Regeln

John
Welche Bedeutung haben Regeln und Gesetze?

Hat man das Recht oder die Pflicht, eine Regel vor der Anwendung oder Befolgung zu hinterfragen, ob sie einem bestimmten Wert dient oder dies nicht tut, oder ist die Regel an sich schon ein Wert?

Dienen wir den Regeln oder müssen wir dafür sorgen, dass sie uns beim Erreichen von Zielen (werten) dienen?

Bitte Antworten am Beispiel von Spielregeln, Verkehrsregeln, Gesetzen oder wie auch immer.

Ich denke dabei in letzter Konsequenz an das Buch "Computer streiten nicht".
kämpfer der sonne
die welt funktioniert nach gesetzen, täte sie dies nicht wäre hochentwickeltes leben nie möglich gewesen.

regeln sind grundlagen für entwicklung und stabilität.
John
In der Theorie vielleicht schon, in der Praxis oft aber auch für das Gegenteil.
ewig
Es gibt im positiven Recht Regeln, die ihren Ursprungszweck nicht mehr erfüllen. Die können bisweilen aber nicht aus den Gesetzbüchern getilgt werden, wenn es starke gesellschaftliche Gruppen gibt, die aus ihrer Fortexistenz einen (oft anderen) Nutzen ziehen. Beispielsweise sind Kohle-Bergbau-Subventionen sehr unzeitgemäß und nicht zukunftsfähig. Sie abzuschaffen, ist aber für die beteiligte Unternehmensführung wie auch für die Arbeitnehmervertretung (arbeitsintensives Gewerbe - oder war's zumindest mal) ungünstig, so daß die beiden Volksparteien sich in dieser Frage sehr schnell einig sind.
John
Was ist denn der Ursprungszweck von Regeln?

Ich denke nicht unbedingt
Zitat:
grundlage für entwicklung und stabilität.
.

Mal ganz banal: Zweck ist, zu regeln. Was? Etwas, das ohne Regeln nicht funktionieren würde. Funktionieren bedeutet, so zu sein, dass ein gewisses, hoffentlich definiertes, Ziel erreicht wird.

Wie? So, dass dieses, hoffentlich definierte, Ziel, möglichst gut erreicht werden kann.

Würde man (der Gesetzgeber, die Allgemeinheit, die für die Erstellung von Regeln zuständigen Personen oder Gruppierungen) diesen Sinn von Regeln auch so sehen und realisieren, wären sie ein nützliches Instrumentarium zur Regelung von Problemen in der Gemeinschaft.

Sie wären aber nichts Statisches, Dogmatisches, deren Befolgung allein - unabhängig davon, ob sie ihren Zweck noch erfüllen oder nicht - Garant für eine bessere Gesellschaft wäre.

Ich wiederhole mich: Wir müssen die Regeln beherrschen, nicht sie uns
Shui
Sinn und Zweck von Regeln ist aber doch gerad, DASS sie uns beherrschen.
Dasf definierte Ziel ist im allgemeinen eine funktionierende Geselschaft.Ändert sich diese Gesellschaft, so ändern ich auch die regeln un imUmkehrscluss kann duch geänderte Regeln auch die Gesellschaft gändert werden.

Zur Sklavenzeit aren Sklaven ein Teil der Gesellshf ALS sklaven.Die Gesetze und Regeln haben diesen mstand nach Möglichkeit gfödert und genutzt. Als man di Sklaverei abschafte, wurden di Sklaven zu mehr oder minder vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft und dies geschah dadurch, dass die sie betreffenden Regeln geändert wurden.

