Ethik und Recht

Licht
In welchem philosophischen Konzept sind die Ethik / Moral und das Recht / Gesetz identisch beziehungsweise untrennbar voneinander?
Archibald
@ Licht:

In dem Sinne, in dem man sie jeweils definiert!

Man kann sich über die Zuordnung von Begriffen zwar Fragen stellen, aber, vorher sollte man diese Begriffe schon eindeutig klären können!
Erik van Thom
Zitat:
Original von Licht
In welchem philosophischen Konzept sind die Ethik / Moral und das Recht / Gesetz identisch beziehungsweise untrennbar voneinander?

Moeglicherweise im Islam, denn im Koran stehen mWn einerseits viel ueber Ethik und Moral drinnen, gleichzeitig ist der aber auch Gesetzeswerk...

Wenn mann, ganz allgemein, das jeweil herrschende Recht und Gesetz "verinnerlicht", dann werden sich daraus auch Moral und Ethik ableiten, die mit der herrschenden Ordnung untrennbar verbunden sind.
Reinhard
Zitat:
Moeglicherweise im Islam,...


gruebel
Eugen
Sehr allgemein kann man denjenigen Teil von Ethik / Moral als Recht / Gesetz bezeichnen, den eine jeweilige Gemeinschaft der ausdrücklichen Formulierung für nötig erachtet.

Insofern: immer untrennbar verbunden, aber nie identisch.

In der Tat gab und gibt es Gesellschaften, etwa im islamisch geprägten Kulturraum, die die Reglementierung des Lebens durch explizite Vorschriften sehr weit treiben. Die Einhaltung genauer Regeln, die die Lebensgewohnheiten oft bis ins Detail bestimmen, wird rigide überwacht und oft streng sanktioniert.

Dort nähert sich beides sehr weit an, so dass man sagen kann, dass fast alles, was unter allgemein anerkannte Ethik / Moral fällt die strenge Gesetzesform hat bzw. die starke Tendenz, in diese überzugehen. Identisch werden die Bereiche aber nie.

Die modernen westlichen Gesellschaften bieten ein unübersichtlicheres Bild. Die Fragmentierung der Lebensbereiche mit ihren je ganz eigenen Verhaltenscodes bringt es mit sich, dass Räume mit extrem hoher Regelungsdichte neben solchen existieren, in denen kaum Vorgaben stattfinden und viel Gestaltungsfreiheit herrscht.

Allgemein kann aber gelten, dass in dem Maße wie in der Moderne Religionen und Ideologien ihre den Menschen als Ganzen betreffende umfassende Verbindlichkeit verloren haben und das "richtige Leben" zum Privatprojekt einzelner Individuen bzw. mehr oder minder großer Kollektive geworden ist, dass eben in dem Maße sich auch der explizite Regelungsanspruch der Allgemeinheit, verkörpert im Staat, aus der positiven Lebensgestaltung zurückgezogen und negativ auf die Schadensabwehr und elementare Daseinsvorsorge, allenfalls noch auf die Ermöglichung von Chancen verkürzt hat.
mark
Zitat:
Original von Eugen
In der Tat gab und gibt es Gesellschaften, etwa im islamisch geprägten Kulturraum, die die Reglementierung des Lebens durch explizite Vorschriften sehr weit treiben. Die Einhaltung genauer Regeln, die die Lebensgewohnheiten oft bis ins Detail bestimmen, wird rigide überwacht und oft streng sanktioniert.


hm. ich frag mich dabei doch immer wieder, ob es nicht in jeder (auf dauer stabilen) gesellschaft soetwas wie ein mindestmass an freiheit gibt. sind andere gesellschaften, die uns so durchreglementiert erscheinen, tatsächlich strenger reglementiert oder liegen die freiheiten nur woanders, womöglich dort, wo wir "nur" nicht hinschauen wollen oder gar können?
ich weiss sowohl aus eigener anschauung wie auch von anderen, dass man sich diesbezüglich sehr täuschen kann.
das soll sicher nicht kulturrelativistisch klingen.
nur fragen, ob es nicht sein kann, dass es, immer bezogen auf stabile verhältnisse, so etwas wie eine konstante gibt was dieses regelemtiertheit bzw die freiheit betrifft und dass womöglich gesellschaften, die uns überreglementiert erscheinen, wie ein spiegel fungieren könnten. heisst nicht, dass man alles nachmachen sollte oder auch nur könnte oder dass alles gleich gut und erstrebenswert wäre oder sowas. nur eben, dass freiheiten auch dort existieren könn(t)en, wo wir sie nichtmal vermuten würden. womöglich an stellen, die bei uns nichtmal diskursfähig sind.
Zitat:

Die modernen westlichen Gesellschaften bieten ein unübersichtlicheres Bild. Die Fragmentierung der Lebensbereiche mit ihren je ganz eigenen Verhaltenscodes bringt es mit sich, dass Räume mit extrem hoher Regelungsdichte neben solchen existieren, in denen kaum Vorgaben stattfinden und viel Gestaltungsfreiheit herrscht.

ich kann natürlich nachvollziehen, was du da meinst.
trotzdem stellt sich da für mich die frage, inwieweit das von einem starren regelkatalog abhängt und was aus dieser analyse wird, wenn man den katalog variabler gestaltet oder gar komplex, rückbezüglich anlegt. keine regel fällt heute eben auch unter eine regel.

gruss
Eugen
@ mark

Zitat:
hm. ich frag mich dabei doch immer wieder, ob es nicht in jeder (auf dauer stabilen) gesellschaft soetwas wie ein mindestmass an freiheit gibt. sind andere gesellschaften, die uns so durchreglementiert erscheinen, tatsächlich strenger reglementiert oder liegen die freiheiten nur woanders, womöglich dort, wo wir "nur" nicht hinschauen wollen oder gar können?


Solche Fragen halte ich für ausgesprochen spannend. Ich räume ein, bei meinem Vergleich unausgesprochen eine ethnozentrische Perspektive eingenommen zu haben. Zugrundegelegt habe ich unser allgemeines westliches Verständnis, wo jeweils mehr Freiheit bzw. stärkere Reglementierung erfolgen sollte. (So lassen wir bei der Beurteilung, was sich gehört, z.B. bei der Kleiderordnung, beim Essen und Trinken oder auch in der Sexualmoral eine relativ große Vielfalt zu, während andere Gesellschaften da wesentlich stärker reglementieren. Ganz anders sieht es aus, wenn es etwa um den Stellenwert der Erwerbsarbeit geht. Da verstehen wiederum wir keinen Spaß und überziehen die "Faulen" und "Arbeitsscheuen" reichlich mit reglementierenden Zwängen bis zur Einberufung zum Arbeitsdienst, neuerdings "Bürgerarbeit" genannt. Da kann man mitunter in anderen Kulturen mehr Gelassenheit feststellen.)

Zitat:
... nur fragen, ob es nicht sein kann, dass es, immer bezogen auf stabile verhältnisse, so etwas wie eine konstante gibt was dieses regelemtiertheit bzw die freiheit betrifft und dass womöglich gesellschaften, die uns überreglementiert erscheinen, wie ein spiegel fungieren könnten...


So eine Art allgemeines "ethisches" rosa Rauschen im 1/f-Spektrum? Stabile Verhältnisse als Ergebnis der richtigen Mischung aus "Freiheit" und Regelmäßigkeit?
Interessantes Thema...