Flo
Okey, meine Prämissen kommen bereits sehr stark in dem Thread
Der Sinn des Lebens zum Vorschein. Für die, die dort nicht beteilgt waren/sind: Mir ist klar geworden, wie viele Illusionen ich mir gemacht habe. Das dumme ist aber, dass viele dieser Illusionen wirklich wichtig und toll waren. Sie haben mein Leben zu etwas besonderem gemacht. Es war nichts zufällig, alles war auf magfische Weise miteinander verbunden. Die Frage nach dem Sinn des Lebens war sinnlos, ebenso die Frage warum es überhaupt etwas gibt und nicht nichts ist.
Seit ich mich mit Philosophie, Linguistik, Soziologie und so einem Mist beschäftige, ist alles kaputt. Die Magie verschwindet, wenn man Erklärungen bekommt. Eine Zeit lang versucht man noch, andere bessere, befriedigende Antworten zu finden. Aber umso mehr man nach besseren Antworten sucht, desto mehr an den verbleibenden Illusionen wird zerstört und irgendwann hat man nicht mehr viel und alles wird immer hoffnungsloser.
Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum die Aufklärung fehlgeschlagen ist. Wer sich wirklich mit der Vernunft auseinander setzt, wird zwangsläufig ein religiöserer Mensch, als jemand, der einfach tut, was ihm gesagt wird.
Klar, die naive Gottesvorstellung fällt natürlich weg, aber die verrücktesten Ideen entwickeln sich in so einem Geist (Schopenhauer, Hegel, Nietzsche, sogar Marx und Kant).
Was nun? Ich würde fast dafür plädieren, dass man nicht dagegen ankämpfen sollte. Es ist zwar absoluter Terror des Philosophen gegen die Gesellschaft, aber letzlich gibt es wohl keinen Philosophen der nicht religiös ist oder Selbstmord begeht.
Vielleicht ist ja gerade die Philosophie das, was sie vorgibt nicht zu sein. Die Philosophie ist unreal und tot, das unsinnige leere Gerede, während der Feudalismus, der Kapitalismus, die gesamten autoritären Regime die zauberhafte Realität verkörpern.
Denn: Wenn ich mich nicht meines eigenen Verstandes bediene, kommt die Realität von außen. Wenn ich mich meines eigenen Verstandes bediene, kommt die Realität ... ja von wo kommt sie dann? Von innen? Aber innen ist nichts außer meinem Bewusstsein und meinen Erfahrungen. Aber Erfahrungen sind zufällig und das weiß mein Bewusstsein auch. Somit kann ich von innen gar kein Wirklichkeit holen. Oder man vergisst einfach letzteres und gibt sich der Illusion hin.
Nylen
Das Dilemma der Aufklärung ist das sie zwar ein klares Ziel aber kein Ende hat, also niemals abgeschlossen ist.
Wie du darauf kommst das Philosophen religöser wären oder werden ist mir nicht klar.
Ein gutes Buch über die "Entzauberung" der Welt durch die moderne Aufklärung ist Mc Dowells: Geist und Welt.
Aber mal psychologisch und nicht philosophisch gesagt. Du sagst nachdem du alles als Illusionen durchschaut hast wurdest du Hoffnungslos. Evt eher erschöpft? Ich hatte öfter Punkte im Leben wo ich sehr erschöpft war und vom denken und philosophieren eine Auszeit brauchte. Erkenntnisse können Schmerzen, sie können anstrengend sein.
Für mich klingt dein Post nach Erschöpfungssymptom.
Sophie
Hallo Flo,
ich würde sagen, die Entzauberung ist eine Phase der Überaufklärung.
Meistens kommt dann irgendwann die Tuchfühlung mit dem Selbst und da wird es wieder sehr "magisch", bzw. die vom Verstand skelletierte Weltkonstruktion löst sich nach und nach wieder in konkrete Lebendigkeit auf.
So ist es zumindestens bei mir.
| Zitat: |
| Aber Erfahrungen sind zufällig |
Woher weißt du das und was soll das erklären? Wenn du derjenige bist, der sie hat, dann bist du auch derjenige, der sich sortiert, als zu dir gehörig oder als ....ja, als was eigentlich sonst?
carsten aus bochum
Hi Flo.
