Fairness - Sport

chosen
zuerst einmal bin ich mir unsicher, ob das hier der richtige forenbereich ist und ob ihr mit der geschichte, die ich gleich schildern werde, überhaupt was anfangen könnt. ich hoffe es aber trotzdem, weil das für mich momentan ein kleines problem ist.

in einer stadt findet ein mal im monat ein kletter-wettbewerb statt. es treten diverse leute eines sportclubs, zu dem nur leistungsmäßig grandiose leute zugang haben, an. die partien werden 1 gegen 1 gespielt, jeder spielt einmal gegen jeden.

anmerkung: nicht jeder darf teilnehmen

die ganzen bewohner der stadt schauen zu und ausserdem trägt jeder sportler ein trikot mit werbung darauf. der gewinner bekommt eine große belohnung.
anmerkung: also es gibt verschiedene hintergründe, weshalb dieser wettbewerb existiert.

der wettbewerb besteht darin, einen berg zu erklimmen. dabei starten beide teilnehmer zur selben zeit, können sich aber trotzdem nicht behindern, da sie durchsichtig (nicht aber unsichtbar!) sind. es gibt verschiedene faktoren, weshalb jemand gewinnt. zum beispiel glück, da es überall versteckte schlangen gibt, die einen beim klettern in die hand beissen. aber auch glück beim können, da manche sprünge unmenschlich schwer sind und es dadurch neben können auch auf glück ankommt, sie zu schaffen.

diese unmenschlich schweren sprünge, von denen es auf dem berg diverse gibt, stellen ein problem dar: sollte es einen klaren favoriten geben, der weit vorne liegt, dem aber nun ein unmenschlicher sprung bevorsteht, könnte er diesen, obwohl er ansonsten bei weitem geführt hat und konstanter und schneller geklettert ist, nicht schaffen und somit herunterfallen. unten befindet sich ein netz das ihn auffängt, aber natürlich muss er den gesamten weg, oder zumindest einen teil davon, erneut bestreiten. dadurch würde der eigentlich "schlechtere" sportler plötzlich stark führen und in den meisten fällen gewinnen. es sei noch angemerkt, dass die zeit pro wettkampf immer 5minuten beträgt, der berg aber sowieso nicht unter 15min schaffbar ist.

jedoch könnte man auch strategisch spielen und der sportler, der führt, könnte, sobald ihm einer dieser unmenschlich schweren sprünge bevorsteht, einfach warten und hoffen, dass die zeit abläuft, bevor er eingeholt wird.

jedoch steht dem eine regel im weg, die besagt, dass man nicht länger als 7 sekunden "warten" darf. im moment diskutiert die ganze stadt über diese regel und das ist ein sehr kontroverses thema.

es gibt vertretbare argumente bei beiden positionen, was zu großer uneinigkeit führt.

argumente gegen die 7-sekunden-regel:

-es gehört einfach zum sport, zu entscheiden, ob man defensiv oder offensiv spielt

-durch den zwang, die unmenschlichen sprünge versuchen zu müssen wird der faktor glück unweigerlich in den wettkampf miteingebaut und dadurch ist der gewinner nicht immer der bessere sportler

-


argumente pro 7-sekuden-regel:

-es fördert die schwächeren sportler und sorgt damit für ausgeglichenheit

-es ist schlicht und einfach unsportlich, zu warten

-


und natürliche viele mehr auf beiden seiten-


was meint ihr dazu?
chosen
war klar dass es nichts wird...
Shui
Zitat:
war klar dass es nichts wird...

Was für eine Einstellung.. Aber ich geb zu, ohne den Sinnlospost hätte ich den Thread übersehen (also habe ihn erst jetzt entdeckt).


Die Bevorteilung von schlechten Sportlern in einem sportlichen Wettkampf ist Blödsinn.
Die beste Regelung wäre, wenn NICHT der aktuelleStandort, sondern die vorderste Position gewertet wird. Sprich, wenn jemand den Sprung nicht schafft, wird die Stelle vor dem Sprung als seine Leistung notiert und nicht etwa die Stelle, an welcher er sich nach dem Scheitern befand.

Es ist ansonsten genauso Blödsinnig wie die Regel, dass man in Monopoly aus dem Gefängnis heraus Einnahmen generieren kann. Ab einem gewissen Punkt im Spiel ist man dadurch im Vorteil, wenn man oft ins Gefängnis kommt, was vollkommener Stuss ist.

In Gesellschaftspielen sind gewisse Glücksfaktoren üblich, jedes Spiel mit einem Würfel besitzt sie. Das alles sind aber? Richtig, Spiele. Ein Wettkampf jedoch sollte einzig und allein von den Fähigkeiten der Teilnehmer beeinflusst werden, nicht von Glück. Und es sollte schon garnicht notwendig sein eine Führungsposition riskieren zu müssen.


