Transpersonale Psychologie

Nylen
Hi,

bin über Umwege hier gelandet. http://de.wikipedia.org/wiki/Transpersonale_Psychologie

Ich weiss das Ken Wilber hier im Forum angeführt wurde. Haben wir Kenner dieser Materie hier? Seit langem hat nichts meine Neugier erregt was die Verbindung meiner intuitiven Spiritualität und meiner rationalen Philosophie angeht.

Wäre für alles dankbar in diesem Zusamenhang. Links, uchempfehlungen und gerne Diskussion auftauchender Fragen bzw. Dialog mit denen die hier bewandert sind.
Nylen
Und hier ist mein Problem.

Transpersonale Erfahrungen mache ich regelmässig. Viele meiner Freunde sind spirituell, haben Bekanntschafft mit dem Yoga oder dem Shamanistischen Trommeln. Sie betreiben eine Praxis und beneiden mich, weil ich die selben Erfahrungen mache, aber wohl sowas wie ein Naturtalent bin. Anders gesagt, ich brauche keine Atemtechnik um die transpersonale Ebene deutlich zu sehen.
Aber hier liegt auch mein Problem, aufgrund meiner Schizophrenieerkrankung muss ich sehr vorsichtig sein mit veränderten Bewusstseinszuständen. Nicht das ich sie vermeiden könnte sie sind mir gegeben. Aber die Medikamente die ich nehme schneiden mich auch etwas ab, bzw. bremsen mich aus.

Transpersonal scheint mir auch einen ganz wichtigen Fehler zu enthalten. Der Glaube es gebe jenseits von mir eine erreichbare Ebene. Ich weiss natürlich das alle das so empfinden, den das tue ich auch. Aber nach langen Jahren des Versuches zu verstehen, kam es zu einer Art Kopernikanischen Wende.

Ich suchte die transpersonale Ebene nicht mehr als Jenseitig (Reinkarnationserrinerung etc etc) zu verstehen sondern Aristotelisch als Diesseitiges. Desweiteren nicht als etwas was über mich bzw. mein Menschsein hinausweist, sondern im Gegenteil tief hineinweist.

Alles transpersonale ist Menschengemacht in einem fundamenatlen Sinne.
Ahorn
Mir ist Carsten dazu eingefallen; Integrale LebensArt*
tolwin
Eine Freundin hat in einer Klinik, die sich der Ganzheitlichen Psychotherapie verschrieben hat, ein Praktikum absolviert. Der Herr Galuska hat dort seine Finger im Spiel. Was ich mitbekommen habe, ist der übliche - und potentiell gefährliche - Psychokitsch bzw. Psychokult. Von den Kräften der Schamanen über Engel bishin zu Kraftzentren. Auch auf Wilber wird sich gerne bezogen. Esoterischer AstroTV Quark in einem wissenschaftlichen Deckmantel eben.
Soweit handelt es sich natürlich um die bekannten Luftblasen. Gerade Patienten, die tatsächlich Hilfe benötigen (und nicht nur Midlifekrisen bewältigen möchten), rennen zu solchen Geistersehern - und werden in ihrem eigenen Geistersehen bestärkt.

Doch der Gestus in welchem Galuska seine Texte verfasst, spottet jeder Beschreibung. Die noch unaufgeklärte Psychologie sperrt sich aufgrund irrationaler Vorurteile gegen seine Geisterseherei und Trommelorgien, die als aufgeklärt und wissenschaftlich hofiert werden. Vollmondsingen (sic!) wird als Zugang zu einem heilenden und bewusstseinserweiternden Tor, zu einer jenseits der psyikalischen Sphäre befindlichen Wirklichkeit, verklärt. Um nicht völlig offensichtlichen Unsinn zu verzapfen, bei dem selbst der verzweifelte und dümmste potentielle Kunde das Weite sucht, wird - und das ist genau das gefährliche - alles mit durchaus gehaltvollen Inhalten von Frankl oder Rogers vermischt; und dabei natürlich entstellt bis zum Gehtnichtmehr.

Geh' doch gleich zu einem richtigen Psychodoktor (meinetwegen auch zu einem Psychoanalytiker), gerade wenn Du weißt, daß bei Dir ernsthafte Probleme bestehen und Du für derartigen Quatsch anfällig bist. Immerhin scheint der gröbste Unsinn bei Dir nicht greifen zu können, wenn Du keine übernatürlichen Sphären zulässt. Also so dumm kannst Du doch dann offenbar nicht sein.
carsten aus bochum
Hi Nylen.

Wilber hat sich schon vor Jahren von der Transpersonalen Psychologie losgesagt und macht sein eigenes integrales Ding. Wenn Du an einer Auseinandersetzung damit interessiert bist, kann ich Dir das Intergrale Forum empfehlen: http://www.integralesforum.org/if-forum/
Immernoch ein Vertreter der Transpersonalen Psychologie ist Stanislav Grof.

Kritisch und wissend was Wilber betrifft ist hier im Forum vor allem Fexx, die ich Dir warm als Diskusssionpartnerin empfehlen kann – allerdings ist die gerade verschollen –, die meisten anderen Kritiker sind kritisch aber unwissend.
Ich will mich natürlich auch nicht drücken, habe die meisten Wilber Bücher gelesen und wohl auch verstanden und stehe in freundschaftlich-kritischer Beziehung zur integralen Bewegung. Ich sehe mich als integralen Bestandteil der integralen Bewegung Zwinker , allerdings nicht ohne zuweilen kritische Distanz, mal größer, mal geringer.

Ich hatte allerdings den Eindruck, dass Deine kopernikanische Wende hin zu Aristoteles eher den Charakter einer Mitteilung hatte(?) und ich muss gestehen, dass mich Grundsatzdiskussionen zum Thema allmählich ermüden.