Ich kann vieles von dem was Du schreibst eingermaßen nachvollziehen, für mich stellt sich da eher eine andere Bewegung dar, die die Entzauberung aufhebt.
Was glaube ich wirklich verschwindet, ist die Fähigkeit zu naivem Glauben, ganz gleich welcher Art.
Doch wenn man sich näher mit Philosophie, Soziologie, Linguistik und all dem Mist

auseinandersetzt, erkennt man m.E., dass hier alles andere als konsistente Erklärungen vorliegen.
Es gibt sie innerhalb
eines Ansatzes (und oft nicht mal dort), den man konsequent durchhalten muss und der dann schon wieder starke Glaubenszüge bekommt, weil man berechtigte Einwände oder grundsätzliche Fragen anderer Lager ausblenden muss, aber mit einem Blick auf die Gesamtheit der möglichen Ansätze werden die Widersprüche doch größer und größer.
Man kann sich damit zufriedenstellen, dass bestimmte Ansätze ganz einfach funktionieren und sowas wie Fortschritt erzeugen, doch auch das reicht nicht hin um viele Fragen zu klären, die der Mensch einfach hat, die notwendig zu seinem Leben gehören.
Die schlaueste aller Antworten soll gegenwärtig sein, zu erkennen, dass man diese Fragen gar nicht mehr stellen sollte, das ist natürlich in gewisser Weise ein Treppenwitz.
Der Mensch ist angewiesen auch gute Erklärungen und es gibt wenig was unbefriedigender ist als mit Halbwahrheiten abgespeist zu werden.
Insofern kann ich verstehen, dass man sich resigniert dem Glauben zuwenden, sei es dem religiösen, dem politischen oder szientistischen, aber ich denke dass es Antworten über diesen Glauben hinaus gibt, wenn man sich nicht davon entmutigen lässt, dass man bestimmte Fragen nicht zu stellen hat, nur haben diese Antworten, die es dort zu finden gibt einen immer stärkeren individuellen Charakter.
Gruß,
Carsten
Flo
@ Nylen
Habe mir mal das Buch bestellt.
@ Sophie
Wie kommst du darauf, dass ich das Recht habe, meine Zufälle als Vorhersehungen zu deuten? Das wäre doch Gegenaufklärung pur. Da wäre ja der dümmste Bauer intelligenter als ich.
@ carsten aus bochum
Aber sind "individuelle Antworten" denn nicht gerade religiöse Antworten? Wenn du Sinn in Dinge hineingibst, der einfach nicht vorhanden ist, ist das doch religiös.
DonLaruso
Religion bedeutet doch bloß zu den Wurzeln und da stimmt es da ist Philosophie wohl eher eine Religion als Christentum.
Gibt es wirklich nur Erfahrungen in dir und Erinnerungen in dir?
Ich sags mal so das Schicksal ist ein Program des Gehirns Zufälle in einen Zusammenhang zu bringen, das ist die Erklärung, etwas anderes ist es aber das Program zu benutzen und plötzlich einen Zusammenhang in zufälligen Ereignissen zu sehen, die Verkettung der Synapsen der eignen Erfahrung.
Die Erklärung ist das Foto, die Erfahrung der der auf dem Foto ist.
eliskases
| Zitat: |
Original von Flo
Seit ich mich mit Philosophie, Linguistik, Soziologie und so einem Mist beschäftige, ist alles kaputt. Die Magie verschwindet, ... |
Nein.
Was verschwindet, ist bloß dein Kinderglaube. Ich weiß, dass dies ein herber Verlust ist. Aber er ist ein notwendiger.
Was du gewinnst, ist die wahre Magie.
Nichts ist atemberaubender, als sich in die Gedankenwelt eines Philosophen zu versenken, der etwas zu sagen hat. Hat er das und du lässt dich auf ihn ein, zwingt er dich an die Grenzen des Denkbaren zu gehen, und manchmal, - wenn er wirklich gut ist -, darüber hinaus.
