Ein unbestimmtes Gefühl

Andrey
Hallo.

Normalerweise war ich früher in anderen Bereichen des Forums aktiv, aber mittlerweile haben sich meine Interessenschwerpunkte verschoben. Auf die Gefahr hin, dass ich mich blamiere (als ob ich mich hier nicht oft genug blamiert habe ;-)), poste ich einfach meinen Beitrag und hoffe auf Verständnis und dass es sich hierbei nicht um etwas viel zu "unphilosophisches" handelt. Es geht um eine Begegnung mit meiner Exfreundin, die heute stattgefunden hat.

Ich war mit meiner Freundin ca. zehn Monate zusammen. Vor ca. vier Monaten haben wir uns entschieden, uns zu trennen. Es hat einfach nicht funktionniert. Ich glaube nicht, dass ich den emotionalen Zustand von damals beschreiben sollte, jeder kennt es. Aber heute ist mir etwas interessantes passiert.

Meine Exfreundin hat mich angerufen und gefragt, ob wir zwei bei dem schönen Wetter vielleicht spazieren gehen könnten. Die ersten Wochen nach der Trennung haben wir uns vorgenommen, um der Gesundheit willen nichts zusammen zu unternehmen, weder telefonieren noch sonst was. Verständlich. Aber mittelerweile sind vier Monate vergangen und jeder von uns hat mit der Vergangenheit einigermaßen abgeschlossen. Normalität ist eingekehrt. Außerdem war das Wetter in der Tat sehr schön und ich habe mir gedacht: was ist schon dabei? Es hat sich bestimmt einiges getan und wir hätten einiges zu erzählen. Also habe ich zugesagt.

Ich holte sie ab und wir gingen eine Runde um den Park herum spazieren (es hat schon gedämmert, also machte der Park schon zu). Wir haben einfach nur geredet über alles mögliche und haben die Abendstunden genossen. Es war fast schon romantisch - das warme Licht, Windstille und Lufttemperatur von 25°C. Ich habe sie bis zur Haustür begleitet, wir haben uns verabschiedet und ich fuhr nach Hause.

Und dann ging es los. Ich habe ein Gefühl verspürt, das ich nicht charakterisieren konnte. Sowas wie generelle Unruhe oder Nervosität, verbunden mit einem Drang etwas zu tun. Ich habe mich entschieden, mich nicht abzulenken und ließ zu, dass es sich entwickelt. Ich wollte mich dabei beobachten. Aber ich konnte nicht feststellen, was es war. Angst, Verlustschmerz, Verliebtheit, Ablehnung, Hilflosigkeit? Nichts dergleichen. Vielmehr ein Bisschen von allem, aber nichts konkretes. Ich habe versucht, alle mögliche Emotionen durchzuprobieren, aber konnte nichts finden, was dem entsprechen könnte, was ich hatte. Wenn man von der besonderen Art all dieser Gefühle abstrahieren würde, sodass quasi nur die "raue" Empfindung bleibt - so ungefähr hat es sich angefühlt. Nun ja, schwer zu beschreiben. So wie Angst vor etwas, aber man weiß nicht genau wovon. Nur eben noch unbestimmter, ich konnte also nicht mal sagen, ob es Angst war. Einfach nur so ein Unwohlsein.

Ich habe es zwar schon früher erlebt, diesmal wollte ich es aber nicht verdrängen, sondern wirklich mich darauf konzentrieren und rausfinden, wohin es führen wird. Und es hat sich entwickelt. Nach ca. einer Stunde war es fast weg, und stattdessen kam ein anderes Gefühl - ein eher positives - Gefühl etwas richtig getan zu haben. Oder zumindest die Empfindung alleine, denn ich konnte nicht erkennen, was ich denn überhaupt getan habe, geschweige denn etwas wirklich richtig getan zu haben. Komisch war auch, dass ich das Gefühl erst im Nachhinein hatte, als ich wieder zu Hause war, sozusagen verzögert.

Was könnte es gewesen sein? Haben vielleicht einige von euch sowas schon erlebt? Es würde mich wirklich interessieren!
Partygänger
hi andrey-alter kollege-, lang nicht mehr gesehen großes Grinsen

Vielleicht hat dein bauchgefühl sich schon für die freundin entschieden, ehe es dein verstand für dich getan hat bzw tuen wird!!!

roll
Nylen
Nun. Ich liebe eine Frau. Auch eine Ex-Freundin. Nie wieder werden wir zusammen kommen,weil ich das rationell ablehne. Aber mein Herz ist davon leider unbeeindruckt.