Die Verbindung von Rationalität und Spiritualität ist m.E. – nach jahrelanger Beschäftigung damit – zum Scheitern verurteilt. Letzten Endes geht es meiner Auffassung darum, dass die Praxis aus sich selbst heraus spricht. Die rationalen Unterfütterungen sind Beiwerk, interessant, nett, meistens lenken sie vom Wesentlichen ab, für wen genau das das Wesentliche ist, der interessiert sich unterm Strich nicht sonderlich für Spiritualität, außer auf einer beobachtenden (ich hätte fast gesagt, voyeuristischen) Ebene.
Das ist nicht schlimm und geht mir zu einem gewissen Teil auch so, aber früher oder später wird man sich entscheiden.
Der spirituelle Weg ist radikaler und mühsamer, mit einer psychotischen Grunderkrankung wäre ich ehrlich gesagt eher vorsichtig. Echte spirituelle Praktiken zielen wenigstens ihrem Selbstbild nach darauf ab, das Ich zu überwinden, ein geeignete Therapie bei Schizophrenie ist eher ichaufbauend und stützend.

Egal, das nur um grob meinen Hintergrund zu skizzieren, wie gesagt, ich stehe für Diskussionen mit Interesierten immer gerne zur Verfügung.

Gruß,

Carsten
Nylen
Danke schon mal soeit smile

Also das mit der Spiritualität und der Rationalität sehe ich wohl wie der junge Wittgenstein. Wir könen alle rationalen Probleme gelöst haben und die spirituellen sind nocht nicht mal berührt.

Danke auch für die Warnungen. In der Tat muss ich sehr aufapssen was bewusstseinverändrnde Techniken angeht, und lasse mich da gewis auf kein Spiel ein.

Zur Zeit ist es aber so, das ich mich weiterentwickle. Ja sowas spüre ich. Das habe ich immer getan, nachdem ich die letzten 8-10 Jahre kaum noch echte Entwicklung durchgemacht habe, sondern eher Zwangsruhe suchte, um meine Krankheit andauernd unten zu halten.
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von tolwin
Eine Freundin hat in einer Klinik, die sich der Ganzheitlichen Psychotherapie verschrieben hat, ein Praktikum absolviert.

Der Begriff "ganzheitliche Psychotherapie" ist ziemlich unsinnig. Kannst du denn genauer erläutern, was das heißen soll?
Neo
Zitat:
Original von Nylen
Zur Zeit ist es aber so, das ich mich weiterentwickle. Ja sowas spüre ich.

Ich sehe Du hast auch Dein Avatar geändert.
Möchtest Du was dazu anmerken?

Ansonsten: Willkommen im Club! Weiterentwicklung ist der alleinige Grund unserer Existenz winken

P.S.
Und lass Dir von niemandem vorschreiben oder beeinflussen, in welche Richtung! Mach, was Dein Herz Dir sagt.
Nylen
Ich habe meinen Avatar geändert. Ja.

Im Rahmen meines Workshops Nylenlogie ging es zuletzt um meine spirituelle Einstellung aber auch um meine rationale.

Zusammenfassend kann man sagen das ich ein radikaler Fallibilist bin. Der Narr ist für mich dafür das adequate Bild.

Der Avatar nun ist der Narr welcher auf jedem Marillionalbum in unterschiedlicher Rolle erscheint. Das ausgesuchte Motiv scheint eine bösartige Fratze zu enthalten. Aber auch jemanden der Verstümmelt ist. Wie das Phantom der Oper.

Hinter der freundlichen Fassade (Maske) verbirgt sich also ein scheinbar böser, aber eigentlich nur entstellter Mensch.

Der Avatar drückt zur Zeit etwas für mich aus, was mit meinem Nietzsche Verständnis zu tun hat, aber auch damit das ich meine Lieblingsband Marillion nach Jahren mal wieder neu höre.

Du siehst. Das Bild hat ein Unmass an Assoziationen für mich, und ich habe es als Desktophintergrund, und schaue es immer wieder an, während ich lese und schreibe, und geniesse die Synchronizitäten.

"I only laughed away your tears, but even jesters cry. EVEN Jesters cry.!"
(aus : The Web - Marillion)
Neo
@Nylen: Danke fröhlich
Sophie
Zitat:
Original von Nylen
Shamanistischen Trommeln. Sie betreiben eine Praxis und beneiden mich, weil ich die selben Erfahrungen mache, aber wohl sowas wie ein Naturtalent bin. Anders gesagt, ich brauche keine Atemtechnik um die transpersonale Ebene deutlich zu sehen.
Aber hier liegt auch mein Problem, aufgrund meiner Schizophrenieerkrankung muss ich sehr vorsichtig sein mit veränderten Bewusstseinszuständen. Nicht das ich sie vermeiden könnte sie sind mir gegeben. Aber die Medikamente die ich nehme schneiden mich auch etwas ab, bzw. bremsen mich aus.



Zitat:

Transpersonal scheint mir auch einen ganz wichtigen Fehler zu enthalten. Der Glaube es gebe jenseits von mir eine erreichbare Ebene.


Es geht nicht darum, dass diese Ebene "jenseits" ist, jenseits von alltäglicher Wahrnehmung schon, sondern dass diese Erfahrungen vorhanden sind. Wie du sie letztendlich einordnest ist nicht unerheblich für den Umgang mit ihnen. Auch ganzheitliche oder transpersonale Ansätze unterscheiden zwischen Schizophrenie und spirituellen Krisen, obwohl das sicher auch ineinandergreift.

Nach der transpersonalen Psychologie können diese Erfahrungen unterschiedlich ausgelöst werden (spirituelle Praxis oder drogeninduziert) und können zu unterschiedlichen Bewältigungskrisen oder Krankheiten führen.

Wie Carsten schon geschrieben hat, benötigt eine spiritueller Weg auch ein starkes Ich und das sollte sicher bei Schizophrenie mit berücksichtigt werden und zusätzliche Techniken ohne kompetente Begleitung sind da sicher schädlich.

