Dummheit, Irrtümer, Glauben – fatale Folgen

Rebecca
Dummheit, Irrtümer, Glauben – fatale Folgen

Es ist unmöglich, „Dummheit“ klar zu definieren. Es gibt nicht „das Wesen der Dummheit“. Grundsätzlich sind ja immer die anderen die Dummen, die Unfähigen, die falsch Handelnden. Jedoch im Augenblick, wo eine derartige Behauptung aufgestellt wird, hat sich der Aussprechende über die anderen erhoben und impliziert sein „Absolutum“. Ganz dumm.

Was ist überhaupt dumm? Grundsätzlich wird keiner „dumm“ geboren – oder anders herum: alle werden „dumm“ geboren – als „Rohmasse“, die bearbeitet werden muss, gefüllt mit Wissen.
Was nun ist Dummheit? Es sind doch die – dummen - Handlungen, die jemand begeht. Eventuell aus mangelnder Intelligenz heraus, die ihn nicht befähigt, kognitive Erfahrungen zu verarbeiten. Wobei hier wiederum schon die Erfahrung selbst, das Empfinden einer Situation durch unterschiedliche Emotionalität die Gefahr des Irrtums, der Dummheit bei späterer Anwendung in sich birgt. Intelligenz ist nicht gleichbedeutend mit Klugheit, letztere bedeutet eine angewandte Intelligenz.

Nun wird Dummheit auch anerzogen. Bedeutende Instrumentarien zur Verdummung, Verblödung der Massen sind die Medien. Sie spielen mit der Triebhaftigkeit der Menschen, sie kitzeln ein Begehren. Sie liefern Vorgaben von Trends. Sie nehmen das Denken ab, indem sie vorfertigen. Nur noch einpflanzen müssen. Die Frage einfach machen: Nutzt es mir etwas? "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna"? großes Grinsen

Anatole France erkannte: Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.
Da nun wird es gefährlich, wenn „man“ die Feststellung trifft: So viele können nicht irren!
So wird man zum Mitläufer. Zum Vasall der Indoktrinierer, der Machtbesessenen, williger Sklave der gefährlichen Dummheit. Diese Macht lässt Kriege führen, lässt töten, lässt Bequemlichkeit vor verantwortungsvollem klugen Handeln stehen, entgegen diesem dann der Mensch seinen eigenen Lebensraum zerstört. Starrheit und Sturheit ist Dummheit, festhalten an alten Zöpfen, die verfilzt sind. „Après nous le delugue? Nichts sehen, hören, riechen – verstehen! Die Dummheit der drei Affen.

„Dummheit, die unheimliche Weltmacht“ – der Autor Grossbauer nennt sie beim Namen. Die Fehlleistungen, das Fehlverhalten, die verbrecherische Dummheit der Massen.

Ist etwas auch Dummheit, wenn es guten Glaubens geschieht? Glauben ist subjektiv. Dummheit, Klugheit, Weisheit – relativ. Glauben ist nicht dumm, wenn er aus den Erkenntnissen des Lebens sich beim Einzelnen gefestigt hat – aus seiner unbeeinflussten klaren Sicht der Dinge, nicht eingepflanzt sondern erlebt. Und für „schlau“ und richtig erkannt. Glauben ist eine Überlebenshilfe und kann von daher gesehen schon nicht „dumm“ sein. Denn Glauben ist Hoffnung. Wenn ein Atheist an „Nichts“ glaubt, dann glaubt er auch, an „Nichts“ nämlich. Ist das dumm? Nein. Und wenn jemand an eine Weiterleben nach dem Tod glaubt, an Wiedergeburt – ist das dumm? Nein.

Die Dummheit ist wie eine Hydra. Die Wissenschaft schlägt einen Kopf ab, ein neuer wächst, der wiederum auch wieder abgeschlagen werden muss. Neuere Erkenntnisse. Vorher hat man aber mit dem alten Kopf u.U. „dumme“ Handlungen begangen. Na, das ist ja dann passé, ein neues Haupt, bis…..

Denken wir auch an die Dummheit von Philosophen, die wider besseren Wissens sich zu Taten hinreißen ließen, die ihnen nicht bekömmlich waren. Nehmen wir Plato, der ausgerechnet dem Despoten Dionysus ein neues Staatsmodell unterjubeln wollte…Die Strafe folgte auf dem Fuße. Oder Nietzsche, der, heiß verliebt, sich nicht traute, sich der Geliebten zu offenbaren und sich dazu eines Freundes bediente. Nun, dieser hatte dann die besseren Karten. Aber immerhin prägte dann, sein Scheitern nicht eingestehend, Nietzsche noch den Spruch, dass ein verheirateter Philosoph in eine Komödie gehöre. Nun ja. Auch Heidegger hatte nicht so den rechten Durchblick, wenn er meinte, „den Führer führen zu können“.