In einem Spiel verläuft das ähnlich, nur dass dort die Regeln zugleich den Weg und das Ziel bestimmen. Und dabeimehr oder mndrSpielraumlasen (kmmt auf ds konkrete Spiel drauf an).
Nehmen wir als Beispiel Risiko: Jeder Spieler bekommt Länder und Einheiten, sowie eine Mision, die es zu erfüllen gilt. Die regln besagen, wie man Länder erobern und Enheitn bewegn kann, wi man neue Einheiten bekommt und wie genau die Züge zu verlaufn haben. Der genaue Ablauf des Zuges, äquivalent zur persönlichen Lebensgestaltung, ist jedem selbst überlassen. Die Änderung der Regeln anhand der Gesellschaft kann ich an einempersönlichen Beispiel zeigen: Wenn ich das mit Freunden spiele, reduzieren wir die maximale Einheitenanzahl je Land, um das Spiel etwas zu beschleunigen.
-Sabine-
Zitat:
Original von John
Ich wiederhole mich: Wir müssen die Regeln beherrschen, nicht sie uns


Ich würde es anders formulieren: Wir müssen unsere Regeln laufend anpassen und darauf achten, dass alle Mitglieder der Gemeinschaft, für die sie gelten, bedacht werden und nicht nur die - aus welchen Grund auch immer - "Stärksten".

Und zu Regeln allgemein: Ein Mensch allein auf einer einsamen Insel braucht keine. Und doch wird auch er wahrscheinlich versuchen, den Tag bzw. sein Leben ein wenig zu strukturieren. Aber je mehr Menschen aus welch Grund auch immer miteinander zu tun haben, um so mehr bzw. anders formuliert: Um so klarere Regeln brauchen wir, weil wir sonst schlicht zu viel Zeit und Energie auf das Ad-Hoc-Aushandeln verwenden müssten - die dann woanders fehlen würde. Abgesehen davon ist ab einer bestimmten Gruppengröße ein Ad-Hoc-Verhandeln gar nicht mehr möglich. Also muss ein Grundkonsens her und den bildet ein Regelwerk.
Shui
Zitat:
Ein Mensch allein auf einer einsamen Insel braucht keine.

Das stimmt so nicht. Es fußt au der fälschlichen Annahme, Regeln dienen einzig dem Leben als Gemeinschaft, was jedoch nicht stimmt.
Vele Regeln beziehen ich auch auf den Umgang mi de Natu und der Umwelt, welche es auch auf der einsamen Insel gibt.
Wenn dieser einsame Mensch sich vor begrnzte Resourcen gestelt sieh, muss er sich auch Regeln überlegen, um mit diesen um zu gehen.

Dieser Mensch wird sich als erstes ein Ziel formulieren, es wird wohldarin bestehen, so lange wie möglich zu überleben und gegebenenfalls Signale in die Welt zu senden, auf dass er gefnden und gerettet wird.
Also giltes, Regeln oder Prinzipien zu erdenken,welche es ihm ermöglichen das alles mit den begrenzten Resourcen zu bewerkstelligen.
Sowohl was die Beschafenheit de Insel betrifft (Vorhandensein und menge von Holz, Nahrung, Tieren, Wasser, nutzbaren Steinen usw...) als auch seine eigene Zeit muss er einteilen, damit ihm keines davon ausgeht.
Auf einer einsamen Insel stranden ist schließlich kein Zuckerscleckn Zwinker
ewig
Zitat:
Original von John
Ich wiederhole mich: Wir müssen die Regeln beherrschen, nicht sie uns

Würde das nicht bedeuten, daß ich dann jederzeit Regeln die mir gerade nicht in den Kram passen, abschaffen könnte?
John
Zitat:
Würde das nicht bedeuten, daß ich dann jederzeit Regeln die mir gerade nicht in den Kram passen, abschaffen könnte?


Ich denke nicht. Ein Beispiel ist für mich die Kurzgeschichte "Computer streiten nicht". Hier ist es nicht möglich, den totalen Unsinn, der durch die Beachtung einer fehlerhaften Regel entsteht, zu stoppen, weil andere Regeln daran hindern.

Es geht auch gar nicht primär um Abschaffung irgendwelcher Regeln, sondern darum, dass bei jeder Regelaufstellung und ihrer Anwendung das Ziel nie aus den Augen verloren werden darf. Und wenn dies die oberste Regel ist, dann kann eben nichts geschehen, das gegen das definierte Ziel läuft, denn diese oberste Regel ist eben wichtiger als alle "Anweisungen" oder "Unterregeln", die aus ihr folgen.

