Nomade
Das Projekt der Postmoderne lautet: Pluralität.
Zu unterscheiden ist dabei einerseits Pluralität als
(1) Befund (=deskriptiv) und andererseits als
(2) Forderung (=normativ).
Ausgehend von dem Begriff der Inkommensurabilität kommen Postmodernisten zu dem Schluss, dass zwischen verschiedenen Wissensformen, Lebensformen, Handlungsmustern, Rationalitäten, Diskursen, Kulturen usw. keine(r) gegenüber den anderen ausgezeichnet werden kann, da eine Metaposition zur Entscheidung nicht zur Verfügung steht.
Daraus folgt nicht selten die Forderung, die Pluralität dieser verschiedenen Deutungsmuster in Form ihrer Gleichwertigkeit anzuerkennen.
Höhepunkt der postmodernen Konstatierungen ist diejenige, nach der Wahrheit sowie Vernunft überhaupt von nun an im Plural stehen müssen.
Diese (zugegebenermaßen sehr kurze) Darstellung des Projektes der Postmoderne enthält meiner Meinung nach bereits zwei kritische Punkte
(1) das Inkommensurabilitätstheorem
Bereits in der Wissenschaftstheorie, von der das Theorem seinen Weg in die Postmoderne fand, hat sich der Gebrauch des Inkommensurabilitätsbegriff bereits als äußerst unglücklich erwiesen.
Vor allem wurde er aber auch unglücklich in die postmoderne Philosophie importiert.
Während es in den Wissenschaften möglicherweise noch als Novum betrachtet wurde, dass wissenschaftliche Theorien unvergleichbar sind, obwohl gewisse Begriffe zwar in beiden Theorien als zentral auftauchen, aber eben ganz verschiedene Sachverhalte beschreiben, ist die Feststellung, der ethische, ästhetische und wissenschaftliche Diskurs seien inkommensurabel, da sie über ganz verschiedene Dinge sprechen, nicht mehr als eine Trivialität.
(2) die Synonymie
Ganz munter schmeißen die Postmodernisten Synonyme durcheinander. Von der Inkommensurabilität wissenschaftlicher Theorien und der Irreduzibiltät von Sprachspielen schließen sie auch auf die prinzipielle Pluralität von Diskursen, Rationalitäten, Kulturen usw. ohne die Übergänge von beispielsweise Sprachspielen zu Rationalitäten näher zu erläutern.
Die Frage an den Leser:
Gibt es prinzipiell verschiedene Formen der Rationalität? Und wenn ja, kann jemand vielleicht ein Beispiel angeben?
Gruß,
Nomade
barbara
ich frag mich ob ich jemals bei einem Postmodernen einen so einfachen und normalen Satz lesen werde wie "der Mann isst gerne Kartoffeln". Aber ich glaube, meine Chancen stehen sehr gering.
Zur Frage: ich gehe davon aus, dass es nur eine Rationalität gibt - Rationalität ist ein Werkzeug, das man lernen und beherrschen kann, das Sammeln von Daten, das logische Verknüpfen derselben und so weiter - was natürlich verschieden kann, sind die Ziele. Ziele werden ja selten bis nie aufgrund von Rationalität gewählt, sondern aufgrund von Gefühl, Entscheidung, Vorlieben etc. und so kann es sein, dass aus ein und demselben Datensatz verschiedene Menschen ganz verschiedene Schlüsse ziehen und verschiedene Handlungen in die Wege leiten - weil sie verschiedene Ziele haben. Und nicht weil sie unterschiedliche Rationalitäten benutzen.
grüsse, barbara
Zanderdan
Du hast das Projekt der Postmoderne glaube ich sehr modern dargestellt, als ob es bei der Forderung nach Pluralität um eine beweisbare Angelegenheit ginge, die aus Prämissen wie der Inkommensurabilität etc. folgen würde. Das würde wohl aber einen Rahmen voraussetzen, den die Postmoderne nun gerade verneint. Deshalb scheint es mir sinnvoller, sie als Negativum im Kontrast zur Moderne zu beschreiben, der sie dem Namen nach ja auch nachfolgt, oder die sie sogar überwindet. Noch kürzer als bei dir: die Moderne als Suche nach der verloren geglaubten Einheit, die Postmoderne als Aufgabe dieser Suche. Man kann nun die Pluralitätsforderungen auch verstehen, als Aufgabe dieser Illusion von der nur zeitweise verlorenen Einheit, überhaupt von Einheitsillusionen, ohne dass damit gleich eine Beweispflicht für Pluralitäten der Vernunft etc. entstünde. Glaube ich zumindest.
