Kann man Moralität lernen?

Erik van Thom
Zitat:
Original von Thanasius Lakon
Ich verstehe was du meinst. Meine Begründung war tatsächlich unzureichend, da ich nur auf unsere Maßstäbe gesehen habe. Jemand anders könnte ja auch ganz anders urteilen.

Würde das nicht aber dem oben von anderen gesagten widersprechen? Z.B. das sich bestimmte Werte in allen Kulturen widerfinden und Moralität eine evolutionäre Strategie unserer Gattung sei. Wie würdest du zu diesen Positionen stehen?

Dass das Rudeltier Mensch Sinn fuer Konventionen und Sitten entwickelt hat, ist sicher ein evolutionaerer Ueberlebensvorteil: so etwas haelt einen Haufen zusammen! Was aber diese Konventionen und Sitten jetzt konkret im Detail sind, wirkt auf mich wie Nebensache.

Bis auf eine Ausnahme: es kommt darauf an, dass das Ueberleben der Gattung gesichert ist. Falls exzessiver und exklusiver Alruismus dafuer notwendig ist, wohlan!
Ich bin mir aber nicht sicher, dass dem so ist...
carsten aus bochum
Hi.

@ Thanasius Lakon:

Zitat:
Zitat:
aber es kommt zu keiner Veränderung des Charakters, was psychodynamische Ansätze leisten.

„Könntest du das vielleicht noch ausführen? In wie fern wird hier der Charakter verändert und wie wird das gemessen? Würdest du sagen, dass eine wirklich „antisoziale Persönlichkeit“ geändert werden könnte? Und wie würde man das angehen?“


Also, eine echte antisoziale Persönlichkeit im engen Sinn (enger Sinn bedeutet, dass es keine einzige nichtausbeutenden Beziehung im Leben dieser Menschen gibt) ist nach allem was man weiß überhaupt nicht zu heilen oder auch nur zu bessern, mit keiner Art von Therapie. (Bei angeblichen Erfolgen stellt sich zumeist nachher heraus, dass die Definition weniger eng war und dann ist ein Erfolg möglich).

Das derzeit führende Verfahren für schwere PSTen ist die „übertragungszentrierte Therapie“ (auf Englisch „Transference-Focused-Psychotherapy“ http://de.wikipedia.org/wiki/Transferenc...d-Psychotherapy ).
Kurz gesagt versucht man dabei den Teil der Persönlichkeit mit dem der Patient nicht identifiziert ist, der aber agiert wird, dem Patienten 1 zu 1 in metaphorischer Form (also nicht mit irgendwelchen technischen Ausdrücken, sondern durch Formulierungen wie: „Ich fühle mich wie ein kleines hilflosen Kind, das einem kalten, sadistischen Vater gegenüber sitzt.“) gespiegelt und zwar möglichst sofort, wenn der Therapeut die Gegenübertragung (den momentan dominanten Affekt) in sich bemerkt.
Dazu muss man wissen, dass es bei schweren PSTen, zu einer für diese Erkrankungen typischen fluktuierenden Rollenumkehr kommt, auch in der Therapie. D.h. der eben noch agierte kalte Sadismus wird im nächsten Moment umgekehrt und der Therapeut selbst hat nun das Gefühl ein kalter Sadist zu sein und ein hilfloses kleines Kind (den Klienten) zu quälen. Und dann wird genau das dem Patienten gesagt. Der grundlegende Mechanismus aller schweren PSTen ist die Spaltung, die sich wie oben angedeutet darin manifestiert, dass der Patient nur jeweils die eine oder andere Seite seiner Affekte leben kann, aber unfähig ist beide zu integrieren und sie sowohl, als auch gleichzeitig zu empfinden und das Konzept geht in die Richtung, diese unbewusst andere Seite dem Patienten direkt vor Augen zu führen. Diese Spaltung ist nicht mit einer schizophrenen Bewusstseinsspaltung zu verwechseln, sondern sie verläuft zwischen Kognition und Affekten. D.h. der Patient weiß evtl. schon was vorgefallen ist, aber er ist nicht in der Lage die affektive Komponente und Bedeutung zu fühlen und damit auch nicht vorherzusehen, was sie für andere Menschen bedeutet.

Zur „Messung“:
Die fortschreitende (und auch die fehlende) Integration manifestiert sich in einer Veränderung der Träume, der Phantasien in der Übertragung, es kommt im Therapeuten zu einer Veränderung der Gegenübertragung und der Patient ist irgendwann in der Lage eine Beschreibung in Tiefe von anderen Personen (die er gut kennt) abzugeben. Die Unfähigkeit eine Beschreibung in Tiefe abzugeben ist auf das diagnostische Hauptkriterium für das Vorliegen einer PST.

Demgegenüber steht ein anderes Modell zur Therapie von schweren PSTen, die dialektisch-behaviorale Therapie von Marsha Linehan http://de.wikipedia.org/wiki/Dialektisch...iorale_Therapie deren Ähnlichkeiten mit ostasiatischen spirituellen Lehren nicht zufällig ist. Der Fokus dieser (und aller behavioralen) Therapien ist jedoch eher das Training einer Strukturierung, auf dem Boden einer immer größeren Toleranz gegen äußere Reize, man lernt Achtsamkeit, sich auf einzelne Reize zu konzentrieren, die eigene (affektive) Reaktion zu beobachten und nicht zu agieren und dergleichen. Das ist effektiv, aber zielt nicht primär auf eine Charakterveränderung.

Es gibt in letzter Zeit noch sehr vielversprechende Ansätze mit bildhaft-imaginativen Verfahren, sowie anderen Techniken die direkt auf eine Veränderung der Emotionen zielen, wie das Kohärenztraining von Herz und Hirn (Servan-Schreiber) sowie EMDR, das will ich nur kurz erwähnen.


@ tolwin:

Zitat:
„Wo Du schonmal da bist! Ich habe lange überlegt, wo und von wem denn heute noch tatsächlich dieses Standardmodell der Sozialwissenschaften vertreten wird, auf welches es Tooby, Pinker, bei uns Voland & Co. abgesehen haben.“


Mir ist nicht ganz klar was dieses Standardmodell sein soll, ich habe das so verstanden, dass die Natur einen Rahmen setzt, der soziokulturell „gefüllt“ wird – und dass diese Ansicht heute bestritten wird, ist das in etwas richtig?

Moderen Psychoanalyse ist eng mit der Affektforschung verwandt und fußt vom Konzept her im wesentlichen auf der Objektbeziehungstheorie: http://de.wikipedia.org/wiki/Objektbeziehungstheorie
Das Ziel dieser neuen Richtung ist es, die Psychoanalyse mit der Biologie zu verknüpfen, was weitgehend gelungen ist (dazu kann man Kandel oder Drewermann lesen), aber man steht in der Gefahr das zu sehr zu vereinfachen.

