Denken ist die Voraussetzung zur Aufklärung

erlander
» Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen,

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen (…) gerne zeitlebens unmündig bleibt. «

Immanuel Kant Philosoph 1724 – 1804

» Man kann die Wirklichkeit wahrhaftig nicht auf das beschränken, dessen Existenz auch der Dümmste und Oberflächlichste zu bestreiten keine Lust und Möglichkeit hat. «

Rahner Theologe, Jesuit 1904 – 1984


» Wer niemals eine philosophische Anwandlung gehabt hat, der geht durchs Leben und ist wie in einem Gefängnis eingeschlossen:
a von den Vorurteilen des gesunden Menschenverstandes,

b von den habituellen Meinungen seines Zeitalters oder seiner Nation und

c von den Ansichten, die ohne die Mitarbeit oder die Zustimmung der überlegenden Vernunft in ihm gewachsen sind. «

Bertrand Russell engl.Philosoph + Logiker 1872 – 1970
Reinhard
Heut' wollen wir uns mal mit dem Denken beschäftigen. Wieso, ich denke doch den ganzen Tag.
erlander
Zitat:
Wieso, ich denke doch den ganzen Tag.


Hallo Reinhard, ich dachte wir sind in einem philosophischen Forum, pardon. Grüße erlander
MorgaineLeFay
Hallo Erlander,

du listest uns eine inhaltlich verwandte Zusammenstellung philosophischer Zitate auf, doch worin besteht eigentlich DEINE konkrete These zur Diskussion?

LG

Morgaine smile
Reinhard
Zitat:
Hallo Reinhard, ich dachte wir sind in einem philosophischen Forum, pardon. Grüße erlander.


Hallo Erlander, ich wollte schon einen philosophischen Beitrag zu Deinen Zitaten leisten. Ein Schicksal philosophischer Erörterung ist nämlich, dass diese oft auf die Ironie verwiesen bleibt, gegenüber dem Ernst, der zwar eine bestimmende Größe aber selber wieder nicht bestimmbar ist.

Wenn ich Dich richtig verstehe, willst Du andeuten, dass mehr Menschen von ihrem Verstand gebrauch machen sollten, um sich aufzuklären. Du möchtest also, dass sie vom " ..ich denke doch den ganzen Tag " zum denken über das Denken kommen. Leider ist das aber keine Frage des Denkens selber sondern richtet sich nach dem Willen und wir nennen das Interesse. Der praktische Gebrauch der theoretischen Vernunft ist nicht jedem gleich gegeben und die meisten Menschen werden noch nicht einmal durch Erfahrung klug. Scheint sowas wie ein Naturgestz zu sein. Wir erkennen auch immer nur die äußere Seite der Anderen und schliessen vielleicht oft zu eilig auf den Charakter.

Ich sehe an mir immer noch genug zu verbessern, in dem Sinne mich selber besser kennenzulernen und bei vorliegendem Interesse komme ich vielleicht auch ein Stückchen weiter. Was andere denken und wollen, liegt nicht in meiner Hand. Deine Absichten und Motive bleiben für mich ansonsten unklar, pardon.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
Rhetorix
Zitat:
Original von erlander
» Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen (…) gerne zeitlebens unmündig bleibt. «
Immanuel Kant Philosoph 1724 – 1804...


Kant formuliert nicht logisch stringent.

Richtig müsste es heißen:

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Unvermögen ist selbst verschuldet.
Das Unvermögen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, ist daher selbst verschuldet.
Wenn Unvermögen selbst verschuldet ist, dann besteht diese Schuld in Faulheit und Trägheit.
Da das Unvermögen, sich des eigenen Verstands zu bedienen, selbst verschuldet ist, beruht auch dieses auf Faulheit und Trägheit."


Behaupten kann man vieles - aber die Unterstellung, das Unvermögen, sich des eigenen Verstands zu bedienen, sei selbst verschuldet, scheint mir doch arg hoffärtig.