Mir erscheint dieses Prinzip so klar und einleuchtend, dass ich mich wundere, warum danach nicht verfahren wird.

vielleicht mal ein Beispiel: Es gibt Dinge, die anzustellen mit einem Handy sind zu Recht verboten, auf jeden Fall im Schulbereich. Stellt man nun eine Regel auf, die das Benützen von Handy in diesem Bereich verbietet, so ist diese Regel im Sinne des Grundgedankens (Verbieten der unerwünschten Dinge) sicher nicht die Beste. Schüler nun aber zu bestrafen, weil sie diese Regel übertreten, nachweislich ohne das zu tun, was eigentlich verboten werden sollte, ist Unsinn und ein Beweis dafür, dass man sich - wie in Hunderten anderer Beispiele - von Regeln beherrschen lässt.

Nun also was tun? die fehlerhafte Regel befolgen, weil sie nun mal da ist (man hätt sich ja nur daran zu halten brauchen und seine Mutter nicht anrufen müssen oder erkennen, dass man das Ziel verfehlt hat und die Richtung korrigieren?

@shui: Wenn du die systematischen Handlungen, die zum Überleben notwendig sind, als Regeln bezeichnen willst, warum nicht. Dass aber gerade im Sinne des Überlebens diese einer ständigen Verbesserung unterworfen sein müssen steht doch außer Zweifel. Sie zum Selbstzweck zu erheben und zu befolgen, weil sie nun mal da sind, wider besseres Wissen, könnte in dieser Situation tödlich sein. Warum muss das in einer Gemeinschaft zwangsläufig anders sein?
Shui
@John
Ähm.. Du stellst mir Fragen zu Aussagen, die ich nie gemacht habe? Danke, verzichte.
Von Regeln zum Slebstzweck habe ich nie geschrieben.

Schüler nun aber zu bestrafen, weil sie diese Regel übertreten, nachweislich ohne das zu tun, was eigentlich verboten werden sollte, ist Unsinn und ein Beweis dafür, dass man sich - wie in Hunderten anderer Beispiele - von Regeln beherrschen lässt.
*lol* was? Also wenn du noch ein bisschen abstrakter wirst, dann versteht man dich garantiert noch weniger...

Das Handyverbot folgt bestimmten klaren Grundsätzen. Dazu zählt, dass man GRUNDSÄTZLICH nicht im Unterricht damit rumspielen soll, ganz gleich ob während einer Arbeit oder während ein Film geschaut wird (sofern dieser zum Lehrmaterial gehört).
Als Lehrer ist es hacke wie bums, warum der Schüler sein handy auspackt, die Regel wurde klar formuliert und ÜBER SIE beherrscht der Lehrer der Schüler, da sein Handeln nicht willkürlich, sondern vorhersehbar war.
Das der arme Schüler heult, weil er gegen bekannte Regeln verstoßen hat und am besten noch auf die absurde Idee kommt, seine Unschuld irgendwie zu beweisen, ist dabei lächerlich. Was will er beweisen? Dass er nicht betrogen hat? Neue Handys haben ausreichend viele Funktionen, dass man als Lehrer durchaus mal ne Stunde zubringen kann, um den gesamten Speicher zu überblicken. Und dann muss man sicher sein, dass der Schüler die fragliche Datei nicht einfach fix gelöscht hat (ich kenne die Technik nicht so gut und ältere Lehrer sicherlich noch weniger). Also am besten noch den Speicher wiederherstellen, was dann in eine mordsarbeit ausartet, weil man erstmal entsprechende Programme auftreiben muss.


Mit anderen Worten: Ein schlichtes und konsequentes Handyverbot ist als solches sinnvoll. Der Schüler, der meint sich verteidigen zu müssen wusste von vorneherein über die Regel bescheid und hat mutwillig dagegen verstoßen. Ein solches Verhalten sollte keineswegs geduldet werden, sofern keine bedeutende Ausnahmesituation vorlag.
Exebeche
Zitat:
Original von John
Ich denke dabei in letzter Konsequenz an das Buch "Computer streiten nicht".