Otto Kernberg zur modernen Psychoanalyse:

„Meine Meinung ist, dass sie das allerdings ist und zwar die weiteste und umfassendste [Theorie] die wir haben. Meiner Meinung nach die wichtigste und mit dem größten Potential der Entwicklung, sowohl im psychischen Gebiet, als auch im Gebiet der Beziehung zwischen psychischen Verfahren und neurobiologischen Quellen des Psychischen.
Ich betonte also sofort [die Bedeutung der] heutigen Aufgabe, Theorien des Psychischen mit ihren Wurzeln im Biologischen zu verbinden. Missverstehen Sie das nicht, ich spreche hier nicht von einem einfachen Determinimus [der Art]: „Es ist ja alles im Hypothalamus oder in der Hirnrinde oder wo sie wollen, entschieden.“ Ich spreche von dem was in der Philosophie ein kreativer Interaktionismus genannt wird, ich hoffe, dass ich das richtig auf Deutsch übersetzt habe: „creative interactionism“. Eine Auffassung, nach der das psychische Leben vom Biologischen abhängt, aber dann eigene rein psychische Strukturen entwickelt, in einer sich fortsetzenden konzentrischen Reihe von Kommunikationen, die am Ende zur Freiheit der Entscheidungen führen, im Gegensatz zu einem rigiden Determinismus, obwohl am Ende das Psychische doch vom Biologischen abhängig ist. Und von diesem Standpunkt aus, glaube ich eben, dass Psychoanalyse die weiteste und wichtigste und benutzbarste Theorie der Persönlichkeit ist, die wir haben. Aber wie sie sehen werden gibt es wichtige Veränderungen dieser Theorie der Persönlichkeit von Freuds Zeiten bis heute.“

(von der DVD: Psychoanalyse für Nicht-Psychoanalytiker, Otto Kernberg/Helm Stierlin, Auditorium Netzwerk, 2006)

Die Entwicklung der Moralität ist einsichtigerweise aufs Engst verbunden mit der Fähigkeit zur Empathie.
Empathie ist dabei weniger nur ein Mitgefühl im Sinne von: „Da ist der Opa von X gestorben und ich weiß, dass er nun traurig ist und fühle etwas mit ihm“, sondern diese Empathiefähigkeit zielt zentral auf eine Integration der Spaltung von Kognition und Emotion und da kommen dann diese ganzen Amygdala- und Serotoninsystemgeschichten ins Spiel.
Es ist zwar so, dass ein gravierender Empathiemangel mit einer Unteraktivität der entsprechenden biologischen Systeme (und in harten Fällen des gesamten Hirns) korreliert, aber man schließt da manchmal leichtfertig auf Ursache und Wirkung. Dass genetische Faktoren einen Einfluss haben ist unbestritten, aber wenn die biologischen Systeme, in Deinem Bild: der Schwamm, nichts finden, was sie aufsaugen können, bleiben sie ebenfalls inaktiv oder unteraktiviert.
Gestört wird diese Entwicklung wenn das Individuum einer großen Zahl von sog. Spitzenaffekten ausgesetzt ist (positiven wie negativen).

Die Frage: Sollen wir Therapie machen oder die Hirnchemie verändern?, ist vor diesem Hintergrund falsch gestellt, weil Therapie eine gezielte Veränderung der Hirnstruktur und der Neurotransmittersysteme und dergleichen ist und wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann siehst Du diese entweder/oder Sicht, ebenfalls als antiquiert an.
Insofern glaube ich, dass dieses Standardmodell der Sozialwissenschaften, falls ich es richtig verstanden habe, von der modernen Psychoanalyse und allgemein modernen psychodynamischen Ansätzen, Therapien, Theorien am allerwenigsten verwendet wird.
Diese Trennung wird m.E. am ehesten dort aufrecht erhalten, wo wir auf zu reduktionistische (neuro)biologischen Ansätze treffen, die die eher pessimistische Tendenz haben zu behaupten, Kultur sei im wesentlichen ein natürlicher Vorgang und bei entsprechenden hirnorganischen Störungen sie da eben nichts zu machen, oder in reduktionistischen (neo)marxisitschen Theorien, die (das ist allerdings nur mein Eindruck vor dem Hintergrund von Diskussionsversuchen mit einigen Anhängern, selber kenne ich diese Theorien zu wenig) offenbar Schwierigkeiten haben, den Menschen als biologisch-triebhaftes Wesen zu begreifen, in einem mehr als banalen Sinne, der dann irgendwann durch die Fähigkeit selbst zu bestimmen und entscheiden abgelöst wird.
(Meine Meinung zu Dennett hier und an anderer Stelle ist, dass ich das Gefühl habe, dass er die Fähigkeit besitzt öfter den Finger in die richtige Wunde zu legen, aber seine positiven Konzepte vermitteln mir – und wohl nicht nur mir – den Eindruck, dass er über ein oberflächliches Verständnis kaum hinaus kommt, seine unverständliche Betonung der Wahrnehmungspsychologie in Süße Träume zeigt das zumindest.)

Meiner Meinung nach sind die fehlenden oder zu wenig verstandene Bausteine aber die Affekte und Emotionen.
Ich lese oft von biologischen Systemen hier und Ideen oder sozialen Komponenten dort, doch biologische Triebe zu haben, bedeutet ja auch sie auf der Erlebensseite zu bemerken und wie gesagt, bei der Moralentwicklung ist der limitierende Hauptfaktor die mangelnde Fähigkeit die eigenen Affekte mit den eigenen Gedanken in Deckung zu bringen, was zu der erwähnten Spaltung (technisch: Verleugnung) führt.
Die kognitive Fähigkeit zur Empathie kann dabei intakt sein, denn man muss sich vor Augen führen, dass man einen Menschen besonders gut dann manipulieren und quälen kann, wenn man seine „Funktionsweise“ versteht.
Was hier oft fehlt ist der Mangel an Mitgefühl, der aber aus einem gestörten Selbstbild resultiert.
Ich nehme den anderen als anders wahr, aber ich nehme ihn nicht wichtig, wichtig sind allein meine Bedürfnisse.
Der Hintergrund ist der, dass man es sich (psychisch) nicht leisten kann, den anderen wirklich als anderen ernst zu nehmen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Urteilen, Weltbildern, Prämissen, Vorstellungen zu sehen und zu akzeptieren, weil das in mir Angst auslösen würde. Also kommt es zu einer völligen Entwertung des anderen, der dann zwar andere Ansichten haben kann, aber ein nicht zu beachtender Idiot ist, oder zu einer völligen Idealisierung des anderen, die darauf abzielt, zu erreichen, dass der ideale andere, ja genau das will, was ich will, selbst dann, wenn das nüchterne Auge erkennen würde, dass die Übereinstimmungen bestenfalls marginal und damit erzwungen sind. Dahinter steht die Not, dass es niemanden geben kann, der nicht im wesentlichen so ist wie ich, denn das würde ungeheure Angst auslösen, die je nach genetischem Temperament dann unterschiedlich „verstoffwechselt“ wird.

