Thanasius Lakon
Im Rahmen der Überlegungen, ob man denn Moralität lernen könne (Thread - die ersten Ergebnisse sind in dem Beitrag vom 13.06.2010 kurz zusammengefasst) würde ich gern eine weitere Frage aufwerfen, die mit der ersten in direkter Verbindung steht. Und zwar:
Kann Bildung das moralische Empfinden fördern?
Als Ausgangspunkt der Diskussion könnte vielleicht eine These Peter Bieri‘s (Pascal Mercier) dienen, der behauptet, dass je differenzierter wir in der Lage sind unsere Innenwelt zu verstehen und zu artikulieren, desto sensibler würden wir auch für moralische Fragen und desto besser könnten wir uns in andere einfühlen.
Ich glaube er hat an mehreren Stellen ähnliche Gedanken geäußert, besonders gut nachzuvollziehen ist es aber HIER und in seinen beiden Kolumnen „Der Blick nach innen“ und „Bildung beginnt mit Neugierde“ (erschienen im ZEITmagazin LEBEN) aus denen die beiden folgenden kurzen Zitate entnommen sind:
„Selbsterkenntnis ist also wertvoll als Quelle der Freiheit.
Darüber hinaus ist sie von großer Bedeutung für unsere Beziehung zu den Anderen. Die Anderen als Andere zu erkennen und zu achten setzt voraus, dass man weiß, wie man selbst ist. Je geringer die Übersicht über die Motive des eigenen Tuns, desto größer die Gefahr der Grausamkeit. Viele Grausamkeiten geschehen aus Blindheit sich selbst gegenüber. Und nicht nur um das Vermeiden von Grausamkeit geht es, sondern auch um die Echtheit einer Beziehung. Sich zu kennen heißt, zwischen der Art unterscheiden zu können, wie der Andere ist, und der Art, wie man ihn gerne hätte. Es heißt, seine eigenen Projektionen durchschauen zu können. Und es hilft auch, die Projektionen der Anderen zu erkennen und nicht blind ihr Opfer zu werden. Menschen, die sich mit sich selbst auskennen, begegnen sich anders als solche, die keine Übersicht über sich besitzen. Die Begegnungen sind wacher, sorgfältiger und interessanter. Auch deshalb ist Selbsterkenntnis ein hohes Gut.“
(ZEITmagazin LEBEN, 28. Juni 2007 Nr. 27)
„Doch es reicht nicht, ein Bücherwurm und Vielwisser zu sein. Es gibt den ungebildeten Gelehrten. Der Unterschied: Der Gebildete weiß Bücher so zu lesen, dass sie ihn verändern . „Schützt Humanismus denn vor gar nichts?“, fragte Alfred Andersch mit Blick auf Heinrich Himmler, aufgewachsen in humanistisch fein gebildetem Bürgertum. Die Antwort ist: Er schützt nur denjenigen, der die humanistischen Schriften nicht bloß konsumiert, sondern sich auf sie einlässt; denjenigen, der nach dem Lesen ein anderer ist als vorher. [...]
Der Leser von Literatur lernt noch etwas anderes: wie man über das Denken, Wollen und Fühlen von Menschen sprechen kann. Er lernt, dass man derselben Sache gegenüber anders empfinden kann, als er es gewohnt ist. Andere Liebe, anderer Hass. Er lernt neue Wörter und neue Metaphern für seelisches Geschehen. Er kann, weil sein begriffliches Repertoire größer geworden ist, nuancierter über sein Erleben reden, und das wiederum ermöglicht ihm, differenzierter zu empfinden.
Das hat zur Folge, dass auch seine Beziehungen zu den Anderen differenzierter und reicher werden. Das gilt vor allem für die Fähigkeit, die wir Einfühlungsvermögen nennen. Sie ist ein Gradmesser für Bildung: Je gebildeter jemand ist, desto besser kann er sich ausmalen, wie es wäre, in der Lage Anderer zu sein, und dadurch vermag er, ihr Leid zu erkennen. Bildung macht präzise soziale Phantasie möglich, und in dieser Form ist Bildung tatsächlich ein Bollwerk gegen Grausamkeit.“
(ZEITmagazin LEBEN, 02.08.2007 Nr. 32)
Könnte man also tatsächlich sagen, Bildung macht moralisch?
