Maddin
Hallo,
ich habe mir gerade allgemein über Probleme gedanken gemacht und wie ich damit umgehe. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir zunächsteinmal darüber Gedanken machen sollte, ob für ein Problem überhaupt ein Lösung existiert, oder es zumindest wahrscheinlich ist, ob eine Lösung existiert. Was aber, wenn keine Lösung für ein Problem existiert? Ist es dann noch ein Problem?
Gruß,
Martin
byLaszlo
hallo Martin
1.
Ich finde, du sprichst etwas an, was mir total neu erscheint:
wir stellen, beschreiben, illustrieren Probleme immer schon so
als wüssten wir bereits die Lösung und die Mitmenschen
sehen in der Regel die beabsichtigte Lösung als Problem an.
2.
Wenn du allgemein über Probleme nachdenkst, kann sein, dass
du ratlos bleibst, denn ohne Konkretisierung, ohne Anschauung
bleibt das Problem so uninteressant, wie die philosophische
Abstraktion "Tod", den niemand zu sterben braucht.
pnovell
hi Maddin,
| Zitat: |
| ich habe mir gerade allgemein über Probleme gedanken gemacht und wie ich damit umgehe. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir zunächsteinmal darüber Gedanken machen sollte, ob für ein Problem überhaupt ein Lösung existiert, oder es zumindest wahrscheinlich ist, ob eine Lösung existiert. |
also wenn du die existenz der lösung findest dann ist dein problem auch schon damit gelöst, du kannst dich höchstens an eine mögliche existenz einer lösung annähern indem du das problem mit anderen bereits gelösten problemen in etwa vergleichst, dich dem problemtypus also annäherst.
| Zitat: |
| Was aber, wenn keine Lösung für ein Problem existiert?Ist es dann noch ein Problem? |
ja, ein unlösbares, oder/und nein, weil prinzipiell unmöglich lösbar und damit als solches, als ein scheinproblem entlarvt und im gleichen moment damit auch gelöst, das ist eher von der allgemeinen problem-definition abhängig wobei das ausmaß der logischen komplexität dabei eine rolle spielt.
sprachlich ist nämlich ein gelöstes problem immer noch ein gelöstes
problem, allerdings im bezug auf die vorliegende lösung ist es keines mehr.
Maddin
| Zitat: |
Original von byLaszlo
1.
Ich finde, du sprichst etwas an, was mir total neu erscheint:
wir stellen, beschreiben, illustrieren Probleme immer schon so
als wüssten wir bereits die Lösung und die Mitmenschen
sehen in der Regel die beabsichtigte Lösung als Problem an.
|
Das geht mir auch manchmal so. In solchen Fällen urteilt man zu schnell oder man möchte gerne eine Lösung haben, aber weil man nicht alle Informationen hat, ist diese Lösung doch nicht möglich.
Das eine Lösung für andere ein Problem darstellt, liegt daran, dass die Lösung eine Änderung eine Sichtweise bei anderen Menschen erfordert, was einem manchmal gegen den Strich geht. Hat man es aber einmal akzeptiert, dass man sich anderen Lösungen anpassen kann, dann tut man sich sehr viel leichter im Leben.
| Zitat: |
2.
Wenn du allgemein über Probleme nachdenkst, kann sein, dass
du ratlos bleibst, denn ohne Konkretisierung, ohne Anschauung
bleibt das Problem so uninteressant, wie die philosophische
Abstraktion "Tod", den niemand zu sterben braucht.
|
Nach dem ersten Lesen, hätte ich dir Recht gegeben, aber nach ein wenig nachdenken kam mir folgendes in den Sinn: ich kann Probleme ja auf belibiege Art und Weise klassifizieren. Somit kann ich Probleme nicht mehr nur konkret betrachten sondern abstrakt.Nun kann ich schauen, was haben die Problem aller Klassen gemeinsam und komme so zu der Idee des Problems. Ich kann dann auf sehr abstrakte Weise sagen, was ein Problem ist. Um es platonisch auszudrücken: Ich komme zu der Idee eines Problems. Das hat folgenden Nutzen: Wenn ich weiß, wie ich auf abstrakte Weise ein Problem lösen kann, dann tue ich mich auf der konkreten Ebene leichter bzw. ich kann die Probleme auf konkreter Ebene besser verstehen und lösen.
Also, nicht dass ich das in irgendeiner Weise schonmal gemacht hätte, aber ich dachte es ist eine nette Idee ;-)
Vielleicht ein Ansatz: Im allgemeinen Sinne habe ich ein Problem, wenn ich an irgendeiner Stelle im Leben nicht mehr weiterkomme, aus welchem Grund auch immer. (Insofern kann ich schon sehr abstrakt über Probleme reden)
glorin
@Maddin:
a) Das einzige unlösbare Problem ist das es kein unlösbares Problem gibt. Aber selbst das ist kein Problem, denn sonst gäbe es ja wohl ein unlösbares Problem...
b) Halte dich einfach an Henry Ford: "Suche nicht nach den Fehlern, suche nach den Lösungen."
