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| Original von Stanley AlvarezVielleicht kannst du ja mal an einem Beispiel erläutern, was genau du dir davon versprichst, würde dieses Gedankenexperiment realisiert werden. |
Ganz einfach: Eine - im Sinne der Fairness - gerechtere Welt

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Aber stellen wir uns doch einfach jemanden vor, der vollkommen moralisch handelt (ermittelt mit dem "perfekten" Testverfahren). Sollte man so einem mehr Privilegien übertragen bzw. sollte man anderen diese entziehen, wenn sie weniger gut moralisch handeln? Man kann davon ausgehen, dass jemand, der immer vollkommen moralisch handelt, seine Macht nicht gegen andere einsetzen wird. Andere aber, die weniger gut moralisch handeln, kämen so nicht in die Lage, Macht zu missbrauchen.
Vielleicht hilft es, wenn ich begründe, warum mich die Frage interessiert. Nun, alles mögliche wird getestet und abgefragt, gilt es, eine bestimmte - höher dotierte - Stelle zu besetzen. Nur nicht, ob die Bewerber auch moralisch kompetent sind (ich weiß, das hört sich merkwürdig an). Ich glaube, der Grund dieser Verfahrensweise liegt darin, dass Arbeitgeber mit der Anstellung bestimmter Leute ja bestimmte Ziele verfolgen und diese liegen nun einmal nicht darin, ihr Unternehmen etc. moralisch zu optimieren (weil dieses in unserer Welt dann wahrscheinlich bankrott gehen würde). Deswegen gibt es vielleicht im Bereich der Entwicklung moralischer Testverfahren relativ wenig Forschung: Weil der Bedarf bzw. die Nachfrage einfach nicht vorhanden ist und - damit verbunden - der Fokus unserer Gesellschaft auch nicht darauf liegt, diese Welt gerechter zu machen, sondern darauf, sein eigenes Wohl zu vermehren (und dies mittels kruder Ideologien wie z. B. dem liberalistischen Modell zu rationalisieren)...
Um aber den Druck zu erhöhen, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen, ist es meine Idee, die Vergabe von Privilegien an ein bestimmtes moralisches Niveau zu knüpfen, welches jemand erreichen muss, bevor er jene in Anspruch nehmen darf. Ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung wäre es dann so, dass jemand, der z. B. Ingenieur werden möchte, vorher gezeigt haben muss, dass ihm das Konstruieren von Waffen zutiefst zuwider ist und er es deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals veranstalten wird. Damit gäbe es irgendwann keine Ingenieure mehr, die Waffen konstruieren. Und da niemand anderes dies kann, wird es irgendwann auch keine Waffen mehr geben (ich weiß, das Beispiel ist stark vereinfacht, aber das spielt hier jetzt keine Rolle). Oder nehmen wir einen Arzt: Auch dieser müsste, bevor er praktizieren darf, oder schon bevor er Medizin studieren darf, einen moralischen Test positiv absolvieren, z. B. um zu verhindern, dass er sich später der Pharmaindustrie verschreibt oder andere unlautere Dinge treibt.
Dies alles würde den Druck, sich mit moralischen Fragen beschäftigen zu müssen, erhöhen. Derzeit besteht solch ein Druck nicht. Aber auf anderen Gebieten besteht er: Man braucht z. B. einen guten NC, um Medizin studieren zu können. D. h., Selektion wird bereits betrieben, jedoch auf Grundlage m. E. größtenteils irrelevanter Kriterien (abgesehen von bestimmten Berufen, z. B. Pilot). Die Gesellschaft fordert also tatsächlich einiges von uns, aus meinem Befinden jedoch nicht wirklich wesentliches. So wird z. B. nicht gefordert, dass jemand - obwohl er ein Auto nutzt - weiß, auf welche Art er damit die Umwelt schädigt (er kann es dennoch nutzen). Oder, dass wenn jemand aus dem Atlantischen Ozean gefangenen Fisch verspeisen will, sein Bewusstsein darüber, dass dies die Wirtschaft Afrikas schwächt (weil dort aufgrund der mit EU-Mitteln subventionierten Überfischung die heimischen Fischer nichts mehr abfischen können) nachweisen muss. Er kann den Fisch dennoch konsumieren. D. h., Menschen dürfen fast alles tun, obwohl sie zumeist keinerlei Gedanken daran verschwenden müssen, was ihr Verhalten bedeuten kann. Es gibt diesbezüglich keinen moralischen Druck, wobei wir bei vielen anderen Dingen (siehe NC beim Medizinstudium) Druck (aber eben in anderer Form) akzeptieren... Deshalb mein Vorschlag: Moralischen Druck erhöhen, wenn man Privilegien (Auto fahren, Fisch essen) in Anspruch nehmen will. Und um dies noch mehr zuzuspitzen: Wer sich moralisch nicht entwickeln will, sollte zwar von der Gesellschaft irgendwie durchgebracht werden, dürfte aber aus meiner Sicht nicht teilhaben an zivilisatorischen Errungenschaften. Wer sich nicht damit beschäftigen möchte, was sein Handeln für andere (und damit meine ich auch Tiere und die Umwelt) bedeutet, hat es aus meiner Sicht eben auch (noch) nicht verdient, bestimmte damit in Verbindung stehende Privilegien zu nutzen. Wem egal ist, was Atomstrom bedeutet, wem egal ist, woher seine Nahrungsmittel kommen und unter welchen Bedingungen diese produziert worden, wem egal ist, was die Herstellung seines Computers für Minenarbeiter in Afrika bedeutet (wg. der im Computer eingesetzen seltenen Materialien wie z. B. Gold, welches ja auch abgebaut werden muss)... etc., der sollte aus meiner Sicht diese Dinge auch nicht mehr in Anspruch nehmen dürfen. Wem dies aber nicht egal ist, der wird sie vielleicht auch freiwillig nicht nutzen wollen - aus moralischen Gründen. Damit würde die Welt m. E. gerechter im Sinne der Fairness und Rücksichtnahme.
Mir geht es hierbei nicht um die Bildung einer Elite in die man nicht aufsteigen kann! Ganz im Gegenteil: Durch Kurse etc. könnte jeder sein moralisches Denken und Urteilen etc. perfektionieren (ich weiß, das ist alles nur fiktiv). Wir lernen in der Schule derzeit alles mögliche, jedoch aus meiner Sicht nichts wirklich fundamentales. Das Gedankenexperiment des perfekten Testverfahrens soll hierbei einfach dazu dienen, den Blick für das m. E. wirklich zentrale zu entwickeln.
Soviel zu meiner Motivation...
Die Frage ist nun: Was spricht gegen ein derartiges Vorgehen? Das interessiert mich wirklich sehr, weil ich bisher noch keine dagegen sprechende Gründe gefunden habe...