Du scheinst deine Ex noch nicht überwunden zu haben und evt. zeigt das nur das sie wirklich liebst, und vielleicht gehört zu wirklich lieben auch loslassen können. Ansonsten beschreibst du stumpf gesagt deinen Hormonshake.
Andrey
Hi, Nylen!

Ich wünschte mir, ich würde sie wirklich lieben. Aber ich habe es nicht geschafft. Versucht. Aber leider gescheitert. Nobody is perfect.

@Partygänger

Hi, Kollege! Ja, war lange nicht mehr da, wollte aber wieder reinschauen. Freut mich, alte bekannte Philosophen hier noch zu treffen! Zwinker
Epic
Ansonsten beschreibst du stumpf gesagt deinen Hormonshake.
Auch sich mit seinem hormonshake auseinanderzusetzen ist eine philosophische disziplin.

Seelenphilosophie
Sie zuzulassen, sie zu verarbeiten ,sie zu schmecken, sie zu erkennen u.s.w.
Gut !

An den treadersteller;
Keine gute wahl hier im forum über liebe und gefühle zu sprechen, für die meisten gibt es das in wirklichkeit nicht, zumindest sagen es ihnen ihre gefühle. Zwinker
DARAUS mixen sie sich dann zumeist ein rationalenshake, der alles ausblendet.

Normalerweise war ich früher in anderen Bereichen des Forums aktiv, aber mittlerweile haben sich meine Interessenschwerpunkte verschoben. Auf die Gefahr hin, dass ich mich blamiere (als ob ich mich hier nicht oft genug blamiert habe ;-)),
Dann sehe dich nicht immer aus den augen der anderen, und ordne dich nicht den erwartungen und eindrücken anderer unter!!!!!
Anderfalls wirst du nie der sein der du wirklich bist.
Dann verfliegen auch diese gefühle; schuld und minderwertigkeit.
SCHLÜSSELWORTe; selbstbesinnung und selbstbewusstsein.
Epic
Philo-Schlumpf
Hallo,

war auch lange nicht mehr hier. Ist Liebe wirklich kein philosophisches Thema? Seit wann? Diese Thema bringt uns doch ebenso viele gute wie schlechte Erfahrungen und gerade die letzten sind es doch, die uns zum Nachdenken bringen. Ist Philosophie nicht denken? Uns ist es nicht gerade die Liebe die uns zwingt, auch andere Denkweisen zu probieren? Und ist nicht gerade das Schicksal solcher Geschichten Auslöser für die eigene Lebensphilosophie, die ja - da wir auch mit anderen Menschen im Kontakt stehen auch unser Umfeld und damit das Leben beeinflussen? Bringen denn Gefühle nicht auch Gedanken, andere Gedanken? Gefühle und Intuition liegen so nah beieinander...

Einstein: Die Intuition ist das Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben das Geschenk vergessen und den Diener zum Herren gemacht!

Wenn ein Mensch seiner Intuition folgt, so ist dies sehr hoch zu achten und auf dieser Seite kann es dazu dienen auch philosophische Sichtweisen zu beeinflussen und zu ändern, oder?

Ich schreibe dies, weil ich den Autor sehr gut verstehe, bin ich doch in einer ähnlichen Situation. Auch ich zweifle gerade daran ob ich wirklich lieben kann... und stelle fest, das Gefühle und Gedanken zu trennen nicht möglich ist.

Und wenn ich noch so rational denke, so vertrete ich meine Überzeugung doch mit dem absoluten Gefühl der Richtigkeit. Sonst könnte ich meine Überzeugung nicht vertreten, oder? Anders herum sagt mir mein Verstand, das es besser so ist, wie es jetzt ist. Mein Herz (Gefühl) sagt mir aber etwas anderes. Was ist jetzt richtig?

Wer sagt, das Philosophie nichts mit Herz zu tun hat, hat meiner Auffassung nach etwas nicht verstanden. Und dies ist ein Problem der westlichen Welt. In der östlichen Philosophie ist eine solche Trennung undenkbar. Deshalb ist unsere Gesellschaft so sehr maschinistisch. Wir kommen mit der Ethik und der emotionalen Welt anderer Völker nicht mehr mit. Und umso weiter wir in diese Richtung gehen, desto weiter entfernen wir uns von uns selbst.
Epic
Wer sagt, das Philosophie nichts mit Herz zu tun hat, hat meiner Auffassung nach etwas nicht verstanden.
Nicht nur etwas nicht verstanden, er versteht sich dann auch selbst nicht.
Gil Gamesh
Zitat:
Original von Epic
Wer sagt, das Philosophie nichts mit Herz zu tun hat, hat meiner Auffassung nach etwas nicht verstanden.
Nicht nur etwas nicht verstanden, er versteht sich dann auch selbst nicht.