Was ist denn die Aussage von diesem Buch mit dem Titel "Computer streiten nicht"?
Ich meine - wird das tatsächlich behauptet, dass Computer nicht streiten?
Das wäre nämlich Quatsch.
Inzwischen dürfte sich zumindest jeder Windowsbenutzer von der naiven Vorstellung verabschiedet haben, etwas das auf logischen Grundlagen aufgebaut ist, könne nur logisch agieren.
Computer liegen ja sogar mit sich selbst in Streit, wer schon mal einen Bluescreen gesehen hat (so ziemlich jeder), kennt das.
Und wenn es nicht von höherer Stelle geregelt wird, dann streiten sie auch um Ressourcen (bspw. Bandbreite).
Das ist in vielen Belangen nicht vernünftiger geregelt als bei den Vögelchen im Nest:
Wer den Kopf als erstes rausstreckt, wird als erster gefüttert.
John
@shui: Genau das ist das Problem mit Beispielen, dass man darauf herumreitet, anstatt die Kernaussage herauszufiltern. Daher nur ganz kurz:
Ich meinte das Handyverbot in den Pausen, nichts anderes.

Und meine Kernaussage ist und bleibt, dass eine Regel ständig nach ihrem Sinn hinterfragt werden muss. Ist dieser Sinn nicht (mehr) erkennbar oder in der betreffenden Situation nicht erkennbar, so kann ihr Befolgen mehr Schaden anrichten als ein Ignorieren der Regel. Auf nicht mehr, aber auch auf nicht weniger will ich hinaus.

@Exebeche: ganz kurz der Inhalt: Ein Mann hat Probleme mit einer Buchbestellung. Irgendwie wird eine falsche Nummer weitergeleitet und es wird daraus eine Strafsache "Entführung". Ein Missverständnis, das zwar längst aufgeklärt ist, aber wegen irgendwelcher Regeln kann und darf nichts geändert werden, d. h. Computerabläufe bestimmen, dass der Mann hingerichtet wird. Eine sehr unvollständige Kurzbeschreibung, aber vielleicht wird auch hier die Kernaussage klar, die ich meine: Menschen werden in dieser Gesellschaft nicht nur von Computern beherrscht (ist ein anderes Thema), sondern auch von Regeln, die längst absolut sinnentleert, aber gültig sind.
Der Titel "Computer streiten nicht" ist übrigens nicht sehr gut gewählt.
Exebeche
Hm.
Das klingt als müsste dich eigentlich mein Beitrag
Das Ende der Verantwortung
interessieren.
John
Danke für den Hinweis. Hab ihn genau und auch einige Antworten im Überblick gelesen. Stellt das, was mir am Herzen liegt, in erweiterter Form mit modifizierter Betrachtung genau dar.

Umso mehr drängt sich mehr wirklich die Kernaussage auf - ich wieder roll hole mich, aber es geht nicht anders:

Weder das System, noch die Organisation, noch die Regeln (oder Computer und Roboter) sind an sich schlecht. Vergessen wir aber, dass wir dies alles aufgestellt haben und lassen uns von diesen Strukturen beherrschen, so ist das falsch und gefährlich.

Goethes Zauberlehrling ist zwar nicht unbedingt ein philosophisches Werk (oder doch?), trifft aber den Nagel auf den Kopf.
Exebeche
Zitat:
Original von John
Weder das System, noch die Organisation, noch die Regeln (oder Computer und Roboter) sind an sich schlecht. Vergessen wir aber, dass wir dies alles aufgestellt haben und lassen uns von diesen Strukturen beherrschen, so ist das falsch und gefährlich.



Hallo John,

mir scheint, du bist auf einem interessanten Weg, und ja, wahrscheinlich hat Goethe den Nagel auf den Kopf getroffen.

Vielleicht wirkt das narzisstisch, wenn ich mich dauernd selbst zitiere, aber ist mir egal:

http://philo-welt.de/forum/addreply.php?...e&postid=200083

Es wird mitunter die Vorstellung vertreten, Gott habe die Welt gut geschaffen und wir Menschen würden sie in die Hölle verwandeln.
Oder wenn jemand nicht den Glauben an Gott vertritt, wird so getan, als seien die Gesetze der Natur rein und frei von Schlechtem. Erst der Mensch habe die Begriffe des Bösen und der Sünde überhaupt in die Welt gebracht und diesen damit zur "Existenz" verholfen.
Der Mensch habe gewissermaßen die konzeptionelle Reinheit der Natur verdorben.