Also befasse dich nicht mit der Suche nach ein Problem um ein Problem zuerschaffen...
Sun Deluge
Probleme sind nur dort anzutreffen, wo Gedanken ihre Kreise ziehn.
byLaszlo
hallo Maddin,
ich danke dir, dass du auf meine Zeilen eingegangen bist,
obwohl du merken konntest, dass ich aus einer anderen
Ecke komme, von der Frage getrieben: wie kann jemand
das Problem formell problematisieren d.h. ohne Inhalt?
pnovell hat dir soeben in deinem Sinne, auf deiner Ebene
geantwortet, dafür habe ich seine Antwort auch nicht verstanden.
Wenn ein Mensch sich in der Matemathik oder im Programmieren
gut auskennt, fragt er sich, warum drückt sich Philosophie
nicht in formalen Sprache aus? Es wäre ja möglich je nach
Problemfeld eine Technik zu entwickeln, und sie anzuwenden.
Und ob du glaubst oder nicht, genau das passiert in
der Philosophie seit alters her ob ich die aristotelische
Seelenlehre nehme oder Spinozas geometrische Methode
für die Ethik (Ethica, Ordine Geometrico Demonstrata).
Ich wünsche dir, dass du Erfolg hast mit deinen Bestrebungen.
Exebeche
| Zitat: |
Original von Maddin
Was aber, wenn keine Lösung für ein Problem existiert? Ist es dann noch ein Problem?
|
Ja.
Die Philosophie setzt sich insbesondere mit unlösbaren Problemen auseinander.
Die Logik und die Rhetorik als Teildisziplinen der Philosophie definieren verschiedene Begriffe dafür:
Paradoxon, Zirkelschluss, Teufelskreis, Oxymoron, u.a.
Phantom
| Zitat: |
ich habe mir gerade allgemein über Probleme gedanken gemacht und wie ich damit umgehe. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir zunächsteinmal darüber Gedanken machen sollte, ob für ein Problem überhaupt ein Lösung existiert, oder es zumindest wahrscheinlich ist, ob eine Lösung existiert.
Was aber, wenn keine Lösung für ein Problem existiert? Ist es dann noch ein Problem? |
In der Psychologie gibt es da ein hübsches Modell (von Brandtstädter):
Demnach passen Menschen die Gegebenheiten (assimilativ) ihren Zielvorstellungen an,
oder (wenn sie damit nicht durch kommen) ihre Zielvorstellungen (akkommodativ) den Gegebenheiten.
So betrachtet werden Probleme entweder gelöst, oder mit der Zeit irrelevant/unproblematisch.
Aber auch da bestätigen Ausnahmen vermutlich die Regel...
Loa
Genau betrachtet gibt es sowas wie ein praktisches Problem überhaupt nicht.
Das Leben geht immer weiter, nur eben nicht unbedingt so wie es dem Menschen gefällt.
Das Problem ist also eher die Kollision von Wunsch und Wirklichkeit.
Und die Lösung ist den Wunsch entweder zu beseitigen oder anzupassen.
byLaszlo
hallo Loa,
ich staune, denn ich sehe bei Maddin genau die
Absicht, praktische Probleme dadurch vermeiden
zu wollen, dass er "das Problem an sich" ohne Empirie,
also erst theoretisch lösen möchte.
Dafür ist aus der Philosophie ein Bild überliefert,
nach dem es unmöglich sei Schwimmen zu lernen
ohne ins Wasser zu gehen. (gemeint sind natürlich
jene, für die das Schwimmen ein praktisches P. ist.)
Loa
Die Rationalität ist eben nur ein kleiner Teil der Welt.
Trotzdem gibt es aber so etwas wie Naturgesetze für alles was existiert. Wenn einem soviel Einsicht zur Verfügung steht dass man diese Gesetze begreift, kann man durchaus einiges an praktischen Problemen vermeiden.
Ich denke da an das Iging, wenn euch das ein Begriff ist
Exebeche
| Zitat: |
Original von Loa
Genau betrachtet gibt es sowas wie ein praktisches Problem überhaupt nicht.
Das Leben geht immer weiter, nur eben nicht unbedingt so wie es dem Menschen gefällt.
Das Problem ist also eher die Kollision von Wunsch und Wirklichkeit.
Und die Lösung ist den Wunsch entweder zu beseitigen oder anzupassen. |
Das funktioniert in unserem Teil der Welt, weil wir ohnehin nur Luxusprobleme haben.