Dann wird dir schwindelig von der Einsicht in das, was er gedacht hat und von der Erkenntnis, dass es nicht sehr viele gibt, die solches zu denken vermögen.
Bist du selbst ein guter Denker, durchbrichst du diese Grenze.
Gute Philosophie ist stets immer auch Aufklärung. Und gute Philosophie ist stets immer auch Magie und Staunen darüber, dass nichts an Größe deinem eigenen Geist gleichkommt.
carsten aus bochum
Hi Flo.
| Zitat: |
| „Aber sind "individuelle Antworten" denn nicht gerade religiöse Antworten? Wenn du Sinn in Dinge hineingibst, der einfach nicht vorhanden ist, ist das doch religiös.“ |
Nein, das sind individuelle Antworten, die können, aber müssen nicht religiös sein.
Die Idee ein Sinn wäre „einfach nicht vorhanden“ ist ja nur eine beliebige Denkidee, die jemand vertreten kann der bspw. Nihilist oder Pessimist oder Naturalist ist. Der kann der Meinung sein, es gäbe keinen Sinn, aber warum sollte das richtig sein?
Wenn Du einen Sinn in einem Glauben findest dann ist dieser Sinn durch Deinen Glauben da, wer wollte ihn Dir nehmen? Gewöhnlich versteht man unter (religiösem) Glauben, dass jemand an ein göttliches Wesen glaubt und dann könnte es schwierig werden wenn jemand fragt, was genau dieses Wesen denn macht, wo es sich aufhält, wieviel es wiegt oder dergleichen.
Aber Du kannst ja auch einen Sinn in der Liebe finden, oder im Betrachten des Sternenhimmels, Deiner Arbeit oder darin, Deinen Garten schön zu gestalten, wer wollte Dir das nehmen?
Gruß,
Carsten
Sophie
Hallo Flo,
die einzige Alternative zu Nicht -Zufall ist nicht Vorhersehung.
| Zitat: |
Wie kommst du da drauf, dass ich das Recht habe, meine Zufälle als Vorhersehungen zu deuten?
Das wäre doch Gegenaufklärung pur. Da wäre ja der dümmste Bauer intelligenter als ich. |
Du möchtest wohl eher sagen, wie ich nur so dumm sein kann, dir einen Vorschlag zu machen, den du dann so verstehen musst.
| Zitat: |
| Da wäre ja der dümmste Bauer intelligenter als ich. |
Tja, das wäre natürlich ganz dramatisch.
@ Eliskases
| Zitat: |
| Und gute Philosophie ist stets immer auch Magie und Staunen darüber, dass nichts an Größe deinem eigenen Geist gleichkommt. |
Was meinst du hier mit eigener Geist? Und wie lange hält dieser Geist an?
DonLaruso
Kennt jemand hier die 3 Verwandlungen die Nietzsches Zarathustra predigte,
erst ist man das Kamel das sämtliche Schriften irrgendwelcher Philosophen und Sonstige auf sich läd, dadurch zerstört man seine Illusionen, rennt also in die Wüste der einst Blühenden von anderen auferlegten Gedankenlandschaft.
Und der Wüste wird man zum Löwen der anfängt das große Tier mit dem Namen du sollst anzubrüllen, nach außen versucht man also auch alle Ideen anzufeinden.
Erst dann wenn alles zerstört ist kann man zum Kind werden das die Welt ohne Verschleierung neu entdeckt.
Manche bleiben ihr ganzes Leben Kamel.
Schneemann
Die Zerstörung der Illusionen offenbart eine viel schönere, vielschichtigere und faszinierendere Welt. Ist der engstirnige, menschgemachte Vorhang aus kindlichem Glauben, Religion und Illusion erstmal beiseitegeschoben, dann wird der Blick erst frei auf die unverfälschte Schönheit der Natur und ihrer Prozesse.
Die Erkenntnis dass du nichts Besonderes bist ist kein Verlust, sondern es ist der Gewinn der Erkenntis dass es sich weder lohnt noch nötig ist etwas Besonderes sein zu müssen.