Hier stehen also nicht abstrakte biologische Systeme und ihre quasiautonome Funktion, abstrakten und sich selbst erhaltenen sozialen Systemen und ihren Funktionen gegenüber, die in naturalistischer Draufsicht irgendwie biologisch oder quantenphysikalisch zusammengehäkelt werden müssten und bei denen die Frage auftaucht welchen Sinn ein Ich denn überhaupt noch haben kann: wenn es gräbt und spricht, steht es unter dem Diktat sozialer Systeme, wenn es träumt und verdaut ist es reine Biologie, sondern ganz im Gegenteil ist auf das Ich ein emergierendes System, das zunächst die mitunter schwierige und bei weitem unterschätzte Aufgabe zu erfüllen hat, Kognition und Emotion zu einer kohärenten, integrierten (und nichtgrandiosen) Einheit des Ich zu vereinen.
Ist das geschehen, ist damit gleichzeitig die Fähigkeit vorhanden den anderen als ein ebensolchen kohärentes, integriertes (und nicht grandioses oder entwertetes) Ich zu sehen, zu erleben und zu tolerieren und man darf davon ausgehen, dass man bei dieser Integration des inneren Erlebens mit Sicherheit en passant am Hirn herumgeschraubt hat, eventuell sogar in einer differenzierten Art und Weise.

Zitat:
„Da ich bekanntlich in der Psychologie nicht sonderlich bewandert bin, würde ich gerne wissen, inwieweit es dort der Fall ist (insb. bei der modernen Psychoanalyse und in den von der psychoanalyse geprägten Sozialisationstheorien könnte ich mir das vorstellen).“


Die alten Phasenmodelle der Psychoanalyse und der sich darauf beziehenden Sozialisationstheorien sind von er modernen PA ja selbst gekippt und revidiert worden. Aber auch dabei ist es falsch, aber populär, zu behaupten, damit sei Ödipus erdolcht worden, sondern man findet präodipale, ödipale und andere Muster einfach zu allen Zeitpunkten der Entwicklung vor, getriggert durch die Umwelt, die Objektbeziehungstheorie ist ja immer schon Individuum in vor allem affektiver Kommunikation und nicht die Geschichte einer Monade.

Gruß,

Carsten
Amateur
Hallo Thanasius !
Hallo Stan !

beim Durchlesen Eures Disputs kam mir folgender Gedanke, der vielleicht für beide interessant ist, daher dieser "Rundbrief":

Zitat:
Original von Stanley Alvarez
Das ist ziemlicher Schwachsinn.

Eine solche Formulierung ist unfreundlich, also (im geringen? Maße) "unmoralisch".

Nun hattest Du, Thanasius, ja den Begriff der Moral als ein hohes Maß an "Altruismus" beschrieben. Das klang für mich (vereinfacht gesagt) wie folgt:
Je schwerer mir eine Tat fällt, je mehr ich also gegen "Hemmnisse" wie z.B. Angst, Schmerzen, ... ankämpfen muss, um helfen zu können, "um so moralischer" kann meine Handlung genannt werden.

Diesen Gedanken kann man aber auch weiterführend(?) nutzen:

1.)
Je weniger eine "moralisch korrekte" Tat schwer fiele , umso mehr müsste es "unmoralisch" genannt werden, falls diese dennoch nicht geschähe.

2.)
Je mehr eine "moralisch inkorrekte" Tat ohne eigenen Vorteil ist, umso mehr müsste es "unmoralisch" genannt werden, falls diese dennoch geschähe.

Dies nun angewendet auf das Zitat:
- es fällt nicht schwer, statt "Schwachsinn" zu schreiben:"sehe ich anders"
- es ergibt sich kein persöblicher Vorteil, wenn man Andere beleidigt.


Deswegen folgende (schwachsinnige?) Idee:
Ein Mensch, der bestochen/verführt durch hohen persönlichen Vorteil,(oder aus Angst vor diktatorischen Repressalien) einen Menschen an die Staatsmacht verrät, kann möglicherweise moralisch weniger hart(?) beurteilt werden, als Jener, der völlig "zweckfrei" beleidigt !?

Gruß an Beide
Stanley Alvarez
mir fiel grad auf, dass ich Thanasius Lakon ein Zitat untergeschoben habe, dass eigentlich von tolwin stammte. Verzeihung...

Aber das gibt mir ja Gelegenheit, es nochmal aufzugreifen. Meine Art, es zu beantworten, wurde ja kritisiert. Zwinker

Zitat:
Original von tolwin
Es gibt derzeit auf der Erde keine Kultur welche uns nicht bekannt ist. Auch wurde jede Kultur in den vergangenen Jahrtausenden mal besser, mal weniger detailiert untersucht. Ob man dabei etwas übersehen hat? Möglich. Aber die sog. Hochkulturen sind uns schon alle bekannt, und die Lücken der Kulturwissenschaft sind vergleichbar mit den Lücken der Geschichte.
Ausgehend von diesem Material ist es durchaus berechtigt den Schluß zu ziehen, daß in den - wenn man so will - uns bekannten Kulturkreisen allgemeine kulturübergreifende Normen zu finden sind. Das umfasst natürlich auch Kuluren außerhalb Europas, weswegen man kaum von einem Eurozentrismus sprechen kann.

Wie kannst du so etwas behaupten?

Und wer ist "uns"? Ich bin zwar ein Freund der Theorie des 'Kollektiven Gedächtnisses' (also auch eines kollektiven Wissenshaushaltes), aber das bedeutet nicht, dass ein einzelnes Individuum dieses kollektive Gedächtnis allein repräsentieren könne. Aber genau das behauptest du hier zu tun: "Ich als ein Individuum innerhalb dieses Kollektivs gebe zu wissen vor, was das gesamte Kollektiv an Wissen besitzt." Da setzte meine Kritik an deiner Behauptung ja schon an.

Desweiteren ist auch das 'Kollektive Gedächtnis', oder das kollektive Wissen ein kulturelles, ein diskursives Konstrukt. Wissen generiert sich immer in einem Rahmen, und dieser Rahmen ist ganz grob gesagt im großen und ganzen bei uns die Kultur der abendländischen Moderne. Das meinte ich mit "Eurozentrismus". Und jetzt komm mir nicht damit, dass beispielsweise auch ein arabischer Ethnologe dies und das sagt, ein vietnamesischer Sozialwissenschaftler das und das, ein chilenischer Philosoph das und das, und das die doch nicht in Europa säßen oder so. Das würde die Tatsache völlig verkennen, dass sich die abendländische Kultur längst globalisiert hat, insbesondere, was die Wissenschaften angeht. Geschichtsschreibung auch im Kongo ist: eurozentriert. Philosophie auch in China ist: eurozentriert. Ethnologie auch in Lateinamerika ist: eurozentriert.
In sofern war insbesondere deine Abwehr des Eurozentrismus-Vorwurfs... gelinde gesagt... undurchdacht[!!!].