Unglücklich ist der Begriff der Inkommensurabilität trotzdem, das meine ich auch; er scheint mir schon bei Kuhn das Gedankengebäude nicht zu tragen; dass er exportiert nun noch weniger haltbar sein soll glaube ich unbesehen.
Keine Zeit mehr. Gruss
Stanley Alvarez
| Zitat: |
Original von Nomade
Das Projekt der Postmoderne lautet: Pluralität.
... |
Und dem Entgegen hältst du jetzt die künstliche Vereinheitlichung einer vermeintlichen "postmodernen Philosophie"?
Es gibt nicht "
das Projekt der Postmoderne", da es auch nicht "
die postmoderne Philosophie" gibt, sondern höchstens, ganz im Sinne der "Pluralität", die "postmodernen Philosophien".
Wenn du von "Pluralität" sprichst, dann meinst du vermutlich die Differenztheorie, oder?
| Zitat: |
| Gibt es prinzipiell verschiedene Formen der Rationalität? Und wenn ja, kann jemand vielleicht ein Beispiel angeben? |
Die Frage bzgl. Rationalität(en) möchte ich allerdings nicht mit Derrida, sondern mit Foucault beantworten:
Sicher gibt es verschiedene Rationalitäten, aber nein, es ist schwer, ein Beispiel dafür zu geben, da wir nicht aus "unserer" Rationalität herauskommen. Dennoch: In historischer Perspektive hat Michel Foucault diesen Versuch in "Die Ordnung der Dinge" ja gewagt.
Nomade
Hallo,
ich denke angesichts der Kürze meines Einführungsbeitrages ist es selbstverständlich, dass ich nicht glaube in wenigen Zeilen die Positionen der verschiedenen postmodernen Philosophen rekonstruiert zu haben. Stattdessen habe ich nur einen, aber immerhin wesentlichen Punkt herausgegriffen, den ich für durchaus diskussionswürdig erachte.
Und wie barbara bin ich zumindestens im Moment der Meinung, dass es nur eine Rationalität gibt. Die paradigmatische Unterscheidung der postmodernen Philosophen in kognitiven, ethischen und ästhetischen Diskurs, der jeweils eigenen Sprachspielen folgt, rechtfertigt für mich noch nicht, von verschiedenen Rationalitäten zu sprechen.
| Zitat: |
| Sicher gibt es verschiedene Rationalitäten |
Woher nimmst du die Sicherheit dieser Behauptung?
@Zanderdan
Ich glaube schon, dass die postmoderne Philosophie Pluralität nicht nur konstatieren, sondern auch durch argumentative Erörterung begründen möchte. Und eben die Überprüfung der Prämissen und Schlüsse führt hoffentlich für mich zu einem besseren Verständnis derselben.
Gruß,
Nomade
Stanley Alvarez
| Zitat: |
Original von Nomade
Und wie barbara bin ich zumindestens im Moment der Meinung, dass es nur eine Rationalität gibt. Die paradigmatische Unterscheidung der postmodernen Philosophen in kognitiven, ethischen und ästhetischen Diskurs, der jeweils eigenen Sprachspielen folgt, rechtfertigt für mich noch nicht, von verschiedenen Rationalitäten zu sprechen.
| Zitat: |
| Sicher gibt es verschiedene Rationalitäten |
Woher nimmst du die Sicherheit dieser Behauptung? |
Das habe ich doch gesagt: Von Foucault, der nicht zuletzt in "Die Ordnung der Dinge" aufzeigt, dass es seit der frühen Neuzeit drei oder vier verschiedene Wissensdispositive mit ihren je eigenen Rationalitäten gegeben hat.