Kann Bildung das moralische Empfinden fördern?
Als Ausgangspunkt der Diskussion könnte vielleicht eine These Peter Bieri‘s (Pascal Mercier) dienen, der behauptet, dass je differenzierter wir in der Lage sind unsere Innenwelt zu verstehen und zu artikulieren, desto sensibler würden wir auch für moralische Fragen und desto besser könnten wir uns in andere einfühlen.
Ich glaube er hat an mehreren Stellen ähnliche Gedanken geäußert, besonders gut nachzuvollziehen ist es aber HIER und in seinen beiden Kolumnen „Der Blick nach innen“ und „Bildung beginnt mit Neugierde“ (erschienen im ZEITmagazin LEBEN) aus denen die beiden folgenden kurzen Zitate entnommen sind:
„Selbsterkenntnis ist also wertvoll als Quelle der Freiheit.
Darüber hinaus ist sie von großer Bedeutung für unsere Beziehung zu den Anderen. Die Anderen als Andere zu erkennen und zu achten setzt voraus, dass man weiß, wie man selbst ist. Je geringer die Übersicht über die Motive des eigenen Tuns, desto größer die Gefahr der Grausamkeit. Viele Grausamkeiten geschehen aus Blindheit sich selbst gegenüber. Und nicht nur um das Vermeiden von Grausamkeit geht es, sondern auch um die Echtheit einer Beziehung. Sich zu kennen heißt, zwischen der Art unterscheiden zu können, wie der Andere ist, und der Art, wie man ihn gerne hätte. Es heißt, seine eigenen Projektionen durchschauen zu können. Und es hilft auch, die Projektionen der Anderen zu erkennen und nicht blind ihr Opfer zu werden. Menschen, die sich mit sich selbst auskennen, begegnen sich anders als solche, die keine Übersicht über sich besitzen. Die Begegnungen sind wacher, sorgfältiger und interessanter. Auch deshalb ist Selbsterkenntnis ein hohes Gut.“
(ZEITmagazin LEBEN, 28. Juni 2007 Nr. 27)
„Doch es reicht nicht, ein Bücherwurm und Vielwisser zu sein. Es gibt den ungebildeten Gelehrten. Der Unterschied: Der Gebildete weiß Bücher so zu lesen, dass sie ihn verändern . „Schützt Humanismus denn vor gar nichts?“, fragte Alfred Andersch mit Blick auf Heinrich Himmler, aufgewachsen in humanistisch fein gebildetem Bürgertum. Die Antwort ist: Er schützt nur denjenigen, der die humanistischen Schriften nicht bloß konsumiert, sondern sich auf sie einlässt; denjenigen, der nach dem Lesen ein anderer ist als vorher. [...]
Der Leser von Literatur lernt noch etwas anderes: wie man über das Denken, Wollen und Fühlen von Menschen sprechen kann. Er lernt, dass man derselben Sache gegenüber anders empfinden kann, als er es gewohnt ist. Andere Liebe, anderer Hass. Er lernt neue Wörter und neue Metaphern für seelisches Geschehen. Er kann, weil sein begriffliches Repertoire größer geworden ist, nuancierter über sein Erleben reden, und das wiederum ermöglicht ihm, differenzierter zu empfinden.
Das hat zur Folge, dass auch seine Beziehungen zu den Anderen differenzierter und reicher werden. Das gilt vor allem für die Fähigkeit, die wir Einfühlungsvermögen nennen. Sie ist ein Gradmesser für Bildung: Je gebildeter jemand ist, desto besser kann er sich ausmalen, wie es wäre, in der Lage Anderer zu sein, und dadurch vermag er, ihr Leid zu erkennen. Bildung macht präzise soziale Phantasie möglich, und in dieser Form ist Bildung tatsächlich ein Bollwerk gegen Grausamkeit.“
(ZEITmagazin LEBEN, 02.08.2007 Nr. 32)
Könnte man also tatsächlich sagen, Bildung macht moralisch?
Der Feuerlöscher wäre dann das Rechtssystem, das er anerkennt und anderen zugesteht, unabhängig von seinen sonstigen Ansichten, oder wie?