Exebeche
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...,693805,00.html
Wir haben den Abgrund gesehen.
Der Abend des 06.05.2010 war wie ein Blick über einen Felsvorsprung auf eine Wolke. Keiner kann sagen, was genau darunter liegt.
Das einzige, worüber wir seitdem Sicherheit haben ist, dass wir den Ereignissen hilf- und ahnungslos zusehen mussten.
Es gab offensichtlich über Stunden und Tage hinweg niemanden, der das Verhalten der Börse verstand (Von einer Notbremse wollen wir gar nicht erst reden).
Nur langsam hat sich herauskristallisiert, dass wir offensichtlich Zeuge eines eigenständigen Systemverhaltens wurden, das sich - unterstützt durch moderne Computertechnologie - in Geschwindigkeit und Ablauf hochgeschaukelt hat.
Systemtheorie ist nicht jedermanns Sache, aber wer ein bisschen Einblick hat weiß, dass die Art und Weise wie Rückkopplunsmechanismen hintereinandergeschaltet sind wesentlich darüber entscheidet ob ein System stabil ist oder kollabiert.
Da die Börse ein komplexes dynamisches System ist, ändert sich die Art und Weise der Verschaltung permanent, ohne dass dies der Kontrolle einer zentralen Steuerung unterläge.
Aus der Wissenschaft komplexer dynamischer Systeme - im Volksmund gerne als "Chaostheorie" bezeichnet - wissen wir, dass solches Systemverhalten zwar bedingt berechenbar, aber prinzipiell unvorhersagbar ist.
Insider der Londoner City geben längst offen zu, dass das Geschehen an der Börse ein Maß an Komplexität erreicht hat, das für keinen Menschen mehr durchschaubar ist.
"Die Zahl der Wertpapier-Verkäufe hat sich bei jeder der großen Investmentbanken um einen Faktor von mehreren zehntausend erhöht, alles im Verlauf von nur einem Jahrzehnt. Sie wickeln heute innerhalb von einigen Stunden so viele Transaktionen ab wie Ende der 90er in einer Zeitspanne von mehreren Monaten. Früher sahen diese Verkäufe so aus, dass sich Leute Kauf- und Verkaufs-Orders zugeschrien haben – heute passiert alles vor dem Computer-Monitor."
(http://www.swr.de/swr2/programm/sendunge...en-20081104.pdf)
Mehr als das: Inzwischen laufen diese Vorgänge längst IM Computer.
Computerprogramme treffen eigene Entscheidungen, reagieren ohne Rückfrage insbesondere bei Erreichen genau festgelegter Schwellenwerte, die als alarmierend eingestuft werden.
Das kann grundsätzlich natürlich zur Folge haben, dass auf starke Bewegungen auf dem Markt starke Reaktionen erfolgen.
So funktioniert eine selbstverstärkende Rückkopplung.
Es gibt keine Person und auch keine von Menschen kontrollierte Instanz, die die Zusammenhänge versteht und irgendwie vorhersagen, geschweige denn kontrollieren könnte.
Zugleich gibt es keine Instanz, die die Systemzustände benennen könnte, an denen so genannte Bifurkationen erreicht werden. Das sind die Grenzen, an denen das System von einem stabilen Verhalten schlagartig in den Bereich der chaotischen Unvorhersagbarkeit kippt, bildlich gesprochen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Alles was wir augenblicklich mit Sicherheit haben sind Börsianer (die vermeintlichen Experten), denen die Ereignisse so unheimlich sind, dass sie ihren Liberalismus darüber völlig vergessen.
Niemand kann sagen, wie tief der Abgrund ist, in den wir am Donnerstag geblickt haben.
Auch weiß niemand, wie der größtmögliche anzunehmende Unfall aussähe.
Ein Zusammenbruch des Börsensystems wäre dabei wahrscheinlich noch der bestmögliche aller denkbaren Fälle.
Vorstellbar wären aber auch irrationale Verschiebungen in den Märkten, die ganze Volkswirtschaften ruinieren.
All dies ist aber nichts im Wesentlichen Neues.
Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, bei dem man - ähnlich wie bei 9/11 - hinterher sagen wird:
Niemand kann behaupten, es hätte keine Warnungen gegeben.