Zitat:

Ich suchte die transpersonale Ebene nicht mehr als Jenseitig (Reinkarnationserrinerung etc etc) zu verstehen sondern Aristotelisch als Diesseitiges. Desweiteren nicht als etwas was über mich bzw. mein Menschsein hinausweist, sondern im Gegenteil tief hineinweist.


Worin besteht denn da der Unterschied für dich? So oder so, musst du lernen, damit zu leben oder umzugehen. Ob das nun tief in dich hineinweist oder über dich hinausweist ist eine Frage, wo du gerade bist und ob du gerade in den Brunnen hineinschaust oder aus dem Brunnen heraus.

Falls dich das Thema weiter interessiert.
Hier

Ich frage mich, was ist das Ziel?
Ein Ziel ist sicherlich auch das, was du auch für mich schon nachvollziehbar hier zu Papier bringst, eben zu sich ein entspanntes und aufmerksames Verhältnis zu bekommen.

Wilber kannst du ja einfach mal unter "Suche" hier eingeben. Oder eines der zahlreichen Bücher lesen.
Nylen
@Sophie

Ja...mein Workshop Nylenolohgie ist für mich Energieableitung durch Schreiben. Ich habe oft Inspirationen oder Gedanken die raus müssen aber es bietet sich grade kein Thema an, oder ich müsste ständig neue Posts machen, weshalb ich jetzt alles in einen Thread packe, den zu lesen ja jeder vermeiden kann.

Meine Erkrankung wird für gewöhnlich als chemisches Ungleichgewicht gedeutet, aber man kann natürlich auch von Energiestau und abfluss (Sturzbach) reden.

Ich deute mich selbst nicht in dieser Sprache, wie sie meist aus dem fernen Osten kommt.

Mir geht es hier bei transpersonaler Psychologie mehr um den rationalen Anteil. Keinesfalls suche ich Therapie zu machen.
Ich habe Therapie Zeit meines Lebens abgelehnt und werde nun nicht damit anfangen.

Als Philosoph bin ich an IDEEN interessiert, an Erklärungen. Weniger an gelebter Praxis. Ich brauche eine solche Prxis nicht da ich mit dem normalen Leben schon genug ausgelastet bin.
carsten aus bochum
Hi Nylen.

Zitat:
„Mir geht es hier bei transpersonaler Psychologie mehr um den rationalen Anteil. Keinesfalls suche ich Therapie zu machen.
Ich habe Therapie Zeit meines Lebens abgelehnt und werde nun nicht damit anfangen.

Als Philosoph bin ich an IDEEN interessiert, an Erklärungen. Weniger an gelebter Praxis. Ich brauche eine solche Prxis nicht da ich mit dem normalen Leben schon genug ausgelastet bin.“


Vor dem Hintergrund den Du beschreibst, was Dich interessiert und was Dich garantiert nicht interessiert usw. hat eine Auseinandersetzung mit der transpersonalen Psychologie m.E. überhaupt keinen Sinn.
Es wird Dir fremd vorkommen und es wird Dir fremd bleiben.
Es gibt für mich nur eine einzige schlüssige Erklärung:
Durch fortgesetzte Praxis der einen oder anderen Art, kannst Du dahingelangen, die subjektiven Erkenntnisse von antiken und modernen Mystikern sowie anderen Experimentatoren innerlich nachzuvollziehen. Du wirst die Beschreibungen, auch wenn sie aus anderen Zeiten und Kulturkreisen stammen, verstehen, sie werden in Dir etwas auslösen, aber eine Garantie gibt es auch dafür nicht.
Es geht im Leben, in Deinem Leben, darum, was für Dich plausibel und authentisch, daran wirst und musst Du Dich orientieren. Der Clou bei all dem Erleuchtungskram ist der, dass Du selbst Dir den Freifahrtschein geben musst, es gibt keine Autorität mehr, die Du fragen kannst und die über Dir steht.
Du hast damit aber postwendend auch die volle Verantwortung für Dein Schicksal in der Hand. Du kannst tun und lassen was Du willst, musst aber bereit sein dafür die Verantwortung zu übernehmen.
Das schließt die soziale Seite natürlich ein, nicht aus. Wenn Du Dich wie ein Depp benimmst, wirst Du auch so behandelt. Eine gewisse Paradoxie liegt darin, dass von Erleuchteten gesagt wird, sie hätten so etwas wie kosmisches Bewusstsein, aber dennoch sind sie immer auch ja vereinzelte Personen mit Vorlieben und Abneigungen, egal ob es sich im politische Systeme oder Dosenfisch handelt.
Diese sollen zwar auf einem spirituellen Weg erst mal hinter sich gelassen werden, um dann aber am Ende wieder genau dort zu landen. Wo das Ende ist, bestimmst Du. Man landet im banalsten Alltag und bei der Frage wo genau das Glück verbuddelt ist. Wenn man es so will steht dahinter auch eine unausgesprochene Theorie. Nämlich die, dass man das größte Glück findet, wenn man so wird, wie man gemeint ist. Das kann man nun als System komsischer Ordnung interpretieren oder als private Stimmigkeit, optimale Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Beides ist dasselbe, von welcher Seite man sich anzunähern meint ist im Grunde egal.
Wenn Du gerade Durst hast, geht es darum etwas zu trinken, weil Du so Leid verringern kannst. Ob Du dabei die Situation eines verdurstenden Kindes in Afrika änderst oder nicht spielt erst mal keine Rolle. Wenn Du den dringenden Wunsch hast Kinder in Afrika zu retten, solltest Du das tun. Wenn Du einem Zen-Meister begegnest und er Dich fragt, was Du den Sommer über gemacht hast und Du sagst: „Ich war in Afrika und habe Brunnen gebaut.“ könnte er antworten: „Du hast Deine Zeit nicht vertan.“ Antwortest Du: „Ich habe auf meiner Veranda gesessen, Tee getrunken, Zeitung gelesen, die Sonne genossen und den Vögeln gelauscht“ würde er antworten können: „Du hast Deine Zeit nicht vertan.“ Wenn Du aber Tee trinkst und denkst: „Ich sollte Brunnen bauen.“ dann hast Du Deine zeit vertan, wenn Du Brunnen baust und denkst: „Ich sollte Tee trinken“, hast Du auch Deine Zeit vertan. Alles kannst Du nie haben schon gar nicht gleichzeitig, darum ist es am besten, dass Du das, was Du tust, ganz tust. Ohne Widerstand. Die Freiheit der Erleuchtung ist die Freiheit von Widerständen und die liegen immer in Dir. Wenn jemand etwas von Dir fordert, bist Du frei darauf einzugehen oder nicht, es liegt an Dir.
Wenn Du denkst Brunnen zu bauen sei besser als Tee zu trinken, kannst Du schauen, wer das warum sagt.
Man könnte sagen, Brunnen zu bauen hilft vielen, Tee trinken nur einem. Aber auf der anderen Seite könnte man meinen, Brunnen zu bauen, heißt das Pferd von hinten aufzuzäumen, anderes wäre viel wichtiger und schon ist mein im schönsten Streit, innerlich oder äußerlich. Manchmal meinen einige mit großer Gewalt anderen ihre Lieblingsideen überbraten zu müssen, vielleicht wäre es da besser gewesen, sie hätten Tee getrunken.
Aber Moral ist nicht das Kriterium. Wenn Du innerlich zerrissen bist, weil Du nicht weißt, ob Du Brunnen bauen oder Tee trinken solltest, verweil‘ in der Zerrissenheit oder bleib‘ bei Deinem, beides ist das was jetzt ist. Irgeendwann klingelt das Telefon, oder Du wirst müde oder bekommst Hunger und Du weißt was zu tun ist. Telefonieren, schlafen oder essen, je nach dem. Wenn Dein Denken, Fühlen und Tun in Einklang ist, hast Du keine Widerstände aber Frieden und Erleuchtung. Wenn das bei Rad fahren oder Beitrag schreiben passiert, warum nicht? Wenn Du diesen simpelsten aller Wege geht, kommst Du schon auf die richtige Bahn, Du folgst Deinen innersten Bedürfnissen oder findest sie sogar erst einmal auf diesem Weg, Du kannst auch sagen, Du folgst Deinem Karma oder Gott nimmt Dich bei der Hand. Das kann ein sehr großartiges Leben sein oder ein sehr einfaches oder ein ganz normales.