Edith:
Das Problem ist ja auch, dass "subalterne Kulturen" im Grunde sprachlos sind. So fragte sich Gayatri C. Spivak, die vielleicht bekannteste Theoretikerin der Postcolonial Studies, zum Beispiel auch: "Can the subaltern speak?"
Angehörige einer subalternen Kultur müssen, um erhört zu werden, zunächst erstmal die dominante Kultur erlernen: Die Sprache, die Rationalität, die "Zivilisationstechniken", wie man so sagt. Von da an sprechen sie aber nicht mehr in ihrer oder für ihre Kultur, sondern im Rahmen der dominanteren. Spivaks Lösungsansatz des Eurozentrismus zum Beispiel in der Geschichtsschreibung liegt darin, die Subalternen innerhalb ihrer Sprache, innerhalb ihrer Kultur zum Sprechen zu bringen. Ob das möglich ist, ist eine andere Frage...
(Ich habe den Text von Spivak leider noch nicht gelesen. Das blöde an den Postcolonial Studies ist, dass sie noch recht jung und die theoretischen Texte daher noch weitgehend unübersetzt sind.)
Amateur
Zitat:
Origial Stan
[...] Meine Art, es zu beantworten, wurde ja kritisiert. [...]
[...] In sofern war insbesondere deine Abwehr [...] "Schwachsinn".

Freude
Stanley Alvarez
.
Amateur
Hallo Stan !

Zitat:
[...] aber wenigstens begründet!!!!

Aber nur, warum Du Deine Position für so unbezwiefelbar hältst, dass Du Anderes glaubst, "schwachsinning" nennen zu können. Tatsächlich zunächst unbegründet.

Warum aber solche Selbstsicherheit ?

Vor allem aber:
Warum so unfreundlich ?


Nebenbei:
Inflationäre Wortwahl. Die von Dir kritisierte Aussage ist ja nicht abwegig. Sie "schwachsinnig" zu nennen, läßt mich fragen, wie Du "wirklichen Blödsinn" dann betitelst ?

Gruß Andreas


Edit:
Dein letzter Kommentar ist verschwunden !?
Bei mir jedenfalls nur noch ein "Punkt" sichtbar.
Hast Du ihn gelöscht ?
Thanasius Lakon
Gerade sind mir einige Verse eines persischen Dichters untergekommen, die auch hier zum Thema passen (zumindest mittelbar):

Die Menschenkinder sind ja alle Brüder
Aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder
Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst
So bleibt anderen weder Ruh und Rast
Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt
Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt
.“

Mit diesen schönen Worten im Hinterkopf möchte ich vorweg noch kurz bemerken, dass ich es sehr schade fände, wenn auch dieser Thread irgendwelchen nutzlosen Streitereien zum Opfer fiele. Also bitte beim Thema und sachlich bleiben!

Zitat:
Original von Andreas:
mir scheint auch, dass es eine sehr "praktische" Voraussetzung oder besser "Weltsicht" gibt:
Utilitarismus.
Evolutionsbiologie nur ein Aspekt dieser Weltsicht ?


Könntest du diesen Gedanken vielleicht noch etwas ausführen?

Zitat:
Glaube nicht, dass dieses höhere Selbstwertgefühl auch den Wert der Mitmenschen höher erscheinen läßt.


Der Volksmund jedenfalls sieht das anders: „nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben“. Und ich glaube in der Psychologie gibt es Ansätze die z.B. Aggressionen aus einem verstärkten Minderwertigkeitsgefühl ableiten... Aber wie gesagt, eine nähere Untersuchung wäre sicherlich interessant.

Zitat:
"Gut" ist nie der handelnde Mensch, sondern (bestenfalls) die Wirkung der Handlung.


Also ist auch ein Mörder kein schlechter Mensch, solange man nur seinen Mord rechtzeitig vereiteln konnte?

Zitat:
Je schwerer mir eine Tat fällt, je mehr ich also gegen "Hemmnisse" wie z.B. Angst, Schmerzen, ... ankämpfen muss, um helfen zu können, "um so moralischer" kann meine Handlung genannt werden.

Diesen Gedanken kann man aber auch weiterführend(?) nutzen:
1.)
Je weniger eine "moralisch korrekte" Tat schwer fiele , umso mehr müsste es "unmoralisch" genannt werden, falls diese dennoch nicht geschähe.
2.)
Je mehr eine "moralisch inkorrekte" Tat ohne eigenen Vorteil ist, umso mehr müsste es "unmoralisch" genannt werden, falls diese dennoch geschähe.


Diese Gedanken gefallen mir gut! Jedoch würde ich den Ausgangssatz noch dahingehend einschränken, dass ich die Tat auch nur dann moralisch nennen würde, wenn sie in guter Absicht geschieht (und nicht etwa ein noch höheres egoistisches Motiv mich die Hemmnisse überwinden lässt).

Zitat:
Original von Stanley Alvarez:
Ich denke zumindest, dass es nicht sinnvoll ist, davon auszugehen, dass diese Unterschiede existieren.


Würdest du dann sagen, unterschiedliche Temperamente sind ganz und gar Folge der äußeren Einflüsse?

Zitat:
Ich finde das nicht pessimistisch.


Naja wenn man sich in der Welt so umsieht...

(Dass die anderen zwei Zitate nicht von mir waren, wurde ja schon richtig gestellt. Doch auch ich halte den Titel „Schwachsinn“ nicht für gerechtfertigt und glaube es dürften sich sogar unschwer einige namhafte Forscher finden, die das ähnlich sehen wie tolwin)

Zitat:
Original von Erik van Thom:
Bis auf eine Ausnahme: es kommt darauf an, dass das Ueberleben der Gattung gesichert ist.


Überleben um jeden Preis? Wenn ich mir ansehe in welche Richtung wir momentan gehen, dann kann ich diese Ansicht nicht teilen. Ich möchte hier noch einmal auf die eingangs von mir zitierten Verse verweisen. Da kommt man schon mal ins Grübeln wie viele von uns den Titel Mensch wirklich verdienen...

Zitat:
Original von Carsten:
Also, eine echte antisoziale Persönlichkeit im engen Sinn (enger Sinn bedeutet, dass es keine einzige nichtausbeutenden Beziehung im Leben dieser Menschen gibt) ist nach allem was man weiß überhaupt nicht zu heilen oder auch nur zu bessern, mit keiner Art von Therapie.


Das würde dann auch der Ansicht von tolwin entsprechen, dass Veränderung nur in begrenzten Spielräumen stattfinden kann.

Zitat:
Kurz gesagt versucht man dabei den Teil der Persönlichkeit mit dem der Patient nicht identifiziert ist, der aber agiert wird, dem Patienten 1 zu 1 in metaphorischer Form (also nicht mit irgendwelchen technischen Ausdrücken, sondern durch Formulierungen wie: „Ich fühle mich wie ein kleines hilflosen Kind, das einem kalten, sadistischen Vater gegenüber sitzt.“) gespiegelt und zwar möglichst sofort, wenn der Therapeut die Gegenübertragung (den momentan dominanten Affekt) in sich bemerkt.


Es ist interessant, dass man hier anscheinend vor allem auf der Gefühlsebene agiert. Im Dialog mit ewig gab es ja schon die Vermutung, dass durch Belehrung und Mahnung sich nicht viel erreichen lässt.

Zitat:
aber er ist nicht in der Lage die affektive Komponente und Bedeutung zu fühlen und damit auch nicht vorherzusehen, was sie für andere Menschen bedeutet


Könnte man sagen ein vermindertes Einfühlungsvermögen ist ein Katalysator für Aggressionen, da dadurch eigene Triebe ungehinderter ausgelebt werden (also der Antagonist fehlt)?

