Trieben: Er empfindet sich nicht mehr als Individuum, sondern als Dividuum.
Ich würde ich das in diesem Falle nicht sagen, aber im Normallfall macht es es ja Sinn, solche Unterscheidungen zu treffen.
Das zeigt sich etwa bei jenem Südamerikanischen Urvolk, welches in seiner Sprache keine Worte für Zukunft uns Vergangenheit hat: Sie können nicht darüber reden, also gibt es das nicht! Wir können es uns kaum vorstellen, aber wenn bei ihnen jemand stirbt, war er im Grunde nie gewesen. Oder er ist einfach weg, - woanders hin.
Was sie nicht sagen - und damit auch nicht bewusst denken können ist, dass er "war".
Damit haben sie eine gewisse Kultur, ein gewisses Denken und eine sehr andere Welt.
Genauso gab es ein Volk, wo Subjekt und Prädikat in der Sprache nicht getrennt wurden. Das habe ich eingangs beschrieben: Wie können wir in der westlichen Welt nur so nativ sein, uns selbst von unseren Handlungen zu trennen?
"ich benehme mich vielleicht wie ein Feigling, aber ich bin im Herzen keiner" - aber im Grunde machen wir doch meist das Beste, was wir vermögen.
Im Tieferen kann das wohl niemand begreifen, denn wir kommen aus unserer Sprache nicht heraus. Wenn du das "ich" philosophisch ablehnst, kommst du doch nicht drum herum, diese "Hilfshypothese" zu benutzen. Wir können allerdings die Begriffe wieder "schwimmend" machen, indem wir das ganze Geflecht drumm herum verändern (z.B. war Newtons Begriff von "Kraft" ein völlig anderer als der in der modernen Physik).
Überhaupt: Wenn auch ganz minimal, verändert sich mit jeder Verwendung eines Wortes seine Bedeutung: Rose, Rose, Rose, Rose.,.... - jedesmal verschiebt sich etwas, und sei's, dass das Wort immer nerviger oder schlecht-klingender wird.
Desshalb aber entwickeln Philosophen mehr und mehr eigene Sprachen. Und wenn wir sie studieren, ist es, als erlernten wir eine neue Sprache und denken das Denken dann neu- wir lernen die Sprache um - und lernen so überhaupt etwas einigermaßen neues dazu. Denn das könnte die Philosophie sein:
Der Versuch, ein Denken zu denken. - nämlich das eigene Denken.
(Denn du kannst soviel Philosophen immitieren wie du willst: Du wirst irgendwann immer zum eigenen Denken zurückfinden. Wir sind wie die Komponisten: Mehr als sieben verschiedene Themen beherrscht keiner und er wird immer zu ihnen zurückkommen und sie immer nur etwas variieren und erweitern.)
Da du Mathematische Begriffe verwendet hast, hab ich mir folgendes Rätsel für dich ausgedacht:
1 + 1= 2
ist das wahr? Warum? Gibt es das?
Du unterscheidest zwischen Realität und Wirklichkeit, was ich nicht auf deine Weise tue, wenn es heißt, dass uns die Wirklichkeit überhaupt etwas angeht. Das tut sie nicht: Wenn ich etwas eine Hand-voll kleiner bunter Perlen zu Boden Werfe (als Wirklichkeit) und du dann beschreiben sollst, welche Muster usw. du automatisch siehst (Realität), und ich es beschreibe, sehen wir sicher etwas anders.
Da wir sprachlich abstrahieren, mag das nicht so sehr auffallen. Wichtig ist jedoch: Wir können doch nicht anders, als die Dinge auf unsere Weise - genauer: Aus unserer P e r s p e k t i v e zu betrachten.
Wie soll denn eine Betrachtung ohne Perspektive aussiehen? Da haben wir doch wieder nur einen "knäuel Energie" - ohne Form, Mittelpunkt und Kontur.
In der Philosophie gab es einen von Kant aus initierten Punkt, der sich "kopernikanische Wende" nennt: Kopernikus stellte um, dass sich die Sonne nicht mehr um die Erde drehe, sondern sie Erde um die Sonne (Dabei ist beides Denkbar, aber die erste Variante unheimlich kompliziert, mit extrem komplexen Formeln und Kurven. Kopernikus d e f i n i e r t e: Sonne=Koordninate(0,0,0)).