Wenn ich mir keine Villa mit Swimmingpool leisten kann, kann ich mein Denken so umbilden, dass ich Leute mit Villa eh doof finde.
Ursprünglich und in anderen Teilen der Welt sehen Probleme aber anders aus.
Ich erinnere mich an einen Bericht über ein Land in Afrika, wo die Menschen sich nachts in Hallen zusammenrotten, weil sie sich nicht trauen in ihren Hütten zu schlafen.
Weil nachts Männer kommen, die ihre Kinder stehlen und sie zu Soldaten machen.
So etwas nenne ich ein Problem.
Die Aussage, dass es so etwas wie ein praktisches Problem überhaupt nicht gebe, würde ich von daher noch ein bisschen modifizieren.
Sun Deluge
Ein anderes Problem könnte durch Landminen eintreten, wenn Arme oder Beine abgetrennt werden.
Das wäre ein physisches Problem, das Problem das sich in den Weg stellt, wenn man weiter leben will.
Exebeche
| Zitat: |
Original von Sun Deluge
Ein anderes Problem könnte durch Landminen eintreten, wenn Arme oder Beine abgetrennt werden.
Das wäre ein physisches Problem, das Problem das sich in den Weg stellt, wenn man weiter leben will. |
Ja.
Genau.
Ich glaube diese Art von Problem lässt sich nicht beseitigen, indem man den Wunsch anpasst oder beseitigt.
Sun Deluge
| Zitat: |
| Ich glaube diese Art von Problem lässt sich nicht beseitigen, indem man den Wunsch anpasst oder beseitigt. |
Stimmt.
Leider lässt es sich nicht beseitigen.
Der Körper ist direkt betroffen, zum Laufen stellt es ein Problem dar, wenn jene Person nur ein Bein besitzt.
Zum Überleben stellt es ein Problem dar, wenn zu viel Blut verloren wird.
Wenn überlebt wird und nicht mehr laufen kann, ist etwas verloren gegangen was von Geburt auf vertraut war, das Problem, sich daran gewöhnen zu müssen.
Das Problem das so etwas nicht erlebt werden möchte, aber leider trotzdem geschieht.
Das Problem, weil viele gegen das Problem machtlos sind oder dieses Problem in die Welt setzen.
Und selbst das Problem des Problems ist ein Problem...
Sun Deluge
Das Problem ist das Leben selbst.
Probleme sollten gelöst werden.
Zum Glück besitzen wir Menschen genug von Problemlöser... warum die schon lange nicht eingesetzt wurden, ist mit rätselhaft.
Verena
| Zitat: |
Original von Maddin
Hallo,
ich habe mir gerade allgemein über Probleme gedanken gemacht und wie ich damit umgehe. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir zunächsteinmal darüber Gedanken machen sollte, ob für ein Problem überhaupt ein Lösung existiert, oder es zumindest wahrscheinlich ist, ob eine Lösung existiert. Was aber, wenn keine Lösung für ein Problem existiert? Ist es dann noch ein Problem? |
Das ist jedenfalls kein Problem:
Wenn eine Lösung für das Problem existiert, dann ist es ein lösbares Problem.
Wenn das Problem gelöst wurde, ist es ein gelöstes Problem.
Wenn keine Lösung für das Problem existiert, ist es entweder ein noch nicht oder prinzipiell nicht lösbares Problem.
Das war einfach - das nächste Problem bitte!
Cornak
Hallo maddin, das Wort "Problem" ist heutzutage ein Modewort und ein Oberbegriff für vielerlei Schwieriges, physisch, mental, sozial, kommunikativ Schwieriges. Leute, die zwiespältig fühlen gegenüber ihren Partnern, sagen, sie hätten ein Ehe- resp. Partner- problem. Unschärfer kann man es kaum sagen, wenn man von einem Beziehungskonflikt ungeklärter (sehr oft unbewußter) Ursache reden will. Von gleicher Unschärfe sind dann in der Regel auch die vermeintlichen Lösungswege - ein blindes Agieren und Probieren, woraus sich Problem-Ketten ergeben.
Hinzu kommt, daß viele "Probleme" gar nicht als solche wahrgenommen werden, vor allem persönliche innere Konflikte. Gruß !
-Sabine-
Ich würde ein Problem als etwas sehen, mit dem ich mich herumschlage/beschäftige. Du kannst es auch Herausforderung nennen

Ob ich der Herausforderung gewachsen bin oder nicht, ist in aller erster Linie in mir selbst begründet und weniger in der Herausfoderung. Insofern ist ein Problem/eine Herausfoderung für mich nicht abhängig von einer möglichen Lösung.
Im Gegenteil, manchmal strebe ich sogar gar keine Lösung an, sondern lass es "wirken" - mit mitunter ganz erstaunlichen Ergebnissen
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