Wir haben den Abgrund gesehen.
Der Abend des 06.05.2010 war wie ein Blick über einen Felsvorsprung auf eine Wolke. Keiner kann sagen, was genau darunter liegt.
Das einzige, worüber wir seitdem Sicherheit haben ist, dass wir den Ereignissen hilf- und ahnungslos zusehen mussten.
Es gab offensichtlich über Stunden und Tage hinweg niemanden, der das Verhalten der Börse verstand (Von einer Notbremse wollen wir gar nicht erst reden).
Nur langsam hat sich herauskristallisiert, dass wir offensichtlich Zeuge eines eigenständigen Systemverhaltens wurden, das sich - unterstützt durch moderne Computertechnologie - in Geschwindigkeit und Ablauf hochgeschaukelt hat.
Systemtheorie ist nicht jedermanns Sache, aber wer ein bisschen Einblick hat weiß, dass die Art und Weise wie Rückkopplunsmechanismen hintereinandergeschaltet sind wesentlich darüber entscheidet ob ein System stabil ist oder kollabiert.
Da die Börse ein komplexes dynamisches System ist, ändert sich die Art und Weise der Verschaltung permanent, ohne dass dies der Kontrolle einer zentralen Steuerung unterläge.
Aus der Wissenschaft komplexer dynamischer Systeme - im Volksmund gerne als "Chaostheorie" bezeichnet - wissen wir, dass solches Systemverhalten zwar bedingt berechenbar, aber prinzipiell unvorhersagbar ist.
Insider der Londoner City geben längst offen zu, dass das Geschehen an der Börse ein Maß an Komplexität erreicht hat, das für keinen Menschen mehr durchschaubar ist.
"Die Zahl der Wertpapier-Verkäufe hat sich bei jeder der großen Investmentbanken um einen Faktor von mehreren zehntausend erhöht, alles im Verlauf von nur einem Jahrzehnt. Sie wickeln heute innerhalb von einigen Stunden so viele Transaktionen ab wie Ende der 90er in einer Zeitspanne von mehreren Monaten. Früher sahen diese Verkäufe so aus, dass sich Leute Kauf- und Verkaufs-Orders zugeschrien haben – heute passiert alles vor dem Computer-Monitor."
(http://www.swr.de/swr2/programm/sendunge...en-20081104.pdf)
Mehr als das: Inzwischen laufen diese Vorgänge längst IM Computer.
Computerprogramme treffen eigene Entscheidungen, reagieren ohne Rückfrage insbesondere bei Erreichen genau festgelegter Schwellenwerte, die als alarmierend eingestuft werden.
Das kann grundsätzlich natürlich zur Folge haben, dass auf starke Bewegungen auf dem Markt starke Reaktionen erfolgen.
So funktioniert eine selbstverstärkende Rückkopplung.
Es gibt keine Person und auch keine von Menschen kontrollierte Instanz, die die Zusammenhänge versteht und irgendwie vorhersagen, geschweige denn kontrollieren könnte.
Zugleich gibt es keine Instanz, die die Systemzustände benennen könnte, an denen so genannte Bifurkationen erreicht werden. Das sind die Grenzen, an denen das System von einem stabilen Verhalten schlagartig in den Bereich der chaotischen Unvorhersagbarkeit kippt, bildlich gesprochen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Alles was wir augenblicklich mit Sicherheit haben sind Börsianer (die vermeintlichen Experten), denen die Ereignisse so unheimlich sind, dass sie ihren Liberalismus darüber völlig vergessen.
Niemand kann sagen, wie tief der Abgrund ist, in den wir am Donnerstag geblickt haben.
Auch weiß niemand, wie der größtmögliche anzunehmende Unfall aussähe.
Ein Zusammenbruch des Börsensystems wäre dabei wahrscheinlich noch der bestmögliche aller denkbaren Fälle.
Vorstellbar wären aber auch irrationale Verschiebungen in den Märkten, die ganze Volkswirtschaften ruinieren.
All dies ist aber nichts im Wesentlichen Neues.
Wir haben es hier mit einem Phänomen zu tun, bei dem man - ähnlich wie bei 9/11 - hinterher sagen wird:
Niemand kann behaupten, es hätte keine Warnungen gegeben.