Es gibt eine schier unendliche Liste menschlicher Dummheit. Und man kann darüber natürlich diskutieren, wie, warum und ob überhaupt. Über Umstände, über Entschuldigungsgründe, über Unverzichtbarkeiten, über Halbheiten, Teilintelligenz o.a. Denn es ist ja niemand dumm, der sich nicht mit Integralrechnung auskennt – und auch gar nicht will, dafür aber die „Eroica“ in jedem Ton kennt. Der Psychologe Guilford beispielsweise spricht von den so genannten „Intelligenzfaktoren“, die da u.a. sind: Sprachvermögen, Vorstellungskraft, mathematisches Verständnis.

Eines jedoch ist eine grundsätzliche Dummheit: Das Vorurteil. Sich diesem tunlichst zu entziehen bedeutet, an sich selbst zu arbeiten. Man sollte sich selbst bilden, damit man nicht durch andere verbildet“ werden kann zwecks Beabsichtigung einer gezielten Steuerung in Dummheit.

<<Der Gescheitere gibt nach. Ein unsterbliches Wort. Es begründet die Weltherrschaft der Dummheit.<< Marie von Ebner-Eschenbach

Freundliche Grüße
Rebecca winken
Dûn Rabe
Hallo Rebecca,
Ich finde du vertrittst eine sehr interessante Meinung zum Thema "Dummheit". Ich für meinen Teil glaube nicht, das es dumme Menschen in diesem Sinn gibt, schon deswegen weil der Begriff "Dumm", wie du schon gesagt hast, nicht klar zu definieren bzw. abzugrenzen ist. Natürlich kann man etwas langsamer denken als alle Anderen, oder man ist weniger aufnahmefähig, aber ist man desegen dumm? Andere Begriffe für dumm sind beschränkt oder zurückgeblieben (im geistigen Sinne), was auf eine Behinderung zurückzuführen ist. Insofern unterstellt man einer Person mit der Behauptung, sie sei dumm, eine geistige Behinderung, was irgendwo auch keinen Sinn ergibt. Du vergleichst Dummheit mit Manipulation durch Medien, finde ich an sich interessant, kann mich aber nicht ganz damit anfreunden. Ich denke nicht, das Menschen durch Medien verdummen, sondern wie gesagt manupiliert werden, frei nach dem Motto:"Warum selbst denken, wenn auch denken lassen kann?" Zusammenfassend würde ich sagen, es gibt KEINE Dummheit sondern eher Gedankenlosigkeit. smile

Gruß
der Rabe
Rebecca
Hallo Rabe, das meine ich doch auch, dass es keine "dummen" Menschen gibt, sondern dumme Handlungen, die wiederum die Gedankenlosigkeit, die geistige Impotenz und Faulheit gebiert. Also sollte man "Dummheit" nicht substantivieren, sondern als Abstraktum betrachten - oder als Synonym für viele Unterteilungen.

Man sagt: Stillstand ist Rückgang. So meine ich es auch mit den Medien, die zur Verblödung führen (können) - auch anderes ist natürlich denkbar. Je nach eigener Bereitschaft zum Denken und Prüfen anstatt Hinnahme.

Ein dummes Verhalten muss immer dann bescheinigt werden, wenn sich der Mensch weigert, aus einem Lernprozess sein Fazit zu ziehen. Wenn er also immer wieder die gleichen Fehler macht - der Hamster in seinem Rad, nie ans Ziel gelangend.

Kant in seiner "Kritik der reinen Vernunft: "Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen."

Richtig in meinen Augen erkannte auch der Schriftsteller August Lämmle: "Die Dummheit hat viele Kinder, männliche und weibliche, den Neid und den Geiz, die Lüge und die Selbstsucht, den Zorn und die Bosheit."

Viele Facetten - wie zweifelte Einstein doch in seinem Vergleich an der Unendlichkeit des Universums...?

Freundliche Grüße
Rebecca winken
Archibald
Zitat:
Original von Rebecca
Dummheit, Irrtümer, Glauben – fatale Folgen
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Was ist überhaupt dumm? Grundsätzlich wird keiner „dumm“ geboren – oder anders herum: alle werden „dumm“ geboren....................................................