Bist du vom Umweg abgekommen?
Andrey
Danke für alle Antworten! smile
Es ist beruhigend zu sehen, dass viele mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie ich.
Für Musikfreunde: Supertramp - Logical Song
Daedron
So etwas gravierendes, reizvolles, gefährliches wie eine Frau ins Leben zu lassen verändert die ganze nächste Zeit. So ist es auch beim Gegenteil: Man trennt sich und nun muss man wieder allein zu recht kommen. Das ist beunruhigend - alles fremde beunruhigt, wenn wir nicht das Gefühl haben, "die Situation im Griff" zu haben. Wir müssen uns dann auf etwas neues einstellen, neu abschätzen, Routinen verändern, kurz: Unsere derzeitige Orientierung gerät ins wanken. Das beunruhigt.
Doch dann kommt hoffentlich irgendwann der Punkt, wo wir wieder zu uns zurück kommen. Wir ins gewohnte Umfeld einkehren (und sei's, weil wir uns an das neue gewöhnt haben) und uns endlich wohl fühlen in gewohnten klängen...

prost.
Exebeche
Zitat:
Original von Philo-Schlumpf
Einstein: Die Intuition ist das Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben das Geschenk vergessen und den Diener zum Herren gemacht!


Ahem...
Ist nicht gegen dich gerichtet, Philo-Schlumpf, nur:
Inzwischen muss Einstein für jeden zweiten Glückskeks-Spruch herhalten.
Wenn er das gewusst hätte, wäre er wahrscheinlich nicht sehr glücklich gewesen.
Wenn man sich die Menge an Kalendersprüchen ansieht, die er von sich gegeben haben soll, wäre er kein Physiker sondern Poet gewesen.
Oder Prophet.
Und dabei ist nicht einmal seine vielzitierte Äußerung die kosmische Konstante sei die größte Eselei seines Lebens gewesen durch Quellen belegt.
Frag mal in deinem Umfeld, welche historische Persönlichkeit der Befragte gerne kennenlernen würde.
Ich bin mir nicht sicher über die Zahl, die ich gelesen habe, aber ungefähr jeder zweite will entweder Jesus oder Einstein treffen.
Der arme alte Albert scheint so etwas wie messianische Züge für unsere Gesellschaft zu besitzen.

Und ich bin dagegen. Lasst Albert in Frieden ruhen.
Exebeche
Zitat:
Original von Andrey
Was könnte es gewesen sein? Haben vielleicht einige von euch sowas schon erlebt? Es würde mich wirklich interessieren!

Was du erlebt hast ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass unser "Ich" nicht das gleiche ist wie unser Bewusstsein.
Das Gehirn verarbeitet den größten Teil der auf uns einströmenden Information ohne dass diese unser Bewusstsein erreicht.
Dabei können wir nicht ohne weiteres "bewusst" beeinflussen, welche Teile der Information unser Bewusstsein erreichen.
Gerade emotionale (mitunter irrationale) Inhalte behält uns unser eigenes Gehirn sogar vor. Ich habe selbst solche Zustände des Abgekoppeltseins von meinem "Bauch" in ähnlichen Situationen erlebt und sie mitunter als beunruhigend empfunden.
Normalerweise sorgt unser mentales System damit dafür, dass wir "geistig gesund" bleiben. Ein allzu starkes Abgekoppeltsein kann aber auch Symptom einer Persönlichkeitsstörung sein.
Wie gut die Kommunikation zwischen Verstand und "Bauchgefühl" funktioniert ist mitunter eben eine Frage der Persönlichkeit. Frauen sagt man nach, dass sie einen besseren Draht zu ihrem Bauch hätten.
Menschen die bewusst rational und kontraintuitiv handeln bewirken unter Umständen, dass die Zusammenarbeit von Bauch und Verstand verkümmert.

Wie auch immer, bei dir kam es offensichtlich nicht zu Angstzuständen, sondern zu dem Gefühl etwas richtig gemacht zu haben.
Insofern scheint alles im Gleichgewicht zu sein.
Philo-Schlumpf
Zitat:
Ahem...
Ist nicht gegen dich gerichtet, Philo-Schlumpf, nur:
Inzwischen muss Einstein für jeden zweiten Glückskeks-Spruch herhalten.