Aber wie gesagt, ich nehme an, dass du eher von der Derrida'schen "Postmoderne" ausgehst, der Verweis auf "Sprachspiele" und sowas bestätigt diese Annahme ja. Die Foucault'sche Tradition ist da schon noch eine andere.
Es gibt also hier schon mindestens zwei Formen "postmoderner" Herangehensweise, die eben nicht so einfach über einen Kamm zu scheren sind.
Edith:
bzgl. Rationalität ist ja schon das anfängliche Beispiel in "Die Ordnung der Dinge" recht hübsch, auch wenn es evtl. nicht real ist (weiß ich nicht so genau):
| Zitat: |
Dieses Buch hat seine Entstehung einem Text von Borges zu verdanken. Dem Lachen, das bei seiner Lektüre alle Vertrautheiten unseres Denkens aufrüttelt, das Denken unserer Zeit und unseres Raumes, das alle geordneten Oberflächen und alle Pläne erschüttert, die für uns die zahlenmäßige Zunahme der Lebewesen klug erscheinen lassen und unsere tausendjährige Handhabung des Gleichen und des Anderen schwanken lässt und in Unruhe versetzt. Dieser Text zitiert "eine gewisse chinesische Enzyklopädie", in der es heißt, dass "die Tiere sich wie folgt gruppieren: a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen" [aus: Jorge Luis Borges, Die analytische Sprache John Wilkins', in: ders., Das Eine und die Vielen. Essays zur Literatur, München 1966, S. 212] Bei dem Erstaunen über diese Taxinomie erreicht man mit einem Sprung, was in dieser Aufzählung nun als der exotische Zauber eines anderen Denkens bezeichnet wird - die Grenze unseres Denkens: die schiere Unmöglichkeit, das zu denken.
Quelle: Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge, Frankfurt a.M. 1971, S. 17. |
Tarvoc
| Zitat: |
Original von barbara
ich frag mich ob ich jemals bei einem Postmodernen einen so einfachen und normalen Satz lesen werde wie "der Mann isst gerne Kartoffeln". Aber ich glaube, meine Chancen stehen sehr gering.
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Ein Postmoderner würde eher sowas sagen:
Wenn wir einmal für einen Augenblick die metaphysische Behauptung annehmen, dass die Worte unserer Sprache auf Vorgänge und "Dinge" "da draußen" "in der Welt" referieren, können wir dann nicht, innerhalb der Beschränkungen des Dispositivs unserer diskursiven Struktur, die Hypothese wagen, dass "dieser" "Mann" "gerne" "Kartoffeln" "isst"?
Daedron
Problematisch ist sicherlich für den unkonventionell denkenden, dass Begriffe immer schon Konventionen sind. Was wir aus der historischen Analyse der Philosophen doch sehen, ist, dass sich auch die Bedeutungen der Begriffe ständig verschieben.
Begriffe aber sind durch eine Gruppe von Menschen geprägt. - Was will der unkonventionelle Denker also machen, wenn ihm die Worte fehlen? Er kann sich höchstens noch in Metaphern ausdrücken, und die konnotationen ähnlicher Begriffe durch künstlerische Verschiebung ihrer Bedeutung an das, was er ausdrücken möchte heranbringen.
Damit verändert er die Sprache und ist schwer zu verstehen.
Jedenfalls - was ich in Kürze nicht erörtern kann - sind die Philosophen zu dem Schluss gekommen, dass es verschiedene "typen" von Menschen geben mag, und jede universelle Philosophie daher tschandala wäre. Wir würden aus Individuen Dividuen machen... .
Vor allem aber berufen sie sich auf die Semiotik, wonach die Welt im Grunde aus Zeichen oder ästhetischen Phänomenen besteht, und es daher vielerlei Ausdeutungsmöglichkeiten gibt.
Vielleicht waren sie auch inspiriert von Nietzsches Forderung nach individueller virtú (,aber wohl definitiv von diesem Text (oder jenen Philosophen, die dasselbe wie er rausfanden, wie der Wiener Kreis*, Goodman, Putnam, Davidson, ...):
http://www.textlog.de/455.html ).