@ Rebecca:

Äusserst intelligente Aussage !!!!!
Taurus
Ich möchte meine Dummheit beisteuern.

Alles ist richtig so wie es ist, die Summe unserer Entscheidungen haben uns in dieses Jetzt geführt.
Darum ist das Jetzt immer richtig und man kann in jedem Jetzt eine neue Entscheidung treffen.(jeder für sich und nur jeder für sich)


Gruß Taurus
ete
Hi Rebecca,

Zitat:
Original von Rebecca
Was nun ist Dummheit? Es sind doch die – dummen - Handlungen, die jemand begeht. Eventuell aus mangelnder Intelligenz heraus, die ihn nicht befähigt, kognitive Erfahrungen zu verarbeiten.

auch wenn Du bewusst 'eventuell' geschrieben hast, hat Dummheit nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Intelligenz ist schlicht und einfach Informationsverarbeitung, die gemessen (und normiert) wird, also eine Leistungsfähigkeit der Info-Verarbeitung.

Dummheit ist nun nicht das Gegenteil von Intelligenz, sondern eine situative Uneinsichtigkeit oder Gedankenlosigkeit.

Zitat:
Wobei hier wiederum schon die Erfahrung selbst, das Empfinden einer Situation durch unterschiedliche Emotionalität die Gefahr des Irrtums, der Dummheit bei späterer Anwendung in sich birgt. Intelligenz ist nicht gleichbedeutend mit Klugheit, letztere bedeutet eine angewandte Intelligenz.

Wobei es da wiederum Klug*Kraftausdruck*er geben kann, da zur Klugheit nicht nur Scharfsinn und Kombiantionsgabe gehören, sondern auch eine gewisse Umsicht, lieber barmherzig zu schweigen oder gerade hier und da etwas zu sagen.
Rebecca
Hallo ete, ich habe mich da etwas missverständlich ausgedrückt. Natürlich ist Dummheit nicht gleichbedeutend mit mangelnder Intelligenz - wie es überhaupt DIE Dummheit gar nicht gibt. Ich meinte, dass ein dummes Verhalten aus der Unfähigkeit eines zwar durchaus intelligenten Menschen heraus resultieren kann, dem trotz seiner Intelligenz - Auffassungsvermögen - dennoch die Fähigkeit abgeht, seine gewonnenen Erkenntnisse "klug" anzunehmen, wo es dann lediglich beim "Wissen um" bleibt.
Somit ist es nicht ausreichend, Wissen anzuhäufen, eine rasche Auffassungsgabe zu besitzen, man muss hier weiterdenken können - über den Tellerrand hinaus, wo all die vielen schlauen Dinge liegen - und dann diese so anwenden, dass die Handlung KLUG ist.

Das si tacuisses.....ist auch eine Ermessensfrage. Dies vorher zu beherzigen. Ansonsten dann: späte Erkenntnis, ist nicht "klug" gewesen. Hat oftauch mit der emotionalen Intelligenz zu tun.

Freundliche Grüße
Rebecca winken
byLaszlo
@Rebecca,

Früher waren es Gott und die Kirche, vor denen
sich der einzelne Mensch dumm vorkam und wenn
dazu seine Kapazität nicht ausreichte, wurde es
ihm glaubhaft vor Augen geführt.

Seit der Aufklärung haben wir uns an der Vernunft
zu messen, nicht zufällig entstehen seit dem die
bizarrsten Vernunftauslegungen, um unsere
Weltbilder vor dem Dummheitsvorwurf zu retten.

Mir tut der Einzelne/die Einzelne leid angesichts diese
Forderungen. Philosophie müsste eigentlich zu einer
Gesellschaftswissenschaft mutieren um zeigen
zu können, was ich meine:

Dabei gehören Philosophen noch zu der harmlosren
Sorte, die sich um einen Wissensvorsprung bemühen.
Um einen ganz anderen Wissensvorsprung handelt es
sich wenn Staaten, graue Eminenz, Institutionen,

direkt aus der Schafherde ihren Lebensinhalt-materiell
wie geistig- beziehen und mitnichten handelt es sich
dabei um Manipulation! Gegenwartswissen wurde
schon immer vorenthalten, monopolisiert.

Diese ungleiche Verteilung sichert die materielle Grundlage
einer Gesellschaft und jene geistige Freiräume in denen
dann Philosophen die Ereignisse auf der großen Bühne
für das Fußvolk augenzwinkernd nachspielen.
Sun Deluge
Hallo

Dumm hört sich so abwertend an.
Wir alle sind eher unwissend geboren.
Oder sollte ich sagen... das Schweigen eines Neugeborenen hat sämtliches Wissen dieser Welt in sich vereint?