Zitat:
Beschreibung in Tiefe


Bedeutet „Beschreibung in Tiefe“ sich in den anderen einfühlen zu können?

Schon einmal vielen Dank für die vielen Informationen!
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von Thanasius Lakon
Würdest du dann sagen, unterschiedliche Temperamente sind ganz und gar Folge der äußeren Einflüsse?

Hm... ich bin mir nicht sicher. Aber zumindest finde ich - wie bereits gesagt - dass es nicht sinnvoll ist, von einer angeborenen Ungleichheit auszugehen, insbesondere in dem zuvor genannten Sinne, dass es Menschen gäbe, die mehr, und Menschen, die weniger Fähig zu "Moral" seien. Wo solle eine solche Annahme denn hinführen?

Zitat:
Dass die anderen zwei Zitate nicht von mir waren, wurde ja schon richtig gestellt. Doch auch ich halte den Titel „Schwachsinn“ nicht für gerechtfertigt und glaube es dürften sich sogar unschwer einige namhafte Forscher finden, die das ähnlich sehen wie tolwin)

Ich finde den Titel nicht ungerechtfertigt, aber ich nahm ihn ja bereits zurück. Der Verweis auf "namhafte Forscher" sagt derweil überhaupt nichts, außer dass meine Behauptung gerechtfertigt sei, Eurozentrismus hätte insbesondere auch die Wissenschaften erfasst. Ganz abgesehen davon, dass es jede Menge "namhafter Forscher" gibt, die... nunja...
tolwin
@Thanasius Lakon

Zitat:
Sind wir also lediglich Produkt unserer Anlagen, Umwelt und Erziehung?


Bei der unheimlichen zusammenspielenden Komplexität von Wirkursachen sollte man das Wort "lediglich" erst dann gebrauchen, wenn man sie durchschaut hat. Ob das überhaupt jemals der Fall sein wird, steht noch aus.

Zu der Frage nach der ESS, solltest Du den Wiki-Artikel erneut lesen - oder gleich zu Axelrods interessantem Buch greifen. Es geht hier nicht darum einen Egoismus auszugleichen. Es wird spieltheoretisch anhand des klassischen Gefangenendilemmas aufgezeigt, daß die augenscheinlich vorherrschende Verweigerungsstrategie im Wettbewert unter bestimmten Bedingungen kooperative Strategien als stabil - d. h. ohne alternativen - herausbildet. Genauso wie der biologische Imperativ altruistische Verhaltensweisen vorbrachte, welche nicht nur komplexes Sozialverhalten (etwa dem Leben in Gemeinschaft mit Normen, Regeln - Moral) ermöglichte, sondern bereits komplexes Sozialverhalten als solches darstellt. Vor der Gefahr, darin lediglich (hier: tatsächlich lediglich) das biologische Rüstzeug zu sehen, welches dann kulturell oder sozial überformt werden kann, habe ich ja schon gesprochen. Unsere Fähigkeit zur Kooperation evolvierte ja nicht, weil wir dadurch tolle soziale Strukturen aufbauen und nur so überleben können (wie etwa die immer noch prominente Idee des Menschen als instinktreduziertem Mängelwesen). Wir leben in sozialen Gemeinschaften, weil genau diese Strategie sich als adaptiv erwies.
Altruismus findet man auch nicht nur bei höheren Säugetieren, sondern bei so ziemlich allen mehrzelligen Organismen. Die besondere Ausprägung von altruistischen Verhaltensweisen, etwa bei Primaten und insb. beim Menschen hängt dann natürlich mit dem zusammen, was Carsten bereits sagte: kognitive Fähigkeiten wie rudimentäre Erkenntnis des Fremden&Vertrauten, Emotionen, Empathiefähigkeit und natürlich eine ausdifferenzierte Symbolsprache.

@Carsten

Danke. Also dieses Standardmodell besagt vereinfacht, daß die allgemeine, insb. körperliche, Grundausstattung den "natürlichen" Boden bereitstellen. Individuelle psychische Besonderheiten wie Neigungen, Vorlieben oder Einstellungen beruhen danach ausnahmslos oder hauptsächlich auf kulturellen Eingaben.
Ich bin darauf gekommen, weil in der Bindungstheorie, die ja aus der Psychoanalyse entsprungen ist regelmässig solche Vorstellungen auftauchen. Biologisch gegeben sei eine angeborene Bindungsfähigkeit; das entscheidende Qualitäten und Formen von Bindung wären dann aber umweltbedingt. Biologisch bedingte Bindungs- und damit auch Führsorgequalitäten, (etwa als differentielles Elterninvestment) abhängig von der Geschwisterreihenfolge, dem Geschlecht oder dem Verwandtschaftsgrad, werden dabei überhaupt nicht berücksichtigt.

@Stanley Alvarez

Achso, nun wird mir einiges klar smile Die ganzen sog. Cultural-studies zu denen auch der Postkolonialismus gehört oder die häufig unsäglichen Gender-studies sind genau jene kulturalistischen Strömungen, die so langsam ausklingen. Ein Glück. Nach Jahrzehnten kultur- moral und wahrheitsrelativistischen Geschwafels, getragen von einer gehörigen Portion Selbsthass moralisch und intellektuell degenerierter Wohlstandseuropäer und Amerikaner, können nun endlich auch in den Sozialwissenschaften wieder empirische und vernünftige Winde wehen. Kein Wunder, wenn diese Texte so spät - wenn überhaupt - übersetzt werden. Die Klänge der Postmoderne schwingen immer noch nach und mit ihr Leute die sich ihr Dampfgeplauder von einigen Begeisterten vergolden lassen.
Amateur
Hallo Thanasius !


Zitat:
Könntest du diesen Gedanken vielleicht noch etwas ausführen?

Ich meinte die "Grundidee". Ich verstehe Utilitarismus wie folgt:
Es geht mir nicht um die absolute Wahrheit, sondern um die Nützlichkeit meiner Theorien. Die nützlichste Theorie überlebt.
Das ist für mich eine Evolutionstheorie der Wissenschaften.


Zitat:
Glaube nicht, dass dieses höhere Selbstwertgefühl auch den Wert der Mitmenschen höher erscheinen läßt.

Je wertvoller ich mir selber vorkomme, umso weniger Gedanken mache ich mir um die Probleme der Anderen ?
Hielten sich Hitler/Stalin/Mao... für wertvoller als Andere ?


Zitat:
Der Volksmund jedenfalls sieht das anders: „nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben“. Und ich glaube in der Psychologie gibt es Ansätze die z.B. Aggressionen aus einem verstärkten Minderwertigkeitsgefühl ableiten... Aber wie gesagt, eine nähere Untersuchung wäre sicherlich interessant.

Man könnte natürlich auch sagen, dass lediglich die "Liebesfähigkeit" notwendig ist.
Der (totale)Altruist muss also liebesfähig sein, aber liebt sich eben selbst nicht.
Weil es aber das "Totale/Absolute" nicht gibt, liebt er sich halt auch ein bischen selbst.