Nylen
Das Programm der Aufklärung und von Männern wie Kant und Pestalozzi war Selbstbefreiung durch Wissen. Doch diese Freiheit will genutzt sein. Die geistige Unmündigkeit aufgeben, das kindlich naive und religiöse ablegen. Die Möglichkeiten nutzen die Wissen gibt.
Sophie
| Zitat: |
Original von Schneemann
Ist der engstirnige, menschgemachte Vorhang aus kindlichem Glauben, Religion und Illusion erstmal beiseitegeschoben, dann wird der Blick erst frei auf die unverfälschte Schönheit der Natur und ihrer Prozesse. |
Die einen nennen es Natur, die andere Göttlichkeit.
Was an den Prozessen ist denn so unverfälscht schön? Dass uns die Natur befähigt hat, überhaupt Schönheit wahrzunehmen oder ist es das zeitweise Ausblenden können, von Leid, in dem man alles leidvolle und schreckliche dem bösen Menschen und der Religion in die Schuhe schiebt? Das ist aber nur halbgar.
Ist es denn keine Form von Religion ( Rückverbindung), wenn man an die Schönheit der unverfälschten Prozess der Natur glaubt und darüber Ehrfurcht erfährt? Glaubst du, dass diese Sichtweise so sehr abweicht von den Menschen, die in nicht fundamentalistischer Weise Gott und Göttin sehen und diese ehre und sehen, dass das menschliche Gewissen dieser Natur immanent sein kann und somit über sich selbst ( dem Menschen) hinaus zeigt?
Schneemann
| Zitat: |
Original von Sophie
Ist es denn keine Form von Religion ( Rückverbindung),
wenn man an die Schönheit der unverfälschten Prozess der Natur glaubt und darüber Ehrfurcht erfährt?
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Ich wüsste nicht was die Faszination eines Berggipfels oder Wasserfalls mit einer Religion zu tun haben soll. Man kann den Begriff natürlich beliebig dehnen, aber sinnvoll ist das nicht. Im Christentum gehts beispielsweise auch nicht um Naturverbundenheit, sondern vielmehr um die Entfremdung von der Natur. Der Mensch ist nur von Bedeutung wenn er über den Dingen steht. Er soll sich die Welt untertan machen. Der Mensch hat den göttlichen Atem und ist beseelt, die Natur ist leblos und reiner Stoff. Es wird hier ein Dualismus gepredigt der uns von dem trennt was eigentlich wichtig ist. In den Weltreligionen gehts auch in erster Linie um das Jenseits und nicht das Diesseits. Das alles halte ich für grundverkehrt. Das was es nicht gibt wird zum Wichtigsten erklärt, dafür werden Ehepartner verlassen und Kriege geführt, und das was es gibt soll bedeutungslos sein. Auf so einen himmelschreienden Unfug muss man erstmal kommen. Und dieser Unsinn, den man uns von Kindheit an eintrichtert, führt dann dazu dass ein Flo alles als sinnlos betrachtet, nur weil er erkannt hat dass er nicht über den Dingen steht, sondern ein Teil davon ist.
Sophie
| Zitat: |
Original von Schneemann
Ich wüsste nicht was die Faszination eines Berggipfels oder Wasserfalls mit einer Religion zu tun haben soll. |
Nagut. Was Religion betrifft, sind deine Bilder in Erz gegossen.
| Zitat: |
| Und dieser Unsinn, den man uns von Kindheit an eintrichtert, führt |
Ich bin religiös erzogen worden, habe aber nie solche Merkwürdigkeiten eingetrichtert bekommen. Mein eigenes Suchen, Gewahrwerden und Nachdenken ist immer beseelter Bestandteil, wie alles andere auch und dieser göttlichen Natur immanent. Da scheinst du ja andere Erfahrungen gemacht zu haben. Ob du das ohne Weiteres auf Flo übertragen kannst, wage ich zu bezweifeln.
Schneemann
| Zitat: |
Original von Sophie
Nagut. Was Religion betrifft, sind deine Bilder in Erz gegossen.