Was ist mit der Unfreiheit, der harten Zensur und Unterdrückung abweichender Meinungen durch die politisch/religiös maßgebliche, machtvollere Meinung?
Was ist mit der Unerreichbarkeit von Informationen, die der Mensch zum Abwägen seines Urteils brauchen würde?
Und was ist mit der schlichten Dummheit, die einen Menschen nicht im selben Maß zum Verstehen, Schlussfolgern und Abwägen befähigt wie Herrn Professor Kant?
Was ist mit der begründeten Rücksichtnahme auf sehr üble Konsequenzen nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für seine Angehörigen?
Alles selbst verschuldet?


Aufklärung ist meines Erachtens:

- das Wecken der Bereitschaft, sich ein Urteil zu bilden, das von demjenigen der Peer-Group oder aber der herrschenden Meinung abweicht, und dieses zu äußern

- die Verteidigung des Rechts auf Information

- die Mitarbeit an der Information

- die Verteidigung der Freiheit einer Meinungsäußerung.

Hieran hat Kant allerdings maßgeblich mitgearbeitet.
Telltale
Hi Rhetorix,

ich greife mal eine Deiner Ausführungen heraus, um auf ein kleines Problem hinzuweisen:

Zitat:
Original von Rhetorix
Aufklärung ist meines Erachtens:
- das Wecken der Bereitschaft, sich ein Urteil zu bilden, das von demjenigen der Peer-Group oder aber der herrschenden Meinung abweicht, und dieses zu äußern

Wenn das Aufklärung ist, der Verstand jedoch gebietet, dass die Meinung der Peer-Group richtig ist, so hieße es doch gegen den eigenen Verstand zu handeln, wenn man eine Meinung ausbildet, die deren Meinung entgegengesetzt ist.
Insofern wäre Aufklärung also, den eigenen Verstand zu zwingen, eine Meinung zu bilden, die unvernünftig ist.

Das ist nun mal das Blöde an Schlagworten, wie Aufklärung, Opposition oder Dissidere - sie werden stets absolut gebraucht, um eine Wirkung erzielen zu können. Das beste Beispiel dafür ist die parlamentarische Opposition, deren Selbstverständnis es zu sein scheint, alles für falsch zu befinden, was die Regierung für richtig hält. Und als wäre das nicht schon ridicule genug, halten sie als Opposition auch jene Handlungen der Regierung für falsch, die sie für richtig gehalten haben, als sie selbst noch die Regierung bildeten.
Mit dem Gebrauch des Verstandes, der Vernunft hat das doch wohl eher weniger zu tun.

Ganz abgesehen davon, müsste doch aber - wenn ich Deinem Beispiel folge - die Peer-Group diejenige Gruppe von Menschen sein, die dann als erste und meinetwegen sogar einzige in der Lage wäre, sich ihres Verstandes zu bedienen (denn die müßte ja den Zugang zu sämtlichen Informationen besitzen). Denn irgendwie besteht diese Gruppe ja wohl auch aus Menschen, oder?

Gruß
Telltale
erlander
Zitat:
MorgaineLeFay du listest uns eine inhaltlich verwandte Zusammenstellung philosophischer Zitate auf, doch worin besteht eigentlich DEINE konkrete These zur Diskussion?


