@ Schneemann
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| Man kann zur Erklärung von Etwas durchaus auch dieses Etwas als Werkzeug verwenden. Das ist solange problemlos möglich, solange dieses Etwas nicht in der Erklärung selbst auftaucht. |
Genau das tut es bei einer Bewusstseinstheorie immer unbemerkt. Z.B. dann, wenn wir über irgendwelche Gesetzmäßigkeiten, wie Naturgesetze nachdenken. Die Gesetze sind logische Verbindungen, die wir zunächst modellhaft denken und wenn Erfahrungen sie bestätigen, sprechen wir den Gesetzen zwar objektive Realität zu aber sie bleiben reine Gedankengebäude, denn Gesetze selber können wir nicht wahrnehmen.
Es herrscht allgemeiner Konsens, dass wir die Realität, Natur, Materie oder was auch immer nicht einfach direkt beobachten, sondern wir konstruieren im Bewusstsein ein Bild der Realität, mit dem wir mehr oder weniger gut leben können. Diese Realitätskonstruktion ist zwar keine Willkür und keine Phantasie aber die Dinge an sich kennen wir nicht. Dieser „Konstruktionscode“ von allem, was wir bewusst erkennen, sind genau die Grundstrukturen jeder Logik, denn erst wenn alle Sinnesdaten logisch sortiert werden, sind sie bewusstseinsfähig. Einer Sache bewusst sein heißt z.B., sie von allem abstrahieren zu können und das heißt, sie mit
allen anderen möglichen Bewusstseinsinhalten in Verbindung bringen zu können. Der Bewusstseinsinhalt ist also zugleich etwas für sich Betrachtetes und etwas vor den Hintergrund aller anderen Bewusstseinsinhalte Gebrachtes. Das ist nur eine der logischen Bedingungen, in welche unser Verstand die Bewusstseinsinhalte zurecht puzzelt, damit sie bewusstseinsfähig werden. Für näheres müsstest du bei Kants transzendentaler Analytik nachschauen. Das meinte ich damit, dass das Bewusstsein in seinem Wesen reine Logik ist.
Natürlich sind es unsere Hirnzellen, welche diese „transzendentale“ Vorarbeit des Bewusstseins verrichten. Sie tun es aber nur nach den logischen Regeln, welche das Bewusstsein dafür vorgibt. Die Hirnzellen sind die Hardware und das Bewusstsein ist das logische Betriebssystem. Untersuchen wir die Logik der Hirnschaltung aber, so finden wir nur die Logik des Bewusstseins, also die Ostereier, welche das Bewusstsein selbst schon bei dieser Untersuchung reingesetzt hat, um überhaupt untersuchen zu können. Deshalb kann das Bewusstsein nicht aus etwas anderem als es selbst erklärt werden.
Erklärt man das Bewusstsein aus etwas anderem als es selbst, so scheitert diese Erklärung, denn wie soll das Bewusstsein sich seine Bewusstseinsinhalte konstruieren, wenn die Konstruktionsweise ihm etwas fremdes, anderes ist, dessen es nicht bewusst ist? Die Bewusstseinskonstruktion ist schon das Bewusstsein, denn wann sollte es denn bewusst sein, wenn nicht bei diesem Akt? Und was sollte diese Konstruktion anderes sein als das Bewusstsein selbst, denn sonst würde das Bewusstsein gespalten sein in konstruiertem Bewusstseinsinhalt und Bewusstsein. Bewusst ist man sich aber der Inhalte. Unsere abstrakte Trennung von Bewusstes und Bewusstem verfehlt also schon das eigentliche Bewusstsein.
Dieses logische Vorsortieren ist nicht zu verwechseln mit abstrakter Logik oder Mathematik, denn es geschieht im Bewusstseinsakt selbst, ohne dass wir es als solches merken. Jeder Mensch, der nur halbwegs bewusst und wach ist, gebraucht irrsinnig viel solch logisches Sortieren seiner Bewusstseinsinhalte, wenn er z.B. nur aus dem Fenster schaut, auch ohne dabei über logische Probleme nachzudenken. Um Gegenstände als solche erkennen zu können, brauchen wir viel Mathematik und Geometrie, sonst würden wir nur Lichtpunkte sehen und wüssten nicht mal, dass es Lichtpunkte sind (wie bei Menschen, die blind geboren wurden und nach vielen Jahren per Operation ihr Augenlicht kriegen: Sie können nichts damit anfangen).
Wenn einer schlecht in Mathe ist, dann ist er nicht bewusstlos, denn die eigentliche Mathematik brauchen wir viel elementarer. Ein Mensch der diese elementare (transzendentale) logische Vorsortierung der Bewusstseinsinhalte nicht mehr hinkriegt, dessen Bewusstsein ist dann wirklich schwer getrübt oder kollabiert.