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Und deine Bilderrahmen sind leer.
| Zitat: |
Ich bin religiös erzogen worden, habe aber nie solche Merkwürdigkeiten eingetrichtert bekommen. |
Das kannst du alles in deinem heiligen Buch nachlesen.
Weniger bekannt aber dennoch recht interessant sind dagegen die Ausführungen von Lynn White, der die Schuld und die Wurzel an der ökologischen Krise und dem furchtbaren Umgang des Menschen mit der Natur in der jüdisch-christlichen Religion sieht. Und ich würde da noch weitergehen und auch die viele Sinnlosigkeitsklagen von den Flos dieser Welt auf die Religionen schieben. Deren verursachte Entwurzelung von der Natur macht es manchen heute unerträglich nicht länger der Natur überlegen zu sein...
He argued that Judeo-Christian theology was fundamentally exploitative of the natural world because:
1. The Bible asserts man's dominion over nature and establishes a trend of anthropocentrism.
2. Christianity makes a distinction between man (formed in God's image) and the rest of creation, which has no "soul" or "reason" and is thus inferior.
He posited that these beliefs have led to an indifference towards nature which continues to impact in an industrial, "post-Christian" world. He concludes that applying more science and technology to the problem won't help, it is humanity's fundamental ideas about nature that must change; they must abandon "superior, contemptuous" attitudes that make them "willing to use it [the earth] for our slightest whim
quelle
| Zitat: |
Mein eigenes Suchen, Gewahrwerden und Nachdenken ist immer beseelter Bestandteil, wie alles andere auch und dieser göttlichen Natur immanent. |
Ja, das sehe ich wohl ähnlich. Nur kann ich dabei auch "beseelt" weglassen und "göttlich" mit "schön" ersetzen ohne dass sich dabei was an der Aussage verändert.
MorgaineLeFay

Ein Thema, mit dem auch ich schon seit geraumer Zeit hadere...
Ich denke, ehe diese Problematik kommentiert wird, wäre es zunächst ratsam, eine Definition von "Zauber" und "Entzauberung" anzuführen - selbstredend aus meinem Verständnis heraus.
"Zauber" nenne ich überhaupt die Voraussetzung für einen Gemütszustand, welcher dem jeweiligen Individuum seine Welt unbedingt erschließt - schrankenlos, vollkommen undeterminiert von Logik und Gesetz. Daher rechtfertigt allein der Glaube den Zauber in seiner ganzen Mannigfalt. Die individuelle Glaubensgestaltung wiederum wird bestimmt durch eine Summe subjektiver Faktoren, z.B. persönliche Empfindungen, persönliches Wertesystem, persönliche Hoffnungen/Erwartungen.
Die „Entzauberung“ kehrt den eben aufgezeigten chronologischen Zusammenhang um. Durch Logik und Gesetzmäßigkeit – ihre Werkzeuge – nimmt sie Einfluss auf o.g. subjektive Faktoren. Neu gewonnene logische Erkenntnisse des Individuums gleichen seine Empfindungen diesen an. Wertesysteme werden aufgehoben, worüber alte Hoffnungen/Erwartungen enttäuscht werden und sich neue erheben. Diesem Wandel ist schließlich der Verfall des Glaubens geschuldet, womit dem „Zauber“ kaum oder keine Macht mehr bleibt.
Nun dürfte noch zu klären sein, welche Wichtung dem „Zauber“ zukommt, dass man seinem Verderben entgegenwirken sollte.
Ich meine, dass dem „Zauber“ die Fähigkeit innewohnt, unser Leben überhaupt eines Sinnes zu bereichern. Da der „Zauber“ erst ob seiner Gefühlsbetontheit zauberhaft wird, füllt er die menschliche Seele mit Emotionen an und macht sie für dieselben empfänglich. Emotionen bedeuten Sensibilität, welche wiederum die subjektive Wahrnehmung präzisiert. Dadurch lebt der Mensch bewusster und erfährt seine Umwelt außergewöhnlich intensiv. Wenn man so will, vollendet sich das emotionale Menschsein also erst im Zauber selbst – denn aus Gefühlen webt das ganze Leben.