Es wird viel über die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von spirituellen Gipfelerfahrungen geredet.
M.E. sind sie wichtig um ein Beispiel zu haben, ein Beispiel für die Kraft der Absichtslosigkeit oder Widerstandslosigkeit. Über bloßes Sitzen und Atmen, oder Trommeln, oder Malen findest Du evtl. in die Widerstandslosigkeit, dann weißt Du worum es geht. Je öfter Du das erfährst umso sicherer weißt Du worum es geht. Nun musst Du das nur noch („nur noch“) in den Alltag bringen. Was hast Du gemacht, als das Trommeln Dich eins mit was auch immer werden ließ? Du weißt es vielleicht gar nicht, denn Du hast einfach getrommelt.
Wenn es richtig gut gelaufen ist, dann war da nur noch Trommeln. Oder Atmen. Oder Essen.

Oft läuft es aber anders. Eine Sache zu tun, ist uns nicht genug. Wenn man Menschen dann auf eine Sache konzentriert, werden sie unruhig, nervös, bekommen es mit eigenartigen Gefühlen zu tun. Sie fühlen sich unterfordert, gelangweilt und es fällt ihnen schwer diese Langeweile auszuhalten.
Ich glaube nicht, dass es Langeweile ist, in dem Sinne von: passiert ja nichts. Es passiert eine ganze Menge, zumindest etwas, was irgendwie unerträglich scheint.
Aber was sind das für Impulse. Müdigkeit? Hunger? Durst? Nein, sie sind irgendwie ungreifbar, eine diffuse Unruhe, oft genug ein Gefühl die Zeit zu verschwenden. Eine merkwürdige Getriebenheit die einem irgendein unschönes Gefühl bereitet. Nutzlos zu sein? Überflüssig zu sein? Man darf ja weiter machen, später dann, wenn die quälenden 20 oder 30 Minuten um sind. Ha, überstanden, nun kenn ich das auch, nie wieder. Das ist die andere Seite des Ich, die Getriebenheit, das Agierenmüssen. Endlich wieder zu Hause in der Welt der 1000 Ablenkungen. Die Heimat der Gewohnheit, aber irgendwie auch der Fremdbestimmtheit. Da käme dann die psychologische Seite ins Spiel mit der man die Quelle der Unruhe auffinden kann. Meistens einfach das Eingefädeltsein in konventionelle Strickmuster, was eigentlich auch kein Problem sein muss.
Ist es aber ein Problem, geht man weiter, von der Persona (= Maske) zum Ich, vom Rollenspieler zum selbstbestimmt Handelnden. Später dann der Weg zur Selbstverwirklichung und dann der zur Selbsttranszendenz. Die findet nicht auf Wolke sieben statt, sondern mitten im Leben. Wenn Du Tee trinken kannst ohne dass es Dich dabei gibt, sondern nur Tee trinken gibt es niemanden mehr, der Dir – zumindest auf diesem Gebiet – etwas beibringen kann. Ob daraus eine riesengroße Nummer der Selbstvera.rschung wird, oder Freiheit und Glück liegt bei einem selbst, oder es ist eben karmisch, dann ist man bei allem Elend auf dem besten Weg dazu und kann sich vertrauensvoll in den Fernsehsessel lehnen, oder eben in Afrika Brunnen bauen.

