Veränderungen im Zustand fahrlessiger Tat, Reflex in der Situation der Hilflosigkeit

yrneh
In der Tat ist es fast Täglich das eine Situation uns übern Kopf wächst, aber welche Sinneswandlungen machen wir durch um den ungewollten Zustand der Wut bis zum äußersten anzutreiben welches zu einer Affekttat führt? sind es zu stark geprägte Emotionen die sich vllt bei der Ansicht einer Situation einbringen welche uns anheitzen. Der Zustand welcher uns beruhigt und wieder in den gewohnten Ryhtmus bring, ist meist erst der effekt nach der höchsten Energiebelastung welche wir haben, wenn wir noch im verblendeten Zustand sind.

Was meint Ihr wie Kommen Diese Reflexartigen Zustände Zustande das wir wütend oder Traurig sind?
Daedron
Affekt und Entscheidung würde ich so unterscheiden, dass es sich beim Affekt um ein "unbedingtes Kommando" (des Kernbewusstseins) handelt, wogegen eine Entscheidung durch Spielräume (des Handelns) geprägt ist.
Sofern du hiermit einverstanden bist, bleibt nur noch zu klären, wie es zum Affekt kommen kann.

Durch unser Bewusstsein sind wir in der Lage, gewisse Handlungen zu verzögern: Etwa das auf die Toilette gehen. Auch hier kommt es irgendwann zum Affekt.

Ähnliches gilt für die Aggression: Etwas, dass uns hinderlich in unserer Fortentwicklung ist, wird instinktiv (von nicht-morbiden Menschen) als störend klassifiziert (beispielsweise ein dauernörgelndes Eheweib).
Unterdrücken wir den Befreiungsdrang (was viele Gründe haben kann, z.B. auch, dass wir in Folge von Überreizung gar nicht mehr spüren, was uns schlecht tut), staut er sich auf. Durch Musik z.B. kann sich mancher Affekt dann frühzeitig entladen werden(die Schädlichkeit von Musik für den Kranken ist leider wenig bekannt) und sich damit der eigentliche "Befreiungsakt" verzögern.
Ähnliches beim "Verschieben" des Reizes (wir verprügeln jmd. anderen oder etwas anderes, indem wir die Aggression darauf lenken).


Der Denkfehler der imo bei der Beschreibung dieses Phänomens gemacht wird ist, das Bewusstsein als erste Ursache anzunehmen (was durch Eitelkeit oft erklärbar ist):
Aber hinter den Gedanken und Gefühlen steckt noch ein "ich", welches auch Zugang zu allen Sinnen und Gedanken hat. Das Bewusstsein ist eine Funktion dieses "ichs", welches man vielleicht Kernbewusstsein oder Selbst nennen kann.
Dieses Ich sagt dann "Leide!" - und das Bewustssein fühlt sich schlecht und soll sich also Gedanken drüber machen, wie es nicht mehr leidet.
Auch die Gedanken selbst werden vom Ich eingeflößt - niemand kann sich bewusst aussuchen, welche Gedanken ihn bestimmen und kommen: Das ist gar nicht die Aufgabe des Bewusstseins.
(Dennoch ist es möglich, dass das Bewusstsein sich verselbstständigt und als Gebieter versteht, womit jener jedoch bald krank wird [Denn er "schmeckt" mit Begriffen statt den Sinnen des Körpers] ;- meist wird man morbid).

Falls du nun meinst, nach meiner Erklärung bestünde ja kaum ein Unterschied zwischen Affekt und gewöhnlicher Handlung, stimme ich dir zu.
Falls du einwendest, das Bewusstsein sei doch Elementar, würde ich vom "wilden" Menschen sprechen: Dieser braucht nämlich fast gar kein Bewusstsein. Jenes dient primär dazu, anderen unsere Bedürfnisse zu übersetzen.
Methoden müssen nicht bewusst sein - auch ohne Sprache werden wir uns einprägen, dass die Herdplatte heiß sein kann. Wir können sie aber nur durch Bewusstsein "lehren".