Ja danke für die Belehrung. Leider ist es eben auch nur in Zitat mit seinem Namen als Quellangabe. Und soweit ich weiss, darf ein Zitat nur mit der Quellangabe gemacht werden, was im Umkehrschluss heisst, das eine Quellangabe nicht irreführend zu einem Zitat hinzugedichtet werden darf, oder?
Exebeche
Grundsätzlich darf man natürlich schon ohne Quelle zitieren, jedenfalls wenn man in so einem Rahmen hier schreibt, also zum Spaß und nicht für die Uni oder die Zeitung, also nichts wissenschaftliches oder vom Wesen her an die Öffentlichkeit adressiertes.
Es hilft halt immer der Glaubwürdigkeit wenn man eine Quelle hat.
Dabei hat Wiki nur in einem Rahmen wie diesem hier Gültigkeit, nicht etwa an der Uni. Und andere Internetlinks sind natürlich vom guten Willen der zu überzeugenden abhängig.
Grundsätzlich ist eine Quelle umso weniger notwendig je bekannter ein Zitat ist.
Dabei kommt es zu so merkwürdigen Phänomenen, dass die Behauptung, wir würden nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen sei ein Zitat von Einstein, sich großer Akzeptanz und Bekanntheit erfreut, obwohl das völliger Quatsch ist.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass Einstein selbst einen Ruf von Unantastbarkeit hat, was ein gewisses Tabu um das Zitat aufbaut.
Aus genau diesem Grund habe ich Einspruch erhoben, weil der (unbelegte) Verweis auf Einstein ein nicht legitimes Mittel darstellt, das sich unter anderem als Werkzeug der Demagogie eignet.
Darauf aufmerksam zu machen habe ich gewissermaßen für meine Pflicht gehalten.
Recht hast du damit, dass eine Quellenangabe nie hinzugedichtet werden darf, das ist ein absolutes No-Go, egal in welchem Rahmen.
Allerdings kann man jemandem, der Einstein zitiert meistens keine Absicht sondern nur Arglosigkeit unterstellen.
Seitenlicht
Hallo Exebeche



Zitat:
Exebeche:
» Wie gut die Kommunikation zwischen Verstand und "Bauchgefühl" funktioniert ist mitunter eben eine Frage der Persönlichkeit. Frauen sagt man nach, dass sie einen besseren Draht zu ihrem Bauch hätten.
Menschen die bewusst rational und kontraintuitiv handeln bewirken unter Umständen, dass die Zusammenarbeit von Bauch und Verstand verkümmert. «

Das was mich hier stört, ist die umgangssprachliche Verwendung, das es etwas mit dem Bauch zu tun hätte, was allerdings in meinen Augen völliger Nonsens ist. Das spielt sich im Gehirn ab, und das Gefühl was man bekommt, macht sich als Kribbeln oder mulmiges Gefühl oder wie man das auch immer nennen mag (z. B. wenn man gerade einen super genialen Gedankenblitz hat, und diesen noch in Worte faßen muß), im Bauch bemerkbar.

» Bauchgefühl « hat man auch als überwiegend rational denkender Mensch. Vielleicht nicht so sehr ausgeprägt, sodaß man es zeigt, aber trotzdem reichlich auf verschiedene Funktionen verteilt. Eigentlich ist das ja eine vorsprachliche (und teilw. intelektuell behaftete) Ebene (Vorstufe zur Rationalität), welche die rationale beeinflußt, den Weg erst – mit einer evtl. vaage richtungsweisenden Idee als Rahmen – vorbereitet (wenn auch nicht immer richtig) und weiter zu Vernunft und somit Wissen verarbeitet. Man könnte jetzt nicht einfach so sagen, daß jemand, der bewußt rational denkt, verkümmerte Intuition hätte (Definition: völlige Unbrauchbarkeit). Was macht die Triebfeder für diese Gedankentätigkeiten und deren Ausrichtung denn aus? Selbst wenn man einen kreativen Einfall hat? Oder bloßes Interesse an irgend etwas? Davor steht immer triebhafte Emotion als treibende Kraft die leider m. M. n. und u. a. zusammen mit Gefühl in philosophischen Diskursen nie wirklich beachtet wurden. Seit Damásio und Roth hat sich dieses Thema auch endlich in der Philosophie (u. a. auch seitens der Kognitionspsychologie) etabliert.

Interessant ist, daß Frauen tatsächlich schneller Gefühle anderer Mitmenschen wahrnehmen bzw. erkennen können, was damit zu tun haben könnte, daß diese Ebene mit den Gefühlen anderer (evtl. auf der selben Ebene, dafür weniger im Rahmen der Vernunft) interagiert. Vielleicht sogar (unbewußte) Kommunikation ausschließlich durch diese Ebene. Heißt, Vernunft kommt anfangs erst gar nicht so recht ins Spiel. Männer hingegen als überwiegend rational denkende Menschen haben es da etwas schwerer.



Gruß