Hi Nylen.
Werden denn tatsächlich endogene und exogene Psychosen in scharfer Form unterschieden?
Ich kenne die Unterscheidung von endo- und exogener Depression, wie sinnvoll die ist, darf auch diskutiert werden, aber was ist denn eigentlich eine exogene Schizophrenie?
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| „Und das ist es was mich an transpersonaler Psychologie jetzt interessirte. Die DEUTUNG meiner Erfahrung unterscheidet sich fundamental von allen Deutungen die ich kenne (das sind ja zugegebenen nur ein Bruchteil des Ganzen).“ |
Es gibt einen wirklich sehr schönen Text von Wilber in „Das Atman-Projekt“, der heißt „Schizophrenie und Mystik“, wenn Dir das Buch mal über den Weg läuft, schau mal rein.
Grofs Einschätzungen bezüglich spiritueller Krisen halte ich für zu optimistisch, aber richtig scheint zu sein, dass während schizophrener Episoden mitunter spirituelles Material auftaucht.
Wichtig scheint zu sein, auf welche Ich-Struktur solches Material trifft, denn auch spirituelle Erfahrungen können – und sollen – das Ich erschüttern.
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„Anders gesagt ich lese Meister Eckhart und er spricht zu mir. Wir verstehen uns brav , ich lese das Seth-Material und es enthält gute hilfreiche Ansätze zur Erklärung, ich sprach mit einigen Yogis und buddhistischen Mönchen, und wir verstehen uns gut.
We are of one mind - wie die Engländer sagen.
Aber meine Deutung der Erfahrungen unterscheidet sich. Diese Menschen nehmen diese Erfahrungen wichtig. Und glauben die Antworten die sie auf diesem Weg erlangt haben.
Ich bin aber Popperianer und Fallibilist. Für mich ist keine dieser Erfahrungen die wir gemacht haben über Zweifel erhaben. Und noch weniger snd es die Antworten, also der Versuch in expliziter Sprache zu DEUTEN was wir erlebt haben.“ |
Ich habe nicht den Eindruck das Mystikern Deutungen sonderlich wichtig sind.
Diesbezüglich weiß ich auch nicht, wie eine Erfahrung die Du gemacht hast bezweifelt werden kann.
Wenn Du ein Einheitsgefühl hast, hast Du ein Einheitsgefühl, wenn Dir Bratwurst mit Senf schmeckt, schmeckt Dir Bratwurst mit Senf... Ich glaube es wird von allen fortschrittlichen spirituellen Systemen größerer Wert darauf gelegt, die Ebene der außergewöhnlichen Phänomene nicht überzubetonen, die mitunter eine große Verlockung darstellt.
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„Gelingt es mir im Gespräch, durch Gestik und Mimik und blosses Lächeln im rechten Moment ein gemeinsames Verständnis zu erlangen mit anderen die Anteil hatten am Wunder des Daseins. Die das Licht gesehen haben. Platt gesagt.
Doch wenn es um das DEUTEN geht, unterscheide ich mich von den Anderen wesentlich.
Ein Satz den ich oft runterplapper und vorrausschieb bevor ich über Gott, Engel, Lichtmystik etc rede ist dieser.
Ich glaube das Menschen mit Gott gesprochen haben, aber ich glaube nicht an Gott.
Ich glaube das Menschen, Engel gesehen haben, aber ich glaube nicht an Engel.
Ich glaube das Menschen UFOS begegnet sind, aber ich glaube nicht an UFOS.
Ich denke vieles was ich sagen möcte steckt in diesen einfachen Konstrukt.
Ich glaube an die Realität mystischer Erfahrung, aber nicht an die DEUTUNG derselben.“ |
Die Deutung ist ja auch nicht die Realität der mystischen Erfahrung, sondern die Deutung.
Der Versuch mit Deutungen mystischer Erfahrungen herumzufuhrwerken, würde Dir von Zen-Meistern Stockhiebe einbringen und die meisten anderen würden die Augen verdrehen.
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„Damit meine ich nicht das keine Deutung möglich ist, sondern das die bisherigen falsch sind. Jedenfalls die mir aus der Tradition und vielen Gesprächen bekannten.
Ich bin also ein einsamer Rufer und der Wüste, und ich rufe allen Mystiker, Spiritualisten zu: "WACHT AUF"
Es gibt keine Götter, keine Hinterwelten, keine Kommunikation mit ANDEREN EBENEN. Es gibt nur UNS. Und wir sind fundamental getrennt und ALLEIN. Jeder von uns eine imperfekte Kopie des Menschseins.“ |
Davon abgesehen, dass es wohl andere Erfahrungen gibt, kann ich die Betonung dieser Deutungsebene nicht nachvollziehen. Mystik versucht eigentlich immer, plump gesagt, aus dem dummen Gequatsche rauszukommen.
Dummem Gequatsche weiteres dummes Gequatsche hinzuzufügen, ist wie einem Ertrinkenden ein Glas Wasser zu reichen. Der Grund ist erkennbar, wir wissen um die fundamentale Rolle der Sprache und kognitiver Konzepte bei der Konstituierung des Ich.
Gleichzeitig geht die Analyse der meisten spirituellen Systeme dahin, dass das Ich die Quelle des Leidens ist.
Also sollte man nicht versuchen durch Sprache und Konzepte das Ich zu überwinden.
