Ist Denken Voraussetzung für das Philosophieren?

Archibald
Ist Denken Voraussetzung für das Philosophieren?

Aber, um den letzten Satz sagen zu können, muss ich erst mal denken (im Satz: "Ich denke, nein." kommt nämlich das Wort "denken" vor) können!

Es sieht also ganz so aus, als ob die Denkfähigkeit eine Voraussetzung für das Philosophieren sei!

Was denkt ihr?

(wenn ihr nichts denkt, sagt besser auch nichts; nacher tut ihr euch nämlich nur noch selber bloßstellen).
byLaszlo
hallo Archibald,

es wäre töricht dir widersprechen zu wollen, doch,
je mehr ich nachdachte, desto mehr kristallisierte sich
heraus, dass es sich ERST durch PHILOSOPHIEREN
herausstellt, was sich als Denken verstehen kann
inmitten von Chaos durch Lebensdrang, Hemmungen,
Gefühle und Bedeutungen.

Sofern das Philosophieren gelingt! (was ich von mir
noch kaum behaupten kann, denn manchmal WÜNSCHE
ich, dass ich am liebsten in diesem Chaos, oder dort
höchstens als stets prozessierende Neuordnung verbleiben
möchte als voreilig eine Verschiedenheit ( Denk/Phil.) um
dann eine Einheit (Denk=Phil.) festzustellen.)
Cornak
an archibald und byLaszlo :
Philosophieren und philosophisches Denken sind für mich Synonyma, heißt zugleich, daß man durchaus Denken kann, ohne dabei zu philosophieren. Umgekehrt nicht.
Amüsant finde ich, was HEIDEGGER in der Einleitung zu seiner Vorlesung "Was heißt Denken" gleich in der Einleitung sagt zum Denken in der "Wissenschaft" ("Wissenschaft kann nicht denken, denkt nicht").
Ich verstehe das - milde gesagt - als einen Hinweis auf den Unterschied zwischen metaphysischem Denken und logischem Schlußfolgern.
Archibald, zum philosophischen Denken gehört auch der Mut sich bloßzustellen - bei eitlen Menschen selbst in der Anonymität eine seltene Gabe.
Bylaszlo : Die Frage ist für mich, ob Denken als eine Form des Philosophierens überhaupt "gelingen" kann oder sollte, da auch Mißlingendes einen hohen Informationswert haben kann. Es ist doch schon eine gute Erkenntnis, sich in einem Chaos zu wissen, finde ich jedenfalls. Die geistige Evolution (oder Gott ?) hat nicht nurOrdnung geschaffen. Grüße !
byLaszlo
Cornak,

ich möchte deine Idee von "nicht nurOrdnung" aufnehmen um am Ende
mit einem Goethe-Zitat bestätigen. Ob es sich um meinungsbildendes oder
geordnetes Denken handelt, scheints mir, als beschäftigte sich Philosophie
mit den Defiziten, Anomalien, Vermeintlichkeit dieses Denkens.

Es ist kein Zufall, dass wir so oft die Denkfehler des Anderen auf Korn
nehmen und während dessen den Faden zum Eigenen verlieren. Dabei spielt
Wahrheit, Weisheit oder die Suche danach eine wesentliche Rolle und
oft begnügen wir uns damit, dass der Andere in die Falle gegangen ist.

Als misstraute Philosophie dem Denken. Der Philosoph dem Denker.
Archibald hat schon gezeigt, was für Fallen auf mich warten, wenn ich
mich auf seine Frage einlasse. Bessert sich, ändert sich mein Ich, wenn
ich mein Denken in dieser FallenstellerManufaktur therapieren lasse?

Konsequentes Denken, belastbares Wissen...."wäre Gott darum zu tun gewesen,
dass die Menschen in der Wahrheit leben und handeln sollten, so hätte er seine
Einrichtung anderes machen müssen". Weit und breit vernehmen wir nichts über
die unkomplizierte Publizität von Gottes Schöpfungswillen ...dennoch:

macht nichts, wenn jemand mich auslacht: Vertrauen ist besser als Kontrolle.
ete
Zitat:
Original von Archibald
Ist Denken Voraussetzung für das Philosophieren?