Literatur:
- Eine Extremvariante der These des entarteten Bewusstseins und dessen Folgen lässt sich bei Fjodor Dostojewskijs "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" nachlesen.
- Der rest findet sich komprimiert in Räselform auf S.39-41 der KSA von Nietzsches Zarathustra ("Von den Verächtern des Leibes")

mfg,
Cornak
hallo yrneh : Du beschreibst kein philosophisches, sondern ein tiefenpsychologisches Problem, das nicht ernst genug genommen werden kann. Es kann ganze Biographien zerstören, hat aber selbst biographische Wurzeln und solche, die mit der Persönlichkeitsstruktur und dem erreichten psychosozialen Reifezustand zusammenhängen.
Bin sicher, daß philosophische Erörterungen in solchen Fällen nicht weiterführen, sondern meine, daß hier ein tiefenpsychologisch kompetenter Therapeut konsultiert werden sollte. Gruß !
Daedron
Das psychoanalytische Paradigma ist doch nur eines unter vielen und hat selbst vielerlei ausprägungen. Zudem hat es viele Anhänger in fachkreisen verloren.
Aber was ich eigentlich kritisieren möchte ist dein Menschenbild. Genauer genommen die indirekt genannte Prämisse, dass der Mensch von natur aus nicht gewaltätig sei.

Von meinem Menschenbild her würde ich da das Ganze umdrehen und in der Kindheit Ursachen dafür finden, warum ein Mensch "nett" geworden ist.
Gewalt kann genauso gut physiologische (genetische), soziale, oder historische Ursachen haben. Auch gibt es vielerlei mehr oder weniger effiziente erlernte Methoden zur Stressbewältigung und Agressionskompensation.
Das wohl häufigste Motiv wird zumeist Rache genannt.

Mal das ganze aus physiologischer Sicht: Wenn wir in eine Situation wo wir nicht vernünftig handeln können geraten, wird ein beistimmtes altes Zentrum (begriff ist mir entfallen) im Gehirn aktiv, welches nur drei Optionen kennt: Fliehen, erstarren oder Agressiv werden. (Das lässt sich gut bei Schulkindern sehen: Manche schwänzen, andere ertragen passiv alles und andere werden zu schlägern und aufmüpfig).
yrneh sprach ja vom 'über den Kopf wachsen der Situation' welches z.B. auch aus der phil. Perspektive der Orientierung betrachtet werden kann: Man findet sich in der Situation nicht zurecht, was beunruhigung erzeugt, die je nach Temperament anders interpretiert wird (Agression usw.).

Aus diesem Grund hätte beispielsweise Spinoza geraten "Einsicht" in die Systemhaftigkeit solcher Prozesse zu gewinnen. Wenn man sich die Situationen als schema denkt, ist man vorbereitet wenn man sie erlebt.

(Name entfallen aber) Ein griechischer Philosoph wusste schon, dass wir erst dann Affektiv handeln, wenn wir keine "Methode"(Methodos=eine Weise, den weg entlang zu gehen) haben, mit der Situation umzugehen.
Das lässt sich auch in Alltagssituationen beobachten, wo man z.B. in Verlegenheit gerät (so tun als wäre nichts passiert, agressiv kontern oder sich schnell aus dem Weg gehen).


Von daher Cornak .. verzichtest du auf eine Menge blickwinkel auf dies problem, wenn du dich auf die psychoanalyse beschränkst. Ich beschränke mich hier auch nur auf wesentliche Punkte, die aber durchaus mehr tiefe haben (Übrigens war die Psychoanalyse ursprünglich auch philosophie, nur hatte es sich als Paradigma verselbstständigt (bis genug Leute es vertraten, sodass sie es wissenschaft nannten..). Die freudsche Psych. wird soweit ich weiß kaum noch vertreten.)

mfg,
byLaszlo
hallo lieber Cornak,

vielleicht hat yrneh aus seinem gewohnten Ryhtmus heraus
nicht mehr geschafft die Dinge beim Namen zu nennen: es geht in der Tat
um Gewalt, organisierte Kriminalität, Krieg und seit der Auflklärung
geht es um den erneuten Versuch, den Menschen zu humanisieren.

so wie unseres Strafrecht stets provisorischen Charakters bleiben wird,
machen unsere kulturelle Unterwerfungsversuche ob sie auf Inneres zielen
(Gewissen) ob sie auf meine Freiheit appellieren (Moral) den Eindruck
als ob der Erfolg immer utopisch bleiben müsste.

Wir tun so als handelte es sich etwa bei Rache um einen Ausrutscher,
eine Anomalie, die in der Kindheit/ durch Funktionsstörung des
Bewusstseins/oder wie auch immer entstehen würde und die Frage,
was wäre, wenn es alle zuließen? verstört nur.