Ich behaupte einfach mal dreist, dass es, was Wissen und Theorie angeht, dazu nicht mehr zu wissen gibt. Aber wir können gerne auch über Details reden. Zwinker

Gruß,

Carsten
Ahorn
Zitat:
.“ Wenn Du aber Tee trinkst und denkst: „Ich sollte Brunnen bauen.“ dann hast Du Deine zeit vertan, wenn Du Brunnen baust und denkst: „Ich sollte Tee trinken“, hast Du auch Deine Zeit vertan. Alles kannst Du nie haben schon gar nicht gleichzeitig, darum ist es am besten, dass Du das, was Du tust, ganz tust.

Ist ein hübscher Klassiker, wie es eigentlich auch sein sollte. Habe ich aber gut sein lassen. Weil, wenn ich den Tee trinke, nur den Tee trinke, also "nur" tue was ich tue, tue ich nicht nur Tee trinken. Denn, ich muss auch was tun, damit ich nur tue das ich Tee trinke. Somit tue ich nicht nur Tee trinken. Es verursacht Spannungen, nur Tee trinken und ist ähnlich wie ein Stück Holz unter Wasser drücken, es strebt immer wieder nach oben. Letzendlich ist es nichts anderes als nicht nur Tee trinken, allerdings schon auf einer qualitativeren Ebene, wenn ich das so sagen kann. Nach meiner Ansicht reicht es nur zu wissen, dass nur Tee trinken der richtige Weg ist, dann kommt es von ganz alleine das des öfteren nur Tee getrunken wird.
Nylen
@Cartsen und alle

Also danke für deine Bemühung und Darstellung (euch allen).

Mein Interesse an transpersonaler Psychologie schwindet schon wieder zunehmends. Aber deshalb habe ich dies ja hier geöffnet unter Fachfragen um Antworten zubekommen.

Es ist für mich so. Es hat Jahre gedauert zu entscheiden ob es sich bei mir um eine exogene oder eine endogene Psychose handelt. Jahrelangauf exogene Psychose behandelt lebte ich in einem leicht psychotischen Zustand. Es war mir möglich zu studieren und trotz meiner Probleme bei einer Sache zu bleiben, viel ich den Professoren auf, und wurde ins Kolloquium geladen. Doch zunehmender Stress vor allem die Zwischenprüfungen und eine scheiternde Beziehung führten zu einer eiteren akuten Phase der Psychose. Mit anschliessenden Aufenthalt im Krankenhaus, einer beendeten Beziehung, der tiefsten Depression die zu überleben möglich ist (mich rettete blosse körperliche Schwäche vor dem Suizid), und der wichtigsten und schwersten Entscheidung meines Lebens. NICHT weiter zu studieren.

Nicht weiterzustudieren, war gleich zu setzen auch auf dem spirituellen Weg nicht weiter zu suchen.

Aber meine Psychose ist endogen. Das heisst die Ursache und Auslösung liegt nicht in meiner Hand. Es ist eine Frage welchem Sress ich mich aufsetze um Symptome zu erzeugen.

Die Erfahrung die ich mit anderen Psychotikern gemacht habe, weisen aber auf etwas sehr wichtiges. Meine Psychose ist individuell (das sind sie Alle) und aussergewöhnlich! Aussergewöhnlich das niemals jemand auf die Idee gekommen ist das ich Psychotiker bin (ausser in akuten Phasen), darin das ich durch meine Beschäftigung mit Weisheitslehren und Philosophie eine ganz besonders reflektierte Art der Psychose hatte, dass ich nach meinen vieler in meinen Augen selbsternannten Experten gar keine Psychose hätte, sondern mystische Erfahrungenbzw. spirituelle Krisen.

Ich bin krank. Ich habe das vor Jahren und fast Problemlos akzeptiert. Ich habe Symptome die für Schizophrenie typisch sind, nicht aber für spirituelle Krisen, wenn ich den Transpersonalen sychologen glauben darf.

Anderseits habe ich und das ist für Psychotiker nicht unbedingt gültig, alle Erfahrungen gemacht die sonst von Spiriualisten gemacht werden.

Eines der wichtigsten Symptome eines Psychotikers besitze ich meines eigenen Dafürhaltens auch nicht. Spracharmut, Einsamkeit (wenn ich auch oft alleine bin) und einige mehr.

Eines ist die Frage nach den Ursachen der Erlebnisse (krankhafte Veränderung der Hirnchemie, so dass ich wie auf Drogen bin, wenn ich unter Stress gerate) eine andere die DEUTUNG der Erfahrungen.

Und das ist es was mich an transpersonaler Psychologie jetzt interessirte. Die DEUTUNG meiner Erfahrung unterscheidet sich fundamental von allen Deutungen die ich kenne (das sind ja zugegebenen nur ein Bruchteil des Ganzen).
Anders gesagt ich lese Meister Eckhart und er spricht zu mir. Wir verstehen uns brav , ich lese das Seth-Material und es enthält gute hilfreiche Ansätze zur Erklärung, ich sprach mit einigen Yogis und buddhistischen Mönchen, und wir verstehen uns gut.

We are of one mind - wie die Engländer sagen.

Aber meine Deutung der Erfahrungen unterscheidet sich. Diese Menschen nehmen diese Erfahrungen wichtig. Und glauben die Antworten die sie auf diesem Weg erlangt haben.

Ich bin aber Popperianer und Fallibilist. Für mich ist keine dieser Erfahrungen die wir gemacht haben über Zweifel erhaben. Und noch weniger snd es die Antworten, also der Versuch in expliziter Sprache zu DEUTEN was wir erlebt haben.

Gelingt es mir im Gespräch, durch Gestik und Mimik und blosses Lächeln im rechten Moment ein gemeinsames Verständnis zu erlangen mit anderen die Anteil hatten am Wunder des Daseins. Die das Licht gesehen haben. Platt gesagt.

Doch wenn es um das DEUTEN geht, unterscheide ich mich von den Anderen wesentlich.

Ein Satz den ich oft runterplapper und vorrausschieb bevor ich über Gott, Engel, Lichtmystik etc rede ist dieser.