Da Philosophieren Erkenntnisgewinn beinhaltet, ist Denken eine Voraussetzung für Philosophie, aber nicht die einzige. Wer neugierig ist und sich wundern/staunen kann besitzt als weitere Voraussezung ein philosophisches Wahrnehmungs- Spektrum.
Cornak
byLaszlo, Dank für den Beitrag. Ich kann nur wiederhollen, daß ich Dich auf dem "richtigen", heißt für mich philosophischen Weg sehe.
Es kann gar nicht anders sein : Wir denken nicht nur über Gegenstände nach, sondern auch über deren geisteswissenschaftliche Dignität. Ohne Leidenschaft nicht machbar ! Aber wir tun's ja nicht allein.
Philosophie muß m.E. sich selbst, genauer dem philosophischen Denken im positiven Sinne "mißtrauen". Schon alte Denker haben die Skepsis ja zum philosophischen Prinzip erhoben. Insofern sind unsere Einwände gegen die Einwände anderer an uns in gewissem Sinne infantil. Es geht dabei nur darum, Einwände auf ihren Gehalt zu prüfen und alles auszusortieren, was nur rechthaberisch (bis giftig) ist.
Mich erfreust Du, wenn Du Dich an ein vertrauendes Fairplay hältst und nicht an gezinkte Karten. Glück auf ! rufen sich die Bergleute zu.
Cornak
an ete : ein schöner Beitrag ! Denken allein genügt nicht für die Philosophie, sondern - so meine ich - es ist auch eine besondere Form der Leidenschaft erforderlich, über deren Kennzeichnung, Benennung man psychologisch nachdenken könnte. Gruß !
ete
Hi Cornak,

merci. smile
Grundmotive sind bei den meistenl Zufriedenheit und Realität.
Leidenschaft ist erst einmal Feuer fangen. Lodert diese Flamme oder glimmt sie beständig? Was reguliert diese Flamme auf angenehme Art und Weise und macht sie zum 'Dauerbrenner'? Zusammen mit Ausdauer oder Hartnäckigkeit ergeben sich langfristig schon mal gute Chancen und Ziele, dazu ist noch nicht einmal überragende Intelligenz notwendig, denn Ausdauer kann Intelligenz zu einem gewissen Grade kompensieren, denn die meisten geben kurz vor dem Ziel auf, ohne zu wissen, wie nah sie dem Ziele sind. Wozu könnten Leidenschaft und Ausdauer hinsichtlich der Philosophie dienen? Um welche Ziele könnte es dabei gehen, wo doch schon so vieles gedacht und entdeckt wurde?- Primär geht es doch um das Verstehen, eine sozusagen kontinuierliche und anspruchsvolle Disziplin. Und es geht um das Bewegen und Erschließen neuer Bereiche, wie sie z.B. gentechnologisch aufgezeigt werden. Die Flamme heißt hier, sich aufs neue zu begeistern ohne eine gewisse sinnliche Qualität zu verlieren.

Welche philosophisch/psychologischen Kontexte siehst du diesbezüglich?
Archibald
Zitat:
Original von ete
................. Wer neugierig ist und sich wundern/staunen kann besitzt als weitere Voraussezung ein philosophisches Wahrnehmungs- Spektrum.


@ ete:

"wundern/ staunen" sind in meinen Augen Formen des Denken´s!

Auf alle Fälle sind sie jedoch (wie das Denken selber auch) Formen von Bewusstsein!
ete
Zitat:
Original von Archibald
"wundern/ staunen" sind in meinen Augen Formen des Denken´s!

Kommt auf die Begründung an. Wie begründest Du Deine Ansicht?

Zitat:
Auf alle Fälle sind sie jedoch (wie das Denken selber auch) Formen von Bewusstsein!

Oder/Und Form-Werdung von Unbewusstem, da das Ich nach Freud von Wünschen und Vorstellungen gelenkt werde.
byLaszlo
hallo Archibald,

in deinem letzten Beitrag beantwortest deine Ausgangsfrage
ziemlich knapp in dem Sinne: "Auf alle Fälle..." kann Bewusstsein
als Voraussetzung für Philosophieren gelten. Ich weiß nicht, ob du
damit zufrieden bist, ob die Frage damit "bewusst" verschwunden ist?

Ich kann nicht einmal genau sagen, ob es mein Denken ist, das
das Gespräch über das recht weit und unbestimmt gefasste
Bewusstsein weiterführen möchte? Es könnte meine Begeisterung
sein, die eine Gestimmtheit jedes Philosophierens behauptet.

Eine vorgängige Gestimmtheit (nicht launische eher musikalische)
des Bewusstseins, die mit dem Denken gar nicht so einfach
einzuholen ist, wie das "unglückliche Bewusstsein" oder in
seinen Möglichkeiten luxurierendes Bewusstsein,

aufgeschriebenes (programmiertes) Bewusstsein (Kittler)
oder einfach das glückliche Bewusstsein, das nicht umhin
kann als all das zu verschweigen.
Archibald
@ ete:

Zumindest sind "wundern" oder aber "staunen" nicht Materie; DAS ist das Wesentliche daran!
byLaszlo
@Archibald,

Zitat:
Zumindest sind "wundern" oder aber "staunen" nicht Materie;


wie auch, wenn sie ("wundern" oder aber "staunen") auf die
Materie oder auf die materialisiertes Aussagen über die Materie
richten?

Oder eben sie richten sich auf sich selbst und vor lauter Materie
sehen sie nichts und deshalb bleiben Wundern und Staunen bei sich
oder sie lassen sich bedenken.
Archibald
Zitat:
Original von byLaszlo
.......................................
wie auch, wenn sie ("wundern" oder aber "staunen"Zwinker auf die
Materie oder auf die materialisiertes Aussagen über die Materie
richten?............