Zitat:
Also ist auch ein Mörder kein schlechter Mensch, solange man nur seinen Mord rechtzeitig vereiteln konnte?

Weder besser als Jene, denen der Mord noch leichter fiele, noch schlechter als Jene, die größere Hemmungen hätten.
Ich glaube schlicht:
Ich Morde nicht, weil ich erfolgreich geprägt wurde.
Im 3. Reich wäre ich vielleicht ganz anders geworden.
Bin ich also besser, wenn meine Erziehung/biologische Prägung "gelungener" war ?


Zitat:
Diese Gedanken gefallen mir gut! Jedoch würde ich den Ausgangssatz noch dahingehend einschränken, dass ich die Tat auch nur dann moralisch nennen würde, wenn sie in guter Absicht geschieht (und nicht etwa ein noch höheres egoistisches Motiv mich die Hemmnisse überwinden lässt).

Ich hoffe dass wir so erziehbar sind, dass wir ausversehen "gut" sind.
Das kann man institutionell ausnutzen:
- Wer Karriere macht, bezahlt(müßte) mehr Steuern. Er ist versehentlich stärker an Sozialleistungen beteiligt als Andere.
- Mutter Theresa erhofft sich Gottgefallen.

Stichwort Liebe:
Es scheint ja tatsächlich so, als wenn wir Moral "emotional" bewerten.
Der Altruist liebt vor Allem die Anderen. Das wirkt sympathisch.
Daher meine Hoffnung:
Erziehung zur Moral als Ergebnis des (egoistischen)"geliebt werden Wollens".

Gruß, Dein Prodiktos, der ein paar athmosphärische Sätze von Thanasios braucht, um sich weiter in Athen heimisch zu fühlen Freude
Stanley Alvarez
Zitat:
Original von tolwin
@Stanley Alvarez

Achso, nun wird mir einiges klar smile Die ganzen sog. Cultural-studies zu denen auch der Postkolonialismus gehört oder die häufig unsäglichen Gender-studies sind genau jene kulturalistischen Strömungen, die so langsam ausklingen. Ein Glück. Nach Jahrzehnten kultur- moral und wahrheitsrelativistischen Geschwafels, getragen von einer gehörigen Portion Selbsthass moralisch und intellektuell degenerierter Wohlstandseuropäer und Amerikaner, können nun endlich auch in den Sozialwissenschaften wieder empirische und vernünftige Winde wehen. Kein Wunder, wenn diese Texte so spät - wenn überhaupt - übersetzt werden. Die Klänge der Postmoderne schwingen immer noch nach und mit ihr Leute die sich ihr Dampfgeplauder von einigen Begeisterten vergolden lassen.

Na Mensch... da hätte ich mich ja meines unsachlichen Kommentars wegen gar nicht so schlecht fühlen müssen. Du topst das ganze ja noch einmal um Längen.
Du hast ja nicht ein bisschen Sachliches gesagt, und das trotz längerer Schwafelei. Ganz zu schweigen davon, dass auch das unsachliche Geschwafel schlicht falsch ist.

Aber meine Aussagen, meine Einwände bleiben stehen. Ich habe sie zwar auf Basis "postmoderner" Theorie formuliert, aber nicht mit diesen, nicht indem ich sagte: Die da sehen das so!
Also bitte...
Thanasius Lakon
Zitat:
Original von Stanley Alvarez:
Wo solle eine solche Annahme denn hinführen?


Was die Folgen davon wären weiß ich nicht genau. Mir geht es hier erstmal nur darum, Faktoren zu untersuchen, die den Menschen in seiner moralischen Entwicklung beeinflussen.

Zitat:
Original von tolwin:
kognitive Fähigkeiten wie rudimentäre Erkenntnis des Fremden&Vertrauten, Emotionen, Empathiefähigkeit und natürlich eine ausdifferenzierte Symbolsprache.


Wie immer wirken also zahllose Faktoren zusammen. Aber wo vieles zusammenkommt, da ist vielleicht auch mehr Angriffsfläche für Veränderung. Es ist nicht sehr überraschend, dass man heute ganz anders argumentiert, als die meisten Philosophen vergangener Tage. Ich danke dir für die hilfreichen Anregungen!

Zitat:
Original von Andreas:
Ich verstehe Utilitarismus wie folgt:
Es geht mir nicht um die absolute Wahrheit, sondern um die Nützlichkeit meiner Theorien. Die nützlichste Theorie überlebt.
Das ist für mich eine Evolutionstheorie der Wissenschaften.


Ok, ich hatte Utilitarismus nur als Moraltheoretisches Konzept gesehen (du nimmst ja hier den Begriff in seiner weitesten Bedeutung). Aber ist das wirklich ein vernünftiges Konzept? Wer entscheidet wann eine Theorie nützlich ist? Und würde man eine nützliche Theorie der Wahrheit wirklich vorziehen? (Ich habe hier gerade die Rassentheorien des Nationalsozialismus im Kopf, die ja ohne Frage für einige Leute sehr nützlich waren)

Zitat:
Je wertvoller ich mir selber vorkomme, umso weniger Gedanken mache ich mir um die Probleme der Anderen ?
Hielten sich Hitler/Stalin/Mao... für wertvoller als Andere ? [...]
Der (totale)Altruist muss also liebesfähig sein, aber liebt sich eben selbst nicht.


Ich glaube wir verstehen einander hier bloß falsch. Wenn ich von Selbstliebe spreche, meine ich nicht einen krankhaft gesteigerten Narzissmus, der alle anderen herabsetzt. Sondern eher ein zufrieden sein, mit dem was man ist, ein sich selbst akzeptieren können und ein daraus resultierendes gesundes Selbstbewusstsein. Einem solchen Menschen wird es m.E. leichter fallen, sich für andere einzusetzen, als einem, der sich nutzlos und überflüssig fühlt, der vielleicht Angst hat, sowieso alles falsch zu machen und immer wieder feststellen muss, das irgendwie alle anderen besser mit dem Leben zurecht kommen als er selbst.

Zitat:
Bin ich also besser, wenn meine Erziehung/biologische Prägung "gelungener" war ?


Das klingt fast nach einer Debatte um Willensfreiheit. Die typische Frage wäre nun: Wie kannst du aber unter diesen Voraussetzungen akzeptieren, dass Menschen für ihre Taten bestraft werden? Ist dann nicht letztlich niemand mehr Verantwortlich für das was er tut, da ja der Fehler immer in der schlechten Prägung liegt?

Zitat:
Daher meine Hoffnung:
Erziehung zur Moral als Ergebnis des (egoistischen)"geliebt werden Wollens".


Das ist zwar nicht das romantischste Ideal (und mein Moralbegriff müsste auch ziemlich abgespeckt werden), aber es wäre wenigstens etwas...

Zitat:
Gruß, Dein Prodiktos, der ein paar athmosphärische Sätze von Thanasios braucht, um sich weiter in Athen heimisch zu fühlen Freude


„Heimat ist der Mensch, dessen Wesen wir vernehmen und erreichen.“ Zwinker
Max Frisch
Amateur
Hallo Thanasius !


Zitat:
Ok, ich hatte Utilitarismus nur als Moraltheoretisches Konzept gesehen [..]