Hallo MorgaineLeFay, ich denke wenn wir im Forum aufeinandertreffen dann geht es ja nicht ohne denken. Und mit intensivem denken kann man schließlich Folgerungen ziehen und diese vortragen, so weit einem das eben gelungen ist um darüber andere Meinungen zu hören. Es geht mir dabei im philosphischen Sinne immer auf den Austausch von These und Antithese. Also nicht um belletristisches Hin und Her reden.
Ich muss ja nicht bereits, von Altvorderen, Erdachtes und in unzählbaren Buchauflegen in die Welt gesetztes, neu ergründen.
Daher habe ich einfach diese Zitate quasi als eine Voraussetzung zu weiteren Gedankengängen mal platziert. Und wenn diese Altvorderen solche Aussagen von sich gegeben haben, so verstanden sie unter Denken ja nicht daran ob ihre Angetraute bald das Mittagessen fertig hat.
Nimm es also einfach mal so. Was also für einen Disput schon tausendfach wiedergekaut wurde möchte ich nicht noch einmal auf den Tisch bringen. Da sollte man sich einfach kurzer Zitate Weiser Vorfahren bedienen. Grüße, erlander
erlander
Zitat:
Telltale Ganz abgesehen davon, müsste doch aber - wenn ich Deinem Beispiel folge - die Peer-Group diejenige Gruppe von Menschen sein, die dann als erste und meinetwegen sogar einzige in der Lage wäre, sich ihres Verstandes zu bedienen


Es geht ja nicht darum welche Infos jemand bekommt, also wieviel Intellektuelles er oder die Gruppe ansammelt, es bedarf vorab der Intelligenz dieses alles nutzbar zu machen.
erlander
Rhetorix wie schon weiter oben von mir gesagt, beabsichtige ich nicht die Erkenntnisse von Kant oder anderer noch großer Denker zu durchleuchten. Dafür ist das Leben viel zu kurz. Deshalb will ich dies gerne den unzähligen Philo- Instituten überlassen.
Rhetorix
Zitat:
Original von Telltale
Zitat:
Original von Rhetorix
Aufklärung ist meines Erachtens:
- das Wecken der Bereitschaft, sich ein Urteil zu bilden, das von demjenigen der Peer-Group oder aber der herrschenden Meinung abweicht, und dieses zu äußern

Wenn das Aufklärung ist, der Verstand jedoch gebietet, dass die Meinung der Peer-Group richtig ist, so hieße es doch gegen den eigenen Verstand zu handeln, wenn man eine Meinung ausbildet, die deren Meinung entgegengesetzt ist.
Insofern wäre Aufklärung also, den eigenen Verstand zu zwingen, eine Meinung zu bilden, die unvernünftig ist...

Da hast du mich falsch verstanden.

Ich schrieb ja nicht: Aufklärung ist es, sich ein Urteil zu bilden, das von demjenigen der Peer-Group oder herrschenden Meinung abweicht,

sondern: Aufklärung ist das Wecken der Bereitschaft, sich ein Urteil zu bilden... etc.

Gemeint ist die Bereitschaft, an die Lösung einer Frage/eines Problems heranzugehen, ohne von vornherein zu wollen, dass die Antwort/Lösung der Mehrheitsmeinung entspricht. Man muss bereit sein, auch einen vom Mainstream abweichenden Standpunkt zu beziehen und ihn zu vertreten.
Grundsätzlich etwas Anderes zu meinen und zu behaupten als die Mehrheit, wäre natürlich nicht recht gescheit.
carsten aus bochum
Eigentlich habe ich Kants Botschaft nie anders verstanden.
Telltale
@ Rhetorix

In Ordnung. Ich war da wohl etwas unaufmerksam. Sorry.
Was "Aufklärung" betrifft, reagiere ich nur stets ein wenig gereizt, denn um es ohne Umschweife zu sagen, halte ich Aufklärung für den Löwenanteil der Menschen, mit den ich täglich Umgang habe, die ich in den Nachrichten sehe oder von denen ich in der Zeitung lese, für Zeitverschwendung.
Wenn ich mir Berichte von Mai-Feiern in Berlin oder Hamburg ansehe, denke ich manchmal sogar, dass Agamemnon recht hatte, als er sagte: "Einem nur hat Zeus das Zepter verliehen - Vielherrschaft ist nichts nütze."
Dann jedoch kommen mir Gedanken an Penner wie Nero, Napoleon oder Hitler in den Sinn, die auch dieses Konzept fragwürdig erscheinen lassen.

Dass jedoch "Aufklärung" in der heutigen Spaßgesellschaft ein verfehltes Konzept ist, scheint mir evident zu sein.

Gruß
Telltale