* Wichtig: Die Gödelsche Unvollständigkeitstheorie, wo
mathematisch nachgewiesen wurde, dass jedes komplexere System entweder inkonsistent ist, oder Aussagen besitzt, die nicht bewiesen werden können. So kommen die postmodernen auch dazu, das Paradoxe zu akzeptieren oder gar als Ausgangspunkt ihrer Philosophie zu nehmen..
Stanley Alvarez
Ich stör mich immernoch an der Vereinheitlichung "Die Postmodernen". Strittig ist ja schon, ob es überhaupt postmoderne Philosophien gibt.
Daedron
und ich werde weiterhin verschweigen, was ich dazu denke.
Nomade
Hallo,
die Ausführungen Foucaults habe ich bis jetzt immer als Angriff auf einen Positivismus, der die begriffs- und gegenstandskonstitutiven Prinzipien ausblendet, verstanden.
Dass sich die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen mit den Fragestellungen, Taxonomien, Begriffen usw. verändern, die Ordnung der Dinge also nicht ein für alle mal feststeht, sondern variieren kann, rechtfertigt zunächst (für mich) noch nicht die Annahme, es gebe verschiedene Rationalitäten.
Ähnlich sieht's mit den Bedeutungen aus. Klar können die sich verschieben, bleiben damit doch aber prinzipiell erkennbar. Interessant wird die Pluralitätshypothese an der Stelle, an der eben wie von Foucault behauptet wird, aus zeitlich-räumlicher Distanz wäre eine solche Einteilung gar nicht erst zu denken gewesen. Aber selbst da, scheint mir ja durch eine historisch orientierte Epistemologie der Zugang nicht prinzipiell versperrt zu sein.
Wenn sich also schließlich an keiner Stelle eine unüberwindbare Differenz aufweisen lässt, betonen die Postmodernen den falschen Aspekt und es gilt wieder nach Integration (wenigstens im normativen Sinn) zu streben.
Gruß,
Nomade
barbara
| Zitat: |
Original von Tarvoc
| Zitat: |
Original von barbara
ich frag mich ob ich jemals bei einem Postmodernen einen so einfachen und normalen Satz lesen werde wie "der Mann isst gerne Kartoffeln". Aber ich glaube, meine Chancen stehen sehr gering.
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Ein Postmoderner würde eher sowas sagen: Wenn wir einmal für einen Augenblick die metaphysische Behauptung annehmen, dass die Worte unserer Sprache auf Vorgänge und "Dinge" "da draußen" "in der Welt" referieren, können wir dann nicht, innerhalb der Beschränkungen des Dispositivs unserer diskursiven Struktur, die Hypothese wagen, dass "dieser" "Mann" "gerne" "Kartoffeln" "isst"?
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ja eben, vermutlich kommen die vor lauter Diskurs gar nie dazu zu kochen.
aber da ich mir solche Gespräche eh immer in den Gemächern von Schloss Versailles vorstelle, wo "die Welt da draussen" nicht die geringste Rolle spielt und die Herren Lacan und Derrida und Foucault sich gepflegt diskurdieren und dekonstruieren, in der ehrenwerten Tradition komplexer Hofintrigen und subtil-eleganter Andeutungen und Sprechspiele von Sonnenkönigen, sind's wohl sowieso die Bediensteten, die in der Küche stehen und sich an sowas Profanem wie heissen Pfannen hin und wieder die Finger verbrennen, wie das beim Kochen eben so passieren kann.
Ich glaub, ich müsste das mal auf Französisch lesen, aber nur schon bei Foucault häng ich immer wieder mal ab...