Weiss eigentlich gar nicht mehr, warum ich es erwähnte. Eigentlich nur eine spontane Eingebung. Fand die Ähnlichkeiten formal interessant. Aber fast off-topic...


Zitat:
Zitat:
Je wertvoller ich mir selber vorkomme, umso weniger Gedanken mache ich mir um die Probleme der Anderen ? [...]

Ich glaube wir verstehen einander hier bloß falsch. Wenn ich von Selbstliebe spreche, meine ich nicht einen krankhaft gesteigerten Narzissmus, [...]

Dann wäre also der Gedanke:
Man muss sich im "richtigen Maß" auch selber lieben können, um Andere lieben zu können.
Bin mir aber beim ganzen Liebesbegriff unsicher:
Hormongesteuerte Zuneigung ?


Zitat:
Zitat:
Bin ich also besser, wenn meine Erziehung/biologische Prägung "gelungener" war ?

Das klingt fast nach einer Debatte um Willensfreiheit. Die typische Frage wäre nun: Wie kannst du aber unter diesen Voraussetzungen akzeptieren, dass Menschen für ihre Taten bestraft werden? Ist dann nicht letztlich niemand mehr Verantwortlich für das was er tut, da ja der Fehler immer in der schlechten Prägung liegt?

Bin da selbst noch alles Andere als entschieden könnte mir aber folgendes vorstellen:
Das Ganze ist nur "ein Teil" des Spiels:
Wir müssen durch Strafandrohung die Guterzogenen(also Jene, die sich der Folgen ihres Handelns bewußt sind) vom Schlechten abhalten. Bei den schlecht Erzogenen müssen wir dann konsequent sein.

Hatte aber auch schon folgenden Gedanken:
Alle Pädophilen dürfen ein Leben lang weggesperrt werden.
Aber:
Nur in (bewachten!) Hotels, meinetwegen auch mit (bereits vorhandenem Kinderp*rno-Material):
Man nennt sie nicht schuldig, sondern gesellschaftlich unpassend.
Man bestraft sie nicht, sondern beschützt nur die Gesallschaft vor Ihnen.

Diese Güterabwegung führt zu einer Einschränkung ihrer Freiheit, aber so "erträglich" wie möglich, eventuell auch durch kompensierende Entschädigungen !?


Zitat:
„Heimat ist der Mensch, dessen Wesen wir vernehmen und erreichen.“
Max Frisch

Am Fuße der Akropolis,
flüstert mir Max frisch von der Leber,
die Dame dort, ist eine Miss,
und ich ihr Brötchengeber ??!


Prodiktos atmet Grichenluft
Thanasius Lakon
Versuch einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse:

Es scheint bei der Entwicklung von Moralität einen gewissen genetischen Faktor zu geben. Dies sind zum einen die „basalen Fähigkeiten“ die der Mensch als soziales Wesen mitbringt, zum anderen ist angeklungen, dass die Richtung, in die ein Individuum sich entwickeln wird, ebenfalls in gewisser Weise angelegt (vererbt) sein kann. (Konkret könnten sich diese Faktoren z.B. als Mutter Kind Beziehung, Suchen der Achtung und Anerkennung der Mitmenschen, gewisse Solidarität in einer geschlossenen Gruppe etc. äußern.) Da wir allerdings in verschiedenen Kulturen z.T. auch ganz unterschiedliche Werte vertreten sehen, kann dieses Begründungskonzept allein nicht ausreichen.

Neben diesen Faktoren scheint es also wesentlich für die moralische Entwicklung zu sein, in welcher Umgebung ein Mensch aufwächst und welche Werte er in seiner frühen Prägung vermittelt bekommt. Wenn der moralische Charakter in dieser Hinsicht also auch ein Produkt der Umwelt, Erziehung und Konditionierung ist, dann scheint es jedoch trotzdem so zu sein, dass ab einem gewissen Alter ein Mensch in seinem Wesen so ziemlich feststeht. Eingreifende Veränderungen, so war die Vermutung, wären dann nur noch möglich, bei sehr einschneidenden Erfahrungen bzw. bei Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung durch eine spezielle Therapie.

Weiterhin gibt es die Frage, was man überhaupt Moralität nennen kann (bzw. ob es sie eigentlich überhaupt gibt).

Kennt jemand bekannte Beispiele, wo man tatsächlich von einer nachweisbaren Veränderung des moralischen Charakters sprechen könnte?

Zitat:
Original von Andreas:
Bin mir aber beim ganzen Liebesbegriff unsicher:
Hormongesteuerte Zuneigung ?


Na gut, an dem Begriff hänge ich in diesem Zusammenhang nicht (hab ihn wahrscheinlich aus Gewohnheit benutzt). Wir können auch sagen, man muss sich akzeptieren können, oder ein positives Selbstbild haben.

Zitat:
Wir müssen durch Strafandrohung die Guterzogenen(also Jene, die sich der Folgen ihres Handelns bewußt sind) vom Schlechten abhalten. Bei den schlecht Erzogenen müssen wir dann konsequent sein.


Ich sehe schon, du hast keine sehr optimistischen Prognosen was unser Thema angeht (wenn man selbst die Guterzogenen mit Strafen regulieren muss Freude ).

Zitat:
Alle Pädophilen dürfen ein Leben lang weggesperrt werden.
Aber:
Nur in (bewachten!) Hotels [...]
Man nennt sie nicht schuldig, sondern gesellschaftlich unpassend.
Man bestraft sie nicht, sondern beschützt nur die Gesallschaft vor Ihnen.


So ähnlich funktioniert ja die geschlossene Psychiatrie oder? Ich würde auch sagen, dass es rechtens ist, jemanden der drastisch in die Persönlichkeitsrechte eines anderen eingreift, daran zu hindern (auch langfristig), nur eben so human wie möglich.

Mir ist übrigens ein Zitat von Peter Bieri wieder eingefallen: „Moralisch zu empfinden und zu handeln bedeutet, die Bedürfnisse der anderen als Gründe für mein Handeln anzuerkennen

Das kommt mir fast vor wie ein Mittelweg unserer Definitionen: es wird nicht nur auf die Resultate einer Handlung gesehen und es wird nicht verlangt, dass die moralische Handlung nicht aus einem eigenen Bedürfnis entspringen dürfe. Der Grundtenor muss nur der Dienst an meinem Mitmenschen sein.
Amateur
Hallo Thanasius !


Zitat:
Neben diesen Faktoren scheint es also wesentlich für die moralische Entwicklung zu sein, in welcher Umgebung ein Mensch aufwächst und welche Werte er in seiner frühen Prägung vermittelt bekommt.

Vielleicht könnte da die Zwillingsforschung helfen (bei getrenntem Aufwachsen). Hörte von erstaunlichen Übereinstimmungen, trotz großer Unterschiedlichkeit der jeweiligen Lebensumstände während der Kindheit.



Zitat:
Na gut, an dem Begriff hänge ich in diesem Zusammenhang nicht (hab ihn wahrscheinlich aus Gewohnheit benutzt). Wir können auch sagen, man muss sich akzeptieren können, oder ein positives Selbstbild haben.