Dumme Gedankengänge oder dumme Handlungen sind mehr bei Erwachsenen Menschen anzutreffen die eigentlich Wissen erlangt haben müssten und dem zuwider Handeln... oder ein Aussenstehender aus seiner Sicht heraus bewertet und die Akteure als dumm betitelt.

Gruss
schlinge
Ohne Zeitangabe gibt es keinen Sinn über Dumm/Klug zu urteilen.
byLaszlo
hallo Sun Deluge,

nach dem wir, wie etliche male, den einzelnen Dummen
durch das Dorf, (an der Kirche vorbei) getrieben haben,
wäre es an der Zeit die Seite zu wechseln und die
Massenhaltungstaktiken von Organisationen anzusehen!

Ich weiß, der erste Vorwurf ist dabei, dass man
Verschwörungstheorien nachhängt, aber wenn wir beide
aufbrechen um Menschen zu finden, die dümmer
sind als wir, dann handelt es sich dabei eben um eine Verschwörung.

Mir ist auch klar, dass die Macht, die uns zu einer Schafherde
macht mehr auf dem Lager hat als Verschleierungsmethoden
um mit Manipulationsvorwürfen fertig zu werden,
darum sollte Philosophie mehr als Mündigkeitsforderung darauf haben.
Kai
Wenn man wissen will, was Dummheit ist, dann muss man darauf achten, für welche Verhaltensweisen, Auffassungen u. ä. das Wort gebraucht wird. Ganz so verkehrt ist es ja nun nicht, was man bei Wittgenstein 2 über Sprache lesen kann.

Mangelnde Intelligenz wird Dummheit genannt.
Mangelndes Wissen wird Dummheit genannt.
Mangelnde Fähigkeiten werden Dummheit genannt.
(Sowohl bezogen auf praktisches Handeln, praktische oder theoretische Entscheidungen.)
Starrköpfigkeit wird Dummheit genannt.
Kuriose Schlussfolgerungen werden Dummheit genannt.

Taurus: "Alles ist richtig so wie es ist, die Summe unserer Entscheidungen haben uns in dieses Jetzt geführt."

Hegel: "Alles was vernünftig ist, ist wirklich, und alles was wirklich ist, ist vernünftig."

Deshalb war auch der 2. Weltkrieg richtig und vernünftig..

Man kann aus Höflichkeit sagen, es gibt keinen dummen Menschen, es gibt nur dumme Urteile, Taten etc.

Genauso kann man sagen, es gibt keine bösen Menschen, nur böse Taten. (Ach, ihr lieben Massenmörder streichel, küss ...)

Höflichkeit kann auch zur Erkenntnisschranke, also zur Dummheit werden.
schlinge
Zitat:
Höflichkeit kann auch zur Erkenntnisschranke, also zur Dummheit werden...


...und die Arroganz. So wie die Toleranz. Die drei Eckpfeilen der Dummheit. Die vierte? ...
Sun Deluge
Man kann es drehn und wenden wie man möchte, irgendwie ist alles dumm...
schlinge
...und Mario Barth.
yrneh
Hallo Rebecca

Du hast ein sehr interessantes Thema, daher möchte ich mich gerne daran beteiligen zu deiner Frage was ist Dummheit.


Einige Menschen denken Mangelndes Wissen sei Dummheit weil man etwas nicht kann, andere sind der Ansicht das Dummheit oder Dummsein der Soziale Status ist die nicht so Gebildeten oder die, die durch Körperlichen einschränkungen nicht dazu in der Lage sind das zu Lernen was andere Können.

Dummheit oder auch Dummsein würde ich daher als eine bezeichnung deren bezeichnen die versuchen sich einen Objektiven blick zu erlauben.
Wes Halb aber sagt uns das Dummsein auch das wir Wissen in uns suchen?

An dieser stelle möchte ich Sokrates Zitieren;

Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Ist es nicht vllt auch so das sie den, den sie als Dumm bezeichnen, er der Kllügere ist weil er sich nicht die mühe macht sich ein Objektives Bild über die anderen einzuhohlen? Wenn er also weder weiß was er in der Situation macht und sich nicht auf die herablassende ebene der anderen begibt ist denn der Dumme nicht auch der Wissende? Ich denke das zwischen Dummheit und Klugheit nur ein ganz schmaler draht besteht welcher sich durch Handlungen im Alltag zeigt.

lg
yrneh