Kant meinte in der Kritik der reinen Vernunft nun, dass vieles leichter zu verstehen wäre, wenn wir annähmen, dass nicht die Dinge räumlich, zeitlich usw. wären, sondern dass unser Verstand diese "Kategorien" zum Denken künstlich hinzu fügt, weil es sonst nicht denkbar ist:
Zum Beispiel denken wir nach Kant "Substanz" in die Dinge hinein - wir denken sie als ein Ding-an-sich (wobei es das wie gesagt nicht gibt). Genauso denken wir die Dinge zeitlich, in dem wir uns ein hintereinander-im-Raum denken und kommen so auch zu der Vorstellung von Ursache und Wirkung.
Auch dass wir die Dinge in einen Raum denken, sei ihmzufolge eine Verstandeskategorie, was man sich wie ein Muster... ein Raster vorstellen kann.
Wenn du dir nur 4:3-Filme auf 16:9 Monitoren verzerrt anschaust, arbeitet das Gehirn das irgendwann so um, dass du das als "normal" empfindest. Mancher mag die Welt immer so sehen... das fällt doch gar nicht auf

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(wenn du kant lesen möchtest, fall aber nicht auf den kategorischen Imperativ ein: Das ist eine sehr feminine Moral.)
Beim Sinn halte ich wie gesagt daran fest, dass a) der Sinn
der Frage darin besteht, dass man nicht mehr fragt, das ganze b) Philosophisch aber ein Scheinproblem ist, welches man nur hat, etwa weil man universalisiert.
a) Wer den Sinn wiedergefunden hat, kann meist gar nicht sagen, worin er besteht: Das ist es ja

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Was ich im verlinkten Thread "Sinn" sagte: Unsere (Lebens)Orientierung ist irgendwie ins wanken geraten - wir sind aus den alten flow rausgefallen und stehen nun irgendwie "neben uns" und - alles macht keinen Sinn mehr.
Wenn du etwa eine Familie gründen wolltest, stellt sich dein ganzes Denken auf dieses Projekt um. Vieles was du tust, machst du nun deswegen. Du strukturierst dein Leben auf dieses Ziel hin um.
Dann stribt aber deine Frau. - jetzt ist alles sinnlos.
Denn wir menschen sind dichter und Reimemacher: Wir wollen uns auf alles am Liebsten einen Reim machen, sodass es "passt". Viele versuchen etwa in der zweiten Lebenshälfte, sich einen Reim aus der ersten zu machen.
Du hast Wirtschaft studiert und wirst dann Fliesenleger - reimt sich das? War es _im Nachhinein_ sinnlos zu studieren?
Denke mal ein wenig über Gedichte, Lieder oder Songtexte nach... wann sie sinn machen und wann nicht und warum. - der "Sinn des Liedes"... dann findest du
deine Antwort auf deine Sinnkrise.
b) Wir versuchen einen allgemeingültigen Sinn zu formulieren: Spricht das nicht gegen Darwin? Eine Welt, eine Physik, eine Formel hat keinen sinn-an sich. Sie kann nur sinnvoll interpretiert werden, d.h. "es passt."
Ein Mann aber fühlt sich meist dann am wohlsten, wenn er das Gefühl hat, das Sinnvollste zu tun, was er tun kann. Und du willst doch nicht behaupten, dass das Sinnvollste für dich, auch das Sinnvollste für jeden deiner Freunde und Feinde ist. Mancher ist Krieger von Grund auf - und er hat jenen Stolz. Mancher ist Skeptiker - und das ist sein Stolz.
Manche liebt mehr, als sie geliebt wird - das ist ihre Tapferkeit und ihr Stolz.
.. das kann ich ewig so weiterführen... Erfüllung - das m a c h t Sinn.
Genug zu kauen fürs erste
mfg,
P.s: Wenn du gut lesen lernen möchtest, um ein guter Philo zu werden, kann ich dir raten anzufangen, die Unterscheidungen, Thesen und die zentralen Worte aus den Texten herauszuarbeiten. Nicht nur, dass sich alles besser einprägt und die Problematiken besser sicht- und lösbar werden: Du schaffst dir auch etwas für die Zukunft, wenn dein Gedächtniss chaotischer wird und gewinnst die nötigen Skills, neue texte schneller, besser uns skeptischer zu begreifen.
P.p.s.: Vielleicht ist das V e r e r b e n von Skills, Wissen, Reinheit - der Sinn? : Das höhere Kind, welches einmal noch besser als du werden soll? Gehe über dienen Vater hinaus, dann wirst du s e i n Sinn...