@ Lazzlo:

Eben, so ist es; was in gewissem Bezug zur Materie steht, kann selber nicht Materie sein.
Das Problem dabei ist nur, diesen "gewissen Bezug" genau zu definieren!
ete
Zitat:
Original von Archibald
@ ete:
Zumindest sind "wundern" oder aber "staunen" nicht Materie; DAS ist das Wesentliche daran!

Ok, dann begründest Du 'wundern' und 'staunen' als Formen des Denkens damit, dass sie nicht Materie seien.
Wie kommst Du darauf, dass sie keine Materie sind? Immerhin kann ohne das Gehirn (Materie) weder gedacht noch gestaunt werden. Und zudem hat die Psychophysik Gesetzmäßigkeiten zwischen physikalischen Reizen und subjektiven Sinneseindrücken festgestellt (Gestaltgesetze, Schwellengesetze u.a.).
Archibald
@ ete:

Ich gehe einfach davon aus, dass Bewusstsein (weil das Gegenteil von Materie) immateriell ist, und, dass "staunen" oder "wundern" Formen von Bewusstsein sind.
ete
Ach, Bewusstsein ist doch nur so eine Art neuronales Netz, nur eben unsichtbar. Je mehr Vernetzungen, umso mehr Bewusstsein, also auch Zugang und Raum für Vorstellungen,Wahrnehmungen oder Erinnerungen und die Fähigkeit, diese miteinander zu verknüpfen oder in Beziehung zu bringen. Bewusstsein so gesehen eher als Medium. Du siehst nun Denken als Form des Bewusstseins an, was ich eher strukturell interpretiere. M.E. ist Bewusstsein i.S. von Medium eher wie das Licht, das Bezüge erkennbar macht (Licht an), wobei Denken eine sinngebende Funktion ist, deren Spektrum sich von abstrakt über intuitiv oder schlussfolgernd erstreckt. Staunen und wundern ist mit Intuition verbunden, gleichermaßen mit Denken und Fühlen.
Archibald
Zitat:
Original von ete
Ach, Bewusstsein ist doch nur so eine Art neuronales Netz, nur eben unsichtbar. Je mehr Vernetzungen, umso mehr Bewusstsein, also auch Zugang und Raum für Vorstellungen,Wahrnehmungen oder Erinnerungen und die Fähigkeit................


@ ete:

Das ist Unsinn; du setzzt Bewusstsein gleich mit dem, was es erzeugt oder es verwaltet.

Das wäre so, als ob du sagen würdest, den Lärm, den die Hämmer beim Hammern machen würden, sei selber ein Hammer, oder aber, "Gebäck" sei dasselbe wie "Backen".
Quirm
Zitat:

Ach, Bewusstsein ist doch nur so eine Art neuronales Netz, nur eben unsichtbar.


Wäre es nicht so tragsich, wäre es schon fast wieder komisch. Nun ja, hier zeigt offen, was sich selten bis gar nicht bei dem Menschen ins Bewusstsein drängt.

Ein einziges Wort macht eine ganze Sache, und zwar die Wichtigste für uns, da es das Werkzeug der Werkzeuge ist, zu Nichte.
Ein NUR an dieser Stelle beweist eines; Unfähigkeit gegenüber den Wundern, ! der Magie ! des Lebens, dazustehen ohne auch nur den leisesten Hauch einer Würdigung von dem was man sieht, bzw. (und das ist um längen wichtiger) was DA betrachtet, zu haben.
So ein Leben mag schlimmer als der Tod sein, doch das NUR bewahrt einen sicher vor jeder Konsequenz eines solchen Gedanken, da es ja NUR ein Gedanke ist.
Es gab Zeiten, da half einen der Glauben, es gab Zeiten da half einen das Wissen und es gibt Zeiten da hilft NUR der Zweifel.
byLaszlo
@Quirm,

im großen und ganzen bin ich mit deiner Beurteilung
(Würdigung von dem was man sieht, zwar die Wichtigste
für uns, da es das Werkzeug der Werkzeuge ist,
der Magie ! des Lebens,
einverstanden.

Doch ist es etwas hilflos, diese Bewusstseinsferne
zu personifizieren, dahinter wird erst recht die
große Bewegung unsrer Zeit sichtbar, nämlich das
Nichtdenken der Naturwissenschaften.

Die Autorität des Faktischen bis hinein in die
Wirtschaft- und Finanzwissenschaften regiert die
Welt, erst von hier aus wird sichtbar, dass es immer größre
Felder sind, wo sich Philosophie nur darüber wundern kann,

dass sie auf all das nicht vorbereitet war oder eben
sie die Welt darauf nicht vorbereiten konnte, weil
sie die Ereignisse erst abwarten musste um sie
zu interpretieren, d. h. wie jetzt: den Kopf schütteln.