Von daher kann man Logik und Bewusstsein gleichsetzen.
Das ist jetzt sehr Kantisch gesprochen und moderner Konstruktivismus oder Systemtheorien gehen etwas anders vor, aber das Prinzip bleibt dasselbe.
Erforschen wir die Gesetze unseres Bewusstseins, so finden wir „nur“ die Gesetze, die das Bewusstsein selbst erzeugt hat, denn letztlich sind alle Gesetze Produkte des Bewusstseins.
Es ist auch schon viel gewonnen, das Bewusstsein in seinen Bedingungen genauer zu erforschen. Das Bewusstsein erforscht sich dabei, indem es sich selbst näher beschreibt. Es erklärt sich dabei aber nicht aus etwas anderem, da es selbst immer das Primäre ist, denn wir können nicht über unser Bewusstsein hinaus bewusst sein.
Man gewinnt auch nichts, wenn man mit einem Stein einen anderen zertrümmert und immer wieder nur kleinere Steine findet. Analysiert (zertrümmern) man wissenschaftlich das Bewusstsein, findet man nur das, was das Bewusstsein selbst erst bereitstellt, nämlich logische Strukturen und die lassen sich nicht weiter aus anderem erklären, sondern man braucht sie, um überhaupt zu analysieren und etwas zu erklären. Eine Bewusstseinstheorie ist also eine Analyse des Analysierens. Da ist abzusehen, dass man bald an eine Grenze oder einen Zirkel gerät. Nochmal der Vergleich der Analysehilfe mit dem Hammer: Der mit dem Hammer Analysierende wird nach langer Forschung nichts entdecken, außer der Analyse mit einem Hammer, wenn sein Bewusstsein nicht anders möglich sein sollte, als mit einem Hammer die Bewusstseinsinhalte zu sortieren und zusammenzunageln und nur dann ist es eine Bewusstseinstheorie.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich erkläre hier nicht das Bewusstsein, sondern beschreibe nur logische Bedingungen, ohne die Bewusstsein gar nicht möglich sind und die bei jedem Bewusstseinsakt immer angewendet werden
müssen. Dahinter kann man nicht zurück. Wir wissen nicht, ob die Welt, Natur oder Materie außerhalb unseres Bewusstseins auch so logisch strukturiert ist wie unser Bewusstsein. Welt, Natur und Materie sind letztlich selbst auch Bewusstseinskonstrukte. Moderne Systemtheorien sagen nichts anderes, nur haben sie noch eine Menge Bedingungen mehr entdeckt als Kant. Den meisten ist nicht klar, wie radikal tief der Eigenanteil des Bewusstseins an jeder Realität reicht.
Wir können unser Bewusstsein nur beschreiben, d.h. abstrakt darstellen,
was das Bewusstsein bei
jedem seiner Akte macht, um darauf zurückzuschließen, was seine Bedingungen sind. Das ist aber keine Erklärung aus etwas anderem, denn dazu müsste man erklären können,
wie das Bewusstsein das macht. Das scheitert daran, dass man entweder auf logische Axiome stößt oder aber bei der Erklärung, wie das Bewusstsein arbeitet, wiederum dessen logische Bedingungen verwendet und damit wieder unterhalb des Bewusstseins rutscht, also unbemerkt einen Zirkel bildet.
Die Logik kann man ja auch nicht aus etwas anderem erklären, denn jede Erklärung ist ein Gebrauch der Logik. Erklärt man die Logik mit der Logik, hat man einen Zirkel. Man kann die Logik nur aus sich selbst entfalten. Das Bewusstsein kann sich also höchstens entfalten und sich mit sich selbst darstellen. Das ist auch schon etwas und oft sogar schön.
Wer jedoch meint, man könne die Bewusstseinsbedingunge aus anderem ableiten, der soll mir doch mal erklären, wie es möglich ist, dass man etwas als eine Einheit denken kann, z.B. einen Stein als Einheit vieler Siliziumoxidmoleküle. Der logische Akt des Denkens einer Einheit ist nämlich immer mit seinem Gegenteil gegeben, und zwar der Differenz, denn um überhaupt etwas zu denken, was einheitlich ist, muss man es wieder von anderem differenzieren, um es überhaupt begrifflich fassen zu können. Einheit und Differenz ist eine logische Grundleistung des Bewusstseins, die nicht erklärt werden kann, ohne wieder auf Einheit und Differenz zu stoßen.
Bei der Erkenntnis des Bewusstseins ist das Erkennen selbst das Erkannte.
