DayDream87
Hallo, es gibt meiner Meinung nach drei Kriterien, die ein Lied ausmachen:
- Der Text
- Der Beat
- Die Melodie
Letzteres ist für mich aber besonders interessant, weil ich mich schon seit einiger Zeit frage, warum manche Melodien in unseren Köpfen hängen bleiben, gute Laune machen und einen Wiedererkennungswert haben. Warum erinnere ich mich Jahre später an bestimmte Melodien/Songs, wohingegen ich viele andere Dinge vergesse, z.B. den Interpreten. Zwar kann man manche Melodien nicht einfach wiedergeben, weil sie einem nicht mehr präsent sind, aber wenn man sie dann nach Jahren hört, erinnert man sich meist sofort.
Vermutlich lassen sich bestimmte Melodien sehr einfach vom Gehirn abspeichern und gelangen schnell in das Langzeitgedächnis. Gibt es wissenschaftliche Antworten auf diese Frage?
Viele Grüße
Agent Orange
Die Wahrnehmung von Tönen, Geräuschen, Klängen als Musik basiert auf der Fähigkeit, deren repetitive Kombination als kohärente Einheit zu strukturieren.
Damit ist natürlich kognitiver Aufwand verbunden, woraus folgt, dass prinzipiell besonders einfache und emotional positiv besetzte (also eher harmonische) Muster gespeichert werden können.
Die Konnotationen, in der Musik als Katalysator, Kanal, Gegenmittel etc. für bestimmte Bewusstseinsinhalte, Gefühle, Erinnerungen, körperliche Zustände wirkt, hängen ab von Attributen der Musik selbst (z.B. aggressive, ruhige, harmonische oder kakophonische/dissonante Musik etc.) als auch von der eigenen Gewöhnung an bzw. Erfahrungen mit diversen Spielarten der Musik.
Erik van Thom
Bei deiner Aufzaehlung hast du meiner Meinung nch das Arrangement weggelassen; es macht doch einen grossen Unterschied aus, ob etwas zB bombastisch oder minimalistisch, feurig oder unterkuehlt, mit natuerlichen Instrumenten oder rein synthetischen gebracht wird usw..
Wenn die Toene innerhalb einer Tonleiter dicht beieinander liegen, klingt es meistens melodisch und oft auch sehr eingaengig.
Zum Beispiel die Moldau von Smetana, Alle meine Entchen oder I Was Made For Loving You von Kiss, das ist im Wesentlichen einfach Tonleiter rauf und wieder runter.
Die Hits von ABBA haben alle Melodien, bei den die Toene dicht bei einander liegen, etwa The Winner Takes It All, Dancing Queen, oder wie sie alle heissen.
Keine grossen Tonspruenge machen sicher noch keinen Hit oder Ohrwurm, Ohrwuermer weisen das aber idR auf (zB der Refrain von We Will Rock You von Queen, das ist auch brav die Tonleiter entlang, natuerlich nicht die ganze. Ausserdem ist der Rhythmus sehr eingaengig.).
Mir faellt noch der Riff von Smoke on the Water ein, staendige Wiederholungen steigern auch die Eingaengigkeit.
carsten aus bochum
Vielleicht die empotionale Verknüpfung mit anderen bedeutenden Situationen, manche Lieder erinnern einen eben an die erste Liebe oder etwas in der Art und sind sicher präsenter.
Ansonten gibt es da nichts, was es nicht gibt, ich lese gerade von Sacks Der einarmige Pianist (oder so), wo es auch um Ohrwürmer geht, die manche Leute geradezu in den Wahnsinn treiben können, weil sie sich wie in einer Endslosschleife von selbst anspielen, manchmal nur Segmente, manchmal ganze Lieder.
Ich habe Lieder bei quälenden Schulstunden immmer als Zeimaß genommen, gut 4 mal "Child in time" in der live Version der "Made in Japan" und die Stunde war rum.
(Der Riff von Smoke on the water soll ürigens einfach die Umkehtr ("inversion") von Beethovens Eröffnnungsthema der 5. sein., sagt Blackmore, der muss es ja wissen.)
wollekopp
Interessant finde ich dann, warum beispielsweie jemand eine melodie spielt und jeder sie irgendwie als böse einstufen würde oder als traurig, was auch immer. ich meine, woher kommt das? "das ist jetzt eine böse tonleiter." geht mir ganz oft so und ausnahmen gibt es da wenige.
ich finde übrigenss mitlerweile lieder besser, bei denen ich den text nicht verstehe (finnisch, rumänisch etc.), wohl weil da mehr interpretationsfreiraum für den hörer selbst bleibt. überhaupt, sobald der sänger versucht, in die musik eine bedeutung reinzubringen ist das ja schon fast kitschig, wenn der text nicht entweder richtig gut oder eben sehr zurückhaltend ist. ich persönlich werde mich jedenfalls erstmal von texten fern halten beim musizieren. die nehmen der musik ihre unschuldigkeit, mit anderen worten: ihre sinnlosigkeit - das ist ja eben das interessante an kunst, dass sie einfach ausdrückt, ohne einen sinn dahinter vorzugeben. enthüllung der welt, freunde der philosophie!
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