grüsse, barbara
tolwin
Und hier - für alle, die ihn noch nicht kennen sollten - der
Postmodernism Generator. Schon der erste Knopfdruck erzeugt einen publikationstauglichen Text (natürlich beliebig wiederholbar), der von jedem freilich völlig anders gelesen wird
Stanley Alvarez
| Zitat: |
Original von barbara
aber da ich mir solche Gespräche eh immer in den Gemächern von Schloss Versailles vorstelle, wo "die Welt da draussen" nicht die geringste Rolle spielt und die Herren Lacan und Derrida und Foucault sich gepflegt diskurdieren und dekonstruieren, in der ehrenwerten Tradition komplexer Hofintrigen und subtil-eleganter Andeutungen und Sprechspiele von Sonnenkönigen, sind's wohl sowieso die Bediensteten, die in der Küche stehen und sich an sowas Profanem wie heissen Pfannen hin und wieder die Finger verbrennen, wie das beim Kochen eben so passieren kann. |
*lach* Also ganz ehrlich, wenigstens Foucault tust du damit mehr als Unrecht. Foucault kann man ja alles Mögliche vorwerfen, aber dass er Elfenbeinturm-Philosophie betrieben hätte, ist nun wirklich Quatsch. Er war gesellschaftlich äußerst engagiert und seine Theorien standen in direktem Bezug zu diesem Engagement ("Überwachen und Strafen" enstand beispielsweise im Zuge seines Engagements innerhalb der Groupe d'information sur les prisons, die die französische Strafpraxis und die Gefängnisse massiv anprangerte).
barbara
ja da hast du einen Punkt, Foucalt ist nicht so weltfremd wie andere. "Überwachen und Strafen" ist schon interessant, auch erhellend, aber seit fünf Jahren lese ich dran und bin immer noch nicht über die Hälfte hinweg gekommen, irgendwie leg ich das Buch immer wieder weg. Mit den besten Vorsätzen, natürlich, weiterzulesen. Moment mal, wo hab ich's schon wieder hingelegt...?
grüsse, barbara
Tarvoc
| Zitat: |
Original von barbara
die Herren Lacan und Derrida und Foucault |
Ja, guck. Da fängt's ja schon an. Lacan gehört weder zum Poststrukturalismus noch zur Postmoderne...
Stanley Alvarez
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Original von Tarvoc
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Original von barbara
die Herren Lacan und Derrida und Foucault |
Ja, guck. Da fängt's ja schon an. Lacan gehört weder zum Poststrukturalismus noch zur Postmoderne... |
bzgl. Poststruk ist Lacan Grenzwertig. Er ist zwar überzeugter Strukturalist, aber selbst schon ein wenig Post.
Ob er oder Derrida oder Foucault nun zur "Postmoderne" gehören kommt wohl drauf an, was die "Postmoderne" ist... das ist ja noch recht offen.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Stanley Alvarez
Er ist zwar überzeugter Strukturalist, aber selbst schon ein wenig Post.
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Lacan bewegte sich zwar auch vom Strukturalismus weg, aber in eine ganz andere Richtung als der Poststrukturalismus.
Stanley Alvarez
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Original von Tarvoc
| Zitat: |
Original von Stanley Alvarez
Er ist zwar überzeugter Strukturalist, aber selbst schon ein wenig Post.
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Lacan bewegte sich zwar auch vom Strukturalismus weg, aber in eine ganz andere Richtung als der Poststrukturalismus. |
Die Sammelbezeichnung "Poststrukturalismus" ist schon problematisch genug. Die einzige Legitimation erhält der Begriff aus dem Umstand, dass seine "Vertreter" vom Strukturalismus ausgehend diesen kritisiert und "überwunden" haben. Das macht eben das "Post-" aus. Jedwede Definition von Poststruk, die darüber hinaus geht, ist ein vereinfachendes "über einen Kamm scheren".
Lacan ist in sofern grenzwertig, als er eben durchaus Probleme im Strukturalismuskonzept entdeckt hat. Nur das Konzept selbst hat er nicht in Frage gestellt, geschweige denn zu überwinden versucht.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Stanley Alvarez
Nur das Konzept selbst hat er nicht in Frage gestellt, geschweige denn zu überwinden versucht. |
Na und? Poststrukturalismus als eine "Überwindung" des Strukturalismus zu lesen verfehlt völlig den Punkt. Derrida beispielsweise hat versucht,
the very notion of "Überwindung" bzw. Aufhebung loszuwerden.
Abgesehen davon gibt es Elemente an Lacans Psychoanalyse, die den strukturalistischen Rahmen völlig sprengen, ohne auch nur im Ansatz mit
irgendeiner poststrukturalistischen Stoßrichtung vereinbar zu sein.
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