Eine Erklärung oder Theorie des Ottomotors muss nicht der Ottomotor selbst sein, das ist wahr. Eine Erklärung des Bewusstseins kann aber nicht mehr als eine Selbstentfaltung des Bewusstseins sein, denn das Bewusstsein ist der Motor jeder Erkenntnis und Erklärung überhaupt. Die Bewusstseinstheorie, welche dem Bewusstsein am nächsten kommt kann nur dieses selbst sein, sonst bleibt sie nur ein Bewusstseinsprodukt und das ist nur die halbe Wahrheit. Das Bewusstsein ist nämlich von seinem Wesen her nicht etwas, das nur ein Produkt liefert wie der Ottomotor oder andere Vorgänge in der Welt, sondern in ihm laufen auch wieder alle von ihm selbst aufbereiteten „Bewusstseinsprodukte“ zusammen. Besser könnte man von der Identität von Abbildung und Abgebildetem sprechen. Wenn das Bewusstsein nicht für sich selbst die Bewusstseinsinhalte bewusst macht, dann könnte es sich ihrer nicht bewusst werden. Eine schlechte Bewusstseinstheorie erklärt ein Bewusstsein, dass nicht für es selbst bewusst ist. Ein Videoprojektor projiziert nicht für sich selbst und ihn kann man gut aus anderem erklären. Solche Bewusstseinstheorien befassen sich unbemerkt nur mit Bewusstseinsinhalten, bzw. Produkten. Man kriegt dann immer nur einen Teil des Bewusstseinsaktes beschrieben, z.B. das Abbilden oder Objektivieren der Bewusstseinsinhalte. Aber für wen wird denn abgebildet, wenn das Bewusstsein es nicht für sich tut? Wer ist der Empfänger, der sich des Bewusstseinsinhaltes bewusst ist? Hält man den bei der Erklärung außen vor, so hat man noch gar nichts erklärt. Versucht man den Bewusstseinsempfänger zu erklären, so objektiviert man ihn und bildet wieder nur ein Bewusstseinsprodukt oder Abbild. Wie Hase und Igel. Das geht hin und her und man nennt das in der Fachsprache den infiniten Regress. Subjektive und objektive Seite des Bewusstseins getrennt zu erklären, hat jedoch keinen Sinn, da man dann nicht erklärt hat, wie beide zusammen eins sind. Im Bewusstsein müssen der Bewusstseinsinhalt und das Bewusstsein des Inhaltes eines sein, sonst hätte man ein Bewusstseinsinhalt ohne Bewusstsein oder ein Bewusstsein ohne Inhalt. Man kann zwar denken, wie das Bewusstsein sich aus Teilen erst zusammensetzt wie die Teile eines Motors, doch dieser Gedanke erklärt das eigentliche Bewusstsein nicht, sondern er ist nur ein Bewusstseinsakt, der die wundersame Fähigkeit, Getrenntes als Einheit zu denken, nur anwendet. Das wird auch dadurch deutlich, dass man gar kein Prüfkriterium für die richtige Bewusstseinsformel hat. Ich kann mir nicht nur Hirnzellen vorstellen, die kommunizieren, sondern auch Steine, die sich anstoßen und eine Einheit, ein „System“ bilden und kann ihnen Bewusstsein unterstellen. Ich kann mir ebenso gut aber auch das Gegenteil vorstellen, nämlich dass diese Systeme kein Bewusstsein haben – die Theorie zeigt in keinem der Fälle, was das eigentlich Bewusstmachende eines Systems ist.
Hier ist also wieder die Leistung der Identität von Einheit und Differenz, die jeder anderen Erkenntnis zu Grunde liegt und die nicht aus anderem erklärt werden kann.
Folgt man diesem Gedanken weiter, wird auch klar, dass Bewusstsein von etwas immer Selbstbewusstsein mit einschließt und damit auch Freiheit. Das ist aber wieder ein anderes Thema.
Andere Bewusstseinstheorien, die das Bewusstsein entfalten und nicht aus anderem erklären, haben noch andere interessante Bedingungen des Selbstbewusstseins entdeckt, wie z.B., dass es sprachlich verfasst sein muss, dass es der Intersubjektivität und der Entwicklung bedarf etc. Die eigentliche Bewusstheit bleibt dabei aber immer das nicht hintergehbare logische Axiom der Einheit von Bewusstem und Bewusstseiendem.
Den Materialismus habe ich vielleicht falsch verstanden und tue ihm Unrecht. Es gibt ja auch verschiedene Spielarten von ihm. Evtl. könnte man das Bewusstsein in der Natur integrieren, indem man sagt, dass die Möglichkeit zu Bewusstsein schon immer in der Natur mitgegeben ist, ohne sagen zu können wie. Man kann ja auch nicht erklären, wie Raum, Zeit oder Logik möglich sind, denn sie sind einfach. Logisch eindeutig falsch wäre ein Materialismus, der Bewusstsein
aus anderem erklärt.