Das sind schwerwiegende Irrtümer.
"Das Böse" ist zunächst etwas subjektiv Empfundenes.
Allem voran besitzt es keine metaphysische Existenz.
"Das Böse" glaubt ein Subjekt in einer Handlung zu erkennen, wenn ihm wissentlich und/oder willentlich Leid zugefügt wird.
Eine der wesentlichsten Eigenschaften dieser als böse empfundenen Handlungen ist, dass der Handelnde mindestens teilweise blind für das Leid ist, und viel wichtiger noch, dass er völlig blind ist für das vermeintliche Böse, das der Erleidende zu erkennen glaubt.

Das Schema tritt immer in gleicher Weise wie in folgender Konstellation auf:
Ein Kind im Sandkasten weint, weil es von einem anderen geschlagen wurde.
Der Schlagende ist böse.
Der Schlagende ist aber überzeugt, dass der Weinende böse ist.
Er hat ihm nämlich die Schaufel nicht zurückgegeben, die rechtmäßig ihm gehört.
Uns interessiert an dieser Stelle überhaupt nicht, wer der rechtmäßige Eigentümer der Schaufel ist.
Entscheidend ist, dass beide Kinder dem anderen ein böses Handeln unterstellt haben, und dass keiner in der Lage war, mit den Augen des anderen erstens das subjektive Leid und zweitens das subjektiv empfundene Böse wahrzunehmen.

Ich halte es für eine interessante Feststellung, dass eine der wesentlichen Eigenschaften des sogenannten Bösen die Einseitigkeit ist.

Der vom Leid Betroffene erkennt in der Handlung des anderen mindestens die Absichtlichkeit der Handlung, zumeist wird aber auch unterstellt, dass der ausführende um das verursachte Leid weiß: Willentlichkeit und Wissentlichkeit.

Das eigentlich perfide am sogenannten Bösen ist, dass Systeme die Eigenschaft haben sich Akteure zu Handlangern zu machen.
Wenn man sich die Protokolle der Gerichtsverhandlung von Adolf Eichmann anschaut, gehört es zu den erschreckendsten Eindrücken, dass man es diesem Logistiker des Holocaust abnimmt, dass er sich in keiner Sekunde für Böse gehalten hat.
Höchstwahrscheinlich hat er es sogar ehrlich gemeint, als er sich als Opfer des Systems bezeichnete.

Gesellschaftliche Systeme bringen Menschen dazu zu Handelnden zu werden, es braucht dazu keine Schreckensapparate wie das Naziregime.
Wieviele Hartz4-Empfänger haben wohl schon einen Brief vom Jobcenter in vor Wut zitternden Händen gehalten?
Und wenn die Sachbearbeiterin dann am Telefon mit schnarrender Stimme sagt "Wenn Sie das ungerecht finden, kann ich Ihnen auch nicht helfen, ich muss mich an den Vorgaben orientieren, die das Gesetz mir gibt", dann hat der eine oder andere sicher schon Visionen von brennenden Gebäuden gehabt.
(Ich empfehle in diesem Zusammenhang die beste mir bekannte literarische/filmische Umsetzung dieser Problematik: L.A. Crash.)

Leid, das als wissentlich verursacht und somit als böse empfunden wird, macht aus Opfern neuerliche Täter.
Der anfängliche Impuls geht jedoch oft von den Systemen aus, die den Menschen zum Handeln bringen.
Die Akteure der Systeme haben selten Grund sich den Impulsen zu widersetzen (bspw. die Angestellte beim Jobcenter kann ihren Ermessensspielraum nur bedingt anwenden ).
Im Gegenteil motiviert das System den Impulsen zu folgen.
Systeme üben Druck auf Akteure aus.
Selten ist dabei ein System transparent genug, dass ein Akteur erkennt, dass er sich zum Handlanger macht.
Wieviel versteht wohl mein Teamleiter von seiner Handlung, wenn er sagt "Ihr müsst mich auch verstehen. Wenn IHR euer Pensum nicht schafft, krieg ICH Ärger mit dem Abteilungsleiter."
Ein Spekulant sieht nicht die Familien der Mitarbeiter, die entlassen werden.
Er sieht nur den Aktienkurs, die Rendite, sein Pensum.
Ich weiß nicht, ob Adolf Eichmann je einem seiner Opfer in die Augen geblickt hat.