Aber um ehrlich zu sein: Es gibt eine ganz einfache Lösung.
Offensichtlich ist der bessere Sportler im Nachteil, weil er einen großen Vorsprung aufbaut, aber an Engpässen nicht warten darf und dadurch seinen Vorpsrung riskiert, ja eventuell gar zurück fällt.
Die Lösung ist einfach und simpel: BAU KEINEN VORSPRUNG AUF!
Wenn man weniger als 7sek vorne liegt, sich eventuell absichtlich zurück fallen lässt, um mit einem Endspurt den Sieg zu holen, umgeht man das gesamte Risiko der Sprünge. Schafft der Gegner einen Sprung nicht, hat man kein Risiko, weil man selbst schlimmstenfalls herunter fällt und dann immernoch aufholen kann. Schafft er den Sprung, dann hat man wenigstens Gewissheit, dass man ihn auch schaffen muss. Vorher bestand das Risiko, dass man am Sprung scheitert und der gegner diesen nicht einmal absolvieren muss, dass er langsam war wird also bevorteilt. Nun gelten selbe Ausgangssituationen, weil man selbst keinen Sprung machen muss, den der Gegner nicht einmal erreicht.

Die Ironie: Beide Sportler werden sich hüten überhaupt einen der Sprünge innerhalb der Zeit zu erreichen, was bedeutet, dass es nicht darum geht möglichst schnell zu sein, sondern darum in genau 4:54 Minuten zum ersten unmenschlichen Sprung zu gelangen.
chosen
die frage ist nur, ob das wirklich ausschließlich ein wettkampf ist, oder, ob auch spaß für die teilnehmer sowie unterhaltung für die zuschauer eine rolle spielen. nur wie geht man der sache auf den grund?

die teilnehmer haben da wohl sehr unterschiedliche ansichten, wie ernst sie den wettbewerb nehmen. oder ob es für sie überhaupt einer ist. und die zuschauer, sollte man die überhaupt miteinbeziehen, sind offensichtlich in großer überzahl, so dass es da überhaupt kein verhältnis gibt (z.b. bei ner umfrage).

aber wenn man sich's jetzt einfach macht, und das oben genannte aussen vor lässt und nur davon ausgeht, dass man den besseren der beiden sportler bestimmen möchte: die sporter haben unendlich zeit zum üben. könnte man daher ab einem gewissen punkt nicht sagen, dass die unmenschlichen sprünge gar keine solchen sind, sondern dass das lediglich übungssache ist?
was macht einen sportler zum "besseren"?
Shui
Zitat:
könnte man daher ab einem gewissen punkt nicht sagen, dass die unmenschlichen sprünge gar keine solchen sind, sondern dass das lediglich übungssache ist?

Du stellst die Aufgabe, du musst das wissen O.o
"unmenschlich" hast du eingebracht. Entweder du meinst das einfch nur als "extrem schwer" oder als "für die physischen Möglichkeiten eines Menschen nur mit großem Glück zu schaffen" eventuell gar "für die physischen Bedingungen des menschen nicht zu schaffen".
Wenn das erklärt ist, erübrigt sich die Frage.

Der Mensch hat nämlich nur begrenzte Möglichkeiten und das bedeutet, dass Übung nicht die Lösung für alle Probleme ist.
John
Als "Denksportler", also Turnierskatspieler, kann ich mit dem sportlichen Problem dieses interessanten threads wenig anfangen. Begrsteigen und Sprünge sind mir ein Greuel motz AARRGH!!

Sportliche Fairness in der Praxis, in meinem "Hobby" und allgemein sehr wichtig dagegen Partner

Zitat:
Die Bevorteilung von schlechten Sportlern in einem sportlichen Wettkampf ist Blödsinn.


Dieser Satz ist mir daher etwas negativ aufgestoßen, denn schlechte Sportler gibt es schon mal nicht. Ich mag vielleicht sehr schlecht Fußball spielen können, da ich es aber nicht tue, bin ich in dieser Richtung kein Sportler. Würde ich es tun, könnten sich Millionen nur genau deswegen als wesentlich bessere Fußballsportler fühlen, weil genau ich teilnehme. Konsequent gedacht bedeutet dies: Eine Sportart lebt nicht von den Spitzen, denn ohne die Nicht-Spitzen gäbe es keine Spitzen.

Dass meine Sichtweise mehr mit dem Thema als mit dem konkreten Beispiel zu tun hat, ist mir klar. Ich versuche aber nun dennoch, auf das Beispiel einzugehen.

Zitat:
Ein Wettkampf jedoch sollte einzig und allein von den Fähigkeiten der Teilnehmer beeinflusst werden,


Wenn man dies in messbaren Sportarten konsequent durchziehen würde, wäre der Wettkampf nicht mehr nötig. Denn ist die Tagesform nicht auch Glück? Die momentane Wetterlage? Der Lattenschuss Pech?