Ich glaube das Menschen mit Gott gesprochen haben, aber ich glaube nicht an Gott.
Ich glaube das Menschen, Engel gesehen haben, aber ich glaube nicht an Engel.
Ich glaube das Menschen UFOS begegnet sind, aber ich glaube nicht an UFOS.

Ich denke vieles was ich sagen möcte steckt in diesen einfachen Konstrukt.

Ich glaube an die Realität mystischer Erfahrung, aber nicht an die DEUTUNG derselben. Damit meine ich nicht das keine Deutung möglich ist, sondern das die bisherigen falsch sind. Jedenfalls die mir aus der Tradition und vielen Gesprächen bekannten.

Ich bin also ein einsamer Rufer und der Wüste, und ich rufe allen Mystiker, Spiritualisten zu: "WACHT AUF"

Es gibt keine Götter, keine Hinterwelten, keine Kommunikation mit ANDEREN EBENEN. Es gibt nur UNS. Und wir sind fundamental getrennt und ALLEIN. Jeder von uns eine imperfekte Kopie des Menschseins.

Ich fühle mich Nietzsche hier am verbundesten. Ich teile seinen Schmerz nicht und seinen Hass, den er übrigens hasste, aber seine Idee des möglichen Übermmenschen der keine imperfekte Kopie des Menschen mehr wäre, sondern möglichweise ein ganzheitlicher Mensch.

Wir sind Multidimensionale Persönlichkeiten. Aber alle Dimensionen gehen von mir aus, und kommen nach der Unendlichkeit wieder zu mir zuück, ohne jemals eine Paraleldimension erreicht zu haben, oder eine Hinterwelt.

Das Gefühl all jener die Kontakt hatten zu anderen Ebenen, die lägen ausserhalb von ihnen, ausserhalb der Welt meine ich, erkennen nicht das sie noch im selben Labyrinth stecken wie zu vor. Nur im Kreis gelaufen sind sie.

Anders gesagt. Mohammed und Jesus und Moses redeten mit sich selbst. Das ist für mich ganz klar.
Nylen
Nach überlesen meines letzten Beitrags (oh ja viele fehlende Buchstaben wegen meiner schlechten Tastatur) denke ich ich muss noch etwas nachschieben.

http://www.youtube.com/watch?v=yBDEQe9CjOU

Zur Zeit mag Spiritualität mal wieder ein Thema für mich sein, aber das ist normal nicht. Ich habe kein Missionierungsbedürfniss was das angeht.
Dann doch eher für einen Popperismus ^^
Sophie
Hallo Nylen,


Zitat:
Mohammed und Jesus und Moses redeten mit sich selbst. Das ist für mich ganz klar.


"Prophetische Offenbarungen" führen leicht zum Dogmatismus und dogmatische Haltungen sind auch die Wurzel jeglichen Fundamentalismus.

Ich würde das für mich offen sehen und einfach schauen, was für einen selbst hilfreich ist.
Dass unsere Erfahrungen nur menschengemacht sind, damit kann ich nicht viel anfangen. Das sagt mir einfach nichts. Für dich mag das etwas bedeuten, bei mir kommt die Vorstellung was Mensch sein soll, ebenso im Selbst vor, wie die Vorstellung von Göttern.

Wenn Gott ins Sprachspiel gebracht werden soll, dann als das "Ich bin".
Der Unterschied besteht möglicherweise darin, in wie weit man sich in die Getrenntheit immer wieder verwickeln lässt oder in wie weit man in der Stille bleiben kann. Immer wieder und die klaren Momente sind für mich die, in denen ich die Stille wahrnehme, auch im Geschehen.


Ich glaube, dass man diese Göttlichkeit oder Klarheit ohne das psychische oder emotionale Verwickeltsein subtiler oder "einheitlicher" erleben kann.
carsten aus bochum
Hi Nylen.

Werden denn tatsächlich endogene und exogene Psychosen in scharfer Form unterschieden?
Ich kenne die Unterscheidung von endo- und exogener Depression, wie sinnvoll die ist, darf auch diskutiert werden, aber was ist denn eigentlich eine exogene Schizophrenie?

Zitat:
„Und das ist es was mich an transpersonaler Psychologie jetzt interessirte. Die DEUTUNG meiner Erfahrung unterscheidet sich fundamental von allen Deutungen die ich kenne (das sind ja zugegebenen nur ein Bruchteil des Ganzen).“


Es gibt einen wirklich sehr schönen Text von Wilber in „Das Atman-Projekt“, der heißt „Schizophrenie und Mystik“, wenn Dir das Buch mal über den Weg läuft, schau mal rein.
Grofs Einschätzungen bezüglich spiritueller Krisen halte ich für zu optimistisch, aber richtig scheint zu sein, dass während schizophrener Episoden mitunter spirituelles Material auftaucht.
Wichtig scheint zu sein, auf welche Ich-Struktur solches Material trifft, denn auch spirituelle Erfahrungen können – und sollen – das Ich erschüttern.

Zitat:
„Anders gesagt ich lese Meister Eckhart und er spricht zu mir. Wir verstehen uns brav , ich lese das Seth-Material und es enthält gute hilfreiche Ansätze zur Erklärung, ich sprach mit einigen Yogis und buddhistischen Mönchen, und wir verstehen uns gut.

We are of one mind - wie die Engländer sagen.

Aber meine Deutung der Erfahrungen unterscheidet sich. Diese Menschen nehmen diese Erfahrungen wichtig. Und glauben die Antworten die sie auf diesem Weg erlangt haben.