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| „Ich fühle mich Nietzsche hier am verbundesten. Ich teile seinen Schmerz nicht und seinen Hass, den er übrigens hasste, aber seine Idee des möglichen Übermmenschen der keine imperfekte Kopie des Menschen mehr wäre, sondern möglichweise ein ganzheitlicher Mensch.“ |
Ich habe nicht den Eindruck, dass die Idee des Übermenschen sonderlich gut zu mystischen Erfahrungen passt, sehr wenig zur Erleuchtung. Wenn Du Buddha bist entdeckst Du die Buddha-Natur aller fühlenden Wesen.
Oder auch wenn man sich auf Meister Eckharts ziemlich radikale Einfachheit beruft, dessen Brisanz ja unter anderem darin liegt, dass er sagt, dass man keinerlei Vermittlung braucht um zu Gott zu gelangen, ein Gott, der ihm als bloßer Schöpfergott nicht genügt.
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| „Wir sind Multidimensionale Persönlichkeiten. Aber alle Dimensionen gehen von mir aus, und kommen nach der Unendlichkeit wieder zu mir zuück, ohne jemals eine Paraleldimension erreicht zu haben, oder eine Hinterwelt.“ |
Na klar, wenn Du alles bist, kommt alles zu Dir zurück, nur halt nicht zu dem kleinen Ich, das gemäß seinen Vorlieben und Abneigungen gerne die Welt umbauen möchte.
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| „Das Gefühl all jener die Kontakt hatten zu anderen Ebenen, die lägen ausserhalb von ihnen, ausserhalb der Welt meine ich, erkennen nicht das sie noch im selben Labyrinth stecken wie zu vor. Nur im Kreis gelaufen sind sie.“ |
Was soll das denn sein, etwas, was außerhalb der Welt liegt?
Die philosophisch relevante Frage ist vielleicht welchen Realitäts- oder vielleicht Wahrheitstatus man mystischen Erfahrungen zusprechen möchte.
Man nimmt ja im Grunde immer nur sich wahr. Die sozialen Konditionierungen sorgen dafür, dass man einen Teil dessen, was man immer nur „in sich“ oder „als Ich“ wahrnimmt nach außen stellt.
Ein an sich schon recht kompliziertes Spiel. Der Baum da wird dadurch nach „außen“ gestellt, dass es andere gibt, die bestätigen, dass da ein Baum steht, wo ich ihn auch sehe. Diese anderen muss ich aber zuvor auch schon nach außen gestellt haben und das tue ich natürlich zuerst unreflektiert, denkt man drüber nach, tut man es mit der Begründung, dass der andere als rationales Wesen erkannt wird – das intentional und rational handelt und zwar so, dass auch ich so handeln
könnte, wenn die Prämissen des anderen auch für mich gelten
würden, was sie in aller Regel aber nicht tun – und ich folglich dessen Urteil einen Wert zuschreibe, der rational zu rechtfertigen ist.
Etwas anders ist es mit Hunger, Liebe oder Depressionen. Man kann nicht drauf zeigen, aber man kann sie beschreiben, zumindest so weitreichend dass man sich sicher ist, was Hunger, Liebe oder Depressionen sind, weil andere diese Erfahrungen bestätigen und weil man sie selbst erlebt hat.
Damit sind Hunger, Liebe und Depressionen so real oder wahr wie ein Baum und fußen auch auf derselben Grundlagen, wenn man ihren Wahrheits- oder Realitätsstatus bemessen will.
Mystische Erfahrungen bilden da keine Ausnahme.
Bestimmte mystischen Erfahrungen sind einfach nur selten, oder sie werden selten erkannt.
Teilen andere diese Erfahrungen, so stehen diese auf dem selben Fundament, wie Hunger oder der Baum da.
Dabei ist die Interpretation wie gesagt nachrangig, es geht erstmal nur darum, ob jemand anderes das auch schon mal erlebt hat.
Hat man den Verdacht die Erfahrungen seien pathologisch, kann man ja diesem Verdacht nachgehen.
Kritierien anhand derer man das entscheiden kann, gibt es ja.
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| „Anders gesagt. Mohammed und Jesus und Moses redeten mit sich selbst. Das ist für mich ganz klar.“ |
In einem gewissen Sinn mag das stimmen.
Aber dabei übersiehst Du den fundamentalen Perspektivwechsel der Mystik.
Die Welt, nein der Komsos, ist in Dir. Das muss man aber erleben, als bloßer Glaubensatz ist das überhaupt nichts wert. Aber dieses „in Dir“ ist nicht Dein Ich, denn Du bist nicht zwingend Dein Ich.
Gleichzeitig lebst Du aber immer in Deinem Körper weiter und hast weiterhin Dein Ich, mit all seinen Vorlieben und Abneigungen. Die Frage ist nun, wie geht man damit um? Am besten man lebt sein Leben, ohne drauf zu bestehen, dass die Welt sich den eigenen Vorlieben und Abneigungen anzupassen habe. Verändere Dich und Du veränderst die Welt. Wie lebt ein Mystiker? Mal so, mal so, machen zurückgezogen, andere öffentlich, manche leise, manche laut, je nach dem, manche außergewöhnlich, andere stinknormal, gerade so wie man eben gestrickt ist. Die innere Haltung ist entscheidend, die Freiheit von Widerständen und das ist glaube ich ein Kompass der höchstpersönlich ist. Wenn man meint Hilfe zu brauchen diesen Kompass klar erkennen zu können, spricht in meinen Augen nichts dagegen sich helfen zu lassen.
Gruß,
Carsten