Auch Rache (z.B.) ist schon ein institutionalisiertes Bewältigungs-
instrument nur kulturell überholt. Ich denke, wir befinden uns hier
noch in der Kindheit unserer Kultur und Philosophie ist erlaubt
den mahnenden (und recht hilflosen) Papa zu spielen.
Cornak
hallo Daedron : Yrneh fragte : "Was meint Ihr wie Kommen Diese Reflexartigen Zustände Zustande das wir wütend oder Traurig sind?"
Ich meine nach wie vor, daß das eine psychologische Frage ist, keine philosophische. Sodann bin ich - auch aufgrund meiner eigenen Biographie - empirisch (also beweiskräftig genug) überzeugt davon, daß der um seine Reifung bewußt bemühte Mensch (nur der allerdings) auch reifungsfähig ist. Reifung bedeutet m.E. unter anderem auch, von der angeborenen Aggressivität weg- und zum konstruktiven "Adgredi" hinzukommen, zum Handeln, welches nicht mehr unreflektiert und destruktiv ist. Erziehung kann darauf hinwirken oder auf das Gegenteil, s. Nationalsozialismus. Ich gebe zu, daß ich nie weiß, wie ich persönlich mit Menschen umgehen soll, welche die menschliche Aggressivität zum Daseinsprinzip erheben. Gruß !

hallo byLaszlo : So sehe ich es auch. Wir stehen noch in der Kindheit unserer Emanzipation von unseren rein biologischen Voraussetzungen.
Jedoch führen uns schon Pflanzen- und Tierreich die erstaunlichsten Metamorphosen vor Augen. Darauf baue ich. LG
byLaszlo
hallo lieber Cornak.

Zitat:
Wir stehen noch in der Kindheit unserer Emanzipation von unseren rein biologischen Voraussetzungen.


Ja, und wir (die Teilnehmer der Emanzipation) können wir uns
nicht darauf einigen wie unsere Metamorphose weitergehen
soll? Jeder möchte etwas unverfälscht mitnehmen, was der
andere vom Grund aus ablehnt.

Ich kann dir menschliche Aggressivität nicht schmackhaft machen
während wir uns darin einig sehen, dass die aggressive Akt etwas
zum Daseinsprinzip zu machen immer wieder die philosophische
Diskussion beherrscht.

Ich lese immer aufmerksam, wenn jemand bekennt, dass SEIN
Prinzip unschlagbar das Wichtigste ist, denn was wir brauchen ist
weniger Letztbegründung, worin Energien verpulvert werden
sondern Anmeldung von Bedürfnissen.

Denn nur jemand, der seiner Sache nicht sicher ist, greift
zu ontologischen Begründungen. Eine Unsicherheit die auch
die drängende Gefühle motivieren können, denn Gefühle
allein haben noch lange nicht den Titel MEINE zu sein.
byLaszlo
hallo Cornak,

wahrscheinlich warst du nicht damit
einverstanden, wie ich das Problem
der Wut evtl. zu weit verschärft habe,
natürlich habe ich es getan um diesen
wildernd-vagabundierenden Ausbrüche
salonfähig zu machen.