Das Beispiel Adolf Eichmann zeigt wie dringend notwendig es wäre ein Bewusstsein für Verantwortung zu schaffen (von dem wir Welten entfernt sind).
Aber der allergrößte Teil der Menschheit wird nicht in ein System geboren, das ihn befähigt sich seiner unverschuldeten Unmündigkeit zu entledigen.

Das Leben, die Natur ist ein System, das ebenfalls Impulse gibt.
Es veranlasst die eine Kreatur der anderen die Eier [edit: Die Kinder] aufzufressen.
Ich könnte hier eine endlose Liste des Leids beginnen, indes ich erspare es dem Leser.

Der Mensch ist in die bestehenden Systeme eingebunden, das sind die Natur, die Gesellschaft, die Familie, der Arbeitgeber, etc. , etc.
Die Anfangsimpulse, die von diesen Systemen ausgehen lassen tatsächlich nur sehr wenig Spielraum für freie Entscheidungen.

Was der Mensch lernen muss ist, den Begriff des Bösen durch ein Konzept der Verantwortung abzulösen.
Aber was ich nicht zulasse ist, dass dem Menschen die ursächliche Schuld aufgebürdet wird.
Shui
Zitat:
Genau das ist das Problem mit Beispielen

Das du dich nicht klar ausdrückst und nicht sagst, worum es überhaupt geht? Gut erkannt. Red nicht um den Brei herum -.-

Ich meinte das Handyverbot in den Pausen, nichts anderes.
Und wozu genau diente der ellenlange text? Der Satz ist doch viel besser zu verstehen.
Es ist der Schulleitung überlassen, gewisse Regeln in ihrem Ermessen auf zu stellen. Alelrdings wüsste ich spontan keinen Grund, Handy in den Pausen zu verbieten, sofern damit nicht Illegales angestellt wird (was die erstaunlicherweise inzwischen können).

Zitat:
Und meine Kernaussage ist und bleibt, dass eine Regel ständig nach ihrem Sinn hinterfragt werden muss. Ist dieser Sinn nicht (mehr) erkennbar oder in der betreffenden Situation nicht erkennbar, so kann ihr Befolgen mehr Schaden anrichten als ein Ignorieren der Regel.

Das Problem ist natürlich, dass dein Beispiel nicht im geringsten etwas mit dieser Kernaussage zu tun hat. Zwar mag die Begründung für das Handyverbot zweifelhaft sein (die kennst du ja nicht) aber ein wirklicher Schaden wird nicht angerichtet. Sollte beispielsweise ein Notfall passieren, wird man kaum einen Jugndlichen, als den Notruf verständigen. Ein dramatisches Ereignis muss sowieso der Schulleitung mitgeteilt werden, wenn der Schüler vom Unterricht befreit werden soll. Ergo: Es entsteht kein Schaden.

Zitat:
Ein Mann hat Probleme mit einer Buchbestellung. Irgendwie wird eine falsche Nummer weitergeleitet und es wird daraus eine Strafsache "Entführung".

Das stelle ich mir lustig vor... von der Buchbestellung zum Entführer. Wo kommt denn die Geschichte her?

Zitat:
Vergessen wir aber, dass wir dies alles aufgestellt haben und lassen uns von diesen Strukturen beherrschen, so ist das falsch und gefährlich.