Einen Ausgleich zu schaffen, damit auch weniger gute Sportler eine Gewinnchance haben, macht erst einen Wettkampf möglich. Natürlich mit Maß und Ziel, denn Sport als reines Glücksspiel ist auch wieder unsinnig.
Shui
Zitat:
Konsequent gedacht bedeutet dies: Eine Sportart lebt nicht von den Spitzen, denn ohne die Nicht-Spitzen gäbe es keine Spitzen.

Und die "nicht-Spitzen" sind schlechte Sportler, die "Spitzen" zumeist Leistungssportler.
Dein Widerspruch in allen Ehren, aber dann soltlest du mir auch widersprechen.

Offensichtlich profitiert der Profisportler vom Amateur. Das geht nicht, wenn du die Existenz von Amateuren anzweifelst...
Denksportler, wie?
John
wieso zweifle ich die Existenz von Amateuren an?

Mal ein Beispiel: Fußball-Pokal: Bayern München gegen einen namenlosen Qualifikanten aus einem Kreis (ca. 6. Liga).

Bekommen die Amateure einen Torevorsprung? Nein, natürlich nicht.

Sind die Amateure schlechte Sportler? Ich habe dies nie behauptet, du, wenn ich dich recht verstanden habe, schon.

Entscheidend ist aber was anderes: Stelle dir mal vor, Bayern gewinnt mit 10 : 0 und dann sagen sie: "Wie kann man nur so schlecht Fußball spielen?"

Was nun den "Denksportler" angeht, so sollte es mir hier nur darum gehen, Prinzipien sportlicher Fairness eben auf alle Bereiche auszudehnen, bei denen ein Spiel nach sportlichen Grundsätzen abläuft.

Schleife zum Ausgangsthema: Auch wenn der Glücksfaktor planmäßig in das Reglement eingebaut wird (oder - wie ich meine natürlicherweise - mit im Ablauf enthalten ist) bleibt das Ganze ein fairer Sport, wenn die Chancen der "weniger guten", bzw. "Nicht-Spitzen-" -Sportler in einem vertretbaren Ausmaß erhöht werden.

Beim Fußballpokal hatte man vor 25 Jahren etwa Hin- und Rückspiele gemacht. Dies war eine zu starke Bevorteilung der "Großen", denn eine Sensation ist leichter drin als eine andere.
Shui
Zitat:
wieso zweifle ich die Existenz von Amateuren an?

Hier:
Zitat:
denn schlechte Sportler gibt es schon mal nicht.


Wie dir aufgefallen sein sollte, habe ich die beiden Begriffe synonym verwendet. Obschon natürlich "schlechte Sportler" neben den Amateuren noch andere Gruppen bezeichnet.

Zitat:
Sind die Amateure schlechte Sportler? Ich habe dies nie behauptet, du, wenn ich dich recht verstanden habe, schon.

Genau das habe ich gesagt. Danke, dass du mir meine eigenen Worte in den Mund lgest. Darf ich aber fragen wozu?

Zitat:
Entscheidend ist aber was anderes: Stelle dir mal vor, Bayern gewinnt mit 10 : 0 und dann sagen sie: "Wie kann man nur so schlecht Fußball spielen?"

*lol* geiles Beispiel, vor allem dass das Ende fehlt finde ich beeindruckend.
Offensichtlich sind die Bayern in dem Beispiel die besseren Fußballspieler, bezogen auf diesen Sport also die besseren Sportler (was die anderen zwangsläufig zu den schlechteren Sportlern macht).

Übrigens: Dein Beispiel ist nicht nur unvollendet, sondern auch unpassend. Das "schlechte Spiel" ist bezogen auf die ansonsten gebrachte Leistung der Bayern, welche diesmal nicht gebracht wurde. Sie waren also für ihren selbst gelegten Maßstab schlecht. Dennoch waren sie offensichlich die besseren Sportler.

Zitat:
Prinzipien sportlicher Fairness eben auf alle Bereiche auszudehnen

Das geschieht bereits. Hauptsächlich dadurch, dass Menschen mit annähernd gleichen Vorraussetzungen gegeneinander antreten.

Zitat:
Auch wenn der Glücksfaktor planmäßig in das Reglement eingebaut wird (oder - wie ich meine natürlicherweise - mit im Ablauf enthalten ist) bleibt das Ganze ein fairer Sport, wenn die Chancen der "weniger guten", bzw. "Nicht-Spitzen-" -Sportler in einem vertretbaren Ausmaß erhöht werden.

Blödsinn. Die Bevorteilung von schlechten Sportlern stellt eine Untergrabung des sportlichen Wettkampfes dar.
Gleiches gilt für die Vergrößerung des Glücksfaktors, welcher für einen sportlichen Wettkampf minimiert werden sollte.
Gerade im Denksport wird Glück so gut wie möglich ausgeschaltet.

Indes geht es um den Kampf zwischen MENSCHEN, nicht zwischen einem Menschen und einem knstlichen Gegner, in dem aus unerfindlichen Gründen ein Mensch drin steckt.