Ich bin aber Popperianer und Fallibilist. Für mich ist keine dieser Erfahrungen die wir gemacht haben über Zweifel erhaben. Und noch weniger snd es die Antworten, also der Versuch in expliziter Sprache zu DEUTEN was wir erlebt haben.“


Ich habe nicht den Eindruck das Mystikern Deutungen sonderlich wichtig sind.
Diesbezüglich weiß ich auch nicht, wie eine Erfahrung die Du gemacht hast bezweifelt werden kann.
Wenn Du ein Einheitsgefühl hast, hast Du ein Einheitsgefühl, wenn Dir Bratwurst mit Senf schmeckt, schmeckt Dir Bratwurst mit Senf... Ich glaube es wird von allen fortschrittlichen spirituellen Systemen größerer Wert darauf gelegt, die Ebene der außergewöhnlichen Phänomene nicht überzubetonen, die mitunter eine große Verlockung darstellt.

Zitat:
„Gelingt es mir im Gespräch, durch Gestik und Mimik und blosses Lächeln im rechten Moment ein gemeinsames Verständnis zu erlangen mit anderen die Anteil hatten am Wunder des Daseins. Die das Licht gesehen haben. Platt gesagt.

Doch wenn es um das DEUTEN geht, unterscheide ich mich von den Anderen wesentlich.

Ein Satz den ich oft runterplapper und vorrausschieb bevor ich über Gott, Engel, Lichtmystik etc rede ist dieser.

Ich glaube das Menschen mit Gott gesprochen haben, aber ich glaube nicht an Gott.
Ich glaube das Menschen, Engel gesehen haben, aber ich glaube nicht an Engel.
Ich glaube das Menschen UFOS begegnet sind, aber ich glaube nicht an UFOS.

Ich denke vieles was ich sagen möcte steckt in diesen einfachen Konstrukt.

Ich glaube an die Realität mystischer Erfahrung, aber nicht an die DEUTUNG derselben.“


Die Deutung ist ja auch nicht die Realität der mystischen Erfahrung, sondern die Deutung.
Der Versuch mit Deutungen mystischer Erfahrungen herumzufuhrwerken, würde Dir von Zen-Meistern Stockhiebe einbringen und die meisten anderen würden die Augen verdrehen.

Zitat:
„Damit meine ich nicht das keine Deutung möglich ist, sondern das die bisherigen falsch sind. Jedenfalls die mir aus der Tradition und vielen Gesprächen bekannten.

Ich bin also ein einsamer Rufer und der Wüste, und ich rufe allen Mystiker, Spiritualisten zu: "WACHT AUF"

Es gibt keine Götter, keine Hinterwelten, keine Kommunikation mit ANDEREN EBENEN. Es gibt nur UNS. Und wir sind fundamental getrennt und ALLEIN. Jeder von uns eine imperfekte Kopie des Menschseins.“


Davon abgesehen, dass es wohl andere Erfahrungen gibt, kann ich die Betonung dieser Deutungsebene nicht nachvollziehen. Mystik versucht eigentlich immer, plump gesagt, aus dem dummen Gequatsche rauszukommen.
Dummem Gequatsche weiteres dummes Gequatsche hinzuzufügen, ist wie einem Ertrinkenden ein Glas Wasser zu reichen. Der Grund ist erkennbar, wir wissen um die fundamentale Rolle der Sprache und kognitiver Konzepte bei der Konstituierung des Ich.
Gleichzeitig geht die Analyse der meisten spirituellen Systeme dahin, dass das Ich die Quelle des Leidens ist.
Also sollte man nicht versuchen durch Sprache und Konzepte das Ich zu überwinden.

Zitat:
„Ich fühle mich Nietzsche hier am verbundesten. Ich teile seinen Schmerz nicht und seinen Hass, den er übrigens hasste, aber seine Idee des möglichen Übermmenschen der keine imperfekte Kopie des Menschen mehr wäre, sondern möglichweise ein ganzheitlicher Mensch.“


Ich habe nicht den Eindruck, dass die Idee des Übermenschen sonderlich gut zu mystischen Erfahrungen passt, sehr wenig zur Erleuchtung. Wenn Du Buddha bist entdeckst Du die Buddha-Natur aller fühlenden Wesen.
Oder auch wenn man sich auf Meister Eckharts ziemlich radikale Einfachheit beruft, dessen Brisanz ja unter anderem darin liegt, dass er sagt, dass man keinerlei Vermittlung braucht um zu Gott zu gelangen, ein Gott, der ihm als bloßer Schöpfergott nicht genügt.

Zitat:
„Wir sind Multidimensionale Persönlichkeiten. Aber alle Dimensionen gehen von mir aus, und kommen nach der Unendlichkeit wieder zu mir zuück, ohne jemals eine Paraleldimension erreicht zu haben, oder eine Hinterwelt.“


Na klar, wenn Du alles bist, kommt alles zu Dir zurück, nur halt nicht zu dem kleinen Ich, das gemäß seinen Vorlieben und Abneigungen gerne die Welt umbauen möchte.

Zitat:
„Das Gefühl all jener die Kontakt hatten zu anderen Ebenen, die lägen ausserhalb von ihnen, ausserhalb der Welt meine ich, erkennen nicht das sie noch im selben Labyrinth stecken wie zu vor. Nur im Kreis gelaufen sind sie.“