Ich wiederhole mich gerne: Dass diese Regeln uns beherrschen ist ihr Sinn und Zweck. Wir haben das mit dem Grundgesetz perfektioniert, wir haben einen riesigen Verwaltugnsapparat, der diese Regeln durchsetzt, haben gar globale Institutionen etabliert, um das auf noch höherer Ebene zu tun.
Es gibt nur eine Handvoll von diesem "wir" die überhaupt Einfluss darauf nehmen können. Manche sind gar unangreifbar.
Die Regeln beherrschen uns und ein paar wenige Beherrschen die Regeln. Ist doch gut, oder hast du mal richtige Beispiele?
Exebeche
Zitat:
Original von Shui
Wir haben das mit dem Grundgesetz perfektioniert,

Die Grundrechte sind Gegenstand permanenter Erosion.
Mietverträge, Arbeitsverträge, Abkommen jeder Art versuchen anhaltend die bestehenden Rechte auszuhöhlen.

Zitat:
Original von Shui
wir haben einen riesigen Verwaltugnsapparat,

auch bekannt als Behördenwahnsinn.

Zitat:
Original von Shui
der diese Regeln durchsetzt, haben gar globale Institutionen etabliert, um das auf noch höherer Ebene zu tun.

Je steiler die Hierarchien desto drastischer der Behördenwahnsinn.

Zitat:
Original von Shui
Es gibt nur eine Handvoll von diesem "wir" die überhaupt Einfluss darauf nehmen können. Manche sind gar unangreifbar.
Die Regeln beherrschen uns und ein paar wenige Beherrschen die Regeln.

Je weniger Instanzen die Regeln beherrschen, desto näher bewegen wir uns am Faschismus (Absolutismus) .
John
Zitat:
21. Mai 2010 ... Finden Sie Computer streiten nicht D Knight Harlan Ellison Zelazny in Bücher , Belletristik , Fantasy , Allgemein bei eBay.ch.


Hier die Quelle, wo man die Kurzgeschichte finden kann.

Nun versuche ich es halt doch mal mit zwei Beispielen über den Sinn von Regeln, selbst auf die Gefahr hin, dass man sich dann auf diese stürzt und die dahintersteckende Kernaussage nicht sehen will.

Handyverbot Grundziel ist es, Schüler zu einem angemessenen und richtigen Verhalten anzuleiten. Sollte unstrittig sein. Was dies nun beinhaltet, sollte festgelegt sein. Ist es auch mehr oder weniger genau.

Ein Problem ist nun zu lösen (Vermeidung von Mißbrauch von Handys in der Schule). Einfache Lösung: Ganz dort verbieten, zweiteinfachste: Gebrauch regulieren. Damit also ihn Regeln unterwerfen. Bedeutet, jedenfalls für mich: Vernunft und Würdigung eines jeden Einzelfalles unterschlagen, Pauschalisierungen ohne Reflexion auf die Gründe für die Regulierung unterstützen.

Dies mag nun im Einzelfall damit abgetan werden, dass man sagt: Jeder weiß ja, dass es verboten ist, also soll er sich halt einfach daran halten
Man könnte sich ja mit dieser Version anfreunden, sie hat aber in meinen Augen den wesentlichen Nachteil, dass eine Regel, deren Sinn nicht unmittelbar einleuchtet nicht nur zum Übertreten anregt, sondern schlimmer: Davon ablenkt, zu beachten, was nämlich wirklich wichtig und wertvoll ist. Oder anders ausgedrückt: Alle pädagogische Energie, die man aufwendet, um Dinge zu regeln, die nur deswegen wichtig sind, weil sie eben so geregelt sind, fehlt bei der Lösung der Aufgabe, Dinge zu regeln, die wirklich wichtig sind, also z. B. angemessener gegenseitiger Umgang miteinander.

Oder noch krasser: Wenn Schüler Regeln befolgen sollen, deren Sinn ihnen - meist nicht zu Unrecht - nicht einleuchtet, lernen sie etwas: Regeln sind unsinnig Nun kommt die schwere Aufgabe, ihnen beizubringen, dass diese Erkenntnis nicht für alle Regeln gilt. Diesen Schritt könnte man sich ersparen, wenn ....................... (hier also mein Gedankengang)

2. Beispiel: Geschwindigkeitskontrollen: Ich erspare mir die langen Ausführungen, die ich dazu momentan im Kopf habe und sage nur so viel.