Nun verspürt manches Gemüt jedoch das Bedürfnis, diese Gefühle zu analysieren – ihre Herkunft zu bestimmen, diese zu rationalisieren und schließlich gänzlich infrage zu stellen. Das genannte Gemüt „entzaubert“ also mittels Logik und Berechnung. Über diese Analyse geht dem Gefühl jedoch seine Intensität verlustig, was zur Konsequenz eine emotionale Abstumpfung/Dekadenz nach sich zieht. Mit der logischen Widerlegung des Zaubers vergeht der menschlichen Seele längerfristig die Wärme – an ihrer statt halten Kälte und Ratio das Zepter. Die Menschen werden von ihrem Glauben abstehen, da dieser ihnen bis zur Absurdität verdorben scheint. Hierin ruht das Verhängnis. Worauf steuert ein Mensch, der nichts und niemandem durch einen Glauben zugetan ist – ja vielleicht gar den Glauben in sein eignes Wesen verliert und über dasselbe nur dumpfe Zweifel empfindet. Ist dieser Mensch denn noch Mensch? Ich denke nicht.
Fazit: Menschen sind ihrer Evolution unterworfen und zur Forschung/Aufklärung prädestiniert. Jedoch gilt es, diese Forschung nicht wider seiner eigenen Natur (und der Natur überhaupt) zu instrumentalisieren, sondern in Harmonie mit ihr. Seine Logik erhebt den Menschen nicht in den Hybris, er bleibt – aller gewonnenen Erkenntnisse zum Trotze – doch nur Teil des großen natürlichen Gefüges, das sich stets seinem Begreifen entziehen wird. Hegt selbst das logischste Gemüt noch dieses Bewusstsein, so erhält der Mensch sich seine Menschlichkeit, bleibt fühlend und ermöglicht sich so einen stabilen Zustand geistiger Entfaltung.
LG Morgaine
Apfel
@ Flo
Ich meine, du hast dich mit Philosophie, Linguistik, Soziologie und leider auch sonst einem Mist etwas zu flüchtig beschäftigt. Dann hättest du erkannt, dass man nichts erkennen kann, wärest so klug als wie zuvor, wolltest so nicht länger leben und hättest dich erst recht der Magie ergeben…
Nein, Spaß beiseite – diese Disziplinen haben alle einen begrenzten Aussagebereich und können dir gar nicht die Magie deines Lebens entzaubern. Falls doch, dann warst du es selbst oder es ist nur eine Durchgangsphase. Du müsstest konkret zeigen, welche Magie dir wodurch zerstört wurde. Die Aussagen aller Aufklärungswissenschaften lassen sich, wenn sie sich aus ihrem Gebiet herauswagen, genauso gut torpedieren, wie die von Mystikern oder Phantasten.
Immanuel Kant wird als ein reiner Aufklärer gehandelt aber tatsächlich schießt er in zwei Richtungen: Weshalb heißen seine Hauptwerke denn alle Kritik der Vernunft, Urteilskraft etc.?
Er kritisiert damit nämlich auch die Aufklärung selbst und zeigt ihre Grenzen.
Biologen und Hirnforscher z.B. wagen sich gern über ihr Terrain hinaus, weil sie meinen, dass es heutzutage eh keinen ernst zu nehmenden Konkurrenten mehr gibt, der sie in die Schranken weisen könnte. Das Bewusstsein z.B. lässt sich nicht aus etwas anderem erklären, da man immer ein Bewusstsein braucht, um es zu erforschen. Alle Bewusstseinstheorien sind also bestenfalls Tautologien, bzw. Zirkelschlüsse oder reden über etwas ganz anderes. Aber welcher Hirnforscher kapiert schon Kant?
Das Bewusstsein bleibt geheimnisvoll und vieles, was damit verbunden ist. Weshalb sollte man das nicht für sich magisch nennen dürfen?
Auch die Freiheit ist etwas, das man nicht aus anderem erklären kann.
Ich weiß nicht, was du alles gelesen hast, aber ich würde echte Wissenschaft von Wissenschaftsjournalismus unterscheiden, denn Journalisten dürfen sowieso ungestraft schreiben, was sie wollen, solange es nur populär ist.
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