Was soll das denn sein, etwas, was außerhalb der Welt liegt?
Die philosophisch relevante Frage ist vielleicht welchen Realitäts- oder vielleicht Wahrheitstatus man mystischen Erfahrungen zusprechen möchte.
Man nimmt ja im Grunde immer nur sich wahr. Die sozialen Konditionierungen sorgen dafür, dass man einen Teil dessen, was man immer nur „in sich“ oder „als Ich“ wahrnimmt nach außen stellt.
Ein an sich schon recht kompliziertes Spiel. Der Baum da wird dadurch nach „außen“ gestellt, dass es andere gibt, die bestätigen, dass da ein Baum steht, wo ich ihn auch sehe. Diese anderen muss ich aber zuvor auch schon nach außen gestellt haben und das tue ich natürlich zuerst unreflektiert, denkt man drüber nach, tut man es mit der Begründung, dass der andere als rationales Wesen erkannt wird – das intentional und rational handelt und zwar so, dass auch ich so handeln könnte, wenn die Prämissen des anderen auch für mich gelten würden, was sie in aller Regel aber nicht tun – und ich folglich dessen Urteil einen Wert zuschreibe, der rational zu rechtfertigen ist.
Etwas anders ist es mit Hunger, Liebe oder Depressionen. Man kann nicht drauf zeigen, aber man kann sie beschreiben, zumindest so weitreichend dass man sich sicher ist, was Hunger, Liebe oder Depressionen sind, weil andere diese Erfahrungen bestätigen und weil man sie selbst erlebt hat.
Damit sind Hunger, Liebe und Depressionen so real oder wahr wie ein Baum und fußen auch auf derselben Grundlagen, wenn man ihren Wahrheits- oder Realitätsstatus bemessen will.
Mystische Erfahrungen bilden da keine Ausnahme.
Bestimmte mystischen Erfahrungen sind einfach nur selten, oder sie werden selten erkannt.
Teilen andere diese Erfahrungen, so stehen diese auf dem selben Fundament, wie Hunger oder der Baum da.
Dabei ist die Interpretation wie gesagt nachrangig, es geht erstmal nur darum, ob jemand anderes das auch schon mal erlebt hat.
Hat man den Verdacht die Erfahrungen seien pathologisch, kann man ja diesem Verdacht nachgehen.
Kritierien anhand derer man das entscheiden kann, gibt es ja.

Zitat:
„Anders gesagt. Mohammed und Jesus und Moses redeten mit sich selbst. Das ist für mich ganz klar.“


In einem gewissen Sinn mag das stimmen.
Aber dabei übersiehst Du den fundamentalen Perspektivwechsel der Mystik.
Die Welt, nein der Komsos, ist in Dir. Das muss man aber erleben, als bloßer Glaubensatz ist das überhaupt nichts wert. Aber dieses „in Dir“ ist nicht Dein Ich, denn Du bist nicht zwingend Dein Ich.
Gleichzeitig lebst Du aber immer in Deinem Körper weiter und hast weiterhin Dein Ich, mit all seinen Vorlieben und Abneigungen. Die Frage ist nun, wie geht man damit um? Am besten man lebt sein Leben, ohne drauf zu bestehen, dass die Welt sich den eigenen Vorlieben und Abneigungen anzupassen habe. Verändere Dich und Du veränderst die Welt. Wie lebt ein Mystiker? Mal so, mal so, machen zurückgezogen, andere öffentlich, manche leise, manche laut, je nach dem, manche außergewöhnlich, andere stinknormal, gerade so wie man eben gestrickt ist. Die innere Haltung ist entscheidend, die Freiheit von Widerständen und das ist glaube ich ein Kompass der höchstpersönlich ist. Wenn man meint Hilfe zu brauchen diesen Kompass klar erkennen zu können, spricht in meinen Augen nichts dagegen sich helfen zu lassen.

Gruß,

Carsten
Nylen
Danke Carsten für die interessanten Ausführungen und ich kann dir eigentlich in allem soweit zustimmen. Vor allem was das reden über das....angeht.
Aber du redest mehrfach vom Ich was für mich etwas ist worüer ich sehr gut reden kann und viel. Das ist problemlos. Ich rede dagegen oft vom Ich im Gegensatz zum Selbst, und habe mal gesagt, das jenes Selbst sprachlos ist, Stumm, Blind und Taub ist es die Quelle des Agitans.

Zu endogene exogene Psychose. Man könnte sagen angeboren, nicht angeboren. Oder aber durch äussere Umstände verursacht bzw. durch innere. Die Grenzen sind fliessend, die Einteillung schwierig.

Was ich meinte war ich bin erstmal auf äussere Verursachung (Drogen, Stres) behandelt worden, doch als die Krankheit bei meinem Bruder in ähnlicher Form auftrat, allerdings als Bi-Polare Störung, da war klar das es eine erbliche Belastung und somit eine innere Angelegenheit ist.

Ich akzeptiere das Stress-Vulnerabilitätsmodell. Es erklärt mir meine Pschose nachvollziehbar, und weist mir den Weg zur richtigen Lebensweise bzw Umgang mit der Krankheit.


An alle:

Muss eingestehen, das es schwer ist für mich festzustellen in wiefern ich die letzten 7 Tage "leicht" psychotisch war. Nicht alles was ich sage also auf die Goldwaage legen. Ich stochere wie ein Blinder in der Erfahrung um das Benennbare zu benennen. Oft misslingt das.
carsten aus bochum
Hi Nylen,

gut, was ich sagen wollte, das habe ich gesagt, ich denke das allermeiste ich angekommen, wie ich es gemeint habe.

Wenn Du ein ehrliches Feedback willst, so habe ich eigentlich nie bei Dir den Eindruck gehabt, dass das was Du schreibst irgendwie verrückt sein könnte. Ich stimme nicht allem zu, aber die Gedanken finde ich im Großen und Ganzen nachvollziehbar und etliche andere Schreiber kommen mir da wesentlich nebulöser vor.

Dass man manchmal nicht weiß, was man richtig findet und Schwierigkeiten (oder Hemmungen) hat seine inneren Empfindungen zu Papier zu bringen finde ich vollkommen normal und menschlich, dass man zuweilen über eigene inkonsistente Bausteine und innere Widersprüche stolpert ebenso.

Gelegentlich widersprechen eigene Erfahrungen auch der öffentlichen Meinung, Deine Wahl damit umzugehen scheint sich ja für Dich im großen Maße bewährt zu haben und so besteht ja kein Anlass etwas an Deiner Herangehensweise zu ändern.
Dass Stress ein starker Faktor zu Destabilisierung ist, darf man als gesichert annehmen, also ist es schön Inseln der Ruhe und Verlässlichkeit zu haben, auf die man sich zur Not zurückziehen kann.

Gruß,

Carsten