Welche Inhalte hat aber dieses Selbstbild ?
In Italien höre ich oft, dass Viele auch eine gewisse(unterschwellige) Bewunderung für B**sconi haben.
- Wenn schon Korruption, dann ist der in ihr Erfolgreiche einfacher "cleverer" als all die Anderen.
- Wenn schon Macho, dann wenigstens noch 20-Jährige Geliebte haben ...

B**sconis Selbstbild(?): "Ich bin ein schlaues Bürschchen"


Zitat:
Das kommt mir fast vor wie ein Mittelweg unserer Definitionen: es wird nicht nur auf die Resultate einer Handlung gesehen und es wird nicht verlangt, dass die moralische Handlung nicht aus einem eigenen Bedürfnis entspringen dürfe. Der Grundtenor muss nur der Dienst an meinem Mitmenschen sein.

Genauso könnte es sein, dann allerdings:

Zitat:
„Moralisch zu empfinden und zu handeln bedeutet, die Bedürfnisse der anderen als Gründe für mein Handeln anzuerkennen“

"Moralisch Handeln": einverstanden
"Moralisch empfinden": das doch dann gerade nicht !?

Gruß Andreas

Edit:
Das italienische Staatsoberhaupt gilt als Schimpfwort ? (siehe "Sternchen")
Nicht abwegig, aber doch verblüffend Freude
Thanasius Lakon
Zitat:
Vielleicht könnte da die Zwillingsforschung helfen (bei getrenntem Aufwachsen). Hörte von erstaunlichen Übereinstimmungen, trotz großer Unterschiedlichkeit der jeweiligen Lebensumstände während der Kindheit.


Das würde also eher für die genetischen Einflüsse sprechen. Solche Studien sind ja häufig sehr umstritten. Ist dir irgendetwas Aussagekräftiges bekannt (als link oder ähnliches)?

Zitat:
Welche Inhalte hat aber dieses Selbstbild? [...]
B**sconis Selbstbild(?): "Ich bin ein schlaues Bürschchen"


Dann vielleicht so?: Ein positives Selbstbild ist zwar eine gute Voraussetzung, aber noch kein Garant für eine hohe moralische Reife? (Jemand könnte sich ja auch für schlau halten und damit gute Sachen anstellen).

Zitat:
"Moralisch empfinden": das doch dann gerade nicht !?


Warum denn nicht? Ist das nicht die Voraussetzung für moralisches handeln? (Ich nenne das Handeln moralisch, bei dem ich die Bedürfnisse eines anderen mir zu eigen mache - dass ich dann letztlich doch ein eigenes Bedürfnis damit befriedige spielt dabei keine Rolle)
Amateur
Hallo Thanasius !


Zitat:
Das würde also eher für die genetischen Einflüsse sprechen. Solche Studien sind ja häufig sehr umstritten. Ist dir irgendetwas Aussagekräftiges bekannt (als link oder ähnliches)?

Zitierte leider nur aus dem Gedächtnis, weiß nur das verblüffende "Geschmacks-Übereinstimmungen" gab. Hoffte lediglich, dass vielleicht auch Übereinstimmungen bei Kriminalitäts-Verhallten beobachtet wurden.
Problem allerdings:
Das ganze passiert einfach zu selten.


Zitat:
Dann vielleicht so?: Ein positives Selbstbild ist zwar eine gute Voraussetzung, aber noch kein Garant für eine hohe moralische Reife? (Jemand könnte sich ja auch für schlau halten und damit gute Sachen anstellen).

Was aber dann nicht an seinem Selbstbild liegen müßte.
Anderes Beispiel:
"Ich bin selbst ein Nichts, aber Adolf ist Alles. Also ziehe iich für ihn in den Krieg, bin auch bereit für ihn zu sterben ..."

Nationalsozialistische ""Moral"": "Super Typ"

UND: Altruistisch !?


Zitat:
Zitat:
"Moralisch empfinden": das doch dann gerade nicht !?

Warum denn nicht? Ist das nicht die Voraussetzung für moralisches handeln? (Ich nenne das Handeln moralisch, bei dem ich die Bedürfnisse eines anderen mir zu eigen mache - dass ich dann letztlich doch ein eigenes Bedürfnis damit befriedige spielt dabei keine Rolle)

Ich schwimme noch sehr im Thema (beim letzten hatte ich mir ja schon zuvor viel mehr Gedanken gemacht.)
Du hast also Recht, hatte nur (gefühlsmäßig) "argumentiert":
empfinden "=" wahrlich moralisch
denken "=" taktisch moralisch


allgemein:
Mir schwirrt schon wieder der Kopf:
Alles Metaphysik: "Was ist das Wesen des Menschen"

Meine Beobachtung(bzw. meine Mini-Mini-Theorie):
- Klein-Kinder sind Egoisten.
- Kinder sind durch Erwachsene "unterdrückt" (nach eigenem subjektiven Empfinden)
- Sie haben objektiv weniger Rechte.
- Es entsteht ein "Ungerechtigkeitsgefühl" => Es entsteht ein "Gerechtigkeitsgefühl"
- Moral = differenzierter "Gerechtigkeitsbegriff " ?

Vermutlich aber nur Ausdruck meiner "Versimplifizierungs-Begeisterung"

Gruß Andreas
Thanasius Lakon
Hallo Andreas

Zitat:
Mir schwirrt schon wieder der Kopf


Ich merke ebenfalls, dass wir hier gerade etwas ins Stocken kommen. Ich würde das Thema deshalb jetzt gern mal in eine etwas andere Richtung lenken. Ich habe dazu gerade einen zweiten Thread eröffnet, der mit diesem hier in direkter Verbindung steht und hoffe, dass du noch Lust hast, ihn dir wenigstens mal anzusehen.

Zitat:
Meine Beobachtung(bzw. meine Mini-Mini-Theorie):
- Klein-Kinder sind Egoisten.
- Kinder sind durch Erwachsene "unterdrückt" (nach eigenem subjektiven Empfinden)
- Sie haben objektiv weniger Rechte.
- Es entsteht ein "Ungerechtigkeitsgefühl" => Es entsteht ein "Gerechtigkeitsgefühl"
- Moral = differenzierter "Gerechtigkeitsbegriff " ?


Dazu würde mir vor allem das Konzept der moralischen Entwicklung nach Kohlberg und Piaget einfallen (ich glaube die haben sogar ähnlich formuliert).

Gruß (ein für viele Beiträge dankbarer) Thanasios Freude
Amateur
Hallo Thanasios !


Zitat:
Ich habe dazu gerade einen zweiten Thread eröffnet, der mit diesem hier in direkter Verbindung steht und hoffe, dass du noch Lust hast, ihn dir wenigstens mal anzusehen.

Na immer !


Zitat:
(ich glaube die haben sogar ähnlich formuliert).

Das wäre reiner Zufall, hoffe Du glaubst nicht, dass ich mich hier mit fremden Federn schmücke.
Fand das Ganze eher so simpel, dass ich gedacht hätte, Du würdest es als zu vereinfachend ablehen. Freude

Gruß
Andreas