Seneca hat Novatus gleich ein Buch geschrieben-- de ira-- und es handelt sich um möglichen (und unmöglichen) Methoden auf das die Wut besänftigt werde.S. meint, dass Wut die abstossendste und sinnloseste von den menschlichen Leidenschaften sei, fängt sehr schnell Feuer,ausserordentlich schmerzhaft, desMenschen unwürdig, fordere sie in irrsinniger Hitze den Schwert, das Blut, den Tod, nähme nicht einmal auf sich selbst Rücksicht, hauptsache, den Anderen wird geschadet. Es sei kein Wunder, dass schon die alten Philosophen sie, die Wut, (Zorn, Erbitterung, stürmischer Drang) für kurzfristigen Idiotie hielten, unfähig sich zu beherrschen, innigste Bezi hungen zu Nahestehenden missachtend hält sie an ihren Zielen starköpfig-ausdauernd fest, mit Argumenten die aus der Luft gegriffen erscheinen, jedem guten Wort abspenstig erinnere uns die befallen Person an eine eintürzenden Gebäude die sich an den mitgerissenen Trümmer selber zerstören. Wenn Novatus sich also überzeugen wolle, dass die so befallen Menschen nicht richtig ticken, brauche er sich nur in die herausfordernden, drohen Blicke zu schauen, auf den sorgenvollen Stirn, in die verunstaltete Miene, auf den nervösen Gang, zitternde Hände, Lippen, die Zähne zusammengebissen,....also der ganze Körper droht in Wut. Seneca kommt darauf zu sprechen, dass man die meiste seiner Leidenschaften verstecken könne, zugegeben: verrate sich aber die Geilheit genauso wie Angst und Übermut....aber der Wütende lege gar keinen Wert auf das Verstecken! Und wenn man die Sache vom Schaden her, die die Wut verursacht, betrachtet: keine Fluch verfolgt so sehr die Menschheit wie die von der Wut verursachte Morde, Giftmischereien, das gegenseitige Besudeln! Städte, ja ganze Völkerschaften gingen nieder, Regionen wurden von Feuersbrünsten beleuchtet die aus Wut angefacht wurden......Seneca macht sogar an einer
komischen Platonargumentation herum: der Mensch ist von Natur aus nicht rachesüchtig und weil der Wütende rachesüchtig ist so sei Wut nicht natürlich...na gut....aber dann kommt er auf eine Frage, auf die ich hinaus wollte:
Wenn doch die Wut unnatürlich sei, könnte man ihr nicht Nützliches abgewinnen? In Wut ist man irgendwie doch begeistert, die Mut wird vervielfacht, ohne sie wäre Entschlossenheit ziemlich lahm, schliesslich gibt uns Wut Feuer um ohne viel Federlesens ins Verderben rennen zu können. Weshalb ja viele erwägen würden, die Wut sollte man nicht beseitigen sondern sie mit einem heiligen Maß versehen und von ihr so viel behalten damit Entschlossenheit geadelt und energetisch angereichert bleibt und nicht verdampft. Die Antwort ist: nein! Man darf der Wut keine Chance geben. Wie der in die Tiefe stürzende Körper sich nicht mehr abfangen kann, macht Wut, einmal zugelassen, was sie will. ---------------------und trotz all dem, irgendwas fehlt da...
Daedron
Generell halte ich eine Kastration der Leidenschaften für eine recht gefährliche Sache. Nicht nur, dass sie sich verstecken könnten und also unbewusst in geschickter Selbsttäuschung ihre Spielchen treiben wie eine verschleppte Grippe - auch kann uns der élan vitale vollkommen genommen werden, wenn wir sie uns madig machen.
Nietzsche empfiehlt daher z.B., die "Laster" für sich arbeiten zu lassen und diese Not so zur Tugend zu verkehren. (und das machen die meisten "großen" Philosophen als Apologie ihres Treibens...).
Und wenn es hier wirklich nicht um Einzelschicksale sondern die gewalt ganzer Völker als epidemie gehen soll, will ich trotzdem fürsprecher mancher dieser Taten spielen: Denn ist es nicht auch die Not, die die schönsten Taten und Menschen hervorbrachte?

Der Vorschlag von Laszlo, uns nicht als "fertig"(Ende, Selbstzweck, Zweck an sich) zu verstehen, sondern noch als lernend (Übergang zu etwas "besserem", unfertig, wachsend) wurde von einem meiner Lehrer in folgendem kleinen Rätsel beschrieben: "Schüler sind alle Kohlenstoff. Was wird aus ihnen unter hohem Druck?"
Stets mit dem Wind zu segeln ist Kurzsichtig.

-
Hauskatzen werden mit der zeit meist träge (psychologisch gesagt: Selbsthypnotisiert).
Eines Tages, als meine kurz davor war, so schlaftrunken zu werden wurde sie von einer schwarzen Katze angegriffen und regelmäßig bedroht. Inzwischen - wo diese Gefahr längst vorrüber ist - ist sie so voller Tatendrang, dass sie auch bei schwerstem Regen es tagsüber nicht im Haus aushält und sie mehrere Mäuse pro Tag fängt.


Ich lerne lieber von Katzen als von Hunden. - Ach - von Hunden lerne ich, was schuldvolle Gewalt ist...
byLaszlo
hallo Daedron,

genau in deinem Sinne wünsche ich zu argumentieren
unangenehm berührt von Nietzsche's Kleinzüchtungsvorwurf
an die Kultur. Ich denke, auch im Thread: Ist meine Philosophie
egoistisch/eigennützig?
geht es genau darum.

Dein Satz

Zitat:
Stets mit dem Wind zu segeln ist Kurzsichtig.


steht ziemlich zusammenhanglos da, ich weiß nicht ob du hier
die jahrtausenede-alte Vernunftperspektive meinst oder die
Gefühlsverfasstheit unsrer Seele? Denn einerseits reden wir
schon immer von oben herab mit und über unseren Gefühle,

andererseits sind genau die diktatorische Verfasstheit (mit deinen
Worten: dass es sich beim Affekt um ein "unbedingtes Kommando"
(des Kernbewusstseins) .........,)
UND die ewige Mehrstimmigkeit
und Bürgerkrieg der Emotionen, die uns kurzsichtig ja oft blind machen.