Es gibt einen § 1 der STVO und der ist sinnvoll. Ich bin nicht so blauäugig, dass ich meine, dass er zur Regelung des Straßenverkehrs ganz genügt. 5 bei 10 weitere Regeln smile müssten seine Realisierung schon unterstützen, z. B. Rasen im Straßenverkehr ist verboten

Ob dies nun bei Tempo 54 oder 59 bei erlaubten 50 beginnt oder bei 150 bei erlaubten 100? Ist diese Frage wichtig! Ich meine ja!
Shui
@John
Zitat:
Wenn Schüler Regeln befolgen sollen, deren Sinn ihnen - meist nicht zu Unrecht - nicht einleuchtet, lernen sie etwas: Regeln sind unsinnig Nun kommt die schwere Aufgabe, ihnen beizubringen, dass diese Erkenntnis nicht für alle Regeln gilt. Diesen Schritt könnte man sich ersparen, wenn ....................... (hier also mein Gedankengang)

Geiles Untergangszenario. Und wenn es in der Schulspeisung nichts anständiges zu essen gibt glauben die Leute verkauftes Essen ist schlecht und sofort geht die gesamte Gastronomie unter?

Und deswegen muss man ihnen beibringen, dass nicht jedes Essen schlecht ist, damit sie nicht verhungern?
Und um das zu erreichen macht man also etwas total dummes? Gute Einstellung.

Woher soll denn der Leher wissen, dass die Schüler nichts Verbotenes mit ihren Handys anstellen? Jeden Einzelfall untersuchen? Bist du wahnsinnig? Wenn da 800 Schüler an der Schule sind und mangels Verbot wenigstens 400 in jeder Pause ihr Handy auspacken (weil man das halt tut) dann sollen am besten alle Lehrer aufpassen, dass keiner damit was anstellt? An jeder verdammten Ecke der Schule?
Es reicht ja schon, irgendwelche scheinbar harmlosen Fotos zu machen, welche später mittels Bildbearbeitung problemlos zum massiven Mobbing genutzt werden können. Und weil die Lehrer damit beschäftigt sind, genau das zu kontrollieren (was nahezu unmöglich ist) bekommen sie nichts anderes mehr mit (Schlägereien, anderes Mobbing, bla...).
Und im Gegenzug steht das absolute Handyverbot, das bekannt ist und nur in den hintersten Ecken gebrochen wird, wenn grad kein Lehrer zuschaut, was beispielsweise die Anfertigung von Fotos oder anderen Aufnahmen stark reduziert.

Zitat:
Ob dies nun bei Tempo 54 oder 59 bei erlaubten 50 beginnt oder bei 150 bei erlaubten 100? Ist diese Frage wichtig! Ich meine ja!

Dann schau dir den verdammten Bußgeldkatalog an -.-
Wer schneller als die erlaubte Geschwindigkeit fährt, macht sich strafbar PUNKT.
Dass der Autotacho, ebenso wie die Messgeräte nicht perfekt funktionieren führt dazu, dass die Polizei mit einer gewissen Toleranz rechnet, auf die man sich aber wegen besagtem ungenauem Autotacho nicht verlassen kann.

Für die genauere Festlegung der Bußgelder gibt es dann Grenzen. Also welche Geschwindigkeitsübertretung (prozentual) zu welchem Bußgeld führt.


@Exebeche
Ich befürworte weder den Behördenwahnsinn, noch dass die Regeln (über diverse Instanzen) nahezu unangreifbar werden.
Es ging mir darum zu sagen, dass wir eine Menge Regeln etabliert haben und dies nicht, weil den Menschen langweilig ist, sondern weil sich Probleme aufgetan haben, die über diese Regeln kontrolliert werden sollen. Und da Menschen die Quelle dieser Probleme sind, ist es Sinn und Zweck der Regeln, die Menschen zu kontrollieren.

Durch die Instanzenteilung sollte ja erreicht werden, dass Regeln trotz ihres eigentlich absoluten Charakters (sie sollen uns kontrollieren) selbst ebenfalls kontrolliert werden konnten (was ohne Instanzenteilung schwieriger wäre, weil es an Blickwinkeln und bla mangelt).